Archiv der Kategorie: Radfahreralltag

Erlebnisse, Hindernisse, Gesetze – die täglichen Herausforderungen eines Radfahrers

Not fast but far

Sobald die Straßen der Großstadt außer Sicht gerieten und sich die Mehrfamilienhäuser zu Einzelhäusern wandelten, wurden aus dem feuchten, dunkel glänzenden Asphalt, weiß bedeckte Pfade und Wege. Hier an den Rändern der Stadt waren eine dünne Schicht Schnee und Eis liegen geblieben. Sie hellten die graue, in feinem, nebeligen Dunst eingehüllte Landschaft zumindest etwas auf. Der Himmel war grau und wolkenverhangen und legte sich schwer über die kahle, dunkle Winterszenerie. Doch diese war nicht ohne Schönheit. Sie hatte etwas Eigenes und Einzigartiges, deren Besonderheit mich sofort in den Bann zog.

Aus den Augenwinkeln bewunderte ich die fragil wirkende, milchige Eisdecke auf den zahlreichen Teichen, die wir passierten. Es war zu warm, als dass das Eis wirklich stabil sein konnte. Dennoch hauchte ich mit jedem Atemzug kleine Wölkchen heraus und war froh, wieder die warmen Thermo-Bibtights für diese Ausfahrt gewählt zu haben. Mir war größtenteils angenehm warm während der Tour. Auch, wenn es gerade mal um die 1°C kühl war, wechselte ich nach ein paar Kilometern bereits meine weiche Winterkappe gegen die einfache aus Baumwolle und zog nur den Schlauchschal zusätzlich über Kopf und Ohren unter dem Helm.

Bild Credit: Steffen Weigold

Zu Beginn war ich noch sehr zuversichtlich gewesen. Als wir am Samstagvormittag um kurz nach 10:30 Uhr den Rapha Store in Berlin Mitte verließen, ging es zunächst erst einmal auf Asphalt gen Norden und raus aus der Stadt. 10 Männer und ich. Eine CX bzw. Gravelrunde stand auf dem Programm und mir wurde zugesichert, dass diese weniger schnell als eine typische Rennradrunde sein würde. Davon ging ich zwar aus, denn von diesen hielt ich mich bewusst fern. Ich hatte jedoch schon eine Vorahnung, dass es wohl dennoch nicht meine Geschwindigkeit sein könnte. Gleichzeitig war da diese Motivation, einfach mal mit ein paar anderen Leuten zusammen Radzufahren.

Immer hinterher

Und ab ins Gelände! Schnell wurde mir klar, dass wir zumindest zu Beginn eine mir bekannte Route fahren würden: Der gute, alte Pankeradweg. Als wir im Norden Pankows auf den Radweg zwischen den Teichen abbogen, sank meine Motivation zum ersten Mal. Ich war bereits hier hinten dran und wir waren eben erst losgefahren. Ok. Keine Sorge. Den Weg kenne ich zumindest und konnte folgen, auch wenn die schnelle Truppe vor mir hinter einer Kurve außer Sicht geraten sollte. Ich keuchte etwas in mich hinein und war überrascht, kurz darauf alle auf mich warten zu sehen. Wie nett. Doch gleichzeitig ein kleiner Stich. Ein mulmiges Gefühl und der Gedanke: “Natürlich müssen die Männer wieder auf die einzige Frau in der Gruppe warten.” Ich wollte das nicht.

Jedes Mal, wenn ich es schaffte innerhalb der Gruppe zu fahren, fiel ich spätestens beim nächsten langen geraden Abschnitt irgendwann wieder zurück. Wir hatten den Pankeradweg mittlerweile verlassen. Der Weg führte uns zwischen den vereisten, mit zahlreichen Vögeln besiedelten Karower Teichen hindurch und an mit einer feinen Frostschicht bedeckten Feldern vorbei. Es war so märchenhaft, so verschlafen und ich fühlte mich in eine Welt der russischen Wintermärchen hinein versetzt. Hinter der nächsten Ecke tauchte bestimmt das Hühnerbeinhaus der Hexe Baba Jaga auf! Ganz bestimmt!

Da, ein Gatter! Einer hielt das Tor offen, damit alle hindurch und mitten über die Weide der Hochlandrinder fahren konnten. Ich freute mich und beobachtete beim Vorbeirauschen aus dem Augenwinkel die großen Hörner der friedlich grasenden Tiere. Schade, ich hätte gern ein Foto gemacht. Doch ich wollte mich nicht wieder zurückfallen lassen. Das nächste Tor kam in Sicht und schon lag die Weide hinter uns. Zunächst war ich über jedes Hindernis erfeut, bei dem alle etwas herunter bremsen mussten und ich es so einfacher hatte, sie wieder einzuholen. Doch im nächsten Moment war die Freude darüber schon wieder dahin. Einige meiner Mitfahrer beschleunigten so schnell, dass ich dann noch weniger eine Gelegenheit hatte, Schritt zu halten. Ich beneidete sie ein wenig.

Alte Wehwechen..

Der Liepnitzsee, schön war es hier, Sommer wie Winter. Den Ufersprint genoß ich. Natürlich langsamer als alle anderen, doch schön wars, vorbei an dem in feinem Nebel gehüllten See zu radeln. Nach der Hälfte der Strecke, für mich nach ca. 40 km spürte ich deutlicher, wie meine Oberschenkel etwas zogen und meine Arme zu verkrampfen begannen. Meine rechtes Knie, dass sich bei Überanstrengung seit der Gravelspartakiade immer meldete, muckte auf. Wieder anfahren, dabei beiben, auffahren, zurück bleiben. Es war mühselig. Frustrierend. Ich dachte ans Aufgeben. Ans zurück bleiben. Wie dramatisch. Mehr als einmal, nachdem die anderen zum dritten Mal auf mich gewartet hatten, bemerkte ich leise, dass ich ein Navi dabei hätte und sie ruhig weiter ihr Tempo fahren können. Ich wollte niemanden aufhalten. Doch das wurde ignoriert. Wieder wurde ich gebeten, doch vorn mitzufahren.

Es funktionierte nur kurz. Beim nächsten Anstieg, bei dem ich immer an Geschwindigeit verlor, wurde ich überholt und fiel erneut zurück. So mühselig… Dabei war ich überrascht, wie wenig Sorge mir der Untergrund machte. Nachdem wir die Felder verlassen hatten, sausten wir auf einem Forstweg durch den Wald. Der Boden war teilweise mit einer dicken Schicht gefrorener Blätter bedeckt, sodass Wurzeln und Löcher schwer zu erkennen waren. Eine feine Schnee- bzw. Eisschicht hüllte alles ein. Der Sandweg war so fest gefroren, dass die eingefahrenen Quer-Rillen von den Reifen der schweren Forstfahrzeuge sich hart ruckelnd wie ein Brett fuhren und heimtückische Kanten erschaffen hatten, an denen man wegrutschen konnte. Doch bis auf einen Ausrutscher, bei dem ich mich überrascht wieder gefangen habe, geschah mir nichts. Meine Gravelking Schlappen taten unermüdlich ihren Dienst ohne zu mucken und ich füllte mich recht sicher.

Obacht! Glatt.

Andere, mit weniger Profil und schmaleren Reifen hatten da weniger Glück. Wir fuhren einer dieser langen, geraden Waldwegabschnitte. Ich spürte, wie meine Energie nachließ und mir war etwas diesig. Jetzt nur nicht vom Rad fallen. Da war er wieder, der Gedanke, anzuhalten, einen der mitgebrachten Riegel zu essen und dann ruhig und gemächlich allein weiter zu fahren. Schließlich waren wir eh schon auf dem Rückweg. Kurz bervor ich mich entschlossen hatte zu stoppen, wurde mir die Entscheidung abgenommen.

Das Gelände war leicht hügelig und bei einem bergab Abschnitt sah ich vor mir plötzlich ein Straucheln unter den anderen Fahrern. Es ging sehr schnell. Auf einmal stürzten drei der nahe beieinander radelnden Herren halb übereinander vom Fahrrad. Einer war weggerutscht und hatte die anderen in einer Art Dominoeffekt mitgezogen. Ich atmete besorgt hastig tief ein und war erleichtert, als ich ankommend feststellte, das keinem wirklich etwas passiert war. Ein Stöhnen hier und da und schon waren alle wieder auf den Beinen. Es war nicht der einzige Sturz an diesem Tag gewesen.

Bild Credit: Steffen Weigold

Frust

Aufatmend nestelte ich flink an meiner Stembag herum, um schnell ein Stück Notfall-Riegel in den Mund zu schieben. Die Gestürzten taten mir zwar Leid, doch mir kam die ungeplante Pause sehr willkommen. Ich spürte, wie die wenigen Minuten Ruhe mir wieder etwas Energie schenkten. Als wir weiterfuhren, versuchte ich erneut mein Glück weiter vorn. Nicht lang, natürlich. Ich mochte auch das plötzliche Anschieben nicht, dass sicher gut gemeint war, mich aber trotzig reagieren ließ.

Es gibt nur wenige Menschen, die das durften und die kannte ich sehr gut. Bei allen anderen fand ich es mehr als unangenehm, fast schon beleidigend. Egal wie gut die Absichten waren. Ich brauchte keine Schubhilfe. Lieber fahre ich allein durch den Wald in meinem Tempo, als mich so zu erniedrigen. Übertrieben? Nein, denn so fühlte es sich in dem Moment an. Meine etwas patzige Reaktion tat mir im Nachhinein Leid. Doch ich musste einfach deutlich zeigen, dass ich das nicht wollte. Ich kam mir so schon ziemlich schwach vor.

Ich war gefrustet. Hatte ich wirklich nur einen Funken Hoffnung gehabt, ich könnte bei einer derartigen Ausfahrt mithalten? Musste ich das überhaupt? Das waren alles eher sportlich motivierte Fahrer, wie mir schien. Die meisten zumindest und das war bei einer Ausfahrt von Rapha wohl auch keine Überraschung. War es also mein Fehler, es überhaupt versucht zu haben? Irgendwie wollte ich das nicht einsehen. Einen Versuch war es wert und schadete nicht (außer meinem schmerzenden Knie). Dann wusste ich wenigstens Bescheid. Es macht ja keinen Sinn, sich vorher schon entmutigen zu lassen, ohne es überhaupt versucht zu haben, oder? Es hätte ja auch klappen können. Doch wahrscheinlich werde ich vorerst solche Ausfahrten meiden. Allein ist auch gut oder mit eins, zwei Freunden zusammen, die so wie ich fahren wollen. Oder ich organisiere mal was Eigenes, Entspanntes. Eigentlich eine gute Idee. Anyone?

Bild Credit: Steffen Weigold

Cycling is no sport

Radfahren ist für mich weniger Sport, als viel mehr Teil meiner Lebenseinstellung und meines Alltags. Ja, ich liebe es tagelang mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Doch ich trainiere nicht. Ich fahre einfach. Ich fahre mittlerweile auch in meiner Freizeit viel mehr als früher. Ja, auch mein Fahrrad ist sportlicher geworden. Aber ich bin eben immer noch nicht schnell im sportlichen Sinne. Ich kann lang fahren, weit. Manchmal lasse ich mich auch mitreißen, wenn ich zusammen mit anderen unterwegs bin. Es darf auch gern mal schnell sein mit kurzen Sprints auf langer, ebener Strecke. Doch dann verfalle ich wieder in meinen Trott. 22 km/h, dann 20 . Mal mehr, mal weniger. Super. Hallo Landschaft. Hallo Baum. Hallo See. Hallo Vogel. Oh, ein Reiher. Schnell mal anhalten und leise ein Foto machen.

Und dann aber weiter. Schließlich will ich auch voran kommen. 😉 Das ist es. So mag ich das. Fahrt einfach, wie es euch gut tut! Mein Ausflug in die Welt der gemeinsamen Sportausfahrten war sehr lehrreich gewesen. Ich war so erledigt am Abend, wie ewig nicht mehr nach einer Radtour, verspannt und mit schwerzendem Knie, dass auch Tage später noch Probleme machte. Die Strecke an sich war super schön gewesen. Irgendwie war es auch schön, mal nicht allein zu fahren, zum Abschluss der Fahrt noch im Café zu quatschen, etwas zu futtern und Kaffee zu schlürfen. Doch immer hinterher hängen, egal wie sehr ich mich anstrengte, ist eben sehr unbefriedigend. Ernüchternd.

Und die Moral von der Geschicht…

Ein Gutes hatte das Ganze: Ich habe nicht aufgegeben. Egal wie doof ich es manchmal fand. Das mag zum einen an einigen sehr angenehmen Mitfahrenden gelegen haben, die immer wieder auf mich warteten. Auch die Strecke gefiel mir schließlich sehr gut. Andererseits war da meine eigene Sturheit, die mich durchhalten ließ und das befriedigte mich am Ende doch sehr. Es gibt außerdem noch eine leise Stimme in mir, die sich das nicht bieten lassen möchte. Die sagt, das kannst du auch! Du musst nur deinen Arsch mal hoch kriegen und regelmäßig Strecke in einem bestimmten Tempo fahren. Und dann? Dann kann ich vielleicht mithalten. Eine Option. Doch bis ich diese Motivation gefunden habe, fahre ich lieber weiterhin gemütlich durch die Landschaft, halte zum Essen kurz an, hole tief Luft, schüttel die Beine aus und fahre dann ausgeruht und entspannt weiter. Lehrreich. Wie gesagt.

Far not fast.


Danke an Steffen für die schönen Fotos und die tolle Routenführung. Auch für deine Motivationsversuche: Ich habe es wirklich versucht!

Und Flo: Danke fürs offene Ohr :-)!

Das erste Mal…unterwegs mit einem fLotte Lastenrad!

Freie Lastenräder sind mittlerweile in vielen deutschen Städten verfügbar. Sie ermöglichen auch denjenigen ein Transportrad zu nutzen, die es nicht selbst besitzen oder es nicht so häufig benötigen. Dahinter stecken Menschen, die sich oft ehrenamtlich engagieren und etwas an der vorhandenen Mobilitätsstruktur verändern wollen, in der das motorisierte Kraftfahrzeug vorherrschend ist. Doch was heißt das jetzt genau und wie komme ich an so ein Lastenrad? Nachdem ich bereits seit Monaten immer wieder darüber nachgedacht habe und nie den wirklichen Bedarf hatte, kam nun der Tag: Ich habe mir spontan zum ersten Mal ein fLotte Lastenrad vom ADFC Berlin ausgeliehen.

[Könnte Werbung enthalten, kostet aber alles nischt und ist auch ohne Auftrag.]

Bruno und ich haben uns anfangs noch nicht ganz so gut verstanden. Wir hatten uns vor ein paar Minuten kennengelernt und mussten uns erst beschnuppern. Das dauerte ein wenig – mindestens aber ein paar Blocks, Straßenkreuzungen und Kurven, in denen ich anfangs immer wieder das Bedürfnis hatte, abzusteigen. Bruno war schon etwas eigenwillig. Vor allem hatte er eine große Klappe und war etwas träge und gemütlich. Aber irgendwie fing ich an, ihn zu mögen, während ich gemächlich durch den Berliner Stadtverkehr rumpelte, weil ich versehentlich auch ein paar Kopfsteinpflasterstraßen mitnahm. Bruno war eben keine Rennradgazelle, sondern ein ausgewachsenen Lastenrad.

“Hallo, hier bin ich!”, brüllte Bruno dann laut in den Friedrichshainer Nordkiez.

Warum musste er nur so eine Show abziehen? Doch vielleicht war ich nicht ganz gerecht zu ihm. Ich hielt an und begutachtete das Innere der großen Kiste, mit der ich da so durch die Stadt radelte. Darin befand sich momentan nur mein kleines, gefaltetes Brompton Ljómi und zwei gewichtige Fahrradschlösser. Ich versuchte diese und die scheppernden Sicherheitsgurte an der umklappbaren Holzbank innen etwas klappersicherer anzubringen.

Und weiter ging die Fahrt. Knapp 7 km von Lichtenberg nach Prenzlauer Berg trug mich der motorlose Bruno. Nach zwei Dritteln der Tour wurden wir langsam warm miteinander. Wir groovten uns ein. Schnell war hier eben nicht. Die behäbigen 15 -18 km/h, die ich manchmal nur mit einem gewissen Kraftaufwand schaffte (besonders aufwärts), waren für Bruno eine absolute Sause. Also versuchte ich in der ungewohnten, aufrechten Sitzposition zu entspannen, denn es ging hier definitiv nicht um Geschwindigkeit. Die 8-Gang Nexus Nabenschaltung verrichtete sauber ihre Dienste und die hydraulischen Magura Bremsen griffen ohne Probleme.

fLotte Lastenrad powered by adfc Berlin

Wie kam ich aber nun dazu, mit einem Lastenrad durch Berlin zu kurven? Das Projekt fLotte ist ein freier Lastenfahrradverleih, der Anfang 2018 in Berlin durch den ADFC Berlin e.V. gestartet wurde.

Inspiriert und unterstützt von mittlerweile zahlreichen, deutschlandweiten Projekten der Initiative „Freie Lastenräder“ können seitdem in vielen Bezirken kostenfrei Transporträder ausgeliehen werden. Dies wird vor allem durch die verschiedenen Partner, wie Stadtteilinitiativen, Privatpersonen und einige Gewerbe (Cafés, Lebensmittelhändler, Fahrradläden usw.), aber besonders auch durch Spenden ermöglicht.

Seit Herbst 2018 wurde dieses tolle Projekt sogar noch erweitert. Im Jahr 2017 hat der Berliner Senat das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK) 2030 beschlossen:  “Es verfolgt einen integrierten Ansatz und enthält rund 100 Maßnahmen in den Bereichen Klimaschutz und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels.” (Zitat Stadtportal Berlin). In diesem Rahmen kam es zur Finanzierung und Ermöglichung des Projektes „fLotte-kommunal“ mit Partnern aus den kommunalen Bezirksverwaltungen. Das Projekt ist bisher einzigartig in Deutschland und hat den beiden Bezirken Berlin Lichtenberg und Spandau insgesamt zehn Verleihstationen für Lastenräder an öffentlichen Orten beschert.

Und an einem von diesem, in einem Kiezhaus in Berlin Lichtenberg, habe ich Bruno kennengelernt und ausgeliehen.

1. Online kostenfrei auf flotte-berlin.de registrieren,

2. anmelden,

3. Standort und Fahrrad wählen,

4. Verfügbarkeit prüfen,

5. buchen!

So einfach geht es tatsächlich. Als ich mich spontan für eine Ausleihe entschieden habe, registrierte ich mich kurzfristig auf der Website von fLotte. Das dauerte nicht einmal zwei Minuten (Name, Adresse, Telefon, Email) und mit der Bestätigungsmail war ich dann auch schon bereit für meine erste Lastenradausleihe! Nun habe ich natürlich Glück, dass es in der Nähe meiner Arbeit und in meinem Wohnbezirk einige Ausleihmöglichkeiten gibt. Im Spätherbst standen mir viele freie Räder zur Verfügung. Innerhalb eines 500 Meter Radius wurde ich schon fündig: Transportradtyp und Verfügbarkeit gecheckt, ausgewählt, Leihtag im Buchungskalender markiert (bis zu drei Tage am Stück sind möglich) uuuund gebucht. Jaaaa!

Mit der Buchungsmail kommt auch gleich noch das Buchungscodewort, damit man mich an der Leihstation eindeutig zuordnen kann. Innerhalb der Öffnungszeiten bin ich dann dorthin geradelt (Faltrad dabei) und nachdem schnell noch ein paar Formalitäten erledigt wurden, wie Formular ausfüllen und Ausweis checken, durfte ich das fLotte Lastenrad Bruno auch schon begutachten, Brommie reinlegen und losfahren.

Erstmal langsam machen…

Huch, das lenkt sich jetzt aber doch komisch. Und jedes fLotte Lastenrad ist anders. Daher solltet ihr euch echt ein paar ruhige Minuten nehmen, wenn ihr das Fahrrad noch nicht kennt, und Probefahren. Ich habe ein paar Kilometer gebraucht, bis ich mit der großen Kiste vor mir und der ungewohnten Lenkung zu Recht gekommen bin. Doch es lief dann alles gut und im Prenzlauer Berg gesellte sich noch ein weiteres Leihrad, ein Faltrad in dem Fall, in die Kiste zu Ljómi dazu.

Plane drüber und ab geht die Fahrt. Als ich den Heimweg antrat, freute ich mich schon ein wenig über die Abdeckung, denn etwas Schneeregen tröpfelte auf das Planendach und ich tuckerte noch etwas langsamer voran. Nun noch schnell einen Abstecher zur Post, zwei Säcke Katzenstreu und 10 kg Trockenfutter mit in die Kiste und ab ging es, die fette Beute abliefern. Da passt ganz schön viel rein. Bruno kann bis zu 100 kg tragen, plus Fahrenden. Nicht schlecht. Mein Plan ging an dem Tag auf jeden Fall auf. Ich konnte alles transportieren, was ich wollte, es lief einfach und unkompliziert. Und mit dem Wissen, dass es nicht das letzte Mal war, dass wir uns gesehen haben, lieferte ich Bruno schließlich am späten Nachmittag wieder an seiner Leihstation ab.

Mission completed!

Fahrradkleidung im Winter – mit dem Rad durch Stadt, Land & Kälte

“Ein scharfer, beißender Wind kneift eiskalt in die unbedeckten Wangen und lässt sie rot und trocken werden. Die Stirn ist kalt und schmerzt. Das Atmen fällt schwer und füllt die Lungen mit kalter Luft. Die Minusgrade dringen in Knochen und Gelenke. Kein Wetter, bei dem man sich gern draußen aufhält, geschweige denn Fahrrad fährt. Radfahren im Winter ist kein Zuckerschlecken” – kann aber auch richtig Spaß machen, besonders mit der Aussicht an einem gemütlichen, warmen Ort anzukommen und ein schokoladiges Heißgetränk zu sich nehmen zu können.

Hinweis

{WERBUNG] Dieser Blogbeitrag enthält Produktempfehlungen und Markennennungen, die als Werbung angesehen werden können. Sie sind jedoch persönliche Empfehlungen von mir und ich bekomme keinerlei Gegenleistung von den genannten Firmen. Einzig die Firma triple2 hat mir im Sommer auf meine Nachfrage hin, Kleidung zum Testen zur Verfügung gestellt.


Die Einleitung oben ist zum Teil ein Zitat aus meinem Buch “How to survive als Radfahrer” (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 2017) und spiegelt die kalte Jahreszeit wider, in der auch in den Städten immer mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind. Eine positive Bewegung, die deutlich macht, wie normal und wichtig das Fahrrad wieder als Fortbewegungsmittel ist. Doch der Winter bringt neue Herausforderungen. Selbst kurze Strecken können schnell unangenehm werden, wenn der Wind pfeift oder der Schnee fällt. Ich stehe dann nicht nur vor der Überlegung, wie ich sicher durch den Verkehr komme, sondern auch regelmäßig vor der Challenge, die richtige Garderobe zurecht zu legen…

1. …damit ich nicht zu sehr friere.

2. …damit ich bei Strecken länger als 4 km keine Hitzewallungen aufgrund von zu viel Kleidung bekomme.

Wenn es euch auch so geht, folgen hier ein paar zunächst für mein Buch erstellte und nun ergänzte Weisheiten rund um die richtige Fahrradkleidung im Winter – damit die Qual nicht ganz so groß ist bzw., damit der Spaß größer und länger auszuhalten ist!

Der Wind Chill-Effekt
Wenn ihr mit dem Fahrrad fahrt, kennt ihr definitiv den Wind Chill-Effekt. Dieser beschreibt, dass die gefühlte Temperatur in
Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit niedriger ist, als die tatsächliche Lufttemperatur. Die Haut kühlt durch einen Luftstrom ab. Diese Abkühlung durch den Windchill tritt ein, wenn die Hauttemperatur über der Lufttemperatur liegt. Je höher die Windgeschwindigkeit ist, desto größer ist auch der  Abkühlungseffekt. Deshalb ist es wichtig, die Haut vor dem Wind zu schützen.

Fahrradkleidung im Winter

Materialien

Bei kurzen Strecken bis zu 4 bis 5 km kann spezielle Funktionsbekleidung (außer Regenkleidung natürlich) meist vernachlässigt werden. Der eigene Fahrstil spielt aber immer eine große Rolle, wie schnell einem warm wird oder man sogar schwitzt. Eine atmungsaktive, mehrlagige Funktionsjacke mit Membran erscheint erstmal sinnvoll. Besonders an sehr kalten Tagen oder für längere Ausfahrten. Für kurze Strecken und in der Stadt wird aber vermutlich auch ein hochwertiger, warmer Wollmantel gute Dienste leisten (bei mir oft der Strickponcho).

Merino

Bei Unterwäsche wie Langarmshirts (z.B. von Chapeau! oder Icebreaker) und Hosen lohnen sich natürliche Materialien, wie Produkte aus Merinowolle. Diese verfügen über tolle Eigenschaften, wie gute Feuchtigkeitsaufnahme- und transport, eine hohe Wärmeisolation und haben außerdem antibakteriellen Fähigkeiten. Dabei solltet ihr unbedingt auf die Qualität und Herkunft der Wolle achten. Kauft nur Produkte, bei denen die Hersteller Wolle aus zertifizierten Betrieben verwenden! Sicher macht sich das im Preis bemerkbar, aber es soll auch gewährleisten, dass die Schafe nicht unter Behandlungen (Mulesing) leiden, die schmerzhaft für das Tier sind, um zum Beispiel Parasitenbefall zu vermeiden.

Kunstfasern

Es gibt natürlich auch Unterwäsche (z.B. von odlo oder Löffler) aus synthetischen Materialien, die ihren Zweck gut erfüllen. Sie sind meist haltbarer, reißfester und trocknen dabei schneller als Wolle. Da ist es aber wichtig, darauf zu achten, ob die Materialien eine speziell, geruchsverhindernde Behandlung bekommen haben. Bakterien können sich nämlich besser an Synthetikfasern halten und daher riecht die Kleidung oft schneller als Wolle. Gute Leistungen bringen am Ende beide Materialien.

Thermomaterial

Oft innen angeraut, weich und warm, außen winddicht, wasserabweisend und glatt – das ist das Material aus dem kuschelige Winterfahrradträume bestehen. Beinlinge, Armlinge, Radhosen, Trikots, alle werden aus diesem Material in unterschiedlichen Stärken gefertigt. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Das Material ist oft ein Gemisch aus Kunst- und Naturfasern (Wolle, Polyamid, Fleece, Polyester usw.) hat eine Struktur, die Wärme hält (isoliert u.a. durch die weich aufgerauten Fasern auf der Innenseite) und Kälte durch Wind abhält durch die glatte, dichte Außenseite und speziellen Beschichtungen. Außerdem ist es (bis zu einem gewissen Grad) atmungsaktiv.

Primaloft® oder Daune?

Toll sind wärmende Jacken mit Wattierung (z.B. von Vaude oder Mavic), die gleichzeitig atmungsaktiv und isolierend wirken. Ich bin mittlerweile ein riesiger Primaloft® Fan, auch, weil ich weitestgehend auf Daunenprodukte verzichte. Zu undurchsichtig sind mir dort die Herstellungsverfahren. Wer dennoch lieber Daune tragen möchte, weil ihre leichten und wärmenden Eigenschaften unbestreitbar gut sind, sollte auch da auf die Herkunft der Daunen und das Verfahren achten, wie die Gänse gerupft wurden. Nachhaltige und fortschrittliche Unternehmen geben dies auf ihren Webseiten preis.

Während ich früher meist um spezielle Fahrradbekleidung einen Bogen gemacht habe, weiß ich sie nun immer mehr zu schätzen. Besonders für längere Ausfahrten mit Libelle greife ich auf Fahrrad-Funktionsbekleidung zurück. Diese unterscheidet sich größtenteils doch sehr von meiner Alltagsbekleidung in der Stadt, obwohl ein paar Teile den Übergang schaffen. Diese sind für mich im Herbst und kommenden Winter fast schon unverzichtbar geworden, je nach Temperaturtiefe.

Das Zwiebelprinzip

Das funktioniert im Winter sehr gut – vielleicht sogar noch effektiver als im Sommer. Mindestens drei Schichten sind angeraten:

  1. Unterwäsche/ eng anliegende untere Schicht
  2. die isolierende und wärmende Schicht
  3. die schützende, außere Schicht

Dabei hilft es bei Fahrradkleidung im Winter je nach Tiefe der Temperaturen ebenfalls auf funktionelle Kleidung zurückzugreifen – vor allem bei den unteren Schichten.

Meine Fahrradkleidung im Winter Must-Haves

1. Die Mütze, die Handschuhe und das Multifunktionstuch,

…sind unentbehrlich und halten die Körperregionen warm, die besonders unter der kalten Luft leiden, weil sie dieser meist direkt ausgesetzt sind. Toll ist zum Beispiel ein Schlauchschal, den man noch bis über das Kinn ins Gesicht hochziehen kann. An ganz kalten Tagen (ab um die 2°C) mag ich welche mit Primaloftisolierung. Da geht kein Wind durch und es ist kuschelig warm. Für mehr Style kommt darüber oft ein dünnes, buntes Tuch. Bei mehr Kälte lege ich einen anderen, warmen Schal darüber. Das hängt aber auch stark vom eigenen Kälteempfinden ab.

 

 
 
 
 
 
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Auf dem Kopf trage ich unterschiedlich dicke Strickmützen. Die Mütze sollte den Wind abhalten und wird durch eine Fleeceinnenseite noch wirkungsvoller und wärmender. Ich sah auch schon wundervolle, bunte Ohrenwärmer oder Stirnbänder, die ebenfalls sehr effektiv sein können. Für Handschuhe gilt ähnliches. Eine aufgeraute Innenseite ist kuschelig und warm. Wenn die Außenseite noch zusätzlich über wind- und wasserabweisende Eigenschaften verfügt, seid ihr auch bei Schneefall und leichtem Regen auf der sicheren Seite (z.B. von Rapha, Roeckl oder GripGrab). Ich trage dünne Wollmix-Handschuhe von Giro bei milderen Temperaturen und, sobald es kühler wird momentan die winddichten Radhandschuhe von dhb.

2. Das Langarmshirt und evt. die Unterhose,

…die eine dünne, aber sehr effektive Schicht darstellen, funktionieren am besten mit Wollanteil. Wenn es die erste, also die Unterwäscheschicht ist, ist diese am besten eng anliegend, lang und hautschmeichelnd. Das Material sollte Schweiß und Feuchtigkeit von der Haut weg transportieren. Eine lange Unterhose zum Beispiel aus Merinowolle wirkt als Fahrradkleidung im Winter wahre Wunder. Ergänzt wird diese durch ein Top oder langärmliges T-Shirt (z.B. von Löffler, icebreaker oder dhb) und langen Strümpfen.
Ich trage im Alltag meist Thermostrumpfhosen mit (Knie-) Strümpfen darüber. Für die Herren gibt es lange, wärmende Unterhosen in einigen Materialvarianten und Farben (z.B. von odlo oder icebreaker).

3. Die Zwischenschicht

…über der Unterwäsche ist die wärmende, isolierende Schicht und kann ein leichter Pullover aus Fleece oder Strick und die Softshell-/ Thermoweste oder das Thermofunktionsshirt sein. Wenn ich mit dem Faltrad bei Temperaturen um die 5 bis 8°C in der Stadt unterwegs bin, trage ich meist unter dem Longsleeve bzw. der Strickjacke mein normales T-Shirt oder eine Bluse und darüber eine dünne Softshellweste. Bei diesen Temperaturen kommen über die Strumpfhose nur ein Rock (genügend Bewegungsfreiheit vorausgesetzt) oder Shorts (oft aus Jeans). Wenn es in die Minusgrade geht, ziehe ich über die Unterhose bzw. die Strumpfhose dann die normale Hose (Jeans/Stoffhose), einen Wollrock oder eine windabweisende Radhose.

4. Die Jacke

…hat als letzte Schicht bei sehr kaltem, nassen Wetter eine wetterabweisende Funktion und besitzt möglichst wind- und wasserabweisende Eigenschaften (z.B. von Mavic, Vaude oder Rapha). Je nach Streckenlänge und Temperatur reicht aber auch eine Regen- oder Windjacke aus. Wenn es nicht allzu windig und kalt ist, trage ich über einer dünnen Thermoweste in der Stadt nur einen Poncho aus Grobstrick, der die Wärme hält, sonst aber auch einen langen Wollmantel, der die Oberschenkel bedeckt.

Wichtig ist es, bei der Fahrradkleidung im Winter nicht mit der Dicke der Schichten zu übertreiben! Durch die Bewegung beim Radfahren wird es doch irgendwann sehr warm und ihr müsst euch gegebenenfalls um eine Schicht erleichtern (daher ist das Zwiebelprinzip eigentlich auch sehr praktisch). Doch schwitzen möchte man auch nicht. Deshalb ist der sinnvolle Aufbau der Schichten relevant. Ein Baumwoll-T-Shirt als Zwischenschicht bringt womöglich nicht den gewünschten Effekt bezüglich Schweißaufnahme und Atmungsaktivität, da es sehr schlecht Feuchtigkeit transportiert (im Gegensatz zu Merinowolle) und langsam trocknet. Daher sind die richtige Materialwahl und die Atmungsaktivität der Fahrradkleidung im Winter zumindest bei längeren Fahrten mit dem Rad besonders wichtige Themen.

Wärme im Detail

Wenn die Gelenke sich melden, kann man sehr gut auf spezielle Knie und Ellenbogenwärmer (z.B. von dhb, Vaude, Svelte London oder Chapeau!) zurückgreifen. Diese sind oft aus sehr weichen, innen aufgerauten Thermo-Materialien, die schön warm halten und jede Bewegung mitmachen. Achtet darauf, dass ihr die richtige Größe kauft, damit nichts rutscht beim Radeln. Wer Stulpen möchte, kann diese auch direkt anziehen – was an sich auch keine schlechte Idee ist.

Da die Füße sich sehr wenig bewegen beim Radfahren, kühlen diese oft schneller aus, wenn das Schuhwerk nicht entsprechend wärmend und dicht ist (Schuhe z.B  von Vaude oder Northwave). Es helfen nicht nur gute, isolierende Schuhe und Socken, sondern für kurze Strecken und sehr kalte Tage auch wärmende Cremes. Die gibt es zum Beispiel in der Drogerie und haben kurzzeitig einen ähnlichen Effekt, wie Rheumasalben. Die Durchblutung der Füße wird angeregt und sie fühlen sich dadurch eine Weile wärmer an. Allerdings ist das stark von dem persönlichen Kälteempfinden abhängig, wie viel die Cremes wirklich bringen. Der Effekt ist eher nur unterstützend. Bei längeren Ausfahrten lohnt sich eventuell die Anschaffung von Neoprenüberziehschuhen (z.B. von Vaude, GripGrab, dhb oder isadore), die den Wind abhalten und zusätzlich isolieren.

Wichtig ist hier immer das Outfit auch auf die zu fahrende Streckenlänge abzustimmen. Bei kurzen Wegen (bis 4km etwa) kann es ruhig etwas wärmer sein. Auf Strecken ab 5 km lieber eine Schicht weniger anziehen bzw. so, dass man unkompliziert nach dem Warmradeln etwas ausziehen kann (wie die Weste z.B.)

Ein typisches Outfit im Stadtalltag im Herbst/ Winter

Im Gegensatz zur Freizeitausfahrt, wo ich auf meinem Gravelbike auch eine sportlichere Sitzposition einnehme, mag ich es im Alltag überhaupt nicht, stilistisch zu sportlich gekleidet zu sein. Das kann die Kleidungsauswahl zum Radfahren als Kleid- und Rockliebhaberin mitunter etwas einschränken und erschweren. Nichtsdestotrotz schaffe ich es auch beim Radfahren im Winter meinem Stil größtenteils treu zu bleiben. Ein typisches Outfit auf dem Weg zur Arbeit kann bei mir zum Beispiel so aussehen:

Oberteile

Unterteile

  • Unterwäsche bzw. zusätzlich ein Top, meist aus Modal als körpernahe Schicht
  • T-Shirt, Bluse oder Kleid (unterschiedliche Materialien)
  • dünner Pullover oder Strickjacke bzw. diese eingepackt für die Arbeit und auf dem Rad dann mit Merino-Langarmshirt (Chapeau! Icebreaker) und dünner Weste (Softshell)
  • bedeckende Schicht, die je nach Temperatur und Streckenlänge variieren kann: Poncho aus Grobstrick, isolierende Thermo-Fahrradjacke, Softshelljacke oder kniellanger Wollmantel
  • Multifunktionstuch, Schal und Mütze (Material je nach Temperatur), Handschuhe (Wollhandschuhe von Giro + evt. winddichte Handschuhe von dhb)
  • Thermo-Strumpfhosen bzw. Strumpfhosen von 60 -100 den, je nach Temperatur
  • kurzer, nicht zu dünner Rock (bei Minusgraden gern aus Fleece oder mit Wollanteil) oder Shorts
  • lange (Knie-)Strümpfe oder Wollsocken in halbhohen Stiefeln mit Thermo-Einlegesohle (!)
  • zusätzlich optional Knielinge und/oder Armlinge aus Thermomaterialien (innen weich und aufgeraut, warm und winddicht)

Ein typisches Outfit für eine Freizeitausfahrt im Herbst/ Winter

Mit Libelle habe ich wieder richtig Lust auch abseits von längeren Touren, Ausfahrten im Berliner Umland zu unternehmen. Selbst in der kälteren Jahreszeit kribbelt es in den Fingern und ich versuche zumindest ein paar Mal im Monat etwas länger als eine halbe Stunde am Stück auf dem Rad zu sitzen. Da wird es dann bei der Kleiderwahl schon etwas herausfordernder. Ich habe dieses Jahr im Sommer zum ersten mal Bibshorts (von triple2) getragen und muss zugeben, dass ich zuvor wenig damit anfangen konnte. Das konnte doch nicht bequem sein! Doch weit gefehlt, tatsächlich habe ich Gefallen daran gefunden, wenn denn das Outfit auch zum Fahrrad und zum Anlass der Fahrt passt. So habe ich mich schließlich im Herbst getraut und meine erste lange Fahrrad-Bibtight bestellt – und sie ist großartig! Bei doch sehr frischen Temperaturen zwischen 0 bis 8°C und einer Ausfahrt von zwei bis drei Stunden trage ich folgendes:

Im Herbst

Fahrradkleidung im Winter

Oberteile

Unterteile

  • Sport-BH (die beste Entdeckung dieses Jahr; das ganze Jahr über: Shock-Absorber Multisport) + Funktions-Tanktop aus Mesh (Löffler Transtex)
  • Merino-Langarmshirt
  • (zusätzlich evt. Kurzarmtrikot/Thermo-Langarmtrikot (z.B. von Chapeau!))
  • Thermo-Fahrradjacke (z.B. Isadore oder Rapha) bzw. Winter-Thermojacke mit Primaloft-Wattierung (hier Mavic Ksyrium Elite: sehr warm, tolles Design und große Rückentasche mit Fächern innen)
  • Helm mit Radkappe bzw. winddichte Thermo-Radmütze, die die Ohren mit abdeckt (z.B. von Look mum no hands oder Rapha)
  • Mutifunktionstuch ( z.B. MaxFred oder P.A.C.) und Handschuhe (Wollhandschuhe von Giro + evt. winddichte Handschuhe von dhb)
  • lange Thermo-Radhose (Chapeau!, schön kuschlig, leider Polster für mich nicht ganz optimal, da zu groß an den Rändern) bzw. Bibtights mit richtigem Top oben, die wie ein Trikot mit Reißverschluss zu schließen sind (dhb Classic Thermo Trägerhose, waaarm, tolle Passform und gutes, bequemes Polster und Reflektionspaspeln)
  • Thermo-Radsocken bzw. Merino-Winterradsocken
  • wasserdichte MTB-Fahrradschuhe (Vaude) plus evt. Neopren-Überziehschuhe (dhb)
  • zusätzlich evt. Regenjacke bzw. -hose
  • wenn es richtig kalt ist plus Thermo-Armlinge (dhb) und Knielinge (Vaude) bzw. Beinlinge

Es gibt natürlich auch deutlich farbenfrohere Kleidung aus Hi-Vis Materialien und in Neonfarben. Mitunter reichen aber auch gute Leuchten am Fahrrad und reflektierende Elemente, die an fast jeden Teil meiner wärmeren Fahrradkleidung im Winter zahlreich vorhanden sind.

Bei Rapha habe ich sogar reflektierende Flächen gesehen, so wie bei der Shadow Tight.

So, ich offe, ihr konntet ein wenig Inspiration finden und fühlt euch bei der nächsten Tour eventuell etwas besser gewappnet. Ich fand es auch die letzten Male wieder faszinierend, wie schnell mir warm wurde, insofern ich die richtige Fahrradkleidung im Winter anhatte und sobald ich ein paar Kilometer gefahren bin. Da kann kalt sogar richtig toll sein! Nur das zu lange herumstehen, ist nicht so zu empfehlen, also sind Heißgetränke oder eine Fleecejacke während der Pausen natürlich immer hilfreich.

Coffeeneuring Challenge 2018

It’s that time of the year again! Die Coffeeneuring Challenge geht in die achte Runde. Vom 12.10.2018 bis zum 25.11.2018 läuft die schönste Herbstchallenge erneut und motiviert an sieben Wochen im Herbst noch einmal mehr aufs Fahrrad zu steigen und eine gemütliche Runde zu drehen.

Das erste Mal habe ich im Jahr 2016 von der Coffeeneuring Challenge gehört und fand die Idee großartig. Es geht schließlich darum, auch in der kühleren und tendenziell nassen Jahreszeit eine Motivation zu haben doch wieder öfter mit dem Fahrrad zu fahren (nicht, dass ich das sowieso nicht schon gemacht hätte ;-)). Kann ja keiner was dafür, dass der Herbst so golden ist und man eh ständig draußen unterwergs sein möchte^^. Also rauf aufs Rad, einkaufen, sich mit Freunden treffen und alles mit einem Kaffee oder ähnlichem Heißgetränk plus Kuchen, Waffeln, Eis ausklingen lassen und zurückradeln! Easy oder? Das tolle: Es sollen sieben verschiedene Locations angefahren werden. Ich finde diese Motivation super, da ich so auch neue Orte und Ecken in meiner Stadt kennenlerne. Außerdem gilt die Challenge weltweit – auch im Urlaub in Italien oder sonstwo.

Hier nochmal die Regeln.

Eckpunkte:

Dieses Jahr findet die Coffeeneuring Challenge von Freitag, 12.10.2018 bis Sonntag, 25.11.2018 statt.

  • 7 Tage in rund 6 Wochen an 7 verschiedenen Locations, d.h. ein Café, ein Restaurant oder ein Park etc.
  • mit dem Fahrrad mindestens 3,22 km ( 2 Meilen) zurücklegen, um zu dem Ort zu gelangen (insgesamt für Hin- und Rückweg)
  • max. ein Ort pro Tag und max. zwei Orte in der Woche (Die Woche geht dieses Mal von Freitag bis inklusive Donnerstag in der Woche danach.)
  • dort einen Kaffee, heiße Schokolade, Tee oder ähnliches zu sich nehmen
Dokumentation:
  • ein Foto vom Shop/Getränk/Fahrrad machen mit Vermerk, wann man was, wo getrunken hat (Datum, Ort, Getränk)
  • Detail zur Location ( Besonderheit des Ortes, Streckenbeschaffenheit, Abstellmöglichkeiten etc.)
  • Kilometerstand
  • posten auf Instagram oder Twitter unter dem Hashtag #coffeeneuring #coffeeneuring2018; in der Facebook Gruppe Coffeeneurs oder auf dem eigenen Blog
  • bis zum 01.12. die Dokumentation an Coffeeneuring Challenge schicken

Alle weiteren Rahmenbedingungen und Infos zu Auszeichnungen finden sich auf der Seite Coffeeneuring Challengevon Mary aus Washington, die die Challenge vor acht Jahren das erste Mal gestartet hat.

 

Bikepacking, olé! Meine Packliste für ein Fahrradwochenende

Das Fahrrad macht es so leicht, einfach spontan aufzubrechen und aus dem Alltag zu radeln. Besonders zum Bikepacking braucht es meist nicht viel, wenn da nur das Packen nicht wäre! Aber eine Packliste kann helfen.

Auch für einen gepflegten Wochenendritt brauche ich etwas Zubehör und Kleidung. Damit ich die wichtigsten Dinge dabei habe, erstelle ich oft eine Packliste und hake dann beim Einpacken ab. Im Gegensatz zur Mehrtagestour könnte man meinen, dass die Gepäckmenge sich bei kurzen Fahrten deutlich reduziert. Im Grunde ist jedoch die Basisausrüstung immer die Gleiche. Zwei Fragen und deren Antworten entscheiden, wie viel mehr Kram ich am Ende am Fahrrad dabei haben werde:

  1. Wie schlafe ich? Übernachte ich draußen und benötige dafür Schlafsack und alles andere fürs Nachtlager oder suche ich eine Unterkunft?
  2. Was und wo esse ich? Kehre ich ein oder koche ich selbst?

Sind diese Fragen geklärt, kann es auch schon losgehen. Ich bereite mich zum Beispiel gerade auf meinen Ausflug nach Dresden zur Gravel Spartakiade von Veloheld vor. Diese Zwei-Tages-Tour Mitte September ist mit Übernachtung auf einem Zeltplatz geplant. Außerdem besteht die Überlegung im Anschluss von Dresden nach Berlin zurück zu radeln. Insbesondere dafür kommen Schlafsack, Isomatte und Biwaksack mit. Tarp und Hüttenschlafsack sind optional. Kochen werde ich nicht selbst. Und somit brauche ich nur noch etwas Besteck und den Kaffeebecher.

Ganz klar ist: Wer in Pension, Hütte oder bei Freunden schläft, ist deutlich leichter unterwegs, gibt mitunter aber auch mehr Geld aus.

Je nach Temperaturen benötige ich mehr oder weniger Kleidung. Besonders im Spätsommer kurz vor Herbstbeginn, kann es nachts schon deutlich kühler werden und es fällt mir schwer, da nicht zu viel mitzunehmen. Eine kuschlige Fleecejacke und ein Merinoshirt zum Drunterziehen sind daher Pflicht. Lieber zu viel als zu wenig bleibt die Devise. Um alles etwas beim Einpacken zu vereinfachen, unterteile ich meine Packlisten meist nach Kategorien: Küche, Schlafzimmer, Werkstatt oder ähnliches. Das kann dann wie folgt aussehen:

Meine 2-Tages-Packliste

Download (PDF, 20KB)

Und hier nochmal zum Download als xlsx zum Bearbeiten (private use only).

Meine Top 5 auf jeder Fahrradtour:

  1. Multitool
  2. Trinkflasche
  3. Schlauchtuch
  4. dünne Jacke
  5. Kamera/Smartphone

Unterwegs werde ich dann eh merken, ob noch Dinge fehlen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dem empfehle ich wärmstens das kleine Büchlein “Rad und raus” von Gunnar Fehlau. Spätestens nach dieser Lektüre möchte man den halben Fahrrad- und Outdoorladen leer kaufen und aufbrechen ins Abenteuer!

Auf ins off-road Abenteuer! Und mit welchem Rad?

Mit dem Rad über Stock und Stein zu fahren mochte ich ja nicht immer. Zu anstrengend und zu ruckelig war das Ganze früher. Das ist heute zwar immer noch so, doch mit einem gewaltigen Unterscheid: Ich weiß nämlich jetzt, wie sehr das richtige Fahrrad Einfluss auf Gefallen oder Nicht-Gefallen einer Off-Road Tour hat. Für den Genuß von unruhigem Terrain, steinigen Feldwegen oder wurzeligen Waldpfaden empfiehlt sich ein gutes Crossrad oder gleich ein Mountainbike. Und für das dazwischen bin ich beim Gravel- oder All Road Bike gelandet. Der Punkt ist also abgehakt :-).

Wo kommt der Kram nun rein?

Mein Fahrrad belade ich nun ganz unterschiedlich. Denn wie das beim Bikepacking typisch ist, erfolgt das Set Up ganz individuell. Bei meiner Deutschlandtour war ein Lowrider angebaut und zwei kleine front roller Fahrradtaschen von Ortlieb montiert. Dieses Mal werde ich jedoch etwas anderes probieren: Eine weitere Variante, um Gewicht und Gepäck einzusparen, ist die Montage von Gepäckkäfigen. Auf jeder Seite der Gabel kommt eine Halterung, die sich ganz individuell beladen lässt. Ob Trinkflasche, Schlafsack oder Klamotten, je nachdem was man so braucht, bieten sie flexibel eine Transportmöglichkeit. Ich werde vermutlich Kleidung und einen Teil des Schlafzimmers in zwei Packsäcken daran verteilen. Hinzu kommen für die Veloheld-Ausfahrt eine Ortlieb Satteltasche in M, das Accessoire Pack und eine Stem Bag für die kleinen Dinge und Snacks.

So! Genug gepackt. Rauf aufs Rad und raus aus der Stadt! Ich kann es kaum noch erwarten!