Archiv der Kategorie: Fernweh

Das Radelmädchen auf Reisen mit und ohne Fahrrad. Ob Städtetrips oder ausgeprägte Radreisen, alles findet hier seinen Platz.

Radreise Irland 03: Radeln ist Nebensache

3.Tag, Sonntag 24.08.2014: Die Araninseln Teil 01

Tageskilometer: Doolin, County Clare –> Inishmore, ca. 21 km; Wetter: wolkenverhangen, Nieselregen bis Regen, tw. trocken bis 16°C

Nach 1,5 Nächten in Doolin schwangen wir uns am Sonntag nun endlich auf die Räder, um gen Westen zu radeln. Äh ach… naja, fast.

Übers Wasser

Da war ja noch was mit Inseln. Zu denen kommt man mit der Fähre doch etwas entspannter als mit dem Fahrrad, zumindest wenn gerade keine Brücke vorhanden ist. Das geplante Ziel waren die Araninseln, eine Inselgruppe, bestehend aus der kleinen Inisheer, der mittleren Inishmaan und der größten Inishmore. Dazu gehörten außerdem ein paar kleine unbewohnte Inseln. Alle liegen direkt vor der irischen Küste zwischen Doolin und Galway.

Die erste Hürde war an jenem kühlen, leicht vernieselten Morgen rechtzeitig den Campingplatz zu verlassen, um den nicht einmal 300 m entfernten Fähreanlegeplatz rechtzeitig zu erreichen. Rechtzeitig meinte ca. 9.30Uhr, da wir unsere Räder noch anmelden und natürlich verladen lassen mussten. Zu der Zeit war der Wasserstand sehr niedrig an der Anlegestelle. Deshalb war es nötig, kleine Boote zu nutzen, die uns zur richtigen Fähre etwas weiter draußen aufs Meer bringen sollten. Doch zunächst standen wir eine Weile herum und konnten allen anderen beim Einsteigen zuschauen. Das gab die Gelegenheit, uns auszumalen, wie unsere Räder auf diese kleinen Beiboote gelangen sollten – in Anbetracht der Hafenmauer und der schmalen Treppe hinunter zum Boot.

Hafen Doolin, hinter meinem Rad die Treppe hinunter zum Boot...
Hafen Doolin, hinter meinem Rad besagte Treppe…

Nachdem wir das Gepäck wieder von den Rädern abgeladen hatten, konnten wir beobachten, wie ein freundlicher, aber bestimmter Herr sich je zwei der Fahrräder schnappte und die schmale Treppe hinunter balancierte (kurze Schreckstarre meinerseits!!!). Doch es klappte alles ohne Probleme. Die Herren waren ja erfahren und nach dem Umsteigen auf die richtige Fähre und einer etwas feuchten Fahrt legten wir kurze Zeit darauf im Hafen von Inisheer an.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Dies hatte einen besonderen Hintergrund: Philipps Urgoßvater, seinerzeit Forschungsreisender, bereiste Irland und im speziellen die Araninseln in den Jahren 1912/1913. Er schrieb Tagebuch darüber und machte zahlreiche Fotos. Philipp hat dazu auf seinem Blog auch einen kleinen Beitrag verfasst. Wir begaben uns nun auf dessen Spuren und besuchten die Orte, an denen er viele Jahrzehnte zuvor gewesen war und erkundeten die kleine, raue Insel teils zu Fuß,teils mit dem Rad.

Im Nieselregen erreichen wir den Hafen von Inisheer.
Im Nieselregen erreichen wir den Hafen von Inisheer.
Der Steinstrand von Inisheer. Und ein bisschen kommt die Sehnsucht nach einem trockenen, kuschligen Plätzchen auf. Pic by Philipp
Der Steinstrand von Inisheer. Und ein bisschen kommt die Sehnsucht nach einem trockenen, kuschligen Plätzchen auf. Pic by Philipp
Die typischen Trockensteinmauerparzellen auf Inisheer, pic by Simon
Die typischen Trockensteinmauerparzellen auf Inisheer, pic by Simon
Vom Meer geprägt

Charakteristisch sind die Trockensteinmauern, die Wiesen und Felder in zahlreiche Parzellen unterteilten und den kaum fruchtbaren Böden vor Wind und Wetter des Meeres schützen sollen.

Der raue Eindruck, der sich auf den ersten Blick bot, ob der fast baumlosen, kargen Landschaft, trügte jedoch. Es hatte etwas sehr Reizvolles an der steinigen Küste (ja Steine gab es hier einige) entlang zu radeln und zu sehen, was das Meer den kleinen Inseln abverlangte. Viele Kleinigkeiten machten die Insel sehenswert: Die kleinen Hütten, die sich hinter den Mauern und Hügeln zu ducken schienen, der Friedhof mit den alten Grabmalen oder die Festungsruine. Das alte, rostige Schiffswrack (die MV Plassey, die 1960 im Sturm auf Grund gelaufen war) hatte besonders im Regen etwas Mystisches und Geheimnisvolles an sich.

Die MV Plassey am einsamen Strand; pic by Phillipp
Die MV Plassey am einsamen Strand; pic by Phillipp

 

Rike und Philipp bestaunen den Rost.
Rike und Philipp bestaunen den Rost.

Der Regen war sowieso allgegenwärtig, nur irgendwie störte es mich weniger, als befürchtet. Denn wenn man sich wohl auf eines einstellte, wenn man nach Irland fahren wollte, dann dass es oft nass werden würde. Obwohl natürlich jede Minute ohne Wasser von oben sehr geschätzt war.

Wir wärmten und belohnten uns später in einem kleinen Café unweit des Hafens. Mein Rhabarb-Strawberry-Crumble mit Vanilleeis und die heiße Schokolade mit Marshmallows waren wirklich grandios.

Warmer Rhabarber-Erdbeer-Crumble mit Vanilleeis und dazu heiße Marshmellowschokolade
Omnomnom mit nomnomnom

Als wir um 15 Uhr mit der nächsten Fähre gen Inishmore ablegen wollten, wurden wir zuvor noch von Sandy verabschiedet. Das war ein Delfinmädchen, das in diesen Gefilden Zuhause war und regelmäßig im Hafenbecken in einer Wasserströmung um die Boote herum schwam.

ICH HABE EINEN DELFIN GESEHEN! In ECHT!!!<3

Sandy <3, pic by Philipp
Sandy <3, pic by Philipp

Fortsetzung folgt…

Hier gehts zurück zur Übersicht.

Neulich bei der Sonntags-CM( 02.11.2014)…

…da wurde ein Video gemacht. Wer mich findet, darf mich zwar nicht behalten, bekommt aber vielleicht ein Bienchen.


Danke an Anke Kornbuch für das Hochladen des Videos!

Es war eine schöne Tour mit zwar deutlich weniger Teilnehmern (vielleicht 60/70, schwer zu schätzen), als bei der Freitags-CM, dafür aber auch etwas persönlicher und weniger anonym: Vom Brandenburger Tor nach Kreuzberg zum Moritzplatz und von da nach Neukölln, die Karl-Marx-Str. entlang immer weiter gen Süden bis nach Rudow.

Den Endpunkt bildete eine Anhöhe, Dörferblick genannt, von wo aus man einen Blick auf den Sonnenuntergang erhaschen konnte , den wir während der Auffahrt noch rot schimmernd sahen(  zeitlich möglich dank einer Interaktion mit der Polizei, die uns in Neukölln wenigstens eine halbe Stunde aufhielt und damit endete, dass wir uns halbierten und nur noch in Zweier-Reihung nebeneinander her radeln durften) plus Aussicht auf den Flughafen Schönefeld und die Stadt mit Fernsehturm und diversen Hochhaussiedlungen.

Gemeinsam machten wir uns dann auch wieder auf den Rückweg, wo ich mich dann irgendwo in Neukölln verabschiedete, um die letzten paar Kilometer gen Heimat allein zu fahren, nach ca. 35km Fahrt.

Update 25.11.2014:

Schön wars. Ich bin gern wieder dabei. Es ist auch immer wieder eine Entdeckerfahrt. Ich habe schon einige Ecken Berlins neu gesehen oder überhaupt erst kennen gelernt. Entspannter geht sowas kaum.

Und für mehr Eindrücke gibt es hier noch ein paar Fotos. ( Inklusive Werbung für radelmaedchen.de- wie aufregend! 🙂 )

Radreise Irland 02: Aufbruch

1. Tag; Freitag, 22.08.2014: Aufbruch

Abflug: 20:45 Uhr, Berlin SFX, Deutschland –> Ankunft:  22:30 Uhr Shannon SNN, Irland; Wetter: sternenklarer Himmel, zwischen 14°C bis 3,5°C

Die Vorfreude, die mich überkam, wenn ich an die Irlandreise gedacht habe, habe ich ja bereits versucht in Worte zu fassen. Als ich dann aber mit dem Fahrrad in der Bahn stand auf dem Weg zum Flughafen Berlin-Schönefeld, überkam mich eine seltsame Ruhe, die mit einer stillen Freude einher ging. Dabei war ich eben noch aus der Wohnung gehetzt, weil ich spät dran war (natürlich). Gleich sollte es losgehen! Doch davor waren noch so viele Schritte abzuarbeiten.

Verpackungsaktion

Das Fahrrad musste teilweise auseinandergebaut und verpackt werden (Fahrrad im Flugzeug), da der Fluganbieter Ryanair Räder als Speergepäck nur in geeigneter Transportverpackung mitführte. Wir hatten unterschiedlich große Kartons. Für den Hinflug bedeutete das, dass wir drei Räder bis auf das Verstellen der Lenker und das Abschrauben der Pedale, vollständig verpacken konnten.

Bei meinem und einem weiteren Rad kam noch das Entfernen des vorderen Laufrades und der Sattelstütze inklusive Sattel hinzu. Ich war dann auch erst halbwegs beruhigt, nachdem ich bergeweise Luftpolsterfolie und meine Luftmatratze noch mit in den Karton gestopft hatte. Horrorgeschichten über den Fahrradtransport im Flugzeug habe ich davor zuhauf gelesen. Mein Cube war ja noch so jung, dass ich schon mehr Sorge als normal hatte! Doch letztendlich hat alles gut geklappt. Als dann das Gepäck aufgegeben, die Fahrräder an der Sperrgepäckaufgabe abgegeben und der Check In erledigt waren, blieb gar nicht mehr so viel Zeit bis zum Abflug.

“Wahnsinn! Es geht wirklich los! Irland wir kommen!”

2. Tag, Samstag, 23.08.2014: Cliffs of Moher

Tageskilometer: SNN–> Doolin, 64,6 km; Doolin –> Umgebung, ca. 21 km; Wetter: strahlender Sonnenschein, Wind, blauer Himmel, bis 23°C

Nach einem gut verlaufenen Flug und der etwas verspäteten Entgegennahme der Fahrräder in Shannon, Irland, wurden die Räder in einem fast menschenleeren Flughafen wieder zusammengeschraubt.

Juhuu, da sind sie! Unsere Räder. Und alles ist noch heil!
Juhuu, da sind sie! Unsere Räder. Und alles ist noch heil!

Kein Wunder, es war mittlerweile nach Mitternacht. Nebenbei fiel dann der Vorschlag, dass wir die Nacht durchradeln könnten… Es sei kein Campingplatz in der Nähe und es mache viel mehr Sinn 60 km in die richtige Richtung zu fahren, als 30 km in die entgegengesetzte, um den nächstgelegenen Platz aufzusuchen. Als ob Philipp das nicht schon die ganze Zeit geplant hätte! Dann am Flughafen konfrontierte er uns einfach mit dieser reinen Logik und konnte natürlich direkt überzeugen .

Wir meinten es wohl ernst mit der Radreise. Joa. Macht schon Sinn. Bis auf die Tatsache, dass es mittlerweile fast 1 Uhr nachts war, wir uns in einem fremden Land mit Linksverkehr(!) befanden und es auf dem Land auch ziemlich dunkel war.

Durch Nacht und Wind

Also ging es los! Diese Entscheidung haben wir letztendlich auch nicht bereut. Auch wenn die Temperaturen in den frühen Morgenstunden auf unter 4°C sanken, die Feldwege teilweise sehr abenteuerlich und hügelig anstrengend waren und wir natürlich viel weniger von der Umgebung mitbekommen haben, als am Tag. Ich habe mehr als einmal fluchtend auf dem Rad gesessen, als wieder ein Hofhund anfing zu kläffen und mich damit zutiefst erschreckt hat. Doch dank dieser Nachtfahrt konnten wir morgens gegen 5:30 Uhr an unserem Zielort Doolin die Meeresluft schnuppern und den herannahenden Tag direkt am Atlantik begrüßen!

Da lugt das Meer hinter der Mauer hervor. Und wir verschwinden erstmal für 3,5h im Schlafsack.
Da lugt das Meer hinter der Mauer hervor. Und wir verschwinden erstmal für 3,5h im Schlafsack.

Wie gut es sich dann auch anfühlte, in den weichen Schlafsack zu fallen und sich auf den kommenden Tag zu freuen. Ich war ein wenig stolz, diese erste, abenteuerliche Etappe erfolgreich gemeistert zu haben.

Summerday

Doch was für ein Tag es dann wurde! Er wurde zunächst mit dem ersten Bad im Atlantik meines Lebens begrüßt. Brrrr… Doch später schien die Sonne hell und warm und der Himmel war strahlend blau. Der Spätsommer gab sein bestes den Ruf der verregneten Insel etwas anzukratzen.

So schwangen wir uns nach einem ordentlichen Frühstück mit ganz viel Rührei und Tee (Tee sollte es immer in Massen geben) auf die Räder. Wir machten uns auf den Weg zu einem der bekanntesten Landstriche Irlands, der direkt vor den Toren Doolins liegt, einem hübschen kleinen Küstenort: Die Cliffs of Moher. Die bis zu 214 m hohen Steilklippen erstrecken sich über 8 km entlang der Küste des County Clare und gehören zu den meistbesuchten Touristenattraktionen Irlands. Das haben wir bei dem Wetter auch deutlich mitbekommen.

Es war fast ein wenig zu überlaufen, als wir am Rand der Klippen entlang liefen, die warmen Sonnenstrahlen genossen und den Wind auf der Haut spürten. Ja, es gab sofort Sonnenbrand! In Irland! Das glaubt uns kein Mensch. So war ich auch ein wenig froh, wenn es auch ein wirklich beeindruckendes Monument der Natur ist, als wir uns wieder aufmachten. Komischerweise blieben die Cliffs mir auch nicht als einer der schönsten Orte Irlands in Erinnerung, obwohl sie mich wirklich beeindruckt haben. Die Einsamkeit kommender Plätze blieb jedoch viel mehr hängen.

Dennoch ließen wir diesen 1. Tag in Irland standesgemäß in einem überfüllten Pub mit Livemusik und ordentlich Guiness ausklingen. Es hätte wohl kaum einen besseren Start der Reise geben können.

Fortsetzung folgt…

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