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Rad + Reise Hamburg 2018

Die ADFC Messe Rad + Reise findet auch im Frühjahr 2018 wieder in Hamburg statt.

Die Rad + Reise Hamburg fokussiert das Thema Reisen mit dem Fahrrad in allen Facetten. Dort kann sich der oder die BesucherIn über das richtige Reiserad und das passende Zubehör genauso informieren, wie über beliebte Tourismusregionen und Reiseveranstalter. Zahlreiche Aussteller vor allem aus dem Norden Deutschlands präsentieren sich in der Sporthalle Hamburg. Abgerundet wird die Rad + Reise mit einem Vortragsprogramm von Radreisenden und Themen rund um die Reise an sich.

Weitere Infos zu den Ausstellern und dem Rahmenprogramm gibt es auf der Website des ADFC-Hamburg.

https://hamburg.adfc.de/freizeit/veranstaltungen/rad-reise/rad-reise/

 

Titel: ADFC Hamburg

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Schweizer Rheinromantik und geänderte Pläne

Nach einem entspannten Frühstück setzte ich meine Reise an Tag sieben auf dem Rheinradweg fort. Es war der letzte meiner Tour und ich freute mich darauf, am Bodensee anzukommen. Ich hatte nur ein kleines Problem: Meine Unterkunft für die kommenden drei Messetage hatte Friedrichshafen noch nicht erreicht! Sie war scheinbar mit der Post verschollen.

Fast zwei Wochen vor meiner geplanten Ankunft am Bodensee hatte ich ein Paket mit Zelt und Schlafsack an eine Packstation in Friedrichshafen gesendet. Mein Plan war während der Eurobike auf dem Campingplatz zu nächtigen, so wie im Vorjahr auch. Nur aus irgendeinem Grund veränderte sich der Sendungstatus nicht. Als also am Dienstag, einen Tag vor meiner Ankunft immer noch keine Spur von dem Paket war, machte ich mir ernsthaft Gedanken.

Von der Fahrradgemeinschaft und der Reichweite sozialer Netzwerke

Ich hatte an diesem Tag aber ein Foto gepostet und auf meine etwas ungünstige Lage aufmerksam gemacht. Ich muss zugeben, ich habe nicht damit gerechnet, dass sich das so schnell verselbstständigt. Das Bild und meine Frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit in dem zu Messezeiten sehr überlaufenen Friedrichshafen wurde geteilt und ich bekam Stück für Stück ein paar Nachrichten und Angebote.

Von kompletter Campingausrüstung mit Schlafsack und Isomatte über Vorschläge für eventuell noch freie Jugendherbergen und Ferienwohnungen mit Zusatzbett war so einiges dabei. Am letzten Reisetag las ich gegen Mittag dann eine kurze Facebooknachricht mit einer Telefonnummer und der Bitte um Rückruf, falls meine Suche noch nicht abgeschlossen sei. Ich war neugierig, weil ich denjenigen nicht kannte, aber schnell durch einen Blick auf sein Profil feststellen konnte, wer unser gemeinsamer Bekannter ist. Ich war beruhigt und wählte die Nummer. Es dauerte nicht lang und ich wusste, dass meine Suche vorerst abgeschlossen war. Zumindest am Mittwoch musste ich mir keine Gedanken mehr machen, wo ich denn unterkommen könnte. Dies entspannte meine Stimmung doch deutlich.

Vielen, vielen Dank an all die tollen Menschen, die mir Vorschläge gemacht und Hilfe angeboten haben. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, nicht allein da zu stehen und zu wissen, dass ich sicher irgendwo unterkommen werde!

7. Tag: Kössaberg – Radolfzell

Strecke: ca. 90 km

Ich war also optimistisch gestimmt, als ich bei bestem Spätsommerwetter durch die wunderschöne, wechselnde Landschaft an den Ausläufern des Südschwarzwaldes entlang radelte. Schweizer Rheinromantik pur. Wie konnte ich da auch schlechte Laune haben? Immerhin war ich unterwegs, saß auf meinem Brompton und entdeckte eine mir unbekannte Gegend bei traumhaftem Wetter. So wie am Vortag verliefen die Landesgrenzen fließend. War ich eben noch in einem kleinen Schweizer Ort, näherte ich mich kurz darauf schon wieder deutschen Feldern.

Was für ein Rheinfall! (sorry :-D)

Das große Highlight des Tages sollte der Rhein-Wasserfall in Neuhausen sein, der zu den größten Wasserfällen Europas zählt. Kurz zuvor hatte ich mal wieder eine Grenzlinie überfahren, die hier zugegebenermaßen extrem gezackt verläuft. Das toppte sogar den Vortag.

Auch, wenn der Rheinfall (ja, sie nennen ihn wirklich so…) sicherlich kein Geheimtipp ist, er ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Besonders beeindruckt hat mich nicht nur die Breite, die mit 150 m schon enorm ist. Auch die durchlaufende Wassermenge und die Lautstärke des beständig rauschenden Wassers blieben in Erinnerung. Die Anzahl der Touristen, die in zahlreichen Booten durch den Rhein geschifft wurden, war genauso beachtlich und motivierte mich, nicht allzulange zu verweilen. Den schönen Ausblick vom Schloß Laufen auf der anderen Rheinseite ließ ich also aus und fuhr lieber eine praktische Runde mit dem vor gar nicht langer Zeit errichteten, frei stehenden Fahrstuhl. Mithilfe von diesem war es deutlich leichter in den höher gelegenen Ort und wieder auf meinen Track zu kommen, als über die vielen Stufen. Außerdem war er relativ gering frequentiert.

Rheinromantik und Bio-Verpflegung im Grünen

Durch das hübsche Schaffhausen hindurch führte mich mein Weg direkt am Wasser entlang und endlich auch wieder hinaus aus der Stadt. Das Tolle war: Aufgrund der Wegführung und der zahlreichen Sehenswürdigkeiten war dieser Tag so abwechslungsreich, dass mir keine Minute langweilig wurde.

Es gab eher zu viele Gründe auch einmal anzuhalten, den Ausblick zu genießen (wie im Video oben bei Diessenhofen) oder das Rad durch eine historische Altstadt zu schieben. Der letzte Schweizer Ort meiner Reise ist so eine besagte Stadt. Stein am Rhein bietet zahlreiche optische und architektonische Highlights. Rheinromantik, ich sagte es ja.

In Stein reihen sich wunderschöne alte Fachwerkhäuser aneinander, doch der wahre Hingucker ist die Altstadt mit ihren aufwändig bemalten Hausfassaden. So viele Details verlangten nach meiner Aufmerksamkeit, dass ich einfach vom Fahrrad steigen und langsam hindurch laufen musste, um die Wandgestaltung zu bestaunen.

Großartig war in der Schweiz auch, zumindest auf meinem Streckenabschnitt, die häufige Verfügbarkeit von Trinkwasserstellen. So hatte ich immer wieder die Gelegenheit, meine Wasserflasche aufzufüllen.

Oder man nimmt eben einen Imbiss irgendwo auf der Route ein wie zum Beispiel bei einem Biohof, an dem ich nach einer hügeligen Auf- und Abfahrt bei Gailingen eine Pause einlegte. Die Bioladestation verspricht Radfahrenden und Wanderern eine gemütliche Pausengelegenheit im Schatten von großen Bäumen mit Gebäck, eiskalten Getränken und Kaffee gegen einen kleinen Beitrag in die Vertrauenskasse. Dazu sitzt man mitten im Grünen mit Feldern ringsherum und garantiert ohne Touristenströme. Ich war schon ein wenig begeistert, als ich die Ladestation am Wegesrand entdeckte. Obwohl ich kurz zuvor bereits eine Pause eingelegt hatte, musste ich einfach noch einmal anhalten und auch einen Eintrag im Gästebuch hinterlassen.

Bodensee und Zugfahrt am Abend

Und dann war ich endlich da. Nach einer Woche unterwegs mit meinem Brompton hatte ich mein Ziel (fast ) erreicht. Ich war am Bodensee angekommen. Doch an diesem Mittwoch sollte ich nicht weiter als bis Radolfzell radeln. Mein ursprünglicher Plan bis Konstanz zu fahren und mit dem Katamaran nach Friedrichshafen überzusetzen, hatte sich aufgrund der zwangsläufig veränderten Schlafsituation erledigt. Stattdessen gönnte ich mir in Radolfzell ein wirklich sehr gutes Eis (das Beste, das ich in der Region und auf meiner ganzen Reise genießen durfte) und stieg dann in den Regionalzug.

Tuttlingen und unglaubliche Gastfreundschaft

Was mich am Ende meiner Reise erwartete, kann ich trotz der vorherigen Ungewissheit nur als einen wahren Höhepunkt beschreiben. Ich habe auf der Tour einige sehr tolle, hilfsbereite und freundliche Menschen getroffen. Diese Reiseerfahrungen bleiben mir als wichtigste und wertvollste Erinnerungen. Als ich aber in Tuttlingen aus dem Zug stieg und dort bereits erwartet wurde, war ich schon etwas überwältigt. Zunächst war ich etwas unsicher, als ich in das Auto stieg, das mich zu meiner Unterkunft für die Nacht bringen sollte. Ich bin nicht so der Typ, der zu Wildfremden in die Karre steigt und sich einfach irgendwo hinfahren lässt. Doch in dem Fall hatte ich einfach keine Zweifel. Das Telefonat zuvor, die ruhigen, aber höflichen Worte während der Fahrt und dann die Begrüßung bei der Ankunft, fühlten sich einfach richtig an.

Was ich dann erlebte war ein wundervoller, angenehmer Abend mit leckerem Essen, schönen Gesprächen und zwei sehr tollen Gastgebern! Danke ihr beiden! Es war mir ein Fest und ich hoffe, wir sehen uns mal wieder!

Meine Reise war zu Ende. Die nächsten Tage vergingen auf der Eurobike im beständigen Regen. Der Sommer war irgendwie genau mit meiner Ankunft am Bodensee vorbei. Ich war etwas geschafft von der Sonne, aber glücklich endlich wieder ein paar Tage im Sattel verbracht zu haben. Ich freue mich schon sehr auf meine nächste Tour und wer weiß schon, wohin es mich da verschlagen wird.


Hier gibt es Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der mit dem Faltrad auf dem Rheinradweg-Tour.

Die Donation-Drone – mit Brompton und Drohne durch Kambodscha

Die Donation-Drone – mit Brompton und Drohne durch Kambodscha. Das klingt spannend, oder? Ich wurde sofort neugierig, als mir Andrea bei der Fahr Rad Kino-Tour im September davon erzählte. Sie ist Fotografin und Fahrradguide in Berlin und hat bereits langzeitig Radreiseerfahrungen gesammelt.

Zusammen mit Klaus und ihren beiden Hunden reiste sie zwei Jahre mit “normalen” Fahrrädern um die Welt. Auf dieser Reise waren sie auch in Ländern unterwegs, die nicht die gleichen Standards wie wir in Deutschland und dem Großteil von Europa haben.

Die Donation-Drone

Mitte November 2017 starten die zwei daher ein ganz besonderes Projekt: Sie wollen vier Monate mit ihren Brompton-Falträdern durch Kambodscha reisen und mit einer Drohne Luftaufnahmen machen, die gegen eine Spende verfügbar gemacht werden. Das Prinzip ist einfach: Spende mindestens 5 € und erhalte dafür ein Luftbild aus Kambodscha per E-Mail! Das erhaltene Geld fließt 1:1 in das Projekt WASH ( WAsser, Sanitäre Einrichtungen und Hygieneschulungen) in Kambodscha. Wer mehr über die Hintergründe dazu erfahren möchte, kann dies bei “Kleine Hilfsaktion e.V.” nachlesen.

pic by jokeair

 

Das Projekt von Klaus und Andrea hat den Titel Donation-Drone und bisher sind bereits rund 2.000 € von den angestrebten 15.000 € zusammen gekommen.

Spende für Kambodscha – und bekomme eine Lufbildaufnahme!

Ich habe mit Andrea gesprochen, um etwas über ihre Beweggründe und ihre Motivation zu erfahren, die Reise nach Kambodscha anzutreten – und dann auch noch mit Brompton!

Liebe Andrea (A), Danke, dass du dir so kurz vor der Reise Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten!

1. Weshalb habt ihr euch Kambodscha als Reiseziel ausgesucht?

A: Ganz ehrlich? Asien sollte es sein. Ich habe Klaus gefragt: Kambodscha? Und Klaus hat gesagt: ok! Das kam einfach so aus mir heraus. Ich habe keine andere Beziehung zu dem Land und ich war auch noch nie irgendwo anders in Asien.

2. Wie seid ihr auf den Verein „Kleine Hilfsaktion e.V.“ aufmerksam geworden? 

A: Da gab es einen Beitrag im Fernsehen und ich habe Roland von dem Verein angerufen. Der ist immer im Winter selber vor Ort mit verschiedenen Spendenaktionen und Rollstühlen im Gepäck. Wir haben miteinander gequatscht und es war klar – das passt. Wie, das wusste ich da auch noch nicht.

3. Woher kam dann die Idee, mit einer Drohne gegen eine Spende Luftaufnahmen zu machen? 

A: Wir mussten überlegen, wie wir den „Kleine Hilfsaktion e.V.“ unterstützen können. Nun, ich werde oft im Bekanntenkreis gefragt, ob sie die ein oder andere Luftaufnahme von uns vielleicht für die eigenen 4 Wände bekommen können. Klar, wir sagen immer ja. Und jetzt könnte doch der ein oder andere etwas Geld dafür bezahlen.

5 € und ihr bekommt exklusiv per Mail eine Luftbildaufnahme :-).

 

4. Tolle Idee! Und wie funktioniert das Spendensystem? 

A: Ab 5 € bekommt jeder Spender, wenn er seine E-Mail-Adresse angibt, eine Luftbildaufnahme aus Kambodscha. Sobald wir über die Grenze kommen, beginnen wir mit den Aufnahmen und diese werden dann der Reihe nach, wie die Spenden rein kommen, versendet.

Das Geld geht direkt auf ein Konto des „Kleine Hilfsaktion e.V.“. Wir hoffen 5.000 € zu sammeln. Benötigt werden 15.000 € zur Installation des Projekts WASH in Battambang. Wir haben uns das Projekt heraus gesucht, weil wir uns wünschen, dass Kinder auf der Welt nicht mehr damit aufwachsen müssen, dass Durchfall etwas Normales ist. Sie müssen darin geschult werden, was Hygiene bedeutet und die Menschen vor Ort müssen in der Lage sein, ihr eigenes, sauberes Wasser herzustellen. Über diese Bio-Sandfilter werden wir dann vor Ort berichten.

5. Warum macht ihr die Reise mit dem Fahrrad und dann auch noch mit einem Faltrad wie dem Brompton

A: Ohne Fahrrad wäre eine solche Reise unvorstellbar. Damit werden wir an Orte kommen, die man nur schwer erreicht oder, wo man sonst nicht vorbei fährt. Nah an den Menschen, das ist uns wichtig. Nach unserer 2-jährigen Fahrrad(welt)reise von Deutschland nach Ägypten und zurück war klar: Das Fahrrad ist unsere Art, Länder zu bereisen und mit Menschen in Kontakt zu kommen, an Orten zu bleiben, wenn es sich gut anfühlt und weiter zu reisen, wenn es sein soll.

 Ein Fahrrad ist schnell genug und doch auch langsam genug, um die Welt zu entdecken.

 

Dieses Mal haben wir uns für ein Brompton entschieden um flexibler zu sein. Wir werden mit weniger Ausrüstung reisen, auch wenn wir viel Technik mit uns führen 🙂 und so vielleicht doch mal in den ein oder anderen Bus steigen. Und warum genau ein Brompton? Gibt es eine Alternative? 🙂 Ohohoh! [Anmerkung: Wie diese Technik transportiert wird, erfahrt ihr weiter unten.]

6. Ihr habt sehr viel hochwertiges Equipment dabei und werdet sicher auch mit den Falträdern auffallen. Habt ihr Bedenken bezüglich Diebstahl oder eurer eigenen Sicherheit?

A: Ach je, nein, eigentlich nicht. Das kann natürlich passieren, aber Angst oder Bedenken, dass wäre jetzt mal wieder kein guter Begleiter. Die Menschen sind erst mal gut. Überall!

7. Was erhofft ihr euch am meisten von der Reise? 

A: Uns zu „erden“, wunderbare Menschen zu erleben und deren Geschichten zu erfahren und natürlich: Das Spendenziel zu erreichen :-).

Danke für das Interview

Ausrüstungsdetails: Wie transportiert man eine Drohne mit einem Brompton?

So eine Drohne kann schon gewisse Ausmaße annehmen, die nicht in jede Tasche oder jeden Anhänger passt.  Da Andrea und Klaus jedoch sicherstellen müssen, dass das wertvolle Stück die Reise auch heil übersteht, musste eine geeignete Transportbox vorhanden sein. Da die existierenden jedoch nicht passten, beschloss Klaus kurzerhand einen eigenen Anhänger zu bauen. Mit der Unterstützung und vielen Teilen von den bekannten, hochwertigen Hinterher aus München baute er eine Box mit speziellem, maßgefertigtem Anhänger für die Drohne. Und in diese passt bei Bedarf sogar das gefaltete Brompton, dass ihn sonst ziehen soll! Warum Klaus dafür sogar einen Kurs für den Umgang mit einer CNC-Fräse besuchte, könnt ihr ausführlich in seiner Bauanleitung auf seinem Blog planetbrompton.de nachlesen.

Links zum Projekt

Das ist eure Gelegenheit ein tolles, soziales Projekt zu unterstützen und dafür eine einmalige Luftaufnahme aus einem wunderschönen Land zu erhalten! Hier nochmal der Link zur Donation-Drone-Spendenseite.

Ihr könnt Andrea und Klaus auf ihrer Reise begleiten, die am 13. November 2017 startet! Sie haben eine Facebook-Seite und einen Instagram-Account.  Außerdem gibt es eine Jokeair-Instagramseite, wo man einen schönen Eindruck von der Qualität der bisherigen Luftbildaufnahmen bekommt.

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder

Am nächsten Morgen war kaum noch etwas von dem Unwetter des Vorabends zu erkennen. Nur ein paar Pfützen deuteten noch auf den vergangenen Regen hin und ich lenkte Ljómi im Slalom um diese herum. Ich freute mich darüber, wieder im Sattel zu sitzen, auch weil es die ersten Meter in Richtung Innenstadt von Worms nur bergab ging.

3.   Tag: Von Worms nach Hochstetten (bei Karlsruhe)

Strecke: ca. 100 km

Bevor ich zurück auf den Rheinradweg und an den Rhein rollte, erkundete ich neugierig die geschichtsreiche Stadt der Nibelungen mit ihrem Wahrzeichen, dem Dom St. Peter zu Worms, dem zweiten der drei berühmten rheinischen Kaiserdome auf meinem Weg. Im 12. Jahrhundert entstanden, ragt er noch heute mit seinen zahlreichen Rundbogen-Fenstern imposant in den Himmel. Auch sonst hat die Stadt ein paar reizvolle Altbauten zu bieten, die jedoch mit dem Fahrrad schnell abgefahren sind.

Der morgendliche Weg am Rhein entlang war wirklich schön und grün, vorbei an in Nebel gehüllte Felder und durch kleine Waldabschnitte. Doch spätestens, als ich mich Mannheim näherte wurde es anstrengend.

Die Straße führte mich in einem größeren Bogen vom Rhein weg, so musste ich zwar nicht durch die Stadt und das Industriegebiet fahren, dafür ging die Straße dennoch durch urbanen Raum. Einige Wohnsiedlungen lagen auf dem Weg. Wieder spürte ich die zunehmende Wärme, die mich doch sehr forderte (ich Nordkind, ich). Positiv war jedoch für mich, festzustellen, dass mein Brommie und ich uns gut eingespielt hatten. Ich fühlte mich wohl darauf, der Brooks Cambium fuhr sich großartig und am dritten Tag meiner Reise verzichtete ich auch mutig auf jegliche Radlerhosen und zusätzliche Polsterung. Kein Problem! Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder weiterlesen

Himmelfahrtstour 2017: Ostseebrise & Holsteinische Berge

Die Nacht war frisch, der Himmel am Morgen bewölkt, doch es lag ein sonniger Tag auf dem Rad vor uns: Mit Fährüberfahrt, Erinnerungen aus alten Zeiten und ordentlich Wärme. Sonnenbrand inklusive. Die Himmelfahrtstour 2017, Teil 2.

Auf dem Ostseeküstenradweg

Nach einem kleinen Frühstück und in der Hoffnung auf ein größeres Zweites schwangen wir uns am Freitagmorgen wieder auf unsere bepackten Zweiräder. Weiter ging die Tour auf dem Ostseeküstenradweg aufgrund einer Baustelle über eine Umleitung ein paar Kilometer landeinwärts. Nach einem kleinen Bogen entlang der Felder kamen wir zurück auf unsere Route. Schnell gelangten wir in ein wunderschönes, von kleinen Wäldern durchzogenes Naturschutzgebiet.

Wir sind letztlich nur ein paar Kilometer auf der EuroVelo Route 10 gefahren. Sie führt im Ganzen einmal um die gesamte Ostsee und durch neun Länder. Doch bereits dieser Abschnitt war so schön, dass ich es eigentlich kaum abwarten kann, endlich meine Idee umzusetzen: Ich würde gern irgendwann mal durch Polen und durchs Baltikum entlang dieser Route fahren. Auch, wenn sie noch nicht überall so gut ausgebaut ist, wie auf diesem deutschen Abschnitt. Ich glaube, dass es eine landschaftlich und kulturell sehr reizvolle Reise sein wird!

Ein Fährfahrt, die ist…kurz. Oder: Frühstück, die Zweite

Doch nun erstmal zurück zur Himmelfahrstour 2017. Während wir die letzten Kilometer bis nach Travemünde zurücklegten, kam die Sonne hinter den Wolken hervor. Ich hoffte bereits am Vortag auf viele Schattenabschnitte, doch wie im letzten Jahr auf der Reise durch Dänemark, wurde mir der Wunsch oft nicht erfüllt. Es wurde auch immer wärmer. Zum Glück führte die Tour am Meer entlang und was gibt es da in Mengen? Genau: Wind und Wasser.  So war zumindest die Luft angenehm.

In Priwall  kurz vor Travemünde durften wir von unseren Rädern steigen und ein bisschen Fähre fahren. Ich liebe das! Auf den meisten Radreisen hatte ich bisher tatsächlich das Vergnügen auch einen kurzen Abstecher aufs Wasser machen zu können. Aber zwei Minuten waren doch etwas zu kurz. Da haben wir vor der Überfahrt nach Travemünde mehr Zeit damit verbracht, Kleingeld für den Ticketautomaten zusammen zu kramen, der nur Münzen annehmen wollte.

Drüben angekommen, flanierten wir etwas zu Fuß an der Promenade entlang, wo bereits am späten Vormittag reger Betrieb herrschte. Travemünde ist ein beliebter Urlaubsort. Doch ich hatte nur ein Ziel: die nächste Bäckerei finden! Kurz darauf folgte das richtige Frühstück. Frisch gestärkt radelten wir schließlich aus dem Ort hinaus, um einen Abstecher in Saschas Vergangenheit zu machen.

Zeltlagererinnerungen und Marzipanverzicht

Wir fuhren nach Offendorf in Schleswig Holstein, unweit von Lübeck. Nicht zu verwechseln mit Offenbach bei Frankfurt am Main in Hessen. Offendorf kannte ich nur aus Saschas Erzählungen, denn dort gibt es ein Jugendferienlager in dem Sascha viele Jahre im Sommer als Betreuer verbracht hat. Als wir dort eintrudelten, war gerade Aufbauphase. Große Zelte standen fein säuberlich aufgereiht auf einer noch größeren Wiese mit einem zentralen Platz. Während wir den anwesenden Menschen mehrfach erklärten, dass wir keinen Ort zum Campen suchten (solche Anfragen gab es wohl öfter), führte uns Sascha herum und schwelgte lebhaft in Erinnerungen.

Bevor wir dann weiter Radfahren konnten, mussten wir eine Wegentscheidung treffen. Ursprünglich war es geplant gewesen, dass wir nach Lübeck radeln, ein bisschen Sightseeing machen, Marzipantorte und – eis essen und dann weiter zum Plöner See fahren. Es war schon früher Nachmittag und ich fühlte mich nicht so fit (Knie, Hintern und Sonne). Ich wollte auch ungern so spät ankommen. Doch wir einigten uns schließlich, da keiner auf den Ausflug bestand. So ging es direkt weiter nach Ascheberg, unserem Tagesziel.

Die letzte Etappe

Wir waren mittlerweile schon ein Stück entfernt vom Meer und fuhren auf Landstraßen an Getreide- und Rapsfeldern vorbei und im Schatten auf Wald- und Feldwegen. Der Ausflug über einen Forstweg mit zahlreichen Wurzeln und Steinen war etwas mühselig, wenn auch angenehm kühl. Außerdem fuhr es sich dort deutlich angenehmer, als auf der Hauptstraße.

Am späten Nachmittag trudelten wir schließlich in Ascheberg am Plöner See ein. Ich muss zugeben, dass ich sehr froh war, weil ich die Fahrt gegen Ende leider nicht mehr so genießen konnte. Die Landschaft war schön und die Gesellschaft entspannt, aber ich konnte einfach nicht mehr gemütlich auf meinem Sattel sitzen. Es war nach dem Satteldiebstahl das gleiche Set-Up wie zuvor und dennoch fühlte es sich nicht mehr richtig an. Ich spürte meine Knie deutlich und wollte selbst die kleinen Hügel nicht mehr fahren.

So freute ich mich auf einen entspannten Abend, den wir mit Grillgut, Bier und Geschichten im Garten unserer Unterkunft verbrachten. Außerdem zeigte uns Philipp stolz sein Langzeitprojekt: Der Verrückte baut gerade seinen eigenes Fahrrad! Viele Stunden Planung sind darin bereits geflossen, inkl. Schweißübungen und dem Bau einer eigens angefertigten Rahmenlehre. Ich bin sehr gespannt, wie das fertige Fahrrad aussehen wird! Es wirkt auf jeden Fall vielversprechend.

Die Strecken-Zusammenfassung vom zweiten Teil der Tour gibt es auf Relive zu sehen.

Die Holsteinische Bergwelt und Plön

Der vorletzte Tag der Tour war ein sehr entspannter. Nach dem Gartenfrühstück fuhren wir über einen kleinen Umweg von Ascheberg in den Ferienort Plön. Dabei durfte ich feststellen, dass es im Norden Deutschlands Berge gibt! 

Also, naja, das, was man hier als Berg bezeichnet, ist im Süden des Landes vermutlich nur ein kleiner Hügel. Doch als Anstrengung für den ganzen Tag reichte mir und meinen Knien das definitiv. Der Weg lohnte sich dafür umso mehr. An blühenden Feldern vorbei und durch kleine Dörfer radelnd, sahen wir auf der Strecke auch die Ascheberger Mühle, die in der Postkartenkulisse des leuchtend grünen Getreides vor blauem Himmel ein wunderbares Fotomotiv abgab.

In Plön bummelten wir hinauf zum Plöner Schloss und genossen den fabelhaften Ausblick auf den See mit seinen zahlreichen, geschützten Inseln. Dieser Aufstieg auf den Schlossberg lohnt sich auf jeden Fall. Vor allem, wenn man sich im Anschluss auf dem Marktplatz im Ort mit Eis belohnt – und mit knusprig-soften Waffeln <3 auf einem gemütlichen, winzigen Hinterhof. Während Philipp und Sascha noch fleißig eine Runde um den See radelten, beschlossen Jan und ich nämlich etwas ruhiger zu machen. Ein Spaziergang am See und eine kleine Radtour auf die Prinzeninsel mit Badestelle war jedenfalls auch nicht zu verachten. Das Wasser des Sees ist sehr klar. Auch, wenn es noch ziemlich kalt war, konnten wir der Aussicht auf Erfrischung nicht widerstehen und hüpften einmal hinein ins kühle Nass.

Wenn ihr jemals in diese Ecke kommen solltet, kann ich nicht nur eine Tour mit dem Fahrrad empfehlen, sondern auch die Fahrt mit dem Regionalzug. Dessen Schienen verlaufen teilweise so nah am See entlang, dass man es wirklich als Panoramaroute bezeichnen kann.

Unsere Reise neigte sich am Sonntagmorgen eben mit genau jener Regiofahrt, gen Lübeck und dann weiter nach Berlin, dem Ende. Es waren ein paar wunderbare Tage – rund 200 km auf dem Rad – in einer tollen Landschaft, die wieder einmal gezeigt haben, dass Deutschland viele schöne Ecken zu bieten hat. Wie könnte man die besser erkunden, als mit dem Fahrrad?

Ich bin gespannt, wo es uns nächstes Jahr hinführen wird.


Der erste Teil der Himmelfahrtstour 2017 zum Nachlesen.