Dunkle Wolken verdichteten sich im Westen und kündeten von Regen. Feuchtigkeit lag in der Luft. Und plötzlich hatte ich wieder diesen salzigen Geruch in der Nase. Ganz leicht, doch sehr präsent. Die stetig zunehmende, frische Brise ließ schließlich keinen Zweifel mehr zu: Das Meer war nah!

Teil 1 des Hanse Gravel Berichts findet ihr hier: Geselliges Graveln durch den norddeutschen Sandkasten

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2. Tag: Grevesmühlen bis hinter Ribnitz-Damgarten

Ostseebrise

Nach einer ganz angenehmen Nacht auf der Bank neben dem Aussichtsturm brachen wir schließlich am Morgen als kleine Gruppe wieder auf. Der Großteil der Leute, die ebenfalls an diesem Ort geschlafen hatten, war bereits weitergefahren, bis wir schließlich auf den Rädern saßen. Auch Marcus wollte nicht länger auf uns Trödeltrinen warten…aber man sieht sich ja immer 2x, ne ;-). Es dauerte einen kurzen Moment, bis ich wieder richtig in den Tritt kam, doch ich wusste, heute würden wir noch ans Meer kommen und das konnte ich kaum erwarten!

Und noch viel wichtiger: Frühstück war dringend nötig und das wollten wir in Wismar einnehmen, knapp 20 km von unserem Nachtlager entfernt. Schnell noch ein wenig durch den Sandkasten vor der Stadt schieben und dann gab es endlich Futter. Natürlich trafen wir auch andere Hanse Graveller und belegten zahlreiche Plätze der großen Bäckerei in der Innenstadt von Wismar. Neben der Frühstücksplatte gönnte ich mir gleich noch ein süßes Teilchen – denn ich habe gelernt, essen ist wichtig auf einer Radtour!

Unsere Trödeltruppe fuhr schließlich weiter gen Osten mit dem nächsten Ziel Rostock, wo wir gepflegt Mittagessen wollten. Dazwischen sind wir sogar ein bisschen Radgefahren… Der Regenradar ließ mich etwas unruhig werden. Vor uns schienen einige auf jeden Fall nass geworden zu sein, während wir bisher völlig im Trockenen unterwegs gewesen waren. Manchmal lohnt es sich eben, doch einen Gang runterzuschalten :-D.

Von Pfütze zu Pfütze

Dafür hatte jede*r von uns seine eigene Strategie durch die Pfützen zu kommen, die plötzlich auf Wald- und Feldwegen ein Umfahren unmöglich machten. Von durchbrettern, zu möglichst vorsichtig und nah am Rande vorbei radeln, war so ziemlich alles dabei. Die Fahrrad- und Beindeko danach gestaltete sich jedenfalls ziemlich abwechslungsreich. Sand- und Matsch gab es natürlich auch dazu. Aber irgendwie fand ich das halbwegs kontrolliert nass werden immernoch deutlich angenehmer, als einen Regenguss von oben.

Irgendwann bemerkte ich ein Geräusch und auffälliges Schütteln der kleinen Packsäcke an meiner Gabel. Ich ging schließlich der Ursache auf den Grund und musste feststellen, dass sich wohl im Laufe des Tages eine meiner Wolftooth-Schienen teilweise verabschiedet hatte. Ich hatte sie an der Gabel für die Anything Cages montieren lassen – zack, durchgebrochen. Tja, die Strecke forderte nicht nur die Radfahrenden, auch das Material wurde gefordert. Aber McGyveresk hatte ich einige Kabelbinder dabei, die es mir möglich machten, ganz normal weiterzufahren. Zur Sicherheit stockte ich allerdings später meinen Kabelbindervorrat in einem Rostocker Baumarkt wieder auf. Man weiß ja nie, was noch kommt. Allgemein waren wir wirklich etwas trödelig unterwegs an diesem Tag, stoppten mal hier, mal da und waren irgendwie ganz entspannt. Doch das sollte sich bald ändern…

Fotos 3 & 4: Marcus D.

Gewitter-Stimmungstief

Gegen Abend gab es das erste Stimmungstief in der Gruppe. Alle hatten Hunger, der Wetterbericht versprach ein ordentliches Gewitter und Unwetter für die Nacht und wir machten uns Sorgen um einen Schlafplatz. Aber erstmal einkaufen und für Futter und Getränkenachschub sorgen. In Ribnitz-Damgarten hatten sich bereits einige Mitstreiter zum Essen niedergelassen. Auch André, Harald und Christian traf ich wieder, als sie sich gerade genüsslich – Hashtag Genusstour – durch das griechische Lokal futterten. Mir wurden freundlicherweise ein paar Pommes zugeschoben, die sonst kläglich übrig geblieben wären. Offensichtlich sah ich hungrig aus! Und das war ich auch.

Meine Grummelgruppe zog dann schließlich weiter, in der Hoffnung einen regentauglichen Schlafplatz zu finden. Das war das Thema überhaupt, auch bei anderen Hanse Gravel Teilnehmenden. Es wurde sich via Messenger ausgetauscht, die Karte geprüft und hinter Absperrungen am Wegesrand geblinzelt. Einen Campingplatz gab es hier leider in der Nähe nicht. Dann schließlich, als wir durch einen winzigen Ort radelten, entdeckten wir einen riesigen Pavillon in dem kleinen Dorfpark. Menschen sahen wir hier am Freitagabend keine, außer die zwei anderen Radfahrenden, die bereits ihre Hängematten in den Pavillon gehängt hatten. Alle rückten ein wenig zusammen und wir hatten endlich einen geschützten Platz für die Nacht. Schon waren alle wieder glücklich und das mit gutem Grund: Das Dach überm Kopf war Gold wert gewesen, denn die Nacht hatte es in sich!

Ich war mehr als froh, nicht irgendwo am Feldrand unter einem Busch hocken zu müssen, als der Regen begann herunterzuprasseln. Ein wenig Unterhaltungswert brachte die Dunkelheit auf jeden Fall mit sich. Nicht nur ich musste mich regelmäßig ein paar Zentimeter in verschiedene Richtungen über den Pavillon-Boden schieben. Es tropfte an einigen Stellen durch das Dach und bei dem begrenzten Platz, gab es nicht so viele Ausweichmöglichkeiten. Einen trockenen Kopf mag ich aber schon beim Schlafen.

Egal, die Nacht hatten wir halbwegs trocken überstanden und starteten dann schließlich mit ein paar Dehnübungen ( Danke, Michael :-D! )in den doch kühlen Morgen des 3. Tages des Hanse Gravel 2019. Und jetzt ratet mal, was unser erstes Ziel war? Genau. Frühstück finden!

Grevesmühlen > Wismar > Neubukow > Bad Doberan > Rostock > Ribnitz-Damgarten : ca. 152 km


Teil 1 des Hanse Gravel Berichts findet ihr hier: Geselliges Graveln durch den norddeutschen Sandkasten

Teil 3 des Hanse Gravel Berichts findet ihr hier: Hanse Gravel 2019 – Mit der Ostseebrise nach Stettin

Und hier gibt es die Komoot Collection zum Hanse Gravel 2019!

2 Comments

  1. Hey Radelmädchen!
    Danke für die Bereitstellung Deiner Tracks. Wir fahren die Route gerade zu zweit ab, heute die letzte Etappe. Super hilfreich mit irre viel Spaß (und Schmerz)
    Falls es Dich interessiert, wie zwei gut abgehangene Endvierziger sich an der Strecke schlagen, kannste ja mal reinschauen: https://findpenguins.com/0noi8k1fyeonh/trip/5edaacfbd21196-44380413
    Ganz Liebe Grüße von Jan und Thorsten

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