Nürnberg und das Nürnberger Land! Die von mittelalterlicher Architektur geprägte bayerische Großstadt habe ich bereits oft und gern besucht. Schließlich gibt es dort allerlei zu erleben und das in großer Vielfalt. Seien es die Kaiserburg, der Hauptmarkt, die Stadtmauer oder das DB-Museum, Nürnberg ist nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch sehr sehenswert.
Die Umgebung wiederum kenne ich nur wenig. Daher folgte ich der Einladung zum Radfahren im Nürnberger Land sehr gern und freute mich darauf, den mittelfränkischen Landkreis im Osten Nürnbergs mit dem Fahrrad zu entdecken.
Werbung/ Transparenzhinweis: Dieser Blogbeitrag ist im Rahmen einer Tourismuskooperation mit dem Nürnberger Land entstanden. Nichtsdestotrotz sind die Inhalte und wiedergegebenen Meinungen die der Autorin.

Gliederung
Radfahren im Nürnberger Land
Das Nürnberger Land ist ein Paradies für Radfahrende aller Art – ob zum Tourenradeln, Gravel- oder Mountainbiken. Wer zu Besuch ist, kann sich dabei an einem großen Repertoire an verfügbaren Touren orientieren. Ein guter Ausgangspunkt sind zum Beispiel die mit dem ADFC und dem Forum Radfahren Nürnberger Land entwickelten 20 “Nürnberger Land Radtouren” unterschiedlicher Länge und (Fitness-)Anforderungen.
Alle Touren verfügen über Markierungen in Fahrtrichtung, führen durch abwechslungsreiche Landschaften zwischen Feldern, Wäldern und durch kleine und größere Ortschaften mit allerlei Sehenswürdigkeiten. Dabei lohnt es sich, abseits der Strecken zu schauen und diese gegebenenfalls zu erweitern oder kleine Abstecher einzuplanen, denn es gibt viel zu entdecken!
Ein sehr guter Ausgangspunkt für einige der Rundtouren ist die kleine, mittelalterlich geprägte Stadt Lauf an der Pegnitz. Von dort habe ich während meiner Zeit im Nürnberger Land vier Touren erkundet.

Radeln für alle?
Ob Solo, mit Freunden oder der ganzen Familie – die Landschaft, die Orte und die Routenvarianz ermöglichen eine gute Zeit für verschiedene Geschmäcker und Ansprüche. Manche Strecken sind absolut Rennrad-tauglich, andere lassen sich auch mit dem MTB oder gar Lastenrad erkunden. Für Kinder gibt es viel zu erleben, wie zum Beispiel dank der Mitmachstationen in den Museen (Industriemuseum Lauf/ DB-Museum Nürnberg), der Burgen und Festungen oder der Spielplätze unterwegs.
Man sollte jedoch bedenken, dass es eine hügelige bis bergige Region ist und bei selbstfahrenden Kindern entsprechend die Strecke auswählen.
20 Rundtouren durchs Nürnberger Land
- östlich von Nürnberg in Mittelfranken gelegen
- Alle Touren sind Rundtouren und verfügen über Markierungen in Fahrtrichtung.
- Touristisch gut ausgebaut mit verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten
- Gute Anbindung ans Eisenbahnnetz
- Historisch bedeutende Region mit zahlreichen Schlössern, Festungen und mittelalterlichen Altstädten

Das Fahrrad und die Wegequalität
Es geht schnell aus den Orten hinaus und rein in die Natur südlich der Fränkischen Schweiz. Das heißt auch, je nach Routenwahl, solltest du mit verschiedenen Untergründen rechnen. Ob feinste Schotterpisten durch den Wald, weiche Waldpfade, glatter Asphalt auf den Nebenstraßen und auf Radwegen oder Pflastersteine in der Stadt – genauso vielfältig wie die umgebende Natur ist auch der Bodenbelag.
Im Prinzip ist es natürlich davon abhängig, welche Routen und welche Art Radzufahren du präferierst, aber die von mir gefahrenen Touren lassen sich am besten mit einem Fahrrad mit etwas breiteren, profilierten Reifen und einer bergtauglichen Schaltung erkunden. Ein tourentaugliches Fahrrad oder ein Gravelbike passen gut, denn, wie schon erwähnt, können die Untergründe stark variieren. Motorunterstützte Fahrräder sind keine Seltenheit aufgrund der Geländebeschaffenheit und man findet Ladestationen an touristisch beliebten Orten.
Ich war zum zweiten Mal mit der Brompton G-Line unterwegs, ein 20” Faltrad mit 8-Gang Nabenschaltung. Durch die breiten Reifen bietet es ausreichend Komfort für die verschiedenen Untergründe und auf den meisten Strecken reichte die Gangauswahl. Es gab ein paar steile Steigungen durch die kleinen Abstecher, die ich den Routen hinzugefügt hatte. Für diese hätte ich noch ein paar “Berggänge” brauchen können, doch im Zweifel hätte ich bei 17%-Steigung wohl auch mit einem anderen Fahrrad geschoben. Mehr zum Faltrad folgt noch in einem weiteren Beitrag.

An- und Abreise mit dem Zug
Das Nürnberger Land ist sehr gut ans Bahnnetz angeschlossen. Von Berlin nach Nürnberg gelangt man in unter drei Stunden mit dem ICE. Von dort kann man mit der S-Bahn nach Lauf raus fahren, oder die knapp 17 km einfach mit dem Rad zurücklegen.
Touren im Nürnberger Land
Vier der 20 Nürnberger Land Radtouren habe ich mir genauer angeschaut und bin die Rundtouren in leicht abgewandelter Form gefahren. Abgewandelt deshalb, weil ich die Touren kombiniert oder erweitert habe. Die Originalrouten sind tolle Vorschläge, wie man das Nürnberger Land mit dem Fahrrad erkunden kann und können genauso nachgefahren oder eben den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Die ausgewählten Touren sind Rundtouren, die in oder rund um Lauf an der Pegnitz starten und enden.
Los ging es für mich direkt am Anreisetag. Nachdem meine Bahnfahrt nicht ganz nach Plan verlaufen ist und ich deutlich später in Nürnberg eingetroffen bin, als geplant, habe ich auch meinen Tourenplan etwas angepasst. Das Gute an der Verspätung: Es hat aufgehört zu regnen und so startete ich meine Reise durchs Nürnberger Land unter einem bewölkten, aber trockenen Himmel auf der Tour 20 entlang des Flusses Pegnitz.
Tour 20: An der Pegnitz nach Nürnberg
- ca. 36,5 km (Originaltour)
- ca. 110 hm
Da diese Tour relativ flach am Fluss entlang führt, ist eine Änderung der vorgesehenen Fahrtrichtung nicht schlimm. Man sollte nur im Hinterkopf haben, dass die Tourenkennzeichnungen auf der Strecke dann nicht immer sichtbar sind. Die Nutzung eines Navigationsgerätes oder einer passenden App ist also empfehlenswert, besonders, wenn die Routen weiter abgewandelt werden.
Weil meine Unterkunft bei Lauf liegt, habe ich beschlossen, die Tour 20 von Nürnberg nach Lauf zu radeln. Das sind ca. 17 km durch die wunderbare Flusslandschaft, zum Teil komplett abseits vom Straßenverkehr auf asphaltierten Rad- und Schotterwegen und ansonsten auf Radwegen neben der Straße.
Auf diesem Abschnitt liegen einige Schlossanlagen, wie zum Beispiel das ehemalige Wasserschloss Oberbürg, welches frei zugänglich ist. Durch ein Tor gelangt man direkt aufs Gelände der Anlage von 1618. Oder auch das ehemalige Schloss Malmsbach, von dem heute noch das mittelalterliche Torhaus und die Nebengebäude als Wohnhäuser genutzt werden.
Besonders spannend empfand ich das Fabrikgut Hammer, eine Industriesiedlung aus dem 17. Jahrhundert, durch die man auf der Tour hindurch radelt. Anschließend geht es entspannt weiter auf dem Radweg entlang der Straße durch Rückersdorf. Am späten Nachmittag kam ich schließlich in Lauf an. Die mittelalterliche Handelsstadt erlangte nicht nur zu Zeiten Kaiser Karl IV. an Bedeutung, da sie direkt an einer mittelalterlichen Handelsroute (die “Goldene Straße”) lag, sondern auch im Industriezeitalter, was heute unter anderem im Industriemuseum lebhaft nachvollziehbar wird.

Einige POI der Tour 20
Fabrikgut Hammer
Die Gutsanlage ist der erste Stopp des Radweges Industriegeschichte entlang von Pegnitz und Schnaittach. Bereits im 15. Jahrhundert entstand auf dem Gelände an der Pegnitz ein Messing-Hammerwerk.
Markt in Lauf (Pegnitz)
- Marktplatz mit Rathaus und Stadttoren als Teil der alten Stadtmauer
- Nürnberger und Herbrucker Tor schließen den Markt ein
Wenzelburg (Lauf)
Eine zwischen 1356-1360 errichtete Wasserburganlage, die Kaiser Karl IV. als Aufenthaltsort für die Reise von der Reichsstadt Nürnberg nach Prag an der “Goldenen Straße” bauen ließ. Besonders berühmt ist der Wappensaal mit 112 steinernen Wappen des böhmischen Hochadels.
Im Detail: Industriemuseum
Das denkmalgeschützte Ensemble des Industriemuseums im ehemaligen Industrieviertel von Lauf beherbergt in den alten Fabrikhallen u.a. eine komplette Motorventilfabrik, ein Hammerwerk, eine Getreidemühle und bietet Einsichten in das Leben und Arbeiten im Industriezeitalter. Absolut sehenswert – auch mit Kindern spannend durch die Mitmachstationen.
Pause
Tour 1 und 2 kombiniert: Fränkische-Alb-Tour & Pegnitzterrassen-Tour
- ca. 42 km (Originaltour 1) + 24,5 km (Originaltour 2)
- ca. 410 hm (ohne Festung), ca. 600 hm mit Festung + 230 hm
Tour 1
Tag zwei im Nürnberger Land war abwechslungsreich und wunderbar grün, denn es ging hinein in die Fränkische Alb im Norden von Lauf. Von hier ist die Fränkische Schweiz nur einen Katzensprung entfernt und es warten einige Hügel und Anstiege auf dieser Route, aber ebenso wunderbare Aussichten und Sehenswürdigkeiten.
Gleich zu Beginn geht es hinein in den Wald und feinste Schotterwege lassen auch die Herzen von Gravelbike-Fans schneller schlagen. Die Nebenstraßen auf dieser Route führen zwischen hügeligen Feldern hindurch und vorbei an herrlichen Streuobstwiesen, von denen es in dieser Region einige gibt und deren Früchte u.a. zu schmackhaften, regionalen Säften verarbeitet werden.
Routenerweiterung:
Der Abstecher zur Festung Rothenberg von Schnaittach aus bringt einige Höhenmeter und ein paar steile Rampen mit in die Tour. Doch man wird definitiv für die Anstrengungen entschädigt, sobald man die Anlage betreten hat und die dicken Mauern und den Ausblick bewundern kann.
1729 ließ Kurfürst Karl Albrecht die spätbarocke Festung nach französischem Vorbild errichten, die heute zum Teil verfallen ist. Die großen Festungsmauern, die Ruinen der alten Kasernen und die Kasematten kann man sich im Rahmen einer ca. 45 minütiger Führung anschauen, die sich definitiv lohnt – ebenso wie der tolle Weitblick über das Nürnberger Land von den Festungsmauern aus.

Tour 2
Eine entspannter Tagesabschluss erwartete mich. Die Landschaft überzeugt weiterhin und erstrahlt vor allem jetzt im Frühling in saftigem Grün, gespickt mit dem kräftigen Gelb einiger Rapsfelder.
Wenn man die Pegnitzterrassen-Tour als Tagestour plant, ist sie perfekt geeignet, um Lauf etwas genauer zu erkunden, weil sie nicht so lang ist und man genug Zeit einplanen kann, um einige Sehenswürdigkeiten zu entdecken! Auf der Route selbst gibt es auch ein paar Highlights wie das Fränkische Hopfenmuseum in Speikern oder das Renaissanceschloss und heutiges Hotel Reichenschwand.
In Ottensoos machte ich noch eine kleine Snackpause in einer wunderbaren Bäckerei. Der Ort aus dem 9. Jahrhundert ist einer der ältesten im östlichen Mittelfranken. Es gibt dort u.a. eine ehemalige Synagoge, die heute als Ort für Konzerte und Vorträge genutzt wird und einen Kulturbahnhof, welcher als Kunstmuseum fungiert und Forum für nachhaltige Entwicklung ist.
Pause
POI der Etappe 2
Jüdisches- und Heimatmuseum, inklusive großer Sammlung historischen Christbaumschmucks
- 561 m u. N.N. gelegen
Bereits Anfang des 11. Jahrhunderts wurde eine Festungsanlage auf dem Rothenberg errichtet. Heute kümmert sich ein Verein um die Erhaltung und Pflege der Anlage. Der Zutritt ist nur innerhalb einer Führung möglich: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen, stündlich zwischen 11-16 Uhr
Ein Theater innerhalb eines ehemaligen Landwirtschaftsbetriebes mitten im Laufer Ortsteil Dehnberg. Im Sommer mit Freilufttheater im Theaterinnenhof.
Im Museum wird der Hopfenanbau der Region dokumentiert – von der Ernte bis zum fertigen Endprodukt.

Tour 12: Rund um den Moritzberg (inkl. Auffahrt)
- ca. 26,5 km (Originaltour 12) + 12 km
- ca. 190 hm (ohne Moritzberg), ca. 400 hm mit Moritzberg
Bevor meine Zeit im Nürnberger Land zu Ende geht, habe ich mir am letzten Tag noch ein besonderes Highlight vorgenommen. Während die ursprüngliche Tour 12 UM den Moritzberg führt, habe ich beschlossen, AUF den Moritzberg zu fahren. Der “Nürnberger Hausberg”, der eben aufgrund seiner Nähe zur Großstadt ein beliebtes Ausflugsziel ist, verspricht schöne Ausblicke und steile Anstiege. Das ist genau der Punkt, wo sich eine gute Übersetzung am Fahrrad auszahlt (oder ein Motor, der einem hilft, die knackigen Steigungen zu überwinden).
Übrigens: E-Bike Besitzer:innen können sich freuen, denn oben am Gasthof wartet eine Ladestation.
Anyway: Bei bis zu 17% Steigung muss ich auf jeden Fall ohne E definitiv absteigen und schieben. Bevor es soweit gekommen ist, habe ich jedoch die Fahrt durch die hügelige Landschaft sehr genossen, denn die Strecke durch die hübschen kleinen Ortschaften, vorbei an grünen Feldern und Wäldern ist wirklich herrlich. Naja, und auch wenn die Fahrt auf den Moritzberg anspruchsvoll ist, entlohnt der Blick nach unten und auf die sanfte Berglandschaft allemal.
Ich bin relativ früh auf dem Gipfel des Moritzbergs eingetroffen (vormittags), was selbst an einem Samstag den Vorteil mit sich bringt, die Ruhe und den Biergarten des Berggasthofs, den es dort oben schon seit Jahrhunderten gibt, mit nur wenigen teilen zu müssen. Auch den Aussichtsturm, der zwischen 1910 und 1913 errichtet wurde, hatte ich ganz für mich allein. Nachdem ich diesen erklommen habe, genoss ich noch eine Erfrischung und eine kleine Stärkung im Biergarten, bevor ich mich an die rasante Abfahrt machte.
Wer noch etwas Zeit mitbringt, kann auf der Route noch einen Abstecher zum Herrensitz Renzenhof (in Privatbesitz) aus dem 14. Jahrhundert machen. Für mich ging es direkt weiter an die Pegnitz und zurück auf die Tour 20. Denn das Wetter war großartig an diesem Samstag im Mai und so konnte ich noch ein paar Kilometer radeln, bevor ich in Nürnberg wieder in den Zug nach Hause steigen musste.
Pause
POI der Etappe 3
Im Mittelalter wurden vor allem Erz und Kalk abgebaut. Anfang des 15. Jahrhunderts wurden eine Kapelle und ein Bruderhaus auf dem Berg errichtet. Mit der Errichtung der Eisenbahnstrecke von Nürnberg wurde der Moritzberg im 19. Jahrhundert zum beliebten Ausflugsziel und ist es bis heute. Der Verschönerungsverein Moritzberg kümmert sich um die Erhaltung des Aussichtsturms. Die Moritzbergkapelle dient heute noch als Ort für Veranstaltungen, wie der Kirchweih.

Unterkunft

Das Nürnberger Land auf komoot
Meine Touren im Nürnberger Land auf komott, inklusive der angepassten und erweiterten Touren im Überblick.
Fazit zum Radfahren im Nürnberger Land
Hach, schön war es im Nürnberger Land. Die Grenzregion zur fränkischen Schweiz bietet genau die richtige Mischung aus Naturerlebnis und Sightseeing. Wer Natur und Einsamkeit sucht, wird genauso bedient wie Kultur- und Geschichtsinteressierte. Die vorgeschlagenen Routen sind nicht allzu anspruchsvoll, können aber individuell erweitert werden. Die Höhenmeter lassen sich gut bewältigen, wenn man eine gewisse Grundfitness hat. Die Abstecher zur Festung Rothenberg oder auf den Moritzberg zum Beispiel, sind zwar fordernd, aber sowas von lohnend und stellten für mich die Tageshighlights dar. Die Seiten des https://urlaub.nuernberger-land.de sind ein toller Ausgangspunkt für die Erkundung der Region!
Ich komme auf jeden Fall wieder! Danke für die Einladung, Nürnberger Land!


