Gibt es ein Fahrrad für jede Gelegenheit? Eines, das einfach überall funktioniert, genügend Komfort bietet und dennoch auf jedem Terrain und für jeden Fahrstil passend ist? Oder braucht frau mehr als ein Fahrrad, um je nach Strecke, Anlass und Empfinden das Richtige auswählen zu können? Manche Menschen sind völlig zufrieden mit einem einzigen Rad. Ich war es jahrelang auch, weil ich selten und eher kurz geradelt bin. Das Konzept N+1 erschien mir erst dann sinnvoll, als ich das Fahrrad plötzlich als mein primäres Fortbewegungsmittel ansah und jeden Tag, den es nicht bei mir war oder in der Werkstatt, sich als störend und hinderlich anfühlte. 

Das Fahrrad, welches meine N+1 Ära einläutete, war ein kleines 16” Brompton Faltrad und als es 2017 bei mir einzog, war es mein Rad für zahlreiche Abenteuer. In diesem Beitrag erfährst du mehr über meine Liebe zu diesem Faltrad und weshalb 16” plötzlich nicht mehr genug waren, nachdem ich Jahre später zum ersten Mal auf der 20” Brompton G-Line gesessen habe.

Werbung/Kooperation – Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Kooperation mit Brompton Deutschland entstanden. 

Brompton size up - von 16” auf 20”

Es ist nun 10 Jahre her, dass ich zum ersten Mal Brompton gefahren bin. Seit 9 Jahren begleitet mich Ljómi. Auch, wenn wir nicht mehr so viel zusammen unterwegs sind, wie zu Beginn, nutze ich das Rad doch regelmäßig.

Ich habe mit der Zeit festgestellt, dass mein Brompton ein Fahrrad für viele Gelegenheiten ist, für kleine Touren, gar Reisen, für den Alltag, vor allem aber fürs Pendeln. Und obwohl ich es nie mehr hergeben mag, ist es doch kein Fahrrad für jede Gelegenheit! Zumindest dachte ich das lange Zeit.

Besonders auf langen Geländetouren oder bei Kopfsteinpflaster gibt es Limits, denn hier fehlt es einfach an Komfort. Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Verbesserungen am Faltrad, eine Electric-Version, Sondereditionen, ein Rebranding der Linien und Konfigurationen. Doch nichts hat mich so begeistert, wie das, was ich vor zwei Jahren auf der Eurobike im verschlossenen Pressebereich ausprobieren durfte. Eine Innovation, die ganz neue Möglichkeiten mit dem Brompton aufmachte und ein riesiger Schritt für Brompton als Marke, die fast 50 Jahre lang nur 16” Fahrräder gefertigt hat.

London_mit_Brompton
Mein Brompton Ljómi 2018 in London

Ein Brompton mit 20”

Die 20” Brompton G-Line wurde 2024 vorgestellt. Nun, ein Faltrad mit 20” Laufrädern ist sicherlich keine Neuheit per se. Es gibt sie schon lange bei anderen Marken und was den Komfort angeht, sind sie definitiv zu bevorzugen. Aber Fahrkomfort ist nicht der einzige Grund, sich für ein bestimmtes Fahrrad zu entscheiden. Für mich gibt es einfach kein vergleichbares Faltrad, dass eben dem Namen entsprechend so gut faltbar ist und am Ende so kompakt und aufgeräumt – und ich habe schon viele Fahrräder ausprobiert. Die G-Line ist da nicht anders – dafür größer. Der Rahmen und die Ausstattung sind nicht nur überarbeitet und besser, sondern auch dem Nutzungsbereich des neuen Rades angepasst. Das Faltprinzip ist nahezu identisch – nur das Fahrgefühl ist ein völlig anderes.

Brompton C-Line

Jule auf Brompton Faltrad

Brompton G-Line

Jule lehnt auf Sattel der Brompton G-Line

Dennoch dauerte es über ein Jahr, bis sich die Gelegenheit bot, eine längere Testfahrt mit der G-Line zu unternehmen. Das Testrad erreichte mich einen Tag vor meiner geplanten Tour, und obwohl ich es vorher nicht nochmal Probefahren konnte, hatte ich Vertrauen, dass das mit mir und der Brompton G-Line alles passen würde. Zu gut hat sich damals die erste Fahrt angefühlt.  

Ich hatte Vertrauen, dass das mit mir und der Brompton G-Line alles passen würde. Zu gut hat sich damals die erste Fahrt angefühlt. Ich war so neugierig, wie es sein würde, zum ersten Mal eine längere Tour damit zu fahren und ich wurde nicht enttäuscht. Es waren vier wunderbare Tage (Mehr zur Reise im Blogbeitrag zum Oder-Neiße-Radweg). Jegliche Flexibilität, die ich bei der Anreise mit dem großen Rad immer vermisse, war einfach da, während ich auf der Strecke viel entspannter und komfortabler unterwegs war, als je mit der 16” Version von Brompton.

Jule mit Brompton auf der Radbrücke
Mit der G-Line an der Neiße

Kein Wunder also, dass ich etwa ein halbes Jahr später die nächste Gelegenheit, eine weitere Reise mit der G-Line zu machen, direkt ergriff. Diese Tour sollte der richtige Test werden, ob das 20” Brompton auch ein Gravelbike ersetzen kann. Denn während die erste Reise in der Oberlausitz über größtenteils asphaltierte, eher flache Wege führte, versprach die nächste eine Mischung verschiedener Untergründe und Höhenprofile.

Mit der Brompton G-Line ins Nürnberger Land

Details zu den 20 Radtouren im Nürnberger Land habe ich schon ausführlich beschrieben, nicht aber, wie es sich anfühlt, mit einem 20” Faltrad einen Berg mit zum Teil 17 % Steigung hochzutreten (oder zu schieben) und dabei mehr als eine Verschnaufpause zu brauchen. 

Aber immer der Reihe nach. Von Berlin nach Nürnberg gelangt man theoretisch mit der Bahn in unter drei Stunden. Der Zug ist oftmals gut frequentiert und in der Saison sollte man rechtzeitig einen Fahrradplatz reservieren. Ich war allerdings relativ kurzfristig dran. Daher fiel mir die Entscheidung nicht schwer, statt des Gravelbikes, welches für die Region eine sehr gute Wahl ist, die Brompton G-Line zu wählen.

Gepäck an der G-Line

Das Thema Gepäcktransport war auf dieser Reise eher nebensächlich, da ich eine feste Unterkunft haben und Rundtouren machen sollte. Dennoch packte ich so, als müsste ich alles immer am Rad transportieren, schließlich musste ich vom Nürnberger Hauptbahnhof erst zu meiner Unterkunft im Nürnberger Land radeln.

Die Tasche für den Trägerblock über dem Vorderrad nahm einen Großteil meiner Sachen auf, während ich die restlichen in eine Satteltasche packte und nun ähnlich wie beim Bikepacking ausgerüstet war.  Dieses System hat sich schon bei der ersten Reise bewährt.

Brompton am See an Geländer gelehnt mit Gepäck am Rad

Das Brompton lässt sich so noch falten, die Satteltasche kann nach Bedarf am Rad bleiben und die Fronttasche als Rucksack getragen werden beim Ein- und Ausstieg in und aus dem Zug.

Über Kopfsteinpflaster, Asphalt und feinsten Schotter

Schon nach wenigen Kilometern hinter Nürnberg hatte ich mich wieder an das Fahrgefühl gewöhnt und ich war zuversichtlich für die kommenden Touren.

Die Vielfalt nahezu jeden Untergrund befahren zu können, macht für mich einen Großteil des Spaßes beim Radfahren aus. Ich liebe es, von einer geteerten Straße spontan in den Wald abbiegen zu können und mir keine Sorgen machen zu müssen, direkt einen Platten zu bekommen oder unbequem über Wurzeln holpern zu müssen.

Ja, okay, Wurzeln sind selten gemütlich zu fahren, aber je breiter und weicher der Reifen, desto weniger unangenehm ist es. Während das mit meiner C-Line und ihren schmalen 35mm Reifen keinen Spaß macht, bietet die G-Line mit ihren breiten, profilierten 2,1” Schwalbe G-One Allround Reifen auch bei den zahlreichen Schotter und Waldwegen im Nürnberger Land ein gutes Fahrgefühl. Aufgrund der Laufradgröße rollt das Faltrad ruhiger und Unebenheiten im Untergrund fallen weniger auf.

Die G-Line am Berg

Das Nürnberger Land liegt an der Grenze zur fränkischen Schweiz, das heißt, es ist alles andere als flach. Solange man in Flussnähe der Pegnitz bleibt, sind Höhenmeter kaum ein Thema, doch sobald man weiter ins Land hinein fährt, warten einige Hügel und Anstiege auf die Radfahrenden. Ich orientierte mich an den vorgeschlagenen Radrouten, jedoch liegen entlang dieser Strecken reizvolle Ausflugsziele, die mich auch das Übersetzungsverhältnis von 307 % der Brompton G-Line testen ließen. (Das meint die Bandbreite zwischen dem kleinsten und dem größten Gang in Bezug auf die Übersetzung). 

An meinem ersten ganzen Tourentag plante ich einen Besuch der Festung Rothenberg und an meinem letzten wollte ich zum Moritzberg hinauf, dem Nürnberger Hausberg. Beide, vor allem aber letzterer, brachten mich schnell an meine Grenzen, was das Bergfahren angeht. Ich bin zu dem Zeitpunkt im Jahr noch nicht viel Fahrrad gefahren und meine Heimatstadt Berlin ist nicht unbedingt für ihr Höhenprofil bekannt. Dementsprechend kam ich deutlich ins Schwitzen und musste mehrfach absteigen. Dies lag nicht nur an der sehr steilen Straße (wie gesagt, Abschnitte mit 17% Steigung fahre ich auch mit meine Gravelbike nicht einfach so), sondern auch an meinem generellen Fitnesszustand.

Fahrrad an Pfahl neben einem Feld

Erstaunlich war, wie gut ich dennoch mit dem Brompton den Berg hinauf kam. Denn oben angekommen bin ich und es war nicht die schlimmste Bergtour, die ich je gefahren bin.

Und wie komme ich den Berg wieder herunter?

Überraschend war für mich viel mehr, dass ich die Abfahrten weniger genießen konnte. obwohl die Scheibenbremsen an der G-Line deutlich bessere Bremskraft haben, als die alten Felgenbremsen. Dennoch habe ich eine Abneigung gegen zu steile Straßen bei der Abfahrt, vor allem, wenn Kurven oder Schotter involviert sind. Beides war am Moritzberg nicht relevant, der Neigungsgrad der asphaltierten Straße bei der Abfahrt jedoch schon. Ich merkte schnell, dass auch hier große Laufräder mehr Ruhe bedeuten und ich mich etwas sicherer damit fühle.

Generell war die Brompton G-Line für mich aber eine sehr gute Wahl für das Befahren der ausgewählten Touren im Nürnberger Land. Das Fahrerlebnis in hügeligem und wechselhaftem Gelände war mehr als überzeugend und ziehe das Faltrad auch für kommende Reisen in Betracht. Hätte ich ein E-Brompton genutzt, wären vermutlich auch die Anstiege kaum noch ein Thema gewesen.

Vor- und Nachteile aus meiner Perspektive

Pro

  • kompakt trotz größerer Laufräder 
  • mit Rollengepäckträger sehr mobil und gefaltet leicht wie ein Koffer rollbar
  • dank breiter Reifen sehr komfortabel zu fahren – auch im Gelände
  • mehr Laufruhe durch 20” Laufräder
  • breiter Lenker, Platformpedale und ergonomische Griffe sorgen für stabiles Fahrgefühl
  • deutlich bessere Bremsen
  • Rahmen in Einheitsgröße, aber in drei Varianten für verschiedene Körpergrößen kompatibel (S,M,L durch verschiedene Sattelstützen und Vorbauten)
  • darf gefaltet kostenfrei im Zug mitgenommen werden
  • gleicher, intuitiver und sinnvoller Faltprozess wie 16” Modell

Con

  • steht etwas unsicherer im gefalteten Zustand (Gewicht zu sehr auf dem Lenker= Gefahr, dass das Rad umfällt)
  • kann im gefalteten Zustand wegrollen/ hat keine Wegrollsperre
  • höheres Gewicht (besonders bei der Electric-Version)
  • durch größeres Faltmaß nicht so leicht im Zug zu verstauen, wie 16” Variante (Gepäckbereich)= passt nicht mehr in die oberen Gepäckablagen/ zu schwer; mit der Standardsattelstütze vermutlich stehend im Gepäckbereich verstaubar – mit verlängerter oder Teleskopstütze nur liegend
  • höherer Preis im Vergleich zu Standard C-Line

Fazit: Ist die Brompton G-Line ein Fahrrad für jede Gelegenheit?

Ich denke, wer bis hierhin gekommen ist, hat meine grundsätzlich sehr positive Haltung zur G-Line bereits registriert. Für mich ist das 20” Brompton eine tolle Ergänzung zum 16” Faltrad, weil es großartig für längere Touren auch in unebenem Gelände geeignet ist, sich komfortabel fährt und immer noch relativ problemlos transportieren lässt. Ergänzung?

Aber es ersetzt für mich nicht mein 16” Brompton. Denn die Besonderheit an diesem Faltrad ist es eben, dass es so klein gefaltet und nahezu überall verstaut werden kann. Dies wird mit den größeren Laufrädern leider etwas eingeschränkt. Das ist nun keine Überraschung, aber für mich ein Hauptgrund, weshalb ich mich damals für Brompton entschieden habe – mit dem Wissen, ein paar Komforteinbußen zu haben, dafür aber ein Fahrrad, was ich unkompliziert fast überallhin mitnehmen kann. Das heißt, zum Pendeln und für regelmäßige Bahnfahrten würde ich immer das 16” Brompton wählen. 

Jule auf Brompton g-Line auf einer Brücke mit Häusern im Hintergrund

Wenn das nicht mein Thema ist und ich nur ab und zu mit dem Rad verreisen will, ohne die Einschränkungen, die ein Fahrradtransport in der Bahn oder Auto sonst so mit sich bringen, dafür aber Touren fahren und auch mal längere Offroad-Strecken zurücklegen möchte, dann würde ich mich für die G-Line entscheiden. Auch für regelmäßige Fahrten in der Stadt taugt das 20” Faltrad sehr gut. Denn wer einmal über altes Kopfsteinpflaster mit dem Brompton oder Rennrad gefahren ist, der weiß die Vorzüge von breiten, weichen Reifen mehr als zu schätzen ;-).

Es wird nie jeden Geschmack treffen und wie jedes Fahrrad, hat auch dieses seine Einschränkungen. Aber die Brompton G-Line kommt dem Fahrrad für jede Gelegenheit sehr, sehr nah.

Folgende Fragen können helfen, die Entscheidung zu fällen, welches Brompton etwas für dich ist:

  1. Möchtest du das Rad zum Pendeln nutzen?
  2. Wie lang sind die Strecken, die du regelmäßig damit zurücklegen möchtest?
  3. Wohnst du eher in der Stadt oder im ländlichen Raum?
  4. Planst du Reisen und willst dein Fahrrad immer dabei haben?
  5. Wie viel Geld bist du bereit auszugeben?
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