Das Brompton Electric – der erste Eindruck

Das Brompton Electric, endlich ist es da – zumindest in Großbritannien! Ich freute mich auf jeden Fall sehr, als ich kurz vor der Brompton World Championship 2017 las, dass man das neue Brompton Electric in Rahmen der Prudential Ride London – Veranstaltungen ausprobieren konnte.

Als wir am Samstag vor dem Rennen an der Testzone neben St.Paul’s Cathedral ankamen, hatte sich schon eine kleine Schlange gebildet. Wir waren natürlich nicht die einzigen, die wissen wollten, wie sich das neue E-Brommie fährt, trotz einsetzenden Nieselregens. Zum Glück musste ich nicht lange warten. Nach einer kurzen Einführung  schwang ich mich auf den E-Falter und rollte los. Huuuui!

Das Brommie ist nicht das erste faltbare Pedelec, dass ich gefahren bin. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Spaß, den ich auf der Eurobike 2016 mit dem Tern Vectron (damals noch Electron) hatte! Da steckte ordentlich Power drin, doch wieder fand ich das Faltmaß und Gewicht (21,8 kg) abschreckend. Sollte das bei dem Brompton Electric anders sein?

First reaction

Als ich endlich aufsteigen und in die Pedale treten konnte, musste ich sofort wieder lächeln – wie immer, sobald ich auf einem Brompton sitze. Doch dieses Mal fühlte ich mich leicht angeschoben, als hätte ich beständig Rückenwind, wie Verena das im folgenden Video so schön ausgedrückt hat. Es machte einfach Spaß, damit zu fahren.

Ich fuhr mindestens drei Runden und wechselte bei jedem Stopp einen Modus. Die Steuerung ist einfach, wenn ich es auch etwas ungünstig finde, dass man die Modi nur über die Knöpfe am Akkupack wechseln kann. Während der Fahrt ist das doch etwas umständlich bzw. unsicher oder gar nicht möglich. Insgesamt drei Antriebsstufen sind wählbar: 0=keine Unterstützung, 1=leichte Unterstützung, 2=mittlere Unterstützung, 3=starke Unterstützung. Es wird mittels kleiner LED-Leuchten angezeigt, welcher Modus ausgewählt ist. Die Fahrrad-Beleuchtung lässt sich über eine weitere Taste steuern. Viel mehr gibt es nicht einzustellen. Weitere LED zeigen den Ladezustand des Akkus an. Kein Display, kein Schnickschnack. Außer für I-Phone-Besitzer: Die können über eine App zum Beispiel Fahrleistung und Wartungsdaten dokumentieren.

Spitzentechnologie mit intelligentem Sensor

Die Entwicklung des Brompton Electric hat deutlich länger gedauert, als ursprünglich geplant. Nachdem erste Umsetzungsversuche nicht den Brompton-Standarts entsprachen, war man auf der Suche nach einem neuen Kooperationspartner. So kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem im Formel-1-Sportunternehmen Williams Advanced Engineering. Der dabei entwickelte 250-Watt-Motor, der im Vorderrad untergebracht wurde, nutzt eine intelligente Sensortechnologie. Der Sensor am Tretlager misst Trittkraft-und frequenz. Er steuert zusammen mit dem Frontsensor im Motor (misst die Fahrgeschwindigkeit) die notwendige Fahrunterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h automatisch, wie es auf der Homepage von Brompton heißt.

Ich fand die Testrecke bei St. Paul’s leider viel zu kurz und mit ihrer engen Kurve recht ungeeignet, um wirklich das Potential des Brompton Electric zu erfahren. Umso mehr freute ich mich, als wir am Sonntag in der Brompton Junction London noch einmal die Gelegenheit bekamen, das Brompton Electric auf der Straße zu probieren! Dankeschön!

Endlich ein Berg, endlich genügend Gelegenheiten anzufahren! Auch, wenn es nur eine kurze Ausfahrt war, spürte ich deutlich, wie sehr der Antrieb das Fahren erleichterte, besonders bergauf! Beim Anfahren habe ich mir noch einen direkteren Schub gewünscht. Für meinen Geschmack setzte die Unterstützung da zu spät ein. Andererseits macht das Rad nicht plötzlich einen Stoß nach vorn, was ungewollte Überraschungen vermeidet. Ich hoffe, ich kann das E-Brommie irgendwann mal länger testen, um zu erfahren, wie es sich im Alltag verhält.

Aber das Gewicht!

Sportliche 13,7 kg wiegt das Brompton Electric in der Zwei-Gang-Version, plus 2,9 kg Akku und Tasche (1,5 kg), die super einfach abgenommen werden kann. Denn Brompton hat sich da etwas schlaues einfallen lassen: Der Trägerblock vorn, der sonst die passenden Taschen trägt, wird mit einer kleinen Akkutasche bestückt, die es wahlweise auch noch in einer größeren Version gibt. Somit kann immer noch weiteres Hab und Gut transportiert werden.

Hebt man das Schätzchen an, spürt man schon einen deutlichen Gewichtsunterschied. Zum Vergleich: Mein Sechs-Gang-Brompton mit kompletter Straßenausstattung wiegt ca. 12,6 kg (ohne Tasche). Das Brompton Electric wiegt mit Akku-Pack in der Zwei-Gang-Version ca. 16,6 kg + 1,5 kg Tasche, macht 18,1 kg. Das ist schon ein stattliches Gewicht! Das kann ich nicht beschönigen. Beim Fahren merkt man das zum Glück aber quasi gar nicht. Vielmehr ist es ein größtenteils flüssiger Antrieb, der besonders bei Anstiegen Spaß macht.

Wenn ich es also logisch betrachte: Das Brommie wiegt ohne Akku und Tasche nur ca. 1 kg  mehr als mein normales. Meine Tasche nehme ich zum Tragen immer ab. Das würde ich in dem Fall auch tun, denn man kann sich die Akkutasche einfach umhängen. Ich trage das Brommie selten lang gefaltet, sondern ziehe es eher mit ausgefaltetem Lenker wie ein Hündchen hinter mit her. Beim Brompton Electric hat man zudem noch auf bessere Wheels geachtet. Es sind die gleichen, wie bei der normalen Version mit Gepäckträger und sie rollen somit stabiler. Wenn ich das Faltrad doch tragen muss, dann lieber im  fahrbereiten Zustand und mit dem Sattel über die Schulter gehängt.

Falten lässt sich das Brommie wie üblich, außer das das Vorderrad mit dem Motor deutlich schwerer ist, als vorher, was beim Einfalten natürlich auffällt.

Wie weit komme ich mit dem Brompton Electric?

Der Akku hat eine Leistung von 300 Wh. Die Reichweite variiert natürlich stark nach der Intensität der Nutzung und zum Beispiel auch in Abhängigkeit von den äußeren Bedingungen. Wenn ich starken Gegenwind habe und viele Berge nehme und dabei stets eine mittlere Antriebsunterstützung wähle, dann komme ich sicher nicht so weit, wie bei Windstille und im ersten Modus. Da unterscheidet sich das E-Brommie nicht von anderen Pedelecs. Komplett geladen liegt die Reichweite zwischen ca. 40 und 80 km. Das perfekte Stadtrad also.  Innerhalb von  4–5 h ist der Akku mit dem Standard Ladegerät wieder zu 100% aufgeladen. Mit einem Schnell-Ladegerät verkürzt sich die Zeit um bis zu 50 %.

Das Brompton Electric wird vermutlich erst 2018 in Deutschland in zwei Varianten verfügbar sein: Als M2LD, also ein Zwei-Gang-Rad mit Schutzblechen und M-Lenker und die entsprechende Sechs-Gang-Variante M6LD und zwar in schwarz glänzend oder weiß glänzend.

Der Preis liegt zwischen 3000 und 3500 €, je nach Ausstattung.

Hier könnt ihr mich noch ein paar Runden rollen sehen, inklusive meiner ersten Reaktion nach der Fahrt :-D.


Übrigens arbeite ich immer noch nicht für Brompton (warum eigentlich nicht?), sondern bringe nur meine Begeisterung für das Faltrad zum Ausdruck, in dem ich häufig darüber schreibe und Bilder poste. Ich bin einfach sehr glücklich damit!

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2 Gedanken zu „Das Brompton Electric – der erste Eindruck“

  1. Sehr schöner Beitrag 🙂 Ja das Gewicht. Ein Punkt, der so manches cooles E-Klapprad direkt wieder irgendwie unattraktiv macht. Und dann haben wir da noch den Preis von mindestens 3.000,- Euro. Für den Preis finde ich, kann man schon ein Bedienpanel direkt am Lenkrad erwarten. In voller Fahrt im Stadtverkehr sich vorne überbeugen zu müssen um die Leistungsstufe zu ändern, ist weniger cool. Positiv finde ich, das trotz des Nabenmotors auch ein Drehmomentsensor zum Einsatz kommt. Mir persönlich ist das aber trotzdem einfach zu viel Geld für ein E-Bike mit, zwar zum Teil bauartbedingt, aber einer trotzdem etwas magereren Ausstattung im Vergleich zu einem normalen E-Bike in dieser Preisklasse.

    1. Danke :-). Ja, das stimmt schon. Ein Brompton ist schon ohne Antrieb kein Schnäppchen. Da muss man abwägen, wie viel Vorteil man am Ende davon hat und wie wichtig es ist, dass man falten kann oder ob eben nicht doch ein normales E-Bike reicht.

Noch etwas Senf dazu?