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Das Radelmädchen auf Reisen mit und ohne Fahrrad. Ob Städtetrips oder ausgeprägte Radreisen, alles findet hier seinen Platz.

Radfahren in der Emilia Romagna: Über den Torre di Oriolo nach Brisighella

Italien= Pizza, Pasta und Amore! Mehr nicht? Man könnte manchmal meinen, in dem südeuropäischen Land dreht sich alles nur um Essen und Liebe, zumindest aus Touristensicht. Doch weit gefehlt – auch Kaffee und Wein spielen eine sehr große Rolle und werden gern und viel genossen! Was soll man bei den zahlreichen Spezialitäten und dieser guten Küche auch machen? Ich hätte wirklich am liebsten den ganzen Tag gegessen und getrunken. Doch ich habe es tatsächlich geschafft neben den kulinarischen Genüssen, auch etwas Bewegung in meinen Italientrip zu bekommen: #ERCycling! Was ich in der Emilia-Romagna so erlebt habe, erfahrt ihr in diesem Blogpost!

Teil 1 des Berichts gibt es unter: Radfahren in der Emilia Romagna: Von Therme, Olivenöl und Wein


Hinweis!

-WERBUNG-  Dies ist der Bericht über eine Bloggerreise. Die Reisekosten wurden übernommen. Die Erfahrungen und Bewertungen sind meine eigenen ;-). Eingeladen wurde ich vom Tourist Board Emilia-Romagna und terrabici.com, ein Zusammenschluss von auf Bikesport spezialisierten Hotels, der die Fahrradregion Emilia-Romagna auf internationaler Ebene fördert, u.a. durch gezielte Marketingstrategien. Für uns drei deutsche Fahrradbloggerinnen wurde ein individuelles Programm (#bicibloggertedesche) zusammengestellt. Das beinhaltete nicht nur die Unterkunft und ein Rahmenprogramm, sondern auch Ausfahrten mit bereitgestellten Fahrrädern und persönlichem Guide (Ex-Mountainbike-Profi Fabio Gioiellieri von #appennino bike), der in der Region zu Hause ist.


#ERCycling: Zwischen Faenza und Imola

Direktlinks zu den Highlights:
    1. Torre di Oriolo
    2. Brisighella, das Olivenöl, der Wein
    3. Pieve del Tho

1. Tag: Feucht-fröhliche Radtour mit Olivenöl und guten Aussichten

Es gab so einige Highlights und besondere Orte, die wir entdecken und besuchen durften. Tag eins auf dem Fahrrad startete mit leider sehr durchwachsenem Wetter und auf dem Weg, der zunächst mehr oder weniger parallel zum Fluß Senio führte, nieselte es immer mal wieder. Über das hübsche Castel Bolognese (nach ca. 12km) führte die Route vorbei an zahlreichen Wein-, Kiwi- und Sharonanbaugebieten nach Faenza (nach ca. 21 km).

Kurz vor der Stadt hörte es auf zu regnen und wir pellten uns schnell aus den Regenjacken, denn es wurde auch immer wärmer. Die Kleinstadt, die es schon zu Zeiten der Römer gab, ist bereits seit der Renaissance bekannt für ihre Tonwaren und verfügt u.a. über ein berühmtes internationales Keramikmuseum und einige reizvolle Architektur aus dem Mittelalter. Wir streiften die Stadt jedoch nur kurz, denn unser Ziel war ein unweit von Faenza liegender Turm:

Torre di Oriolo dei Fichi

Der erste wirkliche Kletterei lag vor uns und ich kam das erste Mal an diesem Tag richtig ins Schnaufen. So schaltete ich einige Gänge hinunter, um den Anstieg zu bewältigen, doch der Weg lohnte sich: Die Via di Oriolo führte uns hinauf zum mittelalterlichen Torre di Oriolo dei Fichi und bot einige traumhafte Ausblicke ins Tal. In der Region wird unter anderem Wein, aber auch Obst und Getreide angebaut. Außerdem wird der Tourismus immer wichtiger und so bieten viele Anwohner auf ihren Gütern Unterkünfte an. Sie haben sich als landwirtschaftliche Vereinigung zusammengeschlossen und wollen so gemeinsam den Agritourismus fördern.

Die Associazione per la Torre di Oriolo kümmert sich um den alten Turm. Zu ihnen gehört auch Mauro Altini von La Sabbiona, der ein Weingut mit Pension betreibt, wo die ganze Familie mitwirkt. Mauro führte uns herum und erzählte etwas über die jahrhundertealte Geschichte. Dieser einmalige, 17 m hohe Festungsturm hat eine hexagonale Form und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die 2,8m dicken Backsteinwände umschließen 5 Etagen, zwei davon unterirdisch. In den Sommermonaten eignet sich der Turm für Veranstaltungen aller Art. Auch Fahrradtouristen sind dort sehr willkommen.

Highlight: Der Ausblick vom Torre di Oriolo

Unsere Führung endete oben auf der großen Terrasse des Torre und ermöglichte einen wunderschönen Blick über die Weingüter und bis hin zum Meer der Adria. Nachdem Mauro uns noch auf einen Espresso auf seinen Hof eingeladen hatte, radelten wir schließlich weiter.

Zwischen Regenbögen und nassen Radhosen

Lange war uns die Trockenheit nicht gegönnt. Auf unserem Weg zurück Richtung Faenza und dann weiter gen Brisighella verdichtete sich die Wolkendecke rasant. Als wir ein Stück auf der Landstraße fuhren, brach es schließlich doch wieder über uns herein. Also Regenjacke wieder an und ab ging die Fahrt. So ein bisschen Nässe hält uns nord-/ostdeutschen Damen (WiebkeWie, hamburgfiets) doch nicht auf.

Ich kann im Nachhinein gar nicht mehr sagen, wie viele Regenbögen uns dieses wechselhafte Wetter beschert hat. Nach einigen Kilometern ging der Regen schließlich wieder in ein Nieseln über. Wir fuhren natürlich alle ohne Schutzbleche am Rad, klar oder? Denn breit bereifte Fahrräder fürs Gelände haben so etwas grundsätzlich nicht vormontiert, was meistens alles irgendwie Sinn ergibt. Doch in diesem Moment hätte ich mir wirklich Ansteckschutzbleche gewünscht…

Ich kam jedenfalls an diesem Tag das erste Mal in meinem Leben in den Genuß einer vom Regenwasser vollgesogenen Radhose (jaaaa, ich hatte keine Regenhose dabei, selbst Schuld und so…). Möchtet ihr noch mehr Details wissen? Nein? Gut. Also nachdem wir im wunderschönen, mittelalterlichen Brisighella angekommen waren – einem für sein Weltklasse Olivenöl bekannten Ort – suchte ich erst einmal die Örtlichkeiten des angesteuerten Lokals auf. Einen Fön oder Handtrockner gab es da zwar nicht, aber falls ihr einmal in eine ähnliche Situation geraten solltet, empfehle ich euch Papierhandtücher.

Wie die zum Einsatz kamen, dürft ihr euch selbst ausmalen… Effektiv war die Notmaßnahme zum Hosetrocknen auf jeden Fall! Doch genug davon! Kommen wir zu wichtigeren Dingen: Essen!

Brisighella, das Olivenöl und der Wein

Auf uns wartete eine Olivenölverkostung und eine Brotzeit mit Käse und Wurst der Region im lokalen Feinkostgeschäft Terra di Brisighella. Ich mag Olivenöl. Sehr. Und das gute italienische Öl einfach nur mit Brot aufzusaugen und dann direkt zu essen, war schon toll.
 

Natürlich musste ich nach der Pause auch noch eine Flasche des “Nostrana di Brisighella” Olivenöls kaufen. Glücklicherweise konnte ich es der Dame des Emilia-Romagna Tourismus Boards mitgeben, die zur Verkostung gekommen war. Ich muss zugeben, dass ich etwas erleichtert war und froh, dass ich die 750ml Glasflasche nicht in der Trikottasche mitführen musste!

Gourmet Tipp: Der Feinkostladen Terra die Brisighella

Denkt also unbedingt daran, eine Tasche dabei zu haben, wenn ihr den Laden Terra di Brisighella ansteuert. Dort gibt es noch viele andere tolle Produkte, wie Weine, Aufstriche und Seifen, die auch ein großartiges Mitbringsel für die zu Hause Gebliebenen abgeben.

Oliven und Wein

Bekannt ist Brisighella vor allem aufgrund des hochwertigen Olivenöls und durch den Weinanbau. Das Gemeindegebiet entlang des Lamone-Tals hat eine lange landwirtschaftliche Geschichte. Die Olivenkultur geht über tausend Jahre zurück und auch Wein wird dort schon sehr lange angebaut. Um die 70.000 Olivenbäume werden hier bewirtschaftet. Die Lage ist geografisch bevorteilt, denn durch die umliegenden Hügel sind die Haine vor kalten Winden geschützt und die Kreidefelsen speichern Wärme, was sich positiv auf den Anbau auswirkt. Die ansässigen Bauern haben sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen, um die lokale Produktion aufzuwerten. Etwa 300 Olivenbauern gründeten 1972 eine Kooperative, die Cooperativa Agricola Brisighellese (Landwirschaftliche Genossenschaft von Brisighella). Ca. 90% der Olivenbauern sind Mitglied. Die Weinbaugenossenschaft umfaßt praktisch alle Weinbauern (ca. 575 Winzer).

RotweinartenWeißweinarten
In sonniger Hügellage wachsen der Sangiovese, der Merlot, der Cabernet-Sauvignon und der Ciliegiolo. Weißwein wird im Talgrund angebaut und umfasst Albana di Romagna, Trebbiano, Pignoletti, Pinot Bianco, Chardonnay und Sauvignon.
Nicht verpassen in Brisighella:
Bevor wir weiter radelten, konnten wir uns den Abstecher auf die alte Eselstraße “Antica Via Degli Asini” nicht entgehen lassen. Dieser heute als Spazierweg genutzte Gang ist eine durch zahlreiche Bögen gestaltete Hochstraße, die durch die mittelalterliche Altstadt von Brisighella führt.
 
Was früher eine Verteidigungsbrüstung war, wurde später eine Anlaufstelle für die Fuhrleute, die ihre Stallungen für die Zugtiere unter den Torbögen hatte. Radfahren könnte man da vielleicht, sollte man aber aufgrund der zahlreichen Stufen und Bodenwellen wohl sicherheitshalber eher lassen.

Geheimtipp Pieve del Tho:

Von alten Kirchen…

Bevor wir den größten Anstieg des Tages mit doch recht vollem Magen in Angriff nahmen, fuhren wir mit den Rädern ein Stück aus Brisighella heraus zu einer kleinen katholischen Kirche romanischer Bauweise. Die Pieve del Tho ist eine der ältesten Pfarreien des Lamonatals und stammt vermutlich aus der Zeit zwischen dem 8. bis 10.Jahrhundert. Von außen wirkte sie fast schon schlicht und unauffällig, wenn auch in gutem Zustand. Sobald man den Kirchenraum betritt setzt sich der Eindruck fort. Rundbögen gestalten die Seitengänge des Inneren und Holzbänke, auf denen noch die Namen der alten Familien aufgemalt waren, stehen im Mittelgang.
 
Versteckt in der Krypta des Baus befindet sich ein liebevoll hergerichtetes Museum, in dem alte Relikte und Mosaike präsentiert werden. Selbst die Gussform für die Kirchenglocke konnten wir in einem der kleinen Räume im verwinkelten Kirchenuntergrund bewundern.
 

…und langen Anstiegen

Die Wolken hatten sich währenddessen wieder zu dicken Bergen zusammen geschoben. Sie zogen bedrohlich grau in grau am Himmel entlang, doch immer wieder blitzte hoffnungsvoll etwas blau hervor. Wir schwangen uns auf die Räder, um doch noch ein paar Höhenmeter auf den ca. 13 km zurück nach Riolo Terme zu schaffen. Mit der Aussicht auf ein kuscheliges Bad in der warmen Therme war ich da auch äußerst motiviert.
 
Von Brisighella aus über die Via Rontana kletterten wir Stück für Stück die bis zu 11% Steigung empor. Dabei kamen wir am Wallfahrtsort Monticino (aus dem 18. Jahrhundert) und an der Festung Rocca Manfrediana und Veneziana (14. bis 16. Jh.) vorbei, wo sich heute das Arbeits- und Bauernmuseum befindet. Es war anstrengend, aber irgendwie klappte auch das hier wieder sehr gut für mich. Man könnte schon fast sagen, dass ich die Abwechslung und die Herausforderung des Kletterns ein bisschen genoss. Nachdem ich oben angekommen war, konnte ich es nicht lassen, den kleinen Hügel am Wegesrand hoch zu steigen, um dort einen noch besseren Blick ins Tal zu bekommen. Was für eine Kulisse!
 

Sonnenuntergang mit reichlich Drama

Wir ließen den Monte di Rontana links liegen und nahmen den letzten Abschnitt des Tages über die Via Calibane zurück ins Tal und waren damit fast schon wieder in Riolo Terme. Auch wenn ich die Abfahrt wieder mit Vorsicht genoss, da die Straße feucht war und ich noch immer unsicher im Kurvenfahren bin, fand ich sie dennoch wunderschön. Wieder kam dieses kaum zu beschreibende Gefühl der Freude, ja der Euphorie auf, als ich tief einatmete, die frische Luft einsog und die Kulisse dieser wundervollen italienischen Landschaft bei Abenddämmerung kaum fassen konnte. Da war die Sonne wieder, gab dem bewölkten Himmel einen dramatischen, leuchtenden Touch und diesem ereignisreichen Tag einen würdigen Abschluss.
 
 
Als wir nach knapp 75 km Radtour am Abend auf das Gelände des Grand Hotels rollten, setzte schließlich der Nieselregen wieder ein. Oh, dieses warme Thermalwasser war der perfekte Tagesabschluss. Und essen. Und schlafen.
 
Was wir am 2. Tag erlebt haben und wie es ist auf einer Formel 1-Strecke mit dem Fahrrad zu fahren, erfahrt ihr im kommenden, letzten Blogbeitrag der Reihe “Radfahren in der Emilia-Romagna”.

 

 

Radfahren in der Emilia Romagna: Von Therme, Olivenöl und Wein

Italien – 13 Jahre war es her, dass ich das letzte Mal in diesem so vielfältigen Land im Süden Europas war. Damals war es eine Kursfahrt in die Hauptstadt des Stiefels und ich war noch nie zuvor am Mittelmeer gewesen. Warum ich seitdem nie wieder da war, kann ich gar nicht genau benennen, denn gefallen hat es mir sehr. Umso begeisterter war ich, als Wiebke schon im Frühjahr 2018 fragte, ob wir nicht zusammen in die Emilia-Romagna fahren wollen.

Wiebke, Miriam und ich trafen uns schließlich Ende Oktober 2018 in Bologna. Dort verbrachten wir ein paar Tage in der berühmten Universitätsstadt, bevor wir weiter in die Romagna reisten, um eine touristisch weniger überlaufene Region mit dem Fahrrad kennenzulernen. Ich denke, keine von uns hat damit gerechnet, was da auf uns zukommen würde und was alles für uns vorbereitet werden würde!

 


Hinweis!

-WERBUNG-  Dies ist der Bericht über eine Bloggerreise. Die Reisekosten wurden übernommen. Die Erfahrungen und Bewertungen sind meine eigenen ;-). Eingeladen wurde ich von terrabici.com, ein Zusammenschluss von auf Bikesport spezialisierten Hotels, der die Fahrradregion Emilia-Romagna auf internationaler Ebene fördert, u.a. durch gezielte Marketingstrategien. Für uns drei deutsche Fahrradbloggerinnen wurde ein individuelles Programm (#bicibloggertedesche) zusammengestellt. Das beinhaltete nicht nur die Unterkunft und ein Rahmenprogramm, sondern auch Ausfahrten mit bereitgestellten Fahrrädern und persönlichem Guide (Ex-Mountainbike-Profi Fabio Gioiellieri von #appennino bike), der in der Region zu Hause ist.


#InEmiliaRomagna: Die Region zwischen Faenza und Imola

Bevor ich euch einen kleinen Überblick gebe, was ihr in der Emilia-Romagna machen könnt, genauer zwischen den Städten Imola und Faenza, möchte ich euch von meinem ersten Eindruck der Region erzählen.

  1. Lage
  2. Klima
  3. Radfahren in der Emilia-Romagna
  4. Riolo Terme
  5. Straßen, Wege und Gelände
  6. Kulinarische Highlights
  7. #ERCycling

1. Lage und Anreise

Nach drei entspannten, aber auch laufreichen Tagen in Bologna, wurden wir am letzten Oktober-Montag abgeholt und weiter in die Emilia-Romagna geshuttelt. Riolo Terme war unser Ziel. Es ist kleiner Kurort mit imposanter, aber für die Region typischer Festung aus dem 14. Jahrhundert und liegt auf der Strecke zur Adriaküste auf dem Weg nach Rimini – doch eben etwas abseits der Hauptstraße. Vielleicht ist die Gegend deshalb noch so unberührt und nicht vom Tourismus überlaufen? Der größte und am besten erreichbare Flughafen der Region liegt in Bologna. Auch der Bahnhof dort ermöglicht gute Verbindungen in weitere und größere italienische Städte und ans Mittelmeer. Am unkompliziertesten ist die Anreise natürlich ohne Fahrrad mit der Option sich am Reiseziel eines auszuleihen.

 
 
 
 
 
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Gespannt warf ich einen Blick aus dem Kleinbus, der uns auf schmaler werdenden Straßen näher Richtung Gebirge und rein in eine vom Herbst bunt gefärbte, abwechslungsreiche Region brachte. Hier prägten nicht mehr nur flache Felder die Gegend– Kakibäume (Sharon) und zahlreiche Weinanbaugebiete lagen nun nahe der immer kurvenreicher und steigungsreicher verlaufenden Straße. Von der Autobahn kann man nur schwer erkennen, welches Kleinod da an den Ausläufern des Apenninen-Gebirges im Tal des Flusses Senio auf einen wartet. Die Region eine große Bandbreite an Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Highlights. Imola und seine berühmte Formel-1-Rennstrecke zum Beispiel dürfte vielleicht einigen ein Begriff sein.

2. Klima

Durch die Lage an den Ausläufern des Gebirges ist das Wetter dementsprechend gemäßigt und auch mal wechselhaft. Die Temperaturen liegen um die 23-29°C im Hochsommer, um die 0-7°C im Winter. Der Juli ist der heißeste Monat und auch der trockenste. Regen ist nicht unüblich und wir waren außerdem in der regenreichsten Zeit da, die im Monat November ist. Dafür bekamen wir jeden Tag mindestens einen Regenbogen zu Gesicht, sobald die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor blitzte. Wunderschön! Das Klima ist für meinen Geschmack ideal zum Radfahren, besonders natürlich im Frühling und Herbst.

3. Radfahren in der Emilia-Romagna

Die Emilia-Romagna ist kein unbekanntes Terrain für Radsportler. Die Heimat des berühmten Rennradfahrers Marco Pantani, der die Tour de France und den Giro d’Italia gewann, hat auch im Jahr 2019 so einige Radsport-Veranstaltungen zu bieten. Das wichtigste Ereignis wird sicherlich der Giro d’Italia 2019 sein, der in Bologna startet und in seiner 9. Etappe sogar durch das wunderschöne San Marino kommt (Blogpost zum Radfahren dort folgt). Hier eine Auflistung auf Englisch über einige Gran Fondo Veranstaltungen in der Emilia-Romagna.

Emilia Romagna welcomes the Giro d’Italia to Bologna after 25 years! In addition to an array of exciting cycling events throughout the year

In der Region findet Ende Mai 2019 außerdem erneut die Rally di Romagna statt, ein MTB-Rennen, das über 5 Etappen durch die wundervolle Landschaft der Emilia-Romagna führt. Die Rally hat viel mehr den Anspruch ein Festival mit gleichgesinnten Radfahrenden, gutem Essen und Musik zu sein, als ein kompetitives Rennen.

4. Riolo Terme

Schließlich erreichten wir das Grand Hotel von Riolo-Terme, das für die nächsten drei Tage unsere Unterkunft sein sollte.  Es liegt ein paar hundert Meter unterhalb der Altstadt des ca. 6000 Einwohner Ortes. Allein der Weg durch die Lobby mit ihrem großen Kronleuchter und den alten Sofas beeindruckte mich sehr. Auch das ruhig gelegene Zimmer in der 2. Etage, das über ein Treppenhaus oder den alten Gitterfahrstuhl zu erreichen war, versprach erholsame Nächte. Ich habe mich auf jeden Fall sehr wohl gefühlt. Und ich könnte auch nicht behaupten, schon einmal in einem Grand Hotel geschlafen zu haben. Kann man schon mal machen :-).

Die angeschlossene Therme, die 1870 erbaut wurde, trug mit ihrem angenehmen 34°C Thermal-Wasser nicht minder zur Entspannung bei. Bereits in der Antike war die Region für ihre heilenden Quellen bekannt gewesen. Allzu viel Zeit hatten wir dort jedoch leider nicht, denn wir waren den Großteil des Tages unterwegs. Und das war auch genau richtig so, schließlich wollte ich so viel wie möglich von der Region sehen! Für Radreisende steht außerdem ein neu eingerichteter Fahrradkeller zur Verfügung, der auch über ein paar wichtige Werkzeuge verfügen wird.

5. Straßen, Wege und Gelände

Ob Mountainbiking, Rennradfahren oder auf und neben der Straße mit dem Gravelbike, es gibt viele Möglichkeiten in der Region mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Die Straßenqualität reicht von glattem Asphalt auf den Hauptstraßen bis hin zu Kieselwegen abseits der großen Straßen. Ich war jedoch sehr froh, dass wir Gravelbikes hatten, denn Nebenstraßen mit Rissen gab es einige auf unseren Routen. Nichtsdestotrotz bieten besonders die vielen kleinen und teilweise auch längeren Anstiege viel Potenzial für Rennradfahrende. Ein wenig mehr Beherrschung über das Fahrrad sollte da aber selbstverständlich sein, denn die Kurven können auch mal steiler werden. 

Ja, die Anstiege…flach ist die Region nicht, dennoch ist es möglich recht weite Strecken zurückzulegen, die ohne große Kletterpartien verlaufen. Die wirklich tollen Ausblicke gibt es aber nur oben auf dem Berg und die lohnen sich wirklich! Die Mischung macht es am Ende und ich stellte wieder fest, dass ich in diesem Jahr bereits einige Kilometer und Höhenmeter auf dem Rad verbracht habe und Berge mich viel weniger abschrecken. Slow but steady, was ein paar Tage später auch in San Marino definitiv meine Devise blieb und mich jegliches Klettern ohne Aufzugeben meistern ließ. Übung hilft wohl scheinbar doch ein bisschen.

6. Kulinarische Highlights – Die italienische Küche

Soll ich jetzt schon anfangen, vom Essen zu schwärmen? Ich fürchte nur, ich werde mich wiederholen: Denn so gut, wie in Italien, habe ich schon lange nicht mehr auf Reisen gegessen. Die Küche im Grand Hotel konnte sich definitiv sehen lassen – optisch und geschmacklich. Auch die andere Lokale, in denen wir gespeist haben, hatten definitiv sehr fähige Küchenchefs.

Von hausgemachten, gefüllten Ravioli mit Steinpilzen über herzhafte Polentatörtchen und warmen Schokoladen-Coulant mit Vanillecreme – mein Magen wurde ganz schön verwöhnt. Besonders gut hat mir die regionale Küche gefallen, da jahreszeitlich gekocht wurde. So gab es viel Kürbis, Steinpilze und Wurzelgemüse – üblicherweise im Drei-Gang-Menü. Ungünstiger Nebeneffekt: Man möchte nichts auf dem Teller liegen lassen und rollt sich nach jeder Mahlzeit aus dem Restaurant ;-).

Nicht zu vergessen u.a. der traumhafte Wein Sangiovese, das Olivenöl aus Brisighella und der Parmigiano Reggiano, die unter zahlreichen anderen Spezialitäten in der Emilia-Romagna angebaut und produziert werden.

Restaurantempfehlungen rund um Riolo Terme

Il Cardello Locanda

Das hervorragende Restaurant Cardello Locanda befindet sich direkt neben dem Museum und historischen Haus Cardello auf dem Gelände des Casa Oriani von Alfredo Oriani (Schriftsteller und Radfahrer des 19./20.Jh), welches wir auf unsere Tour am ersten Tag besucht haben. Saisonale und regionale Zutaten werden zu schmackhaften Gerichten verarbeitet. Hier gibt es zum Beispiel Polentatörtchen als Vorspeise und zum Hauptgang frische, hausgemachte Marronen-Ravioli. Omnomnom!

Cantine Antica Grotta

Das Antica Grotta liegt mitten in der Altstadt von Riolo Terme und ist eines der besten Restaurants des Ortes und gleichzeitig eine gut bestückte Weinbar. Der Hauptwirtsraum ist sehr klein und gemütlich, doch es gibt noch weitere Räume, teilweise für Veranstaltungen eine Treppe hinunter im Kellergewölbe des Hauses. Dort befindet sich auch der Weinkeller, der zahlreiche, vorzügliche italienische und weitere Weine aus ganz Europa führt. Der Besitzer Omar versendet seine Weine auch über einen Onlineshop in die ganze Welt. Im urigen Restaurant kann man sich von den leckeren Speisen verwöhnen lassen und den Köchen durch eine große Glasscheibe beim Kochen zuschauen.

7. #ERCycling

Nun durfte es aber auch losgehen! Ich hatte über einer Woche nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen und war ganz heiß drauf, endlich die Leihfahrräder zu sehen. Gewünscht hatten wir uns Crosser oder Gravelbikes, die von dem lokalen Radsportgeschäft Bike Passion aus der nächstgrößeren Stadt Imola bereit gestellt wurden. Nachdem wir schließlich am Dienstagmorgen unseren Fahrrad-Guide Fabio und seine Freundin Cecilia kennengelernt haben, traf kurze Zeit später der Transporter auf dem Hotelvorplatz ein, der unsere Fahrräder bringen sollte.

Ich hätte es kaum besser treffen können: Ein Specialized Sequoia in mintgrün mit 1×11 SRAM Schaltung sollte in den kommenden zwei Tagen mein Reittier sein. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Mitgebrachte Pedale ran, Helm und Handschuhe auf und mit etwas Verspätung (doch noch die Regenjacke aus dem Hotelzimmer geholt und drei Kreuze gemacht, sie überhaupt mitgenommen zu haben) radelten wir schließlich bei leichtem Nieselregen vom Hof.

Was genau wir in den zwei Tagen auf dem Fahrrad in der Emilia-Romagna erlebt haben und warum auch der Regen und nasse Radlhosen unsere Laune nicht trüben konnte, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

Teil 2 gibt es unter Radfahren in der Emilia Romagna: Über den Torre di Oriolo nach Brisighella

Fahrradparadies Mallorca – Meine 7 Fahrrad-Highlights auf der Insel

Mallorca ist ein wahres Schmuckstück im Mittelmeer und landschaftlich nicht nur atemberaubend schön, sondern auch unglaublich abwechslungsreich. Allein die Traumkombi türkisblaues Meer und Berge mit gut ausgebauten Straßen zum Radfahren, bringen mich schnell ins Schwärmen. Kein Wunder also, dass ich 12 Jahre nach meinem ersten Besuch auf der Insel sofort neu verliebt war. Dass diese Reise dann auch noch eine neue Erfahrung und die Gesellschaft von vier wundervollen jungen Frauen inkludierte, machte sie für mich zu einem ganz besonderen Highlight.

Anmerkung:

Werbung, da bezahlte Reise/ Kooperation mit Condor Airlines. Die Erfahrungen und Meinungen in diesem Beitrag sind meine eigenen. Mehr zu Koops findet ihr unter meiner Kooperationsinformationsseite.


Organisiert wurde der Trip auf die balearische Lieblingsinsel der Deutschen von Condor Airlines. Zusammen mit vier anderen Lifestyle- und Fitnessbloggerinnen (eine weitere Deutsche, drei Engländerinnen) drehten wir über zwei Tage lang mit einer kleinen Crew einen Videoclip an den aufregendsten Spots im Norden Mallorcas. Im Fokus stand die Schönheit der Insel und ihre Eignung zum Radfahren.

Mallorca – eine Fahrradinsel?

Was für viele Radsportler keine Neuigkeit mehr ist, da sie regelmäßig im Frühjahr zum Trainieren nach Mallorca kommen, scheint für viele Urlauber noch ein Geheimtipp zu sein: Mallorca ist eine Fahrradinsel! Überraschend kommt das nicht. Die Natur spricht für sich, die Straßen sind größtenteils von guter Qualität und haben wenig Schlaglöcher. Dafür gibt es viel glatten Asphalt, der sich auch mit dem Rennrad super bewältigen lasst. Besonders in der Bergkette im Norden der Insel kommen die zahlreichen, nicht zu steilen Anstiege, rasante Abfahrten und traumhafte Ausblicke hinzu. Es gibt Fahrradverleihmöglichkeiten, auch für Sporträder, Fahrradläden und Cafés – was will man als Fahrradbegeisterte/r mehr?

Reisezeit:

Ein Besuch lohnt sich ganzjährig, ist aber im Herbst und im Frühjahr am angenehmsten. Wer im Hochsommer nach Mallorca kommt, kann sich auf Temperaturen zwischen 30° und 40°C einstellen. Fahrtwind ist super, Vorsorge noch besser. Denkt also an genügend Wasservorräte und die Sonnencreme, wenn ihr mit dem Fahrrad unterwegs seid! Wenn ihr in der Hauptsaison da seid, hat das frühe Aufbrechen einen großen Vorteil: Abgesehen von den geringeren Temperaturen sind die Straßen und Hot Spots noch deutlich leerer. In der Nebensaison sollte das alles etwas entspannter zugehen.

Fahrrad-Routen: Überblick

Die offizielle Touristinformationsseite von Mallorca bietet einen schönen Überblick über mögliche Touren auf der Insel als pdf. Einzelne Routen werden auf ihrer Homepage mit herunterladbarem GPX-Track zur Verfügung gestellt.

Meine 7 Fahrrad-Highlights auf Mallorca

Tag #1

Im Folgenden findet ihr meine 7 Fahrrad-Highlights auf der Baleareninsel. Der Dreh mit Condor Airlines führte uns an ein paar traumhafte Orte auf Mallorca, die es teilweise schwer machten, den Blick auf der Straße zu lassen. Zu schön ist zum Beispiel der Ausblick an der Straße und beim Cap Formentor die Steilküste hinunter aufs Meer oder die zahlreichen Serpentinen hinauf. Und das alles abseits von Palma de Mallorca und seiner Partymeile.

1. Cap de Formentor

Berühmt für seinen Leuchtturm direkt an der Steilküste, ist das Cap Formentor der nördlichste Zipfel Mallorcas und gehört wohl zu den wahren Höhepunkten auch für Radfahrende. Eine Tour zum Cap Formentor lässt sich sehr gut von der Hafenstadt Alcúdia aus starten und beliebig mit einem Ausflug gen Nordwesten tiefer in die größte Bergkette der Insel, die Serra de Tramuntana, erweitern. Oder man startet direkt dort: In Pollença/ Port de Pollença. Ein Tourenvorschlag der Touristinfo mit gpx-Track zum Download.

Von Port de Pollença nach Cap de Formentor zum Leuchtturm zieht sich eine ca. 15 km lange, hervorragend befahrbare Straße, die mit unzähligen Kurven, Anstiegen und Abfahrten an die berühmte Schlangenstraße Sa Calobra erinnert. Das liegt wohl auch daran, dass der gleiche italienische Ingenieur für deren Bau verantwortlich war. Sie bietet zahlreiche Highlights, wie den schnurgeraden Straßenabschnitt nahe Playa de Formentor, der durch einen wunderschönen Wald führt. Darin summt und zirpt es lebhaft ununterbrochen. Nur die vielen kleinen Hügel formen hier den Weg.

Ab der Playa ist die Straße im Sommer teilweise für den Privatverkehr abgesperrt und fast nur für Touristenbusse freigegeben. Der Grund ist leicht zu verstehen: Viel Platz herrscht nicht beim Leuchtturm. Außerdem sind vom Verkehr verstopfte Straßen und zu viele Besucher auf einmal der teilweise geschützten Natur dort nicht unbedingt förderlich.

Tipp:

Es lohnt sich am frühen Morgen oder späten Nachmittag zum Leuchtturm am Cap Formentor zu radeln. Für Radfahrende ist das eine super Gelegenheit die Straßenqualität ungestört nutzen zu können. So lassen sich die Ausblicke viel besser genießen, zum Beispiel auf die am Weg liegende, paradiesisch anmutende Bucht Cala Figuera.

2. Playa de Formentor/ Port de Pollença

Der Playa de Formentor ist der perfekte Ort für eine Erfrischungspause auf dem Rückweg vom Cap. Ich habe es zumindest sehr genossen, meine Beine in das türkisblaue, klare Wasser zu tauchen, kurz abzuschalten und am Sandstrand zu faulenzen. Wem das zu nah dran ist, der kann wieder zurück bis zum Port de Pollença radeln und dort seine Füße ins lauwarme Nass des Mittelmeers dippen.

3. Mirador Es Colomer

Von Playa de Formentor geht es (vom Cap kommend) gestärkt ein paar Kilometer in Serpentinen (klar, was sonst!) den Berg hinauf. Wer auf dem Hinweg von Port de Pollença nicht schon gehalten hat, sollte es nun definitiv nicht versäumen. Der Anstieg ist etwas steiler als zum Leuchtturm hin, lässt sich aber dennoch sehr gut befahren und lohnt sich spätestens, wenn man den Ausblick am Mirador Es Colomer gesehen hat. Die Steilküste und ihre stark zerklüfteten Felsen sind imposant und gehören zu den schönsten Ausblicken Mallorcas. Hier lässt sich nicht nur der Blick aufs Cap de Fomentor genießen, sondern mit Glück sieht man den Hafen von Alcúdia oder in der Ferne die Baleareninsel Menorca.

Der erste Drehtag war unglaublich intensiv und sehr lang. Ich hatte viele Eindrücke zu verarbeiten, hab so viel geschwitzt, wie schon ewig nicht mehr (selbst in der deutschen Sommerhitze nicht) und bin absolut verzaubert von der Schönheit Mallorcas gewesen. Etwas, was mich immer wieder voran getrieben hat, den ich wollte immer mehr davon erleben, immer weiter radeln. Meine vier Mitstreiterinnen Hayley, Sophie, Emma und Linda runden dieses einmalige Erlebnis ab. Wir waren uns besonders in einem Punkt immer einig: Hauptsache rauf aufs Fahrrad und raus auf die Straße. Ich denke, das Bad im Meer am Abend beim Hotel hatten wir uns redlich verdient!

Tag #2

In dieses imposante Gebirge Serra de Tramuntana verschlug es uns am zweiten Tag. Es wurde vor ein paar Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Die Landschaft ist sehr ursprünglich und die scharfen Felszüge, durchzogen von schmalen Tälern mit kleinen Orten ist wirklich wunderschön. Wer hier Radfahren möchte oder wandern, benötigt je nach Strecke etwas mehr Fitness und Ausdauer. Hier gibt es auch die Möglichkeit mit dem Mountainbike unterwegs zu sein, um an ganz abgelegene Orte der Insel zu gelangen.

4. Gorg Blau & das Aquädukt bei Sa Calobra

In der Serra de Tramuntana liegen ein paar strahlend blaue Stauseen, die als Trinkwasserdepots in Phasen starker Trockenheit dienen. Einer davon ist Gorg Blau, wo wir den ersten Stopp einlegten. Da die Seen zwar an der Straße, aber sehr tief im Gebirge liegen, sind sie Orte absoluter Ruhe. Ein paar Bänke im Schatten der Bäume laden zum Rasten ein. Doch mich lockt es an die Ufer des Sees, wohin man über große und kleine Steine gelangt. Es kribbelte mich in den Fingern, dort mit dem Gravelbike herum zu klettern, obwohl ich wusste, dass es sich dort nicht wirklich fahren ließ. Dafür konnte ich ein paar schöne Fotos schießen ;-).

Ein kurzes Stück weiter nördlich liegt an einer Straßenkreuzung zur berühmten Straße nach Sa Calobra ein altes Aquädukt. Daneben befindet sich kleinen Kiosk und lädt zum kurzen Entspannen und zur Eispause ein. Das lässt sich entweder auf dem Weg nach Sa Calobra machen oder danach. Die imposante Bergstraße hinunter zum kleinen, gleichnamigen Ort bietet zahlreiche wundervolle Ausblicke in die Gebirgslandschaft und ist eine echte Herausforderung. Denn nachdem man hier zunächst die Abfahrt genießen konnte, muss man die Straße im Anschluss natürlich wieder hinauf radeln. Ein Erlebnis, dass ich zumindest bei diesem Mallorcabesuch nicht erfahren konnte, was aber definitiv auf meiner To-Do-Liste gelandet ist.

5. Port de Sòller

Vom Aquädukt führt die Straße Ma-10 nach ca. 25 km in vielen Kurven und mit traumhaften Ausblicken auch zum hübschen Küstenort Port de Sòller. Bäume säumen häufig die Straße und spenden wertvollen Schatten. Obacht vor den Bergziegen! Die gibt es hier überall und sie sind oft auch nicht sonderlich scheu. Port de Sòller ist einer dieser kleinen Küstenorte mit hübschem Hafen und Strand mitten in der Stadt. Durch die teils terrassenartig an den Berg gebauten Häuser und das wunderschöne Panorama taugt es zur echten Filmkulisse. Und genau das ist Port de Sòller auch schon häufig gewesen. Wir legten dort eine Mittagspause in einem der zahlreichen Restaurants ein. Ich fühlte mich dann frisch gestärkt bereit für neue Schandtaten und konnte es gar nicht erwarten, wieder auf meinem Veloheld zu sitzen.

Tipp:

Von Port de Sòller zum nahegelegenen Soller führt eine alte Straßenbahnlinie, die erstmalig 1913 in Betrieb gegangen ist. Die Linie passiert einige Zitronen- und Orangenhaine. Es lohnt ein Blick auf die altertümliche Bahn, die aus einer völlig anderen Zeit stammt und sich ganz charmant in die hübsche Bergwelt einfügt.

6. Deià – ein Bergort in Filmkulisse

Mein Tageshighlight war jedoch ein anderes. Vom Port de Soller führt die Straße Ma-10 nach ca. 12 km direkt in die Berge hinein nach Deià. Sie verläuft nach kurzer Zeit größtenteils immer an der Steilküste entlang. Es ist eine anspruchsvolle, aber für Radfahrende mit gewisser Grundfitness sehr gut fahrbare Straße. Die Wegqualität ist nach wie vor sehr gut und die Straße verläuft in Kurven und mit vielen kleinen Anstiegen.

Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich im moderaten Tempo und erneut in Schweiß gebadet von den vielen Anstiegen, um eine weitere, enge Kurve radelte. Direkt vor mir tat sich das in der Sonne glitzernde, weite Mittelmeer auf und ich spürte plötzlich, wie eine Welle Gückshormone meinem Körper durchfuhr. Genau dieses Gefühl beschreibt, weshalb ich das Radfahren so liebe. Die Anstrengungen, der Schweiß, die Herausforderungen an mich selbst – das alles war dieser einzigartige Moment wert. Den restlichen Weg nach Deià kam ich nicht drumherum ständig zu grinsen. Ich genoss es, dass ich in dem Moment einfach allein auf der Straße war.

Fahr dein Tempo!

Die anderen fuhren mit ihren Rennrädern wie üblich etwas weiter vor mir und ich hatte gelernt, mir meine Kraft so einzuteilen und in meinem eigenen Tempo zu fahren. Das störte mich kein bisschen. So konnte ich mich besser auf mich, mein Fahrrad und meinen Körper konzentrieren, besser meine wunderschöne Umgebung wahrnehmen und hechelte nicht einem Tempo hinterher, das nicht meins war. Und dann war ich schließlich bei den anderen im malerischen Ort Deià und hatte mir mein Eis redlich verdient :-). Und Wasser auffüllen natürlich nicht vergessen! Dazu eignete sich die kleine Bar Sa Fonda perfekt. Unter Bäumen und mit einer frischen Limonade ließ es sich dort auf der Terrasse schon ganz gut aushalten.

7. Cala Deià

Der krönende Abschluss des Tages war schließlich der kitschigste, romantischte Ort, den ich in den vergangenen zwei Tagen gesehen hatte. Eine sehr schmale Straße führte kurz vor der Ortseinfahrt nach Deià (von Port de Sòller kommend) runter in eine kleine felsige Bucht, die ganz eingerahmt von rauem Fels und Stein war. Einige badeten hier, andere genossen einfach nur den Ausblick aufs Meer. Ich beobachtete den Himmel, der sich zum Sonnenuntergang in verschiedenen Rot und Pinktöne tauchte. Hier ließ es sich nach einem warmen Sommertag auf dem Fahrrad sehr gut erfrischen und entspannen. Hunger hatten wir natürlich auch.

Wie schön, dass Cala Deià ein hübsches Restaurant mit großer Terrasse direkt am Meer zu bieten hat, in dem es sich sehr gut aushalten lässt. Besonders Fischliebhaber kommen auf ihre Kosten. An einem anderen Ort ließe es sich bestimmt günstiger und qualitativ noch besser dinieren. Aber mit dieser Buchtkulisse kann keiner so schnell mithalten.

Ich komme wieder, keine Frage…

Die Reise auf die Insel und der Dreh waren eine spannende, ereignisreiche und lustige, aber auch fordernde Erfahrung. Faszinierend fand ich, dass mich weniger die Anstiege herausgefordert haben, als viel mehr die Sommertemperaturen beim Radfahren. Meinen Beinen ging es immer gut, meinem Kopf nicht so. Umso wichtiger ist es, sich ausreichend Pausen zu gönnen und Schatten zu suchen, sehr viel zu trinken und nicht vergessen, die Sonnencreme aufzufrischen ;-).

Ich will definitiv wieder auf die Insel. Spätestens dieser Ausflug hat mir Lust gemacht auf mehr Mallorca. Und auf jeden Fall mit Fahrrad!

Die Gravel Spartakiade 2018 – Radelmädchen auf Abwegen

Schotter, Kiesel und Sand, Tannennadeln, Äste, Bäume und Wurzeln, Wespennest, Kuhweide und hohes Gras – die Untergründe und Hindernisse der ersten Gravel Spartakiade von Veloheld waren vielfältig. Mehr als einmal gingen mir Flüche über die Lippen, musste ich vor Kurzatmigkeit kurz anhalten und ohne Schmerztabletten ging es am Ende auch nicht. Es war sehr intensiv, noch herausfordernder als erwartet und seeeeehr lehrreich. Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall!

Es war Samstagmorgen, kurz vor halb fünf. Mein Zug ging erst um 07:16 Uhr und ich war viel zu früh wach. Ich wälzte mich im Bett hin und her und als ich schließlich aufstehen wollte, war es eine Minute vorm Wecker klingeln. 05:45 Uhr. Viel zu früh. Doch die Aufregung und Erwartungen an das Wochenende schoben mich an und hielt mich auch den ganzen kommenden Tag bis kurz nach Mitternacht wach.

Ich war schnell fertig geduscht und angezogen. Gleich rein ins Fahrradoutfit. So wenig Sachen wie möglich mitnehmen, war die Devise. Auch einen Versuch doch nochmal etwas umzupacken, ließ ich schnell sein. Die Packliste war bis auf ein paar Ausnahmen so übernommen. Rad geschnappt und auf zum Bahnhof. Voller Vorfreude traf ich Wiebke und, nachdem wir beide Kaffee besorgt hatten, ging es zum Zug. Das Fahrradabteil nach Dresden war ausgebucht. Wie schön, dass wir dort drei weitere Mitstreiter/-innen der Gravel Spartakiade trafen.

Die Zugfahrt verging wie im Fluge und nach einem Meet up beim Bäcker mit André, Martin und Flo ging es raus aus der Dresdener Neustadt zum Showroom von Veloheld. Wir waren früh dran. Doch Stück für Stück trudelten die Teilnehmenden der Gravel Spartakiade ein. Es gab viel zu schauen und zu reden, Set ups wurden bewundert und hinterfragt, Reifen gepumpt und ich wurde immer hibbeliger.

Tag eins: 3,2,1…los!

Endlich! Um kurz nach 12 Uhr brachen wir auf. 50 Startende inklusive immerhin 8 Frauen machten sich auf, um eine Ecke weiter abzusteigen und den steilen Hang auf einen bebäumten Singletrail-Damm hochzuschieben. Das kannte ich schon von meinem ersten und zweiten Besuch im Showroom. Rein in den Stadtwald und die Dresdener Heide. Wunderschön ist es hier, die ganze Strecke sollte viele tolle Ausblicke bringen. Ohne Frage, die Landschaft in der Dresdener Umgebung und in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz ist atemberaubend. Genauso waren auch die ersten Single Trails, die nicht nur zahlreiche Wurzeln und Grasnaben, sondern auch einige umgefallene Bäume zu bieten hatten. Egal. Noch waren wir frisch. Auch wenn wir das große Fahrerfeld gleich am Anfang verloren hatten, weil ich erstmal meinen auf dem Weg verteilten Haushalt wieder einsammeln musste. Doch ich war hoch motiviert.

Zusammen ist es besser

Wir, das waren Wiebke und ich und es war klar, dass wir das zusammen fahren werden! Unsere gemeinsamen Ausfahrten in Berlin waren bisher immer sehr harmonisch verlaufen. Nur leider ging es Wiebke am diesem Samstag gar nicht so gut. Irgendwie lief es nicht. Knapp das erste Drittel bestritten wir zusammen, begutachteten, was die anderen im Wald verloren hatten, lachten und litten. Bis wir uns schließlich trennten, als ich dem Track durch den Wald folgte und sie den direkten Weg auf der Straße nahm, um sich etwas zu schonen. Wir trafen nicht mehr aufeinander, denn sie hatte eine Abfahrt verpasst und sich verfahren.

Schließlich entschied Wiebke nach einem Versuch auf den Track zurück zu kommen, doch abzubrechen. Es war schade. Aber am Ende ist die Gesundheit wichtiger und das was danach noch auf dem Track kam, war definitiv keine Schonkost! Nächstes Mal :-*! Schön war es dennoch, zusammen mit dir in dieses Abenteuer zu starten.

Über Stock und Stein

Ich war nun allein unterwegs und kam weiterhin sehr langsam voran. Längst hatte ich die Hoffnung aufgegeben, noch auf die anderen zu treffen, die mir nun teilweise schon viele Kilometer voraus waren. Der Track führte in Schlangenlinien und nach Höhenmetern suchend in das Dresdener Umland und durch einige kleine Orte hindurch. Doch immer mehr Wald kam hinzu, viele Feldwege und Schotterabfahrten.

Die Täler wurden enger und die Berge höher. Hallo Sächsische Schweiz! Die Route forderte mich sehr heraus. Oft war der Weg eher für ein Mountainbike geeignet, wenn er überhaupt für irgendeine Form von Fahrrad noch befahrbar oder als solcher erkennbar war. Es gab viele Wanderwege. Einige so steil und mit zahlreichen Wurzeln und Steinen, dass an Radfahren schon lange nicht mehr zu denken war. Und dennoch waren die anderen Teilnehmenden der Gravelspartakiade so viel schneller als ich.

Lonesome traveller

Derer Gedanken hatte ich viele, während ich versuchte auf dem Track zu bleiben und das beste daraus zu machen. Ja, ich war das gewohnt. Ich fahre auch gern allein. Doch irgendwie wollte ich das dieses Wochenende nicht. Dafür war ich nicht hier. Zum einen ging es natürlich um meine persönliche Herausforderung. Wie weit kann ich gehen? Schaffe ich das? Und vor allem, was kann ich üben, um fitter zu werden? Will ich überhaupt so schnell durch eine derartig beeindruckende Kulisse rasen? Ich bin Genußradlerin durch und durch. Und ich bin nicht schnell, wenn es um Höhenmeter und komplizierte Wegqualitäten geht.

Zum anderen freute ich mich darauf, diese anderen verrückten Radfahrenden zu treffen, die ebenso gern auf dem Rad sitzen wie ich und mich auszutauschen. Doch die Leistungslevel waren breit gestreut. Die meisten fahren einfach gern und stellen sich immer wieder neuen Herausforderungen auf dem Rad – ohne an sportliche Höchstleistungen zu denken. Doch es gab eben auch jene, die bereits einige Rennen gefahren sind oder Langstreckenfahrten absolviert haben. Doch das war ja kein Rennen hier! Auch wenn ich mir nicht so sicher war, ob es für einige nicht doch eines war.

Ich wollte rechtzeitig ein Dorf erreichen, wo es einen kleinen Laden geben sollte. Doch ich war knapp zu spät und mir wurde auch immer deutlicher bewusst, dass Zeitpläne hier für die Katz waren. Hauptsache ankommen und auf dem Weg zum Ziel möglichst viel sehen und genießen. Das fiel mir zunehmend immer schwerer, doch eine gewisse Sturheit setzte ein. Ich wollte das schaffen und wenn ich als letzte ankommen sollte, dann war mir das egal. Ich fuhr so wie ich es eben konnte. Weg mit den Vergleichen oder auch…

“Erlebnis vor Ergebnis”

(Danke Eva, fürs Erinnern daran!)

Auf Wanderwegen

Besonders in Erinnerung blieb mir dieser Wegesabschnitt: Ich fuhr durch ein wunderschönes Tal auf einem schmalen Pfad entlang eines kleinen Baches. Es raschelte vom Wind in den Bäumen, Moos bedeckte die Steine am Ufer und die Luft roch herrlich frisch. Hier gefiel es mir und ich begann wieder zu lächeln und genoß den Tritt in die Pedale. Dann kam eine enge Fußgängerbrücke, auf die ich das Fahrrad tragen musste. Ich überquerte die Brücke, um auf der anderen Seite vor einem großen, umgefallenen Baum stehen zu bleiben. Er markierte den Anfang eines steilen Wanderweges, bei dessen Anblick ich ungläubig innehielt. Das konnte jetzt nicht wahr sein! Ich schnaufte. Ich schnaufte noch viel mehr, als ich anfangs recht stürmisch und etwas schlecht gelaunt mein Rad den Pfad hoch drückte. Zwischendurch musste ich vor Erschöpfung anhalten und tief Luft holen. Weiter schieben!

Ein Wandererpaar überholte mich. Trotz stieg in mir auf und ich schob weiter. Quälend lang zog sich der Weg durch den Wald, doch schließlich war ich oben angekommen. Noch ein paar Wurzeln und schließlich lichtete sich der Forst und ein mit Schotter ausgekleideter Feldweg, gesäumt von Apfelbäumen lag vor mir. Weiter! Vorbei an den Wanderern. Die Hälfte der Route hatte ich geschafft. Knapp 50 km. Und es war schon 17 Uhr. Mit all den Unterbrechungen und Hindernissen hatte ich knapp 4,5 Stunden gebraucht. Ich wusste nun, dass ich es nicht mehr im Hellen schaffen würde auf dem Campingplatz in Tschechien einzutreffen. Ich schluckte. Hunger kam auf. Unruhe.

#cyclingunites

Mittelndorf hieß das kleine Örtchen rechts von der Kreuzung an der ich nun stand. Bevor ich in den Genuß von ein paar Metern Asphalt kommen sollte, blieb mein Blick nach rechts schweifend am Schild eines Lokals hängen. Viel mehr das Fahrrad, das dort angelehnt stand, weckte mein Interesse. War da eine Satteltasche zu sehen? Ich legte es drauf an und fuhr in die entgegengesetzte Richtung auf das Gasthaus zu – und konnte meine Freude und Erleichterung kaum zurückhalten, als ich dort am Tisch zwei Herren in Radkluft sitzen sah, die ich heute morgen schon getroffen hatte.

Hans und Patrick wollten gerade aufbrechen, doch blieben geduldig bei mir, als ich etwas aus der Puste doch noch eine große Apfelschorle bestellte und eine Portion Pommes hinterher verdrückte. Essen! Keine Riegel oder Gels. Echtes Essen. Diese Pommes mit Ketchup machten mich sehr glücklich. Schließlich füllte ich meine Wasserflaschen auf und schlüpfte in das lange Merinoshirt, denn es wurde langsam frischer. Eine nette Dame trug mir noch meinen Helm hinterher, den ich gedankenverloren am Stuhl hängen lassen hatte. Dann brachen wir auf. Ich hatte etwas Sorge, dass ich schnell hinter meinen Begleitern zurückfallen würde. Doch sie warteten geduldig, wenn ich die Abfahrten etwas unsicher langsamer als sie nahm oder die Berge gemächlicher hochfuhr.

Ich war unglaublich dankbar.

Hi, Tschechien!

Der Weg wurde besser. Wir fuhren durch die Sächsische Schweiz auf einer wunderbar asphaltierten Straße – durch enge, grüne Täler, vorbei an Gasthäusern und einer alten Straßenbahnstrecke. Es war malerisch schön. Ich fühlte mich mitgezogen und heftete immer wieder meinen Blick konzentriert an Hans trainierte Waden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Wir sausten durch die Schlucht und mir ging es so viel besser. Ich hatte jemanden, der mich mitzog und zum Reden. Keine Selbstgespräche mehr. Dafür durften sich die beiden Geschichten von meinem stärker schmerzenden, rechten Knie anhören. Und wir redeten über Fahrräder und deren Konfigurationen. Natürlich. Was sonst?

Da! Die Tschechische Grenze. Ab dort wurde es noch märchenhafter. Der Sandsteinfels ragte in obskuren, imposanten Formen aus dem Wald hervor und der Schotterweg führte mitten durch. Es dämmerte. Doch die Straßen ließ sich immer noch recht gut fahren. Wir erreichten einen kleinen böhmischen Ort in der Abenddämmerung und erfreuten uns an den hübschen alten Holzhäusern. Gesprächsfetzen, als wir an einer Kneipe vorbei fuhren. Die einzigen Menschen, die hier zu sehen waren. Dafür gab es bellende Hunde und Katzen, die auf der Jagd herum streunten.

Ein einsamer Radler in der Nacht

Mittlerweile war es dunkel geworden. Ich war erneut dankbar für meinen Nabendynamo und auch, wenn die Lampe nicht weit voraus strahlte, war sie doch hell und gab mir eine gewisse Sicherheit. Hans Anstecklicht strahlte meterweit die Straße aus und half uns allen sehr in der Dunkelheit. Dann zweigte der Track erneut von der Hauptstraße ab. Ein Stück den Weg rauf sahen wir jemanden am Wegesrand mit seinem Rad stehen. Wieder war ich überrascht und freute mich sehr über das bekannte Gesicht, dass dort auf uns wartete. André stand vor der Entscheidung allein in den dunklen Wald zu fahren, wo der Weg eher wieder einem Mountainbiketrack ähnelte oder sich eine Alternative an der Straße zu suchen. Er war mindestens genauso erfreut, uns zu treffen und gemeinsam machten wir uns auf.

Es war so dunkel. Ich hatte mittlerweile auch noch meine Stirnlampe aufgesetzt und war so froh, diese dabei zu haben. Ich fuhr sehr langsam und mit dem Schein meiner Lichter. Lange hatte ich mich nicht mehr so ängstlich und unsicher auf dem Fahrrad gefühlt wie an diesem Tag. Auch hier waren die anderen schneller. Doch keiner ließ mich allein zurück. Wir fuhren zusammen und ich kann nicht oft genug betonen, wie erleichtert ich darüber war.

Unter Elektrozäunen und über Kuhweiden – Night edition

Doch noch hatten wir es nicht geschafft. Noch irgendwas zwischen 10 und 15 km lagen vor uns als wir plötzlich vor einem Weidezaun standen. Verzweiflung machte sich breit. Wo ging es hier weiter? Es war kein Weg zu erkennen, aber der Track führte unmissverständlich hier entlang. Schließlich zückte ich das Telefon, dass ich seit längerem nicht mehr beachtet hatte und telefonierte, um einen Hinweis zum Weg zu bekommen. Ich entdeckte dabei auch, dass ich einige Nachrichten und Anrufe in Abwesenheit hatte. Mir war nicht in den Sinn gekommen, dass sich andere vielleicht Sorgen machen würden, wo ich steckte. Ich war das Alleinreisen gewohnt, da meldete ich mich nicht ab. Ein schlechtes Gewissen breitete sich aus und Dankbarkeit, dass andere an mich dachten!

Doch zurück zur Kuhweide. Durch diese sollte ein Wanderweg führen, der auch unser Track sein sollte. Kleine Elektroschläge ziepten durch die Jacke, als wir uns gegenseitig halfen mit den Rädern unter dem Zaun durch zu kommen. Später dienten die Räder als Stütze. Drei Mal (!!!) vollzogen wir dieses Prozedere! Und dann war da noch die Weide mit den tiefen Furchen, über die wir bergauf die Räder schieben mussten. Ich war langsam am Ende meiner Kräfte.

Endspurt

Schließlich erreichten wir die Straße und die letzten Kilometer rollten wir größtenteils bergab auf Asphalt. Umgeben von stockfinsterem Wald, leiteten uns nur die Lichter unserer Lampen und die weißen Leitstreifen am Fahrbahnrand. Ein dunkles schwarzes Loch lag vor mir, sobald ich die anderen hinter einer Kurve aus den Augen verlor. Ich sprach mir Mut zu und versuchte nicht völlig ängstlich zu sein, wenn ich mich plötzlich ganz allein auf der Straße in diesem dunklen Wald fühlte. Denn das war ich nicht und wir waren fast am Ziel. Endlich, das Straßenschild: Sluknov…

Die Wärme des Lagerfeuers tat gut, die Gitarrenklänge und das Stimmengemurmel um mich herum auch. Ich war geschafft, erleichtert und noch viel zu wach. So ließ ich mich treiben, unterhielt mich und fühlte mich sehr wohl in diesem Kreis. Denn ich wusste, wir sind alle diesen Weg gefahren, hatten alle die gleichen Herausforderungen durchgestanden. Manche nahmen es leichter, andere hatten mehr an den Hindernissen geknabbert. Wir hatten es geschafft und als ich später meinen Biwaksack (Danke Flo fürs Tarp teilen!) das erste Mal ausbreitete und frisch geduscht in den Schlafsack schlüpfte, war ich nur stolz und glücklich.

Tageskilometer: ca. 104 km

Höhenmeter: irgendwas zwischen 1500 und 1800 hm

Tag zwei: #Forevertheredlantern

Die Nacht war sternreich und frisch gewesen, doch als ich am nächsten Morgen aus dem Biwak blinzelte, zog gerade noch feuchter Morgennebel über das nahegelegene Feld und das Licht war wundervoll. Schnell alles zusammenpacken und frühstücken. Ich hatte großen Hunger! Es dauerte etwas, bis wir alle bereit waren und schließlich in zwei lockeren Gruppen aufbrachen. Diese blieben nicht lange so zusammen und ich fiel schnell nach hinten. Mein Knie hatte schon beim Laufen und Hocken weh getan.

Auf dem Rad waren die Schmerzen noch viel stärker. Ich war dankbar für Patricks Gesellschaft und nachdem die Schmerztabletten gewirkt hatten, konnte ich zumindest halbwegs normal treten. Ich fühlte mich schlecht deshalb, doch anders wäre ich wohl nicht durch den Tag gekommen. Das hieß auch: Zuhause musste ich die Position der Cleats an den Schuhen checken und eventuell noch andere Einstellungen am Rad vornehmen. Schließlich war das die erste lange Tour mit Click-Pedal gewesen und solche Knieprobleme hatte ich noch nie gehabt.

On Gravelroads

Die Strecke war bis auf ein paar Moutainbike-Trails, die es in sich hatten, viel mehr das, was ich mir unter einem Gravelride vorgestellt habe. Leider fand sich auf einem Trail ein Wespennest, was einige Mitreisende mit fiesen Stichen zurückgelassen hat. Gute Besserung!

Viele Schotter- und Feldwege gestalteten den Sonntag. Bergauf und ab mit schönen Blicken ins Tal gefielen mir die Waldabschnitte am zweiten Tage der Gravelspartakiade am besten. Doch der Schotter forderte seine Opfer: Es gab unzählige Platten und auf einem Trail im Wald schließlich ein abgerissenes Schaltwerk.

Geschafft!

Immer wieder traf ich auf ein paar Leute, doch die letzten Kilometer radelte ich schließlich wieder allein. Ich genoß die Ruhe des Waldes, unterdrückte negative Gedanken und versuchte mich nicht zu stressen. Schließlich erreichte ich gegen 15:30 Uhr den Showroom von Veloheld, wo noch ein paar andere Radler saßen und Kaffee und Bier tranken, sich unterhielten und entspannten.

Danke für die Organisation, für die vielen schönen Momente auf der Strecke (die doch noch etwas Feinschliff brauchen könnte) und für das gemeinsame Fahren! Wiebke, André, Hans, Patrick, Flo und Martin (und die anderen, die ich auf der Strecke traf, aber die Namen nicht kenne): Es war mir ein Fest mit euch zu fahren und mich mit euch auszutauschen. Danke für die gemeinsamen Kilometer!

Geschafft! #Forevertheredlantern

Tageskilometer: ca. 62 km

Höhenmeter: ca. 700 hm

Fazit:

Die Strecke war mehr als anspruchsvoll und ist meines Erachtens stark verbesserungswürdig. Oder man macht gleich eine Mountainbiketour draus, dann würde es eher passen ;-). Es gab aber auch viele tolle, landschaftlich einzigartige Abschnitte, die ich gern noch einmal fahren möchte und die ich sehr genoßen habe. Ich habe einiges über mich gelernt. Denn auch wenn ich teilweise wirklich fertig war und an meine Grenzen gekommen bin, es ging immer weiter. Ich wollte, dass es weiter geht! Dieser Wille ist stärker geworden mit der Zeit und hat mich weiterfahren lassen, auch wenn mir eigentlich nach absteigen und hinsetzen war. Wie war das? Es ist vieles einfach nur Kopfsache. Dennoch weiß ich nicht, wie ich ohne meine großartige Begleitung durch die Nacht gekommen wäre. Ich weiß, das ist etwas was ich üben möchte. Ich möchte lernen, nachts auf der Straße durch den Wald zu fahren – zumindest annähernd :-). Denn ich möchte mich meinen Ängsten stellen und mich nicht vor ihnen verstecken!

Gemeinsam ist es schöner und wenn ich wandern will, lass ich mein Fahrrad daheim!

Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall!

 

Bikepacking, olé! Meine Packliste für ein Fahrradwochenende

Das Fahrrad macht es so leicht, einfach spontan aufzubrechen und aus dem Alltag zu radeln. Besonders zum Bikepacking braucht es meist nicht viel, wenn da nur das Packen nicht wäre! Aber eine Packliste kann helfen.

Auch für einen gepflegten Wochenendritt brauche ich etwas Zubehör und Kleidung. Damit ich die wichtigsten Dinge dabei habe, erstelle ich oft eine Packliste und hake dann beim Einpacken ab. Im Gegensatz zur Mehrtagestour könnte man meinen, dass die Gepäckmenge sich bei kurzen Fahrten deutlich reduziert. Im Grunde ist jedoch die Basisausrüstung immer die Gleiche. Zwei Fragen und deren Antworten entscheiden, wie viel mehr Kram ich am Ende am Fahrrad dabei haben werde:

  1. Wie schlafe ich? Übernachte ich draußen und benötige dafür Schlafsack und alles andere fürs Nachtlager oder suche ich eine Unterkunft?
  2. Was und wo esse ich? Kehre ich ein oder koche ich selbst?

Sind diese Fragen geklärt, kann es auch schon losgehen. Ich bereite mich zum Beispiel gerade auf meinen Ausflug nach Dresden zur Gravel Spartakiade von Veloheld vor. Diese Zwei-Tages-Tour Mitte September ist mit Übernachtung auf einem Zeltplatz geplant. Außerdem besteht die Überlegung im Anschluss von Dresden nach Berlin zurück zu radeln. Insbesondere dafür kommen Schlafsack, Isomatte und Biwaksack mit. Tarp und Hüttenschlafsack sind optional. Kochen werde ich nicht selbst. Und somit brauche ich nur noch etwas Besteck und den Kaffeebecher.

Ganz klar ist: Wer in Pension, Hütte oder bei Freunden schläft, ist deutlich leichter unterwegs, gibt mitunter aber auch mehr Geld aus.

Je nach Temperaturen benötige ich mehr oder weniger Kleidung. Besonders im Spätsommer kurz vor Herbstbeginn, kann es nachts schon deutlich kühler werden und es fällt mir schwer, da nicht zu viel mitzunehmen. Eine kuschlige Fleecejacke und ein Merinoshirt zum Drunterziehen sind daher Pflicht. Lieber zu viel als zu wenig bleibt die Devise. Um alles etwas beim Einpacken zu vereinfachen, unterteile ich meine Packlisten meist nach Kategorien: Küche, Schlafzimmer, Werkstatt oder ähnliches. Das kann dann wie folgt aussehen:

Meine 2-Tages-Packliste

Download (PDF, 20KB)

Und hier nochmal zum Download als xlsx zum Bearbeiten (private use only).

Meine Top 5 auf jeder Fahrradtour:

  1. Multitool
  2. Trinkflasche
  3. Schlauchtuch
  4. dünne Jacke
  5. Kamera/Smartphone

Unterwegs werde ich dann eh merken, ob noch Dinge fehlen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dem empfehle ich wärmstens das kleine Büchlein “Rad und raus” von Gunnar Fehlau. Spätestens nach dieser Lektüre möchte man den halben Fahrrad- und Outdoorladen leer kaufen und aufbrechen ins Abenteuer!

Auf ins off-road Abenteuer! Und mit welchem Rad?

Mit dem Rad über Stock und Stein zu fahren mochte ich ja nicht immer. Zu anstrengend und zu ruckelig war das Ganze früher. Das ist heute zwar immer noch so, doch mit einem gewaltigen Unterscheid: Ich weiß nämlich jetzt, wie sehr das richtige Fahrrad Einfluss auf Gefallen oder Nicht-Gefallen einer Off-Road Tour hat. Für den Genuß von unruhigem Terrain, steinigen Feldwegen oder wurzeligen Waldpfaden empfiehlt sich ein gutes Crossrad oder gleich ein Mountainbike. Und für das dazwischen bin ich beim Gravel- oder All Road Bike gelandet. Der Punkt ist also abgehakt :-).

Wo kommt der Kram nun rein?

Mein Fahrrad belade ich nun ganz unterschiedlich. Denn wie das beim Bikepacking typisch ist, erfolgt das Set Up ganz individuell. Bei meiner Deutschlandtour war ein Lowrider angebaut und zwei kleine front roller Fahrradtaschen von Ortlieb montiert. Dieses Mal werde ich jedoch etwas anderes probieren: Eine weitere Variante, um Gewicht und Gepäck einzusparen, ist die Montage von Gepäckkäfigen. Auf jeder Seite der Gabel kommt eine Halterung, die sich ganz individuell beladen lässt. Ob Trinkflasche, Schlafsack oder Klamotten, je nachdem was man so braucht, bieten sie flexibel eine Transportmöglichkeit. Ich werde vermutlich Kleidung und einen Teil des Schlafzimmers in zwei Packsäcken daran verteilen. Hinzu kommen für die Veloheld-Ausfahrt eine Ortlieb Satteltasche in M, das Accessoire Pack und eine Stem Bag für die kleinen Dinge und Snacks.

So! Genug gepackt. Rauf aufs Rad und raus aus der Stadt! Ich kann es kaum noch erwarten!