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Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder

Am nächsten Morgen war kaum noch etwas von dem Unwetter des Vorabends zu erkennen. Nur ein paar Pfützen deuteten noch auf den vergangenen Regen hin und ich lenkte Ljómi im Slalom um diese herum. Ich freute mich darüber, wieder im Sattel zu sitzen, auch weil es die ersten Meter in Richtung Innenstadt von Worms nur bergab ging.

3.   Tag: Von Worms nach Hochstetten (bei Karlsruhe)

Strecke: ca. 100 km

Bevor ich zurück auf den Rheinradweg und an den Rhein rollte, erkundete ich neugierig die geschichtsreiche Stadt der Nibelungen mit ihrem Wahrzeichen, dem Dom St. Peter zu Worms, dem zweiten der drei berühmten rheinischen Kaiserdome auf meinem Weg. Im 12. Jahrhundert entstanden, ragt er noch heute mit seinen zahlreichen Rundbogen-Fenstern imposant in den Himmel. Auch sonst hat die Stadt ein paar reizvolle Altbauten zu bieten, die jedoch mit dem Fahrrad schnell abgefahren sind.

Der morgendliche Weg am Rhein entlang war wirklich schön und grün, vorbei an in Nebel gehüllte Felder und durch kleine Waldabschnitte. Doch spätestens, als ich mich Mannheim näherte wurde es anstrengend.

Die Straße führte mich in einem größeren Bogen vom Rhein weg, so musste ich zwar nicht durch die Stadt und das Industriegebiet fahren, dafür ging die Straße dennoch durch urbanen Raum. Einige Wohnsiedlungen lagen auf dem Weg. Wieder spürte ich die zunehmende Wärme, die mich doch sehr forderte (ich Nordkind, ich). Positiv war jedoch für mich, festzustellen, dass mein Brommie und ich uns gut eingespielt hatten. Ich fühlte mich wohl darauf, der Brooks Cambium fuhr sich großartig und am dritten Tag meiner Reise verzichtete ich auch mutig auf jegliche Radlerhosen und zusätzliche Polsterung. Kein Problem! Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder weiterlesen

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Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Burgen & Wein

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg unterwegs zu sein, war nicht unbedingt mein erster Gedanke, als ich beschloss mit dem Fahrrad zur Eurobike 2017  zu fahren. Doch aus organisatorischen und praktischen Gründe entschied ich mich, die Liebe zu meinem Brompton etwas auf die Probe zu stellen und mit Ljómi den Weg auf mich zu nehmen. Nach einer anstrengenden Woche unterwegs, vielen Zugstunden, viel Arbeit und Menschenkontakt freute ich mich nun darauf, die nächste Woche auf dem Fahrrad verbringen zu können. Rheinradweg ich komme!

Mein Ausgangspunkt für die Tour war demnach nicht Berlin, sondern Köln, wo ich ein paar Tage verbracht habe, bevor ich mich endlich aufs Rad schwingen konnte. Die Zeit ist knapp und so habe ich beschlossen, erst ab Koblenz mit meiner Tour zu beginnen. Doch vorher wollte ich unbedingt auf die Burg Drachenfels in Königswinter kurz hinter Bonn.

So hüpfte ich am Donnerstagmorgen in Köln Süd in den Regionalzug nach Bonn Bad Godesberg, wo ich mit einer Fähre hinüber auf die andere Rheinseite fahren wollte. Leider war die Fährfahrt viel zu kurz. Ich hätte noch viel länger auf dem Wasser verbringen können. Ich liebe es einfach. Drüben angekommen, radelte ich gen Königswinter, wo die Drachenfelsbahn den Aufstieg in die luftigen Höhen über dem Rhein etwas erleichterte. Der Ausblick von dort oben ins Tal hinab ist wahrlich nicht zu verachten und ich bin froh, diesen kleinen Umweg auf mich genommen zu haben.

Nach einer rasanten, sehr steilen Abfahrt mit Ljómi ins Tal hinab, schnappte ich mir den nächsten Regionalzug und tuckerte mit diesem nach Koblenz, wo meine Radtour entlang des Rheins endlich beginnen sollte.

  1. Tag: Von Koblenz nach Bacharach

    Strecke: ca. 55 km

Es war warm geworden. Ich spürte es deutlich, als ich in Koblenz am Hauptbahnhof mit meinem Brommie aus dem Zug stieg und nach einem Kaffeestopp zum Rhein runter rollte. Es war so schön eine leichte Brise um die Nase zu spüren und endlich wieder auf dem Rad zu sitzen. Eine Woche sollte es werden. Der Zeitplan ist abgesehen vom ersten Tag sehr eng und so genieße ich es, etwas Zeit zu haben und mache einen Fotostopp nach dem anderen. Die Temperaturen kletterten auf über 25°C und ich freute mich über häufigen Bergschatten und etwas Wind. Ich trat vor mich hin und immer wieder kommen mir andere Radfahrer entgegen. Auch vier Brommies sehe ich an diesem Tag.

Entlang des Rheins

Der Rhein ist wahnsinnig beeindruckend. So viel Wasser, was tagein, tagaus durch sein Flussbett strömt. Eingebettet in die Bergkulisse des zum UNESCO Welterbe gehörenden Mittelrheintales kann ich mich gar nicht satt sehen an dem ganzen Grün und diesen unzähligen Burgen und Schlössern. Die mittelalterlichen Bauherren haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Leider hat meine Kamera-App irgendwann beschlossen nicht mehr zu funktionieren und einige tolle Bilder sind verloren gegangen :-(.

Vorbei an Burg Stolzenfels, dem berühmten Loreley-Felsen, der Stadt der Türme Oberwesel bis hin ins romantische Rheinstädtchen Bacharach ging meine Fahrt. Hier habe ich meine erste Übernachtung geplant.

Burgfräulein für eine Nacht

Da ich zum ersten Mal ohne Zelt reiste, habe ich mir vorab Stationen gesucht, wo ich schlafen konnte. Die Jugendherberge in Bingen, wo ich eigentlich noch hin wollte, war leider ausgebucht. Doch ich wurde dafür mit einer viel spannenderen Bleibe belohnt. Burg Stahleck in Bacharach thront pompös auf einem Berg und bietet traumhafte Ausblicke in das Rheintal. Die komplette Burg fungiert als Jugendherberge. Nachdem ich mich halb fahrend, halb schiebend die Straße hinauf geschwitzt habe, genoß ich den lauen Sommerabend mit Blick auf den Rhein – nach einer wohltuenden Dusche.

Am Freitag sollte die Fahrt weiter gehen, mit deutlich mehr Kilometern auf dem Rad.

2.   Tag: Von Bacharach nach Worms

Strecke: ca. 105 km

Nach einer fast schon könniginnengleichen Nacht (na gut, dafür war mein Kämmerlein etwas zu klein) im Turmhaus der Burg Stahleck in Bacharach, schwang ich mich am Freitagmorgen wieder auf mein Brommie und genoß die Talfahrt. Huuuuuuuuuuuuui! Eine ganz schön starke Steigung ist das auf der Straße zur Burg. Schnell war ich wieder in der Stadt angekommen und erfreute mich noch einmal an der wunderschönen, alten Architektur der Fachwerkhäuser, bevor ich durch den Ort wieder auf den Rheinradweg radelte.

Rheinradweggespräche

Bis Bingen ging mein Weg eng am Rhein entlang durch das malerische, obere Mittelrheintal. Der Nebel vom früheren Morgen hatte sich bereits verzogen und die Sonne begann schnell zu wärmen. Kurz vor der Stadt wurde ich von einem Herren mit dem Fahrrad überholt, der mich etwas überrascht ansprach:

“Ist das mit Motor?”, auf Ljómi deutend.

“Nee.”

“Sie sind so schnell damit unterwegs.”

Ich lachte und erklärte wie immer, was das besondere an einem Brompton sei und, dass man damit sehr gut auch längere Touren zurücklegen konnte – ohne sich zu sehr abstramplen zu müssen. S. wurde mein Wegbegleiter bis Bingen und gab mir bei einem sehr angenehmen Gespräch über Berlin, Fahrräder (und Falträder) und den folgenden Wegabschnitt, wertvolle Wegtipps. Dankeschön! Es war mir eine Freude und die Hinweise waren sehr hilfreich!

Der Weg nach Mainz

Der nächste große Ort würde Mainz sein. Der Weg dahin war fast schon etwas langweilig, da ich viel hinter dem Deich fuhr. Auch, wenn die Straße größtenteils fest und eben war, fand ich es fast etwas anstrengend. Meine Gedanken schweiften zu oft weg. Zu wenig Abwechslung machte mich immer etwas müde, trotz der grünen Gärten auf der Strecke und dem weiten Blick ins Land mit den Obstplantagen.

In Mainz wollte ich gegen 13 Uhr und nach etwa 50 km eigentlich eine etwas längere Mittagspause machen. Nachdem ich mich durch das Industriegebiet in die Stadt gekämpft hatte, gefiel mir es mir sehr gut dort. Die Sakralbauten und der Marktplatz beim berühmten Mainzer Dom und am Gutenbergmuseum sind einen Abstecher wert. Doch so richtig glücklich war ich nicht mit der Café-Auswahl dort und beschloss schnell weiter zu radeln.

Viele Wege führen nach Worms

Auch bei Alex möchte ich mich bedanken, der ebenso ein paar Hinweise für mich hatte. Denn hinter Mainz gab es teilweise mehrere Fahrradrouten, die alle zum nächsten Ort, aber über unterschiedliche Wege dorthin führten. Schotterpiste am Rhein oder geteerter Weg am Damm entlang? Nach den Ratschlägen meiner beiden Locals, nahm ich den etwas längeren Teerweg und wurde durch eine weitere, traumhafte Landschaft geleitet. Wo am frühen Vormittag noch Burgen dominierten, überwogen jetzt noch viel mehr die Weinhänge. Vor Nierstein bog der Weg etwas hügelig direkt zwischen die Weinberge ab und ich genoß den tollen Blick von dort oben auf das Tal und den Rhein.

In Nierstein machte ich schließlich meine Pause und wurde für mein Durchhalten belohnt. Das kleine Café Ernst & Illi am Marktplatz war ganz bezaubernd und bot leckeren hausgemachten Kuchen. Ich gönnte mir die Zeit und versuchte etwas zu entspannen.

Es waren noch knapp 30 km bis Worms, dass ich über einen weiteren Alternativweg etwas abseits des Rheins schließlich gegen 18 Uhr erreichte – zusammen mit dunkler werdendem Himmel. Da zog etwas auf!

Timing

Eine Halbe Stunde nach meiner Ankunft auf einem Weingut mit Pension am Stadtrand von Worms schlug das Unwetter zu: Heftiger Wind, dunkle Wolken und schließlich ein Grollen und Brummen erfüllten die Luft, bevor heftiger Regen einsetzte. Eine weitere halbe Stunde später war alles vorbei und ich machte drei Kreuze, dass ich noch rechtzeitig zuvor in der Pension angekommen war.

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Weiter gehts am Samstagmorgen gen Karlsruhe…

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