Archiv der Kategorie: Berlin

Berlin – ick liebe dir!
Meine Heimatstadt überrascht mich immer wieder. Während ich ständig etwas Neues entdecke, neue Läden anschaue, Cafés ausprobiere oder unbekannte Wege mit Fahrrad erradle, könnt ihr hier lesen, wie es mir gefallen hat, was ich empfehlen kann und was sonst noch so los ist in der deutschen Hauptstadt.

Denn: Berlin ist sexy!

Mit dem Leihrad durch die Stadt: das LIDL-Bike

Mit dem Leihrad durch Berlin zu fahren, ist für viele Besucher eine praktische Möglichkeit sich flexibel umzuschauen und die Stadt in all ihren Facetten kennenzulernen. Doch wie komfortabel sind die großen Leihsysteme wirklich? Ich bin schon durch ein paar deutsche Städte mit Leihfahrrad geradelt. Ob StadtRad in Hamburg, Nextbike in München oder NorisBike in Nürnberg. Nun habe ich mich in Berlin auf das noch recht neue LIDL-BIKE gesetzt und möchte mit euch teilen, wie einfach und komfortabel das sein kann – oder eben auch nicht.

Die Testfahrten liefen in Kooperation mit der Deutschen Bahn und Call a Bike, die mich gefragt haben, ob ich das LIDL-BIKE testen möchte. Da ich das sowieso mal machen wollte, habe ich gern zugestimmt und dem Test stand nichts mehr im Weg.

Was hat das LIDL-BIKE eigentlich mit der Deutschen Bahn zu tun?

Das LIDL-BIKE ist ein Call a Bike. In Berlin hat LIDL das Sponsoring der Bahnfahrräder übernommen und darf dafür die neuen Cityräder eindeutig mit ihrem Logo branden. LIDL fährt also auch fleißig auf der Grün-Welle mit. An 350 Zonen mit tausenden Fahrrädern ist eine Ausleihe möglich. Auch in anderen deutschen Städten arbeitet Call a Bike mit Partnern zusammen. Im schönen Hamburg ist das StadtRad ebenfalls ein Call a Bike-Fahrrad, mit dem ich im Januar und März schon positive Erfahrungen machen durfte.

Das Leihkonzept unterscheidet sich dabei von Stadt zu Stadt. Die Fahrräder variieren deutlich in der Optik und der Art der Sicherung an der Leihstation. Auch die Preise können städteabhängig unterschiedlich sein. Seit März 2017 stehen die LIDL-BIKEs in Berlin zum Verleih. Der Verleih erfolgt primär über eine mobile App. Wie das funktioniert, erkläre ich im Folgenden.

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5 Gründe, warum Radfahren im Regen Spaß macht

Radfahren im Regen kann durchaus Spaß machen. Leider vergesse ich das ab und zu. Das passiert vor allem dann, wenn ich Zuhause im Trockenen sitze, aus dem Fenster starre und eimerweise Wasser vom Himmel fällt. Während ich überlege, wie ich bei diesem Regen zur Arbeit kommen soll, ohne eine Transformation zum nassen Pudel durchzumachen, resümiere ich meine Motivation vom letzten Mal.

In Berlin regnet es seit über 20 Stunden durchgängig. Es ist der heftigste Regenguss seit 60 Jahren. Als ich Donnerstagabend nach Hause radeln wollte, hatte ich zwei Optionen: 1. schnell mit dem Rad über die Straße zur U-Bahn und dabei nass werden oder 2. Zähne zusammenbeißen, aufs Rad schwingen und die 20 Minuten Nachhause radeln.

Zweitens schien mir die sinnvollste Lösung, denn nass wäre ich sowieso geworden und einmal nass ist auch alles egal.

5 Gründe, warum Radfahren im Regen Spaß macht

  1. Weil man einmal wieder Kind sein kann

Wenn ihr schon nass seid, dann könnt ihr die Furcht vor dem Wasser auch gleich ganz stecken lassen und Spaß haben: Vergesst die Gummistiefel! Ihr sitzt auf einem Fahrrad, dass viel mehr Wasser verdrängen kann, wenn es durch eine Pfütze rollt! Uiiiiii, wie das hochspritzt. Grinsen im Gesicht garantiert (tropfnasse Füße und das Gefühl durch einen Teich zu laufen auch).

2. Weil “Singing in the rain” immer funktioniert

Man muss dabei nicht den Regenschirm schwingen und tanzen. Während das Fahrrad durch den Regen rollt, steigt die Laune ungemein, wenn man vor sich hinsummt, pfeift oder singt. Der Vorteil: Es ist sowieso keiner da, der es hören kann, weil alle versuchen, dem Regen aus dem Weg zu gehen und drin zu bleiben. Und wenn es doch jemand hört: Egal, in Berlin juckt das eh keinen. Außerdem erkennt man kein Gesicht, weil ihr so in die Kapuze der Regenjacke eingemümmelt seid.

3. Weil die Aussicht auf eine Dusche Zuhause die Laune steigen lässt

Klingt eventuell komisch, wenn man bis auf die Unterhose triefnass ist, ist aber so. Ein leichter Sommerregen kann unglaublich erfrischend sein, doch spätestens nach einer Viertelstunde kann es etwas frisch auf dem Fahrrad werden. Wenn ihr dann auf dem Heimweg seid, könnt ihr euch auf eine heiße Dusche freuen und die Kleidung einfach zum Trocknen aufhängen. Deshalb bin ich auch deutlich motivierter, wenn ich auf dem Rückweg nach Hause bin und im Regen radeln muss.

P.S. Das Fahrrad wird auch gratis geduscht, es sei dann man fährt durch Sand. Danach hat man vielleicht endlich die Motivation, das Rad wieder zu putzen.

4. Weil man am Stau vorbei radelt

Die Radwege sind so schön frei, wenn es regnet. Wer mitbekommen hat, dass Menschen nicht aus Zucker sind, kann das mit viel Platz in vollen Zügen genießen. Anders sieht das auf der Straße daneben aus. Schließlich regnet es und dann hüpft manch einer lieber ins Auto. Da stauen sich Blechkarawanen und kommen kaum einen Meter voran. Lächeln, winken, vorbei radeln. Läuft!

5. Weil die richtige Kleidung trocken halten kann

Kann, aber nicht muss. Doch wenn ihr vorher einen Blick in den Wetterbericht werft und dann vorbereitet aufs Fahrrad steigt, könnt ihr bei einsetzendem Regen einfach reagieren. Werft die Regenjacke/das Cape/die Regenhose/die Gamaschen über und kein Regen kann euch mehr was! Vorausgesetzt, man besitzt halbwegs hochwertige Kleidung, die auch wirklich dicht ist. Da hilft es, sich vorab Gedanken zu machen, ein paar Jacken anzuschauen und sich gegebenenfalls beraten zu lassen, was für den eigenen Einsatzzweck sinnvoll ist. Nicht jeder braucht eine Markenjacke mit der Tatze, nur weil man mal zwanzig Minuten durch den Regen radeln muss – zwei Mal im Jahr. Und sonst: Jacke weglassen, Wet-T-Shirt-Contest draus machen und den Sommerregen genießen!

Wichtig:

Auch wenn es Spaß machen kann, im Regen Radzufahren, sollten ein paar Sachen berücksichtigt werden. Regen ist tricky und verschlechtert die Sicht ungemein, nicht nur die eigene.

  1. Licht am Rad ist oberste Pflicht. Wenn man dann noch etwas helle Kleidung trägt, wird man auch noch besser gesehen. Ich bekomme das ja leider meist nicht ganz so gut hin. Desto wichtiger:
  2. Vorausschauend und defensiv fahren. Man hat einen deutlich längeren Bremsweg, wenn die Straßen nass sind und sollte dementsprechend auch auf sein Tempo achten! Ich will auch immer schnell Heim. Das wurde mir auf meiner letzten Regenfahrt fast zu Verhängnis: Während ich schnell über die Straße fahren wollte, kam aus der Seitenstraße ein Auto an und bremste nach meinem Aufschrei gerade noch rechtzeitig ab. Ich aber auch und meine Bremsen haben nämlich deutlich schlechter gegriffen. Das war sehr knapp. Passt auf euch auf und denkt immer für andere mit!
  3. Auch wenn es Spaß macht, durch Pfützen zu radeln, ihr wisst nie, was sich darin befindet. Lasst die tiefen lieber weg und fahrt nur da durch, wo ihr einschätzen könnt, dass ihr auch gut hindurch kommt. Die Straßen aus dem Video des RBB sollten lieber gemieden werden. Es lohnt außerdem die Kette nach einem starken Regenguss neu zu fetten.

 Jetzt ihr! Verratet mir, weshalb ihr gern im Regen radelt! Ich bin neugierig.

 

I got a bit wet today… I cycled home after work and it was raining quite strong. It’s that kind of rain that gets easily into your summer shoes and with every step you take it feels like walking through a lake. But actually: it was quite fun knowing to have a hot shower waiting at home.👍 . . . #bicycle #fahrrad #cyclingintherain #rainyday #summerrain #rain #rainonme #regen #sommerregen #cycletohome #onmyway #berlin #wet #rainshower

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Mehr zum Radfahren im Regen steht auch in meinem Buch “How to survive als Radfahrer”. Schaut gern mal rein!

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La Superbe: Mit dem Faltrad auf dem Mauerweg

“La Superbe” heißt die Ausfahrt mit Brompton-Falträdern, die den Berliner Mauerweg entlang führt. Als ich die Einladung bekam, diese Tour mitzufahren, war ich skeptisch, aber definitiv nicht abgeneigt. Es schien mir eine gute Idee für einen Sonntagsausflug zu sein! Oder könntet ihr euch an einem Sonntag um 7:00 Uhr morgens etwas besseres vorstellen, als mit dem Fahrrad bei Nieselregen durch die Stadt und über sandig-steinige Waldwege zu radeln?

Ich habe da schon so ein paar Ideen und meistens kommt ein Bett und Schlafen darin vor. Doch zum Glück war ich hoch motiviert, hatte sehr angenehme Gesellschaft und eben beschriebene Wegsituationen machten nur einen kleinen Teil der langen Tour aus. Doch von vorn:

Der Berliner Mauerweg

…ist ein den Westteil der Stadt umschließendes Band entlang des alten Grenzverlaufs und lädt heute auf ca. 165 km Länge zu ausgiebigen Touren zu Fuß oder auf dem Fahrrad ein. Dabei führt der Weg durch die geschichtsreiche Berliner Innenstadt und entlang der Stadtgrenze. Ihm folgend kommt man durch wunderschöne Waldgebiete und radelt vorbei an Feldern, Seen und spannenden Bauwerken. Genau diese Strecke wollte eine bunt gemischte Gruppe aus 13 Bromptonliebhabern am ersten Sommersonntag auf Falträdern erfahren. Seit dem Jahr 2015 findet diese Ausfahrt statt. Die meisten Teilnehmer der Tour kennen sich hauptsächlich über ein Forum und die Liebe zum kleinen Faltrad.

 

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La Superbe: Wie lang halte ich es auf einem Brompton aus?

Oder: Ich will auch in den Club der Brompton-100km-Fahrer!
Nachdem ich so viel übers Radfahren gesprochen habe, habe ich nun das dringende Bedürfnis, es auch endlich mal wieder zu tun! Natürlich muss es auch etwas besonderes sein…

Ich bekam vor ein paar Wochen per Mail eine Einladung für eine ganz spezielle Ausfahrt mit Fahrrädern: La Superbe, die Fahrt auf dem Berliner Mauerweg mit einem Brompton. Das musste ich erst einmal kurz sacken lassen. Das sind rund 165 km einmal entlang des ehemaligen Grenzverlaufes in und um Berlin herum. Diese Tour wird seit 2015 von einem Mitglied des Bromptonauten-Forums organisiert.

165km mit dem Brommie!

Kann man machen.

Ich habe beschlossen, dass ich auch genau das tun werde. Nachdem Miri ihre 100 km + beim BrommieX dieses Jahr mit Fiete bereits absolviert hat, bin ich noch mehr angespornt. Diese 100 km sind für Bromptonfahrer so eine magische Grenze. Warum das so ist, habe ich noch nicht ganz herausgefunden. Vielleicht um zu zeigen, dass ein Brompton so ziemlich alles mitmacht und seinen Fahrer auch über lange Strecken tragen kann?

Die längste Strecke, die ich mit meinem kleinen Flitzer bisher zurückgelegt habe, betrug zwar nur ca. ein Fünftel von besagten 165 km, aber das muss ja erst einmal kein Hindernis sein. Ich fühle mich soweit ganz wohl mit Ljómi und finde es schon spannend herauszufinden, wie weit ich mit ihr kommen kann.

Vorbereitungen für die Tour…

…sind reichlich überbewertet. Da ich in den letzten Tagen hauptsächlich Zuhause gearbeitet habe, saß ich viel zu wenig auf dem Rad. Doch ich bin dennoch zuversichtlich. Zumindest habe ich probeweise ein paar neue Lenkergriffe montiert und die Reifen nochmal aufgepumpt. Die harten Brompton-Griffe würden mich sonst vermutlich zum vorzeitigen Aufhören zwingen. Also gibt es nun ein paar schöne, ergonomische Korkgriffe mit kleinen Bar Ends, damit meine Hände zwischendurch entspannen können. Falten kann ich das Brompton damit problemlos. Nun noch die sexy Radlerhose herauskramen und schon bin ich bereit für eine Ausfahrt durch und um meine Heimatstadt herum.

Kommt ihr mit?

Radelt mit!

Ich werde die Tour so gut es geht, dokumentieren und auf Instagram, Facebook und Twitter aktiv sein, soweit ich Zeit dazu finden werde. Schließlich muss ich auch noch ein bisschen Radfahren. Mal sehen, wie weit ich komme. Die Wettervorhersage ist nicht so vielversprechend, aber lieber ein bisschen Nieselregen bei 19°C, als 32°C und pralle Sonne.

Start: 25.06.2017 um 07:00 Uhr am Brandenburger Tor in Berlin
Strecke: Berliner Mauerweg auf rund 165 km Länge

Infos zum Mauerweg per Rad gibt es auch beim AFDC.

Ljómi war sogar schon mal auf der Glienicker Brücke.

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Die ADFC-Sternfahrt 2017: Sonne, Sonne, Autobahn

Die ADFC-Sternfahrt 2017: Sonne, Sonne, Autobahn. Oder: Traumhafte Bedingungen für eine Ausfahrt mit Fahrrädern.

Unter dem Motto “Fahrradland Deutschland. Jetzt!” fand am Sonntag, 11.06.2017 die ADFC-Sternfahrt in Berlin statt. Bei strahlend blauem Himmel und Sonne satt waren die Wetterbedingungen nahezu perfekt. Meine Tour startete dieses Jahr in Berlin-Lichtenberg. An dem dortigen Treffpunkt kam gegen 12:00 Uhr mittags bereits eine große Gruppe Radfahrer heran geradelt. Von jung bis alt, von Freizeitfahrer bis Alltagsradler waren die verschiedensten Radfahrertypen dabei. Das ein oder andere Gefährt fiel mir bereits dort ins Auge und ich bin mir nicht mal sicher, ob ich jedes als Fahrrad bezeichnen würde.

Was genau ist das?
 

In the middle of ADFC Sternfahrt. Soon we hit the highway 😀. #sternfahrt #radlandjetzt #adfc #berlin #neukölln #grenzallee

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Etwas stockend ging es ab da voran und im gemächlichen Tempo durch die Stadt.  An den nächsten zwei Treffpunkten gab es einen kurzen Stopp. Dennoch näherte sich der bunte Trupp aus tausenden Radfahrern Stück für Stück der Autobahnauffahrt Grenzallee. An der letzten Kreuzung vor der Zufahrt trafen mehr als die Hälfte der verschiedenen Sternrouten aufeinander.

Kurz gesagt: Wir standen im Stau, im Fahrradstau. Doch in der prallen Sonne bei um die 30 °C unbewegt in der Sonne zu stehen, war ein ziemlich anstrengendes und heißes Erlebnis. Die Plätze im Schatten der Häuser und unter einigen großen Bäumen am Straßenrand waren äußerst beliebt. Sie wurden für das Vorrücken um wenige Zentimeter auch nur ungern aufgegeben. Im wahren Schneckentempo ging es bis zur Autobahnzufahrt voran. Es dauerte gefühlt ewig und tatsächlich bestimmt über eine halbe Stunde mehr als eine dreiviertel Stunde (wenn ich so drüber nachdenke, war es doch eine längere Wartezeit – der Optimismus wieder) bis wir endlich an der Auffahrt standen.

Die Menschen waren unruhig, aufgeregt, doch zumeist gut gelaunt. Hier und da vermischten sich die Musikstile der aus kleinen und großen Boxen tönenden Songs. Und dann war es endlich soweit: Die Fahrt sollte nun ein paar Kilometer über die Autobahn führen – was jedes Mal ein Highlight der Tour war. Aber warum ist das so?

Mit dem Fahrrad auf der Autobahn – Freiheit auf fremden Boden

Vor uns lag die Straße, die ein Radfahrer sonst nie unter seinen Reifen spüren darf. Normalerweise  verstopft vom motorisierten Kraftverkehr, lockt die mehrspurige Schnellstraße auch nicht besonders, sich dort mit dem Fahrrad aufzuhalten. Doch bei der jährlichen Sternfahrt war das anders. Hier freuten sich die meisten genau auf diese Passage. Doch warum?

Wenn ich von mir ausgehe, dann liegt es zum einen daran, dass die Straßenqualität zumeist sehr gut ist und die Straße breit. Es ist viel Platz vorhanden, um je nach Fahrstil auch in der Geschwindigkeit zu fahren, die einem angenehm ist.

Zum anderen ist die Fahrt auf der Autobahn ein wenig wie die verbotene Frucht, die man nun endlich kosten darf.  So viel Platz mitten in der Stadt, auf den ich sonst nie zugreifen und der nur von einen gewissen Anteil der Bevölkerung genutzt werden kann. Ein betoniertes, totes Gebiet, wo nur Metall an Metall steht und kaum Kommunikation zwischen den Insassen der Gefährte stattfindet. Jeder ist hier für sich. Die Verlockung, diesen riesigen Platz anderweitig zu nutzen, ist enorm. Der Wunsch, ihn mit Leben zu füllen und ihn wieder zum Teil der Stadt zu machen, der von allen genutzt wird, ist riesig.

Als sich dann das Tempelhofer Feld rechts von der Autobahn zeigt, kommt wirklich das Gefühl auf, dass auch dieser Platz für alle da ist. Das Feld, um das so viel demonstriert wurde, verkörpert so viel von dem, was die Autobahn während der Sternfahrt bedeutet. Es gibt den Bewohnern von Berlin einen großen Raum zum Leben, führt zur Interaktion und vermittelt durch seine Größe so viel Freiheitsgefühl, wie man es sonst in einer Millionnenstadt kaum finden kann.

We are traffic!

Die Spannung kurz vorm Befahren der Schnellstraße war fast greifbar. Ich würde es am letzten Sonntag auch damit begründen, dass wir zum Teil wirklich sehr lange warten mussten, bis die Fahrt endlich weiter ging. Ich wollte mich endlich bewegen und Radfahren, denn das war ja die Grundintention der Tour: Gemeinsam Radfahren und dabei für “fahrradfreundliche und lebenswerte Straßen und Plätze” (ADFC-Berlin) demonstrieren. Als dann aus einem Lautsprecher Queen mit “Bohemian Rhapsody” erschallte, viele mitsummten und zu klingeln begannen , war die Stimmung quasi perfekt. Mit einem gewissen Hochgefühl rollten wir auf die Zufahrt und den Autobahntunnel zu, der sich gleich zu Beginn der Strecke vor uns auftat.

Bei gedimmten Lichtern und den vielen Geräuschen, die die Räder, die Stimmen und die Musik erzeugten, war mir in der tageslichtfreien Zone des Tunnels fast etwas mulmig zumute. Doch dieses Gefühl von Freude und positiver Energie der anderen Radfahrer schwappte schnell auf mich über. Dann ertönte “Bicycle Race” und ich konnte nicht mehr aufhören zu grinsen. Als ich mich umsah und die vielen fröhlichen Gesichter sah, wusste ich wieder, warum es so besonderes war, diesen Autobahnabschnitt zu fahren. Es war dieses gemeinsame Erlebnis, dieses Gefühl von Freiheit, als wichtiger Teil der ADFC-Sternfahrt, der weltgrößten Fahrraddemonstration.

Es zeigt: Wir Radfahrer sind viele und verdienen es, ernst genommen zu werden. Ob es dieses Mal wieder 100.000 Teilnehmer waren oder “nur” 50.000 ist schwer nachvollziehbar. Doch wir waren viele und diese Sternfahrt hat erneut Zeichen gesetzt. Das Fahrrad und seine Fahrer sollten den Platz auf der Straße bekommen, der diesem viel genutzten Fortbewegungsmittel gerechterweise zusteht. Dabei geht es nicht darum, Autobahnen abzureißen, sondern vorhandenen Raum gerechter aufzuteilen – für alle Verkehrsteilnehmer.

Finale am Brandenburger Tor

Der Rest der Rahrt verlief dann flüssig, auch nach Abfahrt von der Autobahn. Durch die Bezirke Tempelhof, Schöneberg, Charlottenburg und Tiergarten führte die Südroute schließlich über die Siegessäule und die Straße des 17.Juni zum Brandenburger Tor und endete vor dem dort stattfindenden Umweltfestival.

Ich bin 24 km durch diese wunderschöne Stadt Berlin mitgefahren und ich hoffe, nächstes Jahr kann ich wieder dabei sein.


 

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