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B2Fh: Unterwegs mit der kilometerfressenden Gravelmaschine

Plötzlich verengte sich der Weg und wurde zu einem schmalen Pfad, der sich tiefer in den Wald hinein schlängelte. Ich atmete die holzig riechende, frische Waldluft ein, beobachtete das Spiel der Sonnenstrahlen, die zwischen den Baumkronen aufblitzten und seufzte mehrfach laut auf: Wie schön es hier war! Ich war völlig allein, keine Menschenseele in Sicht – wie so oft auf vielen Streckenabschnitten an diesem Samstag. Immer mehr kleine Wurzeln und Ästchen bedeckten den Boden und ich fuhr etwas langsamer – auch weil die Äste einiger Sträucher weit in den Weg hinein ragten. Der perfekte Trail für eine entspannte MTB Fahrt. Nun, ein Mountainbike hatte ich nicht dabei, aber mein Gravelbike mit seinen breiten 43 mm Reifen machte auch keine schlechte Figur. Mit ein paar Wurzeln konnten ich und mein Rad noch ganz gut umgehen. Mit dem breiten, astreichen Baumstamm, der plötzlich mitten vor mir auf dem Pfad lag, gab es allerdings ein größeres Problem…

Ich war auf dem Weg an den Bodensee zur größten Fahrradleitmesse Europas: Die Eurobike 2018. Bereits die erste Etappe meiner Reise von Berlin nach Friedrichshafen bot in puncto Wegbeschaffenheit genügend Abwechslung, auch wenn sie tatsächlich größtenteils auf Asphalt stattfand.

1. Etappe #B2Fh: Von Berlin Wannsee nach Leipzig

Als ich am Morgen des letzten Junitages (Samstag, 30.06.2018) in Berlin am Wannsee auf mein Rad stieg, waren meine Gedanken etwas zwiegespalten. Zum einen war da diese Vorfreude, dieses leichte Kribbeln, dass kurz vor Beginn einer Reise immer da war. Mich begleitete aber auch diese leichte Unsicherheit und der Respekt vor meiner geplanten Tour. Ich freute mich sehr darauf unterwegs zu sein, nur das Zeitlimit beunruhigte mich. Denn bereits am ersten Tag wollte ich so viele Radkilometer am Stück zurücklegen, wie nie zuvor. Ca. 175 km in one go! Es sollte spannend werden, ob ich das geplante Tempo halten und mit meinem Veloheld zurechtkommen würde und vor allem: Ob ich meine Gedanken sortieren und mich motivieren konnte .

Ich hatte allgemein sehr knapp geplant. Doch anders war es für mich zeitlich nicht realisierbar gewesen. Schon nach 5,5 Tagen (plus einer zweitägigen Unterbrechung) wollte ich die ca. 770 km bis an den Bodensee zurückgelegt haben – mit einem neuen Rad, das ich noch nicht so gut kannte, mit einem neuen Set-Up, das ich noch erproben musste und mit mir – allein. Tja, irgendwann musste ich es ausprobieren. Warum nicht jetzt? Auf los geht es los!

Zeitnot? Eigentlich nicht!

Jeder Tag dieser Reise hatte eine andere Stimmung, bot ein anderes Fahrgefühl. Am Samstag auf der Fahrt von Berlin nach Leipzig hatte ich besonders die Streckenlänge im Kopf. Hatte ich mir zu viel zugetraut? Konnte ich es schaffen bis 19 Uhr in Leipzig zu sein, um noch ein paar Stunden am Abend in der Stadt zu haben? So wanderte mein Blick immer wieder auf den Kilometerstand und auf die Geschwindigkeit. Das IconX machte  für mich einen Unterschied. Ich war schneller als sonst unterwegs und es fiel mir leichter das Tempo zu halten. Das mag zum einen am sportlichen Fahrrad liegen, zum anderen daran, dass ich viel weniger Gepäck dabei hatte, was bestmöglich am Rad befestigt worden war.

Alles um die 21 km/h war gut. Schneller ging oft, musste aber nicht. Dazu bin ich zu sehr Genussfahrerin. Ein moderates Tempo also, bei dem ich auch einmal den Blick von der Straße abwenden und die wunderschöne Brandenburger Landschaft genießen konnte. Durch Nadelwälder und auf Landstraßen sanfte Hügel hoch und runter. Über steinige Feld- und kieselige Waldwege führte mich meine Route. Abgesehen von der Sonne, die unentwegt auf mich niederbrannte, fühlte ich mich gut. So gut, dass ich die erste richtige Pause erst nach der Coswiger Fährüberfahrt im schönen Wörlitz machte – nach ca. 95 km und knapp über der Hälfte der Strecke.

Auf Abwegen

…Ich fand einen Weg an dem gefallenen Baum vorbei. Doch dies war nur der Anfang gewesen. Schnell begann der Schweiß auf meiner Stirn zu perlen, als ich mein Rad, so leicht bepackt es auch war, immer wieder über teils sehr große Baumstämme heben musste. Vielleicht habe ich doch den falschen Abzweig genommen? Mein Navi war jedoch der festen Überzeugung, dass es genau dieser Weg sein musste, der noch immer schwer von den Zerstörungen des letzten Sturms gezeichnet war. Aber umdrehen? Das war keine Lösung.

So ging ich außen herum, schob mein Rad kleine Böschungen hoch und zerrte es über Baumstämme. Zwischendurch überkam mich ein wenig Verzweiflung und der Gedanke, ob es nicht doch besser gewesen wäre, die paar Kilometer zurückzufahren. Doch nach vielen schweißtreibenden Radhebungen, konnte es endlich weitergehen.

Hallo, Leipzig, schön dich zu sehen!

Die letzten 30 Kilometer zogen sich wie Gummi in der Mittagshitze. Ich wollte ankommen. Wirklich. Langsam reichte es. Mein Hintern fühlte sich zwar noch recht gut an – die Radlerhose erfüllte ihren Zweck – doch mein unterer Rücken fand das alles nicht mehr so gut. Lag es am Sport-BH, der nicht optimal saß? Oder doch an meiner Sitzposition, die etwas zu gestreckt war? Denn in den nächsten Tagen hatte ich dieses Problem nicht mehr so stark.

Schließlich kam das Leipziger Ortseingangsschild. Doch wo war jetzt die Stadt, die ich kannte? Weiterhin säumten Felder meinen Weg. Ich fuhr durch einen kleinen Ort mit wenigen Menschen auf der Straße. So hatte ich es in vielen Brandenburger Dörfern erlebt: Keine Menschenseele zu sehen und zum Glück auch wenig Autoverkehr. Ein paar Kilometer weiter standen die Häuser schließlich enger beieinander, wurden höher und nach einem kurzen Weg am schönen, begrünten Kanal entlang, war ich in der Innenstadt: Hallo Leipzig! Es war die längste Etappe, die ich je auf einem Fahrrad am Stück gefahren war – die ich je allein gefahren war.

Tageskilometer gesamt: ca. 185 km

Bundesländer: Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen

1. Etappe auf Strava

Mach mal halblang!

2. Etappe #B2Fh: Von Leipzig nach Naumburg mit Umwegen

Nach einen wundervollen Abend in Leipzig beim Klassik airleben mit einer lieben Freundin und der Miri von hamburgfiets, die an diesem Wochenende zufällig auch in der Stadt war, sollte der nächste Tag etwas entspannter werden. Ich wollte nach Naumburg an der Saale mit einem vorherigen Abstecher nach Laucha bei Freyburg (Unstrut), wo Freunde ein Weingut bewirtschafteten. Ein gutes Ziel also und nur knapp 90 km für den Tag klangen relaxt. Das Wetter war nach wie vor sonnig und warm und meine Motivation uneingeschränkt groß. Ich verließ Sachsen erst gegen Mittag ganz entspannt. So viel Urlaubsruhe musste sein (und so viel Kaffee auch ;-)).

Mein Highlight an dem Tag war sicherlich das Gradierwerk in Bad Dürrenberg! Ja, ich gebe zu, ich habe derartiges noch nicht gesehen und war zutiefst beeindruckt von der Größe der Anlage. Laut Wikipedia ist das wie folgt:

(…) eine Anlage zur Salzgewinnung. Sie besteht aus einem Holzgerüst, das mit Reisig verfüllt ist. Das Verb gradieren bedeutet „einen Stoff in einem Medium konzentrieren“. Im Falle eines Gradierwerks wird der Salzgehalt im Wasser erhöht, indem Sole durch das Reisig hindurchgeleitet wird, wobei auf natürliche Weise Wasser verdunstet.

Die spendierte Apfelschorle tat auch gut und ließ mich für ein paar Minuten nahe der angenehm kühlen, tropfenden Sole verweilen.

Ein bisschen Eis muss ein!

Schließlich fuhr ich weiter und vorbei am großen Geiseltalsee, wo an diesem sonnigen Sonntag reges Treiben herrschte. Da musste natürlich auch ein Eis für mich her. Der gut ausgebaute Radweg führte mich  an den Hängen des Sees entlang und ich genoss die frische Brise und den Gedanken heute trotz späten Aufbruchs bereits früher am Tag an meinem Ziel anzukommen. Das tat wirklich gut. Ich hatte am Vortag doch den Zeitdruck deutlich gemerkt und mag das bei einer Radreise überhaupt nicht. Das musste bei der nächsten Tour besser werden. Ich will einfach auch nur mal irgendwo sitzen können, ohne ständig die Uhr im Blick zu haben und den Gedanken an die noch vielen Kilometer vor mir. Das ist mir zu unentspannt ;-).

Von uralten Pflastersteinen und Kirschbäumen

Ich fuhr durch einen winzigen Ort mit einer mittelalterlichen Kirche, etwa aus dem 12. Jahrhundert, und war fast überrascht, als ich sogar ein paar wenige Menschen erblicken konnte. Dann begann das Kopfsteinpflaster. Wieder versperrte eine Kurve zunächst den Blick auf die volle Pracht dieser Straße, die natürlich bergauf führen sollte.

Wider Erwarten entmutigte mich dieser Anblick jedoch kaum. Ich war wohl noch gut drauf vom Eis zuvor. Das mitleidige Lächeln eines Mountainbikers, der mir entgegen kam, spornte mich weiter an, als ich die letzten Meter auf diesem unsäglichen Untergrund den Hügel hinauf ächzte. Und dann…dann folgte die eigentliche Qual. Gesäumt von alten Obstbäumen hätte die vor mir liegende, verlassene Straße wirklich schön sein können. Doch stattdessen gab es Steine, viele Steine! Kopfsteinpflaster in der Ausgabe uralt und in unterschiedlichsten Größen und Formen – mal ganz klein und abgebrochen, mal groß und breit, aber nie flach, glatt oder gleichmäßig. Die  Farbschattierungen variierten ebenso stark wie die Oberflächen”qualität”.

Zunächst versuchte ich mein Glück auf dem kieseligen Streifen, der direkt am Feld entlang führte und neben der eigentlichen Straße. Was zunächst noch ein breiter Weg war, verengte sich nach wenigen hundert Metern auf einen schmalen Pfad. Dieser ließ mir ab und an die Wahl entweder ins Feld auszuweichen oder ein paar Schüttelaktionen auf den Pflastersteinen zu genießen.

Endlich, nach etwa 4 km war die Odyssee vorüber. Der letzte Abschnitt bis zu meinem ersten Tagesziel war eine von Kirschbäumen gesäumte Allee, die sich deutlich besser befahren ließ und sogar noch eine süße Abfahrt für mich bereit hielt. Ca. 70 km geschafft!

Auf dem Saale-Unstrut Radweg nach Naumburg

Nach dem Besuch des kleinen Weingutes bei Laucha mit dem wunderschönen Blick ins Tal, radelte ich noch weitere rund 20 km nach Naumburg. Falls ihr je in der Nähe seid, lasst euch den Saale-Unstrut-Radweg nicht entgehen! Entlang der Unstrut führt dieser Abschnitt des Weges über Freyburg nach Naumburg. Ich genoß die Abendsonne so sehr, welche die Weinberge der Region und die Burgen und Herrenhäuser in ein wunderschönes Licht tauchte. Der Fahrtwind und der größtenteils flache Weg machten die Fahrt zum gemütlichen Ausklang des Radtages für mich. An diesem Sonntag, als ich in Naumburg schließlich ankam, wurde übrigens bekannt, dass der berühmte Naumburger Dom endlich zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde.

Tageskilometer gesamt: ca. 90 km

Bundesländer: Sachsen, Sachsen-Anhalt

Die nächste Etappe sollte mich durch Thüringen führen und eine große Herausforderung für mich werden. Bald mehr dazu!

Rad + Reise Hamburg 2018

Die ADFC Messe Rad + Reise findet auch im Frühjahr 2018 wieder in Hamburg statt.

Die Rad + Reise Hamburg fokussiert das Thema Reisen mit dem Fahrrad in allen Facetten. Dort kann sich der oder die BesucherIn über das richtige Reiserad und das passende Zubehör genauso informieren, wie über beliebte Tourismusregionen und Reiseveranstalter. Zahlreiche Aussteller vor allem aus dem Norden Deutschlands präsentieren sich in der Sporthalle Hamburg. Abgerundet wird die Rad + Reise mit einem Vortragsprogramm von Radreisenden und Themen rund um die Reise an sich.

Weitere Infos zu den Ausstellern und dem Rahmenprogramm gibt es auf der Website des ADFC-Hamburg.

https://hamburg.adfc.de/freizeit/veranstaltungen/rad-reise/rad-reise/

 

Titel: ADFC Hamburg

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Schweizer Rheinromantik und geänderte Pläne

Nach einem entspannten Frühstück setzte ich meine Reise an Tag sieben auf dem Rheinradweg fort. Es war der letzte meiner Tour und ich freute mich darauf, am Bodensee anzukommen. Ich hatte nur ein kleines Problem: Meine Unterkunft für die kommenden drei Messetage hatte Friedrichshafen noch nicht erreicht! Sie war scheinbar mit der Post verschollen.

Fast zwei Wochen vor meiner geplanten Ankunft am Bodensee hatte ich ein Paket mit Zelt und Schlafsack an eine Packstation in Friedrichshafen gesendet. Mein Plan war während der Eurobike auf dem Campingplatz zu nächtigen, so wie im Vorjahr auch. Nur aus irgendeinem Grund veränderte sich der Sendungstatus nicht. Als also am Dienstag, einen Tag vor meiner Ankunft immer noch keine Spur von dem Paket war, machte ich mir ernsthaft Gedanken.

Von der Fahrradgemeinschaft und der Reichweite sozialer Netzwerke

Ich hatte an diesem Tag aber ein Foto gepostet und auf meine etwas ungünstige Lage aufmerksam gemacht. Ich muss zugeben, ich habe nicht damit gerechnet, dass sich das so schnell verselbstständigt. Das Bild und meine Frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit in dem zu Messezeiten sehr überlaufenen Friedrichshafen wurde geteilt und ich bekam Stück für Stück ein paar Nachrichten und Angebote.

Von kompletter Campingausrüstung mit Schlafsack und Isomatte über Vorschläge für eventuell noch freie Jugendherbergen und Ferienwohnungen mit Zusatzbett war so einiges dabei. Am letzten Reisetag las ich gegen Mittag dann eine kurze Facebooknachricht mit einer Telefonnummer und der Bitte um Rückruf, falls meine Suche noch nicht abgeschlossen sei. Ich war neugierig, weil ich denjenigen nicht kannte, aber schnell durch einen Blick auf sein Profil feststellen konnte, wer unser gemeinsamer Bekannter ist. Ich war beruhigt und wählte die Nummer. Es dauerte nicht lang und ich wusste, dass meine Suche vorerst abgeschlossen war. Zumindest am Mittwoch musste ich mir keine Gedanken mehr machen, wo ich denn unterkommen könnte. Dies entspannte meine Stimmung doch deutlich.

Vielen, vielen Dank an all die tollen Menschen, die mir Vorschläge gemacht und Hilfe angeboten haben. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, nicht allein da zu stehen und zu wissen, dass ich sicher irgendwo unterkommen werde!

7. Tag: Kössaberg – Radolfzell

Strecke: ca. 90 km

Ich war also optimistisch gestimmt, als ich bei bestem Spätsommerwetter durch die wunderschöne, wechselnde Landschaft an den Ausläufern des Südschwarzwaldes entlang radelte. Schweizer Rheinromantik pur. Wie konnte ich da auch schlechte Laune haben? Immerhin war ich unterwegs, saß auf meinem Brompton und entdeckte eine mir unbekannte Gegend bei traumhaftem Wetter. So wie am Vortag verliefen die Landesgrenzen fließend. War ich eben noch in einem kleinen Schweizer Ort, näherte ich mich kurz darauf schon wieder deutschen Feldern.

Was für ein Rheinfall! (sorry :-D)

Das große Highlight des Tages sollte der Rhein-Wasserfall in Neuhausen sein, der zu den größten Wasserfällen Europas zählt. Kurz zuvor hatte ich mal wieder eine Grenzlinie überfahren, die hier zugegebenermaßen extrem gezackt verläuft. Das toppte sogar den Vortag.

Auch, wenn der Rheinfall (ja, sie nennen ihn wirklich so…) sicherlich kein Geheimtipp ist, er ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Besonders beeindruckt hat mich nicht nur die Breite, die mit 150 m schon enorm ist. Auch die durchlaufende Wassermenge und die Lautstärke des beständig rauschenden Wassers blieben in Erinnerung. Die Anzahl der Touristen, die in zahlreichen Booten durch den Rhein geschifft wurden, war genauso beachtlich und motivierte mich, nicht allzulange zu verweilen. Den schönen Ausblick vom Schloß Laufen auf der anderen Rheinseite ließ ich also aus und fuhr lieber eine praktische Runde mit dem vor gar nicht langer Zeit errichteten, frei stehenden Fahrstuhl. Mithilfe von diesem war es deutlich leichter in den höher gelegenen Ort und wieder auf meinen Track zu kommen, als über die vielen Stufen. Außerdem war er relativ gering frequentiert.

Rheinromantik und Bio-Verpflegung im Grünen

Durch das hübsche Schaffhausen hindurch führte mich mein Weg direkt am Wasser entlang und endlich auch wieder hinaus aus der Stadt. Das Tolle war: Aufgrund der Wegführung und der zahlreichen Sehenswürdigkeiten war dieser Tag so abwechslungsreich, dass mir keine Minute langweilig wurde.

Es gab eher zu viele Gründe auch einmal anzuhalten, den Ausblick zu genießen (wie im Video oben bei Diessenhofen) oder das Rad durch eine historische Altstadt zu schieben. Der letzte Schweizer Ort meiner Reise ist so eine besagte Stadt. Stein am Rhein bietet zahlreiche optische und architektonische Highlights. Rheinromantik, ich sagte es ja.

In Stein reihen sich wunderschöne alte Fachwerkhäuser aneinander, doch der wahre Hingucker ist die Altstadt mit ihren aufwändig bemalten Hausfassaden. So viele Details verlangten nach meiner Aufmerksamkeit, dass ich einfach vom Fahrrad steigen und langsam hindurch laufen musste, um die Wandgestaltung zu bestaunen.

Großartig war in der Schweiz auch, zumindest auf meinem Streckenabschnitt, die häufige Verfügbarkeit von Trinkwasserstellen. So hatte ich immer wieder die Gelegenheit, meine Wasserflasche aufzufüllen.

Oder man nimmt eben einen Imbiss irgendwo auf der Route ein wie zum Beispiel bei einem Biohof, an dem ich nach einer hügeligen Auf- und Abfahrt bei Gailingen eine Pause einlegte. Die Bioladestation verspricht Radfahrenden und Wanderern eine gemütliche Pausengelegenheit im Schatten von großen Bäumen mit Gebäck, eiskalten Getränken und Kaffee gegen einen kleinen Beitrag in die Vertrauenskasse. Dazu sitzt man mitten im Grünen mit Feldern ringsherum und garantiert ohne Touristenströme. Ich war schon ein wenig begeistert, als ich die Ladestation am Wegesrand entdeckte. Obwohl ich kurz zuvor bereits eine Pause eingelegt hatte, musste ich einfach noch einmal anhalten und auch einen Eintrag im Gästebuch hinterlassen.

Bodensee und Zugfahrt am Abend

Und dann war ich endlich da. Nach einer Woche unterwegs mit meinem Brompton hatte ich mein Ziel (fast ) erreicht. Ich war am Bodensee angekommen. Doch an diesem Mittwoch sollte ich nicht weiter als bis Radolfzell radeln. Mein ursprünglicher Plan bis Konstanz zu fahren und mit dem Katamaran nach Friedrichshafen überzusetzen, hatte sich aufgrund der zwangsläufig veränderten Schlafsituation erledigt. Stattdessen gönnte ich mir in Radolfzell ein wirklich sehr gutes Eis (das Beste, das ich in der Region und auf meiner ganzen Reise genießen durfte) und stieg dann in den Regionalzug.

Tuttlingen und unglaubliche Gastfreundschaft

Was mich am Ende meiner Reise erwartete, kann ich trotz der vorherigen Ungewissheit nur als einen wahren Höhepunkt beschreiben. Ich habe auf der Tour einige sehr tolle, hilfsbereite und freundliche Menschen getroffen. Diese Reiseerfahrungen bleiben mir als wichtigste und wertvollste Erinnerungen. Als ich aber in Tuttlingen aus dem Zug stieg und dort bereits erwartet wurde, war ich schon etwas überwältigt. Zunächst war ich etwas unsicher, als ich in das Auto stieg, das mich zu meiner Unterkunft für die Nacht bringen sollte. Ich bin nicht so der Typ, der zu Wildfremden in die Karre steigt und sich einfach irgendwo hinfahren lässt. Doch in dem Fall hatte ich einfach keine Zweifel. Das Telefonat zuvor, die ruhigen, aber höflichen Worte während der Fahrt und dann die Begrüßung bei der Ankunft, fühlten sich einfach richtig an.

Was ich dann erlebte war ein wundervoller, angenehmer Abend mit leckerem Essen, schönen Gesprächen und zwei sehr tollen Gastgebern! Danke ihr beiden! Es war mir ein Fest und ich hoffe, wir sehen uns mal wieder!

Meine Reise war zu Ende. Die nächsten Tage vergingen auf der Eurobike im beständigen Regen. Der Sommer war irgendwie genau mit meiner Ankunft am Bodensee vorbei. Ich war etwas geschafft von der Sonne, aber glücklich endlich wieder ein paar Tage im Sattel verbracht zu haben. Ich freue mich schon sehr auf meine nächste Tour und wer weiß schon, wohin es mich da verschlagen wird.


Hier gibt es Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der mit dem Faltrad auf dem Rheinradweg-Tour.

Die Donation-Drone – mit Brompton und Drohne durch Kambodscha

Die Donation-Drone – mit Brompton und Drohne durch Kambodscha. Das klingt spannend, oder? Ich wurde sofort neugierig, als mir Andrea bei der Fahr Rad Kino-Tour im September davon erzählte. Sie ist Fotografin und Fahrradguide in Berlin und hat bereits langzeitig Radreiseerfahrungen gesammelt.

Zusammen mit Klaus und ihren beiden Hunden reiste sie zwei Jahre mit “normalen” Fahrrädern um die Welt. Auf dieser Reise waren sie auch in Ländern unterwegs, die nicht die gleichen Standards wie wir in Deutschland und dem Großteil von Europa haben.

Die Donation-Drone

Mitte November 2017 starten die zwei daher ein ganz besonderes Projekt: Sie wollen vier Monate mit ihren Brompton-Falträdern durch Kambodscha reisen und mit einer Drohne Luftaufnahmen machen, die gegen eine Spende verfügbar gemacht werden. Das Prinzip ist einfach: Spende mindestens 5 € und erhalte dafür ein Luftbild aus Kambodscha per E-Mail! Das erhaltene Geld fließt 1:1 in das Projekt WASH ( WAsser, Sanitäre Einrichtungen und Hygieneschulungen) in Kambodscha. Wer mehr über die Hintergründe dazu erfahren möchte, kann dies bei “Kleine Hilfsaktion e.V.” nachlesen.

pic by jokeair

 

Das Projekt von Klaus und Andrea hat den Titel Donation-Drone und bisher sind bereits rund 2.000 € von den angestrebten 15.000 € zusammen gekommen.

Spende für Kambodscha – und bekomme eine Lufbildaufnahme!

Ich habe mit Andrea gesprochen, um etwas über ihre Beweggründe und ihre Motivation zu erfahren, die Reise nach Kambodscha anzutreten – und dann auch noch mit Brompton!

Liebe Andrea (A), Danke, dass du dir so kurz vor der Reise Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten!

1. Weshalb habt ihr euch Kambodscha als Reiseziel ausgesucht?

A: Ganz ehrlich? Asien sollte es sein. Ich habe Klaus gefragt: Kambodscha? Und Klaus hat gesagt: ok! Das kam einfach so aus mir heraus. Ich habe keine andere Beziehung zu dem Land und ich war auch noch nie irgendwo anders in Asien.

2. Wie seid ihr auf den Verein „Kleine Hilfsaktion e.V.“ aufmerksam geworden? 

A: Da gab es einen Beitrag im Fernsehen und ich habe Roland von dem Verein angerufen. Der ist immer im Winter selber vor Ort mit verschiedenen Spendenaktionen und Rollstühlen im Gepäck. Wir haben miteinander gequatscht und es war klar – das passt. Wie, das wusste ich da auch noch nicht.

3. Woher kam dann die Idee, mit einer Drohne gegen eine Spende Luftaufnahmen zu machen? 

A: Wir mussten überlegen, wie wir den „Kleine Hilfsaktion e.V.“ unterstützen können. Nun, ich werde oft im Bekanntenkreis gefragt, ob sie die ein oder andere Luftaufnahme von uns vielleicht für die eigenen 4 Wände bekommen können. Klar, wir sagen immer ja. Und jetzt könnte doch der ein oder andere etwas Geld dafür bezahlen.

5 € und ihr bekommt exklusiv per Mail eine Luftbildaufnahme :-).

 

4. Tolle Idee! Und wie funktioniert das Spendensystem? 

A: Ab 5 € bekommt jeder Spender, wenn er seine E-Mail-Adresse angibt, eine Luftbildaufnahme aus Kambodscha. Sobald wir über die Grenze kommen, beginnen wir mit den Aufnahmen und diese werden dann der Reihe nach, wie die Spenden rein kommen, versendet.

Das Geld geht direkt auf ein Konto des „Kleine Hilfsaktion e.V.“. Wir hoffen 5.000 € zu sammeln. Benötigt werden 15.000 € zur Installation des Projekts WASH in Battambang. Wir haben uns das Projekt heraus gesucht, weil wir uns wünschen, dass Kinder auf der Welt nicht mehr damit aufwachsen müssen, dass Durchfall etwas Normales ist. Sie müssen darin geschult werden, was Hygiene bedeutet und die Menschen vor Ort müssen in der Lage sein, ihr eigenes, sauberes Wasser herzustellen. Über diese Bio-Sandfilter werden wir dann vor Ort berichten.

5. Warum macht ihr die Reise mit dem Fahrrad und dann auch noch mit einem Faltrad wie dem Brompton

A: Ohne Fahrrad wäre eine solche Reise unvorstellbar. Damit werden wir an Orte kommen, die man nur schwer erreicht oder, wo man sonst nicht vorbei fährt. Nah an den Menschen, das ist uns wichtig. Nach unserer 2-jährigen Fahrrad(welt)reise von Deutschland nach Ägypten und zurück war klar: Das Fahrrad ist unsere Art, Länder zu bereisen und mit Menschen in Kontakt zu kommen, an Orten zu bleiben, wenn es sich gut anfühlt und weiter zu reisen, wenn es sein soll.

 Ein Fahrrad ist schnell genug und doch auch langsam genug, um die Welt zu entdecken.

 

Dieses Mal haben wir uns für ein Brompton entschieden um flexibler zu sein. Wir werden mit weniger Ausrüstung reisen, auch wenn wir viel Technik mit uns führen 🙂 und so vielleicht doch mal in den ein oder anderen Bus steigen. Und warum genau ein Brompton? Gibt es eine Alternative? 🙂 Ohohoh! [Anmerkung: Wie diese Technik transportiert wird, erfahrt ihr weiter unten.]

6. Ihr habt sehr viel hochwertiges Equipment dabei und werdet sicher auch mit den Falträdern auffallen. Habt ihr Bedenken bezüglich Diebstahl oder eurer eigenen Sicherheit?

A: Ach je, nein, eigentlich nicht. Das kann natürlich passieren, aber Angst oder Bedenken, dass wäre jetzt mal wieder kein guter Begleiter. Die Menschen sind erst mal gut. Überall!

7. Was erhofft ihr euch am meisten von der Reise? 

A: Uns zu „erden“, wunderbare Menschen zu erleben und deren Geschichten zu erfahren und natürlich: Das Spendenziel zu erreichen :-).

Danke für das Interview

Ausrüstungsdetails: Wie transportiert man eine Drohne mit einem Brompton?

So eine Drohne kann schon gewisse Ausmaße annehmen, die nicht in jede Tasche oder jeden Anhänger passt.  Da Andrea und Klaus jedoch sicherstellen müssen, dass das wertvolle Stück die Reise auch heil übersteht, musste eine geeignete Transportbox vorhanden sein. Da die existierenden jedoch nicht passten, beschloss Klaus kurzerhand einen eigenen Anhänger zu bauen. Mit der Unterstützung und vielen Teilen von den bekannten, hochwertigen Hinterher aus München baute er eine Box mit speziellem, maßgefertigtem Anhänger für die Drohne. Und in diese passt bei Bedarf sogar das gefaltete Brompton, dass ihn sonst ziehen soll! Warum Klaus dafür sogar einen Kurs für den Umgang mit einer CNC-Fräse besuchte, könnt ihr ausführlich in seiner Bauanleitung auf seinem Blog planetbrompton.de nachlesen.

Links zum Projekt

Das ist eure Gelegenheit ein tolles, soziales Projekt zu unterstützen und dafür eine einmalige Luftaufnahme aus einem wunderschönen Land zu erhalten! Hier nochmal der Link zur Donation-Drone-Spendenseite.

Ihr könnt Andrea und Klaus auf ihrer Reise begleiten, die am 13. November 2017 startet! Sie haben eine Facebook-Seite und einen Instagram-Account.  Außerdem gibt es eine Jokeair-Instagramseite, wo man einen schönen Eindruck von der Qualität der bisherigen Luftbildaufnahmen bekommt.

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder

Am nächsten Morgen war kaum noch etwas von dem Unwetter des Vorabends zu erkennen. Nur ein paar Pfützen deuteten noch auf den vergangenen Regen hin und ich lenkte Ljómi im Slalom um diese herum. Ich freute mich darüber, wieder im Sattel zu sitzen, auch weil es die ersten Meter in Richtung Innenstadt von Worms nur bergab ging.

3.   Tag: Von Worms nach Hochstetten (bei Karlsruhe)

Strecke: ca. 100 km

Bevor ich zurück auf den Rheinradweg und an den Rhein rollte, erkundete ich neugierig die geschichtsreiche Stadt der Nibelungen mit ihrem Wahrzeichen, dem Dom St. Peter zu Worms, dem zweiten der drei berühmten rheinischen Kaiserdome auf meinem Weg. Im 12. Jahrhundert entstanden, ragt er noch heute mit seinen zahlreichen Rundbogen-Fenstern imposant in den Himmel. Auch sonst hat die Stadt ein paar reizvolle Altbauten zu bieten, die jedoch mit dem Fahrrad schnell abgefahren sind.

Der morgendliche Weg am Rhein entlang war wirklich schön und grün, vorbei an in Nebel gehüllte Felder und durch kleine Waldabschnitte. Doch spätestens, als ich mich Mannheim näherte wurde es anstrengend.

Die Straße führte mich in einem größeren Bogen vom Rhein weg, so musste ich zwar nicht durch die Stadt und das Industriegebiet fahren, dafür ging die Straße dennoch durch urbanen Raum. Einige Wohnsiedlungen lagen auf dem Weg. Wieder spürte ich die zunehmende Wärme, die mich doch sehr forderte (ich Nordkind, ich). Positiv war jedoch für mich, festzustellen, dass mein Brommie und ich uns gut eingespielt hatten. Ich fühlte mich wohl darauf, der Brooks Cambium fuhr sich großartig und am dritten Tag meiner Reise verzichtete ich auch mutig auf jegliche Radlerhosen und zusätzliche Polsterung. Kein Problem! Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Hitze und Maisfelder weiterlesen