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Radfahren in der Emilia Romagna: Über den Torre di Oriolo nach Brisighella

Italien= Pizza, Pasta und Amore! Mehr nicht? Man könnte manchmal meinen, in dem südeuropäischen Land dreht sich alles nur um Essen und Liebe, zumindest aus Touristensicht. Doch weit gefehlt – auch Kaffee und Wein spielen eine sehr große Rolle und werden gern und viel genossen! Was soll man bei den zahlreichen Spezialitäten und dieser guten Küche auch machen? Ich hätte wirklich am liebsten den ganzen Tag gegessen und getrunken. Doch ich habe es tatsächlich geschafft neben den kulinarischen Genüssen, auch etwas Bewegung in meinen Italientrip zu bekommen: #ERCycling! Was ich in der Emilia-Romagna so erlebt habe, erfahrt ihr in diesem Blogpost!

Teil 1 des Berichts gibt es unter: Radfahren in der Emilia Romagna: Von Therme, Olivenöl und Wein


Hinweis!

-WERBUNG-  Dies ist der Bericht über eine Bloggerreise. Die Reisekosten wurden übernommen. Die Erfahrungen und Bewertungen sind meine eigenen ;-). Eingeladen wurde ich vom Tourist Board Emilia-Romagna und terrabici.com, ein Zusammenschluss von auf Bikesport spezialisierten Hotels, der die Fahrradregion Emilia-Romagna auf internationaler Ebene fördert, u.a. durch gezielte Marketingstrategien. Für uns drei deutsche Fahrradbloggerinnen wurde ein individuelles Programm (#bicibloggertedesche) zusammengestellt. Das beinhaltete nicht nur die Unterkunft und ein Rahmenprogramm, sondern auch Ausfahrten mit bereitgestellten Fahrrädern und persönlichem Guide (Ex-Mountainbike-Profi Fabio Gioiellieri von #appennino bike), der in der Region zu Hause ist.


#ERCycling: Zwischen Faenza und Imola

Direktlinks zu den Highlights:
    1. Torre di Oriolo
    2. Brisighella, das Olivenöl, der Wein
    3. Pieve del Tho

1. Tag: Feucht-fröhliche Radtour mit Olivenöl und guten Aussichten

Es gab so einige Highlights und besondere Orte, die wir entdecken und besuchen durften. Tag eins auf dem Fahrrad startete mit leider sehr durchwachsenem Wetter und auf dem Weg, der zunächst mehr oder weniger parallel zum Fluß Senio führte, nieselte es immer mal wieder. Über das hübsche Castel Bolognese (nach ca. 12km) führte die Route vorbei an zahlreichen Wein-, Kiwi- und Sharonanbaugebieten nach Faenza (nach ca. 21 km).

Kurz vor der Stadt hörte es auf zu regnen und wir pellten uns schnell aus den Regenjacken, denn es wurde auch immer wärmer. Die Kleinstadt, die es schon zu Zeiten der Römer gab, ist bereits seit der Renaissance bekannt für ihre Tonwaren und verfügt u.a. über ein berühmtes internationales Keramikmuseum und einige reizvolle Architektur aus dem Mittelalter. Wir streiften die Stadt jedoch nur kurz, denn unser Ziel war ein unweit von Faenza liegender Turm:

Torre di Oriolo dei Fichi

Der erste wirkliche Kletterei lag vor uns und ich kam das erste Mal an diesem Tag richtig ins Schnaufen. So schaltete ich einige Gänge hinunter, um den Anstieg zu bewältigen, doch der Weg lohnte sich: Die Via di Oriolo führte uns hinauf zum mittelalterlichen Torre di Oriolo dei Fichi und bot einige traumhafte Ausblicke ins Tal. In der Region wird unter anderem Wein, aber auch Obst und Getreide angebaut. Außerdem wird der Tourismus immer wichtiger und so bieten viele Anwohner auf ihren Gütern Unterkünfte an. Sie haben sich als landwirtschaftliche Vereinigung zusammengeschlossen und wollen so gemeinsam den Agritourismus fördern.

Die Associazione per la Torre di Oriolo kümmert sich um den alten Turm. Zu ihnen gehört auch Mauro Altini von La Sabbiona, der ein Weingut mit Pension betreibt, wo die ganze Familie mitwirkt. Mauro führte uns herum und erzählte etwas über die jahrhundertealte Geschichte. Dieser einmalige, 17 m hohe Festungsturm hat eine hexagonale Form und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die 2,8m dicken Backsteinwände umschließen 5 Etagen, zwei davon unterirdisch. In den Sommermonaten eignet sich der Turm für Veranstaltungen aller Art. Auch Fahrradtouristen sind dort sehr willkommen.

Highlight: Der Ausblick vom Torre di Oriolo

Unsere Führung endete oben auf der großen Terrasse des Torre und ermöglichte einen wunderschönen Blick über die Weingüter und bis hin zum Meer der Adria. Nachdem Mauro uns noch auf einen Espresso auf seinen Hof eingeladen hatte, radelten wir schließlich weiter.

Zwischen Regenbögen und nassen Radhosen

Lange war uns die Trockenheit nicht gegönnt. Auf unserem Weg zurück Richtung Faenza und dann weiter gen Brisighella verdichtete sich die Wolkendecke rasant. Als wir ein Stück auf der Landstraße fuhren, brach es schließlich doch wieder über uns herein. Also Regenjacke wieder an und ab ging die Fahrt. So ein bisschen Nässe hält uns nord-/ostdeutschen Damen (WiebkeWie, hamburgfiets) doch nicht auf.

Ich kann im Nachhinein gar nicht mehr sagen, wie viele Regenbögen uns dieses wechselhafte Wetter beschert hat. Nach einigen Kilometern ging der Regen schließlich wieder in ein Nieseln über. Wir fuhren natürlich alle ohne Schutzbleche am Rad, klar oder? Denn breit bereifte Fahrräder fürs Gelände haben so etwas grundsätzlich nicht vormontiert, was meistens alles irgendwie Sinn ergibt. Doch in diesem Moment hätte ich mir wirklich Ansteckschutzbleche gewünscht…

Ich kam jedenfalls an diesem Tag das erste Mal in meinem Leben in den Genuß einer vom Regenwasser vollgesogenen Radhose (jaaaa, ich hatte keine Regenhose dabei, selbst Schuld und so…). Möchtet ihr noch mehr Details wissen? Nein? Gut. Also nachdem wir im wunderschönen, mittelalterlichen Brisighella angekommen waren – einem für sein Weltklasse Olivenöl bekannten Ort – suchte ich erst einmal die Örtlichkeiten des angesteuerten Lokals auf. Einen Fön oder Handtrockner gab es da zwar nicht, aber falls ihr einmal in eine ähnliche Situation geraten solltet, empfehle ich euch Papierhandtücher.

Wie die zum Einsatz kamen, dürft ihr euch selbst ausmalen… Effektiv war die Notmaßnahme zum Hosetrocknen auf jeden Fall! Doch genug davon! Kommen wir zu wichtigeren Dingen: Essen!

Brisighella, das Olivenöl und der Wein

Auf uns wartete eine Olivenölverkostung und eine Brotzeit mit Käse und Wurst der Region im lokalen Feinkostgeschäft Terra di Brisighella. Ich mag Olivenöl. Sehr. Und das gute italienische Öl einfach nur mit Brot aufzusaugen und dann direkt zu essen, war schon toll.
 

Natürlich musste ich nach der Pause auch noch eine Flasche des “Nostrana di Brisighella” Olivenöls kaufen. Glücklicherweise konnte ich es der Dame des Emilia-Romagna Tourismus Boards mitgeben, die zur Verkostung gekommen war. Ich muss zugeben, dass ich etwas erleichtert war und froh, dass ich die 750ml Glasflasche nicht in der Trikottasche mitführen musste!

Gourmet Tipp: Der Feinkostladen Terra die Brisighella

Denkt also unbedingt daran, eine Tasche dabei zu haben, wenn ihr den Laden Terra di Brisighella ansteuert. Dort gibt es noch viele andere tolle Produkte, wie Weine, Aufstriche und Seifen, die auch ein großartiges Mitbringsel für die zu Hause Gebliebenen abgeben.

Oliven und Wein

Bekannt ist Brisighella vor allem aufgrund des hochwertigen Olivenöls und durch den Weinanbau. Das Gemeindegebiet entlang des Lamone-Tals hat eine lange landwirtschaftliche Geschichte. Die Olivenkultur geht über tausend Jahre zurück und auch Wein wird dort schon sehr lange angebaut. Um die 70.000 Olivenbäume werden hier bewirtschaftet. Die Lage ist geografisch bevorteilt, denn durch die umliegenden Hügel sind die Haine vor kalten Winden geschützt und die Kreidefelsen speichern Wärme, was sich positiv auf den Anbau auswirkt. Die ansässigen Bauern haben sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen, um die lokale Produktion aufzuwerten. Etwa 300 Olivenbauern gründeten 1972 eine Kooperative, die Cooperativa Agricola Brisighellese (Landwirschaftliche Genossenschaft von Brisighella). Ca. 90% der Olivenbauern sind Mitglied. Die Weinbaugenossenschaft umfaßt praktisch alle Weinbauern (ca. 575 Winzer).

RotweinartenWeißweinarten
In sonniger Hügellage wachsen der Sangiovese, der Merlot, der Cabernet-Sauvignon und der Ciliegiolo. Weißwein wird im Talgrund angebaut und umfasst Albana di Romagna, Trebbiano, Pignoletti, Pinot Bianco, Chardonnay und Sauvignon.
Nicht verpassen in Brisighella:
Bevor wir weiter radelten, konnten wir uns den Abstecher auf die alte Eselstraße “Antica Via Degli Asini” nicht entgehen lassen. Dieser heute als Spazierweg genutzte Gang ist eine durch zahlreiche Bögen gestaltete Hochstraße, die durch die mittelalterliche Altstadt von Brisighella führt.
 
Was früher eine Verteidigungsbrüstung war, wurde später eine Anlaufstelle für die Fuhrleute, die ihre Stallungen für die Zugtiere unter den Torbögen hatte. Radfahren könnte man da vielleicht, sollte man aber aufgrund der zahlreichen Stufen und Bodenwellen wohl sicherheitshalber eher lassen.

Geheimtipp Pieve del Tho:

Von alten Kirchen…

Bevor wir den größten Anstieg des Tages mit doch recht vollem Magen in Angriff nahmen, fuhren wir mit den Rädern ein Stück aus Brisighella heraus zu einer kleinen katholischen Kirche romanischer Bauweise. Die Pieve del Tho ist eine der ältesten Pfarreien des Lamonatals und stammt vermutlich aus der Zeit zwischen dem 8. bis 10.Jahrhundert. Von außen wirkte sie fast schon schlicht und unauffällig, wenn auch in gutem Zustand. Sobald man den Kirchenraum betritt setzt sich der Eindruck fort. Rundbögen gestalten die Seitengänge des Inneren und Holzbänke, auf denen noch die Namen der alten Familien aufgemalt waren, stehen im Mittelgang.
 
Versteckt in der Krypta des Baus befindet sich ein liebevoll hergerichtetes Museum, in dem alte Relikte und Mosaike präsentiert werden. Selbst die Gussform für die Kirchenglocke konnten wir in einem der kleinen Räume im verwinkelten Kirchenuntergrund bewundern.
 

…und langen Anstiegen

Die Wolken hatten sich währenddessen wieder zu dicken Bergen zusammen geschoben. Sie zogen bedrohlich grau in grau am Himmel entlang, doch immer wieder blitzte hoffnungsvoll etwas blau hervor. Wir schwangen uns auf die Räder, um doch noch ein paar Höhenmeter auf den ca. 13 km zurück nach Riolo Terme zu schaffen. Mit der Aussicht auf ein kuscheliges Bad in der warmen Therme war ich da auch äußerst motiviert.
 
Von Brisighella aus über die Via Rontana kletterten wir Stück für Stück die bis zu 11% Steigung empor. Dabei kamen wir am Wallfahrtsort Monticino (aus dem 18. Jahrhundert) und an der Festung Rocca Manfrediana und Veneziana (14. bis 16. Jh.) vorbei, wo sich heute das Arbeits- und Bauernmuseum befindet. Es war anstrengend, aber irgendwie klappte auch das hier wieder sehr gut für mich. Man könnte schon fast sagen, dass ich die Abwechslung und die Herausforderung des Kletterns ein bisschen genoss. Nachdem ich oben angekommen war, konnte ich es nicht lassen, den kleinen Hügel am Wegesrand hoch zu steigen, um dort einen noch besseren Blick ins Tal zu bekommen. Was für eine Kulisse!
 

Sonnenuntergang mit reichlich Drama

Wir ließen den Monte di Rontana links liegen und nahmen den letzten Abschnitt des Tages über die Via Calibane zurück ins Tal und waren damit fast schon wieder in Riolo Terme. Auch wenn ich die Abfahrt wieder mit Vorsicht genoss, da die Straße feucht war und ich noch immer unsicher im Kurvenfahren bin, fand ich sie dennoch wunderschön. Wieder kam dieses kaum zu beschreibende Gefühl der Freude, ja der Euphorie auf, als ich tief einatmete, die frische Luft einsog und die Kulisse dieser wundervollen italienischen Landschaft bei Abenddämmerung kaum fassen konnte. Da war die Sonne wieder, gab dem bewölkten Himmel einen dramatischen, leuchtenden Touch und diesem ereignisreichen Tag einen würdigen Abschluss.
 
 
Als wir nach knapp 75 km Radtour am Abend auf das Gelände des Grand Hotels rollten, setzte schließlich der Nieselregen wieder ein. Oh, dieses warme Thermalwasser war der perfekte Tagesabschluss. Und essen. Und schlafen.
 
Was wir am 2. Tag erlebt haben und wie es ist auf einer Formel 1-Strecke mit dem Fahrrad zu fahren, erfahrt ihr im kommenden, letzten Blogbeitrag der Reihe “Radfahren in der Emilia-Romagna”.

 

 

Radfahren in der Emilia Romagna: Von Therme, Olivenöl und Wein

Italien – 13 Jahre war es her, dass ich das letzte Mal in diesem so vielfältigen Land im Süden Europas war. Damals war es eine Kursfahrt in die Hauptstadt des Stiefels und ich war noch nie zuvor am Mittelmeer gewesen. Warum ich seitdem nie wieder da war, kann ich gar nicht genau benennen, denn gefallen hat es mir sehr. Umso begeisterter war ich, als Wiebke schon im Frühjahr 2018 fragte, ob wir nicht zusammen in die Emilia-Romagna fahren wollen.

Wiebke, Miriam und ich trafen uns schließlich Ende Oktober 2018 in Bologna. Dort verbrachten wir ein paar Tage in der berühmten Universitätsstadt, bevor wir weiter in die Romagna reisten, um eine touristisch weniger überlaufene Region mit dem Fahrrad kennenzulernen. Ich denke, keine von uns hat damit gerechnet, was da auf uns zukommen würde und was alles für uns vorbereitet werden würde!

 


Hinweis!

-WERBUNG-  Dies ist der Bericht über eine Bloggerreise. Die Reisekosten wurden übernommen. Die Erfahrungen und Bewertungen sind meine eigenen ;-). Eingeladen wurde ich von terrabici.com, ein Zusammenschluss von auf Bikesport spezialisierten Hotels, der die Fahrradregion Emilia-Romagna auf internationaler Ebene fördert, u.a. durch gezielte Marketingstrategien. Für uns drei deutsche Fahrradbloggerinnen wurde ein individuelles Programm (#bicibloggertedesche) zusammengestellt. Das beinhaltete nicht nur die Unterkunft und ein Rahmenprogramm, sondern auch Ausfahrten mit bereitgestellten Fahrrädern und persönlichem Guide (Ex-Mountainbike-Profi Fabio Gioiellieri von #appennino bike), der in der Region zu Hause ist.


#InEmiliaRomagna: Die Region zwischen Faenza und Imola

Bevor ich euch einen kleinen Überblick gebe, was ihr in der Emilia-Romagna machen könnt, genauer zwischen den Städten Imola und Faenza, möchte ich euch von meinem ersten Eindruck der Region erzählen.

  1. Lage
  2. Klima
  3. Radfahren in der Emilia-Romagna
  4. Riolo Terme
  5. Straßen, Wege und Gelände
  6. Kulinarische Highlights
  7. #ERCycling

1. Lage und Anreise

Nach drei entspannten, aber auch laufreichen Tagen in Bologna, wurden wir am letzten Oktober-Montag abgeholt und weiter in die Emilia-Romagna geshuttelt. Riolo Terme war unser Ziel. Es ist kleiner Kurort mit imposanter, aber für die Region typischer Festung aus dem 14. Jahrhundert und liegt auf der Strecke zur Adriaküste auf dem Weg nach Rimini – doch eben etwas abseits der Hauptstraße. Vielleicht ist die Gegend deshalb noch so unberührt und nicht vom Tourismus überlaufen? Der größte und am besten erreichbare Flughafen der Region liegt in Bologna. Auch der Bahnhof dort ermöglicht gute Verbindungen in weitere und größere italienische Städte und ans Mittelmeer. Am unkompliziertesten ist die Anreise natürlich ohne Fahrrad mit der Option sich am Reiseziel eines auszuleihen.

 
 
 
 
 
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Gespannt warf ich einen Blick aus dem Kleinbus, der uns auf schmaler werdenden Straßen näher Richtung Gebirge und rein in eine vom Herbst bunt gefärbte, abwechslungsreiche Region brachte. Hier prägten nicht mehr nur flache Felder die Gegend– Kakibäume (Sharon) und zahlreiche Weinanbaugebiete lagen nun nahe der immer kurvenreicher und steigungsreicher verlaufenden Straße. Von der Autobahn kann man nur schwer erkennen, welches Kleinod da an den Ausläufern des Apenninen-Gebirges im Tal des Flusses Senio auf einen wartet. Die Region eine große Bandbreite an Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Highlights. Imola und seine berühmte Formel-1-Rennstrecke zum Beispiel dürfte vielleicht einigen ein Begriff sein.

2. Klima

Durch die Lage an den Ausläufern des Gebirges ist das Wetter dementsprechend gemäßigt und auch mal wechselhaft. Die Temperaturen liegen um die 23-29°C im Hochsommer, um die 0-7°C im Winter. Der Juli ist der heißeste Monat und auch der trockenste. Regen ist nicht unüblich und wir waren außerdem in der regenreichsten Zeit da, die im Monat November ist. Dafür bekamen wir jeden Tag mindestens einen Regenbogen zu Gesicht, sobald die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor blitzte. Wunderschön! Das Klima ist für meinen Geschmack ideal zum Radfahren, besonders natürlich im Frühling und Herbst.

3. Radfahren in der Emilia-Romagna

Die Emilia-Romagna ist kein unbekanntes Terrain für Radsportler. Die Heimat des berühmten Rennradfahrers Marco Pantani, der die Tour de France und den Giro d’Italia gewann, hat auch im Jahr 2019 so einige Radsport-Veranstaltungen zu bieten. Das wichtigste Ereignis wird sicherlich der Giro d’Italia 2019 sein, der in Bologna startet und in seiner 9. Etappe sogar durch das wunderschöne San Marino kommt (Blogpost zum Radfahren dort folgt). Hier eine Auflistung auf Englisch über einige Gran Fondo Veranstaltungen in der Emilia-Romagna.

Emilia Romagna welcomes the Giro d’Italia to Bologna after 25 years! In addition to an array of exciting cycling events throughout the year

In der Region findet Ende Mai 2019 außerdem erneut die Rally di Romagna statt, ein MTB-Rennen, das über 5 Etappen durch die wundervolle Landschaft der Emilia-Romagna führt. Die Rally hat viel mehr den Anspruch ein Festival mit gleichgesinnten Radfahrenden, gutem Essen und Musik zu sein, als ein kompetitives Rennen.

4. Riolo Terme

Schließlich erreichten wir das Grand Hotel von Riolo-Terme, das für die nächsten drei Tage unsere Unterkunft sein sollte.  Es liegt ein paar hundert Meter unterhalb der Altstadt des ca. 6000 Einwohner Ortes. Allein der Weg durch die Lobby mit ihrem großen Kronleuchter und den alten Sofas beeindruckte mich sehr. Auch das ruhig gelegene Zimmer in der 2. Etage, das über ein Treppenhaus oder den alten Gitterfahrstuhl zu erreichen war, versprach erholsame Nächte. Ich habe mich auf jeden Fall sehr wohl gefühlt. Und ich könnte auch nicht behaupten, schon einmal in einem Grand Hotel geschlafen zu haben. Kann man schon mal machen :-).

Die angeschlossene Therme, die 1870 erbaut wurde, trug mit ihrem angenehmen 34°C Thermal-Wasser nicht minder zur Entspannung bei. Bereits in der Antike war die Region für ihre heilenden Quellen bekannt gewesen. Allzu viel Zeit hatten wir dort jedoch leider nicht, denn wir waren den Großteil des Tages unterwegs. Und das war auch genau richtig so, schließlich wollte ich so viel wie möglich von der Region sehen! Für Radreisende steht außerdem ein neu eingerichteter Fahrradkeller zur Verfügung, der auch über ein paar wichtige Werkzeuge verfügen wird.

5. Straßen, Wege und Gelände

Ob Mountainbiking, Rennradfahren oder auf und neben der Straße mit dem Gravelbike, es gibt viele Möglichkeiten in der Region mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Die Straßenqualität reicht von glattem Asphalt auf den Hauptstraßen bis hin zu Kieselwegen abseits der großen Straßen. Ich war jedoch sehr froh, dass wir Gravelbikes hatten, denn Nebenstraßen mit Rissen gab es einige auf unseren Routen. Nichtsdestotrotz bieten besonders die vielen kleinen und teilweise auch längeren Anstiege viel Potenzial für Rennradfahrende. Ein wenig mehr Beherrschung über das Fahrrad sollte da aber selbstverständlich sein, denn die Kurven können auch mal steiler werden. 

Ja, die Anstiege…flach ist die Region nicht, dennoch ist es möglich recht weite Strecken zurückzulegen, die ohne große Kletterpartien verlaufen. Die wirklich tollen Ausblicke gibt es aber nur oben auf dem Berg und die lohnen sich wirklich! Die Mischung macht es am Ende und ich stellte wieder fest, dass ich in diesem Jahr bereits einige Kilometer und Höhenmeter auf dem Rad verbracht habe und Berge mich viel weniger abschrecken. Slow but steady, was ein paar Tage später auch in San Marino definitiv meine Devise blieb und mich jegliches Klettern ohne Aufzugeben meistern ließ. Übung hilft wohl scheinbar doch ein bisschen.

6. Kulinarische Highlights – Die italienische Küche

Soll ich jetzt schon anfangen, vom Essen zu schwärmen? Ich fürchte nur, ich werde mich wiederholen: Denn so gut, wie in Italien, habe ich schon lange nicht mehr auf Reisen gegessen. Die Küche im Grand Hotel konnte sich definitiv sehen lassen – optisch und geschmacklich. Auch die andere Lokale, in denen wir gespeist haben, hatten definitiv sehr fähige Küchenchefs.

Von hausgemachten, gefüllten Ravioli mit Steinpilzen über herzhafte Polentatörtchen und warmen Schokoladen-Coulant mit Vanillecreme – mein Magen wurde ganz schön verwöhnt. Besonders gut hat mir die regionale Küche gefallen, da jahreszeitlich gekocht wurde. So gab es viel Kürbis, Steinpilze und Wurzelgemüse – üblicherweise im Drei-Gang-Menü. Ungünstiger Nebeneffekt: Man möchte nichts auf dem Teller liegen lassen und rollt sich nach jeder Mahlzeit aus dem Restaurant ;-).

Nicht zu vergessen u.a. der traumhafte Wein Sangiovese, das Olivenöl aus Brisighella und der Parmigiano Reggiano, die unter zahlreichen anderen Spezialitäten in der Emilia-Romagna angebaut und produziert werden.

Restaurantempfehlungen rund um Riolo Terme

Il Cardello Locanda

Das hervorragende Restaurant Cardello Locanda befindet sich direkt neben dem Museum und historischen Haus Cardello auf dem Gelände des Casa Oriani von Alfredo Oriani (Schriftsteller und Radfahrer des 19./20.Jh), welches wir auf unsere Tour am ersten Tag besucht haben. Saisonale und regionale Zutaten werden zu schmackhaften Gerichten verarbeitet. Hier gibt es zum Beispiel Polentatörtchen als Vorspeise und zum Hauptgang frische, hausgemachte Marronen-Ravioli. Omnomnom!

Cantine Antica Grotta

Das Antica Grotta liegt mitten in der Altstadt von Riolo Terme und ist eines der besten Restaurants des Ortes und gleichzeitig eine gut bestückte Weinbar. Der Hauptwirtsraum ist sehr klein und gemütlich, doch es gibt noch weitere Räume, teilweise für Veranstaltungen eine Treppe hinunter im Kellergewölbe des Hauses. Dort befindet sich auch der Weinkeller, der zahlreiche, vorzügliche italienische und weitere Weine aus ganz Europa führt. Der Besitzer Omar versendet seine Weine auch über einen Onlineshop in die ganze Welt. Im urigen Restaurant kann man sich von den leckeren Speisen verwöhnen lassen und den Köchen durch eine große Glasscheibe beim Kochen zuschauen.

7. #ERCycling

Nun durfte es aber auch losgehen! Ich hatte über einer Woche nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen und war ganz heiß drauf, endlich die Leihfahrräder zu sehen. Gewünscht hatten wir uns Crosser oder Gravelbikes, die von dem lokalen Radsportgeschäft Bike Passion aus der nächstgrößeren Stadt Imola bereit gestellt wurden. Nachdem wir schließlich am Dienstagmorgen unseren Fahrrad-Guide Fabio und seine Freundin Cecilia kennengelernt haben, traf kurze Zeit später der Transporter auf dem Hotelvorplatz ein, der unsere Fahrräder bringen sollte.

Ich hätte es kaum besser treffen können: Ein Specialized Sequoia in mintgrün mit 1×11 SRAM Schaltung sollte in den kommenden zwei Tagen mein Reittier sein. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Mitgebrachte Pedale ran, Helm und Handschuhe auf und mit etwas Verspätung (doch noch die Regenjacke aus dem Hotelzimmer geholt und drei Kreuze gemacht, sie überhaupt mitgenommen zu haben) radelten wir schließlich bei leichtem Nieselregen vom Hof.

Was genau wir in den zwei Tagen auf dem Fahrrad in der Emilia-Romagna erlebt haben und warum auch der Regen und nasse Radlhosen unsere Laune nicht trüben konnte, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

Teil 2 gibt es unter Radfahren in der Emilia Romagna: Über den Torre di Oriolo nach Brisighella