5 Gründe, warum Radfahren im Regen Spaß macht

Radfahren im Regen kann durchaus Spaß machen. Leider vergesse ich das ab und zu. Das passiert vor allem dann, wenn ich Zuhause im Trockenen sitze, aus dem Fenster starre und eimerweise Wasser vom Himmel fällt. Während ich überlege, wie ich bei diesem Regen zur Arbeit kommen soll, ohne eine Transformation zum nassen Pudel durchzumachen, resümiere ich meine Motivation vom letzten Mal.

In Berlin regnet es seit über 20 Stunden durchgängig. Es ist der heftigste Regenguss seit 60 Jahren. Als ich Donnerstagabend nach Hause radeln wollte, hatte ich zwei Optionen: 1. schnell mit dem Rad über die Straße zur U-Bahn und dabei nass werden oder 2. Zähne zusammenbeißen, aufs Rad schwingen und die 20 Minuten Nachhause radeln.

Zweitens schien mir die sinnvollste Lösung, denn nass wäre ich sowieso geworden und einmal nass ist auch alles egal.

5 Gründe, warum Radfahren im Regen Spaß macht

  1. Weil man einmal wieder Kind sein kann

Wenn ihr schon nass seid, dann könnt ihr die Furcht vor dem Wasser auch gleich ganz stecken lassen und Spaß haben: Vergesst die Gummistiefel! Ihr sitzt auf einem Fahrrad, dass viel mehr Wasser verdrängen kann, wenn es durch eine Pfütze rollt! Uiiiiii, wie das hochspritzt. Grinsen im Gesicht garantiert (tropfnasse Füße und das Gefühl durch einen Teich zu laufen auch).

2. Weil “Singing in the rain” immer funktioniert

Man muss dabei nicht den Regenschirm schwingen und tanzen. Während das Fahrrad durch den Regen rollt, steigt die Laune ungemein, wenn man vor sich hinsummt, pfeift oder singt. Der Vorteil: Es ist sowieso keiner da, der es hören kann, weil alle versuchen, dem Regen aus dem Weg zu gehen und drin zu bleiben. Und wenn es doch jemand hört: Egal, in Berlin juckt das eh keinen. Außerdem erkennt man kein Gesicht, weil ihr so in die Kapuze der Regenjacke eingemümmelt seid.

3. Weil die Aussicht auf eine Dusche Zuhause die Laune steigen lässt

Klingt eventuell komisch, wenn man bis auf die Unterhose triefnass ist, ist aber so. Ein leichter Sommerregen kann unglaublich erfrischend sein, doch spätestens nach einer Viertelstunde kann es etwas frisch auf dem Fahrrad werden. Wenn ihr dann auf dem Heimweg seid, könnt ihr euch auf eine heiße Dusche freuen und die Kleidung einfach zum Trocknen aufhängen. Deshalb bin ich auch deutlich motivierter, wenn ich auf dem Rückweg nach Hause bin und im Regen radeln muss.

P.S. Das Fahrrad wird auch gratis geduscht, es sei dann man fährt durch Sand. Danach hat man vielleicht endlich die Motivation, das Rad wieder zu putzen.

4. Weil man am Stau vorbei radelt

Die Radwege sind so schön frei, wenn es regnet. Wer mitbekommen hat, dass Menschen nicht aus Zucker sind, kann das mit viel Platz in vollen Zügen genießen. Anders sieht das auf der Straße daneben aus. Schließlich regnet es und dann hüpft manch einer lieber ins Auto. Da stauen sich Blechkarawanen und kommen kaum einen Meter voran. Lächeln, winken, vorbei radeln. Läuft!

5. Weil die richtige Kleidung trocken halten kann

Kann, aber nicht muss. Doch wenn ihr vorher einen Blick in den Wetterbericht werft und dann vorbereitet aufs Fahrrad steigt, könnt ihr bei einsetzendem Regen einfach reagieren. Werft die Regenjacke/das Cape/die Regenhose/die Gamaschen über und kein Regen kann euch mehr was! Vorausgesetzt, man besitzt halbwegs hochwertige Kleidung, die auch wirklich dicht ist. Da hilft es, sich vorab Gedanken zu machen, ein paar Jacken anzuschauen und sich gegebenenfalls beraten zu lassen, was für den eigenen Einsatzzweck sinnvoll ist. Nicht jeder braucht eine Markenjacke mit der Tatze, nur weil man mal zwanzig Minuten durch den Regen radeln muss – zwei Mal im Jahr. Und sonst: Jacke weglassen, Wet-T-Shirt-Contest draus machen und den Sommerregen genießen!

Wichtig:

Auch wenn es Spaß machen kann, im Regen Radzufahren, sollten ein paar Sachen berücksichtigt werden. Regen ist tricky und verschlechtert die Sicht ungemein, nicht nur die eigene.

  1. Licht am Rad ist oberste Pflicht. Wenn man dann noch etwas helle Kleidung trägt, wird man auch noch besser gesehen. Ich bekomme das ja leider meist nicht ganz so gut hin. Desto wichtiger:
  2. Vorausschauend und defensiv fahren. Man hat einen deutlich längeren Bremsweg, wenn die Straßen nass sind und sollte dementsprechend auch auf sein Tempo achten! Ich will auch immer schnell Heim. Das wurde mir auf meiner letzten Regenfahrt fast zu Verhängnis: Während ich schnell über die Straße fahren wollte, kam aus der Seitenstraße ein Auto an und bremste nach meinem Aufschrei gerade noch rechtzeitig ab. Ich aber auch und meine Bremsen haben nämlich deutlich schlechter gegriffen. Das war sehr knapp. Passt auf euch auf und denkt immer für andere mit!
  3. Auch wenn es Spaß macht, durch Pfützen zu radeln, ihr wisst nie, was sich darin befindet. Lasst die tiefen lieber weg und fahrt nur da durch, wo ihr einschätzen könnt, dass ihr auch gut hindurch kommt. Die Straßen aus dem Video des RBB sollten lieber gemieden werden. Es lohnt außerdem die Kette nach einem starken Regenguss neu zu fetten.

 Jetzt ihr! Verratet mir, weshalb ihr gern im Regen radelt! Ich bin neugierig.

 

I got a bit wet today… I cycled home after work and it was raining quite strong. It’s that kind of rain that gets easily into your summer shoes and with every step you take it feels like walking through a lake. But actually: it was quite fun knowing to have a hot shower waiting at home.👍 . . . #bicycle #fahrrad #cyclingintherain #rainyday #summerrain #rain #rainonme #regen #sommerregen #cycletohome #onmyway #berlin #wet #rainshower

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Mehr zum Radfahren im Regen steht auch in meinem Buch “How to survive als Radfahrer”. Schaut gern mal rein!

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12 Gedanken zu „5 Gründe, warum Radfahren im Regen Spaß macht“

  1. Bei Regen habe ich freie Fahrt. Ich begegne nur wenigen Fußgängern mit Schirm und nur coolen Radlern, die eine ähnliche Einstellung zum Wetter haben.

    Die Freude zu Hause angekommen zu sein ist irgendwie viel größer. Eine warme Dusche ist das Top-Event.

    Wenn das Rad dreckig ist, zeige ich damit, dass ich es wirklich nutze. Das zeige ich mit Stolz. Je nach Verschmutzungsgrad wird es im Regen sogar sauberer.

    Bei nasser Fahrbahn ist der Reifenverschleiß geringer!

    Beim Fahren im Regen erlernt man mal wieder die Grenzerfahrungen, ab welchem Neigungswinkel rutscht das Vorderrad nochmal weg?

    Ich glaube mit „Kind sein dürfen“ hast du es verdammt gut getroffen!

  2. Das einzige, was wirklich nervt beim Radfahren im Regen ist die Brille, durch die man nichts mehr sieht! Egal, ob bei Sprühregen oder “Sintflut”… Oh, und die (natürlich nicht wasserfeste) Wimperntusche, die einem in die Augen läuft… 😉

  3. Man hat die Stadt dann für dich allein: leere Radwege, kaum Fußgänger, schon gar keine Spaziergänger mit Hunden. Großartig.

  4. Bei Regen zu Radeln ist effektiver, als bei Regen zu Fuß zu gehen. Ob mit ÖPNV oder PKW, irgendwann muss der Mensch noch durch den Regen sich zu Fuß bewegen. Dies natürlich nicht, wenn die Garage/ die Bushaltestelle einen trockenen Direktzugang hat. Trifft jedoch nur selten zu,

    1. Das ist ja im Grunde auch wieder die Equipmentfrage und die kann bei Fußgängern und Radfahrern gleich gut oder schlecht sein. Als ich an dem ersten krassen Regentag mit meinem Rossmann-Regenschirm an der Bushaltestelle stand und langsam prägnant durchgefeuchtet wurde habe ich mich geärgert, dass ich nicht Rad gefahren bin, weil ich da bis auf das Gesichtsoval vollkommen trocken geblieben wäre. Ich hätte natürlich auch mit sinnvollem Equipment zu Fuß auf die Straße gehen können, so wie das andere taten… (ich wäre allerdings natürlich langsamer gewesen).

  5. Weil das Rad auch bei Regen die beste Fortbewegungsmöglichkeit bleibt. Ein paar EInschränkungen gibt es natürlich. Ich bin diesen Donnerstag und Freitag auch mit dem Rad meine täglichen Wege gefahren, aber die Critical Mass habe ich dann lieber sausen lassen. Auch wenn das schade war.
    Ansonsten macht Kleidung natürlich viel aus, aber als ich neulich mit einbem geliehenen Rennrad ohne Schutzbleche und in leichter Sommerkleidung durch den Regen fuhr/fahren musste, war das auch irgendwie lustig. Immer dran denken: Es ist nur Wasser. 😉

  6. Abgesehen von Regenjacke, Regenhose und dichten Schuhen, sind auch die darunterliegenden Schichten für das Wohlbefinden wichtig, Unterhemd und Pullover sollen den Körperschweiß von der Haut weg zur Jacke hin leiten, Wolle und Kunststoff können das, Baumwolle nicht, die klebt unangenehm am Körper und läßt diesen auskühlen. Für eine Regenjacke und -hose sollte jeweils etwa 100-150 Euro einkalkuliert werden. Anstelle einer hochpreisigen Membran, sollte man auf eine gut einstellbare Kapuze (freier Blick nach hinten, Schirm gegen Regentropfen auf der Brille) und Lüftungsöffnungen unter den Achseln achten, eine Regenhose mit komplett durchgehenden Reißverschlüssen kann man schneller und bequemer anziehen und bei Bedarf auch besser lüften. Im Alltag spielt auch das Packmaß eine Rolle und wie man sein Regenzeug unterwegs verstauen kann – die besten Regensachen sind die, die man auch dabei hat …

    1. Das Packmaß spricht dann wieder gegen den durchgehenden Reißverschluss.

      Ich hab übrigens beides:
      Für den Alltag mit dem langen Reißverschluss- von Discounter- hat selbst letzten Donnerstag ausgereicht.
      Und ein Markenorodukt mit kleinem Packmaß für die Reise

  7. Ja, radeln im Regen macht Spaß, hauptsache die Klamotten sind dicht. Ich bin vor drei Wochen den Weser-Radweg überwiegend im Regen gefahren, war trotzdem schön und eine ganz neue Erfahrung. Und der Geruch eines Kornfelds im Regen, der hat was…

  8. Es ist praktisch: Dank Radregenkleidung bleibe ich bis auf mein Gesichtsoval trocken. Wenn ich wie gewohnt schnell fahre (und mein Fahrrad zuschlamme) verliere ich keine Zeit. Wenn ich etwas langsamer fahre geht’s meinen Fahrrad dabei auch noch gut.

    Es macht Spaß: Gemütliches Fahren mit Regenkleidung ist auch bei Starkregen kein Problem. Man gleitet durch den Regen und es prasselt entspannend auf den Kopf. Super! Bei weniger Regen und ab 20 Grad reicht auch schnell trocknende Funktionskleidung samt Fahrradhelm aus und ich muss mich nicht vollständig verschalen.

    Man ist alleine: Es ist viel weniger Verkehr unterwegs, weil sich alle verkriegen.

    Es ist das einzig Sinnvolle: Deutschland ist ein Sommerregenland. Hier kann es auch mal wochenlang am Stück regnen. Soll ich dann Zuhause rumhocken?

    Ich musste das aber auch lernen. Ich war jahrelang Sommerradfahrer mit einem MTB ohne wesentliche Schutzbleche. Es durfte also weder geregnet haben, noch jetzt oder demnächst regnen. Das Verhalten habe ich erst durch “vernünftiges” Equipment im vorletzten Jahre abgestellt.

    Wasserdichte Schuhe sind übrigens kein Hexenwerk, die gibt’s sogar von Converse. Dann kann man durch die Pfützen sausen und bleibt trocken :D.

  9. Radeln im Regen ist gut fürs Ego. Man erlebt hautnah, dass man von ein paar äußeren Widrigkeiten nicht gleich gestoppt wird. Das ist ein gutes Gefühl.
    Und man bekommt längst nicht jedes Mal, wenn man sich mal nasse Füße holt, einen Infekt. Regelmäßiges Radeln trainiert auch das Immunsystem. Ich jedenfalls bin, seitdem ich bei Wind und Wetter fahre, kaum noch erkältet. Wichtig ist mir nur, dass ich nach dem Nasswerden schnell in trockene Klamotten komme und nicht auskühle.

    1. Du wirst hauptsächlich deshalb nicht krank, weil du nicht ständig mit anderen Menschen in Kontakt kommst. Die Temperatur und Feuchtigkeit spielen da nur eine geringe Rolle. Die Schwächen zwar dein Immunsystem etwas, aber damit das Auswirkungen hat, musst du ja erst einmal mit Erregern in Kontakt kommen (zudem kühlst du am Rad nicht wirklich aus, bei Regenkleidung ist es eher ein Problem, nicht zu warm zu werden). Wer ÖPNV durch Rad tauscht minimiert das Risiko erst einmal.

Noch etwas Senf dazu?