Archiv der Kategorie: Radreise: Deutschland

Unterwegs in der Heimat. Es gibt viel zu entdecken, denn Deutschland ist nicht nur landschaftlich vielfältig, sondern auch kulinarisch und kulturell.

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Country Hopping

Der Morgen in Kehl war atemberaubend! Der Himmel verfärbte sich in verschiedenen Rot- und Pinktönen und die Wolken verschwammen mit dem Morgennebel über dem Wasser des Rheins. Ich erwachte früh, genoß den wundervollen Ausblick und beobachtete die Störche in ihrem Nest, deren Silhouetten sich so dekorativ auf ihrem Turmnest stehend vom Himmel abhoben.

5. Tag: Von Kehl nach Breisach am Rhein

Strecke: ca. 93 km

Straßburg

Ich wollte früh aufbrechen, um genügend Zeit in der französischen Stadt auf der anderen Rheinseite verbringen zu können. Noch bevor ich richtig in Straßburg angekommen war, sah ich einen neben dem Radweg wartenden, sportlich gekleideten Radfahrer, der mich kurz zuvor überholt hatte. Er rief mir etwas zu und deutete dabei auf den Weg vor mir. Gerade noch rechtzeitig sah ich die Glasscherben, die dort lagen und wich rechtzeitig aus.

Schnell entwickelte sich ein Gespräch zwischen Jochen und mir, der noch einen deutlich weiteren und anspruchsvolleren Weg vor sich hatte, als ich: Über Frankreich und mit einigen Anstiegen radelte er bis nach Barcelona weiter. Wir fuhren einige Meter zusammen nach Straßburg rein, wo sich unsere Wege schließlich an einer großen Kreuzung trennten.

Jochen, es hat mich gefreut! Weiterhin gute Fahrt auf all deinen Touren!

Die Stadt nahm mich schnell in ihren Bann. Nicht nur die außergewöhnlich guten Radwege begeisterten mich, sondern auch die architekturale Vielfalt aus mittelalterlichem Fachwerk und modernen Bauwerken waren äußerst sehenswert.

Ich kam nicht drum herum, mir einen Cappuccino zu gönnen und gemütlich in einem Straßencafé zu pausieren. Ein bisschen Genuß muss sein und voon den Croissants brauche ich gar nicht zu reden! Nom!

Ich verließ Straßburg gegen Mittag und radelte auf der französischen Seite weiter bis zu einem Wasserkraftwerk, dass auf einer Rheininsel liegt. Diese steht unter Naturschutz und darf mit dem Auto nicht befahren werden. Ich war fast völlig allein, als die Sonne um die Mittagszeit auf mich herabbrezelte und es sehr still wurde um mich herum. Das war ein seltsames Gefühl, aber auch irgendwie sehr schön.

Nur ich, die Natur und mein Brommie.

Kleine Umwege führen zu schöneren Streckenabschnitten

Als ich wieder in Deutschland angekommen war, versuchte ich abseits vom langweiligen Weg auf dem Deich, eine Route zu finden, die mir eventuell auch etwas Schatten bieten konnte. Teilweise führte mein spontan gewählter Weg durch Wald und entlang von Fischteichen, teilweise über Felder und durch Obstplantagen ein wenig offroad. Aber ein Brompon kann fast alles und schließlich legte ich zumindest die letzten Tageskilometer auf bzw. neben dem Deich zurück.

Mein Tagesziel mit dem Fahrrad war Breisach am Rhein, ein Ort mit einem hoch gelegenen, historischem Ortskern und einer imposanten Stadtmauer. Von dort wollte ich mit dem Zug weiter ins nahegelegene Freiburg fahren. Der Tag war nur so verstrichen, sodass ich durch Breisach gegen 19 Uhr nur schnell hindurch radelte und leider keine Ruhe mehr für eine Stadtbesichtigung hatte.

Schließlich kam ich nach einer knappen halben Stunde Zugfahrt in Freiburg an und genoß einen ruhigen Abend bei lieben Freunden in der schönen Stadt im Breisgau. Thanks for having me <3!

6. Tag: Von Bad Bellingen nach Küssaberg

Strecke: ca.  96 km

Mein Tag begann, wie der letzte aufgehört hat: Mit einer Zugfahrt. Ich sparte mir aus zeitlichen Gründen ein paar Kilometer und fuhr von Freiburg aus nicht nach Breisach zurück, sondern einige Rheinkilometer weiter südlich nach Bad Bellingen. Nach einem Bäckerfrühstück schwang ich mich wieder aufs Rad und suchte mir einen Weg zurück an den Rhein. Dieser sah hier im Süden Deutschlands deutlich unruhiger und wilder aus, als weiter nördlich.

Für den Schiffsverkehr wird zwischen Breisach und Weil der französische Rheinseitenkanal (Grand Canal d’Alsac) genutzt, der parallel zum Rhein verläuft. Weil am Rhein war schließlich auch meine nächste Station. Bekannt durch die Grenzlage und als äußerster Zipfel Deutschlands treffen hier die Schweiz, Frankreich und Deutschland aufeinander. Dort verbindet die einzigartige Dreiländerbrücke als weltweit längste, freitragende Fußgänger- und Radfahrerbrücke das französische Huningue mit dem deutschen Weil.

Ehe ich mich versah, fuhr ich erneut über eine Landesgrenze: Hallo Schweiz! Hi Basel!

Länderhopping

Deutschland, Frankreich und nun die Schweiz, der Rheinradweg ist kulturell spannend und abwechslungsreich. Es passierte mir nicht nur einmal, dass die Landesgrenzen fließend verliefen. Besonders in der Schweiz erkannte ich oft nur anhand von Fahrradroutenschildern, in welchem Land ich mich gerade befand. In Deutschland waren die Radsymbole der Schilder bisher immer grün auf weißem Grund, in der Schweiz sind sie weiß auf rotem Grund.

Basel – die gemütliche Großstadt am Rhein

Als ich nach Basel über eine intakte Grenzstation (da nicht EU) fuhr, musste ich mir als Radfahrerin jedoch keine Gedanken machen. Ich konnte ungehindert weiterradeln und gelangte zum ersten Mal in die schöne Schweizer Stadt. Bereits nach wenigen hundert Metern sah ich ein Brompton aus der Ferne. Ich musste mehrfach hinschauen, da ich zuvor noch keines mit einem Anhänger gesehen habe und wurde neugierig. Als sich schließlich unsere Wege kreuzten und ich nickend und lächeln vorbeifuhr, dauerte es nicht lang, bis sich ein Gespräch mit dem Fahrer des Brommies entwickelte.

So lernte ich Jörn kennen, der mir einmal mehr zeigte, wie gastfreundlich und hilfsbereit Menschen sein können. Vielen Dank für dieses herzliche Willkommen in Basel und die kurze, geführte Stadtfahrt! Ich hoffe, unsere Wege kreuzen sich irgendwann mal wieder!

John Tweed

Da ich noch ein gutes Stück Weg vor mir hatte an diesem Tag, war mein Aufenthalt in Basel leider viel zu kurz. Doch ich ließ es mir nicht nehmen, einen kurzen Stopp bei John Tweed einzulegen, was ich auch jedem ans Herz legen kann, der das Radfahren zelebriert und modisch den klassischen Stil bevorzugt. Dort finden Vintage-Liebhaber ihr kleines Paradies mit Fahrrädern im Stil der 1920er bis 1970er und charmanter, ebenso stilvoller Mode für Herren und auch Damen.

Es ist ein ganz besonderes Geschäft, in dem der Besitzer Michel mit viel Liebe zum Detail nicht nur die Produkte ausgewählt hat. Auch die Einrichtung und die Möbel sind passend arrangiert, was das Gesamtkonzept sehr schön abrundet. Außerdem ist John Tweed einer der zwei Bromptonhändler in Basel. Schaut unbedingt vorbei, wenn ihr mal in Basel seid!

Das Wetter war nach wie vor großartig und so war es nicht verwunderlich, dass an diesem Dienstagmittag viele Menschen die letzten Sommertage in vollen Zügen genoßen – mit Vorliebe nah am Wasser. Der Rhein fließt breit durch die Stadt und teilt sie mehr oder weniger mittig. Den eindrucksvollen Basler Münster sah ich nur aus der Ferne. Auch wenn ich kurz die Rheinseite wechselte, um über den Rathausplatz und durch die Große Altstadt zu fahren, wo sich auch der Dom nah am Wasser befindet.

Schweiz und Deutschland im Wechsel

Dem Rheinverlauf folgend setzte ich meine Reise fort und verließ die schöne Schweizer Stadt, um über kleine Dörfer und zwischen Feldern hindurch immer wieder über die Ländergrenzen zu radeln. Schweiz, Deutschland. Schweiz, Deutschland. And again. Am letzten Tag meiner Reise war das sogar noch häufiger der Fall.

Bei Rheinfelden querte ich wieder den Rhein und stieg einmal kurz vom Brompton, um durch die hübsche Altstadt des Ortes zu laufen und dann meinen Weg auf der Schweizer Seite fortzusetzen. So konnte ich mir einen Rheinbogen sparen, musste dafür aber teilweise parallel zu einer Hauptstraße fahren. Immerhin gab es einen ausgeschilderten Radweg. Ich buckelte zur Abwechslung auch einige Höhenmeter mit dem Brommie, was aber glücklicherweise mit langen Abfahrten und einem tollen Talblick belohnt wurde. Außerdem: Ein Brompton kann fast alles :-)!

Über alte Holzbrücken und malerische Orte

Mein Plan war bei Bad Säckingen wieder auf die deutsche Rheinseite zu fahren, denn dort sollte sich das besonders lohnen. Schon von weitem sah ich den Grund dafür: Die Alte Holzbrücke verbindet den Schweizer Ort Stein mit Bad Säckingen in Deutschland und ist mit 203,7 m Länge die längste, europäische Holzbrücke mit Überdachung. Es ist eine Fuß- und Radfahrerbrücke mit Fenstern, die man gemütlich bummelnd überqueren und dabei hin und wieder den tollen Ausblick auf den Rhein und die hübsche Gegend ringsum genießen kann.

Noch lagen ca. 35 km vor mir und ich war deutlich später dran, als mir lieb war. Doch die folgende Strecke war sehr abwechslungsreich und verlief teils auf schmalen Wegen entlang des Rheins, teils entlang der Straße. Sie war aber auch abschnittsweise recht hügelig und mit einigen Ansteigen verbunden. Die Landschaft ringsum wurde immer schöner und die Ausläufer des Südschwarzwalds boten ein tolles Panorama. Gleiches gilt für die Orte, die sich oft beidseitig an den Rhein schmiegen und mit Burgen und Fachwerk auftrumpfen. Besonders märchenhaft mutet Laufenburg an, das mit einer Steinbrücke den deutschen Teil mit dem schweizerischen Altstadtkern verbindet. Selbst die Bahnstation liegt dort am Berg, so eng ist alles am Fluß gebaut.

Eine MitRadGelegenheit

Kurz darauf war ich etwas ratlos, was die weitere Strecke aning. Die Schilder waren missverständlich und ich beschloss meinen Track auf dem Handy zu überprüfen. Ich merkte, dass ich nicht die einzige war, die verloren an der Kreuzung herumstand. Schließlich fuhr jedoch auch die andere Radfahrerin weiter, die ich schon einige Kilometer zuvor in einem Ort gesehen habe.

Ich holte sie jedoch schnell ein. Dieses Mal war ich diejenige, die ein Gespräch suchte, was sich als sehr gute Entscheidung herausstellte. Doreen war die erste allein reisende Radlerin, die ich in der Woche getroffen habe und ich die einzige, die sie auf ihrer bisher zwei Wochen andauernden Tour aus den Niederlanden gesehen hatte. Wir radelten die letzten Tageskilometer zusammen, tauschten uns aus und ich erfuhr, dass sie diese Tour relativ spontan geplant hatte. Sie hatte sich kurz zuvor ein neues Rad und Ausrüstung besorgt und war dann einfach los gefahren. Italien war ihr Ziel und somit lagen noch einige Kilometer vor ihr. Wir beschlossen unsere spontane Bekanntschaft bei einer eiskalten Apfelschorle zu feiern, bevor sich unsere Wege schließlich wieder trennten.

Thank you Doreen, it was a real pleasure to meet you!

Es war ein sehr eindrucksvoller Tag, mit vielen schönen Stationen, einer traumhaften Landschaft und unglaublich netten, tollen Menschen! Am nächsten Tag wollte ich mein Ziel , den Bodensee und Friedrichshafen erreicht haben. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Die anderen Teile des Tourberichts meiner Rheinradwegsreise:

Teil 1: Burgen und Wein

Teil 2: Von Hitze und Maisfeldern

 

 

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder

Am nächsten Morgen war kaum noch etwas von dem Unwetter des Vorabends zu erkennen. Nur ein paar Pfützen deuteten noch auf den vergangenen Regen hin und ich lenkte Ljómi im Slalom um diese herum. Ich freute mich darüber, wieder im Sattel zu sitzen, auch weil es die ersten Meter in Richtung Innenstadt von Worms nur bergab ging.

3.   Tag: Von Worms nach Hochstetten (bei Karlsruhe)

Strecke: ca. 100 km

Bevor ich zurück auf den Rheinradweg und an den Rhein rollte, erkundete ich neugierig die geschichtsreiche Stadt der Nibelungen mit ihrem Wahrzeichen, dem Dom St. Peter zu Worms, dem zweiten der drei berühmten rheinischen Kaiserdome auf meinem Weg. Im 12. Jahrhundert entstanden, ragt er noch heute mit seinen zahlreichen Rundbogen-Fenstern imposant in den Himmel. Auch sonst hat die Stadt ein paar reizvolle Altbauten zu bieten, die jedoch mit dem Fahrrad schnell abgefahren sind.

Der morgendliche Weg am Rhein entlang war wirklich schön und grün, vorbei an in Nebel gehüllte Felder und durch kleine Waldabschnitte. Doch spätestens, als ich mich Mannheim näherte wurde es anstrengend.

Die Straße führte mich in einem größeren Bogen vom Rhein weg, so musste ich zwar nicht durch die Stadt und das Industriegebiet fahren, dafür ging die Straße dennoch durch urbanen Raum. Einige Wohnsiedlungen lagen auf dem Weg. Wieder spürte ich die zunehmende Wärme, die mich doch sehr forderte (ich Nordkind, ich). Positiv war jedoch für mich, festzustellen, dass mein Brommie und ich uns gut eingespielt hatten. Ich fühlte mich wohl darauf, der Brooks Cambium fuhr sich großartig und am dritten Tag meiner Reise verzichtete ich auch mutig auf jegliche Radlerhosen und zusätzliche Polsterung. Kein Problem! Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder weiterlesen

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Burgen & Wein

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg unterwegs zu sein, war nicht unbedingt mein erster Gedanke, als ich beschloss mit dem Fahrrad zur Eurobike 2017  zu fahren. Doch aus organisatorischen und praktischen Gründe entschied ich mich, die Liebe zu meinem Brompton etwas auf die Probe zu stellen und mit Ljómi den Weg auf mich zu nehmen. Nach einer anstrengenden Woche unterwegs, vielen Zugstunden, viel Arbeit und Menschenkontakt freute ich mich nun darauf, die nächste Woche auf dem Fahrrad verbringen zu können. Rheinradweg ich komme!

Mein Ausgangspunkt für die Tour war demnach nicht Berlin, sondern Köln, wo ich ein paar Tage verbracht habe, bevor ich mich endlich aufs Rad schwingen konnte. Die Zeit ist knapp und so habe ich beschlossen, erst ab Koblenz mit meiner Tour zu beginnen. Doch vorher wollte ich unbedingt auf die Burg Drachenfels in Königswinter kurz hinter Bonn.

So hüpfte ich am Donnerstagmorgen in Köln Süd in den Regionalzug nach Bonn Bad Godesberg, wo ich mit einer Fähre hinüber auf die andere Rheinseite fahren wollte. Leider war die Fährfahrt viel zu kurz. Ich hätte noch viel länger auf dem Wasser verbringen können. Ich liebe es einfach. Drüben angekommen, radelte ich gen Königswinter, wo die Drachenfelsbahn den Aufstieg in die luftigen Höhen über dem Rhein etwas erleichterte. Der Ausblick von dort oben ins Tal hinab ist wahrlich nicht zu verachten und ich bin froh, diesen kleinen Umweg auf mich genommen zu haben.

Nach einer rasanten, sehr steilen Abfahrt mit Ljómi ins Tal hinab, schnappte ich mir den nächsten Regionalzug und tuckerte mit diesem nach Koblenz, wo meine Radtour entlang des Rheins endlich beginnen sollte.

  1. Tag: Von Koblenz nach Bacharach

    Strecke: ca. 55 km

Es war warm geworden. Ich spürte es deutlich, als ich in Koblenz am Hauptbahnhof mit meinem Brommie aus dem Zug stieg und nach einem Kaffeestopp zum Rhein runter rollte. Es war so schön eine leichte Brise um die Nase zu spüren und endlich wieder auf dem Rad zu sitzen. Eine Woche sollte es werden. Der Zeitplan ist abgesehen vom ersten Tag sehr eng und so genieße ich es, etwas Zeit zu haben und mache einen Fotostopp nach dem anderen. Die Temperaturen kletterten auf über 25°C und ich freute mich über häufigen Bergschatten und etwas Wind. Ich trat vor mich hin und immer wieder kommen mir andere Radfahrer entgegen. Auch vier Brommies sehe ich an diesem Tag.

Entlang des Rheins

Der Rhein ist wahnsinnig beeindruckend. So viel Wasser, was tagein, tagaus durch sein Flussbett strömt. Eingebettet in die Bergkulisse des zum UNESCO Welterbe gehörenden Mittelrheintales kann ich mich gar nicht satt sehen an dem ganzen Grün und diesen unzähligen Burgen und Schlössern. Die mittelalterlichen Bauherren haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Leider hat meine Kamera-App irgendwann beschlossen nicht mehr zu funktionieren und einige tolle Bilder sind verloren gegangen :-(.

Vorbei an Burg Stolzenfels, dem berühmten Loreley-Felsen, der Stadt der Türme Oberwesel bis hin ins romantische Rheinstädtchen Bacharach ging meine Fahrt. Hier habe ich meine erste Übernachtung geplant.

Burgfräulein für eine Nacht

Da ich zum ersten Mal ohne Zelt reiste, habe ich mir vorab Stationen gesucht, wo ich schlafen konnte. Die Jugendherberge in Bingen, wo ich eigentlich noch hin wollte, war leider ausgebucht. Doch ich wurde dafür mit einer viel spannenderen Bleibe belohnt. Burg Stahleck in Bacharach thront pompös auf einem Berg und bietet traumhafte Ausblicke in das Rheintal. Die komplette Burg fungiert als Jugendherberge. Nachdem ich mich halb fahrend, halb schiebend die Straße hinauf geschwitzt habe, genoß ich den lauen Sommerabend mit Blick auf den Rhein – nach einer wohltuenden Dusche.

Am Freitag sollte die Fahrt weiter gehen, mit deutlich mehr Kilometern auf dem Rad.

2.   Tag: Von Bacharach nach Worms

Strecke: ca. 105 km

Nach einer fast schon könniginnengleichen Nacht (na gut, dafür war mein Kämmerlein etwas zu klein) im Turmhaus der Burg Stahleck in Bacharach, schwang ich mich am Freitagmorgen wieder auf mein Brommie und genoß die Talfahrt. Huuuuuuuuuuuuui! Eine ganz schön starke Steigung ist das auf der Straße zur Burg. Schnell war ich wieder in der Stadt angekommen und erfreute mich noch einmal an der wunderschönen, alten Architektur der Fachwerkhäuser, bevor ich durch den Ort wieder auf den Rheinradweg radelte.

Rheinradweggespräche

Bis Bingen ging mein Weg eng am Rhein entlang durch das malerische, obere Mittelrheintal. Der Nebel vom früheren Morgen hatte sich bereits verzogen und die Sonne begann schnell zu wärmen. Kurz vor der Stadt wurde ich von einem Herren mit dem Fahrrad überholt, der mich etwas überrascht ansprach:

“Ist das mit Motor?”, auf Ljómi deutend.

“Nee.”

“Sie sind so schnell damit unterwegs.”

Ich lachte und erklärte wie immer, was das besondere an einem Brompton sei und, dass man damit sehr gut auch längere Touren zurücklegen konnte – ohne sich zu sehr abstramplen zu müssen. S. wurde mein Wegbegleiter bis Bingen und gab mir bei einem sehr angenehmen Gespräch über Berlin, Fahrräder (und Falträder) und den folgenden Wegabschnitt, wertvolle Wegtipps. Dankeschön! Es war mir eine Freude und die Hinweise waren sehr hilfreich!

Der Weg nach Mainz

Der nächste große Ort würde Mainz sein. Der Weg dahin war fast schon etwas langweilig, da ich viel hinter dem Deich fuhr. Auch, wenn die Straße größtenteils fest und eben war, fand ich es fast etwas anstrengend. Meine Gedanken schweiften zu oft weg. Zu wenig Abwechslung machte mich immer etwas müde, trotz der grünen Gärten auf der Strecke und dem weiten Blick ins Land mit den Obstplantagen.

In Mainz wollte ich gegen 13 Uhr und nach etwa 50 km eigentlich eine etwas längere Mittagspause machen. Nachdem ich mich durch das Industriegebiet in die Stadt gekämpft hatte, gefiel mir es mir sehr gut dort. Die Sakralbauten und der Marktplatz beim berühmten Mainzer Dom und am Gutenbergmuseum sind einen Abstecher wert. Doch so richtig glücklich war ich nicht mit der Café-Auswahl dort und beschloss schnell weiter zu radeln.

Viele Wege führen nach Worms

Auch bei Alex möchte ich mich bedanken, der ebenso ein paar Hinweise für mich hatte. Denn hinter Mainz gab es teilweise mehrere Fahrradrouten, die alle zum nächsten Ort, aber über unterschiedliche Wege dorthin führten. Schotterpiste am Rhein oder geteerter Weg am Damm entlang? Nach den Ratschlägen meiner beiden Locals, nahm ich den etwas längeren Teerweg und wurde durch eine weitere, traumhafte Landschaft geleitet. Wo am frühen Vormittag noch Burgen dominierten, überwogen jetzt noch viel mehr die Weinhänge. Vor Nierstein bog der Weg etwas hügelig direkt zwischen die Weinberge ab und ich genoß den tollen Blick von dort oben auf das Tal und den Rhein.

In Nierstein machte ich schließlich meine Pause und wurde für mein Durchhalten belohnt. Das kleine Café Ernst & Illi am Marktplatz war ganz bezaubernd und bot leckeren hausgemachten Kuchen. Ich gönnte mir die Zeit und versuchte etwas zu entspannen.

Es waren noch knapp 30 km bis Worms, dass ich über einen weiteren Alternativweg etwas abseits des Rheins schließlich gegen 18 Uhr erreichte – zusammen mit dunkler werdendem Himmel. Da zog etwas auf!

Timing

Eine Halbe Stunde nach meiner Ankunft auf einem Weingut mit Pension am Stadtrand von Worms schlug das Unwetter zu: Heftiger Wind, dunkle Wolken und schließlich ein Grollen und Brummen erfüllten die Luft, bevor heftiger Regen einsetzte. Eine weitere halbe Stunde später war alles vorbei und ich machte drei Kreuze, dass ich noch rechtzeitig zuvor in der Pension angekommen war.

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Weiter gehts am Samstagmorgen gen Karlsruhe…

Himmelfahrtstour 2017: Ostseebrise & Holsteinische Berge

Die Nacht war frisch, der Himmel am Morgen bewölkt, doch es lag ein sonniger Tag auf dem Rad vor uns: Mit Fährüberfahrt, Erinnerungen aus alten Zeiten und ordentlich Wärme. Sonnenbrand inklusive. Die Himmelfahrtstour 2017, Teil 2.

Auf dem Ostseeküstenradweg

Nach einem kleinen Frühstück und in der Hoffnung auf ein größeres Zweites schwangen wir uns am Freitagmorgen wieder auf unsere bepackten Zweiräder. Weiter ging die Tour auf dem Ostseeküstenradweg aufgrund einer Baustelle über eine Umleitung ein paar Kilometer landeinwärts. Nach einem kleinen Bogen entlang der Felder kamen wir zurück auf unsere Route. Schnell gelangten wir in ein wunderschönes, von kleinen Wäldern durchzogenes Naturschutzgebiet.

Wir sind letztlich nur ein paar Kilometer auf der EuroVelo Route 10 gefahren. Sie führt im Ganzen einmal um die gesamte Ostsee und durch neun Länder. Doch bereits dieser Abschnitt war so schön, dass ich es eigentlich kaum abwarten kann, endlich meine Idee umzusetzen: Ich würde gern irgendwann mal durch Polen und durchs Baltikum entlang dieser Route fahren. Auch, wenn sie noch nicht überall so gut ausgebaut ist, wie auf diesem deutschen Abschnitt. Ich glaube, dass es eine landschaftlich und kulturell sehr reizvolle Reise sein wird!

Ein Fährfahrt, die ist…kurz. Oder: Frühstück, die Zweite

Doch nun erstmal zurück zur Himmelfahrstour 2017. Während wir die letzten Kilometer bis nach Travemünde zurücklegten, kam die Sonne hinter den Wolken hervor. Ich hoffte bereits am Vortag auf viele Schattenabschnitte, doch wie im letzten Jahr auf der Reise durch Dänemark, wurde mir der Wunsch oft nicht erfüllt. Es wurde auch immer wärmer. Zum Glück führte die Tour am Meer entlang und was gibt es da in Mengen? Genau: Wind und Wasser.  So war zumindest die Luft angenehm.

In Priwall  kurz vor Travemünde durften wir von unseren Rädern steigen und ein bisschen Fähre fahren. Ich liebe das! Auf den meisten Radreisen hatte ich bisher tatsächlich das Vergnügen auch einen kurzen Abstecher aufs Wasser machen zu können. Aber zwei Minuten waren doch etwas zu kurz. Da haben wir vor der Überfahrt nach Travemünde mehr Zeit damit verbracht, Kleingeld für den Ticketautomaten zusammen zu kramen, der nur Münzen annehmen wollte.

Drüben angekommen, flanierten wir etwas zu Fuß an der Promenade entlang, wo bereits am späten Vormittag reger Betrieb herrschte. Travemünde ist ein beliebter Urlaubsort. Doch ich hatte nur ein Ziel: die nächste Bäckerei finden! Kurz darauf folgte das richtige Frühstück. Frisch gestärkt radelten wir schließlich aus dem Ort hinaus, um einen Abstecher in Saschas Vergangenheit zu machen.

Zeltlagererinnerungen und Marzipanverzicht

Wir fuhren nach Offendorf in Schleswig Holstein, unweit von Lübeck. Nicht zu verwechseln mit Offenbach bei Frankfurt am Main in Hessen. Offendorf kannte ich nur aus Saschas Erzählungen, denn dort gibt es ein Jugendferienlager in dem Sascha viele Jahre im Sommer als Betreuer verbracht hat. Als wir dort eintrudelten, war gerade Aufbauphase. Große Zelte standen fein säuberlich aufgereiht auf einer noch größeren Wiese mit einem zentralen Platz. Während wir den anwesenden Menschen mehrfach erklärten, dass wir keinen Ort zum Campen suchten (solche Anfragen gab es wohl öfter), führte uns Sascha herum und schwelgte lebhaft in Erinnerungen.

Bevor wir dann weiter Radfahren konnten, mussten wir eine Wegentscheidung treffen. Ursprünglich war es geplant gewesen, dass wir nach Lübeck radeln, ein bisschen Sightseeing machen, Marzipantorte und – eis essen und dann weiter zum Plöner See fahren. Es war schon früher Nachmittag und ich fühlte mich nicht so fit (Knie, Hintern und Sonne). Ich wollte auch ungern so spät ankommen. Doch wir einigten uns schließlich, da keiner auf den Ausflug bestand. So ging es direkt weiter nach Ascheberg, unserem Tagesziel.

Die letzte Etappe

Wir waren mittlerweile schon ein Stück entfernt vom Meer und fuhren auf Landstraßen an Getreide- und Rapsfeldern vorbei und im Schatten auf Wald- und Feldwegen. Der Ausflug über einen Forstweg mit zahlreichen Wurzeln und Steinen war etwas mühselig, wenn auch angenehm kühl. Außerdem fuhr es sich dort deutlich angenehmer, als auf der Hauptstraße.

Am späten Nachmittag trudelten wir schließlich in Ascheberg am Plöner See ein. Ich muss zugeben, dass ich sehr froh war, weil ich die Fahrt gegen Ende leider nicht mehr so genießen konnte. Die Landschaft war schön und die Gesellschaft entspannt, aber ich konnte einfach nicht mehr gemütlich auf meinem Sattel sitzen. Es war nach dem Satteldiebstahl das gleiche Set-Up wie zuvor und dennoch fühlte es sich nicht mehr richtig an. Ich spürte meine Knie deutlich und wollte selbst die kleinen Hügel nicht mehr fahren.

So freute ich mich auf einen entspannten Abend, den wir mit Grillgut, Bier und Geschichten im Garten unserer Unterkunft verbrachten. Außerdem zeigte uns Philipp stolz sein Langzeitprojekt: Der Verrückte baut gerade seinen eigenes Fahrrad! Viele Stunden Planung sind darin bereits geflossen, inkl. Schweißübungen und dem Bau einer eigens angefertigten Rahmenlehre. Ich bin sehr gespannt, wie das fertige Fahrrad aussehen wird! Es wirkt auf jeden Fall vielversprechend.

Die Strecken-Zusammenfassung vom zweiten Teil der Tour gibt es auf Relive zu sehen.

Die Holsteinische Bergwelt und Plön

Der vorletzte Tag der Tour war ein sehr entspannter. Nach dem Gartenfrühstück fuhren wir über einen kleinen Umweg von Ascheberg in den Ferienort Plön. Dabei durfte ich feststellen, dass es im Norden Deutschlands Berge gibt! 

Also, naja, das, was man hier als Berg bezeichnet, ist im Süden des Landes vermutlich nur ein kleiner Hügel. Doch als Anstrengung für den ganzen Tag reichte mir und meinen Knien das definitiv. Der Weg lohnte sich dafür umso mehr. An blühenden Feldern vorbei und durch kleine Dörfer radelnd, sahen wir auf der Strecke auch die Ascheberger Mühle, die in der Postkartenkulisse des leuchtend grünen Getreides vor blauem Himmel ein wunderbares Fotomotiv abgab.

In Plön bummelten wir hinauf zum Plöner Schloss und genossen den fabelhaften Ausblick auf den See mit seinen zahlreichen, geschützten Inseln. Dieser Aufstieg auf den Schlossberg lohnt sich auf jeden Fall. Vor allem, wenn man sich im Anschluss auf dem Marktplatz im Ort mit Eis belohnt – und mit knusprig-soften Waffeln <3 auf einem gemütlichen, winzigen Hinterhof. Während Philipp und Sascha noch fleißig eine Runde um den See radelten, beschlossen Jan und ich nämlich etwas ruhiger zu machen. Ein Spaziergang am See und eine kleine Radtour auf die Prinzeninsel mit Badestelle war jedenfalls auch nicht zu verachten. Das Wasser des Sees ist sehr klar. Auch, wenn es noch ziemlich kalt war, konnten wir der Aussicht auf Erfrischung nicht widerstehen und hüpften einmal hinein ins kühle Nass.

Wenn ihr jemals in diese Ecke kommen solltet, kann ich nicht nur eine Tour mit dem Fahrrad empfehlen, sondern auch die Fahrt mit dem Regionalzug. Dessen Schienen verlaufen teilweise so nah am See entlang, dass man es wirklich als Panoramaroute bezeichnen kann.

Unsere Reise neigte sich am Sonntagmorgen eben mit genau jener Regiofahrt, gen Lübeck und dann weiter nach Berlin, dem Ende. Es waren ein paar wunderbare Tage – rund 200 km auf dem Rad – in einer tollen Landschaft, die wieder einmal gezeigt haben, dass Deutschland viele schöne Ecken zu bieten hat. Wie könnte man die besser erkunden, als mit dem Fahrrad?

Ich bin gespannt, wo es uns nächstes Jahr hinführen wird.


Der erste Teil der Himmelfahrtstour 2017 zum Nachlesen.

Himmelfahrtstour 2017: Von Schwerin an die Ostsee

Himmelfahrtstour 2017: Von Schwerin an die Ostsee.

Sonne, Meer und ein Fahrrad, dass mich quasi überall hinbringen kann – wenn ich nicht gerade Knieprobleme bekomme und mein Hintern nicht so weh tun würde. Die Himmelfahrtstour, 1.Teil.

Der schöne Norden

Doch von Anfang an: Wie schon im letzten Jahr nutzten Philipp, Sascha, Jan und ich das verlängerte Wochenende, um uns auf die Räder zu schwingen. Wir beschlossen 2017 in Deutschland zu bleiben und aus zeitlichen Gründen, die geplante Danzig-Tour entlang der polnischen Ostseeküste noch etwas ruhen zu lassen. Doch Deutschland ist eben auch sehr schön und nach der letzten Tourbesprechung stand fest, wo es hingehen sollte. Wir wollten uns am Vatertagsmorgen in Mecklenburg-Vorpommern in der Landeshauptstadt Schwerin vor dem traumhaften Schloss treffen, um gemeinsam gen Norden aufzubrechen. Denn ein bisschen Meer ist nie verkehrt und die Ostseeküste verspricht auch gen Westen wunderschöne Radwege.

Praktisch war auch: Ich habe Verwandschaft in Schwerin, die ich viel zu selten sehe. So konnte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und reiste schon am Mittwochnachmittag mit dem Zug an. Sascha kam mit dem Rad und war bereits am Dienstagabend bei weniger traumhaften Unwetter in Berlin gestartet. Philipp bestritt den Weg nach Schwerin ebenfalls auf zwei Rädern. Für ihn sollte die kleine Radreise eine Rundtour werden, da unser Ziel, der Plöner See, auch sein Startpunkt war.

Let’s ride! . . . #schwerin #schlossschwerin #radtour #himmelfahrt #fahrrad #bicycle #unterwegs #radelmaedchen_unterwegs

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Die Anreise

Mit dem Regionalzug (ODEG, RE 2) ging es ab Berlin Ostbahnhof ohne Umsteigen nach Schwerin mit dem Quer-Durchs-Land-Ticket für 44 € + 6 € für jede weitere Person. Bemüht euch jedoch nicht, Fahrradtickets für REs online kaufen zu wollen! Es ist schlichtweg nicht möglich. Warum das so ist, habe ich noch nicht heraus gefunden. Am Ticketautomaten war es dann jedoch kein Problem: 5,50 € für eine Fahrradtageskarte im Nahverkehr. Das passt. Eine Reservierung ist ja sowieso nicht möglich im RE.

Allerdings hat uns genau das etwas Sorgen gemacht: Vor einem Feiertag mit dem Zug inklusive Fahrrad unterwegs zu sein, kann nämlich schnell tricky werden und zum Platzkampf führen. Doch wir hatten Glück und eine mega nette Zugbegleiterin mit sehr trockenem Humor an Bord, die sich nicht nur um das Unterbringen der Räder, sondern auch um die Klimaanlage, die Bordtoilette und nervige Fahrgäste gekümmert hat. Ein dickes Bienchen für diesen Einsatz, der mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht gezaubert hat.

Wasser, Wasser, Grün, MeckPom!

Bei sommerlichen Frühlingstemperaturen und Sonne satt, starteten wir unsere Tour am Donnerstagmorgen in Schwerin. Der Herrentag lockte bei diesem Traumwetter viele andere Menschen auf die Straße und so waren die Radwege nicht nur voll mit fröhlich trinkenden Vätern und nicht Vätern, sondern auch mit zahlreichen Radausflüglern. Doch die Stimmung war gut und wir fuhren selbst beladen mit Reisegepäck zügig einfach klingelnd an den meisten vorbei.

Habe ich schon erwähnt wie schön MeckPom ist? Den Großteil des Tages radelten wir in diesem wasserreichen Bundesland im Norden von Deutschland an Seen entlang, durch saftig grüne Wälder und entlang gelber Rapsfelder. Entspannung pur!

Die erste Pause machten wir bei Schloss Wiligrad am schier riesig wirkenden Schweriner See. Dort fand ein Fest statt, das bei Live-Musik und erfrischenden Getränken viele Besucher anlockte. Der wunderschön gestaltete Schlossgarten lud also nicht nur uns zum Verweilen ein.

Die Rache des kleinen Rahmens und Knieprobleme

Als wir weiter fuhren, bemerkte ich bei den vielen kleinen Hügeln, dass meine Sitzposition nicht ganz optimal war. Die Befürchtung hatte ich schon vor der Abreise. Nachdem im März mein Cambium samt gefederter Sattelstütze gestohlen worden war, habe ich nun kurz vor der Abreise endlich wieder die gleiche Konfiguration am Rad, die bereits reiseerprobt war. Doch irgendwas stimmte nicht. Es fühlte sich alles nicht mehr ganz so komfortabel an. Ich hatte das Gefühl zu weit hinten zu sitzen, um noch genügend Kraft in die Pedale geben zu können, wenn es zum Beispiel berghoch ging. Doch der Sattel hat bereits seine finale Position erreicht und lässt sich nicht weiter vorrücken.

Also passte ich die Sattelhöhe etwas an.  Ein Senken des Sattels brachte Erleichterung. Doch wirklich gut war das alles immer noch nicht. Ich habe nur leider keine Ahnung, was denn jetzt anders als vorher ist. Habe ich mich so an die Sitzhaltung vom Brompton gewöhnt, dass alles andere seltsam erscheint? Die nächsten Tage sollten zeigen, dass ich defintiv etwas ändern musste. Am Abend spürte ich den vergangenen Tag deutlich in den Knien. Der Rahmen meines Cube ist leider etwas zu klein und obwohl ich vor dem Diebstahl eine bequeme und passende Einstellung gefunden habe, kommt es mir jetzt wieder so vor, als könnte ich keine langen Touren mehr mit dem Rad fahren :-(. Doch vorerst muss ich mit Jameson zurecht kommen und versuchen, wieder eine bequeme Einstellung zu finden.

Wismar at the sea

Die Mittagspause legten wir im beschaulich schönen Wismar an der Ostsee ein. Endlich Meeresluft! Wie sehr ich das liebe! Nach salzigen Pommes und wahlweise Fisch und Kartoffelsalat folgte das im Urlaub obligatorische, tägliche Eis. Das rege Treiben am Hafen und die lange Schlange im italienischen Eiscafé konnten mich nicht abschrecken und kurz darauf hielt ich eine prall gefüllte Waffel mit drei riesigen Kugeln Eis in der Hand. Glücklich! Und satt!

Farbenprächtige alte Häuser in der Hansestadt Wismar.Die Sonne gab ihr Bestes und nach dem Hervorholen der Sonnebrille konnte es auf dem Ostseeküstenradweg weitergehen. Was für eine tolle Strecke! Abwechslungsreich führte Sie durch kleine Küstenorte, entlang von Feldern immer wieder kleine Hügel hinauf und hinunter, durch waldige Passagen und oft mit Blick aufs rauschende Meer. Mit der leichten Brise im Haar und dem Brummen der Reifen auf dem oft asphaltierten Weg, konnte ich kaum glücklicher sein.

Der Tag fand den perfekten Abschluss am Meer. Ich wagte sogar mein erstes Bad in der kalten Ostsee, nachdem ich es mit viel quieken und stöhnen aufgrund der Kälte geschafft hatte, endlich unterzutauchen. Doch die Abendsonne war traumhaft warm und nach einem Tag im Sattel fühlte sich die Erfrischung einfach großartig an. Mit Blick auf den Sonnenuntergang nahmen wir noch ein dezentes Abendbrot ein und errichteten ein kleines Lagerfeuer im Sand. Wir waren nicht die einzigen, die diesen wunderschönen Strandplatz bei der Steilküste gefunden hatten. Insgesamt vier weitere kleine Feuerstellen erleuchteten in der Abenddämmerung.

 

Hier die Zusammenfassung vom 1. Tag der Tour.

Auf milchmithonig.de könnt ihr nachlesen, wie Saschas Anreise nach Schwerin verlaufen ist. Ich glaube, es gab ein bisschen Wind…