Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder

Am nächsten Morgen war kaum noch etwas von dem Unwetter des Vorabends zu erkennen. Nur ein paar Pfützen deuteten noch auf den vergangenen Regen hin und ich lenkte Ljómi im Slalom um diese herum. Ich freute mich darüber, wieder im Sattel zu sitzen, auch weil es die ersten Meter in Richtung Innenstadt von Worms nur bergab ging.

3.   Tag: Von Worms nach Hochstetten (bei Karlsruhe)

Strecke: ca. 100 km

Bevor ich zurück auf den Rheinradweg und an den Rhein rollte, erkundete ich neugierig die geschichtsreiche Stadt der Nibelungen mit ihrem Wahrzeichen, dem Dom St. Peter zu Worms, dem zweiten der drei berühmten rheinischen Kaiserdome auf meinem Weg. Im 12. Jahrhundert entstanden, ragt er noch heute mit seinen zahlreichen Rundbogen-Fenstern imposant in den Himmel. Auch sonst hat die Stadt ein paar reizvolle Altbauten zu bieten, die jedoch mit dem Fahrrad schnell abgefahren sind.

Der morgendliche Weg am Rhein entlang war wirklich schön und grün, vorbei an in Nebel gehüllte Felder und durch kleine Waldabschnitte. Doch spätestens, als ich mich Mannheim näherte wurde es anstrengend.

Die Straße führte mich in einem größeren Bogen vom Rhein weg, so musste ich zwar nicht durch die Stadt und das Industriegebiet fahren, dafür ging die Straße dennoch durch urbanen Raum. Einige Wohnsiedlungen lagen auf dem Weg. Wieder spürte ich die zunehmende Wärme, die mich doch sehr forderte (ich Nordkind, ich). Positiv war jedoch für mich, festzustellen, dass mein Brommie und ich uns gut eingespielt hatten. Ich fühlte mich wohl darauf, der Brooks Cambium fuhr sich großartig und am dritten Tag meiner Reise verzichtete ich auch mutig auf jegliche Radlerhosen und zusätzliche Polsterung. Kein Problem!

Alle Wege führen nach Speyer

Später führte die Route mit dem kleinen, grünen Pfeil auf weißem Grund größtenteils entlang des mit Wiese begrünten Deiches und vorbei an üppig bewachsenen Feldern mit Mais, Kürbis und Plantagen mit Apfelbäumen. Nach einer Weile war ich etwas gelangweilt, da es viel geradeaus ging und für meinen Geschmack zu wenig Abwechslung dabei war. Die bunten Felder waren reich bepflanzt und die Wegqualität gut, aber dennoch wurde es irgendwann eintönig. Am dritten Tag wünschte ich mir verstärkt eine Begleitung, die mich von der Langeweile des gleichförmigen Weges ablenken konnte. Die nächste Stadt auf meiner Strecke sollte Speyer sein, die dritte Domstadt meiner Tour und ich war sehr gespannt auf den berühmten Dom. Bereits die Schilder auf dem Weg deuteten in fast allen Richtungen dorthin. Ich entschied mich für den Weg entlang der Straße.

Ich fluchte häufiger, denn die Sonne brezelte ohne Erbarmen auf mich hinab und der Sonnenbrand vom ersten Tag machte sich deutlich bemerkbar – auch unter dem Langarmshirt. Selbst erschaffenes Leid würde ich sagen. Meistens konnte ich glücklicherweise vermeiden, dass andere Radfahrer meine an mich selbst gerichteten Flüche mithörten. Immer positiv denken!

Beeindruckende Architektur und enttäuschendes Eis

Doch schließlich erreichte ich Speyer und fand dort das nächste Highlight meiner Reise. Schon von Weitem bewunderte ich den riesigen Kaiserdom, der bereits im 11. Jahrhundert gebaut und nach ca. 30 Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde. Er gilt als größte, erhaltene Kirche der Romanik. Charakteristisch für die romanische Architektur ist die Fassade mit den Rundbögen und den hohen Rundbogenfenstern.

In Speyer gönnte ich mir eine Eispause und musste wieder einmal feststellen, dass ich doch arg verwöhnt bin von den Berliner Eismanufakturen. Da kommt so schnell kein Eis heran (Tatsächlich musste ich bis zum Bodensee aushalten, bis ich wirklich gutes Eis genießen durfte.)! Dafür wurde ich in ein sehr nettes Gespräch mit einem älteren Paar verwickelt, die mein Brompton und seine Fähigkeiten offenkundig bestaunten :-).

Es war Samstag und die Stadt war gut besucht. Nicht nur das große Mittelalter Spectaculum hatte seine Zelte aufgeschlagen und lockte viele Besucher an. Auch in der Innenstadt direkt zu Füßen des Doms wuselten die Menschen umher. Diese bot nicht nur Shoppingmöglichkeiten, sondern auch einige hübsche, historische Gebäude, die einen näheren Blick lohnten.

Von Straßen und Feldern

Es dauerte ein wenig, bis ich meinen Weg aus der Stadt heraus gefunden habe, da ich die Radwegschilder erst suchen musste, nachdem ich von der Hauptroute abgekommen war. Weil der Rheinradweg nun auch eher abseits des Flusses verlaufen würde und ich ein paar Kilometer sparen wollte, beschloss ich bis Germersheim, der Festungsstadt, dem Radweg entlang der Hauptstraße zu folgen.

Das bedeutete für mich ein größtenteils asphaltierter Weg, der bis Lingenfeld durchweg geradeaus verlief. Dafür brauchte ich dann auch kein Navi mehr. Mir kamen immer wieder Radsportler im Trikot entgegen und als ich ein Schild am Ortseingang sah, wurde ich aufgeklärt. An diesem Samstag fand ein Radrennen in Lingenfeld statt und ich hatte Glück: Als ich an der Absperrung vorbeirollte, kam mir ein ganzer Trupp Radler entgegen, was ich gerade noch rechtzeitig auf einem Foto einfangen konnte.

Wenn die bei dem Wetter sogar Rennen fahren, konnte ich mich wohl zusammenreißen und noch ein paar gemütliche Kilometer vor mich hinradeln! Nach Germersheim kam ich endlich zurück zum Rhein, wo ich den Schatten und die dadurch etwas niedrigeren Temperaturen sehr genoß.

Entlang des Deiches und übers Wasser

Kurz darauf ging der Weg bis zur Fähre in Leimersheim, die mein nächstes Ziel war, weiter entlang des Deiches. Obwohl viele Radfahrer in den späten Nachmittagsstunden unterwegs waren, fiel mir auf, dass es deutlich weniger Reiseradler waren, als im Mittelrheintal. Ganz klar, die landschaftlich spannendere Region lag bereits hinter mir. Doch umgeben von Wiese und viel Wald, gestaltete sich die teilweise schnurgerade verlaufenden Strecke doch recht schön. 

Endlich durfte ich in Leimersheim wieder aufs Wasser, denn nun lag erneut eine kurze Fährpassage vor mir. Bei diesen kleinen Fähren sollte man unbedingt auf die Fahrzeiten achten! Diese fuhr zum Beispiel abends nur bis 19 Uhr, was ich unterwegs über den Online-Fahrplan erfahren habe.

Ich wechselte auf die andere Rheinseite, auf der ich auch in den folgenden Tagen hauptsächlich unterwegs sein sollte. Ca. 8 km später erreichte ich schließlich gegen 18.45 Uhr mein Tagesziel in Linkenheim-Hochstetten, wo ich dank dem Faltradler Stefan eine sehr erholsame und ruhige Nacht verbringen durfte!

Vielen, vielen Dank dafür! Es ist so toll, liebe, gastfreundliche Menschen auf dem Weg zu treffen und besuchen zu können!

4. Tag: Von Hochstetten (Karlsruhe) nach Kehl

Strecke: ca. 100 km

Am Sonntagmorgen fing mein Tag bereits früh an und die erste Stunde auf dem Rad verbrachte ich noch vor dem Frühstück. Wie schön, dass ich abgeholt wurde und den Morgen in Gesellschaft mit tollen Gesprächen und dem Teilen von Gedanken beginnen durfte!

Nach einer kurzen Sightseeing-Runde bekam ich ein grandioses Frühstück in der Barockstadt Karlsruhe serviert. Satt und zufrieden konnte so meine Reise allein weitergehen. Ich verließ Karlsruhe über den Stadtpark und vorbei an Wildgehegen durch den kühlen Wald.

Ich habe den Tipp bekommen, eher über die Dörfer zu fahren, als direkt runter zum Rhein, was ich schließlich einen Teil des Tages auch machte. Der Weg führte dafür viel entlang der Landstraße und durch die kleinen Orte hindurch, ließ sich aber sehr gut fahren und war fast durchweg asphaltiert. Meine erste Station war mittags der nächste Barockort: Rastatt hat ein sehr hübsches Schloß mit einem ebenso ansehnlichen Garten, wo ich hinter einer hohen, grünen Hecke Schutz vor der Mittagshitze suchte. Die Temperaturen lagen um die 30°C. Das, was ich am meisten unterwegs kaufte, waren Getränke. Später, in einem Dorf mit Getränkemarkt, gab es unglaublich leckere Schwarzwälder Apfelschorle, frisch aus dem Kühlschrank. Mein ganzer Körper zischte förmlich, als ich die kühle Erfrischung zu mir nahm.

Graveldeich mit Splattereis

Schließlich führte mich der Weg doch an den Rhein zurück. Erfreulich war, dass er direkt am Fluss oben auf dem Deich weiterverlief. Weniger positiv nahm ich den Schotterweg auf, der staubig und mit vielen kleinen Steinchen dem Begriff Gravel alle Ehre bereitete. Also gönnte ich mir nach kurzer Strecke erst einmal ein semi-gutes Eis. Es gab immer wieder Kreuzungen auf der Strecke, wo kleine Parkbuchten integriert sind und Boote ins Wasser gelassen werden konnten. Dort herrschte meist reges Treiben und es war fast immer ein Eiswagen zu finden. Mein Eisverkäufer hatte aber scheinbar große Probleme Erdbeere und Schoko auseinander zuhalten, was schließlich zu einer mit Eissauce überströmten Waffel führte, die rein optisch in jedem Splatterfilm eine Hauptrolle spielen konnte.

Da ich den Deichweg nicht sonderlich mochte, versuchte ich immer wieder alternativ auf dem Weg neben dem Deich oder noch besser entlang der Überlaufbecken und durch den Wald der Auenlandschaft zu fahren. Dort war es teilweise nicht nur schattig, sondern auch landschaftlich deutlich reizvoller als der Kieselweg mit Blick aufs Wasser. Viele dieser Gebiete stehen unter Naturschutz und ich habe so einige Vogelarten und Fischreiher am Wasser ausharren gesehen. Auch wenn die Wegqualität gleichwertig steinig und staubig war, war mir dieser Weg deutlich lieber. Ich war größtenteils allein dort unterwegs.

Relativ früh erreichte ich gegen 17 Uhr schließlich Kehl, dass direkt am Rhein gegenüber der französischen Stadt Strassburg liegt. Dort wollte ich am nächsten Tag meine Reise fortführen.

 

Teil eins der Tour mit den ersten beiden Tagen auf dem Rheinradweg könnt ihr unter “Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Burgen und Wein” nachlesen!

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3 Gedanken zu „Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder“

  1. Wohlverdientes Eis! Und heftige Strecke. Bin auf meinem Brompton noch nie so lange unterwegs gewesen. Die beiden Taschen, vorne und hinten, schauen interessant aus. Von wo sind die?

    1. Dankeschön! Ich reise normalerweise immer mit Schlafsack, aber in dem Fall habe ich ca. eins/zwei Wochen vorher Unterkünfte (Jugendherberge, Pension) gebucht und Freunde auf der Strecke gefragt. Das würde ich aber von der eigenen Flexibilität (Strecke pro Tag und Preis) und der Saison anhängig machen.

Noch etwas Senf dazu?