Bikepacking und Übernachtung – UL Zelt bis 150 €

Nach langem hin und her bin ich mir nun sicher: Ein neues Zelt muss her und zwar ein ganz kleines. Nach den ersten positiven Erfahrungen mit Tarp und Biwaksack suche ich nun nach einer Campingplatz-tauglicheren Variante, die Wind und Mücken sicher ist. Ein Bikepacking UL Zelt soll es werden. UL steht für ultraleicht und warum dieser Kram nun wieder sein muss, möchte ich im Folgenden etwas beleuchten.

HINWEIS: Enthält Werbung/Markennennungen ohne Auftrag. Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive.

Der Bikepacking Trend hält an. Und das ist auch nicht verwunderlich. Wer einmal die leichte Variante des Radreisen ausprobiert und sich auf ein kleines, unkompliziertes Draußen-Abenteuer mit dem Zelt oder Tarp eingelassen hat, der lernt schnell die Vorteile eines minimal beladenen Fahrrads zu schätzen. Viele kleine, leichte Taschen, statt weniger großer und schwerer bedeuten mehr Wendigkeit und Offroad-Tauglichkeit. Bikepacking steht für mehr Flexibilität und agileren Fahrspaß. Kleinere Taschen zu nutzen und das Gepäck zu reduzieren, heißt aber auch gewichts- und größenoptimiert zu packen. Und da fängt die Problematik (und die Kostenschwemme) an!

Schon bevor ich vor knapp einem Jahr mit meinem neuen Gravelbike den großen Schritt Richtung leichtem und geländeorientierterem Radfahren und Reisen gemacht habe, beschäftigte ich mich mit dem Thema Bikepacking. Kein Wunder, war es doch in aller Munde und die neuen, hippen Breitreifenrenner in meiner Fahrrad-Bubble ein riesiges Ding. Langstreckenfahrt hier, Gravelbike da.

1. Was bedeutet eigentlich Bikepacking?
2. Das perfekte Bikepacking UL Zelt

2.1 Wie viel Platz brauche ich?

2.2 Ein- oder zweiwandig

2.3. Freistehend oder zum Abspannen?

2.4. Wie viel Gewicht möchte ich bei welchem Packmaß mitführen?

2.5. Was kostet ein Bikepacking UL Zelt?

3. Bikepacking UL Zelte unter 150 € und 1,6 kg
4. Meine UL Zelt Favoriten

1. Was bedeutet eigentlich Bikepacking?

Ich war es gewohnt mit schweren Taschen am Gepäckträger hinten zu reisen: Zelt, Schlafsack, Isomatte zum Campen – alles dabei. Auch da musste ich genau überlegen, was ich zum Beispiel für eine 3-wöchige Fahrradtour alles brauchte, ohne zu sehr verzichten zu müssen. Obwohl in so eine Fahrradtasche von Ortlieb doch eine ganze Menge rein passt^^. Das Ganze wird schnell, sehr schwerfällig und genau das wollte ich nicht mehr. Wie geht es also anders?

Hier noch ganz klassisch auf Radreise auf dem Berlin-Kopenhagen-Radweg.

Ich zitiere mich einmal selbst, um den Begriff Bikepacking noch einmal kurz zu erläuterm:

“Zusammengesetzt aus den englischen Worten Bike + Packing beschreibt der Begriff das Radreisen mit Taschen, die direkt am Fahrrad befestigt werden. Abgeleitet vom etablierten Backpacking, das einfache Reisen nur mit einem Rucksack auf dem Rücken.”

“Was ist eigentlich Bikepacking?”, Blogpost auf veloheld.de

Geübt habe ich das Ganze dann 2017, als ich mit meinem Brompton erst auf Messe in Köln und dann auf dem Rheinradweg unterwegs zur Eurobike war. Kleines Rad, wenig Verstaumöglichkeiten und ich hatte Gepäck für mehr als zwei Wochen dabei. Das ging jedoch nur mit Unterkunft in Pensionen und Jugendherbergen. Selbst meinen kleinen Laptop hatte ich dabei in der großen Frontasche und weitere Kleidung drückte ich in die Satteltasche hinten.

Doch mit dem Veloheld wurde das Thema Bikepacking und Packen für mich eine ganz neue Nummer. Zunächst brauchte ich Taschen, die an mein Rad passten – Satteltasche, Rahmentasche, Lowrider, Stembag, Lenkertasche. Ganz schön viel. Ich stellte fest, dass viele Dinge, die ich zum Draußenschlafen und Camping bisher genutzt habe, einfach zu groß und schwer waren. Ergo: Ich suche nun seit einer Weile nach einem passenden Schlafsack (in dem ich bei unter 10°C nicht friere) und vor allem nach einem kleinen Zelt. Doch ganz so einfach ist das nicht.

2. Das perfekte Bikepacking UL Zelt

So ein Bikepacking UL Zelt sollte am besten super leicht und sehr robust sein, ein kleines Packmaß haben und natürlich nicht zu teuer sein. Aber worauf muss ich eigentlich sonst noch achten? Wofür möchte ich es genau nutzen und wie lange? Reicht es für eine Person oder ist ein 2 Personen Zelt nicht doch praktischer? Double oder Single Wall? Mit Moskitonetz? Freistehend oder zum Abspannen? Brauche ich noch zusätzliche Stangen und einen Footprint (eine Zeltunterlage) oder ist alles schon im Paket enthalten? Fragen über Fragen, welche ich nun versuche zu klären.

2.1. Ein Zelt für mich allein oder doch für zwei? Wie viel Platz brauche ich?

Die erste Frage kann ich ganz klar beantworten. Das Zelt soll für mich allein sein, denn ein größeres, leichtes Zelt befindet sich bereits im Haushalt. Ich suche also etwas, dass ich auf Bikepacking Touren mitführen kann, was möglichst klein im Packmaß ist und wenig Gewicht hat. Tendenziell lande ich bei den Ein-Personen-Zelten, da diese meist kleiner sind und daher weniger Material benötigt wird. Klingt logisch, oder? Wiederum solltest man sich als Alleinreisende/r aber auch im Klaren sein, dass so ein Ein-Personen-Zelt eben wirklich sehr klein sein kann. Es ist die klassische Dackelgarage, in der man bei einigen Modellen nicht mal aufrecht sitzen kann. Daher kommen noch ein paar Faktoren mit ins Spiel:

–> Wie groß bin ich und hat das Zelt genügend Fläche für meinen Platzbedarf?

Schön wäre es doch, wenn man sich im Zelt zumindest umdrehen kann, ohne gleich die Wände einzureißen. Dementsprechend schaue ich, dass die Maße des aufgebauten Zeltes mir noch genügend Freiraum bieten. Dieser ist ganz individuell und schwer zu pauschalisieren. Ich kann auch eine Nacht auf einer Bank schlafen, ohne runterzufallen. Wenn wiederum mehr Platz zur Verfügung steht, wird der ebenso genutzt. Aber muss ich in diesem Zelt aufrecht sitzen können oder reicht mir reinzuschlüpfen und mich notfalls im Liegen umzuziehen, wenn das Zelt dafür im Gegenzug leichter ist?

–> Was führe ich mit mir und wo kann ich das in der Nacht lagern?

Für einen Overnighter brauche ich sicherlich etwas weniger Sachen und so auch weniger Platz. Auf einer längeren Reise würde ich aber mehr Gepäck mitführen und muss vielleicht sogar im Vorzelt kochen. In dem Fall sollte auch das Bikepacking UL Zelt eine Apsis haben, in der das möglich ist! Hier gilt wieder: Ganz nach Bedarf! Ich habe nicht vor groß in diesem kleinen Zelt zu werkeln. Eine Apsis zum trocknen Gepäckabstellen ist mir aber dennoch wichtig. Soll dies im Eingangsbereich vorn sein (bei Tunnelzelten) oder ist ein Zelt mit seitlichem Eingang und seitlicher Apsis praktischer? Letzteres ist mein Favorit.

2.2 Ein- oder zweiwandig: Mehr Komfort= mehr Gewicht? Und was ist mit Mückenschutz?

Nach langem Überlegen favorisiere ich die zweiwändige Zeltvariante. Das heißt, das Zelt besteht aus einem Innenzelt, das bestenfalls zum Teil aus Moskitonetz besteht, und aus einem Außenzelt. Es ist vorteilhaft, wenn man zuerst das äußere Zelt aufbauen kann und dann das innere. So wird dieses bei Regen nicht nass. Doppelwandige Zelte bieten eine Reihe an extra Komfort: Die Zelte sind meist besser belüftet und die Wahrscheinlichkeit in Kondensationsflüssigkeit gebadet zu werden beim Anstoßen an die Zeltwand ist dadurch minimiert. Bei vielen Zelten lässt sich das Innenzelt, sowie auch das Außenzelt (z.B. als Tarpersatz) separat aufstellen – perfekt für warme, trockene Sommernächte und, um Gewicht zu sparen. Wenn das Innenzelt einen großen Meshanteil hat, schützt es nicht nur vorm Angriff der blutsaugenden Monster, sondern ist auch schön luftig.

Sicherlich wiegt ein doppelwandiges UL Zelt mehr, als ein einfaches. Doch die 200 Gramm ist es mir der Luxus dann Wert und es muss ja auch nicht immer das komplette Zelt mitgeführt werden.

2.3. Soll das UL Zelt freistehen können oder reicht eines zum Abspannen?

Auch das ist ein wichtige Frage. Je nachdem, wo ich unterwegs sein möchte, kann es sein, dass ich das Zelt vielleicht gar nicht mit Seilen abspannen kann, weil der Boden entweder viel zu fest oder gar zu weich sein könnte. Dann hält kein Hering und so ein freistehendes Zelt könnte Gold wert sein. Außerdem spart man sich diese nervige Abspannarbeit. Der Nachteil: Vermutlich sind diese Zelte schwerer, da mehr Stangen verbaut werden müssen. Hat da jemand von euch Erfahrungen und Vergleichswerte?

2.4. Wie viel Gewicht möchte ich bei welchem Packmaß mitführen? Ist alles schon dabei, was ich brauche?

Ach, die Frage nach dem Gewicht ist eine schwierige. Ich bin keine Grammzählerin und trage lieber etwas mehr Material am Rad mit, wenn es vielleicht etwas mehr Komfort bringt. Dennoch ist mir bei einem Zelt wichtig, dass es im Vergleich zu Tarp und Biwaksack nicht sehr viel schwerer ist und sich vor allem gut verstauen lässt. Die Zeltstangen sollten nicht zu lang sein, damit sie zum Beispiel noch in die Rahmentasche passen.

Es gibt UL Zelte, die ohne Aufstellstange kommen Das sollte unbedingt vorher überprüft werden, damit beim Aufbau unterwegs nicht plötzlich was fehlt. Wie beim Tarp kann man dann auf Äste zurückgreifen oder eben eine Aluminum-Zeltstange zusätzlich besorgen und mitnehmen. Genauso sieht es bei der Zeltunterlage aus. Um Gewicht zu sparen, ist diese meistens standartmäßig nicht dabei. So ein wurzeliger Waldboden kann den Zeltboden aber schnell mal durchlöchern, wenn man nicht aufpasst. Manchmal lohnt es sich also ein Footprint zu kaufen und dabei zu haben. Notfalls geht der auch als zusätzliches Tarp oder Picknickdecke ;-).

2.5. Der Preis ist heiß. Was kostet ein Bikepacking UL Zelt?

Hochwertige Zelte bekannter Outdoor-Marken sind kostenintensiv. Ultraleicht Zelte bekanter Outdoor-Marken wiederum kosten so viel, wie vermutlich ein Großteil der Bevölkerung nicht mal für ein Alltagsfahrrad ausgibt. Das hat sicher auch seine Berechtigung in Bezug auf Innovation, Qualität, Haltbarkeit und Gewicht. Leider summieren sich eben auch die Kosten bei solch einer Leidenschaft wie dem Langstreckenfahren oder Radreisen im Bikepacking Stil, die auf Gewichts- und Packmaßoptimierung ausgelegt sind. Aber gibt es nicht doch Alternativen unter 300 €, die für die gelegentliche Nutzung völlig ausreichend sind? Nicht jedes günstigere Zelt fällt nach einmal Nutzen auseinander und vermutlich hält auch nicht jedes teure Zelt ein Leben lang.

Wünschenswert ist ein Mittelmaß, denn auch Zelte bestehen aus Funktionsmaterialien, die oft beschichtet sind und aus Kunststoffen bestehen, die schwer abbaubar oder nicht recyclebar sind. Daher ist eine lange Nutzung erstrebenswert und sicher die umweltfreundlichste Variante.

3. Bikepacking UL Zelte unter 150 € und 1,6 kg

Ich bin auf der Suche nach einer leichten mobilen Unterkunft, die ich ab und zu beim Radfahren mitnehmen möchte. Ich kann keine 600 € ausgeben und auch keine 350 €. Also habe ich mich auf die Suche nach UL Zelten gemacht, welche im Preis unter 200 € liegen und ein Gewicht von 1,6 kg mit allem drum und dran nicht überschreiten. Ich bin tatsächlich fündig geworden. Im Folgenden findest du eine unvollständige Auflistung von möglichen Bikepacking UL Zelten unter 150 €. Ich freue mich über Anmerkungen und Ergänzungen in den Kommentaren oder per Mail an juliane[at]radelmaedchen.de!

NameMarkepaxWandGewichtPackmaßPreis ab
Silnylon ULintents outdoor1double0,99 / 1,25 kg*27 x 10 cm140 €²
Lw Hiking tentintents outdoor1double1,3 kg27 x 10 cm87 €²
UL Hiking DWintents outdoor1double0,89 kg30 x 11 cm92 €²
Lighttent 1 3000ferrino1double1,38/ 1,5 kg*33 x 14 cm140 €
Coshee MicroWild Country by terra nova1double1,3 kg36 x 14 cm125 €
Trek 900 UL decathlon1double1,3/ 1,6 kg*40 x 12 cm119 €
Bryce UL 1Paria Outdoor1double1,33 kg43 x 13 cm130 €
Bryce UL 2Paria Outdoor2double1,55 kg43 x 15 cm150 €
Cloud Up 1 (20D)Naturehike1double1,55 kg45 x 12 cm119 €
UL Hiking SWintents outdoor1single0,67 / 0,95 kg*27 x 10 cm81 €²
Sintesi 1ferrino1single1,03 kg30 x 13 cm130 €
Tagar UL 1Naturehike1single1,05 kg44 x 1099 €
Tagar UL 2Naturehike2single1,25 kg44 x 10109 €
Trek Santiagomapuera1single 1,25 kg39 x 11 cm80 €
*inkl. pole/ footprint
²plus tax/Zoll,no pole/footprint

Falls ihr selbst filtern, ergänzen oder einfach lieber in einer Excel-Datei sortieren wollt, könnt ihr euch diese hier herunterladen.

4. Meine UL Zelt Favoriten

Mein momentaner Favorit in Bezug auf Gewicht, Packmaß und Qualität ist das Silnylon UL Tent von intentsoutdoor. Zu dem angegebenen Mindestgewicht muss ich allerdings noch eine Zeltstange bzw. einen Wanderstock, sowie eventuell eine Zeltunterlage (footprint) hinzurechnen. Diese sind nicht im Paket enthalten. Dennoch bietet die neuseeländische Firma sehr gute Preise und hat sich auf Outdoorprodukte wie leichte Wander- und Biker Zelte spezialisiert. Leider gibt es scheinbar keinen deutschen Vertrieb, weshalb nur ein Direktversand aus Neuseeland möglich ist. Die Versandkosten sind allerdings sehr hoch. Außerdem kommt noch die deutsche Mehrwertsteuer und bei Bestellungen über 150 € ein Zollaufschlag hinzu und so landet man schnell wieder knapp über 200 €.

links: intentsoutdoor Silnylon UL 1; rechts: ferrino Lighttent 1 3000 (credits: bei den Marken)

Vielleicht ist dann das italienische Ferrino Lighttent 1 3000 doch die bessere Wahl? Zumindest bekommt man dort alles mitgeliefert, was man braucht und die Kombination aus Packmaß und Gewicht liegen im guten Mittelfeld. Hat jemand Erfahrungen mit dem Coshee Micro Wild Country by terra nova? Auch dieses Zelt ist aus ähnlichen Gründen wie das Ferrino Lighttent in der engeren Auswahl. Oder sollte ich doch anfangen zu sparen und lieber in ein hochwertiges, kostenintensiveres Zelt wie das Vaude Lizard UL 1 investieren? Das ist nämlich mein Favorit, wenn ich es mir aussuchen könnte.

Martin von biketour-global.de hat sich letzten Herbst schon die Mühe gemacht, Zelte aufzuführen, die sowohl zu den UL Zelten gehören, als auch normal schwere Modelle. Diese liegen preislich im mittleren bis höherpreisigen Segment. Die Zelte sind teilweise echte Klassiker, auf die man sich verlassen kann oder die bereits einen sehr guten Ruf in der Outdoorszene haben.

Wie sind eure Erfahrungen? Welches Zelt nutzt ihr zum Radfahren mit Übernachtungen? Seid ihr Grammzähler oder ist euch Komfort wichtiger?

Trailabenteuer mit E-MTB: eBike Your Life Harz

Märchenhafter Harz – sagenumwoben, geschichtsträchtig, wundervoll grün und erholsam. Der Harz ist ein Naherholungsgebiet mit vielen Facetten: Er ist Skigebiet, Wanderparadies und entwickelt sich immer mehr zum Rennrad- und Mountainbike-Mekka – dank fordernder Anstiege, spannender Trails, 5 Bikeparks und zahlreicher fahrradfreundlicher Unterkünfte.
Als ich die Einladung bekam, beim Festival von eBike your Life Harz die bergige Region, die ich aus meiner Kindheit kannte, mit dem Mountainbike zu erkunden, war ich zunächst noch zurückhaltend. Doch das änderte sich schnell!

TRANSPARENZHINWEIS: Enthält Werbung/Markennennungen.
Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive, offen und ehrlich. Dies ist ein bezahlter Beitrag
aufgrund einer Kooperation mit “eBike your Life”. Die Kosten der Reise wurden übernommen.

Auf dem E-Mountainbike durch den märchenhaften Harz – Gliederung

1. eBike your Life? Worum geht es?

2. Volles Programm – inkl. E-MTB Verleih

3. Der Harz – eine Region mit Geschichte

4. Anreise

5. Die Touren

5.1. Tag: Von Braunlage entlang des Grünen Bandes über Sorge und Sankt Andreasberg

5.2. Tag: Von Schierke auf den Brocken über Plessenburg und Ilsenburg

5.3. Tag: Entspannte Bad Harzburg – Runde

6. Fazit und Vorschau: Auf ein Wiedersehen mit eBike your Life!

1. eBike your Life? Worum geht es?

Unter dem Motto eBike your Life sollte im Harz und in der Region rund um Wernigerode vom 17.-19.05.2019 der diesjährige Auftakt einer noch relativ neuen Eventserie stattfinden. Zuvor hatte es bereits Veranstaltungen in der Schweiz gegeben, die dieses Jahr wiederholt werden sollen. Im Harz fand 2019 die Premiere statt. Ich muss zugeben, dass mich der Titel der Eventreihe zunächst etwas abgeschreckt hat. Warum sollte ich mit dem Pedelec durch die schöne Harzer Natur fahren? Auch wenn ich schon ein paar Mal auf einem motorisieren Fahrrad gesessen hatte, fuhr ich Touren lieber mit eigener Muskelkraft.

Zu Beginn konnte ich mich einiger Vorurteile über die mögliche Zielgruppe auch nicht erwehren. Es war ein Versuch, realistisch einzuschätzen, ob ein komplett organisiertes Event wie dieses, wirklich etwas für mich Eigenbrödlerin sein könnte – in dem Fall auch unabhängig davon, ob mit oder ohne Motor am Fahrrad.

Foto: grassl event & promotion services gmbh

Doch glücklicherweise wurde ich eines Besseren belehrt. Ich las noch einmal genauer nach: “Maximum an Fahrspaß mit dem E-Mountainbike”. E-MTB!? Erinnerungen an meine ersten Mountainbike-Erfahrungen in Göttingen beim Pressedienst-Fahrrad kamen hoch und nun war ich wirklich neugierig. Spätestens nach dem sympathischen Telefonat mit den Damen der organisierenden Agentur grassl event, die für ihre 24h-Wandermarathons bekannt sind, wollte ich dabei sein. Ich habe es nicht bereut.

2. Volles Programm – inkl. E-MTB Verleih

Drei ausgewählte Touren führten jeweils als Rundtour von den Orten Braunlage, Schierke und Bad Harzburg durch die grüne Harzlandschaft. Begleitet wurden diese geführten Touren von erfahrenen Mountainbike-Guides. Für eigene Erkundungen findet ihr übrigens auch Infos zu möglichen Radtouren in der Region um Wernigerode auf den Seiten der Touristen-Information Wernigerode.

Programmablauf des eBike your Life-Festivals im Harz (Auszug der Website www.ebike-your-life.com)
Programmablauf des eBike your Life-Festivals im Harz (Auszug der Website www.ebike-your-life.com)

Schließlich fand ich genau den Sorglos-Ansatz des eBike your Life Festivals im Harz sehr angenehm:

“Die Teilnehmer erhalten ein Rundum-Sorglos-Paket und müssen sich somit keine Gedanken über organisatorische Details oder die Verpflegung machen. Die Leih-E-Bikes können einfach über den eBike your Life-Partner hinzu gebucht werden.”

Genau das war auch Programm: Ich musste mich um nichts kümmern. Einfach ab zum Kurpark der jeweiligen Stadt, wo sich Start, Anmeldung und Sponsorenstände befanden, anmelden, Rad ausleihen und auf die Abfahrt warten. Wer die Tour mitmachen wollte, konnte sich vorab oder spontan direkt vor Ort anmelden. Zur Auswahl stand das Festival-Paket für eine oder zwei Touren oder man verbachte das gesamte Wochenende auf dem Rad mit dem Komplettpaket. Bei der Anmeldung erwartete die Mitfahrenden außerdem ein schönes Willkommensgeschenk wie Landkarten der Region und eine praktische Gürteltasche mit Trinkflaschenhalter – perfekt für Kleinigkeiten, die man auf einer MTB-Tour schnell griffbereit haben möchte!

Die Teilnehmenden des eBike your Life-Events wurden vor Tourbeginn in drei Gruppen aufgeteilt, um den unterschiedlichen Erfahrungs- und Schnelligkeitsstufen der Mitfahrenden gerecht zu werden. Selbsteinschätzung war da definitiv hilfreich, was spätestens am zweiten Tage bei den meisten zur richtigen Gurppenauswahl führte und ein entspanntes Fahren für alle ermöglichte. Nicht nur das Alter der Teilnehmenden war bunt gemischt, auch der Erfahrungsgrad reichte vom kompletten MTB-Neuling zu erprobten Geländefahrenden.

…nun noch fix ein E-MTB ausleihen.

Die Route stand fest, die Verpflegung war organisiert und Fahrräder standen zur Verfügung, wenn man selbst kein E-MTB besitzen sollte. Der Verleih der E-Mountainbikes verlief unkompliziert vor Beginn der Tour. Ich bekam ein solides Hardtail der Marke haibike. Die Rückgabe erfolgte abends an gleicher Stelle. Um die Ladung der Akkus und die Pflege des Rades kümmerte sich dann das Team von Harzmobil – gegebenenfalls auch während der Touren in der Mittagspause. Durch eine Namensmarkierung am Rad wurde sichergestellt, dass ich an allen drei Tagen auch das gleiche Fahrrad nutzen konnte. Auch das Anbringen der eigenen Pedale verlief völlig problemlos und wurde mir einfach direkt abgenommen :-).

3. Der Harz – eine Region mit Geschichte

Doch wo sollte es eigentlich hingehen? Auf der Website von eBike your Life gibt es eine kurze Beschreibung des Programms und auch der Streckenpunkte einer jeden Tagestour. Neben reichlich Höhenmetern auf dem Weg hoch zum Brocken, versprachen die Organisatoren außerdem, dass der Harz zu den besten Bike-Regionen Norddeutschlands gehöre. Kieselstraßen, wunderschöne Waldwege, glatter Asphalt, viele, anspruchsvolle Höhenmeter, Bikeparks und Naturschutzgebiete – der Harz ist vielfältig. Doch dieser wunderschöne Fleck Erde, den sich die Bundesländer Niedersachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen teilen, ist weit mehr als nur ein Urlaubsparadies und das Mittelgebirge mit der höchsten Erhebung Norddeutschlands.

Die Harz-Region hat aufgrund der Lage zwischen den Landesgrenzen eine bewegende Geschichte. Als Kind waren meine Eltern dort oft mit mir zum Wandern und ich war fasziniert von den Geschichten rund um den Hexentanzplatz und die Roßtrappe. Als ich älter war, hörte und las ich mit einer Gänsehaut über die deutsche Teilung und das militärische Sperrgebiet rund um das Brockenplateau und weitere Harzer Berge. Die Grenze ist heute offen, doch nicht nur die einzigartigen Natur-Lebensräume des Grünen Bandes entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und die Gedenktafeln erinnern an die frühere Teilung.

In einigen Bergdörfern scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Doch der Schein trügt, denn neben den hübschen mittelalterlichen Gebäuden und dem etwas altbackenem Charme der 70er Jahre, den man in vielen Häusern findet, entwickeln sich auch viele Orte mit dem zunehmenden Tourismus weiter. Neue Feriensiedlungen und Ausflugsziele entstehen. Und wem das zu viel ist, der findet im Harz abseits der üblichen Touristenpfade vor allem eins: Natur und Ruhe.

Der Harz ist grün und verfügt über eine einzgartige Landschaft. Die Region besteht aus dem Nationalpark Harz, mehreren Naturparks und einem Biosphärenreservat. Deshalb ist es umso wichtiger diese besondere Natur zu respektieren, sich rücksichtsvoll zu verhalten und die Wege nicht zu verlassen.

4. Anreise mit Begleitung

Dieses Mal reiste ich nicht allein. Brompton Ljómi musste zwar dieses Mal zu Hause bleiben, aber dafür habe ich mir einen lieben Menschen zum Fotografieren und Erlebnisteilen mitgenommen :-). Da Jan auch viel Spaß am Mountainbiken und Fotografieren hat, war er der perfekte Begleiter und ich freute mich über vertraute Gesellschaft.

Am Freitagmorgen ging es gegen 8 Uhr mit dem Zug raus aus Berlin und ab durch Sachsen-Anhalt nach Niedersachsen. Dazu kann man flexibel mit den Regionalzügen anreisen (mit Quer-Durchs-Land– bzw. am Wochenende Schönes-Wochenende-Ticket). Da das aber tendenziell eine Stunde länger dauert als mit IC/ICE, sind wir zunächst im Fernzug bis Braunschweig gefahren und dort dann in den Regio umgestiegen. Die größeren Orte und Städte wie Bad Harzburg im Nordharz oder auch Wernigerode und weiter östlich Quedlinburg sind gut mit dem Regionalzug erreichbar. Sobald es jedoch in die Berge rein geht, kommt man nur noch mit dem Nahverkehrsbus (mit Fahrradmitnahmemöglichkeit im Anhänger) oder eigenem Fahrzeug voran.

Aber die Orte im Harz sind dennoch gut vernetzt und Urlauber kommen in den Genuß eines besonderen ÖPNV-Angebots: Das Harzer Urlaubs-Ticket (HATIX) erhält man bei Übernachtung und Zahlung des aktuellen Gästebeitrags in einem der teilnehmenden Orte. Damit fährt man kostenfrei auf allen öffentlichen Bus- und Straßenbahnlinien im Landkreis Harz. Die kleineren Orte in den Bergen werden von den Buslinien jedoch nicht allzu häufig angefahren, weshalb man sich dort vorab unbedingt über den aktuellen Fahrplan informieren sollte.

5. Die eBike your Life Harz – Touren

5.1. Tag: Von Braunlage entlang des Grünen Bandes über Sorge und Sankt Andreasberg

Am ersten Tag sollte die eBike your Life Tour um 14 Uhr in Braunlage starten. Da wir direkt von Berlin aus anreisten und nicht erst in unsere Pension nach Schierke fuhren, nahmen wir am Bahnhof von Bad Harzburg nur den Bus nach Braunlage. Gegen 12 Uhr kamen wir schließlich im Luftkurort südlich des Brockens an. Wir stiefelten zum hübschen Kurpark, wo die Anmeldung zum eBike your Life-Festival stattfand.

Im Anmelde- und Startbereich herrschte an allen drei Tagen reges Treiben. Neben einigen Sponsorenständen, einem Hindernisparcours und dem harzmobil E-MTB Verleih, sorgten laute Musik und ein Moderator für Unterhaltung. Ein großer Luftbogen, der Start und Zieldurchfahrt darstellen sollte, stand deutlich sichtbar über dem Parkweg. Nun ja, im muss gestehen, die letzten beiden Dinge waren nicht so ganz mein Fall. Etwas zu viel trara und es erinnerte mich eher an eine Rennveranstaltung. Um Geschwindigkeit und sportliche Höchstleistungen ging es beim eBike your Life-Festival aber eben nicht. Und das war auch gut so. Für mich standen Genuss, das Entdecken der Region und spannender Trails mit dem Mountainbike im Fokus. Und glücklicherweise erlebte ich das auch in den folgenden Tagen.

Grüppchenweise

Um die 40 Personen starteten am Freitagnachmittag etwas versetzt in drei verschiedenen Gruppen. Wir hatten uns in die mittlere Gruppe eingeordnet und fuhren entspannt aus dem Kurpark Braunlage heraus. Bei Temperaturen um die 10 Grad dauerte es einen Moment, bis ich wirklich warm gefahren war. Das lag wohl auch daran, dass wir anfangs wirklich sehr langsam fuhren. Es gab zwei Mitfahrende in der Gruppe, die nicht mit dem E-MTB, sondern mit normalen, urbanen Pedelecs unterwegs waren und sich den Tourverlauf scheinbar komplett anders vorgestellt hatten. Als kurz darauf bereits der erste, schmalere Trail auf uns wartete, fielen sie immer wieder zurück. Ich muss zugeben, auch ich war tatsächlich überrascht, dass es partiell doch etwas anspruchsvoller ablief, als ich vorab angenommen hatte. Aber ich war definitiv positiv überrascht :-).

Unser Tourguide verhielt sich vorbildlich und richtete sich nach den langsamsten Mitgliedern der Gruppe. Keiner sollte hinterherhetzen und das Gefühl haben, immer hinten dran zu sein. Nachdem uns allerdings die dritte Gruppe kurze Zeit später eingeholt hatte, beschloss ein Großteil, sich dieser anzuschließen. So auch Jan und ich. So wurde die dritte, die zweite Gruppe und unser Tempo stieg auf einmal rasant an! Huiii, ganz schnell war mir nicht mehr kalt und mein Körper kam ordentlich in Schwung.

Über Stock und Stein: Nur echt mit Schlammspritzern und blauen Flecken

Gleich am Anfang testete ich die Funktionsfähigkeit der Scheibenbremsen und legte mich seitlich unters Rad. Test bestanden! Auch eine schmalere Brücke mit hoher Stufe nahm ich etwas zu schwungvoll und schaute kurz darauf genauer über den Lenker und das Brückengeländer, welches mein Vorderrad abbremste. Dort konnte ich mich allerdings fangen und stieg glücklicherweise nicht vornüber ab. Dafür nahm ich ein paar blaue Flecken am Handgelenk und den Beinen mit. Gut, damit hatte ich das Thema Sturz und das blöde irgendwo Gegenfahren für dieses Wochenende auch abgearbeitet. *kopftisch*

Bergauf und ab radelten wir, mal mit mehr, mal weniger Motorunterstützung. Teilweise benötigte man diese fast gar nicht. Berghoch war der Motor jedoch eine Erleichterung. Die Wegqualitäten variierten dabei stark. In den Tagen zuvor hatte es ordentlich geregnet und wir nahmen mehr als eine matschige Pfütze mit. Hach, war das schön. Am Ende des Tages waren wir alle ziemlich eingesaut, trugen lustige Tupfenmuster auf Kleidung und Gesicht und eine Bremsspur schmückte adrett den Sattel und den Allerwertesten. Als wir zur Kaffeepause einkehrten, nahm das Servicepersonal vorsorglich die Kissen von den Holzbänken. Verübeln konnte ich es ihnen nicht^^.

Den Großteil der Strecke legten wir auf breiteren Kiesel- und Forstwegen zurück. Traumhafte Ausblicke boten sich spätestens nach den ersten Anstiegen. Doch immer wieder verlief mittendrin ein schmaler Pfad durchs Grün und forderte gespickt mit Wurzeln und Steinen vollste Aufmerksamkeit beim Fahren. Ich hatte etwas zu viel Druck auf den Reifen und fühlte mich am Tagesende zeimlich durchgschüttelt. Armtraining, check! Nicht alles traute ich mich zu fahren, doch es lief größtenteils eigentlich ganz gut und machte unglaublich Spaß. Skilltraining, check!

Als wir gegen 18 Uhr schließlich wieder in Braunlage eintrafen, war ich mehr als zufrieden mit dem Tag. Ein frisches, isotonisches Kaltgetränk wartete dort auf uns und für das Abendessen war in einem nahegelegenen, italienischen Restaurant gesorgt worden. Überhaupt war die Verpflegung sehr gut. Ob Getränke, Energieriegel und Magnesium am Start oder Pausenversorgung in gemütlichen Hütten unterwegs. Alles war organisiert und bereits im Preis der Tour inkludiert. Gehungert habe ich definitniv nicht. Die Urkundenübergabe am Tagesende sollte das Event abrunden und war nett gemeint. Es wäre aber auch nicht schlimm gewesen, diesen Part wegzulassen ;-).

5.2. Tag: Von Schierke auf den Brocken (über Plessenburg und Ilsenburg)

Nachdem der erste Abend bei entspanntem Essen und mit angenehmen Gesprächen ausgeklungen war, begann der nächste Morgen gemütlich mit einem kurzen Lauf von der Pension zum Startort der Samstagstour. Die Schierker Feurstein-Arena lag mitten im kleinen Ort Schierke, wo wir in einer schönen Unterkunft die Nacht verbracht haben. Diese Ruhe hier war unbeschreiblich. Fast kein Verkehr und die Vögel zwitscherten laut und kräftig. Der Morgen war klar und der Himmel strahlend blau. Es versprach ein perfekter Frühlingstag zu werden. Ich konnt es kaum erwarten wieder auf dem Rad zu sitzen – trotz etwas Muskelkater in den Armen.

Es war schön, ein paar Gesichter vom Vortag wiederzusehen und auch neue Menschen kennenzulernen. Wie bereits am Freitag, teilten wir uns vor Abfahrt gruppenspezifisch auf. Unser Guide erklärte noch einmal erneut den Ablauf, das Fahren in der Gruppe und den Umgang mit dem E-MTB. Dieses Mal stimmte die Geschwindigkeit von Anfang an und bereits kurz nachdem wir den Ort Schierke am Fuße des Brockens verlassen hatten, ging es bergauf.

Graveln

An diesem Samstag stand die eBike your Life-Tagestour an mit ca. 1400 hm auf 48 km. Das bedeutete auch, wir mussten noch deutlich mehr auf die Reichweite der Akkus der E-Mountainbikes achten. Ich gestehe, dass ich das Akkuthema etwas leidlich finde. Jedoch sorgte es dafür, die Unterstützungsstufe moderat zu wählen und sich eben nicht nur auf den Motor, sondern auch auf die Kraft der eigenen Beine zu verlassen. Und die brauchte es auf jeden Fall. Dennoch sorgte das harzmobil Team in der Mittagspause an dem Ausflugslokal Plessenburg wieder dafür, dass die Akkus geladen wurden, damit alle für den folgenden langen Anstieg auf den Brocken bereit waren.

Doch zunächst radelten wir auf einem recht steilen Kieselweg zurück ins Tal nach Ilsenburg. Der kleine Angsthase in mir mochte das überhaupt nicht. Die Abfahrt war zu lang und der Weg durch die Steine zu rutschig, sodass ich unter großer Anspannung den Berg hinunter fuhr. Wie immer fuhr ich ganz hinten, um keinem der Anderen den Spaß an der Abfahrt zu nehmen. Konzentration. Und der Versuch nicht steif wie ein Brett zu sein, um mich eventuell doch dezent mit in die Kurven legen zu können. Nur nicht zu schnell werden und nicht zu viel bremsen!

Ich übe weiter und irgendwann fühle ich mich vielleicht sicherer dabei. Dass es nicht so verkehrt ist, vorsichtig zu fahren, zeigte der Sturz eines Mitfahrenden kurz vor Ankunft im Tal. Glücklicherweise war ihm nichts Schlimmes passiert und er konnte nach kurzer Pause und kleiner Erstversorgung mit verbunden Händen und aufgeschürftem Knie weiterfahren. Die Mitnahme des 1. Hilfe Sets war definitiv eine gute Idee von uns gewesen. Selbstverständlich hatten auch die Guides welche dabei und haben sich sofort um die Versorgung gekümmert.

Hoch hinaus

Zum Glück folgte ab Ilsenburg der ca. 6 bis 7 km lange Anstieg auf den Brocken. Wer hätte gedacht, dass ich mal lieber hoch als runter fahren würde? Ich versuchte so lang wie möglich im Eco+ bzw. Eco-Modus zu bleiben. Das sind die beiden untersten der vier verschiedenen Unterstützungsstufen des Antriebs der E-Mountainbikes. Der Kieselweg wurde steiler und ich wechselte schließlich ergeben in den nächsthöheren Standard-Modus. Meine Knie freuten sich darüber und ich konnte etwas weniger stark in die Pedale treten und an Tempo gewinnen. Irgendwie machte das langsam wirklich Spaß!

Mit zunehmender Höhe veränderte sich die Landschaft. Die Vegetation wurde flacher und große Flächen abgestorbener Fichtenwälder gestalteten das Gelände. Es hatte etwas Faszinierendes, jedoch fast schon Apokalyptisches an sich, wie die blattlosen, kahlen und grauen Baumstämme gen Himmel ragten. Schuld am Baumsterben trägt nicht nur der kleine Borkenkäfer, der sich genüsslich an den Bäumen nährt. Auch die großflächige Kultivierung der Fichten vor vielen Jahren, die die Laubbäume teilweise verdrängt haben (zum Vorteil der Forst- und Holzwirtschaft), hat großen Anteil an der momentanen Entwicklung. Wer darüber mehr erfahren möchte, findet u.a. beim nabu weitere Informationen.

Brockenrummel

Selbst mit Motorunterstützung war der Anstieg eine Herausforderung gewesen. Als wir schließlich auf die asphaltierte Brockenstraße trafen, freute ich mich über eine Verschnaufpause. Innerlich applaudierte ich allen Radfahrenden, die ich dort sah und, die komplett mit eigener Muskelkraft auf den Brocken geradelt waren. Doch der wirklich anstrengende Teil folgte nun erst. Die letzten Kilometer fuhren wir auf der Straße, die von Wanderern nur so überquoll. Nein, ich übertreibe nicht! Teilweise konnten wir nur im Schrittempo fahren, weil die Leute die komplette Straße für sich beanspruchten – entweder für den An- oder Abstieg. Was für ein Kontrastprogramm nach den einsamen Kilometern im Wald, auf denen wir nur ab und zu ein paar Wanderer getroffen hatten.

Oben angekommen, war mir der Rummel deutlich zu viel, doch der Ausblick entschädigte allemal. Spätestens die gemeinsame Kaffee- und Kuchenpause im Brockenhaus vor der Abfahrt, beruhigte mein Gemüt wieder. Wir waren schon eine echt coole Truppe und ich fühlte mich ziemlich wohl. Als die Entscheidung ausstand, ob wir den Brocken komplett auf der Asphaltstraße oder zum Teil einen steinigen Trail hinunter fahren wollten, war dies schnell einstimmig beschlossen: Wir wollten ins Gelände! Auch wenn sich schnell herausstellte, dass der Weg für die meisten von uns zu anspruchsvoll war. Die Steine auf dem eher als Wanderweg einzuordnenden Trail, ragten meist zu hoch empor. Der letzte Abschnitt wiederum war großartig. Ich traute mich und ließ mein Rad einen Weg zwischen Steinen und Wurzeln hindurch suchen. Dabei jauchzte ich fast schon vor Freude, wenn ich es schaffte, die Hindernisse trotz etwas innerer Überwindung zu meistern.

Wir trafen am späten Nachmittag wieder in Schierke ein. Ich fühlte mich richtig gut und auch die anderen strahlten. Dieser letzte Abschnitt war ein absolutes Tageshighlight gewesen. Nachdem die E-MTBs an der Ausleihstation abgegeben waren, und der ganze Urkundenrummel überstanden, tauschten wir uns weiter über den Tag aus. Währenddessen wurde das Abendessen direkt in der Schierker Feuerstein-Arena als Buffet aufgebaut. Perfekt, denn ich hatte nach dem Adrenalinschub wirklich Hunger bekommen. Was für ein Tag. Nun stand nur noch eine kleine Sonntags-Tour aus und diese sollte etwas ruhiger werden.

5.3. Tag: Entspannte Bad Harzburg – Runde

Jan und ich fanden eine angenehme Mitfahrgelegenheit, die uns von Schierke mit nach Bad Harzburg nahm, wo die letzte, kleinere Rundfahrt um 10 Uhr beginnen sollte. Hier waren deutlich weniger Leute gemeldet, davon einige, die zuvor noch nicht mitgeradelt waren. Man hatte sich dennoch entschieden, nur eine große Gruppe zu bilden, statt drei kleiner. Ich war diesbezüglich etwas zwiegespalten, denn zuvor hatte die Aufteilung nach Level sehr gut funktioniert. So wunderte es mich nicht, dass sich die Gruppe gleich zu Beginn beim ersten Anstieg auseinanderzog und häufiges Warten nötig wurde. Allgemein verlief die Tour etwas gemütlicher.

Wir steuerten zwei Ausssichtspunkte an der Kästeklippe und der Feigenbaumklippe an. Um letztere zu erreichen, konnte ich ein wenig meine Trailfahr-Fähigkeiten testen, was zumindest auf dem Rückweg ganz gut funktioniert hat. Ich merkte, wie zuvor Gelerntes sich wieder in meine Erinnerung schlich und versuchte dies direkt umzusetzen.

Ansonsten war die Tour zwar schön, aber weniger spektakulär als an den beiden Tagen zuvor. Die Mittagspause war entspannt und wir genossen unser Essen in der strahlenden Sonne im Biergarten der Marienteichbaude. Direkt nebenan befindet sich das große Wildkatzengehege.

Auf den letzten Kilometern freute ich mich über jedes Hindernis und jede Wurzel, die den Weg etwas herausfordernder machten. Es gab wieder einen lange Talfahrt auf Kieselsteinen, die mir deutlich leichter als am Vortag viel.

Streckenweise war mir das E-Mountainbike definitiv zu träge, besonders als wir auf relativ ebenen Straßen fuhren. Dort nutzte ich den Motor nur, weil das E-MTB eben ein gewisses Eigengewicht hat. Dennoch war ich gefühlt gerade erst richtig warm gworden, als die Tour schon wieder vorbei war. Knapp 28 km waren es gewesen, was am Abreisetag und im Gelände für einen entspannten Ausklang wohl sinnvoll war. Aber am liebsten wollte gar nicht mehr vom Fahrrad steigen und wäre gern noch weitergefahren.

Leider hat die Aufzeichnung hier nicht nicht komplett geklappt und nur eine Hälfte der Tour ist zu sehen.

Aber jedes Abenteuer neigt sich einmal dem Ende und nach einer Verabscheidungs- und Kaffe/Kuchenrunde sammelten Jan und ich schließlich unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zum Bahnhof.

6. Fazit und Vorschau: Auf ein Wiedersehen mit eBike your Life!

Schön war es. Ich war mal wieder überrascht, wie gut verschiedene Menschen ganz unterschiedlichen Alters und Umfeldes durch ein gemeinsames Interesse zusammenkommen können. Radfahren verbindet. Und so war es nicht nur die Schönheit der Harzer Natur und das Radfahren an sich, welches dieses Wochenden zu einem besonderen Erlebnis werden ließ, sondern vor allem auch der Spaß in der Gruppe und mit Gleichgesinnten!

Danke an grassl events für die Einladung und an das Team vor Ort für die herzliche Begrüßung und die tolle Zeit! Bis hoffentlich ganz bald :-)! Danke Jan für die tollen Bilder! Alle Fotos auf denen ich zu sehen bin und ein paar andere, stammen von ihm.

Wollt ihr beim nächsten Event von eBike your Life dabei sein? Diesen Herbst geht es noch in die Schweiz: Genauer ins Berner Oberland nach Adelboden vom 21. – 22.09.2019 und nach Gstaad vom 05. – 06.10.2019.