Archiv der Kategorie: Fernweh

Das Radelmädchen auf Reisen mit und ohne Fahrrad. Ob Städtetrips oder ausgeprägte Radreisen, alles findet hier seinen Platz.

Mit dem Gravelbike Von Prag nach Berlin… oder fast

05:15 Uhr, Sonntagmorgen, nicht unbedingt meine Lieblingszeit zum Aufstehen. Schon gar nicht in der Nacht der Zeitumstellung und nachdem ich den Abend zuvor noch bis Mitternacht gepackt habe, weil ich es vorher zeitlich nicht geschafft habe. Nun denn, selbst gewähltes “Leid”. Nach vier Stunden Schlaf klingelte der Wecker und ich war wacher als zuvor vermutet. Die übliche Reisefreude trieb mich an. Also ab unter die Dusche rein in die bereit gelegten Fahrradklamotten, Brötchen geschmiert und Rad geschnappt – auf ging es zum Berliner Hauptbahnhof für das erste kleine Bikepacking-Abenteuer des Jahres:

Hinweis: Der Beitrag enthält Werbung ohne Auftrag aufgrund von Markennennungen.


Von Prag nach Berlin mit dem Gravelbike… oder fast

Nach einigen Kämpfen mit meinem inneren Schweinehund, der die Tage besonders stark war, buchte ich schließlich vier Tage vor der Reise ein Bahnticket mit Fahrradkarte für den EC nach Prag. “Die Reise” sollte eine Bikepacking-Tour von Prag durch die Böhmische Schweiz und den Spreewald nach Berlin werden, die mein Radfahr- und Boulderfreund Flo geplant hatte. Gut klang das, und war eine Tour die ich schon länger reizvoll fand. Mit dabei Veloheld Libelle im neuen Set-Up mit gewechseltem, kürzeren Lenker und neuer, nach hinten versetzter Sattelstütze. Bevor der Hanse-Gravel im April lockte, wollte ich damit unbedingt noch eine ausgedehntere Tour bestritten haben. Und das war eine sehr gut Idee!

Tag 1: Raus aus der Stadt und rein in die Tschechische Schönheit

Allein die Zugfahrt durch Brandenburg und Sachsen entlang der Elbe und durch die Sächsiche Schweiz war wunderschön. Ich klebte am Zugfenster, um keinen Ausblick zu verpassen: Auf die Elbe, auf das enger werdende Flusstal, vorbei an der berühmten Bastei in Rathen und hinüber über die tschechische Grenze.
In Prag verließ ich bereits eine Station vor dem Hauptbahnhof den Zug – keine Lust auf Sightseeing und Touristentrubel. Ich wollte rauf aufs Rad. Flo fuhr noch weiter, holte mich aber sehr schnell außerhalb der Stadt wieder ein. Die ersten 20 km sind nicht erwähnenswert. Zu viel Straße, zu viel Verkehr. Doch dann, als der Weg schließlich abzweigte und auf schmalere Landstraßen und Feldwege führte, wurde es schnell sehr schön und ruhig.

Danke Florian Ebert fürs 2. Bild!

Das Wetter war uns positiv gesonnen und bei 17°C fuhr ich schließlich kurzärmlig in der Sonne. Noch Tage später hatte ich allerdings mit den Folgen der Sonnenbestrahlung zu tun. Besonders meine Gesichtshaut reagierte sehr sensibel auf die plötzliche Überdosis Licht und bezeugte einmal mehr, dass es zu wenig Sonnenschutz war, den ich genutzt hatte – trotz Sonnencreme, Fahrradkappe und Sonnenbrille. Also immer schön ordentlich einschmieren, ne!

An den Ufern der Moldau

Doch während der Fahrt genoss ich die Wärme sehr. Sie erzeugte die richtige Urlaubsstimmung – genau wie die sich ständig verändernde grüne Landschaft Tschechiens. Die Überquerung eines Nebenarms der Moldau verlief dann etwas abenteuerlicher. An diesem Kanal führte ein wirklich schöner Radweg entlang. Doch um diesen zu erreichen, mussten wir zunächst eine von beiten Rohren gesäumte Fussgängerbrücke mit unseren Rädern überqueren und zwar über eine verwinkelte Metalltreppe. Kein Ding – unsere Räder waren dankbarerweise überschaubar beladen. Einmal den Sattel auf die rechte Schulter abgeladen, die rechte Hand ans Unterrohr gefasst und los ging die Kletterei. Der klassische Reiseradler vor uns brauchte da schon Unterstützung beim Tragen. Ich mag Bikepacking!

Danke Florian Ebert für Bild 1 und 3!

Sanfte Hügel hier, angenehm zu fahrende Straßen und kleine Orte da und irgendwann kam schließlich die Moldau ins Blickfeld. Der breite, träge dahin fließende Fluss wird gesäumt von kleinen Orten und Städten. Auch hier verläuft am Ufer ein Rad- und Fußweg, der mal durch ein kleines Waldstück, mal direkt am Fluss entlang führt. Schön! Nur der Gegenwind war nicht so schön. Ich bemühte mich dran zu bleiben und vor allem nicht die Lust zu verlieren. Aber irgendwie gab es immer etwas zu sehen, waren die Aussichten so reizvoll, dass der Wind meine Laune nicht stark negativ beeinflussen konnte. Das Ziepen im rechten Knie ignorierte ich erst einmal gefliessentlich.

Irgendwo im Nirgendwo

Irgendwann wurden die Hügel kurviger, die Anstiege länger und die Aussichten eingeschränkter. Der Hauptteil der Tour führte über Asphalt auf Nebenstraßen und Radwegen parallel zur Straße (zumindest später in Deutschland). Dort war der Verkehr am Sonntag annehmbar und zwischen den kleinen tschechischen Dörfern auch am Montag fast gar nicht vorhanden. Es hinterließ bei mir manchmal ein seltsames Gefühl, wenn wir durch einen Ort fuhren, der aus relativ wenigen Häusergruppen bestand, wobei ein Fünftel davon baufällig oder ganz eingefallen war. Es hatte etwas sehr Einsames, Melancholisches an sich. Dort gab es einfach nichts – nicht mal einen kleinen Supermarkt und nur ab und zu mal eine Kneipe.

Ab und zu verließ der Track die Straße und führte auf einen Weg zwischen hügeligen Feldern und Wäldern hindurch, den man nicht mehr als Kiesweg bezeichnen konnte – eher Feldsteinweg mit etwas Sand und Kies dazwischen. Bergauf und bergab ein Erlebnis. Ich musste mir mächtig Mühe geben, meinen Körper auf dem Rad nicht zu sehr zu verkrampfen und übte mich beim Kurvenfahren auf unruhigem Gelände. Anspannung. Locker lassen. Langsam, aber nicht zu sehr, denn das begünstigte das Rutschen der Reifen. *seufz*

Von Fahrtechnik und Bergkunst

Flo rief mir Tipps zu, die ich willentlich versuchte direkt umzusetzen. Radfahren ist manchmal eben doch mehr, als nur draufsetzen und losfahren. Eine gewisse Fahrtechnikkenntnis im Gelände wirkt wahre Wunder. Erinnerungen an meine ersten Mountainbike-Stunden in Göttingen kamen ins Gedächtnis zurück und erleichterten schließlich die Abfahrten. Das rechte Knie muckte auf, sobald es wieder bergauf ging. Und wir sammelten fleißig Höhenmeter! Flo wartete alle paar Kilometer voraus auf mich. Der hat einfach einen anderen Tritt drauf und manchmal konnte ich da nur bewundernd hinterhersausen. Aber ich fühlte keinen Druck dran bleiben zu müssen, fuhr so wie ich mich fühlte.

Einmal mehr realisierte ich, wie sehr ich gute Gesellschaft beim Radfahren genoß, aber eben genauso gut mit weniger statt mehr klar kam. Und wie sehr ich eine abwechslungsreiche Umgebung schätzte – ewig Landstraße fahren ist mir einfach zu langweilig. Berge sind allerdings auch nicht so meine Königsdisziplin, wenn ich sie mir auch weniger Probleme bereiten als früher. Aber schnell kann ich eben nicht. Muss ich auch nicht. Einfach nur weiter treten und zwischendurchauch das Atmen nicht vergessen. Obwohl Schnaufen es oft eher traf…

Als die Sonne immer tiefer am Horizont stand, planten wir die Suche nach einem Schlafplatz. Mein untrainierter, langsam erschöpfter und vor allem hungriger Körper trieb Libelle wieder etwas motivierter an.

Die Luft ist raus

Hunger machte sich breit. Ich hatte vorher in einer größeren Stadt einen Supermarkt markiert, den wir nun ansteuerten. Der Weg sollte vorher ein Stück parallel eines Bahndammes führen und zwischen Feldern und Bäumen hindurch auf einem wunderschönen Radweg. Doch da war noch der alte Bahnübergang, der die Räder ordentlich poltern ließ beim Drüberfahren – und Flo den einzigen Platten der Reise bescherte. Schon ein paar Meter dahinter war die Luft raus. Schlechtes Timing bei zunehmender Hungrigkeit (von uns beiden). Auch die Temperaturen sanken langsam. Damit die Stimmung es nicht auch tat, musste es schnell weitergehen. Aber Flo tauschte geübt den Schlauch aus und nach ein paar Minuten saßen wir schon wieder auf dem Rad.

Danke Florian Ebert für Bild 2

Rauf! Und runter! Wieder rauf! Und rauf!

Wir schafften es zum Supermarkt und mich schafften die steiler werdenden Berge. Mit hungrigem Magen ließen meine Kraftreserven schnell nach. Da half auch kein Riegel oder die zuvor inhalierte Apfelschorle lang. Wir kamen weiter als ursprünglich angenommen, denn es reihte sich nun ein kleiner Ort an den anderen und es war gar nicht so einfach ein ruhiges Plätzchen zum Biwakieren zu finden. Die Dämmerung senkte sich, die Steigung nahm zu, die Anstiege wurden länger. Mein rechtes Knie schmerzte stärker und auch mein Rücken quälte mich zunehmend. Hunger, Durst, Pipi, kalt!

Doch wann immer ich den Blick von der Straße nehmen konnte und mich umsah, war ich verzaubert: Von den Felsformationen, die hier ihre tyischen Sandstein-Fantasieformen zeigten, von den dichten Wäldern und kleinen Holzhäuschen, von der Ruhe. Also biss ich die Zähne zusammen und folgte Flo, der in regelmäßigen Abständen oben am Berg auf mich wartete. Und wir schafften schlussendlich den höchsten Anstieg der Tour und fanden kurz darauf einen versteckten Platz im Wald unweit der Straße und oberhalb eines kleinen Dorfes. Und dann war es dunkel. Dunkel, dunkel. Ein Hund bellte im Dorf, sonst war alles still.

Lagerromantik in kalt und dunkel

Während Flo das Tarp abspannte und versuchte ein kleines Feuerchen zum Brennen zu bringen, scheiterte ich grandios dabei in der Dunkelheit Holz zu sammeln. Das Fahrradstecklicht (B&M Ixon Space), das ich zusätzlich dabei hatte, war zwar hell, aber einhändig machte es sich dennoch bescheiden. Die vergessene Stirnlampe hatte es bestimmt kuschelig zu Hause. Hätte ich mal meine Packliste richtig abgearbeitet^^. Mir war etwas kalt und die Temperaturen sanken nachts auf um die 0°C. Also schnell Wasser aufgekocht, Tütennudeln rein geschaufelt und hinein in den Schlafsack!

Tagesfazit 1. Tag:

  • knapp 7h auf dem Rad
  • ca. 110km
  • ca. 1300 hm

Tag 2: Von böhmischen Höhen und sächsischen Ausblicken

Die Nacht war sehr ruhig und auch ziemlich frisch gewesen. Doch glücklicherweise hatte ich mir einen guten Schlafsack geborgt (Danke Wiebke <3) und habe kaum gefroren. Nur das Aufstehen am Morgen fiel mir etwas schwer. Im Nachhinein realisierte ich auch, dass ich mir kaum Gedanken über das Draußen sein im dunklen Wald gemacht habe. Vielleicht war ich einfach zu müde gewesen oder eben die Gesellschaft hat mich genug beruhigt, aber ich hatte keine Angst da draußen gehabt. Nächste Challenge: Allein eine Nacht im Wald verbringen. Mal sehen, wie es mir da gehen wird^^.

Höhenmeter zum Frühstück

Wir sammelten unsere Sachen zusammen, aßen Brötchenreste vom Vortrag beim Packen und saßen schließlich bald wieder auf dem Rad. Der Wunsch nach Bewegung und die dadurch entstehende Wärme war an diesem kühlen, wunderschönen Frühlingsmorgen groß. Wie praktisch, denn zunächst warteten die restlichen Höhenmeter der Böhmischen Schweiz auf uns.

Der Schlafplatz war schon höher gelegen gewesen und so ging es auf den nächsten Kilometern oft wieder hinunter, doch auch etliche Male wieder hoch. Ich fühlte mich den Anstiegen jedoch so früh am Tag deutlich besser gewachsen, als am Abend des Vortages. Langsam schwanden die Augenringe und Tränensäcke und mir ging es einfach sehr gut in dieser wunderschönen Umgebung. Noch ein Anstieg? Ach, was solls. Hoch da. Irgendwann geht es auch wieder runter!

Danke Florian Ebert für das 3. Bild!

Die Straße führte durch den Wald in Serpentinen und war mehr oder weniger einsam gelegen. Es gab quasi keinen motorisierten Verkehr. Erst als kleine Dörfer entlang der Route lagen, wurde es wieder etwas geschäftiger. Zum ausführlicheren Frühstück wollten wir uns etwas auf dem Weg suchen. Doch der Tankstellenstopp war eher zum Frischmachen und wir beschlossen bis nach Deutschland und ins sächsiche Bautzen zu fahren, um dort etwas gemütlicher zu pausieren.

Über sanfte Hügel rüber nach Sachsen

Schließlich kamen wir wieder auf befahrenere Straßen, radelten durch das hübsche Altstadtzentrum vom alten Bekannten Sluknov und überquerten schließlich bald danach die Grenze nach Deutschland. Hier war deutlich mehr los auf den Straßen, doch glücklicherweise gab es fast durchgängig eine Radroute parallel zur Hauptstraße, die sich sehr gut fahren ließ. Wir hatten sogar öfter Rückenwind, was das Ganze deutlich beschleunigte. Das war auch gut so, denn ich wollte endlich in Bautzen ankommen und entweder, Kuchen, Eis, Bier, Pommes oder alles zusammen in mich rein stopfen! Meine Begleitung bekam es etwas mit der Angst zu tun, als ich meine Essenswünsche äußerte und befürchtete wohl, wir würden nicht so schnell etwas finden.

Doch kaum in Bautzen angekommen und Richtung Innenstadt abgebogen, fanden wir ein kleines Goldstück an Café in einer ruhigen Nebenstraße. Dort konnten wir sogar draußen in der Sonne bei den Rädern sitzen. Ich bekam nicht nur ein sehr leckeres Panini, sondern auch hausgemachtes Eis, Kaffee und Limo. Glücklich!

Von Bautzen in den Spreewald

Ich hatte ja keine Ahnung, wie imposant die Altstadt von Bautzen ist! Für mich war es vor allem die Senfstadt…hmmmm leckerer Bautzener Senf. Aber ich Kulturbanause habe nun wieder dazu gelernt und werde sicher noch einmal für eine ausführlichere Stadterkundung zurückkehren. Als wir Bautzen um die Mittagszeit verließen, lagen knapp 50 km hinter und noch einiges and Strecke vor uns. Bereits am Tag zuvor hatte ich entschieden, nicht die komplette Strecke bis nach Berlin mit dem Rad zurückzulegen. Am letzten geplanten Tourtag hatte ich abends eine kleine Veranstaltung und einen Minivortrag und wollte dort einfach nicht völlig platt ankommen. Es war zwar schade, aber gleichzeitig fühlte es sich deutlich entspannter so an. Und ich wollte mich nicht stressen auf dem Rad! Genießen und Fahrrad-Setup testen standen im Vordergrund. Meine Knie und mein Rücken fanden nämlich leider auch, dass ich da noch etwas mehr Feintuning machen konnte.

Auf asphaltierten Radwegen näherten wir uns dem berühmten Spreewald. Die Vogelvielfalt wuchs und ich konnte immer wieder Gänse, Reiher und kleinere und größere Raubvögel nahe der Gewässer beobachten. Der blaue Himmel und die Sonne trösteten ein wenig über die doch frischen 8 bis 10°C hinweg. Genauso wie der Wind, der sich ab und zu drehte und somit einen Wechsel zwischen Rückantrieb und Bremse von vorn bot. Wir kamen gut voran.

Nach einem kleinen Ersatzschlauch-Stopp in Hoyerswerda, sowie der weiteren Nahrungsaufnahme beim Bäcker dort, rollten wir weiter bis zum Seengebiet nahe Senftenberg. Es war gerade mal ca. 16:30 Uhr und ich wollte einfach noch nicht runter vom Rad und dort schon nach knapp 115 km in den Zug wechseln. Die andere Option war, weitere 40 km zu radeln und im Spreewald in Vetschau, bei Cottbus den Regionalzug zu nehmen. Ich konnte Flo überzeugen und so peilten wir den Zug um kurz nach 19 Uhr an, der uns gemütlich direkt bis nach Berlin rein bringen sollte.

Endspurt

Es lohnte sich. Die Wege waren oft abseits der Straße, führten durch abwechslungsreiche Natur mal vorbei an großen Seen, mal zwischen Feldern und druch Wälder hindurch. Doch schließlich meckerte mein Körper immer häufiger. Ich hatt es geschafft, im Laufe des Tages die Kniebelastung zu variieren und so den Schmerz immer wieder verschwinden zu lassen. Doch mein unterer Rücken zog vermehrt und ich musste öfter kurz runter vom Rad, ein paar Bewegungen machen und mich strecken, damit dieser Schmerz verschwand. Das bedeutete für mich im Nachgang: Sattelposition optimieren und nochmal ein paar Kilometer Testfahrten machen, damit für den Hanse Gravel Ende April alles funktionierte.

Schließlich erreichten wir Vetschau um kurz vor Sieben und fuhren mit dem Regionalzug zurück nach Berlin. Ich war geschafft, aber sehr froh, diese kleine Reise gemacht zu haben. 1,5 Tage Bikepacking durch traumhafte Landschaften bei tollem Wetter konnten sich auch einfach nicht falsch anfühlen! Danke Flo fürs Mitnehmen, auf mich Warten und Feuer machen ;-)!

Und falls ihr live dabei sein wollt, wenn ich das nächste mal auf Reise gehe, dann schaut gern bei meinem Radelmädchen-Instagram-Kanal vorbei! Dort seht ihr in meinen Stories und im Feed, wo ich mich gerade so herumtriebe und was sonst noch so auf dem Fahrrad los ist.

#radelmaedchen_unterwegs

Tagesfazit 2. Tag:

  • knapp 7,5 h auf dem Rad
  • ca. 145 km
  • ca. 800 hm

Gesamt: Ca. 255 km, 2000 hm, 14 h auf dem Rad

Hier findet ihr die Strecken auf Komoot

Ein Wochenende in Warschau – Zwischen Glas & Backstein

Reges Treiben herrschte am Hauptbahnhof in Warschau, der unterirdisch im Zentrum der Stadt liegt. Wenn man den Haupteingang verpasst, steht man plötzlich mitten drin im Trubel eines der vielen Einkaufszentren der Hauptstadt Polens. Finden die Reisenden schließlich den Weg hinaus, erstaunen zum einen die Hochhäuser des modernen Geschäftsviertels mit ihren verglasten 30-stöckigen Stahlbauten, zum anderen thront der berühmte und bei den Warschauern zugleich verhasste Kulturpalast wie eine mehrstöckige Torte aus Stein mit allerlei Zierrat imposant über allem auf. Die erste Begegnung ist ziemlich beeindruckend und ein Sinnbild für diese diverse Stadt, die sich in vielen Facetten zeigt.

Hinweis: Enthält persönliche Empfehlungen für Lokale und Orte. Kann man also als Werbung ansehen, ist aber ohne Auftrag.


Ein Wochenende in Warschau zu verbringen war zugegebenermaßen nicht die erste Idee, die ich hatte, als das nahezu jährlich stattfindende Mutter-Tochter-Wochenende endlich einen greifbaren Termin gefunden hatte. Wien stand ganz oben auf der Liste oder doch Venedig? Vielleicht doch irgendwo in Deutschland bleiben? Aber mir war nach etwas ganz Neuem. Mein Blick scannte die digitale Karte und blieb im Osten Europas immer wieder hängen. Was ist eigentlich mit Polen? Von Berlin aus gab es einige gute Zugverbindungen in die Städte des polnischen Nachbarn. Auch in einigen Reiseblogs fand die Hauptstadt Warschau Anklang und das Prädikat sehenswert. Mutti war angetan und die Preise für Zugtickets, sowie die Hotelkosten überschaubar. Zack! Gebucht.

Anreise

Freitagfrüh rein in den Zug, Montagmorgen wieder zurück: In 6,5 Stunden bringt einen der polnische EC mit Platzreservierung von Berlin Hauptbahnhof nach Warsawa Centralna, dem Warschauer Hauptbahnhof. Wer früh startet, ist bereits um 13 Uhr dort und hat noch den halben Tag vor sich. Perfekt für uns! Mit dem Flieger geht das wohl schneller, aber auch weniger umweltfreundlich und entspannt. Wenn die vielen Felder, sumpfigen Wiesen und großen Flüsse, sowie zahlreiche Vögel und andere Wildtiere am Zugfenster vorbeiziehen, vergeht die Zeit außerdem unterhaltsam und schnell. Gratis Wasser und Kaffee gibt es im polnischen Zug übrigens auch. 35 € pro Person und Strecke konnten sich ebenfalls sehen lassen. Wer sein Fahrrad mitnehmen möchte, kann dafür außerdem einen Stellplatz reservieren.

Unterkunft

Zahlreiche Hotels im Zentrum bieten in verschiedenen Kategorien preiswerte Unterkünfte mit tollen Aussichten – in Mirów zum Beispiel geht es in die Höhe hinaus. Einige Hotels haben Zimmer bis in die 29. Etage: Unten Bürohaus, oben Hotel mit einem großartigen Blick über die Stadt. Von Ferienwohnungen bis Mehrsterne-Hotels ist die Auswahl groß.

Praktisch: Wir konnten überall mit Karte zahlen, sodass allein die Umrechungsaufgabe von Zloty in Euro eine kleine Herausforderung war (und dafür gibt es ja Mobile Apps ;-)). Ansonsten haben wir quasi nie Bargeld gebraucht.

Fortbewegung in Warschau

Während eines Stadturlaubs legt man ja bekanntlich so viele Kilometer zu Fuß zurück, wie wohl in der eigenen Stadt sonst nie. (Es sei denn, man ist mit dem Fahrrad unterwegs…ok, ich habe mein Brommie hin und wieder schon vermisst.). Und wir liefen: Fast 18 km am ersten, 24 km am zweiten und 15 km am dritten Tag war unsere Statistik. Dabei wäre der nächste Bus oder die Tram meist gar nicht weit weg gewesen. Doch dann wäre uns ja vielleicht etwas entgangen!

Warschau ist eine moderne Großstadt, mit vielen großen Plätzen und breiten Straßen. Der motorisierte Individualverkehr läuft leider auf den zahlreichen Verkehrsachsen sehr stark. Dabei verfügt die Stadt über ein sehr gut ausgebautes System der öffentlichen Verkehrsmittel. Nicht nur unzählige Straßenbahnlinien, sondern auch Busse und sogar zwei U-Bahnlinien (Ost-West und Nord-Süd-Verbindung) ermöglichen ein flüssiges Vorankommen in der gesamten Stadt – auch ohne Auto. Günstig ist es für unsere Verhältnisse auch noch. An den Ticketautomaten in der Stadt bzw. in den Bahnen gibt es 20, 75 und 90 Minuten-Tickets schon ab rund einem Euro.

Mit dem Fahrrad durch Warschau

Ich war dieses Mal leider ohne Fahrrad unterwegs, doch konnte ich besonders im Zentrum viele breite, separate Radwege entdecken. Die Fußgängerübergänge sind, wie ich es auch schon in Posen gesehen habe, mit Zebrastreifen gekennzeichnet. Teilweise verlaufen die Wege etwas unstetig und im Zick-Zack, doch ich habe sie auf langen Strecken durchgängig wahrnehmen können. Auch hier gibt es die bei uns üblichen blau-weißen Schilder mit Fahrradsymbol.

Leihräder bekommt man nicht nur bei einigen Hotels auch große Anbieter haben feste Stationen, die jedoch im Winter nicht durchgängig besetzt sind. Auffällig sind die grünen Elektroroller, die sich scheinbar großer Beliebtheit erfreuen und überall im Stadtbild zu finden sind.

Futter!

Die polnische Küche hat so einige Leckereien zu bieten. Mein Favorit sind nach wie vor die unterschiedlich gefüllten Pierogi (mit und ohne Fleisch), kleine Teigtaschen, die sehr sättigen und meist nur in Butter geschwenkt genossen werden. Wie in jeder Großstadt, kann man auch in Warschau leckeres Essen aus der ganzen Welt finden und auch Vegetarier und Veganer kommen auf ihre Kosten. Neben dem Veganen Ramen Shop (Kazimierzowska 43) in Stary Mokotów, gibt es in Mirów auch einen Vegan Street Food Restaurant (Żelazna 58/62) mit dem Namen Mango. Beide sind definitiv zu empfehlen.

Und dann sind da noch die süßen Schlemmereien, wie die dickflüssige, heiße Schokolade mit verschiedenen zusätzlichen Zutaten und unterschiedlichem Schokogehalt oder die Kuchen und Torten mit Baiser und Sahne in den Konditoreien und Cafés.

Meine Warschau Top 7

1. Stare Miasto – die bunte Altstadt an der Weichsel

Kein Warschaubesuch ohne einen Abstecher in die wunderschön sanierte Altstadt mit dem berühmten Altstadtmarkt und den bunten Häusern.  Im Winter befindet sich mitten auf dem Marktplatz eine Schlittschuhlauffläche und man bekommt an jeder Ecke heißen Glühwein. Auch die alte Stadtmauer aus rotem Backstein und die vielen kleinen Türmchen und Kirchen lohnen einen näheren Blick. Besonders am Wochenende ist ordentlich etwas los auf der Straße vor dem Warschauer Königsschloß, das imposant direkt am Hang mit einem großen Garten zur Weichsel hin thront. An der Krakowskie Przdemiéscie liegt außerdem auch der Präsidenten Palast und weitere sehenswerte historische Gebäude. Wir waren bereits am Freitagnachmittag dort, was eine gute Entscheidung war, wenn man die Mengen an Menschen anschaut, die am Sonntagmittag dort umherwandeln.

2. Von Park zu Park – ein Spaziergang durch den
ŁazienkiPark

Warschau hat sehr viele, sehr schöne Grünflächen zu bieten. Der größte ist mit ca. 80ha der ŁazienkiPark, zu dem man laufend vom Zentrum aus per Park-Hopping gelangt ;-). Denn es liegen noch ein paar kleinere Grünflächen auf dem Weg, die ebenfalls sehr schön sind. Parallel zur Weichsel geht es also von Grün zu Grün, bis man schließlich in dem großen Park im Süden ankommt. Dieser hat nicht nur einen Botanischen Garten zu bieten (der im Winter leider nicht geöffnet hat), sondern auch den Belvedere Palast, der früher die Residenz des polnischen Präsidenten darstellte. Berühmt ist der Wasserpalast, der auf einer Insel umgeben von Wasser steht. Statuen und Denkmäler sind ein großes Thema in Warschau und auch der Łazienki-Park hat einige davon zu bieten. Chopin, Kopernikus oder Seejungfer (das Wappensymbol Warschaus) – überall finden sich Steinmale und Figuren.

Neben einer großen Wasserfläche und der Alten und Neuen Orangerie flaniert es sich ganz hervorragend – auch bei kühleren Temperaturen. Mit etwas Glück trifft man den dort lebenden Pfau, der gern seine Federn in die Sonne reckt und sich dabei genüsslich putzt. Leider ist das Radfahren im Park nicht erlaubt. Schade, bei den vielen breiten Wegen.

hui

3. Fahrradliebe in Warschau – der Bike & Coffee Shop Kolarski in Sielce

Weiter nach Süden laufend, gelangt man nach ca. 1,5 km zum kleinen Fahrradladen Kolarski, der nicht nur hochwertige Renn- , Gravel und Urban Bikes führt, sondern auch über eine attraktive Kaffeebar verfügt. Ob man den Kaffee dann frisch gebrüht auf dem bequemen Sofa im Shop zu sich nimmt oder an einem kleinen Tischchen draußen in der Sonne – einladend ist beides allemal. Und dann kann es auch frisch gestärkt weiter gehen, zu Fuß, mit der Bahn oder dem Rad.

4. Stary Mokotow und Srodmiescie Poludniowe – über die Marszalowska zurück ins Zentrum

Nachdem Käffchen im Radladen führte ich uns zugegebenermaßen etwas im Zick-Zack durch Wohngebiete und etwas weniger spannende Gebiete. Bis wir schließlich im Bezirk Stary Mokotow ankamen. Dort gibt es einige kleine, spannende Läden und Cafés, wie einen veganes Schuhgeschäft oder den Vegan Ramen Shop mit sehr leckeren Suppen. Besonders auf der Straße direkt zurück ins Zentrum, der Marszalowska, auf der ich mich aufgrund der sozialistisch-realistischen Architektur zeitweise in die Berliner Karl-Marx-und Frankfurter Allee hin versetzt gefühlt habe: Lange, gleichförmige und imposante Bauten, teilweise sogar mit übergroßen, menschlichen Arbeiter-Figuren in die Wand gehauen. Es gibt dort immer etwas zu entdecken und ein Spaziergang diese lange Straße hoch, lohnt auf jeden Fall. Neben den Restaurants, dem Theater und Kino, kann man sich an jeder Ecke niederlassen, um in einem hippen Café im Kuschelsessel Cappuccino zu schlürfen oder einen dieser großartigen Kuchen zu genießen.

5. Zwischen Moderne und Vergangenheit – Stahl, Glas und Backstein in Muranow und Mirów

Warschau hat eine bewegende Geschichte und durch die Stadt laufend, erinnern nicht wenige Denkmäler, Statuen und Gebäude an die schwere Kriegszeit, die viel in der Stadt zerstört hat. Zentral vor dem Ogród Saski Park liegt das “Grab des unbekannten Soldaten”, welches an die vielen Kriegsopfer erinnern soll. Dort stehen stets zwei wachende, uniformierte Soldaten.

Wo damals das Warschauer Ghetto zwischen der Altstadt und dem Zentrum lag, erstreckt sich heute teilweise das Wohnviertel Muranow. Die Lücken und zerstörten, alten Häuser weichen in Mirów der Moderne des wachsenden Geschäftsviertels mit unzähligen Hochhäusern und Baustellen. Immer wieder zeugen alte, unrenovierte Backsteinbauten, an denen die Fassade schon lange blättert oder gar nicht mehr vorhanden ist, von vielen Jahren des Bestands. Der große Kontrast in der Architektur entsteht durch die mehrstöckigen Plattenbauten und die dem sozialistischen Realismus entsprungenen Wohnblöcke.

Das alles vermischt sich zu einem spannenden Mix einer Großstadt, die vor Sehenswürdigkeiten strotzt. Und über allem ragt der 1955 fertiggestellte Kultur- und Wissenschaftspalast (Palac Kultury i Nauki) empor, der offiziell ein Geschenk der Sowiet Union war, aber unter den Polen in Warschau genau deshalb nicht sonderlich beliebt ist. Ein Machtysmbol der Russen mitten in der Stadt, das man nicht so einfach übersehen kann. Das denkmalgeschützte Gebäude beherbergt nicht nur Theater und Museen, sondern auch die höchste Turmuhr der Welt.

6. Ostseits der Weichsel: Abstecher nach Praga

Ich liebe es abseits der üblichen Touristenpfade unterwegs zu sein. Auch wenn einige Orte natürlich Pflicht sind, lohnt meist ein Abstecher in weniger frequentierte Ecken. Die meisten Sehenswürdigkeiten in Warschau befinden sich auf der Westseite der Weichsel, doch ein Gang auf die andere Seite des breiten Flusses lohnt nicht nur wegen des schönen Panoramablickes auf das gegenüberliegende Flussufer und die Altstadt. Es lässt sich auch wunderbar am wilderen, natürlicheren Ufer spazieren gehen – ein Gegensatz zur glatten Betonpromenade auf der anderen Flusseite. Neben weiterer schöner Parks und dem Warschauer Zoo befinden sich in Stara Praha, dem “alten Prag” außerdem spannende Zeitzeugen der Warschauer Geschichte: So wie das große Gebäude der Verkehrsbetriebe, an dem sich noch Einschusslöcher aus dem 2. Weltkrieg erkennen lassen.

Oder die Ząbkowska Straße mit teilweise sehr alten Gebäuden wie der Wodka Fabrik aus rotem Backstein und dem Haus im Haus, bei dem die alte Außenfassade an einen Neubau angegliedert wurde. Sehr krass macht sich in Stara Praha der Kontrast zwischen alter, unsanierter Baustruktur und frisch verputzer Fassade bemerkbar. Einige Häuser verfallen deutlich und Auffangnetze für abbröckelnde Mauerteile befinden sich an vielen Gebäuden. Direkt daneben steht wiederum ein strahlender Neubau mit Glas und glatter Fassade.

7. Street Art in der ganzen Stadt

Es ist nicht wirklich örtlich eingrenzbar, aber es lohnt sich in Warschau immer, auch einmal einen Blick in die alten Hinterhöfe oder an die Hauswände zu wagen. Es finden sich oft kleine und große Kunstwerke, teilweise mit politischen Botschaften, teilweise ganze Wände bedeckend, manchmal nur ganz klein. Besonders in Stara Praha sollte man genauer hinschauen.

Warschau lohnt sich!

Warschau ist überraschend, bunt und vielfältig. Die polnische Hauptstadt ist auch im Winter einen Besuch wert, doch gerade bei wärmeren Temperaturen eine tolle Stadt, um in den vielen Parks und durch die weiten Straßen und über die großen Plätze zu spazieren. Diese Weite und Diversität hat mich doch an einigen Stellen an Berlin erinnert. Ich habe mich sicher und frei beweglich gefühlt. Würde ich nochmal hin? Auf jeden Fall! Denn es gibt deutlich mehr zu sehen, als wir es in 2,5 Tagen schaffen konnten. Allein die vielen Museen und Denkmäler lassen sich unmöglich in so kurzer Zeit anschauen. Also ab in den Osten und nächstes Mal hoffentlich mit Fahrrad!

Radfahren in der Emilia Romagna: Über den Torre di Oriolo nach Brisighella

Italien= Pizza, Pasta und Amore! Mehr nicht? Man könnte manchmal meinen, in dem südeuropäischen Land dreht sich alles nur um Essen und Liebe, zumindest aus Touristensicht. Doch weit gefehlt – auch Kaffee und Wein spielen eine sehr große Rolle und werden gern und viel genossen! Was soll man bei den zahlreichen Spezialitäten und dieser guten Küche auch machen? Ich hätte wirklich am liebsten den ganzen Tag gegessen und getrunken. Doch ich habe es tatsächlich geschafft neben den kulinarischen Genüssen, auch etwas Bewegung in meinen Italientrip zu bekommen: #ERCycling! Was ich in der Emilia-Romagna so erlebt habe, erfahrt ihr in diesem Blogpost!

Teil 1 des Berichts gibt es unter: Radfahren in der Emilia Romagna: Von Therme, Olivenöl und Wein


Hinweis!

-WERBUNG-  Dies ist der Bericht über eine Bloggerreise. Die Reisekosten wurden übernommen. Die Erfahrungen und Bewertungen sind meine eigenen ;-). Eingeladen wurde ich vom Tourist Board Emilia-Romagna und terrabici.com, ein Zusammenschluss von auf Bikesport spezialisierten Hotels, der die Fahrradregion Emilia-Romagna auf internationaler Ebene fördert, u.a. durch gezielte Marketingstrategien. Für uns drei deutsche Fahrradbloggerinnen wurde ein individuelles Programm (#bicibloggertedesche) zusammengestellt. Das beinhaltete nicht nur die Unterkunft und ein Rahmenprogramm, sondern auch Ausfahrten mit bereitgestellten Fahrrädern und persönlichem Guide (Ex-Mountainbike-Profi Fabio Gioiellieri von #appennino bike), der in der Region zu Hause ist.


#ERCycling: Zwischen Faenza und Imola

Direktlinks zu den Highlights:
    1. Torre di Oriolo
    2. Brisighella, das Olivenöl, der Wein
    3. Pieve del Tho

1. Tag: Feucht-fröhliche Radtour mit Olivenöl und guten Aussichten

Es gab so einige Highlights und besondere Orte, die wir entdecken und besuchen durften. Tag eins auf dem Fahrrad startete mit leider sehr durchwachsenem Wetter und auf dem Weg, der zunächst mehr oder weniger parallel zum Fluß Senio führte, nieselte es immer mal wieder. Über das hübsche Castel Bolognese (nach ca. 12km) führte die Route vorbei an zahlreichen Wein-, Kiwi- und Sharonanbaugebieten nach Faenza (nach ca. 21 km).

Kurz vor der Stadt hörte es auf zu regnen und wir pellten uns schnell aus den Regenjacken, denn es wurde auch immer wärmer. Die Kleinstadt, die es schon zu Zeiten der Römer gab, ist bereits seit der Renaissance bekannt für ihre Tonwaren und verfügt u.a. über ein berühmtes internationales Keramikmuseum und einige reizvolle Architektur aus dem Mittelalter. Wir streiften die Stadt jedoch nur kurz, denn unser Ziel war ein unweit von Faenza liegender Turm:

Torre di Oriolo dei Fichi

Der erste wirkliche Kletterei lag vor uns und ich kam das erste Mal an diesem Tag richtig ins Schnaufen. So schaltete ich einige Gänge hinunter, um den Anstieg zu bewältigen, doch der Weg lohnte sich: Die Via di Oriolo führte uns hinauf zum mittelalterlichen Torre di Oriolo dei Fichi und bot einige traumhafte Ausblicke ins Tal. In der Region wird unter anderem Wein, aber auch Obst und Getreide angebaut. Außerdem wird der Tourismus immer wichtiger und so bieten viele Anwohner auf ihren Gütern Unterkünfte an. Sie haben sich als landwirtschaftliche Vereinigung zusammengeschlossen und wollen so gemeinsam den Agritourismus fördern.

Die Associazione per la Torre di Oriolo kümmert sich um den alten Turm. Zu ihnen gehört auch Mauro Altini von La Sabbiona, der ein Weingut mit Pension betreibt, wo die ganze Familie mitwirkt. Mauro führte uns herum und erzählte etwas über die jahrhundertealte Geschichte. Dieser einmalige, 17 m hohe Festungsturm hat eine hexagonale Form und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die 2,8m dicken Backsteinwände umschließen 5 Etagen, zwei davon unterirdisch. In den Sommermonaten eignet sich der Turm für Veranstaltungen aller Art. Auch Fahrradtouristen sind dort sehr willkommen.

Highlight: Der Ausblick vom Torre di Oriolo

Unsere Führung endete oben auf der großen Terrasse des Torre und ermöglichte einen wunderschönen Blick über die Weingüter und bis hin zum Meer der Adria. Nachdem Mauro uns noch auf einen Espresso auf seinen Hof eingeladen hatte, radelten wir schließlich weiter.

Zwischen Regenbögen und nassen Radhosen

Lange war uns die Trockenheit nicht gegönnt. Auf unserem Weg zurück Richtung Faenza und dann weiter gen Brisighella verdichtete sich die Wolkendecke rasant. Als wir ein Stück auf der Landstraße fuhren, brach es schließlich doch wieder über uns herein. Also Regenjacke wieder an und ab ging die Fahrt. So ein bisschen Nässe hält uns nord-/ostdeutschen Damen (WiebkeWie, hamburgfiets) doch nicht auf.

Ich kann im Nachhinein gar nicht mehr sagen, wie viele Regenbögen uns dieses wechselhafte Wetter beschert hat. Nach einigen Kilometern ging der Regen schließlich wieder in ein Nieseln über. Wir fuhren natürlich alle ohne Schutzbleche am Rad, klar oder? Denn breit bereifte Fahrräder fürs Gelände haben so etwas grundsätzlich nicht vormontiert, was meistens alles irgendwie Sinn ergibt. Doch in diesem Moment hätte ich mir wirklich Ansteckschutzbleche gewünscht…

Ich kam jedenfalls an diesem Tag das erste Mal in meinem Leben in den Genuß einer vom Regenwasser vollgesogenen Radhose (jaaaa, ich hatte keine Regenhose dabei, selbst Schuld und so…). Möchtet ihr noch mehr Details wissen? Nein? Gut. Also nachdem wir im wunderschönen, mittelalterlichen Brisighella angekommen waren – einem für sein Weltklasse Olivenöl bekannten Ort – suchte ich erst einmal die Örtlichkeiten des angesteuerten Lokals auf. Einen Fön oder Handtrockner gab es da zwar nicht, aber falls ihr einmal in eine ähnliche Situation geraten solltet, empfehle ich euch Papierhandtücher.

Wie die zum Einsatz kamen, dürft ihr euch selbst ausmalen… Effektiv war die Notmaßnahme zum Hosetrocknen auf jeden Fall! Doch genug davon! Kommen wir zu wichtigeren Dingen: Essen!

Brisighella, das Olivenöl und der Wein

Auf uns wartete eine Olivenölverkostung und eine Brotzeit mit Käse und Wurst der Region im lokalen Feinkostgeschäft Terra di Brisighella. Ich mag Olivenöl. Sehr. Und das gute italienische Öl einfach nur mit Brot aufzusaugen und dann direkt zu essen, war schon toll.
 

Natürlich musste ich nach der Pause auch noch eine Flasche des “Nostrana di Brisighella” Olivenöls kaufen. Glücklicherweise konnte ich es der Dame des Emilia-Romagna Tourismus Boards mitgeben, die zur Verkostung gekommen war. Ich muss zugeben, dass ich etwas erleichtert war und froh, dass ich die 750ml Glasflasche nicht in der Trikottasche mitführen musste!

Gourmet Tipp: Der Feinkostladen Terra die Brisighella

Denkt also unbedingt daran, eine Tasche dabei zu haben, wenn ihr den Laden Terra di Brisighella ansteuert. Dort gibt es noch viele andere tolle Produkte, wie Weine, Aufstriche und Seifen, die auch ein großartiges Mitbringsel für die zu Hause Gebliebenen abgeben.

Oliven und Wein

Bekannt ist Brisighella vor allem aufgrund des hochwertigen Olivenöls und durch den Weinanbau. Das Gemeindegebiet entlang des Lamone-Tals hat eine lange landwirtschaftliche Geschichte. Die Olivenkultur geht über tausend Jahre zurück und auch Wein wird dort schon sehr lange angebaut. Um die 70.000 Olivenbäume werden hier bewirtschaftet. Die Lage ist geografisch bevorteilt, denn durch die umliegenden Hügel sind die Haine vor kalten Winden geschützt und die Kreidefelsen speichern Wärme, was sich positiv auf den Anbau auswirkt. Die ansässigen Bauern haben sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen, um die lokale Produktion aufzuwerten. Etwa 300 Olivenbauern gründeten 1972 eine Kooperative, die Cooperativa Agricola Brisighellese (Landwirschaftliche Genossenschaft von Brisighella). Ca. 90% der Olivenbauern sind Mitglied. Die Weinbaugenossenschaft umfaßt praktisch alle Weinbauern (ca. 575 Winzer).

RotweinartenWeißweinarten
In sonniger Hügellage wachsen der Sangiovese, der Merlot, der Cabernet-Sauvignon und der Ciliegiolo. Weißwein wird im Talgrund angebaut und umfasst Albana di Romagna, Trebbiano, Pignoletti, Pinot Bianco, Chardonnay und Sauvignon.
Nicht verpassen in Brisighella:
Bevor wir weiter radelten, konnten wir uns den Abstecher auf die alte Eselstraße “Antica Via Degli Asini” nicht entgehen lassen. Dieser heute als Spazierweg genutzte Gang ist eine durch zahlreiche Bögen gestaltete Hochstraße, die durch die mittelalterliche Altstadt von Brisighella führt.
 

Was früher eine Verteidigungsbrüstung war, wurde später eine Anlaufstelle für die Fuhrleute, die ihre Stallungen für die Zugtiere unter den Torbögen hatte. Radfahren könnte man da vielleicht, sollte man aber aufgrund der zahlreichen Stufen und Bodenwellen wohl sicherheitshalber eher lassen.

Geheimtipp Pieve del Tho:

Von alten Kirchen…

Bevor wir den größten Anstieg des Tages mit doch recht vollem Magen in Angriff nahmen, fuhren wir mit den Rädern ein Stück aus Brisighella heraus zu einer kleinen katholischen Kirche romanischer Bauweise. Die Pieve del Tho ist eine der ältesten Pfarreien des Lamonatals und stammt vermutlich aus der Zeit zwischen dem 8. bis 10.Jahrhundert. Von außen wirkte sie fast schon schlicht und unauffällig, wenn auch in gutem Zustand. Sobald man den Kirchenraum betritt setzt sich der Eindruck fort. Rundbögen gestalten die Seitengänge des Inneren und Holzbänke, auf denen noch die Namen der alten Familien aufgemalt waren, stehen im Mittelgang.
 
Versteckt in der Krypta des Baus befindet sich ein liebevoll hergerichtetes Museum, in dem alte Relikte und Mosaike präsentiert werden. Selbst die Gussform für die Kirchenglocke konnten wir in einem der kleinen Räume im verwinkelten Kirchenuntergrund bewundern.
 

…und langen Anstiegen

Die Wolken hatten sich währenddessen wieder zu dicken Bergen zusammen geschoben. Sie zogen bedrohlich grau in grau am Himmel entlang, doch immer wieder blitzte hoffnungsvoll etwas blau hervor. Wir schwangen uns auf die Räder, um doch noch ein paar Höhenmeter auf den ca. 13 km zurück nach Riolo Terme zu schaffen. Mit der Aussicht auf ein kuscheliges Bad in der warmen Therme war ich da auch äußerst motiviert.
 
Von Brisighella aus über die Via Rontana kletterten wir Stück für Stück die bis zu 11% Steigung empor. Dabei kamen wir am Wallfahrtsort Monticino (aus dem 18. Jahrhundert) und an der Festung Rocca Manfrediana und Veneziana (14. bis 16. Jh.) vorbei, wo sich heute das Arbeits- und Bauernmuseum befindet. Es war anstrengend, aber irgendwie klappte auch das hier wieder sehr gut für mich. Man könnte schon fast sagen, dass ich die Abwechslung und die Herausforderung des Kletterns ein bisschen genoss. Nachdem ich oben angekommen war, konnte ich es nicht lassen, den kleinen Hügel am Wegesrand hoch zu steigen, um dort einen noch besseren Blick ins Tal zu bekommen. Was für eine Kulisse!
 

Sonnenuntergang mit reichlich Drama

Wir ließen den Monte di Rontana links liegen und nahmen den letzten Abschnitt des Tages über die Via Calibane zurück ins Tal und waren damit fast schon wieder in Riolo Terme. Auch wenn ich die Abfahrt wieder mit Vorsicht genoss, da die Straße feucht war und ich noch immer unsicher im Kurvenfahren bin, fand ich sie dennoch wunderschön. Wieder kam dieses kaum zu beschreibende Gefühl der Freude, ja der Euphorie auf, als ich tief einatmete, die frische Luft einsog und die Kulisse dieser wundervollen italienischen Landschaft bei Abenddämmerung kaum fassen konnte. Da war die Sonne wieder, gab dem bewölkten Himmel einen dramatischen, leuchtenden Touch und diesem ereignisreichen Tag einen würdigen Abschluss.
 

 
Als wir nach knapp 75 km Radtour am Abend auf das Gelände des Grand Hotels rollten, setzte schließlich der Nieselregen wieder ein. Oh, dieses warme Thermalwasser war der perfekte Tagesabschluss. Und essen. Und schlafen.
 
Was wir am 2. Tag erlebt haben und wie es ist auf einer Formel 1-Strecke mit dem Fahrrad zu fahren, erfahrt ihr im kommenden, letzten Blogbeitrag der Reihe “Radfahren in der Emilia-Romagna”.

 

 

Radfahren in der Emilia Romagna: Von Therme, Olivenöl und Wein

Italien – 13 Jahre war es her, dass ich das letzte Mal in diesem so vielfältigen Land im Süden Europas war. Damals war es eine Kursfahrt in die Hauptstadt des Stiefels und ich war noch nie zuvor am Mittelmeer gewesen. Warum ich seitdem nie wieder da war, kann ich gar nicht genau benennen, denn gefallen hat es mir sehr. Umso begeisterter war ich, als Wiebke schon im Frühjahr 2018 fragte, ob wir nicht zusammen in die Emilia-Romagna fahren wollen.

Wiebke, Miriam und ich trafen uns schließlich Ende Oktober 2018 in Bologna. Dort verbrachten wir ein paar Tage in der berühmten Universitätsstadt, bevor wir weiter in die Romagna reisten, um eine touristisch weniger überlaufene Region mit dem Fahrrad kennenzulernen. Ich denke, keine von uns hat damit gerechnet, was da auf uns zukommen würde und was alles für uns vorbereitet werden würde!

 


Hinweis!

-WERBUNG-  Dies ist der Bericht über eine Bloggerreise. Die Reisekosten wurden übernommen. Die Erfahrungen und Bewertungen sind meine eigenen ;-). Eingeladen wurde ich von terrabici.com, ein Zusammenschluss von auf Bikesport spezialisierten Hotels, der die Fahrradregion Emilia-Romagna auf internationaler Ebene fördert, u.a. durch gezielte Marketingstrategien. Für uns drei deutsche Fahrradbloggerinnen wurde ein individuelles Programm (#bicibloggertedesche) zusammengestellt. Das beinhaltete nicht nur die Unterkunft und ein Rahmenprogramm, sondern auch Ausfahrten mit bereitgestellten Fahrrädern und persönlichem Guide (Ex-Mountainbike-Profi Fabio Gioiellieri von #appennino bike), der in der Region zu Hause ist.


#InEmiliaRomagna: Die Region zwischen Faenza und Imola

Bevor ich euch einen kleinen Überblick gebe, was ihr in der Emilia-Romagna machen könnt, genauer zwischen den Städten Imola und Faenza, möchte ich euch von meinem ersten Eindruck der Region erzählen.

  1. Lage
  2. Klima
  3. Radfahren in der Emilia-Romagna
  4. Riolo Terme
  5. Straßen, Wege und Gelände
  6. Kulinarische Highlights
  7. #ERCycling

1. Lage und Anreise

Nach drei entspannten, aber auch laufreichen Tagen in Bologna, wurden wir am letzten Oktober-Montag abgeholt und weiter in die Emilia-Romagna geshuttelt. Riolo Terme war unser Ziel. Es ist kleiner Kurort mit imposanter, aber für die Region typischer Festung aus dem 14. Jahrhundert und liegt auf der Strecke zur Adriaküste auf dem Weg nach Rimini – doch eben etwas abseits der Hauptstraße. Vielleicht ist die Gegend deshalb noch so unberührt und nicht vom Tourismus überlaufen? Der größte und am besten erreichbare Flughafen der Region liegt in Bologna. Auch der Bahnhof dort ermöglicht gute Verbindungen in weitere und größere italienische Städte und ans Mittelmeer. Am unkompliziertesten ist die Anreise natürlich ohne Fahrrad mit der Option sich am Reiseziel eines auszuleihen.

 
 
 
 
 
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Gespannt warf ich einen Blick aus dem Kleinbus, der uns auf schmaler werdenden Straßen näher Richtung Gebirge und rein in eine vom Herbst bunt gefärbte, abwechslungsreiche Region brachte. Hier prägten nicht mehr nur flache Felder die Gegend– Kakibäume (Sharon) und zahlreiche Weinanbaugebiete lagen nun nahe der immer kurvenreicher und steigungsreicher verlaufenden Straße. Von der Autobahn kann man nur schwer erkennen, welches Kleinod da an den Ausläufern des Apenninen-Gebirges im Tal des Flusses Senio auf einen wartet. Die Region eine große Bandbreite an Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Highlights. Imola und seine berühmte Formel-1-Rennstrecke zum Beispiel dürfte vielleicht einigen ein Begriff sein.

2. Klima

Durch die Lage an den Ausläufern des Gebirges ist das Wetter dementsprechend gemäßigt und auch mal wechselhaft. Die Temperaturen liegen um die 23-29°C im Hochsommer, um die 0-7°C im Winter. Der Juli ist der heißeste Monat und auch der trockenste. Regen ist nicht unüblich und wir waren außerdem in der regenreichsten Zeit da, die im Monat November ist. Dafür bekamen wir jeden Tag mindestens einen Regenbogen zu Gesicht, sobald die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor blitzte. Wunderschön! Das Klima ist für meinen Geschmack ideal zum Radfahren, besonders natürlich im Frühling und Herbst.

3. Radfahren in der Emilia-Romagna

Die Emilia-Romagna ist kein unbekanntes Terrain für Radsportler. Die Heimat des berühmten Rennradfahrers Marco Pantani, der die Tour de France und den Giro d’Italia gewann, hat auch im Jahr 2019 so einige Radsport-Veranstaltungen zu bieten. Das wichtigste Ereignis wird sicherlich der Giro d’Italia 2019 sein, der in Bologna startet und in seiner 9. Etappe sogar durch das wunderschöne San Marino kommt (Blogpost zum Radfahren dort folgt). Hier eine Auflistung auf Englisch über einige Gran Fondo Veranstaltungen in der Emilia-Romagna.

Emilia Romagna welcomes the Giro d’Italia to Bologna after 25 years! In addition to an array of exciting cycling events throughout the year

In der Region findet Ende Mai 2019 außerdem erneut die Rally di Romagna statt, ein MTB-Rennen, das über 5 Etappen durch die wundervolle Landschaft der Emilia-Romagna führt. Die Rally hat viel mehr den Anspruch ein Festival mit gleichgesinnten Radfahrenden, gutem Essen und Musik zu sein, als ein kompetitives Rennen.

4. Riolo Terme

Schließlich erreichten wir das Grand Hotel von Riolo-Terme, das für die nächsten drei Tage unsere Unterkunft sein sollte.  Es liegt ein paar hundert Meter unterhalb der Altstadt des ca. 6000 Einwohner Ortes. Allein der Weg durch die Lobby mit ihrem großen Kronleuchter und den alten Sofas beeindruckte mich sehr. Auch das ruhig gelegene Zimmer in der 2. Etage, das über ein Treppenhaus oder den alten Gitterfahrstuhl zu erreichen war, versprach erholsame Nächte. Ich habe mich auf jeden Fall sehr wohl gefühlt. Und ich könnte auch nicht behaupten, schon einmal in einem Grand Hotel geschlafen zu haben. Kann man schon mal machen :-).

Die angeschlossene Therme, die 1870 erbaut wurde, trug mit ihrem angenehmen 34°C Thermal-Wasser nicht minder zur Entspannung bei. Bereits in der Antike war die Region für ihre heilenden Quellen bekannt gewesen. Allzu viel Zeit hatten wir dort jedoch leider nicht, denn wir waren den Großteil des Tages unterwegs. Und das war auch genau richtig so, schließlich wollte ich so viel wie möglich von der Region sehen! Für Radreisende steht außerdem ein neu eingerichteter Fahrradkeller zur Verfügung, der auch über ein paar wichtige Werkzeuge verfügen wird.

5. Straßen, Wege und Gelände

Ob Mountainbiking, Rennradfahren oder auf und neben der Straße mit dem Gravelbike, es gibt viele Möglichkeiten in der Region mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Die Straßenqualität reicht von glattem Asphalt auf den Hauptstraßen bis hin zu Kieselwegen abseits der großen Straßen. Ich war jedoch sehr froh, dass wir Gravelbikes hatten, denn Nebenstraßen mit Rissen gab es einige auf unseren Routen. Nichtsdestotrotz bieten besonders die vielen kleinen und teilweise auch längeren Anstiege viel Potenzial für Rennradfahrende. Ein wenig mehr Beherrschung über das Fahrrad sollte da aber selbstverständlich sein, denn die Kurven können auch mal steiler werden. 

Ja, die Anstiege…flach ist die Region nicht, dennoch ist es möglich recht weite Strecken zurückzulegen, die ohne große Kletterpartien verlaufen. Die wirklich tollen Ausblicke gibt es aber nur oben auf dem Berg und die lohnen sich wirklich! Die Mischung macht es am Ende und ich stellte wieder fest, dass ich in diesem Jahr bereits einige Kilometer und Höhenmeter auf dem Rad verbracht habe und Berge mich viel weniger abschrecken. Slow but steady, was ein paar Tage später auch in San Marino definitiv meine Devise blieb und mich jegliches Klettern ohne Aufzugeben meistern ließ. Übung hilft wohl scheinbar doch ein bisschen.

6. Kulinarische Highlights – Die italienische Küche

Soll ich jetzt schon anfangen, vom Essen zu schwärmen? Ich fürchte nur, ich werde mich wiederholen: Denn so gut, wie in Italien, habe ich schon lange nicht mehr auf Reisen gegessen. Die Küche im Grand Hotel konnte sich definitiv sehen lassen – optisch und geschmacklich. Auch die andere Lokale, in denen wir gespeist haben, hatten definitiv sehr fähige Küchenchefs.

Von hausgemachten, gefüllten Ravioli mit Steinpilzen über herzhafte Polentatörtchen und warmen Schokoladen-Coulant mit Vanillecreme – mein Magen wurde ganz schön verwöhnt. Besonders gut hat mir die regionale Küche gefallen, da jahreszeitlich gekocht wurde. So gab es viel Kürbis, Steinpilze und Wurzelgemüse – üblicherweise im Drei-Gang-Menü. Ungünstiger Nebeneffekt: Man möchte nichts auf dem Teller liegen lassen und rollt sich nach jeder Mahlzeit aus dem Restaurant ;-).

Nicht zu vergessen u.a. der traumhafte Wein Sangiovese, das Olivenöl aus Brisighella und der Parmigiano Reggiano, die unter zahlreichen anderen Spezialitäten in der Emilia-Romagna angebaut und produziert werden.

Restaurantempfehlungen rund um Riolo Terme

Il Cardello Locanda

Das hervorragende Restaurant Cardello Locanda befindet sich direkt neben dem Museum und historischen Haus Cardello auf dem Gelände des Casa Oriani von Alfredo Oriani (Schriftsteller und Radfahrer des 19./20.Jh), welches wir auf unsere Tour am ersten Tag besucht haben. Saisonale und regionale Zutaten werden zu schmackhaften Gerichten verarbeitet. Hier gibt es zum Beispiel Polentatörtchen als Vorspeise und zum Hauptgang frische, hausgemachte Marronen-Ravioli. Omnomnom!

Cantine Antica Grotta

Das Antica Grotta liegt mitten in der Altstadt von Riolo Terme und ist eines der besten Restaurants des Ortes und gleichzeitig eine gut bestückte Weinbar. Der Hauptwirtsraum ist sehr klein und gemütlich, doch es gibt noch weitere Räume, teilweise für Veranstaltungen eine Treppe hinunter im Kellergewölbe des Hauses. Dort befindet sich auch der Weinkeller, der zahlreiche, vorzügliche italienische und weitere Weine aus ganz Europa führt. Der Besitzer Omar versendet seine Weine auch über einen Onlineshop in die ganze Welt. Im urigen Restaurant kann man sich von den leckeren Speisen verwöhnen lassen und den Köchen durch eine große Glasscheibe beim Kochen zuschauen.

7. #ERCycling

Nun durfte es aber auch losgehen! Ich hatte über einer Woche nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen und war ganz heiß drauf, endlich die Leihfahrräder zu sehen. Gewünscht hatten wir uns Crosser oder Gravelbikes, die von dem lokalen Radsportgeschäft Bike Passion aus der nächstgrößeren Stadt Imola bereit gestellt wurden. Nachdem wir schließlich am Dienstagmorgen unseren Fahrrad-Guide Fabio und seine Freundin Cecilia kennengelernt haben, traf kurze Zeit später der Transporter auf dem Hotelvorplatz ein, der unsere Fahrräder bringen sollte.

Ich hätte es kaum besser treffen können: Ein Specialized Sequoia in mintgrün mit 1×11 SRAM Schaltung sollte in den kommenden zwei Tagen mein Reittier sein. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Mitgebrachte Pedale ran, Helm und Handschuhe auf und mit etwas Verspätung (doch noch die Regenjacke aus dem Hotelzimmer geholt und drei Kreuze gemacht, sie überhaupt mitgenommen zu haben) radelten wir schließlich bei leichtem Nieselregen vom Hof.

Was genau wir in den zwei Tagen auf dem Fahrrad in der Emilia-Romagna erlebt haben und warum auch der Regen und nasse Radlhosen unsere Laune nicht trüben konnte, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

Teil 2 gibt es unter Radfahren in der Emilia Romagna: Über den Torre di Oriolo nach Brisighella

Fahrradparadies Mallorca – 7 Fahrrad-Highlights auf der Insel

Mallorca ist ein wahres Schmuckstück im Mittelmeer und landschaftlich nicht nur atemberaubend schön, sondern auch unglaublich abwechslungsreich. Allein die Traumkombi türkisblaues Meer und Berge mit gut ausgebauten Straßen zum Radfahren, bringen mich schnell ins Schwärmen. Kein Wunder also, dass ich 12 Jahre nach meinem ersten Besuch auf der Insel sofort neu verliebt war. Dass diese Reise dann auch noch eine neue Erfahrung und die Gesellschaft von vier wundervollen jungen Frauen inkludierte, machte sie für mich zu einem ganz besonderen Highlight.

Anmerkung:

Werbung, da bezahlte Reise/ Kooperation mit Condor Airlines. Die Erfahrungen und Meinungen in diesem Beitrag sind meine eigenen. Mehr zu Koops findet ihr unter meiner Kooperationsinformationsseite.


Organisiert wurde der Trip auf die balearische Lieblingsinsel der Deutschen von Condor Airlines. Zusammen mit vier anderen Lifestyle- und Fitnessbloggerinnen (eine weitere Deutsche, drei Engländerinnen) drehten wir über zwei Tage lang mit einer kleinen Crew einen Videoclip an den aufregendsten Spots im Norden von Mallorca. Im Fokus stand die Schönheit der Insel und ihre Eignung zum Radfahren.

Mallorca – eine Fahrradinsel?

Was für viele Radsportler keine Neuigkeit mehr ist, da sie regelmäßig im Frühjahr zum Trainieren nach Mallorca kommen, scheint für viele Urlauber noch ein Geheimtipp zu sein: Mallorca ist eine Fahrradinsel! Überraschend kommt das nicht. Die Natur spricht für sich, die Straßen sind größtenteils von guter Qualität und haben wenig Schlaglöcher. Dafür gibt es viel glatten Asphalt, der sich auch mit dem Rennrad super bewältigen lasst. Besonders in der Bergkette im Norden der Insel kommen die zahlreichen, nicht zu steilen Anstiege, rasante Abfahrten und traumhafte Ausblicke hinzu. Es gibt Fahrradverleihmöglichkeiten, auch für Sporträder, Fahrradläden und Cafés – was will man als Fahrradbegeisterte/r mehr?

Reisezeit:

Ein Besuch lohnt sich ganzjährig, ist aber im Herbst und im Frühjahr am angenehmsten. Wer im Hochsommer nach Mallorca kommt, kann sich auf Temperaturen zwischen 30° und 40°C einstellen. Fahrtwind ist super, Vorsorge noch besser. Denkt also an genügend Wasservorräte und die Sonnencreme, wenn ihr mit dem Fahrrad unterwegs seid! Wenn ihr in der Hauptsaison da seid, hat das frühe Aufbrechen einen großen Vorteil: Abgesehen von den geringeren Temperaturen sind die Straßen und Hot Spots noch deutlich leerer. In der Nebensaison sollte das alles etwas entspannter zugehen.

Fahrrad-Routen: Überblick

Die offizielle Touristinformationsseite von Mallorca bietet einen schönen Überblick über mögliche Touren auf der Insel als pdf. Einzelne Routen werden auf ihrer Homepage mit herunterladbarem GPX-Track zur Verfügung gestellt.

Meine 7 Fahrrad-Highlights auf Mallorca

Tag #1

Im Folgenden findet ihr meine 7 Fahrrad-Highlights auf der Baleareninsel. Der Dreh mit Condor Airlines führte uns an ein paar traumhafte Orte auf Mallorca, die es teilweise schwer machten, den Blick auf der Straße zu lassen. Zu schön ist zum Beispiel der Ausblick an der Straße und beim Cap Formentor die Steilküste hinunter aufs Meer oder die zahlreichen Serpentinen hinauf. Und das alles abseits von Palma de Mallorca und seiner Partymeile.

1. Cap de Formentor

Berühmt für seinen Leuchtturm direkt an der Steilküste, ist das Cap Formentor der nördlichste Zipfel Mallorcas und gehört wohl zu den wahren Höhepunkten auch für Radfahrende. Eine Tour zum Cap Formentor lässt sich sehr gut von der Hafenstadt Alcúdia aus starten und beliebig mit einem Ausflug gen Nordwesten tiefer in die größte Bergkette der Insel, die Serra de Tramuntana, erweitern. Oder man startet direkt dort: In Pollença/ Port de Pollença. Ein Tourenvorschlag der Touristinfo mit gpx-Track zum Download.

Von Port de Pollença nach Cap de Formentor zum Leuchtturm zieht sich eine ca. 15 km lange, hervorragend befahrbare Straße, die mit unzähligen Kurven, Anstiegen und Abfahrten an die berühmte Schlangenstraße Sa Calobra erinnert. Das liegt wohl auch daran, dass der gleiche italienische Ingenieur für deren Bau verantwortlich war. Sie bietet zahlreiche Highlights, wie den schnurgeraden Straßenabschnitt nahe Playa de Formentor, der durch einen wunderschönen Wald führt. Darin summt und zirpt es lebhaft ununterbrochen. Nur die vielen kleinen Hügel formen hier den Weg.

Ab der Playa ist die Straße im Sommer teilweise für den Privatverkehr abgesperrt und fast nur für Touristenbusse freigegeben. Der Grund ist leicht zu verstehen: Viel Platz herrscht nicht beim Leuchtturm. Außerdem sind vom Verkehr verstopfte Straßen und zu viele Besucher auf einmal der teilweise geschützten Natur dort nicht unbedingt förderlich.

Tipp:

Es lohnt sich am frühen Morgen oder späten Nachmittag zum Leuchtturm am Cap Formentor zu radeln. Für Radfahrende ist das eine super Gelegenheit die Straßenqualität ungestört nutzen zu können. So lassen sich die Ausblicke viel besser genießen, zum Beispiel auf die am Weg liegende, paradiesisch anmutende Bucht Cala Figuera.

2. Playa de Formentor/ Port de Pollença

Der Playa de Formentor ist der perfekte Ort für eine Erfrischungspause auf dem Rückweg vom Cap. Ich habe es zumindest sehr genossen, meine Beine in das türkisblaue, klare Wasser zu tauchen, kurz abzuschalten und am Sandstrand zu faulenzen. Wem das zu nah dran ist, der kann wieder zurück bis zum Port de Pollença radeln und dort seine Füße ins lauwarme Nass des Mittelmeers dippen.

3. Mirador Es Colomer

Von Playa de Formentor geht es (vom Cap kommend) gestärkt ein paar Kilometer in Serpentinen (klar, was sonst!) den Berg hinauf. Wer auf dem Hinweg von Port de Pollença nicht schon gehalten hat, sollte es nun definitiv nicht versäumen. Der Anstieg ist etwas steiler als zum Leuchtturm hin, lässt sich aber dennoch sehr gut befahren und lohnt sich spätestens, wenn man den Ausblick am Mirador Es Colomer gesehen hat. Die Steilküste und ihre stark zerklüfteten Felsen sind imposant und gehören zu den schönsten Ausblicken Mallorcas. Hier lässt sich nicht nur der Blick aufs Cap de Fomentor genießen, sondern mit Glück sieht man den Hafen von Alcúdia oder in der Ferne die Baleareninsel Menorca.

Der erste Drehtag war unglaublich intensiv und sehr lang. Ich hatte viele Eindrücke zu verarbeiten, hab so viel geschwitzt, wie schon ewig nicht mehr (selbst in der deutschen Sommerhitze nicht) und bin absolut verzaubert von der Schönheit Mallorcas gewesen. Etwas, was mich immer wieder voran getrieben hat, den ich wollte immer mehr davon erleben, immer weiter radeln. Meine vier Mitstreiterinnen Hayley, Sophie, Emma und Linda runden dieses einmalige Erlebnis ab. Wir waren uns besonders in einem Punkt immer einig: Hauptsache rauf aufs Fahrrad und raus auf die Straße. Ich denke, das Bad im Meer am Abend beim Hotel hatten wir uns redlich verdient!

Tag #2

In dieses imposante Gebirge Serra de Tramuntana verschlug es uns am zweiten Tag. Es wurde vor ein paar Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Die Landschaft ist sehr ursprünglich und die scharfen Felszüge, durchzogen von schmalen Tälern mit kleinen Orten ist wirklich wunderschön. Wer hier Radfahren möchte oder wandern, benötigt je nach Strecke etwas mehr Fitness und Ausdauer. Hier gibt es auch die Möglichkeit mit dem Mountainbike unterwegs zu sein, um an ganz abgelegene Orte der Insel zu gelangen.

4. Gorg Blau & das Aquädukt bei Sa Calobra

In der Serra de Tramuntana liegen ein paar strahlend blaue Stauseen, die als Trinkwasserdepots in Phasen starker Trockenheit dienen. Einer davon ist Gorg Blau, wo wir den ersten Stopp einlegten. Da die Seen zwar an der Straße, aber sehr tief im Gebirge liegen, sind sie Orte absoluter Ruhe. Ein paar Bänke im Schatten der Bäume laden zum Rasten ein. Doch mich lockt es an die Ufer des Sees, wohin man über große und kleine Steine gelangt. Es kribbelte mich in den Fingern, dort mit dem Gravelbike herum zu klettern, obwohl ich wusste, dass es sich dort nicht wirklich fahren ließ. Dafür konnte ich ein paar schöne Fotos schießen ;-).

 

Ein kurzes Stück weiter nördlich liegt an einer Straßenkreuzung zur berühmten Straße nach Sa Calobra ein altes Aquädukt. Daneben befindet sich kleinen Kiosk und lädt zum kurzen Entspannen und zur Eispause ein. Das lässt sich entweder auf dem Weg nach Sa Calobra machen oder danach. Die imposante Bergstraße hinunter zum kleinen, gleichnamigen Ort bietet zahlreiche wundervolle Ausblicke in die Gebirgslandschaft und ist eine echte Herausforderung. Denn nachdem man hier zunächst die Abfahrt genießen konnte, muss man die Straße im Anschluss natürlich wieder hinauf radeln. Ein Erlebnis, dass ich zumindest bei diesem Mallorcabesuch nicht erfahren konnte, was aber definitiv auf meiner To-Do-Liste gelandet ist.

5. Port de Sòller

Vom Aquädukt führt die Straße Ma-10 nach ca. 25 km in vielen Kurven und mit traumhaften Ausblicken auch zum hübschen Küstenort Port de Sòller. Bäume säumen häufig die Straße und spenden wertvollen Schatten. Obacht vor den Bergziegen! Die gibt es hier überall und sie sind oft auch nicht sonderlich scheu. Port de Sòller ist einer dieser kleinen Küstenorte mit hübschem Hafen und Strand mitten in der Stadt. Durch die teils terrassenartig an den Berg gebauten Häuser und das wunderschöne Panorama taugt es zur echten Filmkulisse. Und genau das ist Port de Sòller auch schon häufig gewesen. Wir legten dort eine Mittagspause in einem der zahlreichen Restaurants ein. Ich fühlte mich dann frisch gestärkt bereit für neue Schandtaten und konnte es gar nicht erwarten, wieder auf meinem Veloheld zu sitzen.

Tipp:

Von Port de Sòller zum nahegelegenen Soller führt eine alte Straßenbahnlinie, die erstmalig 1913 in Betrieb gegangen ist. Die Linie passiert einige Zitronen- und Orangenhaine. Es lohnt ein Blick auf die altertümliche Bahn, die aus einer völlig anderen Zeit stammt und sich ganz charmant in die hübsche Bergwelt einfügt.

6. Deià – ein Bergort in Filmkulisse

Mein Tageshighlight war jedoch ein anderes. Vom Port de Soller führt die Straße Ma-10 nach ca. 12 km direkt in die Berge hinein nach Deià. Sie verläuft nach kurzer Zeit größtenteils immer an der Steilküste entlang. Es ist eine anspruchsvolle, aber für Radfahrende mit gewisser Grundfitness sehr gut fahrbare Straße. Die Wegqualität ist nach wie vor sehr gut und die Straße verläuft in Kurven und mit vielen kleinen Anstiegen.

Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich im moderaten Tempo und erneut in Schweiß gebadet von den vielen Anstiegen, um eine weitere, enge Kurve radelte. Direkt vor mir tat sich das in der Sonne glitzernde, weite Mittelmeer auf und ich spürte plötzlich, wie eine Welle Gückshormone meinem Körper durchfuhr. Genau dieses Gefühl beschreibt, weshalb ich das Radfahren so liebe. Die Anstrengungen, der Schweiß, die Herausforderungen an mich selbst – das alles war dieser einzigartige Moment wert. Den restlichen Weg nach Deià kam ich nicht drumherum ständig zu grinsen. Ich genoss es, dass ich in dem Moment einfach allein auf der Straße war.

Fahr dein Tempo!

Die anderen fuhren mit ihren Rennrädern wie üblich etwas weiter vor mir und ich hatte gelernt, mir meine Kraft so einzuteilen und in meinem eigenen Tempo zu fahren. Das störte mich kein bisschen. So konnte ich mich besser auf mich, mein Fahrrad und meinen Körper konzentrieren, besser meine wunderschöne Umgebung wahrnehmen und hechelte nicht einem Tempo hinterher, das nicht meins war. Und dann war ich schließlich bei den anderen im malerischen Ort Deià und hatte mir mein Eis redlich verdient :-). Und Wasser auffüllen natürlich nicht vergessen! Dazu eignete sich die kleine Bar Sa Fonda perfekt. Unter Bäumen und mit einer frischen Limonade ließ es sich dort auf der Terrasse schon ganz gut aushalten.

7. Cala Deià

Der krönende Abschluss des Tages war schließlich der kitschigste, romantischte Ort, den ich in den vergangenen zwei Tagen gesehen hatte. Eine sehr schmale Straße führte kurz vor der Ortseinfahrt nach Deià (von Port de Sòller kommend) runter in eine kleine felsige Bucht, die ganz eingerahmt von rauem Fels und Stein war. Einige badeten hier, andere genossen einfach nur den Ausblick aufs Meer. Ich beobachtete den Himmel, der sich zum Sonnenuntergang in verschiedenen Rot und Pinktöne tauchte. Hier ließ es sich nach einem warmen Sommertag auf dem Fahrrad sehr gut erfrischen und entspannen. Hunger hatten wir natürlich auch.

Wie schön, dass Cala Deià ein hübsches Restaurant mit großer Terrasse direkt am Meer zu bieten hat, in dem es sich sehr gut aushalten lässt. Besonders Fischliebhaber kommen auf ihre Kosten. An einem anderen Ort ließe es sich bestimmt günstiger und qualitativ noch besser dinieren. Aber mit dieser Buchtkulisse kann keiner so schnell mithalten.

 
 
 
 
 
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Looking forward! I’m so grateful for the opportunities I get and so excited and curious what will come next! The two days cycling on Mallorca for @condorairlines have been challenging sometimes but also so wonderful and full of laughter and sunshine! Thanks to the inspiring women I shared the experience with. Hope to meet you again @hayleyjanewarnes, @emmajanelax, @challengesophie and @lindarellade. . . . (Werbung da bezahlte Reise/sponsored journey for video shoot)#condorairlines #lategram #instaevening #mallorca #sunset #cycling #bicyclelove #alaplaya #deya #beachtime #radelmaedchen_unterwegs #instamood #womenonbikes #girlswhoride #cyclingwomen

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Ich komme wieder, keine Frage…

Die Reise auf die Insel und der Dreh waren eine spannende, ereignisreiche und lustige, aber auch fordernde Erfahrung. Faszinierend fand ich, dass mich weniger die Anstiege herausgefordert haben, als viel mehr die Sommertemperaturen beim Radfahren. Meinen Beinen ging es immer gut, meinem Kopf nicht so. Umso wichtiger ist es, sich ausreichend Pausen zu gönnen und Schatten zu suchen, sehr viel zu trinken und nicht vergessen, die Sonnencreme aufzufrischen ;-).

Ich will definitiv wieder auf die Insel. Spätestens dieser Ausflug hat mir Lust gemacht auf mehr Mallorca. Und auf jeden Fall mit Fahrrad!