Archiv der Kategorie: Radreise: Deutschland

Unterwegs in der Heimat. Es gibt viel zu entdecken, denn Deutschland ist nicht nur landschaftlich vielfältig, sondern auch kulinarisch und kulturell.

8bar Pathfinder Gravel x Road

Unglaublich ruhig und herrlich kühl war es im Wald des Müritz Nationalparks, in dem wir nun unterwegs waren. Das weiche Moos dämpfte jegliche Geräusche, erschwerte aber auch das Vorankommen. Doch es war auch wunderschön hier, märchenhaft und wild. Sanfte Hügel und unzählige Seen gestalten diese unberührt wirkende Landschaft in Mecklenburg Vorpommern. Nur die schmalen Wanderwege, Waldpfade und ab und an ein paar Forstwege teilen die Wälder. Das letzte Stück unserer Anreise während des neuesten Events der Berliner Fahrradmanufaktur 8bar hatte es in sich. Sand und Kiesel verlangsamten die bunt zusammengewürfelt Gruppe: Ein Vorgeschmack auf den 8bar Pathfinder Tag.

HINWEIS: Enthält Werbung/Markennennungen ohne Auftrag. Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive.

Check in bei 8bar bikes & ab nach Brandenburg

Am Freitagmorgen waren wir nach der Gepäckabgabe und der Begrüßung am 8bar Showroom von Berlin aus aufgebrochen. Eingeteilt in Teams von 3 bis 5 Personen konnten wir direkt am 1. Tag des 8bar Pathfinder entscheiden, ob wir die lange, mittlere oder kurze Strecke zum Campingplatz radeln wollten. Die meisten Teams mit den illustren Namen „ Lagerfeuer“, „Kompass“ oder „Ferienlager“ beschlossen, sich den Weg durch den Stadtverkehr zu sparen und fuhren erst einmal mit dem dezent überfüllten Zug raus aus Berlin. So auch mein Frauenteam „Kompass“. Wir wollten es bei den warmen Temperaturen etwas ruhiger angehen lassen und wählten die kurze Streckenlänge mit knapp 90 km. Team Lagerfeuer schloss sich uns an und so verließen wir in Gransee den Zug und radelten raus in den Landkreis Oberhavel in Nordbrandenburg. Unser Tagesziel sollte ein Campingplatz mitten auf der Mecklenburgischen Seeplatte sein.

Bild von Andreas Stenzel

Ich genoss es sehr in solch angenehmer Gesellschaft durch die wunderschöne Landschaft zu radeln. Straßen und Feldwege, Waldpfade und weiche Mooswege standen auf dem Untergrundmenü. Natürlich durfte ein Eis-Stopp nicht fehlen und die Pommes folgten gleich hinterher :-D. Nachdem wir zu früh am Checkpoint angekommen waren, beschlossen wir jedoch, direkt weiter zu radeln. Schließlich hatten wir zuvor schon eine lange und ausgiebige Pause gemacht^^.

8bar Pathfinder – Einstimmung

Gar nicht so schwer, dachte ich mir, als unsere kleine Reisegruppe am Freitagnachmittag auf den letzten Kilometern nur noch einer gestrichelten Linie auf dem Navigationsgerät folgte und relativ problemlos den direkten Weg zum Campingplatz fand. Vielleicht hat auch der Blick auf die lokale Karte geholfen, die einen guten Überblick über Wege und Pfade der Gegend bot. Vielleicht war es aber auch ein Vorteil, dass wir an diesem Tag noch die eigenen GPS-Geräte mit Kartenmaterial und eingezeichneten Wegen nutzen konnten. Das sollte am Folgetag anders werden.

8bar Pathfinder Tag

Der Tag begann für mich wie ich ihn abgeschlossen hatte: mit einem erfrischenden Bad im See, der direkt beim Campingplatz lag. Perfekt. Danach ein entspanntes Frühstück und rauf aufs Rad. Das fühlte sich ein bisschen wie Kurzurlaub an – und das gar nicht weit weg von Berlin. Mir fiel auf, wie lange ich nicht mehr im Müritz Nationalpark war. Schlimm genug, denn es ist einfach wunderschön dort! Auf der Fahrrad-To-Go Liste für nächstes Jahr steht dieser weitläufige Landstrich auf jeden Fall ganz groß geschrieben!

Bild von Andreas Stenzel

Team Kompass machte sich am Pathfinder Tag auf jeden Fall hochmotiviert los, ausgestattet mit zwei Wahoo – Navis, die nur eine dreieckige Linie zeigten, aber keine Karten hinterlegten hatten. Denn nun mussten wir unseren eigenen Weg anhand dieser Luftlinie finden. Die jeweiligen Dreiecksspitzen zeigten die zwei Checkpoints und Start/ Ziel an. Dort sollten wir auch Getränke und etwas zu essen erhalten. Soweit so gut.

Die Regeln:

  1. Mithilfe des Navis den Weg zu den Checkpoints finden und dort kleine Aufgaben erfüllen.
  2. Keine Leute nach dem Weg fragen.
  3. Regionale Karten dürfen angeschaut und abgezeichnet, jedoch kein Foto davon gemacht werden.
  4. Es dürfen nur gekennzeichnete Wege benutzt werden.

Verloren im Wald

Am Anfang nahmen wir es allerdings etwas zu ernst mit der Orientierung an der Linie und versuchten, so nah wie möglich an der auf dem Navigationsgerät angezeigten Route zu bleiben. Schon auf den ersten 10 km gingen wir im Wald des Müritz-Nationalpark verloren und standen schließlich am Ende eines Waldweges, der nicht mehr weiterführte. Und nun? Wir wollten die Wege nicht verlassen, denn schließlich befanden wir uns in einem geschützten Nationalpark! So suchten wir nach einem Pfad, fuhren ein Stück zurück, überlegten, wie wir weiter kommen sollten. Rehe huschten durch das Dickicht. Die Bäume mit ihren hohen, kahlen Stämmen ragten hoch gen strahlend blauen Himmel. Die Sonne schuf immer wieder kleine Lichtinseln ins Moos. Doch der kühle Schatten im Wald tat an diesem warmen Sommertag unglaublich gut.

Team Kompass trug die Räder über Baumstämme, schob sie durch raschelndes Laub und vorbei an saftig, weichem Moss. Nach einer gefühlt ewigen Zeit etwas verloren im Wald, fanden wir schließlich einen Weg hinaus und entdeckten zurück an der Straße endlich auch eine Landkarte. Dort fertigten wir zunächst eine Übersichts-Zeichnung an, um den Weg zum Checkpoint A besser finden zu können. Nun ja, wir waren spät dran, doch schließlich erreichten wir den Ort, der sich an einem der vielen Seen der Mecklenburgischen Seenplatte befand. Doch wir blieben nicht lang und machten uns schließlich auf den Weg zum Checkpoint B, den wir deutlich schneller fanden. Aufgehalten wurden wir höchstens von dem tiefem Sand, der die Waldwege immer wieder schwer befahrbar machte. Aber nun war ich geübt und scheute mich nicht mehr den Sand in Angriff zu nehmen! Einfach weitertreten^^.

Von See zu See

Am Checkpoint B , dem Strandbad eines größeren Sees, wartete schon etwas Verpflegung und Team Lagerfeuer auf unser Eintreffen. Wir hatten uns als einzige zwei Teams für die kurze Strecke des 8bar Pathfinder entschieden und beschlossen gemeinsam, so wie schon am Vortag, den Weg zum Basecamp zurückzulegen. Schön. Denn das war tatsächlich das Tolle am 8bar Pathfinder: Niemand musste allein fahren, alle radelten in Teams. Teilweise kannte man sich vorher schon, teilweise entstanden neue Kontakte.

Bild von Andreas Stenzel

Als wir nach knapp 80 km Tagesstrecke am Campingplatz ankamen, war für mich ganz klar, was ich zuerst machen wollte: Rein in den Bikini und ab in den See. Herrlich! Obwohl das Wasser schon ganz schön frisch war. Nun noch ein Radler und etwas Gutes zu essen (und das Essen war wirklich grandios und frisch gekocht) und der Tag endete perfekt!

Der lange Weg zurück

Am Sonntag brachen wir schließlich ganz unterschiedlich auf. Einige fuhren bereits zum Zug, andere folgten noch dem bereitgestellten Track für den Rückweg nach Berlin. Mein Plan war es, zunächst die kurze Strecke zu fahren und dann je nach Stimmung zu entscheiden, wie es weitergehen sollte. Und so brach ich zusammen mit Team Lagerfeuer auf gen Heimat. Bereits nach knapp 30 km war uns nach einer gemütlichen Pause und zweiten Frühstück bzw. frühen Mittag. So gönnten wir uns erstmal ein paar erfrischende Getränke und Waffeln im Radler Stopp in Wesenberg. Hach, so habe ich es gern…

Auch an diesem sonnigen Sonntag war uns das warme Wetter treu. Die Strecke war ganz grandios, führte teilweise über Straße, teilweise an schmalen Seewegen entlang. Ich konnt einfach nicht genug bekommen. So beschloss ich mit einigen anderen 8bar Pathfinder Teilnehmenden, die wir auf dem Weg zurück getroffen hatten, zumindest bis kurz vor Berlin zu radeln.

Am Ende des Tages und nach einer Zwangsverlängerung aufgrund überfüllter Züge und Schienenersatzverkehr, hatte ich schließlich über 120 km zurückgelegt, war in eine zügige Gruppenfahrt integriert im Windschatten gefahren und hatte selbst welchen gegeben. Ich war ziemlich ko, ständig durstig, ziemlich durchgeschwitzt und sehr staubig – aber auch sehr glücklich.

Bilder von Andreas Stenzel

Mehr über dieses grandiose Wochenende mit Freunden in der Natur findet ihr auch im Blogpost über den 8bar Pathfinder bei 8bar (Achtung, Schleichwerbung ! Diesen Beitrag habe ich nämlich auch geschrieben^^.)

Ruhemomente: Mit dem Fahrrad am Bodensee

Dieser Sommer war einfach wundervoll intensiv und ereignisreich, dass ich gar nicht mehr dazu komme, die ganzen Erlebnisse zu verarbeiten (Luxusproblem, schon klar, aber es stimmt!). Daher wollte ich das Ganze etwas entschleunigen und entschied auf meiner Reise an den Bodensee zur Eurobike 2019, mal einen Tag auszusetzen.

TRANSPARENZHINWEIS: Enthält Werbung/ Markennennungen. Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Kondrauer. Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive, offen und ehrlich.

Ein Tag mag nicht viel sein. Aber bei bestem Spätsommerwetter und am Fuße des herrlich blauen Bodensees mit Blick auf die Alpen, fiel es mir sehr leicht, einfach mal abzuschalten. Mit im Gepäck: Faltrad Brompton Ljómi, die neue Kamera und eine Erfrischung für Zwischendurch. Denn Sonne und Wasser machen durstig und ich trinke chronisch zu wenig…

Mit dem Fahrrad von Friedrichshafen nach Meersburg

In der Vierländerregion Bodensee (Deutschland, Österreich, Schweiz und Fürstentum Liechtenstein) lässt es sich herrlich Radfahren! Um den 63 km langen See führt eine ca. 260 km lange Radroute, die durch wunderschöne (Urlaubs-)Orte und vorbei an Obstplantagen, Weinbergen und historischen Gebäuden leitet. Ganz so weit wollte ich nicht fahren, sondern viel mehr entspannen, tief durchatmen und mich mit ein bisschen Bewegung wach halten :-D.

Los ging die Tour in Friedrichshafen. Die Fahrrad-Route um den Bodensee ist sehr gut ausgeschildert. Hin und wieder ist die Strecke recht schmal und verläuft an der Hauptstraße entlang. Daher lohnt es sich teilweise auch einmal auf die andere Straßenseite zu schauen, wo der Weg oft als Zweirichtungsradweg gekennzeichnet ist. Vorbei an Obstbäumen und Weinpflanzen fuhr ich durch Fischbach über das beschauliche Immenstadt und Hagnau bis nach Meersburg. In Hagnau verweilte ich kurz am Kieselstrand. Denn die Uferpromenade ist wirklich wunderschön, lädt zum Bummeln und Verweilen auf den zahlreichen Bänken ein. Ich mache erstmal ein Fotoshooting mit Ljómi und genieße die Aussicht rüber zu den Bergen und in die Schweiz.

Mit der Fähre über den Bodensee: Auch mit Fahrrad kein Problem!

Als ich schließlich in Meersburg ankam, bewunderte ich die schon von weitem sichtbare barocke Schloßanlage (das Neue Schloß). Es gibt außerdem noch die mittelalterliche Burg Meersburg und eine hübsche kleine Altstadt. Ich bummele kurz hindurch, gönne mir ein Eis zum Frühstück und suche mir dann den Weg zum Fahrkartenschalter: Denn ich wollte Fähre fahren! Und zwar nach Konstanz, wo ich noch nie war, obwohl ich es mir in den letzten Jahren, wenn ich in der Region war, immer vorgenommen hatte. Faltrad gefaltet, rein in den Laden, Preise checken, herausfinden, dass der Mitarbeiter direkt keinen Fahrradpreis berechnet hat, grinsend mit einem Einzelfahrschein wieder rausmarschieren.

–> Fährpreise Meersburg – Konstanz:

Etwas verwirrt war ich jedoch kurz: Als ich vorher recherchiert hatte, war der Preis deutlich geringer gewesen. Das mag wohl daran liegen, dass das erste Ergebnis für die Fähre Meersburg-Konstanz die Autofähre meint. Die liegt aber etwas außerhalb. Ich zahlte 6,40 € für die Überfahrt mit der Bodenseefähre ohne Fahrrad. Dafür muss, wie in der Bahn (auch im ICE geht das so, ja), das Faltrad gefaltet an Bord genommen werden und auch so kompakt bleiben. Normale Räder kosten je nach Strecke 4,80 € oder 6,40 €. Ich ließ mir auf der ca. 45 min Fahrt mit Zwischenhalt an der Blumeninsel Mainau (die lohnt es sich bestimmt auch zu besuchen) den Wind um die Nase wehen und fühlte mich tatsächlich wie im Urlaub. Schööööön!

Konstanz entspannt

Mit vom Wind zersausten Haaren und tiefenentspannt, verließ ich am frühen Nachmittag die Fähre in Konstanz und streunerte zunächst ein wenig in der Hafengegend herum. Der Stadtgarten direkt am Wasser war sehr einladend und hat nicht nur viele ruhige Ecken, sondern verfügt auch über eine denkmalgeschützte Konzertmuschel.

Konstanz hat einiges zu bieten! Hier fand vor 600 Jahren die einzig gültige Papstwahl nördlich der Alpen statt (Konstanzer Konzil). Die älteste, seit 1607 dauerhaft bespielte Theaterbühne Deutschlands befindet sich hier auch und die historische Altstadt ist definitiv einen Besuch wert. So rollte ich durch die Straßen, schob mein Rad durch die Fußgängerzone, lauschte Straßenmusikern und suchte vor allem etwas Leckeres zu essen!

Ein Glückstreffer führte mich zu Eugens Bio Restaurant und Café. Dort gab es für mich Käsespätzle und hausgemachte Limo, während ich Passanten beobachtete und das Urlausbgefühl weiter auf mich wirken ließ.

Mit dem Katamaran nach Friedrichshafen

Für den Rückweg wählte ich den schnellen Katamaran nach Friedrichshafen. Der brauchte zwar auch knapp 45 min, legte dabei aber eine weitere Strecke zurück und ohne Zwischenhalt. Ein Einzelticket schlug mit 10,90 € zu Buche. Auch hier reichte es, das Fahrad zu falten, damit es kostenfrei mit konnte. Der normale Fahrradticketpreis lag bei 4,90 €.

Streckenvorschlag: Am Bodensee mit Rad und Fähre

Unten findet ihr meinen Streckenvorschlag bei Komoot. Kurz und knackig, denn den Großteil der Strecke legte ich mit der Fähre zurück. Zugfahren könnt ihr auch, aber das dauert deutlich länger. In Konstanz habe ich nicht mehr aufgezeichnet und hier nur beispielhaft dokumentiert, wo ich war. Ich empfehle euch aber, je nach verfügbarer Zeit, die Stadt nach Lust und Laune zu erkunden. Ich habe nur einen Bruchteil gesehen, aber es gibt dort einiges zu entdecken.

Weitere Tourenvorschläge und Tipps zum Radfahren findet ihr übrigens auch im Radl-Blog von Kondrauer.

Radreise Unstrutradweg: In 3 Tagen von der Quelle bis zur Mündung

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Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive, offen und ehrlich. Dies ist ein bezahlter Beitrag
aufgrund einer Kooperation. Die Kosten der Reise wurden übernommen.

Kooperation mit dem Unstrutradweg e.V.! Vielen Dank für die Einladung in diese wunderschöne Region!

Einmal mitten ins grüne Herz Deutschlands verschlug es mich im Sommer 2019 (“Seit wann sind Herzen grün?”). Dort lernte ich die Region rund um den Unstrutradweg mit dem Fahrrad kennen und war mehr als einmal überrascht, über die Vielfältigkeit der Region. Die ruhige Unstrut, die auf knapp 190 km durch zwei deutsche Bundesländer führt, wirkt zunächst unauffällig. Von der unscheinbaren Quelle in Kefferhausen, Eichsfeld (Thüringen) schlängelt sich der Fluss immer breiter werdend zwischen sanften Hügeln, weiten Feldern und an mittelalterlichen Städten vorbei bis zur Mündung in die Saale in Naumburg (Sachsen-Anhalt). Auf diesem Weg erlebte ich ein breites Spektrum an landschaftlicher Vielfalt und mehr als einen Einblick in die lebhafte deutsche Geschichte – von der Bronzezeit übers Mittelalter bis hin in die Neuzeit.

Gliederung

  1. Einleitung und Übersicht
  2. Anreise
  3. Der Unstrutradweg: Etappen
    1. Tag: Von der Unstrut-Quelle bis nach Herbsleben (ca. 70 km)
      • Highlights: Mühlhausen & Bad Langensalza
    2. Tag: Von Herbsleben bis nach Artern (ca. 75 km)
      • Highlights: Sömmerda, Goethe Schokoladenmanufaktur Oldisleben & Wasserburg Heldrungen
    3. Tag: Von Artern bis nach Naumburg (ca. 70 km)
      • Highlights: (Arche) Nebra, Freyburg & Naumburg
  4. Streckendetails/ gpx-Tracks zum Download

1. Einleitung und Übersicht

Ich hatte drei Tage Zeit für meine Reise auf dem Unstrutradweg. Zur Planung der Etappen nutzte ich nicht nur die offizielle Seite des Unstrutradwegs, sowie den offiziellen Instagram-Account, sondern auch die üblichen Verdächtigen, wie Outdooractive und Komoot. Es lagen knapp 65-70 km Weg pro Etappe vor mir. Aufgrund der zahlreichen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand, empfiehlt es sich tatsächlich auch nicht sehr viel mehr Strecke einzuplanen. Weniger geht natürlich immer. Ihr findet im folgenen meine Reisestationen und Erlebnisse im Detail. Am Ende folgen die Streckenabschnitte, die ich pro Tag zurückgelegt habe, als gpx. Inklusive aller Schlenker und Abstecher (keine Gewähr :-D).

2. Anreise

Knapp 3 h dauerte meine Anreise mit dem Zug von Berlin Hbf. nach Silberhausen in Thüringen, dem nächstgelegenen Bahnhof zur Unstrutquelle bei Dingelstädt. Alles lief wie am Schnürchen: Mein ICE Ticket mit Fahrradstellplatz reichte bis Erfurt. Danach stieg ich in den Regionalzug bis Silberhausen und schon war ich da und die Radreise konnte beginnen. Die Quelle der Unstrut und somit der Anfang des Unstrutradwegs liegt etwa 6 km vom Bahnhof entfernt. Der Weg dahin kreuzt bereits die offizielle Fahrradroute.

3. Der Unstrutradweg: Etappen

1. Tag: Von der Unstrut-Quelle bis nach Herbsleben (ca. 70 km)

An der Unstrutquelle angekommen, die mit einem kleinen Steinbau umgeben ist, begutachtete ich erst einmal die ausführliche Streckenkarte. Alle meine Stationen fanden sich dort fein säuberlich aufgeführt und es versprach eine spannende Reise zu werden. Ich hielt mich nicht allzu lange auf, denn das Wetter spielte mit, es war bereits kurz nach 10 Uhr und es lagen noch knapp 70 km Weg vor mir. Außerdem hatte ich einfach Lust radzufahren! Natürlich wollte ich nicht den gleichen Weg wieder zurückfahren und so entschied ich mich einem Tipp zu folgen, den ich auf Facebook bekommen hatte.

Tipp am Wegesrand:
Radreise Unstrutradweg: In 3 Tagen von der Quelle bis zur Mündung weiterlesen

Trailabenteuer mit E-MTB: eBike Your Life Harz

Märchenhafter Harz – sagenumwoben, geschichtsträchtig, wundervoll grün und erholsam. Der Harz ist ein Naherholungsgebiet mit vielen Facetten: Er ist Skigebiet, Wanderparadies und entwickelt sich immer mehr zum Rennrad- und Mountainbike-Mekka – dank fordernder Anstiege, spannender Trails, 5 Bikeparks und zahlreicher fahrradfreundlicher Unterkünfte.
Als ich die Einladung bekam, beim Festival von eBike your Life Harz die bergige Region, die ich aus meiner Kindheit kannte, mit dem Mountainbike zu erkunden, war ich zunächst noch zurückhaltend. Doch das änderte sich schnell!

TRANSPARENZHINWEIS: Enthält Werbung/Markennennungen.
Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive, offen und ehrlich. Dies ist ein bezahlter Beitrag
aufgrund einer Kooperation. Die Kosten der Reise wurden übernommen.

Auf dem E-Mountainbike durch den märchenhaften Harz – Gliederung

1. eBike your Life? Worum geht es?

2. Volles Programm – inkl. E-MTB Verleih

3. Der Harz – eine Region mit Geschichte

4. Anreise

5. Die Touren

5.1. Tag: Von Braunlage entlang des Grünen Bandes über Sorge und Sankt Andreasberg

5.2. Tag: Von Schierke auf den Brocken über Plessenburg und Ilsenburg

5.3. Tag: Entspannte Bad Harzburg – Runde

6. Fazit und Vorschau: Auf ein Wiedersehen mit eBike your Life!

1. eBike your Life? Worum geht es?

Unter dem Motto eBike your Life sollte im Harz und in der Region rund um Wernigerode vom 17.-19.05.2019 der diesjährige Auftakt einer noch relativ neuen Eventserie stattfinden. Zuvor hatte es bereits Veranstaltungen in der Schweiz gegeben, die dieses Jahr wiederholt werden sollen. Im Harz fand 2019 die Premiere statt. Ich muss zugeben, dass mich der Titel der Eventreihe zunächst etwas abgeschreckt hat. Warum sollte ich mit dem Pedelec durch die schöne Harzer Natur fahren? Auch wenn ich schon ein paar Mal auf einem motorisieren Fahrrad gesessen hatte, fuhr ich Touren lieber mit eigener Muskelkraft.

Zu Beginn konnte ich mich einiger Vorurteile über die mögliche Zielgruppe auch nicht erwehren. Es war ein Versuch, realistisch einzuschätzen, ob ein komplett organisiertes Event wie dieses, wirklich etwas für mich Eigenbrödlerin sein könnte – in dem Fall auch unabhängig davon, ob mit oder ohne Motor am Fahrrad.

Foto: grassl event & promotion services gmbh

Doch glücklicherweise wurde ich eines Besseren belehrt. Ich las noch einmal genauer nach: “Maximum an Fahrspaß mit dem E-Mountainbike”. E-MTB!? Erinnerungen an meine ersten Mountainbike-Erfahrungen in Göttingen beim Pressedienst-Fahrrad kamen hoch und nun war ich wirklich neugierig. Spätestens nach dem sympathischen Telefonat mit den Damen der organisierenden Agentur grassl event, die für ihre 24h-Wandermarathons bekannt sind, wollte ich dabei sein. Ich habe es nicht bereut.

2. Volles Programm – inkl. E-MTB Verleih

Drei ausgewählte Touren führten jeweils als Rundtour von den Orten Braunlage, Schierke und Bad Harzburg durch die grüne Harzlandschaft. Begleitet wurden diese geführten Touren von erfahrenen Mountainbike-Guides. Für eigene Erkundungen findet ihr übrigens auch Infos zu möglichen Radtouren in der Region um Wernigerode auf den Seiten der Touristen-Information Wernigerode.

Programmablauf des eBike your Life-Festivals im Harz (Auszug der Website www.ebike-your-life.com)
Programmablauf des eBike your Life-Festivals im Harz (Auszug der Website www.ebike-your-life.com)

Schließlich fand ich genau den Sorglos-Ansatz des eBike your Life Festivals im Harz sehr angenehm:

“Die Teilnehmer erhalten ein Rundum-Sorglos-Paket und müssen sich somit keine Gedanken über organisatorische Details oder die Verpflegung machen. Die Leih-E-Bikes können einfach über den eBike your Life-Partner hinzu gebucht werden.”

Genau das war auch Programm: Ich musste mich um nichts kümmern. Einfach ab zum Kurpark der jeweiligen Stadt, wo sich Start, Anmeldung und Sponsorenstände befanden, anmelden, Rad ausleihen und auf die Abfahrt warten. Wer die Tour mitmachen wollte, konnte sich vorab oder spontan direkt vor Ort anmelden. Zur Auswahl stand das Festival-Paket für eine oder zwei Touren oder man verbachte das gesamte Wochenende auf dem Rad mit dem Komplettpaket. Bei der Anmeldung erwartete die Mitfahrenden außerdem ein schönes Willkommensgeschenk wie Landkarten der Region und eine praktische Gürteltasche mit Trinkflaschenhalter – perfekt für Kleinigkeiten, die man auf einer MTB-Tour schnell griffbereit haben möchte!

Die Teilnehmenden des eBike your Life-Events wurden vor Tourbeginn in drei Gruppen aufgeteilt, um den unterschiedlichen Erfahrungs- und Schnelligkeitsstufen der Mitfahrenden gerecht zu werden. Selbsteinschätzung war da definitiv hilfreich, was spätestens am zweiten Tage bei den meisten zur richtigen Gurppenauswahl führte und ein entspanntes Fahren für alle ermöglichte. Nicht nur das Alter der Teilnehmenden war bunt gemischt, auch der Erfahrungsgrad reichte vom kompletten MTB-Neuling zu erprobten Geländefahrenden.

…nun noch fix ein E-MTB ausleihen.

Die Route stand fest, die Verpflegung war organisiert und Fahrräder standen zur Verfügung, wenn man selbst kein E-MTB besitzen sollte. Der Verleih der E-Mountainbikes verlief unkompliziert vor Beginn der Tour. Ich bekam ein solides Hardtail der Marke haibike. Die Rückgabe erfolgte abends an gleicher Stelle. Um die Ladung der Akkus und die Pflege des Rades kümmerte sich dann das Team von Harzmobil – gegebenenfalls auch während der Touren in der Mittagspause. Durch eine Namensmarkierung am Rad wurde sichergestellt, dass ich an allen drei Tagen auch das gleiche Fahrrad nutzen konnte. Auch das Anbringen der eigenen Pedale verlief völlig problemlos und wurde mir einfach direkt abgenommen :-).

3. Der Harz – eine Region mit Geschichte

Doch wo sollte es eigentlich hingehen? Auf der Website von eBike your Life gibt es eine kurze Beschreibung des Programms und auch der Streckenpunkte einer jeden Tagestour. Neben reichlich Höhenmetern auf dem Weg hoch zum Brocken, versprachen die Organisatoren außerdem, dass der Harz zu den besten Bike-Regionen Norddeutschlands gehöre. Kieselstraßen, wunderschöne Waldwege, glatter Asphalt, viele, anspruchsvolle Höhenmeter, Bikeparks und Naturschutzgebiete – der Harz ist vielfältig. Doch dieser wunderschöne Fleck Erde, den sich die Bundesländer Niedersachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen teilen, ist weit mehr als nur ein Urlaubsparadies und das Mittelgebirge mit der höchsten Erhebung Norddeutschlands.

Die Harz-Region hat aufgrund der Lage zwischen den Landesgrenzen eine bewegende Geschichte. Als Kind waren meine Eltern dort oft mit mir zum Wandern und ich war fasziniert von den Geschichten rund um den Hexentanzplatz und die Roßtrappe. Als ich älter war, hörte und las ich mit einer Gänsehaut über die deutsche Teilung und das militärische Sperrgebiet rund um das Brockenplateau und weitere Harzer Berge. Die Grenze ist heute offen, doch nicht nur die einzigartigen Natur-Lebensräume des Grünen Bandes entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und die Gedenktafeln erinnern an die frühere Teilung.

In einigen Bergdörfern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Doch der Schein trügt, denn neben den hübschen mittelalterlichen Gebäuden und dem etwas altbackenem Charme der 70er Jahre, den man in vielen Häusern findet, entwickeln sich auch viele Orte mit dem zunehmenden Tourismus weiter. Neue Feriensiedlungen und Ausflugsziele entstehen. Und wem das zu viel ist, der findet im Harz abseits der üblichen Touristenpfade vor allem eins: Natur und Ruhe.

Der Harz ist grün und verfügt über eine einzgartige Landschaft. Die Region besteht aus dem Nationalpark Harz, mehreren Naturparks und einem Biosphärenreservat. Deshalb ist es umso wichtiger diese besondere Natur zu respektieren, sich rücksichtsvoll zu verhalten und die Wege nicht zu verlassen.

4. Anreise mit Begleitung

Dieses Mal reiste ich nicht allein. Brompton Ljómi musste zwar dieses Mal zu Hause bleiben, aber dafür habe ich mir einen lieben Menschen zum Fotografieren und Erlebnisteilen mitgenommen :-). Da Jan auch viel Spaß am Mountainbiken und Fotografieren hat, war er der perfekte Begleiter und ich freute mich über vertraute Gesellschaft.

Am Freitagmorgen ging es gegen 8 Uhr mit dem Zug raus aus Berlin und ab durch Sachsen-Anhalt nach Niedersachsen. Dazu kann man flexibel mit den Regionalzügen anreisen (mit Quer-Durchs-Land– bzw. am Wochenende Schönes-Wochenende-Ticket). Da das aber tendenziell eine Stunde länger dauert als mit IC/ICE, sind wir zunächst im Fernzug bis Braunschweig gefahren und dort dann in den Regio umgestiegen. Die größeren Orte und Städte wie Bad Harzburg im Nordharz oder auch Wernigerode und weiter östlich Quedlinburg sind gut mit dem Regionalzug erreichbar. Sobald es jedoch in die Berge rein geht, kommt man nur noch mit dem Nahverkehrsbus (mit Fahrradmitnahmemöglichkeit im Anhänger) oder eigenem Fahrzeug voran.

Aber die Orte im Harz sind dennoch gut vernetzt und Urlauber kommen in den Genuß eines besonderen ÖPNV-Angebots: Das Harzer Urlaubs-Ticket (HATIX) erhält man bei Übernachtung und Zahlung des aktuellen Gästebeitrags in einem der teilnehmenden Orte. Damit fährt man kostenfrei auf allen öffentlichen Bus- und Straßenbahnlinien im Landkreis Harz. Die kleineren Orte in den Bergen werden von den Buslinien jedoch nicht allzu häufig angefahren, weshalb man sich dort vorab unbedingt über den aktuellen Fahrplan informieren sollte.

5. Die eBike your Life Harz – Touren

5.1. Tag: Von Braunlage entlang des Grünen Bandes über Sorge und Sankt Andreasberg

Am ersten Tag sollte die eBike your Life Tour um 14 Uhr in Braunlage starten. Da wir direkt von Berlin aus anreisten und nicht erst in unsere Pension nach Schierke fuhren, nahmen wir am Bahnhof von Bad Harzburg nur den Bus nach Braunlage. Gegen 12 Uhr kamen wir schließlich im Luftkurort südlich des Brockens an. Wir stiefelten zum hübschen Kurpark, wo die Anmeldung zum eBike your Life-Festival stattfand.

Im Anmelde- und Startbereich herrschte an allen drei Tagen reges Treiben. Neben einigen Sponsorenständen, einem Hindernisparcours und dem harzmobil E-MTB Verleih, sorgten laute Musik und ein Moderator für Unterhaltung. Ein großer Luftbogen, der Start und Zieldurchfahrt darstellen sollte, stand deutlich sichtbar über dem Parkweg. Nun ja, im muss gestehen, die letzten beiden Dinge waren nicht so ganz mein Fall. Etwas zu viel trara und es erinnerte mich eher an eine Rennveranstaltung. Um Geschwindigkeit und sportliche Höchstleistungen ging es beim eBike your Life-Festival aber eben nicht. Und das war auch gut so. Für mich standen Genuss, das Entdecken der Region und spannender Trails mit dem Mountainbike im Fokus. Und glücklicherweise erlebte ich das auch in den folgenden Tagen.

Grüppchenweise

Um die 40 Personen starteten am Freitagnachmittag etwas versetzt in drei verschiedenen Gruppen. Wir hatten uns in die mittlere Gruppe eingeordnet und fuhren entspannt aus dem Kurpark Braunlage heraus. Bei Temperaturen um die 10 Grad dauerte es einen Moment, bis ich wirklich warm gefahren war. Das lag wohl auch daran, dass wir anfangs wirklich sehr langsam fuhren. Es gab zwei Mitfahrende in der Gruppe, die nicht mit dem E-MTB, sondern mit normalen, urbanen Pedelecs unterwegs waren und sich den Tourverlauf scheinbar komplett anders vorgestellt hatten. Als kurz darauf bereits der erste, schmalere Trail auf uns wartete, fielen sie immer wieder zurück. Ich muss zugeben, auch ich war tatsächlich überrascht, dass es partiell doch etwas anspruchsvoller ablief, als ich vorab angenommen hatte. Aber ich war definitiv positiv überrascht :-).

Unser Tourguide verhielt sich vorbildlich und richtete sich nach den langsamsten Mitgliedern der Gruppe. Keiner sollte hinterherhetzen und das Gefühl haben, immer hinten dran zu sein. Nachdem uns allerdings die dritte Gruppe kurze Zeit später eingeholt hatte, beschloss ein Großteil, sich dieser anzuschließen. So auch Jan und ich. So wurde die dritte, die zweite Gruppe und unser Tempo stieg auf einmal rasant an! Huiii, ganz schnell war mir nicht mehr kalt und mein Körper kam ordentlich in Schwung.

Über Stock und Stein: Nur echt mit Schlammspritzern und blauen Flecken

Gleich am Anfang testete ich die Funktionsfähigkeit der Scheibenbremsen und legte mich seitlich unters Rad. Test bestanden! Auch eine schmalere Brücke mit hoher Stufe nahm ich etwas zu schwungvoll und schaute kurz darauf genauer über den Lenker und das Brückengeländer, welches mein Vorderrad abbremste. Dort konnte ich mich allerdings fangen und stieg glücklicherweise nicht vornüber ab. Dafür nahm ich ein paar blaue Flecken am Handgelenk und den Beinen mit. Gut, damit hatte ich das Thema Sturz und das blöde irgendwo Gegenfahren für dieses Wochenende auch abgearbeitet. *kopftisch*

Bergauf und ab radelten wir, mal mit mehr, mal weniger Motorunterstützung. Teilweise benötigte man diese fast gar nicht. Berghoch war der Motor jedoch eine Erleichterung. Die Wegqualitäten variierten dabei stark. In den Tagen zuvor hatte es ordentlich geregnet und wir nahmen mehr als eine matschige Pfütze mit. Hach, war das schön. Am Ende des Tages waren wir alle ziemlich eingesaut, trugen lustige Tupfenmuster auf Kleidung und Gesicht und eine Bremsspur schmückte adrett den Sattel und den Allerwertesten. Als wir zur Kaffeepause einkehrten, nahm das Servicepersonal vorsorglich die Kissen von den Holzbänken. Verübeln konnte ich es ihnen nicht^^.

Den Großteil der Strecke legten wir auf breiteren Kiesel- und Forstwegen zurück. Traumhafte Ausblicke boten sich spätestens nach den ersten Anstiegen. Doch immer wieder verlief mittendrin ein schmaler Pfad durchs Grün und forderte gespickt mit Wurzeln und Steinen vollste Aufmerksamkeit beim Fahren. Ich hatte etwas zu viel Druck auf den Reifen und fühlte mich am Tagesende zeimlich durchgschüttelt. Armtraining, check! Nicht alles traute ich mich zu fahren, doch es lief größtenteils eigentlich ganz gut und machte unglaublich Spaß. Skilltraining, check!

Als wir gegen 18 Uhr schließlich wieder in Braunlage eintrafen, war ich mehr als zufrieden mit dem Tag. Ein frisches, isotonisches Kaltgetränk wartete dort auf uns und für das Abendessen war in einem nahegelegenen, italienischen Restaurant gesorgt worden. Überhaupt war die Verpflegung sehr gut. Ob Getränke, Energieriegel und Magnesium am Start oder Pausenversorgung in gemütlichen Hütten unterwegs. Alles war organisiert und bereits im Preis der Tour inkludiert. Gehungert habe ich definitniv nicht. Die Urkundenübergabe am Tagesende sollte das Event abrunden und war nett gemeint. Es wäre aber auch nicht schlimm gewesen, diesen Part wegzulassen ;-).

5.2. Tag: Von Schierke auf den Brocken (über Plessenburg und Ilsenburg)

Nachdem der erste Abend bei entspanntem Essen und mit angenehmen Gesprächen ausgeklungen war, begann der nächste Morgen gemütlich mit einem kurzen Lauf von der Pension zum Startort der Samstagstour. Die Schierker Feurstein-Arena lag mitten im kleinen Ort Schierke, wo wir in einer schönen Unterkunft die Nacht verbracht haben. Diese Ruhe hier war unbeschreiblich. Fast kein Verkehr und die Vögel zwitscherten laut und kräftig. Der Morgen war klar und der Himmel strahlend blau. Es versprach ein perfekter Frühlingstag zu werden. Ich konnt es kaum erwarten wieder auf dem Rad zu sitzen – trotz etwas Muskelkater in den Armen.

Es war schön, ein paar Gesichter vom Vortag wiederzusehen und auch neue Menschen kennenzulernen. Wie bereits am Freitag, teilten wir uns vor Abfahrt gruppenspezifisch auf. Unser Guide erklärte noch einmal erneut den Ablauf, das Fahren in der Gruppe und den Umgang mit dem E-MTB. Dieses Mal stimmte die Geschwindigkeit von Anfang an und bereits kurz nachdem wir den Ort Schierke am Fuße des Brockens verlassen hatten, ging es bergauf.

Graveln

An diesem Samstag stand die eBike your Life-Tagestour an mit ca. 1400 hm auf 48 km. Das bedeutete auch, wir mussten noch deutlich mehr auf die Reichweite der Akkus der E-Mountainbikes achten. Ich gestehe, dass ich das Akkuthema etwas leidlich finde. Jedoch sorgte es dafür, die Unterstützungsstufe moderat zu wählen und sich eben nicht nur auf den Motor, sondern auch auf die Kraft der eigenen Beine zu verlassen. Und die brauchte es auf jeden Fall. Dennoch sorgte das harzmobil Team in der Mittagspause an dem Ausflugslokal Plessenburg wieder dafür, dass die Akkus geladen wurden, damit alle für den folgenden langen Anstieg auf den Brocken bereit waren.

Doch zunächst radelten wir auf einem recht steilen Kieselweg zurück ins Tal nach Ilsenburg. Der kleine Angsthase in mir mochte das überhaupt nicht. Die Abfahrt war zu lang und der Weg durch die Steine zu rutschig, sodass ich unter großer Anspannung den Berg hinunter fuhr. Wie immer fuhr ich ganz hinten, um keinem der Anderen den Spaß an der Abfahrt zu nehmen. Konzentration. Und der Versuch nicht steif wie ein Brett zu sein, um mich eventuell doch dezent mit in die Kurven legen zu können. Nur nicht zu schnell werden und nicht zu viel bremsen!

Ich übe weiter und irgendwann fühle ich mich vielleicht sicherer dabei. Dass es nicht so verkehrt ist, vorsichtig zu fahren, zeigte der Sturz eines Mitfahrenden kurz vor Ankunft im Tal. Glücklicherweise war ihm nichts Schlimmes passiert und er konnte nach kurzer Pause und kleiner Erstversorgung mit verbunden Händen und aufgeschürftem Knie weiterfahren. Die Mitnahme des 1. Hilfe Sets war definitiv eine gute Idee von uns gewesen. Selbstverständlich hatten auch die Guides welche dabei und haben sich sofort um die Versorgung gekümmert.

Hoch hinaus

Zum Glück folgte ab Ilsenburg der ca. 6 bis 7 km lange Anstieg auf den Brocken. Wer hätte gedacht, dass ich mal lieber hoch als runter fahren würde? Ich versuchte so lang wie möglich im Eco+ bzw. Eco-Modus zu bleiben. Das sind die beiden untersten der vier verschiedenen Unterstützungsstufen des Antriebs der E-Mountainbikes. Der Kieselweg wurde steiler und ich wechselte schließlich ergeben in den nächsthöheren Standard-Modus. Meine Knie freuten sich darüber und ich konnte etwas weniger stark in die Pedale treten und an Tempo gewinnen. Irgendwie machte das langsam wirklich Spaß!

Mit zunehmender Höhe veränderte sich die Landschaft. Die Vegetation wurde flacher und große Flächen abgestorbener Fichtenwälder gestalteten das Gelände. Es hatte etwas Faszinierendes, jedoch fast schon Apokalyptisches an sich, wie die blattlosen, kahlen und grauen Baumstämme gen Himmel ragten. Schuld am Baumsterben trägt nicht nur der kleine Borkenkäfer, der sich genüsslich an den Bäumen nährt. Auch die großflächige Kultivierung der Fichten vor vielen Jahren, die die Laubbäume teilweise verdrängt haben (zum Vorteil der Forst- und Holzwirtschaft), hat großen Anteil an der momentanen Entwicklung. Wer darüber mehr erfahren möchte, findet u.a. beim nabu weitere Informationen.

Brockenrummel

Selbst mit Motorunterstützung war der Anstieg eine Herausforderung gewesen. Als wir schließlich auf die asphaltierte Brockenstraße trafen, freute ich mich über eine Verschnaufpause. Innerlich applaudierte ich allen Radfahrenden, die ich dort sah und, die komplett mit eigener Muskelkraft auf den Brocken geradelt waren. Doch der wirklich anstrengende Teil folgte nun erst. Die letzten Kilometer fuhren wir auf der Straße, die von Wanderern nur so überquoll. Nein, ich übertreibe nicht! Teilweise konnten wir nur im Schrittempo fahren, weil die Leute die komplette Straße für sich beanspruchten – entweder für den An- oder Abstieg. Was für ein Kontrastprogramm nach den einsamen Kilometern im Wald, auf denen wir nur ab und zu ein paar Wanderer getroffen hatten.

Oben angekommen, war mir der Rummel deutlich zu viel, doch der Ausblick entschädigte allemal. Spätestens die gemeinsame Kaffee- und Kuchenpause im Brockenhaus vor der Abfahrt, beruhigte mein Gemüt wieder. Wir waren schon eine echt coole Truppe und ich fühlte mich ziemlich wohl. Als die Entscheidung ausstand, ob wir den Brocken komplett auf der Asphaltstraße oder zum Teil einen steinigen Trail hinunter fahren wollten, war dies schnell einstimmig beschlossen: Wir wollten ins Gelände! Auch wenn sich schnell herausstellte, dass der Weg für die meisten von uns zu anspruchsvoll war. Die Steine auf dem eher als Wanderweg einzuordnenden Trail, ragten meist zu hoch empor. Der letzte Abschnitt wiederum war großartig. Ich traute mich und ließ mein Rad einen Weg zwischen Steinen und Wurzeln hindurch suchen. Dabei jauchzte ich fast schon vor Freude, wenn ich es schaffte, die Hindernisse trotz etwas innerer Überwindung zu meistern.

Wir trafen am späten Nachmittag wieder in Schierke ein. Ich fühlte mich richtig gut und auch die anderen strahlten. Dieser letzte Abschnitt war ein absolutes Tageshighlight gewesen. Nachdem die E-MTBs an der Ausleihstation abgegeben waren, und der ganze Urkundenrummel überstanden, tauschten wir uns weiter über den Tag aus. Währenddessen wurde das Abendessen direkt in der Schierker Feuerstein-Arena als Buffet aufgebaut. Perfekt, denn ich hatte nach dem Adrenalinschub wirklich Hunger bekommen. Was für ein Tag. Nun stand nur noch eine kleine Sonntags-Tour aus und diese sollte etwas ruhiger werden.

5.3. Tag: Entspannte Bad Harzburg – Runde

Jan und ich fanden eine angenehme Mitfahrgelegenheit, die uns von Schierke mit nach Bad Harzburg nahm, wo die letzte, kleinere Rundfahrt um 10 Uhr beginnen sollte. Hier waren deutlich weniger Leute gemeldet, davon einige, die zuvor noch nicht mitgeradelt waren. Man hatte sich dennoch entschieden, nur eine große Gruppe zu bilden, statt drei kleiner. Ich war diesbezüglich etwas zwiegespalten, denn zuvor hatte die Aufteilung nach Level sehr gut funktioniert. So wunderte es mich nicht, dass sich die Gruppe gleich zu Beginn beim ersten Anstieg auseinanderzog und häufiges Warten nötig wurde. Allgemein verlief die Tour etwas gemütlicher.

Wir steuerten zwei Ausssichtspunkte an der Kästeklippe und der Feigenbaumklippe an. Um letztere zu erreichen, konnte ich ein wenig meine Trailfahr-Fähigkeiten testen, was zumindest auf dem Rückweg ganz gut funktioniert hat. Ich merkte, wie zuvor Gelerntes sich wieder in meine Erinnerung schlich und versuchte dies direkt umzusetzen.

Ansonsten war die Tour zwar schön, aber weniger spektakulär als an den beiden Tagen zuvor. Die Mittagspause war entspannt und wir genossen unser Essen in der strahlenden Sonne im Biergarten der Marienteichbaude. Direkt nebenan befindet sich das große Wildkatzengehege.

Auf den letzten Kilometern freute ich mich über jedes Hindernis und jede Wurzel, die den Weg etwas herausfordernder machten. Es gab wieder einen lange Talfahrt auf Kieselsteinen, die mir deutlich leichter als am Vortag viel.

Streckenweise war mir das E-Mountainbike definitiv zu träge, besonders als wir auf relativ ebenen Straßen fuhren. Dort nutzte ich den Motor nur, weil das E-MTB eben ein gewisses Eigengewicht hat. Dennoch war ich gefühlt gerade erst richtig warm gworden, als die Tour schon wieder vorbei war. Knapp 28 km waren es gewesen, was am Abreisetag und im Gelände für einen entspannten Ausklang wohl sinnvoll war. Aber am liebsten wollte gar nicht mehr vom Fahrrad steigen und wäre gern noch weitergefahren.

Leider hat die Aufzeichnung hier nicht nicht komplett geklappt und nur eine Hälfte der Tour ist zu sehen.

Aber jedes Abenteuer neigt sich einmal dem Ende und nach einer Verabscheidungs- und Kaffe/Kuchenrunde sammelten Jan und ich schließlich unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zum Bahnhof.

6. Fazit und Vorschau: Auf ein Wiedersehen mit eBike your Life!

Schön war es. Ich war mal wieder überrascht, wie gut verschiedene Menschen ganz unterschiedlichen Alters und Umfeldes durch ein gemeinsames Interesse zusammenkommen können. Radfahren verbindet. Und so war es nicht nur die Schönheit der Harzer Natur und das Radfahren an sich, welches dieses Wochenden zu einem besonderen Erlebnis werden ließ, sondern vor allem auch der Spaß in der Gruppe und mit Gleichgesinnten!

Danke an grassl events für die Einladung und an das Team vor Ort für die herzliche Begrüßung und die tolle Zeit! Bis hoffentlich ganz bald :-)! Danke Jan für die tollen Bilder! Alle Fotos auf denen ich zu sehen bin und ein paar andere, stammen von ihm.

Wollt ihr beim nächsten Event von eBike your Life dabei sein? Diesen Herbst geht es noch in die Schweiz: Genauer ins Berner Oberland nach Adelboden vom 21. – 22.09.2019 und nach Gstaad vom 05. – 06.10.2019.

Hanse Gravel 2019 – Geselliges Graveln durch den norddeutschen Sandkasten, Teil 1

Es war mittlerweile Nacht und dennoch nicht völlig dunkel, als ich meinen Blick über die Felder und in den weiten Sternenhimmel schweifen ließ. Da war immer noch ein Hauch von Licht in der Dunkelheit. Irgendwie beruhigte mich das, als ich dort auf der Bank tief in meinen Schlafsack hineingekuschelt lag. Leichtes Schnarchen ertönte aus einigen Zelten und Biwaksäcken, der um mich herum liegenden Schlafenden. Auch das wirkte auf irgendeine Weise beruhigend. Ich war nicht allein in der ersten Nacht draußen und sollte es auch in den folgenden nicht sein.

Und das war es wohl, womit ich am wenigsten gerechnet habe bei der ersten öffenlichen Bikepacking-Langstreckentour, die ich mitfahren wollte. Denn ich war davon ausgegangen, dass ich den Großteil der knapp 615 km langen Route des ersten Hanse Gravel 2019 allein zurücklegen würde. Entlang des alten Hanseatenweges führt dieser abwechslungsreiche Weg auf den Spuren der Kogge und der Hanse mehr oder weniger entlang der Ostseeküste vom deutschen Hamburg bis ins polnische Stettin.

Das Interesse an dieser Tour war sehr groß. Knapp 180 Leute hatten sich für die Bikepacking-Selbstversorgungsfahrt Ende April 2019 registriert. Bei vergleichbaren deutschen Events waren es meist um die 50 bis 60 Teilnehmende. Vielleicht, weil die Tour durch die geringeren Höhenmeter zunächst einsteigerfreundlicher wirkt? Doch wer auf eine gemütliche Kaffeefahrt mit ein wenig Kiesel gehofft hat, wurde schnell eines besseren belehrt. Der Hanse Gravel mag vielleicht keine richtige Bergtour beinhalten, doch auch im hohen deutschen Norden lassen sich ein paar Höhenmeter sammeln. Und diese Hügel gehörten dann zu den geringeren Herausforderungen.

Viel mehr erwartete die Teilnehmenden eine kunterbunte Mischung aller Untergründe, die man sich so vorstellen kann. Von gravelligen Feldwegen mit kleinen Kieseln und faustgroßen Steinen, über alte Lochbetonplatten, matschige Waldwege, sandkastenartige Abschnitte, über Kopfsteinpflaster unterschiedlichster Qualitäten, sowie asphaltierten Straßen und Fahrradwegen war alles dabei. Nicht zu vergessen der Wind, der mal von vorn oder von der Seite eher Bremswirkung erzeugte und glücklicherweise aber auch des Öfteren von hinten ordentlich Antrieb bot. Manchmal gab es auch Anstiege mit Sand und Kieseln und Wind. Es war also für jeden was dabei^^. Doch egal wie der Untergrund am Ende war, die Landschaft war einfach atemberaubend schön und die gesamte Route ein wahrer Augenschmaus!

Tag 1 auf der Hanse Gravel Route: Und ab geht die Fahrt!

Gestartet wurde am 25.04.2019 im Hamburger Elbpark Entenwerder in traumhafter Lage direkt an der Elbe. Dort durfte ich bereits am Vorabend einige bekannte Leute wiedersehen und neue Gesichter kennenlernen. Ein paar hatten auch im Park genächtigt. Am Donnerstagmorgen sammelten sich schließlich nach und nach die Teilnehmenden im Café auf Entenwerder zum gemeinsamen Frühstück und entspannten Start gegen 10 Uhr.

Ich war aufgeregt. Sehr. Es war toll, so viele Bekannte wieder zu sehen, sich auszutauschen, in der Sonne zu hocken und noch einen entspannten Kaffee zu schlürfen. Aber schließlich konnte ich es kaum erwarten endlich loszufahren! Und das geschah dann auch sehr schnell und irgendwie überraschend. Waren da schon welche vorher weg? Der große Stau beim Start fiel jedenfalls aus. Auch, wenn eine recht große Gruppe sich nun auf in den Hamburger Verkehr machte, um gen Norden die Stadt zu verlassen, lief alles recht geordnet und unkompliziert.

Zusammen mit Phil, den ich ewig nicht gesehen hatte, und ein paar anderen ging es gegen 10 Uhr wirklich aufs Rad und der erste Hanse Gravel nahm seinen Lauf. Cap #58 rollte an und konnte übrigens während der Tour via Spotwalla verfolgt werden. Das Feld der Mitfahrenden zerzog sich spätestens durch die Ampeln in der Innenstadt, an der ich schließlich auch den Anschluss zu Philipp verlor. Entlang der Alster und raus aus Hamburg war ich allein unterwegs. So allein, wie man eben sein kann, wenn mehr als 150 andere Radfahrende zur gleichen Zeit auf dem gleichen Track unterwegs waren. Ich war hin und her gerissen, ob ich weiterhin Tempo machen sollte oder eher gemütlicher diese wirklich traumhaft schöne Route entlang der Alster genießen sollte. Ich entschied mich für eine Kombination aus beidem.

#dertrackistdertrackistdertrack

Das ständige Absteigen aufgrund von Treppen an Flussuferweg noch in Hamburg sorgte für Entschleunigung und bei zahlreichen Fußgängern an diesem sonnigen Frühlingstag oft für ein Kopfschütteln. Warum nahmen diese Rüpelradler nicht einfach den leichteren Radweg an der Straße weiter oben? Ich sollte mich später noch des Öfteren fragen, warum ich nicht die glatte Parallelstraße nahm und stattdessen lieber mit dem Rad übers Feld hoppelte. Aber: #dertrackistdertrackistdertrack!

Eine kleine Fliege fand den Weg in mein Auge und drückte neben der Kontaktlinse herum. Ich versuchte mich während der Fahrt davon zu befreien, war mir aber nicht sicher, ob ich es geschafft hatte, den Störer in meinem Auge zu erwischen. Doch ich wollte nicht anhalten. Ich wollte fahren, in die Pedale treten, meine Beine spüren, um das Rad dann wieder rollen lassen und erneut kräftig zu pedalieren. Die Fliege musste bis zur ersten Pause warten.

Immer weiter in Begleitung

Ich fand Anschluss an ein paar Leipziger, unter denen auch ein weiteres Veloheld IconX am Start war. Caros rote Rakete war ebenso wie meine Libelle ein Augenschmaus und auch sonst fühlte ich mich in der Gesellschaft der Anderen ganz wohl. Vor allem als wir nach knapp 40 km bereits an einem Gutshof hielten und den ersten Kuchenstopp einlegten. Dort trafen wir auch auf andere Hanse Graveller. Ich freute mich sehr, als kurz darauf Martin eintraf, den ich bereits auf der Gravelspartakiade in “echt” kennenlernen durfte und am Start aus den Augen verloren hatte. Auch Michael blieb zunächst bei uns. Mein Retter in der Not hatte mich kurz zuvor wieder aufgerichtet, als mein Rad mich beim zur Seite kippen, halb begraben hatte. Mein Versuch, ohne richtig abzusteigen über einen Baumstamm zu klettern, war nämlich grandios gescheitert…

Von da an radelten wir als Gruppe weiter. Während einige der Leipziger immer mal wieder “ballernd” verschwanden, rollten wir anderen gleichmäßig durch die Frühlingslandschaft. Der grellgelbe Raps strahlte im Kontrast zum leuchtendblauen Himmel und das frische Grün der Bäume harmonierte perfekt mit dieser natürlichen Farbgewalt. Ich kam nicht umhin, mich öfter einmal seufzend umzuschauen und diese tollen Ausblicke zu genießen. Schön war dieser Streckenabschnitt. Sehr schön. Auch, wenn es immer wieder hoch ging und anstrengender wurde, fuhren sich doch selbst die Kieselwege sehr gut.

Fotostopp mit Aussicht

Ich gab mir Mühe, regelmäßig die Sonnencreme aufzufrischen. Es war recht warm in der Sonne und über 20 °C und die stetige Bewegung ließen mich langsam ins Schwitzen kommen. Am Nachmittag hatte ich leichte Kopfschmerzen und vermutlich wieder zu wenig getrunken und gegessen. Zum Glück bekam ich das in den nächsten Stunden und Tagen besser in den Griff. Doch die Aussichten waren die Anstrengungen wert und das Schieben ab und zu, trainierte auch die Arme gleich noch mit ;-). Der ein oder ander Fotostopp musste natürlich auch sein. Und wenn er nur eine Ausrede zum Durchatmen und Luftholen nach einer kleinen Kletterpartie darstellte – oder, um die anderen beim Schieben zu fotografieren^^.

Die erste Tagesetappe auf der Hanse Gravel Route führte mich von Hamburg über zahlreiche kleine Orte nach Lübeck. Von dort ging es auf schmalen, ruckelnden Pfaden entlang der Trave durch teilweise sehr beschauliche kleine Fischerorte. Die Ausblicke waren genial, aber die Wegqualität mehr als fragwürdig. Die teils kaputten Pflastersteine zerrten ordentlich an den Kräften und Handgelenken. Die Shuttlebuspause kam da ganz recht und der Einstieg verlief ohne langes Warten. Der Bus mit Fahrradanhänger brachte Fußgänger und Radfahrende kostenfrei und unkompliziert durch den Herrentunnel. Von dort ging es für uns mit dem Rad weiter nach Travemünde und mit der Fähre rüber nach Priwall.

Radelmädchen und die drei bis fünf M

Meine Begleitung wechselte ab und an, doch bis zum ersten Abend bildete sich eine Gruppe heraus, mit der ich unerwarteterweise bis zur Ankunft in Stettin zusammenbleiben sollte: Radelmädchen und die drei bis fünf M. Manchmal ging ein M auf dem Weg verloren, wurde aber dann durch ein anderes ersetzt oder gesellte sich später freudig wieder hinzu. Am vorletzten Abend nahmen wir schließlich noch A auf, welchen wir unterwegs immer mal wieder in Begleitung eines bekannten Hamburger Fahrrad-Influencers 😉 getroffen hatten. Wir haben A schließlich aufgund gegenseitiger Sympathie und guter Eingliederung bis Stettin behalten. B war nur am vorletzten Tag bis zum Abend dabei. Umso größer war die Freude, sie heil und gut angekommen am Sonntagabend in Stettin wiederzutreffen!

So wurde aus der Ich-zieh-mein-Ding-durch-Selbstversorgungstour eine Gruppendynamische-Genusstour, auf der ich so viel gelacht habe, wie schon lange nicht mehr beim Radfahren. Egal wie wurzelig und wirklich unangenehm holprig der Weg wurde, egal wie bescheiden und anstrengend der knöcheltiefe Sand am Ende des ersten Tages war, wir sind da zusammen durch. Mein Rücken schmerzte, mein Hintern war irgendwann wund von der Wärme und dem Satteldruck und die Hände hatten Druckstellen. Doch die gemeinsamen Stärkungs-Pausen vorm Discounter, die viel zu gewürzten Pommes auf dem Rewe-Parkplatz zum Abendessen und das Bierchen am Abend mit Schnack und Ausblick ließen mich schnell darüber hinweg sehen.

Innerhalb kürzester Zeit harmonierten wir sehr gut zusammen, akzeptierten und amüsierten uns über die Sonderbarkeiten der anderen. Sicher gab es Momente, in denen ich mal kurz genervt war oder einfach weiter wollte (Nahrungsaufnahme half da meist schnell wieder drüber hinweg!). Doch im Großen und Ganzen machte genau diese bunt gemischte Truppe zusammen mit der wunderschönen Landschaft, den Hanse Gravel 2019 für mich zu dem einmaligen Erlebnis, das es am Ende war. Und sie sorgte dafür, dass ich das Essen während der Reise nicht vergaß.

Nachtlager am Wegesrand

Apropos Essen: Mein Plan für den ersten Tag war, bis nach Grevesmühlen zu fahren, dort einzukaufen und dann ein feines Futter- und Schlafplätzchen zu finden. Knapp 150 km sollten dann auf dem Tacho stehen, was genau dem entsprach, was ich mir so locker vorgenommen hatte.

Nach dem Einkaufen war es mittlerweile kurz nach 20 Uhr und Ziel war es, noch im Hellen einen Lagerplatz für die Nacht zu finden. Also ging es zunächst raus aus der Kleinstadt. Der Plan noch schnell in einen See zu hüpfen, wurde jedoch aus Zeitgründen verworfen. Feuchte Tücher und Katzenwäsche mussten reichen um Sand und Schweiß des Tages abzuspülen. Und davon gab es reichlich dank der trockenen Wege, dem Wind und dem Traktor, der uns den halben Acker vor die Räder und in die Gesichter gepustet hat.

Dafür konnten wir noch in der Dämmerung unsere Räder paralell zu einer langegzogenen Treppe den Berg hinauf schieben. Am Gipfel wartete ein kleiner Aussichtsturm, der sofort als Nachtlager festgelegt wurde. Und wir waren nicht allein mit dieser Idee. Schlussendlich schliefen bestimmt 12 Leute am Fuße und auf der Turmplattform. Da dieser Ort direkt am Track lag, konnten wir auch viele Lichter von anderen Gravellern in der Dämmerung vorbeiziehen sehen. Selbst mitten in der Nacht kamen noch drei müde Radfahrende hinzu (Die erste Begegnung mit A nach dem Start, noch im Schlepptau mit H und C).

Danke an Marcus d. für das Treppenfoto

Feierabend, Tag 1

Und so war der erste Tag geschafft. Schlafsack und Biwaksack lagen auf einer Luftmatratze kuschelig auf einer Bank und windgeschützt hinter dem Aussichtsturm. Ich brauchte noch einen Moment, bis ich wirklich schlafen konnte, zu aufregend war der Tag gewesen. Doch ich schlief schließlich relativ gut, ohne zu frieren. Mit Anfahrt nach Entenwerder waren es 165 km gewesen, die ich mit dem Rad zurückgelegt hatte. Knapp 9 Stunden hatte ich im Sattel verbracht und ca. 800 hm erklommen. Gut, für den ersten Tag 🙂 und mehr als ich zu hoffen gewagt hatte.

Hamburg-> Bad Oldesloe-> Lübeck-> Travemünde-> Grevesmühlen: ca. 150 km, Durchschnitt ca. 18 km/h


tbc.