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B2Fh: Unterwegs mit der kilometerfressenden Gravelmaschine

Plötzlich verengte sich der Weg und wurde zu einem schmalen Pfad, der sich tiefer in den Wald hinein schlängelte. Ich atmete die holzig riechende, frische Waldluft ein, beobachtete das Spiel der Sonnenstrahlen, die zwischen den Baumkronen aufblitzten und seufzte mehrfach laut auf: Wie schön es hier war! Ich war völlig allein, keine Menschenseele in Sicht – wie so oft auf vielen Streckenabschnitten an diesem Samstag. Immer mehr kleine Wurzeln und Ästchen bedeckten den Boden und ich fuhr etwas langsamer – auch weil die Äste einiger Sträucher weit in den Weg hinein ragten. Der perfekte Trail für eine entspannte MTB Fahrt. Nun, ein Mountainbike hatte ich nicht dabei, aber mein Gravelbike mit seinen breiten 43 mm Reifen machte auch keine schlechte Figur. Mit ein paar Wurzeln konnten ich und mein Rad noch ganz gut umgehen. Mit dem breiten, astreichen Baumstamm, der plötzlich mitten vor mir auf dem Pfad lag, gab es allerdings ein größeres Problem…

Ich war auf dem Weg an den Bodensee zur größten Fahrradleitmesse Europas: Die Eurobike 2018. Bereits die erste Etappe meiner Reise von Berlin nach Friedrichshafen bot in puncto Wegbeschaffenheit genügend Abwechslung, auch wenn sie tatsächlich größtenteils auf Asphalt stattfand.

1. Etappe #B2Fh: Von Berlin Wannsee nach Leipzig

Als ich am Morgen des letzten Junitages (Samstag, 30.06.2018) in Berlin am Wannsee auf mein Rad stieg, waren meine Gedanken etwas zwiegespalten. Zum einen war da diese Vorfreude, dieses leichte Kribbeln, dass kurz vor Beginn einer Reise immer da war. Mich begleitete aber auch diese leichte Unsicherheit und der Respekt vor meiner geplanten Tour. Ich freute mich sehr darauf unterwegs zu sein, nur das Zeitlimit beunruhigte mich. Denn bereits am ersten Tag wollte ich so viele Radkilometer am Stück zurücklegen, wie nie zuvor. Ca. 175 km in one go! Es sollte spannend werden, ob ich das geplante Tempo halten und mit meinem Veloheld zurechtkommen würde und vor allem: Ob ich meine Gedanken sortieren und mich motivieren konnte .

Ich hatte allgemein sehr knapp geplant. Doch anders war es für mich zeitlich nicht realisierbar gewesen. Schon nach 5,5 Tagen (plus einer zweitägigen Unterbrechung) wollte ich die ca. 770 km bis an den Bodensee zurückgelegt haben – mit einem neuen Rad, das ich noch nicht so gut kannte, mit einem neuen Set-Up, das ich noch erproben musste und mit mir – allein. Tja, irgendwann musste ich es ausprobieren. Warum nicht jetzt? Auf los geht es los!

Zeitnot? Eigentlich nicht!

Jeder Tag dieser Reise hatte eine andere Stimmung, bot ein anderes Fahrgefühl. Am Samstag auf der Fahrt von Berlin nach Leipzig hatte ich besonders die Streckenlänge im Kopf. Hatte ich mir zu viel zugetraut? Konnte ich es schaffen bis 19 Uhr in Leipzig zu sein, um noch ein paar Stunden am Abend in der Stadt zu haben? So wanderte mein Blick immer wieder auf den Kilometerstand und auf die Geschwindigkeit. Das IconX machte  für mich einen Unterschied. Ich war schneller als sonst unterwegs und es fiel mir leichter das Tempo zu halten. Das mag zum einen am sportlichen Fahrrad liegen, zum anderen daran, dass ich viel weniger Gepäck dabei hatte, was bestmöglich am Rad befestigt worden war.

Alles um die 21 km/h war gut. Schneller ging oft, musste aber nicht. Dazu bin ich zu sehr Genussfahrerin. Ein moderates Tempo also, bei dem ich auch einmal den Blick von der Straße abwenden und die wunderschöne Brandenburger Landschaft genießen konnte. Durch Nadelwälder und auf Landstraßen sanfte Hügel hoch und runter. Über steinige Feld- und kieselige Waldwege führte mich meine Route. Abgesehen von der Sonne, die unentwegt auf mich niederbrannte, fühlte ich mich gut. So gut, dass ich die erste richtige Pause erst nach der Coswiger Fährüberfahrt im schönen Wörlitz machte – nach ca. 95 km und knapp über der Hälfte der Strecke.

Auf Abwegen

…Ich fand einen Weg an dem gefallenen Baum vorbei. Doch dies war nur der Anfang gewesen. Schnell begann der Schweiß auf meiner Stirn zu perlen, als ich mein Rad, so leicht bepackt es auch war, immer wieder über teils sehr große Baumstämme heben musste. Vielleicht habe ich doch den falschen Abzweig genommen? Mein Navi war jedoch der festen Überzeugung, dass es genau dieser Weg sein musste, der noch immer schwer von den Zerstörungen des letzten Sturms gezeichnet war. Aber umdrehen? Das war keine Lösung.

So ging ich außen herum, schob mein Rad kleine Böschungen hoch und zerrte es über Baumstämme. Zwischendurch überkam mich ein wenig Verzweiflung und der Gedanke, ob es nicht doch besser gewesen wäre, die paar Kilometer zurückzufahren. Doch nach vielen schweißtreibenden Radhebungen, konnte es endlich weitergehen.

Hallo, Leipzig, schön dich zu sehen!

Die letzten 30 Kilometer zogen sich wie Gummi in der Mittagshitze. Ich wollte ankommen. Wirklich. Langsam reichte es. Mein Hintern fühlte sich zwar noch recht gut an – die Radlerhose erfüllte ihren Zweck – doch mein unterer Rücken fand das alles nicht mehr so gut. Lag es am Sport-BH, der nicht optimal saß? Oder doch an meiner Sitzposition, die etwas zu gestreckt war? Denn in den nächsten Tagen hatte ich dieses Problem nicht mehr so stark.

Schließlich kam das Leipziger Ortseingangsschild. Doch wo war jetzt die Stadt, die ich kannte? Weiterhin säumten Felder meinen Weg. Ich fuhr durch einen kleinen Ort mit wenigen Menschen auf der Straße. So hatte ich es in vielen Brandenburger Dörfern erlebt: Keine Menschenseele zu sehen und zum Glück auch wenig Autoverkehr. Ein paar Kilometer weiter standen die Häuser schließlich enger beieinander, wurden höher und nach einem kurzen Weg am schönen, begrünten Kanal entlang, war ich in der Innenstadt: Hallo Leipzig! Es war die längste Etappe, die ich je auf einem Fahrrad am Stück gefahren war – die ich je allein gefahren war.

Tageskilometer gesamt: ca. 185 km

Bundesländer: Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen

1. Etappe auf Strava

Mach mal halblang!

2. Etappe #B2Fh: Von Leipzig nach Naumburg mit Umwegen

Nach einen wundervollen Abend in Leipzig beim Klassik airleben mit einer lieben Freundin und der Miri von hamburgfiets, die an diesem Wochenende zufällig auch in der Stadt war, sollte der nächste Tag etwas entspannter werden. Ich wollte nach Naumburg an der Saale mit einem vorherigen Abstecher nach Laucha bei Freyburg (Unstrut), wo Freunde ein Weingut bewirtschafteten. Ein gutes Ziel also und nur knapp 90 km für den Tag klangen relaxt. Das Wetter war nach wie vor sonnig und warm und meine Motivation uneingeschränkt groß. Ich verließ Sachsen erst gegen Mittag ganz entspannt. So viel Urlaubsruhe musste sein (und so viel Kaffee auch ;-)).

Mein Highlight an dem Tag war sicherlich das Gradierwerk in Bad Dürrenberg! Ja, ich gebe zu, ich habe derartiges noch nicht gesehen und war zutiefst beeindruckt von der Größe der Anlage. Laut Wikipedia ist das wie folgt:

(…) eine Anlage zur Salzgewinnung. Sie besteht aus einem Holzgerüst, das mit Reisig verfüllt ist. Das Verb gradieren bedeutet „einen Stoff in einem Medium konzentrieren“. Im Falle eines Gradierwerks wird der Salzgehalt im Wasser erhöht, indem Sole durch das Reisig hindurchgeleitet wird, wobei auf natürliche Weise Wasser verdunstet.

Die spendierte Apfelschorle tat auch gut und ließ mich für ein paar Minuten nahe der angenehm kühlen, tropfenden Sole verweilen.

Ein bisschen Eis muss ein!

Schließlich fuhr ich weiter und vorbei am großen Geiseltalsee, wo an diesem sonnigen Sonntag reges Treiben herrschte. Da musste natürlich auch ein Eis für mich her. Der gut ausgebaute Radweg führte mich  an den Hängen des Sees entlang und ich genoss die frische Brise und den Gedanken heute trotz späten Aufbruchs bereits früher am Tag an meinem Ziel anzukommen. Das tat wirklich gut. Ich hatte am Vortag doch den Zeitdruck deutlich gemerkt und mag das bei einer Radreise überhaupt nicht. Das musste bei der nächsten Tour besser werden. Ich will einfach auch nur mal irgendwo sitzen können, ohne ständig die Uhr im Blick zu haben und den Gedanken an die noch vielen Kilometer vor mir. Das ist mir zu unentspannt ;-).

Von uralten Pflastersteinen und Kirschbäumen

Ich fuhr durch einen winzigen Ort mit einer mittelalterlichen Kirche, etwa aus dem 12. Jahrhundert, und war fast überrascht, als ich sogar ein paar wenige Menschen erblicken konnte. Dann begann das Kopfsteinpflaster. Wieder versperrte eine Kurve zunächst den Blick auf die volle Pracht dieser Straße, die natürlich bergauf führen sollte.

Wider Erwarten entmutigte mich dieser Anblick jedoch kaum. Ich war wohl noch gut drauf vom Eis zuvor. Das mitleidige Lächeln eines Mountainbikers, der mir entgegen kam, spornte mich weiter an, als ich die letzten Meter auf diesem unsäglichen Untergrund den Hügel hinauf ächzte. Und dann…dann folgte die eigentliche Qual. Gesäumt von alten Obstbäumen hätte die vor mir liegende, verlassene Straße wirklich schön sein können. Doch stattdessen gab es Steine, viele Steine! Kopfsteinpflaster in der Ausgabe uralt und in unterschiedlichsten Größen und Formen – mal ganz klein und abgebrochen, mal groß und breit, aber nie flach, glatt oder gleichmäßig. Die  Farbschattierungen variierten ebenso stark wie die Oberflächen”qualität”.

Zunächst versuchte ich mein Glück auf dem kieseligen Streifen, der direkt am Feld entlang führte und neben der eigentlichen Straße. Was zunächst noch ein breiter Weg war, verengte sich nach wenigen hundert Metern auf einen schmalen Pfad. Dieser ließ mir ab und an die Wahl entweder ins Feld auszuweichen oder ein paar Schüttelaktionen auf den Pflastersteinen zu genießen.

Endlich, nach etwa 4 km war die Odyssee vorüber. Der letzte Abschnitt bis zu meinem ersten Tagesziel war eine von Kirschbäumen gesäumte Allee, die sich deutlich besser befahren ließ und sogar noch eine süße Abfahrt für mich bereit hielt. Ca. 70 km geschafft!

Auf dem Saale-Unstrut Radweg nach Naumburg

Nach dem Besuch des kleinen Weingutes bei Laucha mit dem wunderschönen Blick ins Tal, radelte ich noch weitere rund 20 km nach Naumburg. Falls ihr je in der Nähe seid, lasst euch den Saale-Unstrut-Radweg nicht entgehen! Entlang der Unstrut führt dieser Abschnitt des Weges über Freyburg nach Naumburg. Ich genoß die Abendsonne so sehr, welche die Weinberge der Region und die Burgen und Herrenhäuser in ein wunderschönes Licht tauchte. Der Fahrtwind und der größtenteils flache Weg machten die Fahrt zum gemütlichen Ausklang des Radtages für mich. An diesem Sonntag, als ich in Naumburg schließlich ankam, wurde übrigens bekannt, dass der berühmte Naumburger Dom endlich zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde.

Tageskilometer gesamt: ca. 90 km

Bundesländer: Sachsen, Sachsen-Anhalt

Die nächste Etappe sollte mich durch Thüringen führen und eine große Herausforderung für mich werden. Bald mehr dazu!

Verlosung: 1+1 Plätze bei der Yoga-Cycling Fahrrad-Tour

Juhu, die Sonne hat uns im Wonnemonat Mai schon reichlich mit positiver Energie und Wärme versorgt und lädt ein, sich noch viel häufiger auf das geliebte Zweirad zu schwingen!

Teilnahmefrist verlängert! Siehe unten!

Was macht ihr eigentlich so am letzten Sonntag dieses Monats?

Ich habe da einen Vorschlag für diejenigen unter euch, die am 27.05.2018 in Berlin oder Brandenburg weilen und ein wenig über ihren üblichen Radfahrhorizont hinausschauen wollen.

Wie wäre es mit Yoga-Cycling?

Jetzt bitte nicht gleich den Kopf einziehen und an irgendwelche verrückten Verrenkungen denken, die auf dem Fahrrad nichts zu suchen haben und gefährlich beim Radfahren ablenken würden! 😉

Es geht viel mehr um einen entspannten, gemeinsamen Ausflug ins Grüne, verknüpft mit neuen Radelerfahrungen und kleinen Yoga-Übungen auf und neben dem Fahrrad. Ganz einfach, für die ganze Familie und fast überall anwendbar. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich!

Na, neugierig geworden?

Die Eckdaten der Tour

Die Route steht und wird uns mit Start im Café Sommerlust im schönen Schlosspark Pankow auf dem grünen Pankeradweg im familienfreundlichen Tempo nach ca. 25 km in die Stadt Bernau führen. Dort endet die Fahrt mit einer entspannten Yogarunde am Steinturm und mit einem anschließenden Besuch des lokalen Kunst- und Handwerkermarktes, der an diesem Tag in Bernau stattfinden wird.

Treff: 10:30 Uhr zur Anmeldung (Café Sommerlust)

Start: 11:00 Uhr

Ende: ca. 15:00 Uhr (Bernau bei Berlin)

Die Rückfahrt nach Berlin erfolgt individuell. Ab Bernau fahren auch S-Bahn und Regionalzug gen Hauptstadt.

Und wie könnt ihr dabei sein?

Hier gehts zu Veranstaltung auf Facebook: Yoga-Cycling Fahrrad-Tour. Eine Zusage bei der FB-Veranstaltung ist nicht ausreichend! Ihr müsst bitte den offiziellen Weg via Mail oder Telefon nehmen, um euch anzumelden! Das geht wie folgt:

Via E-Mail bei der touristinformation@bernau-bei-berlin.de. Möglich ist die Anmeldung bis Mittwoch, 23.05.2018. Gastgeberin der Radtour ist die Touristinformation der Stadt Bernau bei Berlin.

Tickets kosten wie folgt:
Einzelticket: EUR 10,-
Zweierticket: EUR 15,-

Kinder bis 13 Jahre kostenfrei.

Oder ihr macht bei meiner Verlosung mit!

1+1 Ticket für die Yoga-Cycling Fahrrad-Tour zu gewinnen!

Ich verlose ein Ticket für die Yoga-Cycling-Fahrrad-Tour am Sonntag, 27.05.2018! Der Gewinner oder die Gewinnerin kann eine Person seiner/ihrer Wahl mitnehmen und das Wochenende beim Radfahren und Yoga entspannt ausklingen lassen.

Hinterlasst einfach hier unter dem Beitrag einen Kommentar und verratet mir…

  1. mit wem ihr die Tour machen wollt und
  2. was ihr euch unter Yoga-Cycling so vorstellt!

Ihr könnt aber auch via Facebook an der Verlosung teilnehmen! Dort könnt ihr meine Seite mit Gefällt mir markieren und ebenfalls den Beitrag kommentieren!

Das Gewinnspiel endet am Mittwoch, 23.05.2018, 19:00 Uhr. Der Gewinner oder die Gewinnerin werden von mir per Mail über den Gewinn informiert. Eure E-Mailadresse und der Name wird mit Abgabe des Kommentars auf radelmaedchen.de an mich übermittelt. Diese Daten werden von mir nur zur Abwicklung des Gewinnspiels genutzt.

Infos zu den Datenschutzrichtlinien!

Infos zu den Teilnahmebedingungen bei Gewinnspielen!

 

Wir sehen uns am 27.05. beim Yoga-Cycling! Ich freue mich schon!

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Schweizer Rheinromantik und geänderte Pläne

Nach einem entspannten Frühstück setzte ich meine Reise an Tag sieben auf dem Rheinradweg fort. Es war der letzte meiner Tour und ich freute mich darauf, am Bodensee anzukommen. Ich hatte nur ein kleines Problem: Meine Unterkunft für die kommenden drei Messetage hatte Friedrichshafen noch nicht erreicht! Sie war scheinbar mit der Post verschollen.

Fast zwei Wochen vor meiner geplanten Ankunft am Bodensee hatte ich ein Paket mit Zelt und Schlafsack an eine Packstation in Friedrichshafen gesendet. Mein Plan war während der Eurobike auf dem Campingplatz zu nächtigen, so wie im Vorjahr auch. Nur aus irgendeinem Grund veränderte sich der Sendungstatus nicht. Als also am Dienstag, einen Tag vor meiner Ankunft immer noch keine Spur von dem Paket war, machte ich mir ernsthaft Gedanken.

Von der Fahrradgemeinschaft und der Reichweite sozialer Netzwerke

Ich hatte an diesem Tag aber ein Foto gepostet und auf meine etwas ungünstige Lage aufmerksam gemacht. Ich muss zugeben, ich habe nicht damit gerechnet, dass sich das so schnell verselbstständigt. Das Bild und meine Frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit in dem zu Messezeiten sehr überlaufenen Friedrichshafen wurde geteilt und ich bekam Stück für Stück ein paar Nachrichten und Angebote.

Von kompletter Campingausrüstung mit Schlafsack und Isomatte über Vorschläge für eventuell noch freie Jugendherbergen und Ferienwohnungen mit Zusatzbett war so einiges dabei. Am letzten Reisetag las ich gegen Mittag dann eine kurze Facebooknachricht mit einer Telefonnummer und der Bitte um Rückruf, falls meine Suche noch nicht abgeschlossen sei. Ich war neugierig, weil ich denjenigen nicht kannte, aber schnell durch einen Blick auf sein Profil feststellen konnte, wer unser gemeinsamer Bekannter ist. Ich war beruhigt und wählte die Nummer. Es dauerte nicht lang und ich wusste, dass meine Suche vorerst abgeschlossen war. Zumindest am Mittwoch musste ich mir keine Gedanken mehr machen, wo ich denn unterkommen könnte. Dies entspannte meine Stimmung doch deutlich.

Vielen, vielen Dank an all die tollen Menschen, die mir Vorschläge gemacht und Hilfe angeboten haben. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, nicht allein da zu stehen und zu wissen, dass ich sicher irgendwo unterkommen werde!

7. Tag: Kössaberg – Radolfzell

Strecke: ca. 90 km

Ich war also optimistisch gestimmt, als ich bei bestem Spätsommerwetter durch die wunderschöne, wechselnde Landschaft an den Ausläufern des Südschwarzwaldes entlang radelte. Schweizer Rheinromantik pur. Wie konnte ich da auch schlechte Laune haben? Immerhin war ich unterwegs, saß auf meinem Brompton und entdeckte eine mir unbekannte Gegend bei traumhaftem Wetter. So wie am Vortag verliefen die Landesgrenzen fließend. War ich eben noch in einem kleinen Schweizer Ort, näherte ich mich kurz darauf schon wieder deutschen Feldern.

Was für ein Rheinfall! (sorry :-D)

Das große Highlight des Tages sollte der Rhein-Wasserfall in Neuhausen sein, der zu den größten Wasserfällen Europas zählt. Kurz zuvor hatte ich mal wieder eine Grenzlinie überfahren, die hier zugegebenermaßen extrem gezackt verläuft. Das toppte sogar den Vortag.

Auch, wenn der Rheinfall (ja, sie nennen ihn wirklich so…) sicherlich kein Geheimtipp ist, er ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Besonders beeindruckt hat mich nicht nur die Breite, die mit 150 m schon enorm ist. Auch die durchlaufende Wassermenge und die Lautstärke des beständig rauschenden Wassers blieben in Erinnerung. Die Anzahl der Touristen, die in zahlreichen Booten durch den Rhein geschifft wurden, war genauso beachtlich und motivierte mich, nicht allzulange zu verweilen. Den schönen Ausblick vom Schloß Laufen auf der anderen Rheinseite ließ ich also aus und fuhr lieber eine praktische Runde mit dem vor gar nicht langer Zeit errichteten, frei stehenden Fahrstuhl. Mithilfe von diesem war es deutlich leichter in den höher gelegenen Ort und wieder auf meinen Track zu kommen, als über die vielen Stufen. Außerdem war er relativ gering frequentiert.

Rheinromantik und Bio-Verpflegung im Grünen

Durch das hübsche Schaffhausen hindurch führte mich mein Weg direkt am Wasser entlang und endlich auch wieder hinaus aus der Stadt. Das Tolle war: Aufgrund der Wegführung und der zahlreichen Sehenswürdigkeiten war dieser Tag so abwechslungsreich, dass mir keine Minute langweilig wurde.

Es gab eher zu viele Gründe auch einmal anzuhalten, den Ausblick zu genießen (wie im Video oben bei Diessenhofen) oder das Rad durch eine historische Altstadt zu schieben. Der letzte Schweizer Ort meiner Reise ist so eine besagte Stadt. Stein am Rhein bietet zahlreiche optische und architektonische Highlights. Rheinromantik, ich sagte es ja.

In Stein reihen sich wunderschöne alte Fachwerkhäuser aneinander, doch der wahre Hingucker ist die Altstadt mit ihren aufwändig bemalten Hausfassaden. So viele Details verlangten nach meiner Aufmerksamkeit, dass ich einfach vom Fahrrad steigen und langsam hindurch laufen musste, um die Wandgestaltung zu bestaunen.

Großartig war in der Schweiz auch, zumindest auf meinem Streckenabschnitt, die häufige Verfügbarkeit von Trinkwasserstellen. So hatte ich immer wieder die Gelegenheit, meine Wasserflasche aufzufüllen.

Oder man nimmt eben einen Imbiss irgendwo auf der Route ein wie zum Beispiel bei einem Biohof, an dem ich nach einer hügeligen Auf- und Abfahrt bei Gailingen eine Pause einlegte. Die Bioladestation verspricht Radfahrenden und Wanderern eine gemütliche Pausengelegenheit im Schatten von großen Bäumen mit Gebäck, eiskalten Getränken und Kaffee gegen einen kleinen Beitrag in die Vertrauenskasse. Dazu sitzt man mitten im Grünen mit Feldern ringsherum und garantiert ohne Touristenströme. Ich war schon ein wenig begeistert, als ich die Ladestation am Wegesrand entdeckte. Obwohl ich kurz zuvor bereits eine Pause eingelegt hatte, musste ich einfach noch einmal anhalten und auch einen Eintrag im Gästebuch hinterlassen.

Bodensee und Zugfahrt am Abend

Und dann war ich endlich da. Nach einer Woche unterwegs mit meinem Brompton hatte ich mein Ziel (fast ) erreicht. Ich war am Bodensee angekommen. Doch an diesem Mittwoch sollte ich nicht weiter als bis Radolfzell radeln. Mein ursprünglicher Plan bis Konstanz zu fahren und mit dem Katamaran nach Friedrichshafen überzusetzen, hatte sich aufgrund der zwangsläufig veränderten Schlafsituation erledigt. Stattdessen gönnte ich mir in Radolfzell ein wirklich sehr gutes Eis (das Beste, das ich in der Region und auf meiner ganzen Reise genießen durfte) und stieg dann in den Regionalzug.

Tuttlingen und unglaubliche Gastfreundschaft

Was mich am Ende meiner Reise erwartete, kann ich trotz der vorherigen Ungewissheit nur als einen wahren Höhepunkt beschreiben. Ich habe auf der Tour einige sehr tolle, hilfsbereite und freundliche Menschen getroffen. Diese Reiseerfahrungen bleiben mir als wichtigste und wertvollste Erinnerungen. Als ich aber in Tuttlingen aus dem Zug stieg und dort bereits erwartet wurde, war ich schon etwas überwältigt. Zunächst war ich etwas unsicher, als ich in das Auto stieg, das mich zu meiner Unterkunft für die Nacht bringen sollte. Ich bin nicht so der Typ, der zu Wildfremden in die Karre steigt und sich einfach irgendwo hinfahren lässt. Doch in dem Fall hatte ich einfach keine Zweifel. Das Telefonat zuvor, die ruhigen, aber höflichen Worte während der Fahrt und dann die Begrüßung bei der Ankunft, fühlten sich einfach richtig an.

Was ich dann erlebte war ein wundervoller, angenehmer Abend mit leckerem Essen, schönen Gesprächen und zwei sehr tollen Gastgebern! Danke ihr beiden! Es war mir ein Fest und ich hoffe, wir sehen uns mal wieder!

Meine Reise war zu Ende. Die nächsten Tage vergingen auf der Eurobike im beständigen Regen. Der Sommer war irgendwie genau mit meiner Ankunft am Bodensee vorbei. Ich war etwas geschafft von der Sonne, aber glücklich endlich wieder ein paar Tage im Sattel verbracht zu haben. Ich freue mich schon sehr auf meine nächste Tour und wer weiß schon, wohin es mich da verschlagen wird.


Hier gibt es Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der mit dem Faltrad auf dem Rheinradweg-Tour.

Mit Faltrad auf dem Rheinradweg: Country Hopping

Der Morgen in Kehl war atemberaubend! Der Himmel verfärbte sich in verschiedenen Rot- und Pinktönen und die Wolken verschwammen mit dem Morgennebel über dem Wasser des Rheins. Ich erwachte früh, genoß den wundervollen Ausblick und beobachtete die Störche in ihrem Nest, deren Silhouetten sich so dekorativ auf ihrem Turmnest stehend vom Himmel abhoben.

5. Tag: Von Kehl nach Breisach am Rhein

Strecke: ca. 93 km

Straßburg

Ich wollte früh aufbrechen, um genügend Zeit in der französischen Stadt auf der anderen Rheinseite verbringen zu können. Noch bevor ich richtig in Straßburg angekommen war, sah ich einen neben dem Radweg wartenden, sportlich gekleideten Radfahrer, der mich kurz zuvor überholt hatte. Er rief mir etwas zu und deutete dabei auf den Weg vor mir. Gerade noch rechtzeitig sah ich die Glasscherben, die dort lagen und wich rechtzeitig aus.

Schnell entwickelte sich ein Gespräch zwischen Jochen und mir, der noch einen deutlich weiteren und anspruchsvolleren Weg vor sich hatte, als ich: Über Frankreich und mit einigen Anstiegen radelte er bis nach Barcelona weiter. Wir fuhren einige Meter zusammen nach Straßburg rein, wo sich unsere Wege schließlich an einer großen Kreuzung trennten.

Jochen, es hat mich gefreut! Weiterhin gute Fahrt auf all deinen Touren!

Die Stadt nahm mich schnell in ihren Bann. Nicht nur die außergewöhnlich guten Radwege begeisterten mich, sondern auch die architekturale Vielfalt aus mittelalterlichem Fachwerk und modernen Bauwerken waren äußerst sehenswert.

Ich kam nicht drum herum, mir einen Cappuccino zu gönnen und gemütlich in einem Straßencafé zu pausieren. Ein bisschen Genuß muss sein und voon den Croissants brauche ich gar nicht zu reden! Nom!

Ich verließ Straßburg gegen Mittag und radelte auf der französischen Seite weiter bis zu einem Wasserkraftwerk, dass auf einer Rheininsel liegt. Diese steht unter Naturschutz und darf mit dem Auto nicht befahren werden. Ich war fast völlig allein, als die Sonne um die Mittagszeit auf mich herabbrezelte und es sehr still wurde um mich herum. Das war ein seltsames Gefühl, aber auch irgendwie sehr schön.

Nur ich, die Natur und mein Brommie.

Kleine Umwege führen zu schöneren Streckenabschnitten

Als ich wieder in Deutschland angekommen war, versuchte ich abseits vom langweiligen Weg auf dem Deich, eine Route zu finden, die mir eventuell auch etwas Schatten bieten konnte. Teilweise führte mein spontan gewählter Weg durch Wald und entlang von Fischteichen, teilweise über Felder und durch Obstplantagen ein wenig offroad. Aber ein Brompon kann fast alles und schließlich legte ich zumindest die letzten Tageskilometer auf bzw. neben dem Deich zurück.

Mein Tagesziel mit dem Fahrrad war Breisach am Rhein, ein Ort mit einem hoch gelegenen, historischem Ortskern und einer imposanten Stadtmauer. Von dort wollte ich mit dem Zug weiter ins nahegelegene Freiburg fahren. Der Tag war nur so verstrichen, sodass ich durch Breisach gegen 19 Uhr nur schnell hindurch radelte und leider keine Ruhe mehr für eine Stadtbesichtigung hatte.

Schließlich kam ich nach einer knappen halben Stunde Zugfahrt in Freiburg an und genoß einen ruhigen Abend bei lieben Freunden in der schönen Stadt im Breisgau. Thanks for having me <3!

6. Tag: Von Bad Bellingen nach Küssaberg

Strecke: ca.  96 km

Mein Tag begann, wie der letzte aufgehört hat: Mit einer Zugfahrt. Ich sparte mir aus zeitlichen Gründen ein paar Kilometer und fuhr von Freiburg aus nicht nach Breisach zurück, sondern einige Rheinkilometer weiter südlich nach Bad Bellingen. Nach einem Bäckerfrühstück schwang ich mich wieder aufs Rad und suchte mir einen Weg zurück an den Rhein. Dieser sah hier im Süden Deutschlands deutlich unruhiger und wilder aus, als weiter nördlich.

Für den Schiffsverkehr wird zwischen Breisach und Weil der französische Rheinseitenkanal (Grand Canal d’Alsac) genutzt, der parallel zum Rhein verläuft. Weil am Rhein war schließlich auch meine nächste Station. Bekannt durch die Grenzlage und als äußerster Zipfel Deutschlands treffen hier die Schweiz, Frankreich und Deutschland aufeinander. Dort verbindet die einzigartige Dreiländerbrücke als weltweit längste, freitragende Fußgänger- und Radfahrerbrücke das französische Huningue mit dem deutschen Weil.

Ehe ich mich versah, fuhr ich erneut über eine Landesgrenze: Hallo Schweiz! Hi Basel!

Länderhopping

Deutschland, Frankreich und nun die Schweiz, der Rheinradweg ist kulturell spannend und abwechslungsreich. Es passierte mir nicht nur einmal, dass die Landesgrenzen fließend verliefen. Besonders in der Schweiz erkannte ich oft nur anhand von Fahrradroutenschildern, in welchem Land ich mich gerade befand. In Deutschland waren die Radsymbole der Schilder bisher immer grün auf weißem Grund, in der Schweiz sind sie weiß auf rotem Grund.

Basel – die gemütliche Großstadt am Rhein

Als ich nach Basel über eine intakte Grenzstation (da nicht EU) fuhr, musste ich mir als Radfahrerin jedoch keine Gedanken machen. Ich konnte ungehindert weiterradeln und gelangte zum ersten Mal in die schöne Schweizer Stadt. Bereits nach wenigen hundert Metern sah ich ein Brompton aus der Ferne. Ich musste mehrfach hinschauen, da ich zuvor noch keines mit einem Anhänger gesehen habe und wurde neugierig. Als sich schließlich unsere Wege kreuzten und ich nickend und lächeln vorbeifuhr, dauerte es nicht lang, bis sich ein Gespräch mit dem Fahrer des Brommies entwickelte.

So lernte ich Jörn kennen, der mir einmal mehr zeigte, wie gastfreundlich und hilfsbereit Menschen sein können. Vielen Dank für dieses herzliche Willkommen in Basel und die kurze, geführte Stadtfahrt! Ich hoffe, unsere Wege kreuzen sich irgendwann mal wieder!

John Tweed

Da ich noch ein gutes Stück Weg vor mir hatte an diesem Tag, war mein Aufenthalt in Basel leider viel zu kurz. Doch ich ließ es mir nicht nehmen, einen kurzen Stopp bei John Tweed einzulegen, was ich auch jedem ans Herz legen kann, der das Radfahren zelebriert und modisch den klassischen Stil bevorzugt. Dort finden Vintage-Liebhaber ihr kleines Paradies mit Fahrrädern im Stil der 1920er bis 1970er und charmanter, ebenso stilvoller Mode für Herren und auch Damen.

Es ist ein ganz besonderes Geschäft, in dem der Besitzer Michel mit viel Liebe zum Detail nicht nur die Produkte ausgewählt hat. Auch die Einrichtung und die Möbel sind passend arrangiert, was das Gesamtkonzept sehr schön abrundet. Außerdem ist John Tweed einer der zwei Bromptonhändler in Basel. Schaut unbedingt vorbei, wenn ihr mal in Basel seid!

Das Wetter war nach wie vor großartig und so war es nicht verwunderlich, dass an diesem Dienstagmittag viele Menschen die letzten Sommertage in vollen Zügen genoßen – mit Vorliebe nah am Wasser. Der Rhein fließt breit durch die Stadt und teilt sie mehr oder weniger mittig. Den eindrucksvollen Basler Münster sah ich nur aus der Ferne. Auch wenn ich kurz die Rheinseite wechselte, um über den Rathausplatz und durch die Große Altstadt zu fahren, wo sich auch der Dom nah am Wasser befindet.

Schweiz und Deutschland im Wechsel

Dem Rheinverlauf folgend setzte ich meine Reise fort und verließ die schöne Schweizer Stadt, um über kleine Dörfer und zwischen Feldern hindurch immer wieder über die Ländergrenzen zu radeln. Schweiz, Deutschland. Schweiz, Deutschland. And again. Am letzten Tag meiner Reise war das sogar noch häufiger der Fall.

Bei Rheinfelden querte ich wieder den Rhein und stieg einmal kurz vom Brompton, um durch die hübsche Altstadt des Ortes zu laufen und dann meinen Weg auf der Schweizer Seite fortzusetzen. So konnte ich mir einen Rheinbogen sparen, musste dafür aber teilweise parallel zu einer Hauptstraße fahren. Immerhin gab es einen ausgeschilderten Radweg. Ich buckelte zur Abwechslung auch einige Höhenmeter mit dem Brommie, was aber glücklicherweise mit langen Abfahrten und einem tollen Talblick belohnt wurde. Außerdem: Ein Brompton kann fast alles :-)!

Über alte Holzbrücken und malerische Orte

Mein Plan war bei Bad Säckingen wieder auf die deutsche Rheinseite zu fahren, denn dort sollte sich das besonders lohnen. Schon von weitem sah ich den Grund dafür: Die Alte Holzbrücke verbindet den Schweizer Ort Stein mit Bad Säckingen in Deutschland und ist mit 203,7 m Länge die längste, europäische Holzbrücke mit Überdachung. Es ist eine Fuß- und Radfahrerbrücke mit Fenstern, die man gemütlich bummelnd überqueren und dabei hin und wieder den tollen Ausblick auf den Rhein und die hübsche Gegend ringsum genießen kann.

Noch lagen ca. 35 km vor mir und ich war deutlich später dran, als mir lieb war. Doch die folgende Strecke war sehr abwechslungsreich und verlief teils auf schmalen Wegen entlang des Rheins, teils entlang der Straße. Sie war aber auch abschnittsweise recht hügelig und mit einigen Ansteigen verbunden. Die Landschaft ringsum wurde immer schöner und die Ausläufer des Südschwarzwalds boten ein tolles Panorama. Gleiches gilt für die Orte, die sich oft beidseitig an den Rhein schmiegen und mit Burgen und Fachwerk auftrumpfen. Besonders märchenhaft mutet Laufenburg an, das mit einer Steinbrücke den deutschen Teil mit dem schweizerischen Altstadtkern verbindet. Selbst die Bahnstation liegt dort am Berg, so eng ist alles am Fluß gebaut.

Eine MitRadGelegenheit

Kurz darauf war ich etwas ratlos, was die weitere Strecke aning. Die Schilder waren missverständlich und ich beschloss meinen Track auf dem Handy zu überprüfen. Ich merkte, dass ich nicht die einzige war, die verloren an der Kreuzung herumstand. Schließlich fuhr jedoch auch die andere Radfahrerin weiter, die ich schon einige Kilometer zuvor in einem Ort gesehen habe.

Ich holte sie jedoch schnell ein. Dieses Mal war ich diejenige, die ein Gespräch suchte, was sich als sehr gute Entscheidung herausstellte. Doreen war die erste allein reisende Radlerin, die ich in der Woche getroffen habe und ich die einzige, die sie auf ihrer bisher zwei Wochen andauernden Tour aus den Niederlanden gesehen hatte. Wir radelten die letzten Tageskilometer zusammen, tauschten uns aus und ich erfuhr, dass sie diese Tour relativ spontan geplant hatte. Sie hatte sich kurz zuvor ein neues Rad und Ausrüstung besorgt und war dann einfach los gefahren. Italien war ihr Ziel und somit lagen noch einige Kilometer vor ihr. Wir beschlossen unsere spontane Bekanntschaft bei einer eiskalten Apfelschorle zu feiern, bevor sich unsere Wege schließlich wieder trennten.

Thank you Doreen, it was a real pleasure to meet you!

Es war ein sehr eindrucksvoller Tag, mit vielen schönen Stationen, einer traumhaften Landschaft und unglaublich netten, tollen Menschen! Am nächsten Tag wollte ich mein Ziel , den Bodensee und Friedrichshafen erreicht haben. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Die anderen Teile des Tourberichts meiner Rheinradwegsreise:

Teil 1: Burgen und Wein

Teil 2: Von Hitze und Maisfeldern

 

 

Bike Shorts: FAHR RAD KINO 2017

Der letzte Freitag im September 2017 war ein goldener Herbsttag wie er im Buche steht. Perfekt für eine Ausfahrt mit dem Fahrrad und das am besten in Gesellschaft! Nicht nur das Critical Mass-Jubiläum (25 Jahre, juhu!), sondern auch die Bike Shorts FAHR RAD KINO-Tour lockte die Menschen auf ihre Fahrräder. Zusammen mit guter Stimmung und fabelhafter Unterhaltung war dieser Freitag für mich ein echtes Highlight.

Ich war bereits im Rahmen der Shorts Attack bei einem Bike Shorts Kinoabend gewesen. Dies aber nun zu kombinieren und selbst ein wenig Radzufahren, erschien mir eine sehr gute Idee zu sein. So musste ich nicht lang überzeugt werden, mitzumachen.

Wie immer radelte ich kurz vor knapp los. Doch ich schaffte es am Freitagnachmittag dennoch pünktlich im Gewerbehof der alten Königsstadt-Brauerei in der Saarbrückerstraße im Prenzlauer Berg, Berlin anzukommen. Dort waren die fleißigen Helferlein bereits munter am Werken, damit alles bereit war, bevor die ersten Tourteilnehmer ab etwa 16:30 Uhr eintrafen. Nach einem kurzen Austausch fand ich schon meinen Tisch und bereitete ein paar Kleinigkeiten für die Akkreditierung der Teilnehmer vor. Diese ehrenvolle Aufgabe durfte ich zusammen mit einer weiteren unterstützenden Hand übernehmen. Flyer und Stempel links, Sticker in der Mitte und meine Liste zum Abhaken rechts. Fertig! Und schon ging es los. Stück für Stück trudelten die Menschen ein. Am Ende waren wir ca. 35 Rad- und Kinofreunde, die gegen 17 Uhr nach einer kurzen Begrüßung aufgeteilt in zwei kleine Gruppen zur ersten Station aufbrachen.

Stopp eins: Von Warnwesten und Sonnenschein

Ich muss gestehen, gelbe Warnwesten gehören nicht zu meinen Lieblingskleidungststücken. Doch da ich zumindest zu Beginn die zweite Truppe anführen sollte, erwies sie sich schon als sinnvoll. Ich war deutlich zu erkennen, als die Gruppe entspannt die kurzen 1,5 Kilometer hinunter zum ersten Filmstopp fuhr. Im alten Hinterhof des Büros von ic! Berlin war bereits eine provisorische Leinwand aufgespannt worden.

Obwohl wir uns durchaus in der dunkleren Ecke des Hofes aufhielten, machte es das grandiose Wetter mit klarem Himmel und Sonnenschein nahezu unmöglich etwas auf der Leinwand zu erkennen. Schade für das Screening, gut für die Radtour. Also hielten wir uns nicht lange auf und beschlossen die nächsten Filme an der zweiten Station weiter zu schauen.

Stopp zwei: Auf Fahrradstraßen und Mauerradweg nach Berlin-Pankow

Problemlos und mit nur wenigen Stopps radelte die bunte Truppe zunächst gen Berliner Norden auf Fahrradstraßen durch den Prenzlauer Berg. Begleitet von den feinen Klängen des KLARA GEIST Soundbikes, entwickelte sich bei mir schnell ein entspannter Radfahrmodus. Auf den ruhigen Nebenstraßen der Stadt war dies sogar ohne große Kraftverkehrsunterbrechung möglich. Weiter ging es durch den berühmten Mauerpark und über die Schwedter Straße und den Schwedter Steg entlang der Bahngleise auf einem sehr angenehmen, festen Weg. Wir passierten die Japanische Kirschallee, die besonders im Frühjahr atemberaubend schön erblüht und definitiv einen Besuch wert ist.

Schließlich erreichten wir nach etwa 6,5 km den Schloßpark Pankow mit dem Schloß Schönhausen und dem hübschen Café Sommerlust. Dort bot sich die Gelegenheit ein paar Snacks, Kaffee, Kuchen und Getränke zu erwerben, währen die Laken für das Filmscreening angebracht wurden. Manchmal braucht es dazu nur ein paar Kästen Bier und eine Leiter :-). Dann den Stuhl hingestellt, den Kuchen in die Hand genommen und schon war der Beamer angelaufen. Die nächsten drei Filme waren im Schatten der Bäume und mit der langsam sinkenden Sonne deutlich besser zu erkennen.

Die Auswahl der Bike Shorts war bunt gemischt und reichte vom gezeichneten Animationsfilm über Musikvideo bis hin zum Alltagsbericht. Manchmal waren die Filme nur zwei bis drei Minuten lang, manchmal bis zu 10 Minuten. Doch alle waren unterhaltsam, teilweise ernst, teilweise urkomisch oder einfach nur schräg. Danke für die tolle und vielfältige Auswahl an Christoph (Interfilm).

Stopp drei: Durch Wald und Wiesen auf dem Pankeradweg oder “when the sun goes down”

Mit dem Untergehen der Sonne fielen sich die Temperaturen herbstlich schnell von 20 °C auf 14°C. Was hilft da am besten, um warm zu bleiben? Genau, Bewegung! So machte sich die Truppe auf durch den Schloßpark und auf den schönen Pankeradweg, der entlang des kleinen Flusses Panke hinaus aus Berlin nach Brandenburg führte. Schnell veränderte sich auch die Wegqualität. Nachdem der erste Abschnitt asphaltiert und sehr gut befahrbar war, gab es später so einige teilweise matschige Sandwege. Von nun an war Licht Pflicht, denn Laternen gibt es auf diesem Weg keine mehr.

So erleuchteten bald viele weiße und rote Lichter den schmalen Weg und gab der ganzen Tour einen abenteuerlichen und romantischen Touch.

Dann geschah es. Der unebene Weg forderte ein erstes Fahrradopfer. Wie praktisch, wenn man die Fahrradwerkstatt mobil auf dem Lastenrad dabei hat! Während die Gruppe schon einmal bedächtig weiter radelte, fackelte Enrico von Live Cycle nicht lang. Innerhalb weniger Minuten war der platte Schlauch geflickt und die Fahrt konnte weitergehen.

In Berlin-Buch am äußersten Stadtrand der Stadt erfolgte nach ca. 11 km bereits in Dunkelheit der dritte Stopp auf einem Hof des dort ansässigen Fahrradgeschäfts. Die Wand über den Garagen des Wohnhauses bot die perfekte Leinwand und wir konnten die nächsten drei Bike Shorts deutlich erkennbar genießen.

Stopp vier: Über dunkle Felder hinaus nach Brandenburg

Die letzte Etappe führte uns endgültig aus Berlin heraus nach Brandenburg. Durch kleine Stadtrandsiedlungen und entlang von Feldern radelten wir über den gut ausgeschilderten, geteerten Pankeradweg nach Bernau. Dort sollte die vierte und letzte Station der Bike Shorts FAHR RAD KINO – Tour sein. Die Stimmung war nach wie vor sehr gut. Ich genoß das draußen sein und die frische, wenn auch kühle Luft. Mein Brompton rollte problemlos über den durch die zahlreichen Fahrradleuchten erhellten Weg. Ich fühlte mich glücklich und frei und musste erneut feststellen: Manchmal tut es gut, die Stadt und das gewohnte Umfeld zu verlassen und hinaus zu fahren. Das macht den Kopf frei und weckt neue Ideen.

In Café und der Eismanufaktur “Alte Post” um die Ecke vom Bahnhof von Bernau fand im Warmen bei süßen Leckereien die Tour ein entspanntes Ende. Ca. 33 km war die Strecke lang und wir waren mit ein paar Stopps und den Filmstationen etwa 4,5 Stunden unterwegs.

 

Danke an alle, die mitgewirkt haben, um diese kleine, aber feine Radtour durchzuführen. Das dickste Dankeschön geht an Karen, die das alles organisiert und geplant hat!

Ich hoffe auf ein nächstes Mal!