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VELO Berlin 2019

Auch im Jahr 2019 wird die VELO Berlin erneut stattfinden – frisch und im neuen Look zum zweiten Mal auf dem Gelände in den Hangars des ehemaligen Flughafen Tempelhof. Was 2018 ein großer Erfolg war, darf 2019 gern so weitergeführt werden. Die Atmosphäre und der Aufbau waren auf jeden Fall vielversprechend. Die VELO Berlin 2019 findet am letzten Wochenende im April statt!

Reisevorbereitung: Hanse Gravel Vorfreude & die Kunst des Packens

Am Vormittag des 25.04.2019 werden erstmalig rund 170 Bikepacking-Enthusiasten von Hamburg aus aufbrechen, um auf dem Hanseatenweg auf den Spuren der Hanse bis ins polnische zu Stettin radeln: Der Hanse Gravel 2019. Und ich werde mittendrin dabei sein! Die Aufregung steigt, die Vorfreude auch. Es ist nicht nur die Freude auf den deutschen Norden und die wunderbare Strecke durch Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern, die mich lockt. Viel mehr werde ich zumindest vor dem Start hoffentlich einige bekannte Gesichter antreffen, worauf ich mich sehr freue. Die Mitfahrenden der Gravel-Selbstversorgungsfahrt werden nämlich aus ganz Deutschland und teilweise aus anderen europäischen Ländern nach Hamburg kommen.

Die zur Tour passende Facebook-Gruppe und die vielen Diskussionen und der Austausch darin, lassen mich nur ungeduldiger werden. Gesprochen wird natürlich vor allem darüber, was mitgenommen werden soll oder wie das Fahrrad-Setup aussieht. Und übers Wetter. Und die Routenführung. Das Übliche also.

Was mit muss, muss mit – Packen leicht gemacht

Ganz klar, den Hanse Gravel werde ich mit Libelle fahren. 43mm Bereifung sollte hoffentlich auch für die sandigen und steinigen Untergründe ausreichen. Wenn da nur nicht wieder das Packen wäre… Ich gestehe, dass mich das ganze Zusammensuchen der Dinge, die ich vermutlich auf einer Radtour brauchen werde, doch ziemlich nerven kann. Seit ich nicht mehr mit klassischen Reiseradaufbau und hinteren Gepäckträger reise, hat sich die Liste der Dinge, die mitkommen zum Glück reduziert.

Doch am Ende ist es doch immer viel Kleinkram. Jedes mal wäge ich ab, was ich wirklich brauche. Langsam habe ich es aber doch raus – denke ich. Zumindest habe ich bei der letzten Reise festgestellt, dass ich selbst bei kurzfristiger Planung halbwegs gut packen kann. Bis auf die Werkstattutensilien und zwei Kleidungsstücke, hatte ich bei der Prag-Spreewald-Tour Anfang April 2019 auch tatsächlich fast alles genutzt.

So lange ich mein Rad noch tragen kann, passt das mit dem Gepäck:-D. Bild von Florian Ebert.

Das ist schonmal ein gutes Zeichen. Zum Hanse Gravel übe ich mich dann noch darin, die vorbereitete Packliste auch wirklich abzuarbeiten, damit nicht wieder so etwas Essenzielles wie die Stirnlampe zu Hause liegen bleibt. Je nach Wetterbedingungen (und die sehen momentan sehr gut aus), bleibt dann außerdem einiges an Kleidung im Schrank. Und das ist es. Keine Hexerei und kein Kocher ;-). Also vermutlich nicht. Das muss ich noch mit mir ausdiskutieren. Auf jeden Fall möchte ich unter freiem Himmel schlafen und setze voll und ganz aufs Biwakieren: Schlafsack, Isomatte, Bivvy – und raus in die Natur!

600 und ein paar Zerquetschte

Auch wenn ich nicht akkurat plane, wann ich wo sein möchte, oder wie viele Kilometer ich schaffen werde pro Tag, so habe ich mir doch meine Gedanken gemacht. Die Strecke ist knapp 610 km lang und folgt der alten Handelsroute der Hanse: Der Hanseatenweg ist eigentlich ein Wanderweg. Daher dürfen sich die Hanse Graveller wohl auf abwechslungsreichen Untergrund einstellen. Dementsprechend werde ich mal mehr, mal weniger Kilometer pro Stunde schaffen. Doch soll es mir wirklich darum gehen? Der wundervolle deutsche Norden bietet so einige schöne Landstriche und es ist doch viel zu schade, da einfach nur hindurchzujagen.

Versteht mich nicht falsch, der Hanse Gravel ist kein Rennen! Somit habe ich gar nicht den Antrieb, schnellstmöglich anzukommen. Es ist einfach eine Bikepacking-Selbstversorgungsfahrt, die René Fischer, ein erfahrener Langstreckenradler ins Leben gerufen hat. Er hat das ganz Organisatorische erledigt, den Track geplant und verfeinert, sowie die Kommunikation mit den Mitfahrenden übernommen. Fahren muss jeder Teilnehmende allein und sich dabei auch selbst organisieren. Es wird dennoch spannend, welchen Anspruch die einzelnen an sich und die Tour haben. Einige werden sicher bereits am Samstag in Stettin eintreffen und dann entweder nach Berlin weiter radeln oder mit dem Zug in die Hauptstadt zur VELO Berlin düsen. Dort wird es eine HEROINES & HEROS OF CYCLING LOUNGE geben. 2018 gab es eine Candy B. Graveller Lounge, die einige Blicke auf sich zog. Diese Tour endete allerdings auch genau auf dem Tempelhofer Flugfeld.

Routenplanung und die Sache mit der VELO Berlin

Und was habe ich nun vor? Im Prinzip einfach losfahren und schauen, wie weit ich pro Tag komme. Mein Anspruch wären ca. 150 km/Tag zu schaffen. Dann wäre ich also Sonntagabend etwa in Stettin. Oder ich lasse mir Zeit und fahre langsamer und bis Montag. Nun kommt das ABER: Ich habe bisher noch nie vier Tage am Stück so viel Strecke zurückgelegt und ich möchte zur VELO Berlin. Diese findet vom 27.-28.04.2019 in den Hangars des Flughafen Tempelhof statt. Und da haben wir den Haken: Sonntagabend ist die Messe schon vorbei. Eine Weile hat mich das sehr gestresst, weil ich natürlich wieder nichts auslassen möchte und ich auf dieser Messe ebenfalls einige Menschen treffen wollte. Aber ich habe keine Lust auf Stress. Das Ganze soll nämlich vor allem eins: Spaß machen! So habe ich für mich zwei Szenarien überlegt und werde ganz spontan etscheiden – je nachdem wie ich voran komme und wie es mir geht.

  1. Variante: Die VELO Berlin gibt es auch nächstes Jahr wieder. Im Grunde verpasse ich nichts und es wird noch andere Gelegenheiten geben, egal wie gern ich dabei sein möchte. Ich bin draußen auf dem Rad und das ist genau das, was ich genießen möchte – ohne Verpflichtungen und Termine! Also fahre ich den Hanse Gravel durch.
  2. Variante: Ich schaue, wie weit ich bis Samstagabend komme. Falls ich es bis Stralsund oder Greifswald schaffe, kann ich dort gemütlich in den Regionalzug steigen und bis nach Berlin durchfahren. Entspannt, weil ich dann am Sonntag frisch gewaschen und stressfrei zur VELO gehen kann und somit Radfahren und Messe unkompliziert verknüpfen kann. Dann geht es entweder Sonntagabend oder Montagfrüh wieder zurück und ich fahre die Strecke zu Ende – optional bis Berlin zurück. Oder radle das fehlende Stück einfach ein anderes Mal.

Kommt ihr mit?

Easy, oder? Von daher: Ich kann es kaum erwarten in den Norden zu fahren und wieder auf dem Rad zu sitzen! Mittwochvormittag steige ich in den Zug nach Hamburg, mache mir dort noch einen gemütlichen Tag, damit ich frisch und ausgeruht am Donnerstag die Tour starten kann. Und egal für welche Variante ich mich am Ende entscheide, es wird hoffentlich eine gute Zeit werden! Kommt ihr mit? Dann schaut auf jeden Fall ab dem 24.04. regelmäßig auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Dort werde ich sicher in den Stories und auch im Feed ein paar Eindrücke der Reise zum Besten geben

Verfolgen lässt sich die Tour übrigens auch per Dotwatching. Das heißt, einige der Mitfahrenden werden ihr Vorankommen aufzeichnen lassen. Auf der Online-Karte kann man dann einen alle paar Minuten aktualisierte Standort dieser Personen verfolgen. Das steigert die Spannung und lässt die Daheimgebliebenen ein wenig mehr an der Reise teilhaben.

Mit dem Gravelbike Von Prag nach Berlin… oder fast

05:15 Uhr, Sonntagmorgen, nicht unbedingt meine Lieblingszeit zum Aufstehen. Schon gar nicht in der Nacht der Zeitumstellung und nachdem ich den Abend zuvor noch bis Mitternacht gepackt habe, weil ich es vorher zeitlich nicht geschafft habe. Nun denn, selbst gewähltes “Leid”. Nach vier Stunden Schlaf klingelte der Wecker und ich war wacher als zuvor vermutet. Die übliche Reisefreude trieb mich an. Also ab unter die Dusche rein in die bereit gelegten Fahrradklamotten, Brötchen geschmiert und Rad geschnappt – auf ging es zum Berliner Hauptbahnhof für das erste kleine Bikepacking-Abenteuer des Jahres:

Hinweis: Der Beitrag enthält Werbung ohne Auftrag aufgrund von Markennennungen.


Von Prag nach Berlin mit dem Gravelbike… oder fast

Nach einigen Kämpfen mit meinem inneren Schweinehund, der die Tage besonders stark war, buchte ich schließlich vier Tage vor der Reise ein Bahnticket mit Fahrradkarte für den EC nach Prag. “Die Reise” sollte eine Bikepacking-Tour von Prag durch die Böhmische Schweiz und den Spreewald nach Berlin werden, die mein Radfahr- und Boulderfreund Flo geplant hatte. Gut klang das, und war eine Tour die ich schon länger reizvoll fand. Mit dabei Veloheld Libelle im neuen Set-Up mit gewechseltem, kürzeren Lenker und neuer, nach hinten versetzter Sattelstütze. Bevor der Hanse-Gravel im April lockte, wollte ich damit unbedingt noch eine ausgedehntere Tour bestritten haben. Und das war eine sehr gut Idee!

Tag 1: Raus aus der Stadt und rein in die Tschechische Schönheit

Allein die Zugfahrt durch Brandenburg und Sachsen entlang der Elbe und durch die Sächsiche Schweiz war wunderschön. Ich klebte am Zugfenster, um keinen Ausblick zu verpassen: Auf die Elbe, auf das enger werdende Flusstal, vorbei an der berühmten Bastei in Rathen und hinüber über die tschechische Grenze.
In Prag verließ ich bereits eine Station vor dem Hauptbahnhof den Zug – keine Lust auf Sightseeing und Touristentrubel. Ich wollte rauf aufs Rad. Flo fuhr noch weiter, holte mich aber sehr schnell außerhalb der Stadt wieder ein. Die ersten 20 km sind nicht erwähnenswert. Zu viel Straße, zu viel Verkehr. Doch dann, als der Weg schließlich abzweigte und auf schmalere Landstraßen und Feldwege führte, wurde es schnell sehr schön und ruhig.

Danke Florian Ebert fürs 2. Bild!

Das Wetter war uns positiv gesonnen und bei 17°C fuhr ich schließlich kurzärmlig in der Sonne. Noch Tage später hatte ich allerdings mit den Folgen der Sonnenbestrahlung zu tun. Besonders meine Gesichtshaut reagierte sehr sensibel auf die plötzliche Überdosis Licht und bezeugte einmal mehr, dass es zu wenig Sonnenschutz war, den ich genutzt hatte – trotz Sonnencreme, Fahrradkappe und Sonnenbrille. Also immer schön ordentlich einschmieren, ne!

An den Ufern der Moldau

Doch während der Fahrt genoss ich die Wärme sehr. Sie erzeugte die richtige Urlaubsstimmung – genau wie die sich ständig verändernde grüne Landschaft Tschechiens. Die Überquerung eines Nebenarms der Moldau verlief dann etwas abenteuerlicher. An diesem Kanal führte ein wirklich schöner Radweg entlang. Doch um diesen zu erreichen, mussten wir zunächst eine von beiten Rohren gesäumte Fussgängerbrücke mit unseren Rädern überqueren und zwar über eine verwinkelte Metalltreppe. Kein Ding – unsere Räder waren dankbarerweise überschaubar beladen. Einmal den Sattel auf die rechte Schulter abgeladen, die rechte Hand ans Unterrohr gefasst und los ging die Kletterei. Der klassische Reiseradler vor uns brauchte da schon Unterstützung beim Tragen. Ich mag Bikepacking!

Danke Florian Ebert für Bild 1 und 3!

Sanfte Hügel hier, angenehm zu fahrende Straßen und kleine Orte da und irgendwann kam schließlich die Moldau ins Blickfeld. Der breite, träge dahin fließende Fluss wird gesäumt von kleinen Orten und Städten. Auch hier verläuft am Ufer ein Rad- und Fußweg, der mal durch ein kleines Waldstück, mal direkt am Fluss entlang führt. Schön! Nur der Gegenwind war nicht so schön. Ich bemühte mich dran zu bleiben und vor allem nicht die Lust zu verlieren. Aber irgendwie gab es immer etwas zu sehen, waren die Aussichten so reizvoll, dass der Wind meine Laune nicht stark negativ beeinflussen konnte. Das Ziepen im rechten Knie ignorierte ich erst einmal gefliessentlich.

Irgendwo im Nirgendwo

Irgendwann wurden die Hügel kurviger, die Anstiege länger und die Aussichten eingeschränkter. Der Hauptteil der Tour führte über Asphalt auf Nebenstraßen und Radwegen parallel zur Straße (zumindest später in Deutschland). Dort war der Verkehr am Sonntag annehmbar und zwischen den kleinen tschechischen Dörfern auch am Montag fast gar nicht vorhanden. Es hinterließ bei mir manchmal ein seltsames Gefühl, wenn wir durch einen Ort fuhren, der aus relativ wenigen Häusergruppen bestand, wobei ein Fünftel davon baufällig oder ganz eingefallen war. Es hatte etwas sehr Einsames, Melancholisches an sich. Dort gab es einfach nichts – nicht mal einen kleinen Supermarkt und nur ab und zu mal eine Kneipe.

Ab und zu verließ der Track die Straße und führte auf einen Weg zwischen hügeligen Feldern und Wäldern hindurch, den man nicht mehr als Kiesweg bezeichnen konnte – eher Feldsteinweg mit etwas Sand und Kies dazwischen. Bergauf und bergab ein Erlebnis. Ich musste mir mächtig Mühe geben, meinen Körper auf dem Rad nicht zu sehr zu verkrampfen und übte mich beim Kurvenfahren auf unruhigem Gelände. Anspannung. Locker lassen. Langsam, aber nicht zu sehr, denn das begünstigte das Rutschen der Reifen. *seufz*

Von Fahrtechnik und Bergkunst

Flo rief mir Tipps zu, die ich willentlich versuchte direkt umzusetzen. Radfahren ist manchmal eben doch mehr, als nur draufsetzen und losfahren. Eine gewisse Fahrtechnikkenntnis im Gelände wirkt wahre Wunder. Erinnerungen an meine ersten Mountainbike-Stunden in Göttingen kamen ins Gedächtnis zurück und erleichterten schließlich die Abfahrten. Das rechte Knie muckte auf, sobald es wieder bergauf ging. Und wir sammelten fleißig Höhenmeter! Flo wartete alle paar Kilometer voraus auf mich. Der hat einfach einen anderen Tritt drauf und manchmal konnte ich da nur bewundernd hinterhersausen. Aber ich fühlte keinen Druck dran bleiben zu müssen, fuhr so wie ich mich fühlte.

Einmal mehr realisierte ich, wie sehr ich gute Gesellschaft beim Radfahren genoß, aber eben genauso gut mit weniger statt mehr klar kam. Und wie sehr ich eine abwechslungsreiche Umgebung schätzte – ewig Landstraße fahren ist mir einfach zu langweilig. Berge sind allerdings auch nicht so meine Königsdisziplin, wenn ich sie mir auch weniger Probleme bereiten als früher. Aber schnell kann ich eben nicht. Muss ich auch nicht. Einfach nur weiter treten und zwischendurchauch das Atmen nicht vergessen. Obwohl Schnaufen es oft eher traf…

Als die Sonne immer tiefer am Horizont stand, planten wir die Suche nach einem Schlafplatz. Mein untrainierter, langsam erschöpfter und vor allem hungriger Körper trieb Libelle wieder etwas motivierter an.

Die Luft ist raus

Hunger machte sich breit. Ich hatte vorher in einer größeren Stadt einen Supermarkt markiert, den wir nun ansteuerten. Der Weg sollte vorher ein Stück parallel eines Bahndammes führen und zwischen Feldern und Bäumen hindurch auf einem wunderschönen Radweg. Doch da war noch der alte Bahnübergang, der die Räder ordentlich poltern ließ beim Drüberfahren – und Flo den einzigen Platten der Reise bescherte. Schon ein paar Meter dahinter war die Luft raus. Schlechtes Timing bei zunehmender Hungrigkeit (von uns beiden). Auch die Temperaturen sanken langsam. Damit die Stimmung es nicht auch tat, musste es schnell weitergehen. Aber Flo tauschte geübt den Schlauch aus und nach ein paar Minuten saßen wir schon wieder auf dem Rad.

Danke Florian Ebert für Bild 2

Rauf! Und runter! Wieder rauf! Und rauf!

Wir schafften es zum Supermarkt und mich schafften die steiler werdenden Berge. Mit hungrigem Magen ließen meine Kraftreserven schnell nach. Da half auch kein Riegel oder die zuvor inhalierte Apfelschorle lang. Wir kamen weiter als ursprünglich angenommen, denn es reihte sich nun ein kleiner Ort an den anderen und es war gar nicht so einfach ein ruhiges Plätzchen zum Biwakieren zu finden. Die Dämmerung senkte sich, die Steigung nahm zu, die Anstiege wurden länger. Mein rechtes Knie schmerzte stärker und auch mein Rücken quälte mich zunehmend. Hunger, Durst, Pipi, kalt!

Doch wann immer ich den Blick von der Straße nehmen konnte und mich umsah, war ich verzaubert: Von den Felsformationen, die hier ihre tyischen Sandstein-Fantasieformen zeigten, von den dichten Wäldern und kleinen Holzhäuschen, von der Ruhe. Also biss ich die Zähne zusammen und folgte Flo, der in regelmäßigen Abständen oben am Berg auf mich wartete. Und wir schafften schlussendlich den höchsten Anstieg der Tour und fanden kurz darauf einen versteckten Platz im Wald unweit der Straße und oberhalb eines kleinen Dorfes. Und dann war es dunkel. Dunkel, dunkel. Ein Hund bellte im Dorf, sonst war alles still.

Lagerromantik in kalt und dunkel

Während Flo das Tarp abspannte und versuchte ein kleines Feuerchen zum Brennen zu bringen, scheiterte ich grandios dabei in der Dunkelheit Holz zu sammeln. Das Fahrradstecklicht (B&M Ixon Space), das ich zusätzlich dabei hatte, war zwar hell, aber einhändig machte es sich dennoch bescheiden. Die vergessene Stirnlampe hatte es bestimmt kuschelig zu Hause. Hätte ich mal meine Packliste richtig abgearbeitet^^. Mir war etwas kalt und die Temperaturen sanken nachts auf um die 0°C. Also schnell Wasser aufgekocht, Tütennudeln rein geschaufelt und hinein in den Schlafsack!

Tagesfazit 1. Tag:

  • knapp 7h auf dem Rad
  • ca. 110km
  • ca. 1300 hm

Tag 2: Von böhmischen Höhen und sächsischen Ausblicken

Die Nacht war sehr ruhig und auch ziemlich frisch gewesen. Doch glücklicherweise hatte ich mir einen guten Schlafsack geborgt (Danke Wiebke <3) und habe kaum gefroren. Nur das Aufstehen am Morgen fiel mir etwas schwer. Im Nachhinein realisierte ich auch, dass ich mir kaum Gedanken über das Draußen sein im dunklen Wald gemacht habe. Vielleicht war ich einfach zu müde gewesen oder eben die Gesellschaft hat mich genug beruhigt, aber ich hatte keine Angst da draußen gehabt. Nächste Challenge: Allein eine Nacht im Wald verbringen. Mal sehen, wie es mir da gehen wird^^.

Höhenmeter zum Frühstück

Wir sammelten unsere Sachen zusammen, aßen Brötchenreste vom Vortrag beim Packen und saßen schließlich bald wieder auf dem Rad. Der Wunsch nach Bewegung und die dadurch entstehende Wärme war an diesem kühlen, wunderschönen Frühlingsmorgen groß. Wie praktisch, denn zunächst warteten die restlichen Höhenmeter der Böhmischen Schweiz auf uns.

Der Schlafplatz war schon höher gelegen gewesen und so ging es auf den nächsten Kilometern oft wieder hinunter, doch auch etliche Male wieder hoch. Ich fühlte mich den Anstiegen jedoch so früh am Tag deutlich besser gewachsen, als am Abend des Vortages. Langsam schwanden die Augenringe und Tränensäcke und mir ging es einfach sehr gut in dieser wunderschönen Umgebung. Noch ein Anstieg? Ach, was solls. Hoch da. Irgendwann geht es auch wieder runter!

Danke Florian Ebert für das 3. Bild!

Die Straße führte durch den Wald in Serpentinen und war mehr oder weniger einsam gelegen. Es gab quasi keinen motorisierten Verkehr. Erst als kleine Dörfer entlang der Route lagen, wurde es wieder etwas geschäftiger. Zum ausführlicheren Frühstück wollten wir uns etwas auf dem Weg suchen. Doch der Tankstellenstopp war eher zum Frischmachen und wir beschlossen bis nach Deutschland und ins sächsiche Bautzen zu fahren, um dort etwas gemütlicher zu pausieren.

Über sanfte Hügel rüber nach Sachsen

Schließlich kamen wir wieder auf befahrenere Straßen, radelten durch das hübsche Altstadtzentrum vom alten Bekannten Sluknov und überquerten schließlich bald danach die Grenze nach Deutschland. Hier war deutlich mehr los auf den Straßen, doch glücklicherweise gab es fast durchgängig eine Radroute parallel zur Hauptstraße, die sich sehr gut fahren ließ. Wir hatten sogar öfter Rückenwind, was das Ganze deutlich beschleunigte. Das war auch gut so, denn ich wollte endlich in Bautzen ankommen und entweder, Kuchen, Eis, Bier, Pommes oder alles zusammen in mich rein stopfen! Meine Begleitung bekam es etwas mit der Angst zu tun, als ich meine Essenswünsche äußerte und befürchtete wohl, wir würden nicht so schnell etwas finden.

Doch kaum in Bautzen angekommen und Richtung Innenstadt abgebogen, fanden wir ein kleines Goldstück an Café in einer ruhigen Nebenstraße. Dort konnten wir sogar draußen in der Sonne bei den Rädern sitzen. Ich bekam nicht nur ein sehr leckeres Panini, sondern auch hausgemachtes Eis, Kaffee und Limo. Glücklich!

Von Bautzen in den Spreewald

Ich hatte ja keine Ahnung, wie imposant die Altstadt von Bautzen ist! Für mich war es vor allem die Senfstadt…hmmmm leckerer Bautzener Senf. Aber ich Kulturbanause habe nun wieder dazu gelernt und werde sicher noch einmal für eine ausführlichere Stadterkundung zurückkehren. Als wir Bautzen um die Mittagszeit verließen, lagen knapp 50 km hinter und noch einiges and Strecke vor uns. Bereits am Tag zuvor hatte ich entschieden, nicht die komplette Strecke bis nach Berlin mit dem Rad zurückzulegen. Am letzten geplanten Tourtag hatte ich abends eine kleine Veranstaltung und einen Minivortrag und wollte dort einfach nicht völlig platt ankommen. Es war zwar schade, aber gleichzeitig fühlte es sich deutlich entspannter so an. Und ich wollte mich nicht stressen auf dem Rad! Genießen und Fahrrad-Setup testen standen im Vordergrund. Meine Knie und mein Rücken fanden nämlich leider auch, dass ich da noch etwas mehr Feintuning machen konnte.

Auf asphaltierten Radwegen näherten wir uns dem berühmten Spreewald. Die Vogelvielfalt wuchs und ich konnte immer wieder Gänse, Reiher und kleinere und größere Raubvögel nahe der Gewässer beobachten. Der blaue Himmel und die Sonne trösteten ein wenig über die doch frischen 8 bis 10°C hinweg. Genauso wie der Wind, der sich ab und zu drehte und somit einen Wechsel zwischen Rückantrieb und Bremse von vorn bot. Wir kamen gut voran.

Nach einem kleinen Ersatzschlauch-Stopp in Hoyerswerda, sowie der weiteren Nahrungsaufnahme beim Bäcker dort, rollten wir weiter bis zum Seengebiet nahe Senftenberg. Es war gerade mal ca. 16:30 Uhr und ich wollte einfach noch nicht runter vom Rad und dort schon nach knapp 115 km in den Zug wechseln. Die andere Option war, weitere 40 km zu radeln und im Spreewald in Vetschau, bei Cottbus den Regionalzug zu nehmen. Ich konnte Flo überzeugen und so peilten wir den Zug um kurz nach 19 Uhr an, der uns gemütlich direkt bis nach Berlin rein bringen sollte.

Endspurt

Es lohnte sich. Die Wege waren oft abseits der Straße, führten durch abwechslungsreiche Natur mal vorbei an großen Seen, mal zwischen Feldern und druch Wälder hindurch. Doch schließlich meckerte mein Körper immer häufiger. Ich hatt es geschafft, im Laufe des Tages die Kniebelastung zu variieren und so den Schmerz immer wieder verschwinden zu lassen. Doch mein unterer Rücken zog vermehrt und ich musste öfter kurz runter vom Rad, ein paar Bewegungen machen und mich strecken, damit dieser Schmerz verschwand. Das bedeutete für mich im Nachgang: Sattelposition optimieren und nochmal ein paar Kilometer Testfahrten machen, damit für den Hanse Gravel Ende April alles funktionierte.

Schließlich erreichten wir Vetschau um kurz vor Sieben und fuhren mit dem Regionalzug zurück nach Berlin. Ich war geschafft, aber sehr froh, diese kleine Reise gemacht zu haben. 1,5 Tage Bikepacking durch traumhafte Landschaften bei tollem Wetter konnten sich auch einfach nicht falsch anfühlen! Danke Flo fürs Mitnehmen, auf mich Warten und Feuer machen ;-)!

Und falls ihr live dabei sein wollt, wenn ich das nächste mal auf Reise gehe, dann schaut gern bei meinem Radelmädchen-Instagram-Kanal vorbei! Dort seht ihr in meinen Stories und im Feed, wo ich mich gerade so herumtriebe und was sonst noch so auf dem Fahrrad los ist.

#radelmaedchen_unterwegs

Tagesfazit 2. Tag:

  • knapp 7,5 h auf dem Rad
  • ca. 145 km
  • ca. 800 hm

Gesamt: Ca. 255 km, 2000 hm, 14 h auf dem Rad

Hier findet ihr die Strecken auf Komoot

Cyclingworld 2019

Die CYCLINGWORLD DÜSSELDORF findet auch im Jahr 2019 wieder pünktlich zu “Saison”beginn statt. Ende März wandelt sich das Areal Böhler in Düsseldorf erneut zum Fahrradparadies mit vielen spannenden Fahrradmarken, Accessoires und mehr. Auch ein Testparcours steht den Besuchern zur Verfügung.
Sechs Themenbereiche gliedern die Messe:

Sport – E-Mobility – Urban Biking – Cycling Couture – Travel – Future 

Für mich wird es das erste Mal auf der Cyclingworld sein und ich bin schon gespannt, was mich dort erwarten wird und wen ich alles treffen werde.

Not fast but far

Sobald die Straßen der Großstadt außer Sicht gerieten und sich die Mehrfamilienhäuser zu Einzelhäusern wandelten, wurden aus dem feuchten, dunkel glänzenden Asphalt, weiß bedeckte Pfade und Wege. Hier an den Rändern der Stadt waren eine dünne Schicht Schnee und Eis liegen geblieben. Sie hellten die graue, in feinem, nebeligen Dunst eingehüllte Landschaft zumindest etwas auf. Der Himmel war grau und wolkenverhangen und legte sich schwer über die kahle, dunkle Winterszenerie. Doch diese war nicht ohne Schönheit. Sie hatte etwas Eigenes und Einzigartiges, deren Besonderheit mich sofort in den Bann zog.

Aus den Augenwinkeln bewunderte ich die fragil wirkende, milchige Eisdecke auf den zahlreichen Teichen, die wir passierten. Es war zu warm, als dass das Eis wirklich stabil sein konnte. Dennoch hauchte ich mit jedem Atemzug kleine Wölkchen heraus und war froh, wieder die warmen Thermo-Bibtights für diese Ausfahrt gewählt zu haben. Mir war größtenteils angenehm warm während der Tour. Auch, wenn es gerade mal um die 1°C kühl war, wechselte ich nach ein paar Kilometern bereits meine weiche Winterkappe gegen die einfache aus Baumwolle und zog nur den Schlauchschal zusätzlich über Kopf und Ohren unter dem Helm.

Bild Credit: Steffen Weigold

Zu Beginn war ich noch sehr zuversichtlich gewesen. Als wir am Samstagvormittag um kurz nach 10:30 Uhr den Rapha Store in Berlin Mitte verließen, ging es zunächst erst einmal auf Asphalt gen Norden und raus aus der Stadt. 10 Männer und ich. Eine CX bzw. Gravelrunde stand auf dem Programm und mir wurde zugesichert, dass diese weniger schnell als eine typische Rennradrunde sein würde. Davon ging ich zwar aus, denn von diesen hielt ich mich bewusst fern. Ich hatte jedoch schon eine Vorahnung, dass es wohl dennoch nicht meine Geschwindigkeit sein könnte. Gleichzeitig war da diese Motivation, einfach mal mit ein paar anderen Leuten zusammen Radzufahren.

Immer hinterher

Und ab ins Gelände! Schnell wurde mir klar, dass wir zumindest zu Beginn eine mir bekannte Route fahren würden: Der gute, alte Pankeradweg. Als wir im Norden Pankows auf den Radweg zwischen den Teichen abbogen, sank meine Motivation zum ersten Mal. Ich war bereits hier hinten dran und wir waren eben erst losgefahren. Ok. Keine Sorge. Den Weg kenne ich zumindest und konnte folgen, auch wenn die schnelle Truppe vor mir hinter einer Kurve außer Sicht geraten sollte. Ich keuchte etwas in mich hinein und war überrascht, kurz darauf alle auf mich warten zu sehen. Wie nett. Doch gleichzeitig ein kleiner Stich. Ein mulmiges Gefühl und der Gedanke: “Natürlich müssen die Männer wieder auf die einzige Frau in der Gruppe warten.” Ich wollte das nicht.

Jedes Mal, wenn ich es schaffte innerhalb der Gruppe zu fahren, fiel ich spätestens beim nächsten langen geraden Abschnitt irgendwann wieder zurück. Wir hatten den Pankeradweg mittlerweile verlassen. Der Weg führte uns zwischen den vereisten, mit zahlreichen Vögeln besiedelten Karower Teichen hindurch und an mit einer feinen Frostschicht bedeckten Feldern vorbei. Es war so märchenhaft, so verschlafen und ich fühlte mich in eine Welt der russischen Wintermärchen hinein versetzt. Hinter der nächsten Ecke tauchte bestimmt das Hühnerbeinhaus der Hexe Baba Jaga auf! Ganz bestimmt!

Da, ein Gatter! Einer hielt das Tor offen, damit alle hindurch und mitten über die Weide der Hochlandrinder fahren konnten. Ich freute mich und beobachtete beim Vorbeirauschen aus dem Augenwinkel die großen Hörner der friedlich grasenden Tiere. Schade, ich hätte gern ein Foto gemacht. Doch ich wollte mich nicht wieder zurückfallen lassen. Das nächste Tor kam in Sicht und schon lag die Weide hinter uns. Zunächst war ich über jedes Hindernis erfeut, bei dem alle etwas herunter bremsen mussten und ich es so einfacher hatte, sie wieder einzuholen. Doch im nächsten Moment war die Freude darüber schon wieder dahin. Einige meiner Mitfahrer beschleunigten so schnell, dass ich dann noch weniger eine Gelegenheit hatte, Schritt zu halten. Ich beneidete sie ein wenig.

Alte Wehwechen..

Der Liepnitzsee, schön war es hier, Sommer wie Winter. Den Ufersprint genoß ich. Natürlich langsamer als alle anderen, doch schön wars, vorbei an dem in feinem Nebel gehüllten See zu radeln. Nach der Hälfte der Strecke, für mich nach ca. 40 km spürte ich deutlicher, wie meine Oberschenkel etwas zogen und meine Arme zu verkrampfen begannen. Meine rechtes Knie, dass sich bei Überanstrengung seit der Gravelspartakiade immer meldete, muckte auf. Wieder anfahren, dabei beiben, auffahren, zurück bleiben. Es war mühselig. Frustrierend. Ich dachte ans Aufgeben. Ans zurück bleiben. Wie dramatisch. Mehr als einmal, nachdem die anderen zum dritten Mal auf mich gewartet hatten, bemerkte ich leise, dass ich ein Navi dabei hätte und sie ruhig weiter ihr Tempo fahren können. Ich wollte niemanden aufhalten. Doch das wurde ignoriert. Wieder wurde ich gebeten, doch vorn mitzufahren.

Es funktionierte nur kurz. Beim nächsten Anstieg, bei dem ich immer an Geschwindigeit verlor, wurde ich überholt und fiel erneut zurück. So mühselig… Dabei war ich überrascht, wie wenig Sorge mir der Untergrund machte. Nachdem wir die Felder verlassen hatten, sausten wir auf einem Forstweg durch den Wald. Der Boden war teilweise mit einer dicken Schicht gefrorener Blätter bedeckt, sodass Wurzeln und Löcher schwer zu erkennen waren. Eine feine Schnee- bzw. Eisschicht hüllte alles ein. Der Sandweg war so fest gefroren, dass die eingefahrenen Quer-Rillen von den Reifen der schweren Forstfahrzeuge sich hart ruckelnd wie ein Brett fuhren und heimtückische Kanten erschaffen hatten, an denen man wegrutschen konnte. Doch bis auf einen Ausrutscher, bei dem ich mich überrascht wieder gefangen habe, geschah mir nichts. Meine Gravelking Schlappen taten unermüdlich ihren Dienst ohne zu mucken und ich füllte mich recht sicher.

Obacht! Glatt.

Andere, mit weniger Profil und schmaleren Reifen hatten da weniger Glück. Wir fuhren einer dieser langen, geraden Waldwegabschnitte. Ich spürte, wie meine Energie nachließ und mir war etwas diesig. Jetzt nur nicht vom Rad fallen. Da war er wieder, der Gedanke, anzuhalten, einen der mitgebrachten Riegel zu essen und dann ruhig und gemächlich allein weiter zu fahren. Schließlich waren wir eh schon auf dem Rückweg. Kurz bervor ich mich entschlossen hatte zu stoppen, wurde mir die Entscheidung abgenommen.

Das Gelände war leicht hügelig und bei einem bergab Abschnitt sah ich vor mir plötzlich ein Straucheln unter den anderen Fahrern. Es ging sehr schnell. Auf einmal stürzten drei der nahe beieinander radelnden Herren halb übereinander vom Fahrrad. Einer war weggerutscht und hatte die anderen in einer Art Dominoeffekt mitgezogen. Ich atmete besorgt hastig tief ein und war erleichtert, als ich ankommend feststellte, das keinem wirklich etwas passiert war. Ein Stöhnen hier und da und schon waren alle wieder auf den Beinen. Es war nicht der einzige Sturz an diesem Tag gewesen.

Bild Credit: Steffen Weigold

Frust

Aufatmend nestelte ich flink an meiner Stembag herum, um schnell ein Stück Notfall-Riegel in den Mund zu schieben. Die Gestürzten taten mir zwar Leid, doch mir kam die ungeplante Pause sehr willkommen. Ich spürte, wie die wenigen Minuten Ruhe mir wieder etwas Energie schenkten. Als wir weiterfuhren, versuchte ich erneut mein Glück weiter vorn. Nicht lang, natürlich. Ich mochte auch das plötzliche Anschieben nicht, dass sicher gut gemeint war, mich aber trotzig reagieren ließ.

Es gibt nur wenige Menschen, die das durften und die kannte ich sehr gut. Bei allen anderen fand ich es mehr als unangenehm, fast schon beleidigend. Egal wie gut die Absichten waren. Ich brauchte keine Schubhilfe. Lieber fahre ich allein durch den Wald in meinem Tempo, als mich so zu erniedrigen. Übertrieben? Nein, denn so fühlte es sich in dem Moment an. Meine etwas patzige Reaktion tat mir im Nachhinein Leid. Doch ich musste einfach deutlich zeigen, dass ich das nicht wollte. Ich kam mir so schon ziemlich schwach vor.

Ich war gefrustet. Hatte ich wirklich nur einen Funken Hoffnung gehabt, ich könnte bei einer derartigen Ausfahrt mithalten? Musste ich das überhaupt? Das waren alles eher sportlich motivierte Fahrer, wie mir schien. Die meisten zumindest und das war bei einer Ausfahrt von Rapha wohl auch keine Überraschung. War es also mein Fehler, es überhaupt versucht zu haben? Irgendwie wollte ich das nicht einsehen. Einen Versuch war es wert und schadete nicht (außer meinem schmerzenden Knie). Dann wusste ich wenigstens Bescheid. Es macht ja keinen Sinn, sich vorher schon entmutigen zu lassen, ohne es überhaupt versucht zu haben, oder? Es hätte ja auch klappen können. Doch wahrscheinlich werde ich vorerst solche Ausfahrten meiden. Allein ist auch gut oder mit eins, zwei Freunden zusammen, die so wie ich fahren wollen. Oder ich organisiere mal was Eigenes, Entspanntes. Eigentlich eine gute Idee. Anyone?

Bild Credit: Steffen Weigold

Cycling is no sport

Radfahren ist für mich weniger Sport, als viel mehr Teil meiner Lebenseinstellung und meines Alltags. Ja, ich liebe es tagelang mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Doch ich trainiere nicht. Ich fahre einfach. Ich fahre mittlerweile auch in meiner Freizeit viel mehr als früher. Ja, auch mein Fahrrad ist sportlicher geworden. Aber ich bin eben immer noch nicht schnell im sportlichen Sinne. Ich kann lang fahren, weit. Manchmal lasse ich mich auch mitreißen, wenn ich zusammen mit anderen unterwegs bin. Es darf auch gern mal schnell sein mit kurzen Sprints auf langer, ebener Strecke. Doch dann verfalle ich wieder in meinen Trott. 22 km/h, dann 20 . Mal mehr, mal weniger. Super. Hallo Landschaft. Hallo Baum. Hallo See. Hallo Vogel. Oh, ein Reiher. Schnell mal anhalten und leise ein Foto machen.

Und dann aber weiter. Schließlich will ich auch voran kommen. 😉 Das ist es. So mag ich das. Fahrt einfach, wie es euch gut tut! Mein Ausflug in die Welt der gemeinsamen Sportausfahrten war sehr lehrreich gewesen. Ich war so erledigt am Abend, wie ewig nicht mehr nach einer Radtour, verspannt und mit schwerzendem Knie, dass auch Tage später noch Probleme machte. Die Strecke an sich war super schön gewesen. Irgendwie war es auch schön, mal nicht allein zu fahren, zum Abschluss der Fahrt noch im Café zu quatschen, etwas zu futtern und Kaffee zu schlürfen. Doch immer hinterher hängen, egal wie sehr ich mich anstrengte, ist eben sehr unbefriedigend. Ernüchternd.

Und die Moral von der Geschicht…

Ein Gutes hatte das Ganze: Ich habe nicht aufgegeben. Egal wie doof ich es manchmal fand. Das mag zum einen an einigen sehr angenehmen Mitfahrenden gelegen haben, die immer wieder auf mich warteten. Auch die Strecke gefiel mir schließlich sehr gut. Andererseits war da meine eigene Sturheit, die mich durchhalten ließ und das befriedigte mich am Ende doch sehr. Es gibt außerdem noch eine leise Stimme in mir, die sich das nicht bieten lassen möchte. Die sagt, das kannst du auch! Du musst nur deinen Arsch mal hoch kriegen und regelmäßig Strecke in einem bestimmten Tempo fahren. Und dann? Dann kann ich vielleicht mithalten. Eine Option. Doch bis ich diese Motivation gefunden habe, fahre ich lieber weiterhin gemütlich durch die Landschaft, halte zum Essen kurz an, hole tief Luft, schüttel die Beine aus und fahre dann ausgeruht und entspannt weiter. Lehrreich. Wie gesagt.

Far not fast.


Danke an Steffen für die schönen Fotos und die tolle Routenführung. Auch für deine Motivationsversuche: Ich habe es wirklich versucht!

Und Flo: Danke fürs offene Ohr :-)!