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Termine, Events, Sehenswertes rund ums Rad ( und allem, was ich vielleicht noch spannend finde)

Hanse Gravel 2019 – Geselliges Graveln durch den norddeutschen Sandkasten, Teil 1

Es war mittlerweile Nacht und dennoch nicht völlig dunkel, als ich meinen Blick über die Felder und in den weiten Sternenhimmel schweifen ließ. Da war immer noch ein Hauch von Licht in der Dunkelheit. Irgendwie beruhigte mich das, als ich dort auf der Bank tief in meinen Schlafsack hineingekuschelt lag. Leichtes Schnarchen ertönte aus einigen Zelten und Biwaksäcken, der um mich herum liegenden Schlafenden. Auch das wirkte auf irgendeine Weise beruhigend. Ich war nicht allein in der ersten Nacht draußen und sollte es auch in den folgenden nicht sein.

Und das war es wohl, womit ich am wenigsten gerechnet habe bei der ersten öffenlichen Bikepacking-Langstreckentour, die ich mitfahren wollte. Denn ich war davon ausgegangen, dass ich den Großteil der knapp 615 km langen Route des ersten Hanse Gravel 2019 allein zurücklegen würde. Entlang des alten Hanseatenweges führt dieser abwechslungsreiche Weg auf den Spuren der Kogge und der Hanse mehr oder weniger entlang der Ostseeküste vom deutschen Hamburg bis ins polnische Stettin.

Das Interesse an dieser Tour war sehr groß. Knapp 180 Leute hatten sich für die Bikepacking-Selbstversorgungsfahrt Ende April 2019 registriert. Bei vergleichbaren deutschen Events waren es meist um die 50 bis 60 Teilnehmende. Vielleicht, weil die Tour durch die geringeren Höhenmeter zunächst einsteigerfreundlicher wirkt? Doch wer auf eine gemütliche Kaffeefahrt mit ein wenig Kiesel gehofft hat, wurde schnell eines besseren belehrt. Der Hanse Gravel mag vielleicht keine richtige Bergtour beinhalten, doch auch im hohen deutschen Norden lassen sich ein paar Höhenmeter sammeln. Und diese Hügel gehörten dann zu den geringeren Herausforderungen.

Viel mehr erwartete die Teilnehmenden eine kunterbunte Mischung aller Untergründe, die man sich so vorstellen kann. Von gravelligen Feldwegen mit kleinen Kieseln und faustgroßen Steinen, über alte Lochbetonplatten, matschige Waldwege, sandkastenartige Abschnitte, über Kopfsteinpflaster unterschiedlichster Qualitäten, sowie asphaltierten Straßen und Fahrradwegen war alles dabei. Nicht zu vergessen der Wind, der mal von vorn oder von der Seite eher Bremswirkung erzeugte und glücklicherweise aber auch des Öfteren von hinten ordentlich Antrieb bot. Manchmal gab es auch Anstiege mit Sand und Kieseln und Wind. Es war also für jeden was dabei^^. Doch egal wie der Untergrund am Ende war, die Landschaft war einfach atemberaubend schön und die gesamte Route ein wahrer Augenschmaus!

Tag 1 auf der Hanse Gravel Route: Und ab geht die Fahrt!

Gestartet wurde am 25.04.2019 im Hamburger Elbpark Entenwerder in traumhafter Lage direkt an der Elbe. Dort durfte ich bereits am Vorabend einige bekannte Leute wiedersehen und neue Gesichter kennenlernen. Ein paar hatten auch im Park genächtigt. Am Donnerstagmorgen sammelten sich schließlich nach und nach die Teilnehmenden im Café auf Entenwerder zum gemeinsamen Frühstück und entspannten Start gegen 10 Uhr.

Ich war aufgeregt. Sehr. Es war toll, so viele Bekannte wieder zu sehen, sich auszutauschen, in der Sonne zu hocken und noch einen entspannten Kaffee zu schlürfen. Aber schließlich konnte ich es kaum erwarten endlich loszufahren! Und das geschah dann auch sehr schnell und irgendwie überraschend. Waren da schon welche vorher weg? Der große Stau beim Start fiel jedenfalls aus. Auch, wenn eine recht große Gruppe sich nun auf in den Hamburger Verkehr machte, um gen Norden die Stadt zu verlassen, lief alles recht geordnet und unkompliziert.

Zusammen mit Phil, den ich ewig nicht gesehen hatte, und ein paar anderen ging es gegen 10 Uhr wirklich aufs Rad und der erste Hanse Gravel nahm seinen Lauf. Cap #58 rollte an und konnte übrigens während der Tour via Spotwalla verfolgt werden. Das Feld der Mitfahrenden zerzog sich spätestens durch die Ampeln in der Innenstadt, an der ich schließlich auch den Anschluss zu Philipp verlor. Entlang der Alster und raus aus Hamburg war ich allein unterwegs. So allein, wie man eben sein kann, wenn mehr als 150 andere Radfahrende zur gleichen Zeit auf dem gleichen Track unterwegs waren. Ich war hin und her gerissen, ob ich weiterhin Tempo machen sollte oder eher gemütlicher diese wirklich traumhaft schöne Route entlang der Alster genießen sollte. Ich entschied mich für eine Kombination aus beidem.

#dertrackistdertrackistdertrack

Das ständige Absteigen aufgrund von Treppen an Flussuferweg noch in Hamburg sorgte für Entschleunigung und bei zahlreichen Fußgängern an diesem sonnigen Frühlingstag oft für ein Kopfschütteln. Warum nahmen diese Rüpelradler nicht einfach den leichteren Radweg an der Straße weiter oben? Ich sollte mich später noch des Öfteren fragen, warum ich nicht die glatte Parallelstraße nahm und stattdessen lieber mit dem Rad übers Feld hoppelte. Aber: #dertrackistdertrackistdertrack!

Eine kleine Fliege fand den Weg in mein Auge und drückte neben der Kontaktlinse herum. Ich versuchte mich während der Fahrt davon zu befreien, war mir aber nicht sicher, ob ich es geschafft hatte, den Störer in meinem Auge zu erwischen. Doch ich wollte nicht anhalten. Ich wollte fahren, in die Pedale treten, meine Beine spüren, um das Rad dann wieder rollen lassen und erneut kräftig zu pedalieren. Die Fliege musste bis zur ersten Pause warten.

Immer weiter in Begleitung

Ich fand Anschluss an ein paar Leipziger, unter denen auch ein weiteres Veloheld IconX am Start war. Caros rote Rakete war ebenso wie meine Libelle ein Augenschmaus und auch sonst fühlte ich mich in der Gesellschaft der Anderen ganz wohl. Vor allem als wir nach knapp 40 km bereits an einem Gutshof hielten und den ersten Kuchenstopp einlegten. Dort trafen wir auch auf andere Hanse Graveller. Ich freute mich sehr, als kurz darauf Martin eintraf, den ich bereits auf der Gravelspartakiade in “echt” kennenlernen durfte und am Start aus den Augen verloren hatte. Auch Michael blieb zunächst bei uns. Mein Retter in der Not hatte mich kurz zuvor wieder aufgerichtet, als mein Rad mich beim zur Seite kippen, halb begraben hatte. Mein Versuch, ohne richtig abzusteigen über einen Baumstamm zu klettern, war nämlich grandios gescheitert…

Von da an radelten wir als Gruppe weiter. Während einige der Leipziger immer mal wieder “ballernd” verschwanden, rollten wir anderen gleichmäßig durch die Frühlingslandschaft. Der grellgelbe Raps strahlte im Kontrast zum leuchtendblauen Himmel und das frische Grün der Bäume harmonierte perfekt mit dieser natürlichen Farbgewalt. Ich kam nicht umhin, mich öfter einmal seufzend umzuschauen und diese tollen Ausblicke zu genießen. Schön war dieser Streckenabschnitt. Sehr schön. Auch, wenn es immer wieder hoch ging und anstrengender wurde, fuhren sich doch selbst die Kieselwege sehr gut.

Fotostopp mit Aussicht

Ich gab mir Mühe, regelmäßig die Sonnencreme aufzufrischen. Es war recht warm in der Sonne und über 20 °C und die stetige Bewegung ließen mich langsam ins Schwitzen kommen. Am Nachmittag hatte ich leichte Kopfschmerzen und vermutlich wieder zu wenig getrunken und gegessen. Zum Glück bekam ich das in den nächsten Stunden und Tagen besser in den Griff. Doch die Aussichten waren die Anstrengungen wert und das Schieben ab und zu, trainierte auch die Arme gleich noch mit ;-). Der ein oder ander Fotostopp musste natürlich auch sein. Und wenn er nur eine Ausrede zum Durchatmen und Luftholen nach einer kleinen Kletterpartie darstellte – oder, um die anderen beim Schieben zu fotografieren^^.

Die erste Tagesetappe auf der Hanse Gravel Route führte mich von Hamburg über zahlreiche kleine Orte nach Lübeck. Von dort ging es auf schmalen, ruckelnden Pfaden entlang der Trave durch teilweise sehr beschauliche kleine Fischerorte. Die Ausblicke waren genial, aber die Wegqualität mehr als fragwürdig. Die teils kaputten Pflastersteine zerrten ordentlich an den Kräften und Handgelenken. Die Shuttlebuspause kam da ganz recht und der Einstieg verlief ohne langes Warten. Der Bus mit Fahrradanhänger brachte Fußgänger und Radfahrende kostenfrei und unkompliziert durch den Herrentunnel. Von dort ging es für uns mit dem Rad weiter nach Travemünde und mit der Fähre rüber nach Priwall.

Radelmädchen und die drei bis fünf M

Meine Begleitung wechselte ab und an, doch bis zum ersten Abend bildete sich eine Gruppe heraus, mit der ich unerwarteterweise bis zur Ankunft in Stettin zusammenbleiben sollte: Radelmädchen und die drei bis fünf M. Manchmal ging ein M auf dem Weg verloren, wurde aber dann durch ein anderes ersetzt oder gesellte sich später freudig wieder hinzu. Am vorletzten Abend nahmen wir schließlich noch A auf, welchen wir unterwegs immer mal wieder in Begleitung eines bekannten Hamburger Fahrrad-Influencers 😉 getroffen hatten. Wir haben A schließlich aufgund gegenseitiger Sympathie und guter Eingliederung bis Stettin behalten. B war nur am vorletzten Tag bis zum Abend dabei. Umso größer war die Freude, sie heil und gut angekommen am Sonntagabend in Stettin wiederzutreffen!

So wurde aus der Ich-zieh-mein-Ding-durch-Selbstversorgungstour eine Gruppendynamische-Genusstour, auf der ich so viel gelacht habe, wie schon lange nicht mehr beim Radfahren. Egal wie wurzelig und wirklich unangenehm holprig der Weg wurde, egal wie bescheiden und anstrengend der knöcheltiefe Sand am Ende des ersten Tages war, wir sind da zusammen durch. Mein Rücken schmerzte, mein Hintern war irgendwann wund von der Wärme und dem Satteldruck und die Hände hatten Druckstellen. Doch die gemeinsamen Stärkungs-Pausen vorm Discounter, die viel zu gewürzten Pommes auf dem Rewe-Parkplatz zum Abendessen und das Bierchen am Abend mit Schnack und Ausblick ließen mich schnell darüber hinweg sehen.

Innerhalb kürzester Zeit harmonierten wir sehr gut zusammen, akzeptierten und amüsierten uns über die Sonderbarkeiten der anderen. Sicher gab es Momente, in denen ich mal kurz genervt war oder einfach weiter wollte (Nahrungsaufnahme half da meist schnell wieder drüber hinweg!). Doch im Großen und Ganzen machte genau diese bunt gemischte Truppe zusammen mit der wunderschönen Landschaft, den Hanse Gravel 2019 für mich zu dem einmaligen Erlebnis, das es am Ende war. Und sie sorgte dafür, dass ich das Essen während der Reise nicht vergaß.

Nachtlager am Wegesrand

Apropos Essen: Mein Plan für den ersten Tag war, bis nach Grevesmühlen zu fahren, dort einzukaufen und dann ein feines Futter- und Schlafplätzchen zu finden. Knapp 150 km sollten dann auf dem Tacho stehen, was genau dem entsprach, was ich mir so locker vorgenommen hatte.

Nach dem Einkaufen war es mittlerweile kurz nach 20 Uhr und Ziel war es, noch im Hellen einen Lagerplatz für die Nacht zu finden. Also ging es zunächst raus aus der Kleinstadt. Der Plan noch schnell in einen See zu hüpfen, wurde jedoch aus Zeitgründen verworfen. Feuchte Tücher und Katzenwäsche mussten reichen um Sand und Schweiß des Tages abzuspülen. Und davon gab es reichlich dank der trockenen Wege, dem Wind und dem Traktor, der uns den halben Acker vor die Räder und in die Gesichter gepustet hat.

Dafür konnten wir noch in der Dämmerung unsere Räder paralell zu einer langegzogenen Treppe den Berg hinauf schieben. Am Gipfel wartete ein kleiner Aussichtsturm, der sofort als Nachtlager festgelegt wurde. Und wir waren nicht allein mit dieser Idee. Schlussendlich schliefen bestimmt 12 Leute am Fuße und auf der Turmplattform. Da dieser Ort direkt am Track lag, konnten wir auch viele Lichter von anderen Gravellern in der Dämmerung vorbeiziehen sehen. Selbst mitten in der Nacht kamen noch drei müde Radfahrende hinzu (Die erste Begegnung mit A nach dem Start, noch im Schlepptau mit H und C).

Danke an Marcus d. für das Treppenfoto

Feierabend, Tag 1

Und so war der erste Tag geschafft. Schlafsack und Biwaksack lagen auf einer Luftmatratze kuschelig auf einer Bank und windgeschützt hinter dem Aussichtsturm. Ich brauchte noch einen Moment, bis ich wirklich schlafen konnte, zu aufregend war der Tag gewesen. Doch ich schlief schließlich relativ gut, ohne zu frieren. Mit Anfahrt nach Entenwerder waren es 165 km gewesen, die ich mit dem Rad zurückgelegt hatte. Knapp 9 Stunden hatte ich im Sattel verbracht und ca. 800 hm erklommen. Gut, für den ersten Tag 🙂 und mehr als ich zu hoffen gewagt hatte.

Hamburg-> Bad Oldesloe-> Lübeck-> Travemünde-> Grevesmühlen: ca. 150 km, Durchschnitt ca. 18 km/h


tbc.

Reisevorbereitung: Hanse Gravel Vorfreude & die Kunst des Packens

Am Vormittag des 25.04.2019 werden erstmalig rund 170 Bikepacking-Enthusiasten von Hamburg aus aufbrechen, um auf dem Hanseatenweg auf den Spuren der Hanse bis ins polnische zu Stettin radeln: Der Hanse Gravel 2019. Und ich werde mittendrin dabei sein! Die Aufregung steigt, die Vorfreude auch. Es ist nicht nur die Freude auf den deutschen Norden und die wunderbare Strecke durch Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern, die mich lockt. Viel mehr werde ich zumindest vor dem Start hoffentlich einige bekannte Gesichter antreffen, worauf ich mich sehr freue. Die Mitfahrenden der Gravel-Selbstversorgungsfahrt werden nämlich aus ganz Deutschland und teilweise aus anderen europäischen Ländern nach Hamburg kommen.

Die zur Tour passende Facebook-Gruppe und die vielen Diskussionen und der Austausch darin, lassen mich nur ungeduldiger werden. Gesprochen wird natürlich vor allem darüber, was mitgenommen werden soll oder wie das Fahrrad-Setup aussieht. Und übers Wetter. Und die Routenführung. Das Übliche also.

Was mit muss, muss mit – Packen leicht gemacht

Ganz klar, den Hanse Gravel werde ich mit Libelle fahren. 43mm Bereifung sollte hoffentlich auch für die sandigen und steinigen Untergründe ausreichen. Wenn da nur nicht wieder das Packen wäre… Ich gestehe, dass mich das ganze Zusammensuchen der Dinge, die ich vermutlich auf einer Radtour brauchen werde, doch ziemlich nerven kann. Seit ich nicht mehr mit klassischen Reiseradaufbau und hinteren Gepäckträger reise, hat sich die Liste der Dinge, die mitkommen zum Glück reduziert.

Doch am Ende ist es doch immer viel Kleinkram. Jedes mal wäge ich ab, was ich wirklich brauche. Langsam habe ich es aber doch raus – denke ich. Zumindest habe ich bei der letzten Reise festgestellt, dass ich selbst bei kurzfristiger Planung halbwegs gut packen kann. Bis auf die Werkstattutensilien und zwei Kleidungsstücke, hatte ich bei der Prag-Spreewald-Tour Anfang April 2019 auch tatsächlich fast alles genutzt.

So lange ich mein Rad noch tragen kann, passt das mit dem Gepäck:-D. Bild von Florian Ebert.

Das ist schonmal ein gutes Zeichen. Zum Hanse Gravel übe ich mich dann noch darin, die vorbereitete Packliste auch wirklich abzuarbeiten, damit nicht wieder so etwas Essenzielles wie die Stirnlampe zu Hause liegen bleibt. Je nach Wetterbedingungen (und die sehen momentan sehr gut aus), bleibt dann außerdem einiges an Kleidung im Schrank. Und das ist es. Keine Hexerei und kein Kocher ;-). Also vermutlich nicht. Das muss ich noch mit mir ausdiskutieren. Auf jeden Fall möchte ich unter freiem Himmel schlafen und setze voll und ganz aufs Biwakieren: Schlafsack, Isomatte, Bivvy – und raus in die Natur!

600 und ein paar Zerquetschte

Auch wenn ich nicht akkurat plane, wann ich wo sein möchte, oder wie viele Kilometer ich schaffen werde pro Tag, so habe ich mir doch meine Gedanken gemacht. Die Strecke ist knapp 610 km lang und folgt der alten Handelsroute der Hanse: Der Hanseatenweg ist eigentlich ein Wanderweg. Daher dürfen sich die Hanse Graveller wohl auf abwechslungsreichen Untergrund einstellen. Dementsprechend werde ich mal mehr, mal weniger Kilometer pro Stunde schaffen. Doch soll es mir wirklich darum gehen? Der wundervolle deutsche Norden bietet so einige schöne Landstriche und es ist doch viel zu schade, da einfach nur hindurchzujagen.

Versteht mich nicht falsch, der Hanse Gravel ist kein Rennen! Somit habe ich gar nicht den Antrieb, schnellstmöglich anzukommen. Es ist einfach eine Bikepacking-Selbstversorgungsfahrt, die René Fischer, ein erfahrener Langstreckenradler ins Leben gerufen hat. Er hat das ganz Organisatorische erledigt, den Track geplant und verfeinert, sowie die Kommunikation mit den Mitfahrenden übernommen. Fahren muss jeder Teilnehmende allein und sich dabei auch selbst organisieren. Es wird dennoch spannend, welchen Anspruch die einzelnen an sich und die Tour haben. Einige werden sicher bereits am Samstag in Stettin eintreffen und dann entweder nach Berlin weiter radeln oder mit dem Zug in die Hauptstadt zur VELO Berlin düsen. Dort wird es eine HEROINES & HEROS OF CYCLING LOUNGE geben. 2018 gab es eine Candy B. Graveller Lounge, die einige Blicke auf sich zog. Diese Tour endete allerdings auch genau auf dem Tempelhofer Flugfeld.

Routenplanung und die Sache mit der VELO Berlin

Und was habe ich nun vor? Im Prinzip einfach losfahren und schauen, wie weit ich pro Tag komme. Mein Anspruch wären ca. 150 km/Tag zu schaffen. Dann wäre ich also Sonntagabend etwa in Stettin. Oder ich lasse mir Zeit und fahre langsamer und bis Montag. Nun kommt das ABER: Ich habe bisher noch nie vier Tage am Stück so viel Strecke zurückgelegt und ich möchte zur VELO Berlin. Diese findet vom 27.-28.04.2019 in den Hangars des Flughafen Tempelhof statt. Und da haben wir den Haken: Sonntagabend ist die Messe schon vorbei. Eine Weile hat mich das sehr gestresst, weil ich natürlich wieder nichts auslassen möchte und ich auf dieser Messe ebenfalls einige Menschen treffen wollte. Aber ich habe keine Lust auf Stress. Das Ganze soll nämlich vor allem eins: Spaß machen! So habe ich für mich zwei Szenarien überlegt und werde ganz spontan etscheiden – je nachdem wie ich voran komme und wie es mir geht.

  1. Variante: Die VELO Berlin gibt es auch nächstes Jahr wieder. Im Grunde verpasse ich nichts und es wird noch andere Gelegenheiten geben, egal wie gern ich dabei sein möchte. Ich bin draußen auf dem Rad und das ist genau das, was ich genießen möchte – ohne Verpflichtungen und Termine! Also fahre ich den Hanse Gravel durch.
  2. Variante: Ich schaue, wie weit ich bis Samstagabend komme. Falls ich es bis Stralsund oder Greifswald schaffe, kann ich dort gemütlich in den Regionalzug steigen und bis nach Berlin durchfahren. Entspannt, weil ich dann am Sonntag frisch gewaschen und stressfrei zur VELO gehen kann und somit Radfahren und Messe unkompliziert verknüpfen kann. Dann geht es entweder Sonntagabend oder Montagfrüh wieder zurück und ich fahre die Strecke zu Ende – optional bis Berlin zurück. Oder radle das fehlende Stück einfach ein anderes Mal.

Kommt ihr mit?

Easy, oder? Von daher: Ich kann es kaum erwarten in den Norden zu fahren und wieder auf dem Rad zu sitzen! Mittwochvormittag steige ich in den Zug nach Hamburg, mache mir dort noch einen gemütlichen Tag, damit ich frisch und ausgeruht am Donnerstag die Tour starten kann. Und egal für welche Variante ich mich am Ende entscheide, es wird hoffentlich eine gute Zeit werden! Kommt ihr mit? Dann schaut auf jeden Fall ab dem 24.04. regelmäßig auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Dort werde ich sicher in den Stories und auch im Feed ein paar Eindrücke der Reise zum Besten geben

Verfolgen lässt sich die Tour übrigens auch per Dotwatching. Das heißt, einige der Mitfahrenden werden ihr Vorankommen aufzeichnen lassen. Auf der Online-Karte kann man dann einen alle paar Minuten aktualisierte Standort dieser Personen verfolgen. Das steigert die Spannung und lässt die Daheimgebliebenen ein wenig mehr an der Reise teilhaben.

kolektif Berlin Bike Fair 2019 – Aus Liebe zum Fahrrad

“A collective is a goup of entities that share or are motivated by at least one common issue or interest, or work together to achieve a common ojective”

Campbell McConnel: Studyguide for Economics, Content Technologies Inc. 2016
Dieses Zitat schmückte nicht nur eines der großen Banner, die inmitten der langgezogenen Halle des Motorwerks in Berlin Weißensee von der hohen Decke hingen. Auch auf dem Veranstaltungflyer der kolektif Berlin wurden die Worte deutlich hervorgehoben. Sie stehen für den Grundgedanken hinter der neuen Messe rund um das Thema Fahrrad, welche vom 08.-10.03.2019 erstmalig stattgefunden hat.*

HINWEIS: Enthält Werbung/Markennennungen ohne Auftrag. Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive.


Nach Absage der Berliner Fahrradschau im Dezember 2018 war da eine Leere geblieben. Die Messe, die über 9 Jahre mit so viel Liebe zum Detail und Atmosphäre Fahrradfreaks, Liebhaber und Neugierige angezogen hat, erlebte ihr 10-jähriges Jubiläum nicht mehr. Doch dann entstand da plötzlich etwas Neues: Die Macher der RAD RACE Rennserien (Last Wo/man Standing, Tour de Friends) fühlten sich berufen, sich an einem für sie ganz neuen Thema zu versuchen. Sie wollten eine Fahrradmesse auf die Beine stellen.

*Eine für alle.

Es sollte eine unabhängige Messe für Menschen mit der gleichen Liebe zum Rad werden wie RAD RACE sie hat. Jeder, der etwas zum Thema Fahrrad zeigen wollte, sollte auch die Gelegenheit bekommen – ob kleines Label oder große Marke. Tadaaa: kolektif Berlin Bike Fair entstand innerhalb von drei Monaten. Sie bot am Ende knapp 70 Ausstellern aus den Bereichen Fahrrad, Accessoires fürs Rad, Fahrradbekleidung für Sport und Alltag, aber auch Initiativen und Gruppen rund ums Fahrrad Platz. Das große Highlight war sicherlich am Samstagabend die RAD RACE Last Wo/Man Standing-Rennserie mit GCN-Livestream auf der Mobi Kart Bahn in Berlin-Hohenschönhausen.

Abgerundet wurde die kolektif Berlin durch ein Vortrags- und Ausfahrtenprogramm, dem Internationalen Cargobike Rennen (Winter Edition), Food Trucks, gutem Kaffee und einem DJ. Der Eintritt erfolgte auf Spendenbasis. Das Motorwerk Berlin bot den perfekten Rahmen und war für eine Messe mit dem Hintergrund nicht zu groß, durch die Lichtgestaltung und die Galerie einladend und gleichzeitig industriell, szenig. Eine für alle.

Freundliche Übernahme – Social Media für eine Fahrradmesse

Ich war vorab natürlich sehr neugierig. Das Ende der Berliner Fahrradschau war nach der letzten Messe 2018 absehbar. Doch die Fußstapfen waren für eine “Nachfolgermesse” schon sehr groß. Konnte die kolektif Berlin ihre Versprechungen halten? Zumal RAD RACE keine Erfahrungen im Messebereich vorweisen konnten, wohl aber im Veranstaltungssegment. Die Kontakte zur Szene sind natürlich auch nicht zu verachten. Auf jeden Fall schien es, als wäre Unterstützung willkommen. Ehe ich mich versah, übernahm ich nach ein wenig Austausch für das Messewochende die Social Media-Aktivitäten auf dem Facebook und Instagramkanal! Ok! Wird schon schief gehen… (*kurz mal an dieser Stelle Aufregung, Unruhe und Unsicherheit eingeschoben).

Pic by Arturs Pavlovs

Es dauerte einen Moment. Doch schließlich fühlte ich mich am Freitagabend langsam ein – nach der Eröffnung der Messe durch Rose Bikes. Stück für Stück bereitete ich mich für die kommenden zwei Tage vor, schaute nach dem Rahmenprogramm und plante Beiträge. Das Wochende verbrachte ich damit, über die Veranstaltungsfläche zu wuseln. Ich sprach mit Ausstellern, machte Fotos und Stories und kommunizierte mit den offiziellen Fotografen.

Es war viel und fordernd, aber ich hatte eine ganze Menge Spaß dabei. Das lag wohl ebenso daran, dass ich das ein oder andere bekannte Gesicht traf und neue tolle Menschen kennenlernen durfte. Auch wenn sicher nicht alles perfekt getimt war, bin ich am Ende doch ganz glücklich mit meiner Arbeit gewesen. Luft nach oben ist ja immer, ne ;-)?

Eindrücke – davon eine ganze Menge

Für mich war die Mischung an Ausstellern ziemlich gut, da aus fast allen Bereichen Marken und Produkte vorhanden waren. Es folgen ein paar meiner Eindrücke vom Wochenende, angefangen mit den Fahrrädern:

Bikes

Accessoires für Radfahrende

Mode rund ums Radfahren

Die Auswahl an Fahrradbekleidung war für eine Messe dieses Umfanges ziemlich groß, was ich sehr begrüßt habe. Ob für die Stadt oder die nächste sportliche Ausfahrt, es war für jeden und jede was dabei.

Ganz klares Highlight für mich: Super Vision, ein nachhaltiges Label für urbane Streetwear zum Radfahren. Verarbeitet werden möglichst umweltfreundliche und teilweise recycelte Materialien. Die nachhaltige Produktion erfolgt in Zusammenarbeit mit der Fair Wear Foundation und in der eigenen Fabrik in Vietnam. Ich habe mit Designerin Linda gesprochen und mich sogleich in die Shorts der minimalistisch designten Kollektion verliebt. Die Details, wie reflektierende Elemente und stretchige Stoffe sprechen für sich. In meinem Bike Citizens Artikel über Nachhaltige Fahrradbekleidung, habe ich Super Vision bereits vorgestellt.

Und wird es weiter gehen? Sollte es? Ein Fazit.

Tja, objektiv kann ich die Messe wohl nur schwer betrachten. Zu sehr war ich durch meine Social Media Tätigkeit involviert, wenn auch nur am Veranstaltungswochenende. Ich würde mich zunächst natürlich freuen, so etwas wieder machen zu dürfen – denn es war eine tolle Erfahrung für mich. Von daher Danke für das Vertrauen (Ingo, Florian, thx!) Doch lohnt sich der Besuch der kolektif Berlin?

Mit dem neuen Aufschwung der VELO Berlin, die nun auch immer mehr den szenigeren, kleinen Marken Raum bietet, kann die kolektif Berlin nur außer Konkurrenz laufen. Die Erfahrung und die Größe der VELO ist schwer zu schlagen. Doch muss es immer so groß sein? Denn gerade die Begrenztheit der Fläche war tatsächlich ein großer Vorteil der Messe. Man war nicht gleich überfordert von aberhunderten, gleichförmigen Produkten. Jede Marke war speziell und einzigartig – auch die großen wie Oakley oder Rose. Der Gemeinschaftsgedanke darf meines Erachtens gern noch etwas stärker heraus kommen. Der Eintritt erfolgte auf Spendenbasis. Aber war den Besuchern wirklich klar, wie wichtig diese Einnahmen aus Eintrittsgeldern und auch Lebensmittelkonsum auf der Veranstaltung sind, damit ein solches Event kein Minusgeschäft wird und wieder stattfinden kann? Das darf mehr betont werden!

Die Atmosphäre war toll, die Lage leider etwas ab vom Schuß, auch wenn das Motorwerk wirklich eine großartige Location ist. Wenn man sich Zeit nimmt zu Stöbern, zum Beispiel Lust hat, mit den Ausstellern in Ruhe ins Gespräch zu kommen, dann spielt die kolektif Berlin ihre Trümpfe aus. Denn dafür ist Zeit und Gelegenheit. Das Rahmenprogramm war etwas klein, die Vorträge jedoch spannend und die Ausfahrten für verschiedene Geschmäcker und Radgattungen geeignet. Also Luft nach oben, aber definitiv alles richtig gemacht! Hut ab!

P.S. Auf Instagram werde ich die Interviews, die ich mit den Ausstellern für die Stories geführt habe, in einem Highlight zur kolektif Berlin noch einmal aufnehmen. Schaut also gern mal rein!

Coffeeneuring Challenge 2018

It’s that time of the year again! Die Coffeeneuring Challenge geht in die achte Runde. Vom 12.10.2018 bis zum 25.11.2018 läuft die schönste Herbstchallenge erneut und motiviert an sieben Wochen im Herbst noch einmal mehr aufs Fahrrad zu steigen und eine gemütliche Runde zu drehen.

Das erste Mal habe ich im Jahr 2016 von der Coffeeneuring Challenge gehört und fand die Idee großartig. Es geht schließlich darum, auch in der kühleren und tendenziell nassen Jahreszeit eine Motivation zu haben doch wieder öfter mit dem Fahrrad zu fahren (nicht, dass ich das sowieso nicht schon gemacht hätte ;-)). Kann ja keiner was dafür, dass der Herbst so golden ist und man eh ständig draußen unterwergs sein möchte^^. Also rauf aufs Rad, einkaufen, sich mit Freunden treffen und alles mit einem Kaffee oder ähnlichem Heißgetränk plus Kuchen, Waffeln, Eis ausklingen lassen und zurückradeln! Easy oder? Das tolle: Es sollen sieben verschiedene Locations angefahren werden. Ich finde diese Motivation super, da ich so auch neue Orte und Ecken in meiner Stadt kennenlerne. Außerdem gilt die Challenge weltweit – auch im Urlaub in Italien oder sonstwo.

Hier nochmal die Regeln.

Eckpunkte:

Dieses Jahr findet die Coffeeneuring Challenge von Freitag, 12.10.2018 bis Sonntag, 25.11.2018 statt.

  • 7 Tage in rund 6 Wochen an 7 verschiedenen Locations, d.h. ein Café, ein Restaurant oder ein Park etc.
  • mit dem Fahrrad mindestens 3,22 km ( 2 Meilen) zurücklegen, um zu dem Ort zu gelangen (insgesamt für Hin- und Rückweg)
  • max. ein Ort pro Tag und max. zwei Orte in der Woche (Die Woche geht dieses Mal von Freitag bis inklusive Donnerstag in der Woche danach.)
  • dort einen Kaffee, heiße Schokolade, Tee oder ähnliches zu sich nehmen
Dokumentation:
  • ein Foto vom Shop/Getränk/Fahrrad machen mit Vermerk, wann man was, wo getrunken hat (Datum, Ort, Getränk)
  • Detail zur Location ( Besonderheit des Ortes, Streckenbeschaffenheit, Abstellmöglichkeiten etc.)
  • Kilometerstand
  • posten auf Instagram oder Twitter unter dem Hashtag #coffeeneuring #coffeeneuring2018; in der Facebook Gruppe Coffeeneurs oder auf dem eigenen Blog
  • bis zum 01.12. die Dokumentation an Coffeeneuring Challenge schicken

Alle weiteren Rahmenbedingungen und Infos zu Auszeichnungen finden sich auf der Seite Coffeeneuring Challengevon Mary aus Washington, die die Challenge vor acht Jahren das erste Mal gestartet hat.

 

Die Gravel Spartakiade 2018 – Radelmädchen auf Abwegen

Schotter, Kiesel und Sand, Tannennadeln, Äste, Bäume und Wurzeln, Wespennest, Kuhweide und hohes Gras – die Untergründe und Hindernisse der ersten Gravel Spartakiade von Veloheld waren vielfältig. Mehr als einmal gingen mir Flüche über die Lippen, musste ich vor Kurzatmigkeit kurz anhalten und ohne Schmerztabletten ging es am Ende auch nicht. Es war sehr intensiv, noch herausfordernder als erwartet und seeeeehr lehrreich. Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall!

Es war Samstagmorgen, kurz vor halb fünf. Mein Zug ging erst um 07:16 Uhr und ich war viel zu früh wach. Ich wälzte mich im Bett hin und her und als ich schließlich aufstehen wollte, war es eine Minute vorm Wecker klingeln. 05:45 Uhr. Viel zu früh. Doch die Aufregung und Erwartungen an das Wochenende schoben mich an und hielt mich auch den ganzen kommenden Tag bis kurz nach Mitternacht wach.

Ich war schnell fertig geduscht und angezogen. Gleich rein ins Fahrradoutfit. So wenig Sachen wie möglich mitnehmen, war die Devise. Auch einen Versuch doch nochmal etwas umzupacken, ließ ich schnell sein. Die Packliste war bis auf ein paar Ausnahmen so übernommen. Rad geschnappt und auf zum Bahnhof. Voller Vorfreude traf ich Wiebke und, nachdem wir beide Kaffee besorgt hatten, ging es zum Zug. Das Fahrradabteil nach Dresden war ausgebucht. Wie schön, dass wir dort drei weitere Mitstreiter/-innen der Gravel Spartakiade trafen.

Die Zugfahrt verging wie im Fluge und nach einem Meet up beim Bäcker mit André, Martin und Flo ging es raus aus der Dresdener Neustadt zum Showroom von Veloheld. Wir waren früh dran. Doch Stück für Stück trudelten die Teilnehmenden der Gravel Spartakiade ein. Es gab viel zu schauen und zu reden, Set ups wurden bewundert und hinterfragt, Reifen gepumpt und ich wurde immer hibbeliger.

Tag eins: 3,2,1…los!

Endlich! Um kurz nach 12 Uhr brachen wir auf. 50 Startende inklusive immerhin 8 Frauen machten sich auf, um eine Ecke weiter abzusteigen und den steilen Hang auf einen bebäumten Singletrail-Damm hochzuschieben. Das kannte ich schon von meinem ersten und zweiten Besuch im Showroom. Rein in den Stadtwald und die Dresdener Heide. Wunderschön ist es hier, die ganze Strecke sollte viele tolle Ausblicke bringen. Ohne Frage, die Landschaft in der Dresdener Umgebung und in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz ist atemberaubend. Genauso waren auch die ersten Single Trails, die nicht nur zahlreiche Wurzeln und Grasnaben, sondern auch einige umgefallene Bäume zu bieten hatten. Egal. Noch waren wir frisch. Auch wenn wir das große Fahrerfeld gleich am Anfang verloren hatten, weil ich erstmal meinen auf dem Weg verteilten Haushalt wieder einsammeln musste. Doch ich war hoch motiviert.

Zusammen ist es besser

Wir, das waren Wiebke und ich und es war klar, dass wir das zusammen fahren werden! Unsere gemeinsamen Ausfahrten in Berlin waren bisher immer sehr harmonisch verlaufen. Nur leider ging es Wiebke am diesem Samstag gar nicht so gut. Irgendwie lief es nicht. Knapp das erste Drittel bestritten wir zusammen, begutachteten, was die anderen im Wald verloren hatten, lachten und litten. Bis wir uns schließlich trennten, als ich dem Track durch den Wald folgte und sie den direkten Weg auf der Straße nahm, um sich etwas zu schonen. Wir trafen nicht mehr aufeinander, denn sie hatte eine Abfahrt verpasst und sich verfahren.

Schließlich entschied Wiebke nach einem Versuch auf den Track zurück zu kommen, doch abzubrechen. Es war schade. Aber am Ende ist die Gesundheit wichtiger und das was danach noch auf dem Track kam, war definitiv keine Schonkost! Nächstes Mal :-*! Schön war es dennoch, zusammen mit dir in dieses Abenteuer zu starten.

Über Stock und Stein

Ich war nun allein unterwegs und kam weiterhin sehr langsam voran. Längst hatte ich die Hoffnung aufgegeben, noch auf die anderen zu treffen, die mir nun teilweise schon viele Kilometer voraus waren. Der Track führte in Schlangenlinien und nach Höhenmetern suchend in das Dresdener Umland und durch einige kleine Orte hindurch. Doch immer mehr Wald kam hinzu, viele Feldwege und Schotterabfahrten.

Die Täler wurden enger und die Berge höher. Hallo Sächsische Schweiz! Die Route forderte mich sehr heraus. Oft war der Weg eher für ein Mountainbike geeignet, wenn er überhaupt für irgendeine Form von Fahrrad noch befahrbar oder als solcher erkennbar war. Es gab viele Wanderwege. Einige so steil und mit zahlreichen Wurzeln und Steinen, dass an Radfahren schon lange nicht mehr zu denken war. Und dennoch waren die anderen Teilnehmenden der Gravelspartakiade so viel schneller als ich.

Lonesome traveller

Derer Gedanken hatte ich viele, während ich versuchte auf dem Track zu bleiben und das beste daraus zu machen. Ja, ich war das gewohnt. Ich fahre auch gern allein. Doch irgendwie wollte ich das dieses Wochenende nicht. Dafür war ich nicht hier. Zum einen ging es natürlich um meine persönliche Herausforderung. Wie weit kann ich gehen? Schaffe ich das? Und vor allem, was kann ich üben, um fitter zu werden? Will ich überhaupt so schnell durch eine derartig beeindruckende Kulisse rasen? Ich bin Genußradlerin durch und durch. Und ich bin nicht schnell, wenn es um Höhenmeter und komplizierte Wegqualitäten geht.

Zum anderen freute ich mich darauf, diese anderen verrückten Radfahrenden zu treffen, die ebenso gern auf dem Rad sitzen wie ich und mich auszutauschen. Doch die Leistungslevel waren breit gestreut. Die meisten fahren einfach gern und stellen sich immer wieder neuen Herausforderungen auf dem Rad – ohne an sportliche Höchstleistungen zu denken. Doch es gab eben auch jene, die bereits einige Rennen gefahren sind oder Langstreckenfahrten absolviert haben. Doch das war ja kein Rennen hier! Auch wenn ich mir nicht so sicher war, ob es für einige nicht doch eines war.

Ich wollte rechtzeitig ein Dorf erreichen, wo es einen kleinen Laden geben sollte. Doch ich war knapp zu spät und mir wurde auch immer deutlicher bewusst, dass Zeitpläne hier für die Katz waren. Hauptsache ankommen und auf dem Weg zum Ziel möglichst viel sehen und genießen. Das fiel mir zunehmend immer schwerer, doch eine gewisse Sturheit setzte ein. Ich wollte das schaffen und wenn ich als letzte ankommen sollte, dann war mir das egal. Ich fuhr so wie ich es eben konnte. Weg mit den Vergleichen oder auch…

“Erlebnis vor Ergebnis”

(Danke Eva, fürs Erinnern daran!)

Auf Wanderwegen

Besonders in Erinnerung blieb mir dieser Wegesabschnitt: Ich fuhr durch ein wunderschönes Tal auf einem schmalen Pfad entlang eines kleinen Baches. Es raschelte vom Wind in den Bäumen, Moos bedeckte die Steine am Ufer und die Luft roch herrlich frisch. Hier gefiel es mir und ich begann wieder zu lächeln und genoß den Tritt in die Pedale. Dann kam eine enge Fußgängerbrücke, auf die ich das Fahrrad tragen musste. Ich überquerte die Brücke, um auf der anderen Seite vor einem großen, umgefallenen Baum stehen zu bleiben. Er markierte den Anfang eines steilen Wanderweges, bei dessen Anblick ich ungläubig innehielt. Das konnte jetzt nicht wahr sein! Ich schnaufte. Ich schnaufte noch viel mehr, als ich anfangs recht stürmisch und etwas schlecht gelaunt mein Rad den Pfad hoch drückte. Zwischendurch musste ich vor Erschöpfung anhalten und tief Luft holen. Weiter schieben!

Ein Wandererpaar überholte mich. Trotz stieg in mir auf und ich schob weiter. Quälend lang zog sich der Weg durch den Wald, doch schließlich war ich oben angekommen. Noch ein paar Wurzeln und schließlich lichtete sich der Forst und ein mit Schotter ausgekleideter Feldweg, gesäumt von Apfelbäumen lag vor mir. Weiter! Vorbei an den Wanderern. Die Hälfte der Route hatte ich geschafft. Knapp 50 km. Und es war schon 17 Uhr. Mit all den Unterbrechungen und Hindernissen hatte ich knapp 4,5 Stunden gebraucht. Ich wusste nun, dass ich es nicht mehr im Hellen schaffen würde auf dem Campingplatz in Tschechien einzutreffen. Ich schluckte. Hunger kam auf. Unruhe.

#cyclingunites

Mittelndorf hieß das kleine Örtchen rechts von der Kreuzung an der ich nun stand. Bevor ich in den Genuß von ein paar Metern Asphalt kommen sollte, blieb mein Blick nach rechts schweifend am Schild eines Lokals hängen. Viel mehr das Fahrrad, das dort angelehnt stand, weckte mein Interesse. War da eine Satteltasche zu sehen? Ich legte es drauf an und fuhr in die entgegengesetzte Richtung auf das Gasthaus zu – und konnte meine Freude und Erleichterung kaum zurückhalten, als ich dort am Tisch zwei Herren in Radkluft sitzen sah, die ich heute morgen schon getroffen hatte.

Hans und Patrick wollten gerade aufbrechen, doch blieben geduldig bei mir, als ich etwas aus der Puste doch noch eine große Apfelschorle bestellte und eine Portion Pommes hinterher verdrückte. Essen! Keine Riegel oder Gels. Echtes Essen. Diese Pommes mit Ketchup machten mich sehr glücklich. Schließlich füllte ich meine Wasserflaschen auf und schlüpfte in das lange Merinoshirt, denn es wurde langsam frischer. Eine nette Dame trug mir noch meinen Helm hinterher, den ich gedankenverloren am Stuhl hängen lassen hatte. Dann brachen wir auf. Ich hatte etwas Sorge, dass ich schnell hinter meinen Begleitern zurückfallen würde. Doch sie warteten geduldig, wenn ich die Abfahrten etwas unsicher langsamer als sie nahm oder die Berge gemächlicher hochfuhr.

Ich war unglaublich dankbar.

Hi, Tschechien!

Der Weg wurde besser. Wir fuhren durch die Sächsische Schweiz auf einer wunderbar asphaltierten Straße – durch enge, grüne Täler, vorbei an Gasthäusern und einer alten Straßenbahnstrecke. Es war malerisch schön. Ich fühlte mich mitgezogen und heftete immer wieder meinen Blick konzentriert an Hans trainierte Waden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Wir sausten durch die Schlucht und mir ging es so viel besser. Ich hatte jemanden, der mich mitzog und zum Reden. Keine Selbstgespräche mehr. Dafür durften sich die beiden Geschichten von meinem stärker schmerzenden, rechten Knie anhören. Und wir redeten über Fahrräder und deren Konfigurationen. Natürlich. Was sonst?

Da! Die Tschechische Grenze. Ab dort wurde es noch märchenhafter. Der Sandsteinfels ragte in obskuren, imposanten Formen aus dem Wald hervor und der Schotterweg führte mitten durch. Es dämmerte. Doch die Straßen ließ sich immer noch recht gut fahren. Wir erreichten einen kleinen böhmischen Ort in der Abenddämmerung und erfreuten uns an den hübschen alten Holzhäusern. Gesprächsfetzen, als wir an einer Kneipe vorbei fuhren. Die einzigen Menschen, die hier zu sehen waren. Dafür gab es bellende Hunde und Katzen, die auf der Jagd herum streunten.

Ein einsamer Radler in der Nacht

Mittlerweile war es dunkel geworden. Ich war erneut dankbar für meinen Nabendynamo und auch, wenn die Lampe nicht weit voraus strahlte, war sie doch hell und gab mir eine gewisse Sicherheit. Hans Anstecklicht strahlte meterweit die Straße aus und half uns allen sehr in der Dunkelheit. Dann zweigte der Track erneut von der Hauptstraße ab. Ein Stück den Weg rauf sahen wir jemanden am Wegesrand mit seinem Rad stehen. Wieder war ich überrascht und freute mich sehr über das bekannte Gesicht, dass dort auf uns wartete. André stand vor der Entscheidung allein in den dunklen Wald zu fahren, wo der Weg eher wieder einem Mountainbiketrack ähnelte oder sich eine Alternative an der Straße zu suchen. Er war mindestens genauso erfreut, uns zu treffen und gemeinsam machten wir uns auf.

Es war so dunkel. Ich hatte mittlerweile auch noch meine Stirnlampe aufgesetzt und war so froh, diese dabei zu haben. Ich fuhr sehr langsam und mit dem Schein meiner Lichter. Lange hatte ich mich nicht mehr so ängstlich und unsicher auf dem Fahrrad gefühlt wie an diesem Tag. Auch hier waren die anderen schneller. Doch keiner ließ mich allein zurück. Wir fuhren zusammen und ich kann nicht oft genug betonen, wie erleichtert ich darüber war.

Unter Elektrozäunen und über Kuhweiden – Night edition

Doch noch hatten wir es nicht geschafft. Noch irgendwas zwischen 10 und 15 km lagen vor uns als wir plötzlich vor einem Weidezaun standen. Verzweiflung machte sich breit. Wo ging es hier weiter? Es war kein Weg zu erkennen, aber der Track führte unmissverständlich hier entlang. Schließlich zückte ich das Telefon, dass ich seit längerem nicht mehr beachtet hatte und telefonierte, um einen Hinweis zum Weg zu bekommen. Ich entdeckte dabei auch, dass ich einige Nachrichten und Anrufe in Abwesenheit hatte. Mir war nicht in den Sinn gekommen, dass sich andere vielleicht Sorgen machen würden, wo ich steckte. Ich war das Alleinreisen gewohnt, da meldete ich mich nicht ab. Ein schlechtes Gewissen breitete sich aus und Dankbarkeit, dass andere an mich dachten!

Doch zurück zur Kuhweide. Durch diese sollte ein Wanderweg führen, der auch unser Track sein sollte. Kleine Elektroschläge ziepten durch die Jacke, als wir uns gegenseitig halfen mit den Rädern unter dem Zaun durch zu kommen. Später dienten die Räder als Stütze. Drei Mal (!!!) vollzogen wir dieses Prozedere! Und dann war da noch die Weide mit den tiefen Furchen, über die wir bergauf die Räder schieben mussten. Ich war langsam am Ende meiner Kräfte.

Endspurt

Schließlich erreichten wir die Straße und die letzten Kilometer rollten wir größtenteils bergab auf Asphalt. Umgeben von stockfinsterem Wald, leiteten uns nur die Lichter unserer Lampen und die weißen Leitstreifen am Fahrbahnrand. Ein dunkles schwarzes Loch lag vor mir, sobald ich die anderen hinter einer Kurve aus den Augen verlor. Ich sprach mir Mut zu und versuchte nicht völlig ängstlich zu sein, wenn ich mich plötzlich ganz allein auf der Straße in diesem dunklen Wald fühlte. Denn das war ich nicht und wir waren fast am Ziel. Endlich, das Straßenschild: Sluknov…

Die Wärme des Lagerfeuers tat gut, die Gitarrenklänge und das Stimmengemurmel um mich herum auch. Ich war geschafft, erleichtert und noch viel zu wach. So ließ ich mich treiben, unterhielt mich und fühlte mich sehr wohl in diesem Kreis. Denn ich wusste, wir sind alle diesen Weg gefahren, hatten alle die gleichen Herausforderungen durchgestanden. Manche nahmen es leichter, andere hatten mehr an den Hindernissen geknabbert. Wir hatten es geschafft und als ich später meinen Biwaksack (Danke Flo fürs Tarp teilen!) das erste Mal ausbreitete und frisch geduscht in den Schlafsack schlüpfte, war ich nur stolz und glücklich.

Tageskilometer: ca. 104 km

Höhenmeter: irgendwas zwischen 1500 und 1800 hm

Tag zwei: #Forevertheredlantern

Die Nacht war sternreich und frisch gewesen, doch als ich am nächsten Morgen aus dem Biwak blinzelte, zog gerade noch feuchter Morgennebel über das nahegelegene Feld und das Licht war wundervoll. Schnell alles zusammenpacken und frühstücken. Ich hatte großen Hunger! Es dauerte etwas, bis wir alle bereit waren und schließlich in zwei lockeren Gruppen aufbrachen. Diese blieben nicht lange so zusammen und ich fiel schnell nach hinten. Mein Knie hatte schon beim Laufen und Hocken weh getan.

Auf dem Rad waren die Schmerzen noch viel stärker. Ich war dankbar für Patricks Gesellschaft und nachdem die Schmerztabletten gewirkt hatten, konnte ich zumindest halbwegs normal treten. Ich fühlte mich schlecht deshalb, doch anders wäre ich wohl nicht durch den Tag gekommen. Das hieß auch: Zuhause musste ich die Position der Cleats an den Schuhen checken und eventuell noch andere Einstellungen am Rad vornehmen. Schließlich war das die erste lange Tour mit Click-Pedal gewesen und solche Knieprobleme hatte ich noch nie gehabt.

On Gravelroads

Die Strecke war bis auf ein paar Moutainbike-Trails, die es in sich hatten, viel mehr das, was ich mir unter einem Gravelride vorgestellt habe. Leider fand sich auf einem Trail ein Wespennest, was einige Mitreisende mit fiesen Stichen zurückgelassen hat. Gute Besserung!

Viele Schotter- und Feldwege gestalteten den Sonntag. Bergauf und ab mit schönen Blicken ins Tal gefielen mir die Waldabschnitte am zweiten Tage der Gravelspartakiade am besten. Doch der Schotter forderte seine Opfer: Es gab unzählige Platten und auf einem Trail im Wald schließlich ein abgerissenes Schaltwerk.

Geschafft!

Immer wieder traf ich auf ein paar Leute, doch die letzten Kilometer radelte ich schließlich wieder allein. Ich genoß die Ruhe des Waldes, unterdrückte negative Gedanken und versuchte mich nicht zu stressen. Schließlich erreichte ich gegen 15:30 Uhr den Showroom von Veloheld, wo noch ein paar andere Radler saßen und Kaffee und Bier tranken, sich unterhielten und entspannten.

Danke für die Organisation, für die vielen schönen Momente auf der Strecke (die doch noch etwas Feinschliff brauchen könnte) und für das gemeinsame Fahren! Wiebke, André, Hans, Patrick, Flo und Martin (und die anderen, die ich auf der Strecke traf, aber die Namen nicht kenne): Es war mir ein Fest mit euch zu fahren und mich mit euch auszutauschen. Danke für die gemeinsamen Kilometer!

Geschafft! #Forevertheredlantern

Tageskilometer: ca. 62 km

Höhenmeter: ca. 700 hm

Fazit:

Die Strecke war mehr als anspruchsvoll und ist meines Erachtens stark verbesserungswürdig. Oder man macht gleich eine Mountainbiketour draus, dann würde es eher passen ;-). Es gab aber auch viele tolle, landschaftlich einzigartige Abschnitte, die ich gern noch einmal fahren möchte und die ich sehr genoßen habe. Ich habe einiges über mich gelernt. Denn auch wenn ich teilweise wirklich fertig war und an meine Grenzen gekommen bin, es ging immer weiter. Ich wollte, dass es weiter geht! Dieser Wille ist stärker geworden mit der Zeit und hat mich weiterfahren lassen, auch wenn mir eigentlich nach absteigen und hinsetzen war. Wie war das? Es ist vieles einfach nur Kopfsache. Dennoch weiß ich nicht, wie ich ohne meine großartige Begleitung durch die Nacht gekommen wäre. Ich weiß, das ist etwas was ich üben möchte. Ich möchte lernen, nachts auf der Straße durch den Wald zu fahren – zumindest annähernd :-). Denn ich möchte mich meinen Ängsten stellen und mich nicht vor ihnen verstecken!

Gemeinsam ist es schöner und wenn ich wandern will, lass ich mein Fahrrad daheim!

Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall!