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Hanse Gravel 2019 – Geselliges Graveln durch den norddeutschen Sandkasten, Teil 1

Es war mittlerweile Nacht und dennoch nicht völlig dunkel, als ich meinen Blick über die Felder und in den weiten Sternenhimmel schweifen ließ. Da war immer noch ein Hauch von Licht in der Dunkelheit. Irgendwie beruhigte mich das, als ich dort auf der Bank tief in meinen Schlafsack hineingekuschelt lag. Leichtes Schnarchen ertönte aus einigen Zelten und Biwaksäcken, der um mich herum liegenden Schlafenden. Auch das wirkte auf irgendeine Weise beruhigend. Ich war nicht allein in der ersten Nacht draußen und sollte es auch in den folgenden nicht sein.

Und das war es wohl, womit ich am wenigsten gerechnet habe bei der ersten öffenlichen Bikepacking-Langstreckentour, die ich mitfahren wollte. Denn ich war davon ausgegangen, dass ich den Großteil der knapp 615 km langen Route des ersten Hanse Gravel 2019 allein zurücklegen würde. Entlang des alten Hanseatenweges führt dieser abwechslungsreiche Weg auf den Spuren der Kogge und der Hanse mehr oder weniger entlang der Ostseeküste vom deutschen Hamburg bis ins polnische Stettin.

Das Interesse an dieser Tour war sehr groß. Knapp 180 Leute hatten sich für die Bikepacking-Selbstversorgungsfahrt Ende April 2019 registriert. Bei vergleichbaren deutschen Events waren es meist um die 50 bis 60 Teilnehmende. Vielleicht, weil die Tour durch die geringeren Höhenmeter zunächst einsteigerfreundlicher wirkt? Doch wer auf eine gemütliche Kaffeefahrt mit ein wenig Kiesel gehofft hat, wurde schnell eines besseren belehrt. Der Hanse Gravel mag vielleicht keine richtige Bergtour beinhalten, doch auch im hohen deutschen Norden lassen sich ein paar Höhenmeter sammeln. Und diese Hügel gehörten dann zu den geringeren Herausforderungen.

Viel mehr erwartete die Teilnehmenden eine kunterbunte Mischung aller Untergründe, die man sich so vorstellen kann. Von gravelligen Feldwegen mit kleinen Kieseln und faustgroßen Steinen, über alte Lochbetonplatten, matschige Waldwege, sandkastenartige Abschnitte, über Kopfsteinpflaster unterschiedlichster Qualitäten, sowie asphaltierten Straßen und Fahrradwegen war alles dabei. Nicht zu vergessen der Wind, der mal von vorn oder von der Seite eher Bremswirkung erzeugte und glücklicherweise aber auch des Öfteren von hinten ordentlich Antrieb bot. Manchmal gab es auch Anstiege mit Sand und Kieseln und Wind. Es war also für jeden was dabei^^. Doch egal wie der Untergrund am Ende war, die Landschaft war einfach atemberaubend schön und die gesamte Route ein wahrer Augenschmaus!

Tag 1 auf der Hanse Gravel Route: Und ab geht die Fahrt!

Gestartet wurde am 25.04.2019 im Hamburger Elbpark Entenwerder in traumhafter Lage direkt an der Elbe. Dort durfte ich bereits am Vorabend einige bekannte Leute wiedersehen und neue Gesichter kennenlernen. Ein paar hatten auch im Park genächtigt. Am Donnerstagmorgen sammelten sich schließlich nach und nach die Teilnehmenden im Café auf Entenwerder zum gemeinsamen Frühstück und entspannten Start gegen 10 Uhr.

Ich war aufgeregt. Sehr. Es war toll, so viele Bekannte wieder zu sehen, sich auszutauschen, in der Sonne zu hocken und noch einen entspannten Kaffee zu schlürfen. Aber schließlich konnte ich es kaum erwarten endlich loszufahren! Und das geschah dann auch sehr schnell und irgendwie überraschend. Waren da schon welche vorher weg? Der große Stau beim Start fiel jedenfalls aus. Auch, wenn eine recht große Gruppe sich nun auf in den Hamburger Verkehr machte, um gen Norden die Stadt zu verlassen, lief alles recht geordnet und unkompliziert.

Zusammen mit Phil, den ich ewig nicht gesehen hatte, und ein paar anderen ging es gegen 10 Uhr wirklich aufs Rad und der erste Hanse Gravel nahm seinen Lauf. Cap #58 rollte an und konnte übrigens während der Tour via Spotwalla verfolgt werden. Das Feld der Mitfahrenden zerzog sich spätestens durch die Ampeln in der Innenstadt, an der ich schließlich auch den Anschluss zu Philipp verlor. Entlang der Alster und raus aus Hamburg war ich allein unterwegs. So allein, wie man eben sein kann, wenn mehr als 150 andere Radfahrende zur gleichen Zeit auf dem gleichen Track unterwegs waren. Ich war hin und her gerissen, ob ich weiterhin Tempo machen sollte oder eher gemütlicher diese wirklich traumhaft schöne Route entlang der Alster genießen sollte. Ich entschied mich für eine Kombination aus beidem.

#dertrackistdertrackistdertrack

Das ständige Absteigen aufgrund von Treppen an Flussuferweg noch in Hamburg sorgte für Entschleunigung und bei zahlreichen Fußgängern an diesem sonnigen Frühlingstag oft für ein Kopfschütteln. Warum nahmen diese Rüpelradler nicht einfach den leichteren Radweg an der Straße weiter oben? Ich sollte mich später noch des Öfteren fragen, warum ich nicht die glatte Parallelstraße nahm und stattdessen lieber mit dem Rad übers Feld hoppelte. Aber: #dertrackistdertrackistdertrack!

Eine kleine Fliege fand den Weg in mein Auge und drückte neben der Kontaktlinse herum. Ich versuchte mich während der Fahrt davon zu befreien, war mir aber nicht sicher, ob ich es geschafft hatte, den Störer in meinem Auge zu erwischen. Doch ich wollte nicht anhalten. Ich wollte fahren, in die Pedale treten, meine Beine spüren, um das Rad dann wieder rollen lassen und erneut kräftig zu pedalieren. Die Fliege musste bis zur ersten Pause warten.

Immer weiter in Begleitung

Ich fand Anschluss an ein paar Leipziger, unter denen auch ein weiteres Veloheld IconX am Start war. Caros rote Rakete war ebenso wie meine Libelle ein Augenschmaus und auch sonst fühlte ich mich in der Gesellschaft der Anderen ganz wohl. Vor allem als wir nach knapp 40 km bereits an einem Gutshof hielten und den ersten Kuchenstopp einlegten. Dort trafen wir auch auf andere Hanse Graveller. Ich freute mich sehr, als kurz darauf Martin eintraf, den ich bereits auf der Gravelspartakiade in “echt” kennenlernen durfte und am Start aus den Augen verloren hatte. Auch Michael blieb zunächst bei uns. Mein Retter in der Not hatte mich kurz zuvor wieder aufgerichtet, als mein Rad mich beim zur Seite kippen, halb begraben hatte. Mein Versuch, ohne richtig abzusteigen über einen Baumstamm zu klettern, war nämlich grandios gescheitert…

Von da an radelten wir als Gruppe weiter. Während einige der Leipziger immer mal wieder “ballernd” verschwanden, rollten wir anderen gleichmäßig durch die Frühlingslandschaft. Der grellgelbe Raps strahlte im Kontrast zum leuchtendblauen Himmel und das frische Grün der Bäume harmonierte perfekt mit dieser natürlichen Farbgewalt. Ich kam nicht umhin, mich öfter einmal seufzend umzuschauen und diese tollen Ausblicke zu genießen. Schön war dieser Streckenabschnitt. Sehr schön. Auch, wenn es immer wieder hoch ging und anstrengender wurde, fuhren sich doch selbst die Kieselwege sehr gut.

Fotostopp mit Aussicht

Ich gab mir Mühe, regelmäßig die Sonnencreme aufzufrischen. Es war recht warm in der Sonne und über 20 °C und die stetige Bewegung ließen mich langsam ins Schwitzen kommen. Am Nachmittag hatte ich leichte Kopfschmerzen und vermutlich wieder zu wenig getrunken und gegessen. Zum Glück bekam ich das in den nächsten Stunden und Tagen besser in den Griff. Doch die Aussichten waren die Anstrengungen wert und das Schieben ab und zu, trainierte auch die Arme gleich noch mit ;-). Der ein oder ander Fotostopp musste natürlich auch sein. Und wenn er nur eine Ausrede zum Durchatmen und Luftholen nach einer kleinen Kletterpartie darstellte – oder, um die anderen beim Schieben zu fotografieren^^.

Die erste Tagesetappe auf der Hanse Gravel Route führte mich von Hamburg über zahlreiche kleine Orte nach Lübeck. Von dort ging es auf schmalen, ruckelnden Pfaden entlang der Trave durch teilweise sehr beschauliche kleine Fischerorte. Die Ausblicke waren genial, aber die Wegqualität mehr als fragwürdig. Die teils kaputten Pflastersteine zerrten ordentlich an den Kräften und Handgelenken. Die Shuttlebuspause kam da ganz recht und der Einstieg verlief ohne langes Warten. Der Bus mit Fahrradanhänger brachte Fußgänger und Radfahrende kostenfrei und unkompliziert durch den Herrentunnel. Von dort ging es für uns mit dem Rad weiter nach Travemünde und mit der Fähre rüber nach Priwall.

Radelmädchen und die drei bis fünf M

Meine Begleitung wechselte ab und an, doch bis zum ersten Abend bildete sich eine Gruppe heraus, mit der ich unerwarteterweise bis zur Ankunft in Stettin zusammenbleiben sollte: Radelmädchen und die drei bis fünf M. Manchmal ging ein M auf dem Weg verloren, wurde aber dann durch ein anderes ersetzt oder gesellte sich später freudig wieder hinzu. Am vorletzten Abend nahmen wir schließlich noch A auf, welchen wir unterwegs immer mal wieder in Begleitung eines bekannten Hamburger Fahrrad-Influencers 😉 getroffen hatten. Wir haben A schließlich aufgund gegenseitiger Sympathie und guter Eingliederung bis Stettin behalten. B war nur am vorletzten Tag bis zum Abend dabei. Umso größer war die Freude, sie heil und gut angekommen am Sonntagabend in Stettin wiederzutreffen!

So wurde aus der Ich-zieh-mein-Ding-durch-Selbstversorgungstour eine Gruppendynamische-Genusstour, auf der ich so viel gelacht habe, wie schon lange nicht mehr beim Radfahren. Egal wie wurzelig und wirklich unangenehm holprig der Weg wurde, egal wie bescheiden und anstrengend der knöcheltiefe Sand am Ende des ersten Tages war, wir sind da zusammen durch. Mein Rücken schmerzte, mein Hintern war irgendwann wund von der Wärme und dem Satteldruck und die Hände hatten Druckstellen. Doch die gemeinsamen Stärkungs-Pausen vorm Discounter, die viel zu gewürzten Pommes auf dem Rewe-Parkplatz zum Abendessen und das Bierchen am Abend mit Schnack und Ausblick ließen mich schnell darüber hinweg sehen.

Innerhalb kürzester Zeit harmonierten wir sehr gut zusammen, akzeptierten und amüsierten uns über die Sonderbarkeiten der anderen. Sicher gab es Momente, in denen ich mal kurz genervt war oder einfach weiter wollte (Nahrungsaufnahme half da meist schnell wieder drüber hinweg!). Doch im Großen und Ganzen machte genau diese bunt gemischte Truppe zusammen mit der wunderschönen Landschaft, den Hanse Gravel 2019 für mich zu dem einmaligen Erlebnis, das es am Ende war. Und sie sorgte dafür, dass ich das Essen während der Reise nicht vergaß.

Nachtlager am Wegesrand

Apropos Essen: Mein Plan für den ersten Tag war, bis nach Grevesmühlen zu fahren, dort einzukaufen und dann ein feines Futter- und Schlafplätzchen zu finden. Knapp 150 km sollten dann auf dem Tacho stehen, was genau dem entsprach, was ich mir so locker vorgenommen hatte.

Nach dem Einkaufen war es mittlerweile kurz nach 20 Uhr und Ziel war es, noch im Hellen einen Lagerplatz für die Nacht zu finden. Also ging es zunächst raus aus der Kleinstadt. Der Plan noch schnell in einen See zu hüpfen, wurde jedoch aus Zeitgründen verworfen. Feuchte Tücher und Katzenwäsche mussten reichen um Sand und Schweiß des Tages abzuspülen. Und davon gab es reichlich dank der trockenen Wege, dem Wind und dem Traktor, der uns den halben Acker vor die Räder und in die Gesichter gepustet hat.

Dafür konnten wir noch in der Dämmerung unsere Räder paralell zu einer langegzogenen Treppe den Berg hinauf schieben. Am Gipfel wartete ein kleiner Aussichtsturm, der sofort als Nachtlager festgelegt wurde. Und wir waren nicht allein mit dieser Idee. Schlussendlich schliefen bestimmt 12 Leute am Fuße und auf der Turmplattform. Da dieser Ort direkt am Track lag, konnten wir auch viele Lichter von anderen Gravellern in der Dämmerung vorbeiziehen sehen. Selbst mitten in der Nacht kamen noch drei müde Radfahrende hinzu (Die erste Begegnung mit A nach dem Start, noch im Schlepptau mit H und C).

Danke an Marcus d. für das Treppenfoto

Feierabend, Tag 1

Und so war der erste Tag geschafft. Schlafsack und Biwaksack lagen auf einer Luftmatratze kuschelig auf einer Bank und windgeschützt hinter dem Aussichtsturm. Ich brauchte noch einen Moment, bis ich wirklich schlafen konnte, zu aufregend war der Tag gewesen. Doch ich schlief schließlich relativ gut, ohne zu frieren. Mit Anfahrt nach Entenwerder waren es 165 km gewesen, die ich mit dem Rad zurückgelegt hatte. Knapp 9 Stunden hatte ich im Sattel verbracht und ca. 800 hm erklommen. Gut, für den ersten Tag 🙂 und mehr als ich zu hoffen gewagt hatte.

Hamburg-> Bad Oldesloe-> Lübeck-> Travemünde-> Grevesmühlen: ca. 150 km, Durchschnitt ca. 18 km/h


tbc.

Hanse Gravel 2019

Der Hanse Gravel ist eine Bikepacking Abenteuerfahrt im Selbstversorgermodus. Auf den Spuren der Hanse folgen die Mitfahrenden dem Hanseatenweg von Hamburg nach Stettin.
 
“Der Weg orientiert sich am Verlauf alter Handelsrouten und soll sowohl an die Bedeutung der Hanse erinnern als auch zur europäischen Völkerverständigung beitragen.”
(Zitat Website hansegravel.com)

Der Hanse Gravel findet 2019 zum ersten Mal statt und ist eine 625 km Gravel-Tour durch den Norden Deutschlands bis ins polnische Stettin.  Die Teilnahme ist kostenlos, aber es wird um eine Spende an den Verein NaturFreunde Deutschlands e.V. gebeten.

Reisevorbereitung: Hanse Gravel Vorfreude & die Kunst des Packens

Am Vormittag des 25.04.2019 werden erstmalig rund 170 Bikepacking-Enthusiasten von Hamburg aus aufbrechen, um auf dem Hanseatenweg auf den Spuren der Hanse bis ins polnische zu Stettin radeln: Der Hanse Gravel 2019. Und ich werde mittendrin dabei sein! Die Aufregung steigt, die Vorfreude auch. Es ist nicht nur die Freude auf den deutschen Norden und die wunderbare Strecke durch Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern, die mich lockt. Viel mehr werde ich zumindest vor dem Start hoffentlich einige bekannte Gesichter antreffen, worauf ich mich sehr freue. Die Mitfahrenden der Gravel-Selbstversorgungsfahrt werden nämlich aus ganz Deutschland und teilweise aus anderen europäischen Ländern nach Hamburg kommen.

Die zur Tour passende Facebook-Gruppe und die vielen Diskussionen und der Austausch darin, lassen mich nur ungeduldiger werden. Gesprochen wird natürlich vor allem darüber, was mitgenommen werden soll oder wie das Fahrrad-Setup aussieht. Und übers Wetter. Und die Routenführung. Das Übliche also.

Was mit muss, muss mit – Packen leicht gemacht

Ganz klar, den Hanse Gravel werde ich mit Libelle fahren. 43mm Bereifung sollte hoffentlich auch für die sandigen und steinigen Untergründe ausreichen. Wenn da nur nicht wieder das Packen wäre… Ich gestehe, dass mich das ganze Zusammensuchen der Dinge, die ich vermutlich auf einer Radtour brauchen werde, doch ziemlich nerven kann. Seit ich nicht mehr mit klassischen Reiseradaufbau und hinteren Gepäckträger reise, hat sich die Liste der Dinge, die mitkommen zum Glück reduziert.

Doch am Ende ist es doch immer viel Kleinkram. Jedes mal wäge ich ab, was ich wirklich brauche. Langsam habe ich es aber doch raus – denke ich. Zumindest habe ich bei der letzten Reise festgestellt, dass ich selbst bei kurzfristiger Planung halbwegs gut packen kann. Bis auf die Werkstattutensilien und zwei Kleidungsstücke, hatte ich bei der Prag-Spreewald-Tour Anfang April 2019 auch tatsächlich fast alles genutzt.

So lange ich mein Rad noch tragen kann, passt das mit dem Gepäck:-D. Bild von Florian Ebert.

Das ist schonmal ein gutes Zeichen. Zum Hanse Gravel übe ich mich dann noch darin, die vorbereitete Packliste auch wirklich abzuarbeiten, damit nicht wieder so etwas Essenzielles wie die Stirnlampe zu Hause liegen bleibt. Je nach Wetterbedingungen (und die sehen momentan sehr gut aus), bleibt dann außerdem einiges an Kleidung im Schrank. Und das ist es. Keine Hexerei und kein Kocher ;-). Also vermutlich nicht. Das muss ich noch mit mir ausdiskutieren. Auf jeden Fall möchte ich unter freiem Himmel schlafen und setze voll und ganz aufs Biwakieren: Schlafsack, Isomatte, Bivvy – und raus in die Natur!

600 und ein paar Zerquetschte

Auch wenn ich nicht akkurat plane, wann ich wo sein möchte, oder wie viele Kilometer ich schaffen werde pro Tag, so habe ich mir doch meine Gedanken gemacht. Die Strecke ist knapp 610 km lang und folgt der alten Handelsroute der Hanse: Der Hanseatenweg ist eigentlich ein Wanderweg. Daher dürfen sich die Hanse Graveller wohl auf abwechslungsreichen Untergrund einstellen. Dementsprechend werde ich mal mehr, mal weniger Kilometer pro Stunde schaffen. Doch soll es mir wirklich darum gehen? Der wundervolle deutsche Norden bietet so einige schöne Landstriche und es ist doch viel zu schade, da einfach nur hindurchzujagen.

Versteht mich nicht falsch, der Hanse Gravel ist kein Rennen! Somit habe ich gar nicht den Antrieb, schnellstmöglich anzukommen. Es ist einfach eine Bikepacking-Selbstversorgungsfahrt, die René Fischer, ein erfahrener Langstreckenradler ins Leben gerufen hat. Er hat das ganz Organisatorische erledigt, den Track geplant und verfeinert, sowie die Kommunikation mit den Mitfahrenden übernommen. Fahren muss jeder Teilnehmende allein und sich dabei auch selbst organisieren. Es wird dennoch spannend, welchen Anspruch die einzelnen an sich und die Tour haben. Einige werden sicher bereits am Samstag in Stettin eintreffen und dann entweder nach Berlin weiter radeln oder mit dem Zug in die Hauptstadt zur VELO Berlin düsen. Dort wird es eine HEROINES & HEROS OF CYCLING LOUNGE geben. 2018 gab es eine Candy B. Graveller Lounge, die einige Blicke auf sich zog. Diese Tour endete allerdings auch genau auf dem Tempelhofer Flugfeld.

Routenplanung und die Sache mit der VELO Berlin

Und was habe ich nun vor? Im Prinzip einfach losfahren und schauen, wie weit ich pro Tag komme. Mein Anspruch wären ca. 150 km/Tag zu schaffen. Dann wäre ich also Sonntagabend etwa in Stettin. Oder ich lasse mir Zeit und fahre langsamer und bis Montag. Nun kommt das ABER: Ich habe bisher noch nie vier Tage am Stück so viel Strecke zurückgelegt und ich möchte zur VELO Berlin. Diese findet vom 27.-28.04.2019 in den Hangars des Flughafen Tempelhof statt. Und da haben wir den Haken: Sonntagabend ist die Messe schon vorbei. Eine Weile hat mich das sehr gestresst, weil ich natürlich wieder nichts auslassen möchte und ich auf dieser Messe ebenfalls einige Menschen treffen wollte. Aber ich habe keine Lust auf Stress. Das Ganze soll nämlich vor allem eins: Spaß machen! So habe ich für mich zwei Szenarien überlegt und werde ganz spontan etscheiden – je nachdem wie ich voran komme und wie es mir geht.

  1. Variante: Die VELO Berlin gibt es auch nächstes Jahr wieder. Im Grunde verpasse ich nichts und es wird noch andere Gelegenheiten geben, egal wie gern ich dabei sein möchte. Ich bin draußen auf dem Rad und das ist genau das, was ich genießen möchte – ohne Verpflichtungen und Termine! Also fahre ich den Hanse Gravel durch.
  2. Variante: Ich schaue, wie weit ich bis Samstagabend komme. Falls ich es bis Stralsund oder Greifswald schaffe, kann ich dort gemütlich in den Regionalzug steigen und bis nach Berlin durchfahren. Entspannt, weil ich dann am Sonntag frisch gewaschen und stressfrei zur VELO gehen kann und somit Radfahren und Messe unkompliziert verknüpfen kann. Dann geht es entweder Sonntagabend oder Montagfrüh wieder zurück und ich fahre die Strecke zu Ende – optional bis Berlin zurück. Oder radle das fehlende Stück einfach ein anderes Mal.

Kommt ihr mit?

Easy, oder? Von daher: Ich kann es kaum erwarten in den Norden zu fahren und wieder auf dem Rad zu sitzen! Mittwochvormittag steige ich in den Zug nach Hamburg, mache mir dort noch einen gemütlichen Tag, damit ich frisch und ausgeruht am Donnerstag die Tour starten kann. Und egal für welche Variante ich mich am Ende entscheide, es wird hoffentlich eine gute Zeit werden! Kommt ihr mit? Dann schaut auf jeden Fall ab dem 24.04. regelmäßig auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Dort werde ich sicher in den Stories und auch im Feed ein paar Eindrücke der Reise zum Besten geben

Verfolgen lässt sich die Tour übrigens auch per Dotwatching. Das heißt, einige der Mitfahrenden werden ihr Vorankommen aufzeichnen lassen. Auf der Online-Karte kann man dann einen alle paar Minuten aktualisierte Standort dieser Personen verfolgen. Das steigert die Spannung und lässt die Daheimgebliebenen ein wenig mehr an der Reise teilhaben.

Mit dem Gravelbike Von Prag nach Berlin… oder fast

05:15 Uhr, Sonntagmorgen, nicht unbedingt meine Lieblingszeit zum Aufstehen. Schon gar nicht in der Nacht der Zeitumstellung und nachdem ich den Abend zuvor noch bis Mitternacht gepackt habe, weil ich es vorher zeitlich nicht geschafft habe. Nun denn, selbst gewähltes “Leid”. Nach vier Stunden Schlaf klingelte der Wecker und ich war wacher als zuvor vermutet. Die übliche Reisefreude trieb mich an. Also ab unter die Dusche rein in die bereit gelegten Fahrradklamotten, Brötchen geschmiert und Rad geschnappt – auf ging es zum Berliner Hauptbahnhof für das erste kleine Bikepacking-Abenteuer des Jahres:

Hinweis: Der Beitrag enthält Werbung ohne Auftrag aufgrund von Markennennungen.


Von Prag nach Berlin mit dem Gravelbike… oder fast

Nach einigen Kämpfen mit meinem inneren Schweinehund, der die Tage besonders stark war, buchte ich schließlich vier Tage vor der Reise ein Bahnticket mit Fahrradkarte für den EC nach Prag. “Die Reise” sollte eine Bikepacking-Tour von Prag durch die Böhmische Schweiz und den Spreewald nach Berlin werden, die mein Radfahr- und Boulderfreund Flo geplant hatte. Gut klang das, und war eine Tour die ich schon länger reizvoll fand. Mit dabei Veloheld Libelle im neuen Set-Up mit gewechseltem, kürzeren Lenker und neuer, nach hinten versetzter Sattelstütze. Bevor der Hanse-Gravel im April lockte, wollte ich damit unbedingt noch eine ausgedehntere Tour bestritten haben. Und das war eine sehr gut Idee!

Tag 1: Raus aus der Stadt und rein in die Tschechische Schönheit

Allein die Zugfahrt durch Brandenburg und Sachsen entlang der Elbe und durch die Sächsiche Schweiz war wunderschön. Ich klebte am Zugfenster, um keinen Ausblick zu verpassen: Auf die Elbe, auf das enger werdende Flusstal, vorbei an der berühmten Bastei in Rathen und hinüber über die tschechische Grenze.
In Prag verließ ich bereits eine Station vor dem Hauptbahnhof den Zug – keine Lust auf Sightseeing und Touristentrubel. Ich wollte rauf aufs Rad. Flo fuhr noch weiter, holte mich aber sehr schnell außerhalb der Stadt wieder ein. Die ersten 20 km sind nicht erwähnenswert. Zu viel Straße, zu viel Verkehr. Doch dann, als der Weg schließlich abzweigte und auf schmalere Landstraßen und Feldwege führte, wurde es schnell sehr schön und ruhig.

Danke Florian Ebert fürs 2. Bild!

Das Wetter war uns positiv gesonnen und bei 17°C fuhr ich schließlich kurzärmlig in der Sonne. Noch Tage später hatte ich allerdings mit den Folgen der Sonnenbestrahlung zu tun. Besonders meine Gesichtshaut reagierte sehr sensibel auf die plötzliche Überdosis Licht und bezeugte einmal mehr, dass es zu wenig Sonnenschutz war, den ich genutzt hatte – trotz Sonnencreme, Fahrradkappe und Sonnenbrille. Also immer schön ordentlich einschmieren, ne!

An den Ufern der Moldau

Doch während der Fahrt genoss ich die Wärme sehr. Sie erzeugte die richtige Urlaubsstimmung – genau wie die sich ständig verändernde grüne Landschaft Tschechiens. Die Überquerung eines Nebenarms der Moldau verlief dann etwas abenteuerlicher. An diesem Kanal führte ein wirklich schöner Radweg entlang. Doch um diesen zu erreichen, mussten wir zunächst eine von beiten Rohren gesäumte Fussgängerbrücke mit unseren Rädern überqueren und zwar über eine verwinkelte Metalltreppe. Kein Ding – unsere Räder waren dankbarerweise überschaubar beladen. Einmal den Sattel auf die rechte Schulter abgeladen, die rechte Hand ans Unterrohr gefasst und los ging die Kletterei. Der klassische Reiseradler vor uns brauchte da schon Unterstützung beim Tragen. Ich mag Bikepacking!

Danke Florian Ebert für Bild 1 und 3!

Sanfte Hügel hier, angenehm zu fahrende Straßen und kleine Orte da und irgendwann kam schließlich die Moldau ins Blickfeld. Der breite, träge dahin fließende Fluss wird gesäumt von kleinen Orten und Städten. Auch hier verläuft am Ufer ein Rad- und Fußweg, der mal durch ein kleines Waldstück, mal direkt am Fluss entlang führt. Schön! Nur der Gegenwind war nicht so schön. Ich bemühte mich dran zu bleiben und vor allem nicht die Lust zu verlieren. Aber irgendwie gab es immer etwas zu sehen, waren die Aussichten so reizvoll, dass der Wind meine Laune nicht stark negativ beeinflussen konnte. Das Ziepen im rechten Knie ignorierte ich erst einmal gefliessentlich.

Irgendwo im Nirgendwo

Irgendwann wurden die Hügel kurviger, die Anstiege länger und die Aussichten eingeschränkter. Der Hauptteil der Tour führte über Asphalt auf Nebenstraßen und Radwegen parallel zur Straße (zumindest später in Deutschland). Dort war der Verkehr am Sonntag annehmbar und zwischen den kleinen tschechischen Dörfern auch am Montag fast gar nicht vorhanden. Es hinterließ bei mir manchmal ein seltsames Gefühl, wenn wir durch einen Ort fuhren, der aus relativ wenigen Häusergruppen bestand, wobei ein Fünftel davon baufällig oder ganz eingefallen war. Es hatte etwas sehr Einsames, Melancholisches an sich. Dort gab es einfach nichts – nicht mal einen kleinen Supermarkt und nur ab und zu mal eine Kneipe.

Ab und zu verließ der Track die Straße und führte auf einen Weg zwischen hügeligen Feldern und Wäldern hindurch, den man nicht mehr als Kiesweg bezeichnen konnte – eher Feldsteinweg mit etwas Sand und Kies dazwischen. Bergauf und bergab ein Erlebnis. Ich musste mir mächtig Mühe geben, meinen Körper auf dem Rad nicht zu sehr zu verkrampfen und übte mich beim Kurvenfahren auf unruhigem Gelände. Anspannung. Locker lassen. Langsam, aber nicht zu sehr, denn das begünstigte das Rutschen der Reifen. *seufz*

Von Fahrtechnik und Bergkunst

Flo rief mir Tipps zu, die ich willentlich versuchte direkt umzusetzen. Radfahren ist manchmal eben doch mehr, als nur draufsetzen und losfahren. Eine gewisse Fahrtechnikkenntnis im Gelände wirkt wahre Wunder. Erinnerungen an meine ersten Mountainbike-Stunden in Göttingen kamen ins Gedächtnis zurück und erleichterten schließlich die Abfahrten. Das rechte Knie muckte auf, sobald es wieder bergauf ging. Und wir sammelten fleißig Höhenmeter! Flo wartete alle paar Kilometer voraus auf mich. Der hat einfach einen anderen Tritt drauf und manchmal konnte ich da nur bewundernd hinterhersausen. Aber ich fühlte keinen Druck dran bleiben zu müssen, fuhr so wie ich mich fühlte.

Einmal mehr realisierte ich, wie sehr ich gute Gesellschaft beim Radfahren genoß, aber eben genauso gut mit weniger statt mehr klar kam. Und wie sehr ich eine abwechslungsreiche Umgebung schätzte – ewig Landstraße fahren ist mir einfach zu langweilig. Berge sind allerdings auch nicht so meine Königsdisziplin, wenn ich sie mir auch weniger Probleme bereiten als früher. Aber schnell kann ich eben nicht. Muss ich auch nicht. Einfach nur weiter treten und zwischendurchauch das Atmen nicht vergessen. Obwohl Schnaufen es oft eher traf…

Als die Sonne immer tiefer am Horizont stand, planten wir die Suche nach einem Schlafplatz. Mein untrainierter, langsam erschöpfter und vor allem hungriger Körper trieb Libelle wieder etwas motivierter an.

Die Luft ist raus

Hunger machte sich breit. Ich hatte vorher in einer größeren Stadt einen Supermarkt markiert, den wir nun ansteuerten. Der Weg sollte vorher ein Stück parallel eines Bahndammes führen und zwischen Feldern und Bäumen hindurch auf einem wunderschönen Radweg. Doch da war noch der alte Bahnübergang, der die Räder ordentlich poltern ließ beim Drüberfahren – und Flo den einzigen Platten der Reise bescherte. Schon ein paar Meter dahinter war die Luft raus. Schlechtes Timing bei zunehmender Hungrigkeit (von uns beiden). Auch die Temperaturen sanken langsam. Damit die Stimmung es nicht auch tat, musste es schnell weitergehen. Aber Flo tauschte geübt den Schlauch aus und nach ein paar Minuten saßen wir schon wieder auf dem Rad.

Danke Florian Ebert für Bild 2

Rauf! Und runter! Wieder rauf! Und rauf!

Wir schafften es zum Supermarkt und mich schafften die steiler werdenden Berge. Mit hungrigem Magen ließen meine Kraftreserven schnell nach. Da half auch kein Riegel oder die zuvor inhalierte Apfelschorle lang. Wir kamen weiter als ursprünglich angenommen, denn es reihte sich nun ein kleiner Ort an den anderen und es war gar nicht so einfach ein ruhiges Plätzchen zum Biwakieren zu finden. Die Dämmerung senkte sich, die Steigung nahm zu, die Anstiege wurden länger. Mein rechtes Knie schmerzte stärker und auch mein Rücken quälte mich zunehmend. Hunger, Durst, Pipi, kalt!

Doch wann immer ich den Blick von der Straße nehmen konnte und mich umsah, war ich verzaubert: Von den Felsformationen, die hier ihre tyischen Sandstein-Fantasieformen zeigten, von den dichten Wäldern und kleinen Holzhäuschen, von der Ruhe. Also biss ich die Zähne zusammen und folgte Flo, der in regelmäßigen Abständen oben am Berg auf mich wartete. Und wir schafften schlussendlich den höchsten Anstieg der Tour und fanden kurz darauf einen versteckten Platz im Wald unweit der Straße und oberhalb eines kleinen Dorfes. Und dann war es dunkel. Dunkel, dunkel. Ein Hund bellte im Dorf, sonst war alles still.

Lagerromantik in kalt und dunkel

Während Flo das Tarp abspannte und versuchte ein kleines Feuerchen zum Brennen zu bringen, scheiterte ich grandios dabei in der Dunkelheit Holz zu sammeln. Das Fahrradstecklicht (B&M Ixon Space), das ich zusätzlich dabei hatte, war zwar hell, aber einhändig machte es sich dennoch bescheiden. Die vergessene Stirnlampe hatte es bestimmt kuschelig zu Hause. Hätte ich mal meine Packliste richtig abgearbeitet^^. Mir war etwas kalt und die Temperaturen sanken nachts auf um die 0°C. Also schnell Wasser aufgekocht, Tütennudeln rein geschaufelt und hinein in den Schlafsack!

Tagesfazit 1. Tag:

  • knapp 7h auf dem Rad
  • ca. 110km
  • ca. 1300 hm

Tag 2: Von böhmischen Höhen und sächsischen Ausblicken

Die Nacht war sehr ruhig und auch ziemlich frisch gewesen. Doch glücklicherweise hatte ich mir einen guten Schlafsack geborgt (Danke Wiebke <3) und habe kaum gefroren. Nur das Aufstehen am Morgen fiel mir etwas schwer. Im Nachhinein realisierte ich auch, dass ich mir kaum Gedanken über das Draußen sein im dunklen Wald gemacht habe. Vielleicht war ich einfach zu müde gewesen oder eben die Gesellschaft hat mich genug beruhigt, aber ich hatte keine Angst da draußen gehabt. Nächste Challenge: Allein eine Nacht im Wald verbringen. Mal sehen, wie es mir da gehen wird^^.

Höhenmeter zum Frühstück

Wir sammelten unsere Sachen zusammen, aßen Brötchenreste vom Vortrag beim Packen und saßen schließlich bald wieder auf dem Rad. Der Wunsch nach Bewegung und die dadurch entstehende Wärme war an diesem kühlen, wunderschönen Frühlingsmorgen groß. Wie praktisch, denn zunächst warteten die restlichen Höhenmeter der Böhmischen Schweiz auf uns.

Der Schlafplatz war schon höher gelegen gewesen und so ging es auf den nächsten Kilometern oft wieder hinunter, doch auch etliche Male wieder hoch. Ich fühlte mich den Anstiegen jedoch so früh am Tag deutlich besser gewachsen, als am Abend des Vortages. Langsam schwanden die Augenringe und Tränensäcke und mir ging es einfach sehr gut in dieser wunderschönen Umgebung. Noch ein Anstieg? Ach, was solls. Hoch da. Irgendwann geht es auch wieder runter!

Danke Florian Ebert für das 3. Bild!

Die Straße führte durch den Wald in Serpentinen und war mehr oder weniger einsam gelegen. Es gab quasi keinen motorisierten Verkehr. Erst als kleine Dörfer entlang der Route lagen, wurde es wieder etwas geschäftiger. Zum ausführlicheren Frühstück wollten wir uns etwas auf dem Weg suchen. Doch der Tankstellenstopp war eher zum Frischmachen und wir beschlossen bis nach Deutschland und ins sächsiche Bautzen zu fahren, um dort etwas gemütlicher zu pausieren.

Über sanfte Hügel rüber nach Sachsen

Schließlich kamen wir wieder auf befahrenere Straßen, radelten durch das hübsche Altstadtzentrum vom alten Bekannten Sluknov und überquerten schließlich bald danach die Grenze nach Deutschland. Hier war deutlich mehr los auf den Straßen, doch glücklicherweise gab es fast durchgängig eine Radroute parallel zur Hauptstraße, die sich sehr gut fahren ließ. Wir hatten sogar öfter Rückenwind, was das Ganze deutlich beschleunigte. Das war auch gut so, denn ich wollte endlich in Bautzen ankommen und entweder, Kuchen, Eis, Bier, Pommes oder alles zusammen in mich rein stopfen! Meine Begleitung bekam es etwas mit der Angst zu tun, als ich meine Essenswünsche äußerte und befürchtete wohl, wir würden nicht so schnell etwas finden.

Doch kaum in Bautzen angekommen und Richtung Innenstadt abgebogen, fanden wir ein kleines Goldstück an Café in einer ruhigen Nebenstraße. Dort konnten wir sogar draußen in der Sonne bei den Rädern sitzen. Ich bekam nicht nur ein sehr leckeres Panini, sondern auch hausgemachtes Eis, Kaffee und Limo. Glücklich!

Von Bautzen in den Spreewald

Ich hatte ja keine Ahnung, wie imposant die Altstadt von Bautzen ist! Für mich war es vor allem die Senfstadt…hmmmm leckerer Bautzener Senf. Aber ich Kulturbanause habe nun wieder dazu gelernt und werde sicher noch einmal für eine ausführlichere Stadterkundung zurückkehren. Als wir Bautzen um die Mittagszeit verließen, lagen knapp 50 km hinter und noch einiges and Strecke vor uns. Bereits am Tag zuvor hatte ich entschieden, nicht die komplette Strecke bis nach Berlin mit dem Rad zurückzulegen. Am letzten geplanten Tourtag hatte ich abends eine kleine Veranstaltung und einen Minivortrag und wollte dort einfach nicht völlig platt ankommen. Es war zwar schade, aber gleichzeitig fühlte es sich deutlich entspannter so an. Und ich wollte mich nicht stressen auf dem Rad! Genießen und Fahrrad-Setup testen standen im Vordergrund. Meine Knie und mein Rücken fanden nämlich leider auch, dass ich da noch etwas mehr Feintuning machen konnte.

Auf asphaltierten Radwegen näherten wir uns dem berühmten Spreewald. Die Vogelvielfalt wuchs und ich konnte immer wieder Gänse, Reiher und kleinere und größere Raubvögel nahe der Gewässer beobachten. Der blaue Himmel und die Sonne trösteten ein wenig über die doch frischen 8 bis 10°C hinweg. Genauso wie der Wind, der sich ab und zu drehte und somit einen Wechsel zwischen Rückantrieb und Bremse von vorn bot. Wir kamen gut voran.

Nach einem kleinen Ersatzschlauch-Stopp in Hoyerswerda, sowie der weiteren Nahrungsaufnahme beim Bäcker dort, rollten wir weiter bis zum Seengebiet nahe Senftenberg. Es war gerade mal ca. 16:30 Uhr und ich wollte einfach noch nicht runter vom Rad und dort schon nach knapp 115 km in den Zug wechseln. Die andere Option war, weitere 40 km zu radeln und im Spreewald in Vetschau, bei Cottbus den Regionalzug zu nehmen. Ich konnte Flo überzeugen und so peilten wir den Zug um kurz nach 19 Uhr an, der uns gemütlich direkt bis nach Berlin rein bringen sollte.

Endspurt

Es lohnte sich. Die Wege waren oft abseits der Straße, führten durch abwechslungsreiche Natur mal vorbei an großen Seen, mal zwischen Feldern und druch Wälder hindurch. Doch schließlich meckerte mein Körper immer häufiger. Ich hatt es geschafft, im Laufe des Tages die Kniebelastung zu variieren und so den Schmerz immer wieder verschwinden zu lassen. Doch mein unterer Rücken zog vermehrt und ich musste öfter kurz runter vom Rad, ein paar Bewegungen machen und mich strecken, damit dieser Schmerz verschwand. Das bedeutete für mich im Nachgang: Sattelposition optimieren und nochmal ein paar Kilometer Testfahrten machen, damit für den Hanse Gravel Ende April alles funktionierte.

Schließlich erreichten wir Vetschau um kurz vor Sieben und fuhren mit dem Regionalzug zurück nach Berlin. Ich war geschafft, aber sehr froh, diese kleine Reise gemacht zu haben. 1,5 Tage Bikepacking durch traumhafte Landschaften bei tollem Wetter konnten sich auch einfach nicht falsch anfühlen! Danke Flo fürs Mitnehmen, auf mich Warten und Feuer machen ;-)!

Und falls ihr live dabei sein wollt, wenn ich das nächste mal auf Reise gehe, dann schaut gern bei meinem Radelmädchen-Instagram-Kanal vorbei! Dort seht ihr in meinen Stories und im Feed, wo ich mich gerade so herumtriebe und was sonst noch so auf dem Fahrrad los ist.

#radelmaedchen_unterwegs

Tagesfazit 2. Tag:

  • knapp 7,5 h auf dem Rad
  • ca. 145 km
  • ca. 800 hm

Gesamt: Ca. 255 km, 2000 hm, 14 h auf dem Rad

Hier findet ihr die Strecken auf Komoot

Die Gravel Spartakiade 2018 – Radelmädchen auf Abwegen

Schotter, Kiesel und Sand, Tannennadeln, Äste, Bäume und Wurzeln, Wespennest, Kuhweide und hohes Gras – die Untergründe und Hindernisse der ersten Gravel Spartakiade von Veloheld waren vielfältig. Mehr als einmal gingen mir Flüche über die Lippen, musste ich vor Kurzatmigkeit kurz anhalten und ohne Schmerztabletten ging es am Ende auch nicht. Es war sehr intensiv, noch herausfordernder als erwartet und seeeeehr lehrreich. Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall!

Es war Samstagmorgen, kurz vor halb fünf. Mein Zug ging erst um 07:16 Uhr und ich war viel zu früh wach. Ich wälzte mich im Bett hin und her und als ich schließlich aufstehen wollte, war es eine Minute vorm Wecker klingeln. 05:45 Uhr. Viel zu früh. Doch die Aufregung und Erwartungen an das Wochenende schoben mich an und hielt mich auch den ganzen kommenden Tag bis kurz nach Mitternacht wach.

Ich war schnell fertig geduscht und angezogen. Gleich rein ins Fahrradoutfit. So wenig Sachen wie möglich mitnehmen, war die Devise. Auch einen Versuch doch nochmal etwas umzupacken, ließ ich schnell sein. Die Packliste war bis auf ein paar Ausnahmen so übernommen. Rad geschnappt und auf zum Bahnhof. Voller Vorfreude traf ich Wiebke und, nachdem wir beide Kaffee besorgt hatten, ging es zum Zug. Das Fahrradabteil nach Dresden war ausgebucht. Wie schön, dass wir dort drei weitere Mitstreiter/-innen der Gravel Spartakiade trafen.

Die Zugfahrt verging wie im Fluge und nach einem Meet up beim Bäcker mit André, Martin und Flo ging es raus aus der Dresdener Neustadt zum Showroom von Veloheld. Wir waren früh dran. Doch Stück für Stück trudelten die Teilnehmenden der Gravel Spartakiade ein. Es gab viel zu schauen und zu reden, Set ups wurden bewundert und hinterfragt, Reifen gepumpt und ich wurde immer hibbeliger.

Tag eins: 3,2,1…los!

Endlich! Um kurz nach 12 Uhr brachen wir auf. 50 Startende inklusive immerhin 8 Frauen machten sich auf, um eine Ecke weiter abzusteigen und den steilen Hang auf einen bebäumten Singletrail-Damm hochzuschieben. Das kannte ich schon von meinem ersten und zweiten Besuch im Showroom. Rein in den Stadtwald und die Dresdener Heide. Wunderschön ist es hier, die ganze Strecke sollte viele tolle Ausblicke bringen. Ohne Frage, die Landschaft in der Dresdener Umgebung und in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz ist atemberaubend. Genauso waren auch die ersten Single Trails, die nicht nur zahlreiche Wurzeln und Grasnaben, sondern auch einige umgefallene Bäume zu bieten hatten. Egal. Noch waren wir frisch. Auch wenn wir das große Fahrerfeld gleich am Anfang verloren hatten, weil ich erstmal meinen auf dem Weg verteilten Haushalt wieder einsammeln musste. Doch ich war hoch motiviert.

Zusammen ist es besser

Wir, das waren Wiebke und ich und es war klar, dass wir das zusammen fahren werden! Unsere gemeinsamen Ausfahrten in Berlin waren bisher immer sehr harmonisch verlaufen. Nur leider ging es Wiebke am diesem Samstag gar nicht so gut. Irgendwie lief es nicht. Knapp das erste Drittel bestritten wir zusammen, begutachteten, was die anderen im Wald verloren hatten, lachten und litten. Bis wir uns schließlich trennten, als ich dem Track durch den Wald folgte und sie den direkten Weg auf der Straße nahm, um sich etwas zu schonen. Wir trafen nicht mehr aufeinander, denn sie hatte eine Abfahrt verpasst und sich verfahren.

Schließlich entschied Wiebke nach einem Versuch auf den Track zurück zu kommen, doch abzubrechen. Es war schade. Aber am Ende ist die Gesundheit wichtiger und das was danach noch auf dem Track kam, war definitiv keine Schonkost! Nächstes Mal :-*! Schön war es dennoch, zusammen mit dir in dieses Abenteuer zu starten.

Über Stock und Stein

Ich war nun allein unterwegs und kam weiterhin sehr langsam voran. Längst hatte ich die Hoffnung aufgegeben, noch auf die anderen zu treffen, die mir nun teilweise schon viele Kilometer voraus waren. Der Track führte in Schlangenlinien und nach Höhenmetern suchend in das Dresdener Umland und durch einige kleine Orte hindurch. Doch immer mehr Wald kam hinzu, viele Feldwege und Schotterabfahrten.

Die Täler wurden enger und die Berge höher. Hallo Sächsische Schweiz! Die Route forderte mich sehr heraus. Oft war der Weg eher für ein Mountainbike geeignet, wenn er überhaupt für irgendeine Form von Fahrrad noch befahrbar oder als solcher erkennbar war. Es gab viele Wanderwege. Einige so steil und mit zahlreichen Wurzeln und Steinen, dass an Radfahren schon lange nicht mehr zu denken war. Und dennoch waren die anderen Teilnehmenden der Gravelspartakiade so viel schneller als ich.

Lonesome traveller

Derer Gedanken hatte ich viele, während ich versuchte auf dem Track zu bleiben und das beste daraus zu machen. Ja, ich war das gewohnt. Ich fahre auch gern allein. Doch irgendwie wollte ich das dieses Wochenende nicht. Dafür war ich nicht hier. Zum einen ging es natürlich um meine persönliche Herausforderung. Wie weit kann ich gehen? Schaffe ich das? Und vor allem, was kann ich üben, um fitter zu werden? Will ich überhaupt so schnell durch eine derartig beeindruckende Kulisse rasen? Ich bin Genußradlerin durch und durch. Und ich bin nicht schnell, wenn es um Höhenmeter und komplizierte Wegqualitäten geht.

Zum anderen freute ich mich darauf, diese anderen verrückten Radfahrenden zu treffen, die ebenso gern auf dem Rad sitzen wie ich und mich auszutauschen. Doch die Leistungslevel waren breit gestreut. Die meisten fahren einfach gern und stellen sich immer wieder neuen Herausforderungen auf dem Rad – ohne an sportliche Höchstleistungen zu denken. Doch es gab eben auch jene, die bereits einige Rennen gefahren sind oder Langstreckenfahrten absolviert haben. Doch das war ja kein Rennen hier! Auch wenn ich mir nicht so sicher war, ob es für einige nicht doch eines war.

Ich wollte rechtzeitig ein Dorf erreichen, wo es einen kleinen Laden geben sollte. Doch ich war knapp zu spät und mir wurde auch immer deutlicher bewusst, dass Zeitpläne hier für die Katz waren. Hauptsache ankommen und auf dem Weg zum Ziel möglichst viel sehen und genießen. Das fiel mir zunehmend immer schwerer, doch eine gewisse Sturheit setzte ein. Ich wollte das schaffen und wenn ich als letzte ankommen sollte, dann war mir das egal. Ich fuhr so wie ich es eben konnte. Weg mit den Vergleichen oder auch…

“Erlebnis vor Ergebnis”

(Danke Eva, fürs Erinnern daran!)

Auf Wanderwegen

Besonders in Erinnerung blieb mir dieser Wegesabschnitt: Ich fuhr durch ein wunderschönes Tal auf einem schmalen Pfad entlang eines kleinen Baches. Es raschelte vom Wind in den Bäumen, Moos bedeckte die Steine am Ufer und die Luft roch herrlich frisch. Hier gefiel es mir und ich begann wieder zu lächeln und genoß den Tritt in die Pedale. Dann kam eine enge Fußgängerbrücke, auf die ich das Fahrrad tragen musste. Ich überquerte die Brücke, um auf der anderen Seite vor einem großen, umgefallenen Baum stehen zu bleiben. Er markierte den Anfang eines steilen Wanderweges, bei dessen Anblick ich ungläubig innehielt. Das konnte jetzt nicht wahr sein! Ich schnaufte. Ich schnaufte noch viel mehr, als ich anfangs recht stürmisch und etwas schlecht gelaunt mein Rad den Pfad hoch drückte. Zwischendurch musste ich vor Erschöpfung anhalten und tief Luft holen. Weiter schieben!

Ein Wandererpaar überholte mich. Trotz stieg in mir auf und ich schob weiter. Quälend lang zog sich der Weg durch den Wald, doch schließlich war ich oben angekommen. Noch ein paar Wurzeln und schließlich lichtete sich der Forst und ein mit Schotter ausgekleideter Feldweg, gesäumt von Apfelbäumen lag vor mir. Weiter! Vorbei an den Wanderern. Die Hälfte der Route hatte ich geschafft. Knapp 50 km. Und es war schon 17 Uhr. Mit all den Unterbrechungen und Hindernissen hatte ich knapp 4,5 Stunden gebraucht. Ich wusste nun, dass ich es nicht mehr im Hellen schaffen würde auf dem Campingplatz in Tschechien einzutreffen. Ich schluckte. Hunger kam auf. Unruhe.

#cyclingunites

Mittelndorf hieß das kleine Örtchen rechts von der Kreuzung an der ich nun stand. Bevor ich in den Genuß von ein paar Metern Asphalt kommen sollte, blieb mein Blick nach rechts schweifend am Schild eines Lokals hängen. Viel mehr das Fahrrad, das dort angelehnt stand, weckte mein Interesse. War da eine Satteltasche zu sehen? Ich legte es drauf an und fuhr in die entgegengesetzte Richtung auf das Gasthaus zu – und konnte meine Freude und Erleichterung kaum zurückhalten, als ich dort am Tisch zwei Herren in Radkluft sitzen sah, die ich heute morgen schon getroffen hatte.

Hans und Patrick wollten gerade aufbrechen, doch blieben geduldig bei mir, als ich etwas aus der Puste doch noch eine große Apfelschorle bestellte und eine Portion Pommes hinterher verdrückte. Essen! Keine Riegel oder Gels. Echtes Essen. Diese Pommes mit Ketchup machten mich sehr glücklich. Schließlich füllte ich meine Wasserflaschen auf und schlüpfte in das lange Merinoshirt, denn es wurde langsam frischer. Eine nette Dame trug mir noch meinen Helm hinterher, den ich gedankenverloren am Stuhl hängen lassen hatte. Dann brachen wir auf. Ich hatte etwas Sorge, dass ich schnell hinter meinen Begleitern zurückfallen würde. Doch sie warteten geduldig, wenn ich die Abfahrten etwas unsicher langsamer als sie nahm oder die Berge gemächlicher hochfuhr.

Ich war unglaublich dankbar.

Hi, Tschechien!

Der Weg wurde besser. Wir fuhren durch die Sächsische Schweiz auf einer wunderbar asphaltierten Straße – durch enge, grüne Täler, vorbei an Gasthäusern und einer alten Straßenbahnstrecke. Es war malerisch schön. Ich fühlte mich mitgezogen und heftete immer wieder meinen Blick konzentriert an Hans trainierte Waden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Wir sausten durch die Schlucht und mir ging es so viel besser. Ich hatte jemanden, der mich mitzog und zum Reden. Keine Selbstgespräche mehr. Dafür durften sich die beiden Geschichten von meinem stärker schmerzenden, rechten Knie anhören. Und wir redeten über Fahrräder und deren Konfigurationen. Natürlich. Was sonst?

Da! Die Tschechische Grenze. Ab dort wurde es noch märchenhafter. Der Sandsteinfels ragte in obskuren, imposanten Formen aus dem Wald hervor und der Schotterweg führte mitten durch. Es dämmerte. Doch die Straßen ließ sich immer noch recht gut fahren. Wir erreichten einen kleinen böhmischen Ort in der Abenddämmerung und erfreuten uns an den hübschen alten Holzhäusern. Gesprächsfetzen, als wir an einer Kneipe vorbei fuhren. Die einzigen Menschen, die hier zu sehen waren. Dafür gab es bellende Hunde und Katzen, die auf der Jagd herum streunten.

Ein einsamer Radler in der Nacht

Mittlerweile war es dunkel geworden. Ich war erneut dankbar für meinen Nabendynamo und auch, wenn die Lampe nicht weit voraus strahlte, war sie doch hell und gab mir eine gewisse Sicherheit. Hans Anstecklicht strahlte meterweit die Straße aus und half uns allen sehr in der Dunkelheit. Dann zweigte der Track erneut von der Hauptstraße ab. Ein Stück den Weg rauf sahen wir jemanden am Wegesrand mit seinem Rad stehen. Wieder war ich überrascht und freute mich sehr über das bekannte Gesicht, dass dort auf uns wartete. André stand vor der Entscheidung allein in den dunklen Wald zu fahren, wo der Weg eher wieder einem Mountainbiketrack ähnelte oder sich eine Alternative an der Straße zu suchen. Er war mindestens genauso erfreut, uns zu treffen und gemeinsam machten wir uns auf.

Es war so dunkel. Ich hatte mittlerweile auch noch meine Stirnlampe aufgesetzt und war so froh, diese dabei zu haben. Ich fuhr sehr langsam und mit dem Schein meiner Lichter. Lange hatte ich mich nicht mehr so ängstlich und unsicher auf dem Fahrrad gefühlt wie an diesem Tag. Auch hier waren die anderen schneller. Doch keiner ließ mich allein zurück. Wir fuhren zusammen und ich kann nicht oft genug betonen, wie erleichtert ich darüber war.

Unter Elektrozäunen und über Kuhweiden – Night edition

Doch noch hatten wir es nicht geschafft. Noch irgendwas zwischen 10 und 15 km lagen vor uns als wir plötzlich vor einem Weidezaun standen. Verzweiflung machte sich breit. Wo ging es hier weiter? Es war kein Weg zu erkennen, aber der Track führte unmissverständlich hier entlang. Schließlich zückte ich das Telefon, dass ich seit längerem nicht mehr beachtet hatte und telefonierte, um einen Hinweis zum Weg zu bekommen. Ich entdeckte dabei auch, dass ich einige Nachrichten und Anrufe in Abwesenheit hatte. Mir war nicht in den Sinn gekommen, dass sich andere vielleicht Sorgen machen würden, wo ich steckte. Ich war das Alleinreisen gewohnt, da meldete ich mich nicht ab. Ein schlechtes Gewissen breitete sich aus und Dankbarkeit, dass andere an mich dachten!

Doch zurück zur Kuhweide. Durch diese sollte ein Wanderweg führen, der auch unser Track sein sollte. Kleine Elektroschläge ziepten durch die Jacke, als wir uns gegenseitig halfen mit den Rädern unter dem Zaun durch zu kommen. Später dienten die Räder als Stütze. Drei Mal (!!!) vollzogen wir dieses Prozedere! Und dann war da noch die Weide mit den tiefen Furchen, über die wir bergauf die Räder schieben mussten. Ich war langsam am Ende meiner Kräfte.

Endspurt

Schließlich erreichten wir die Straße und die letzten Kilometer rollten wir größtenteils bergab auf Asphalt. Umgeben von stockfinsterem Wald, leiteten uns nur die Lichter unserer Lampen und die weißen Leitstreifen am Fahrbahnrand. Ein dunkles schwarzes Loch lag vor mir, sobald ich die anderen hinter einer Kurve aus den Augen verlor. Ich sprach mir Mut zu und versuchte nicht völlig ängstlich zu sein, wenn ich mich plötzlich ganz allein auf der Straße in diesem dunklen Wald fühlte. Denn das war ich nicht und wir waren fast am Ziel. Endlich, das Straßenschild: Sluknov…

Die Wärme des Lagerfeuers tat gut, die Gitarrenklänge und das Stimmengemurmel um mich herum auch. Ich war geschafft, erleichtert und noch viel zu wach. So ließ ich mich treiben, unterhielt mich und fühlte mich sehr wohl in diesem Kreis. Denn ich wusste, wir sind alle diesen Weg gefahren, hatten alle die gleichen Herausforderungen durchgestanden. Manche nahmen es leichter, andere hatten mehr an den Hindernissen geknabbert. Wir hatten es geschafft und als ich später meinen Biwaksack (Danke Flo fürs Tarp teilen!) das erste Mal ausbreitete und frisch geduscht in den Schlafsack schlüpfte, war ich nur stolz und glücklich.

Tageskilometer: ca. 104 km

Höhenmeter: irgendwas zwischen 1500 und 1800 hm

Tag zwei: #Forevertheredlantern

Die Nacht war sternreich und frisch gewesen, doch als ich am nächsten Morgen aus dem Biwak blinzelte, zog gerade noch feuchter Morgennebel über das nahegelegene Feld und das Licht war wundervoll. Schnell alles zusammenpacken und frühstücken. Ich hatte großen Hunger! Es dauerte etwas, bis wir alle bereit waren und schließlich in zwei lockeren Gruppen aufbrachen. Diese blieben nicht lange so zusammen und ich fiel schnell nach hinten. Mein Knie hatte schon beim Laufen und Hocken weh getan.

Auf dem Rad waren die Schmerzen noch viel stärker. Ich war dankbar für Patricks Gesellschaft und nachdem die Schmerztabletten gewirkt hatten, konnte ich zumindest halbwegs normal treten. Ich fühlte mich schlecht deshalb, doch anders wäre ich wohl nicht durch den Tag gekommen. Das hieß auch: Zuhause musste ich die Position der Cleats an den Schuhen checken und eventuell noch andere Einstellungen am Rad vornehmen. Schließlich war das die erste lange Tour mit Click-Pedal gewesen und solche Knieprobleme hatte ich noch nie gehabt.

On Gravelroads

Die Strecke war bis auf ein paar Moutainbike-Trails, die es in sich hatten, viel mehr das, was ich mir unter einem Gravelride vorgestellt habe. Leider fand sich auf einem Trail ein Wespennest, was einige Mitreisende mit fiesen Stichen zurückgelassen hat. Gute Besserung!

Viele Schotter- und Feldwege gestalteten den Sonntag. Bergauf und ab mit schönen Blicken ins Tal gefielen mir die Waldabschnitte am zweiten Tage der Gravelspartakiade am besten. Doch der Schotter forderte seine Opfer: Es gab unzählige Platten und auf einem Trail im Wald schließlich ein abgerissenes Schaltwerk.

Geschafft!

Immer wieder traf ich auf ein paar Leute, doch die letzten Kilometer radelte ich schließlich wieder allein. Ich genoß die Ruhe des Waldes, unterdrückte negative Gedanken und versuchte mich nicht zu stressen. Schließlich erreichte ich gegen 15:30 Uhr den Showroom von Veloheld, wo noch ein paar andere Radler saßen und Kaffee und Bier tranken, sich unterhielten und entspannten.

Danke für die Organisation, für die vielen schönen Momente auf der Strecke (die doch noch etwas Feinschliff brauchen könnte) und für das gemeinsame Fahren! Wiebke, André, Hans, Patrick, Flo und Martin (und die anderen, die ich auf der Strecke traf, aber die Namen nicht kenne): Es war mir ein Fest mit euch zu fahren und mich mit euch auszutauschen. Danke für die gemeinsamen Kilometer!

Geschafft! #Forevertheredlantern

Tageskilometer: ca. 62 km

Höhenmeter: ca. 700 hm

Fazit:

Die Strecke war mehr als anspruchsvoll und ist meines Erachtens stark verbesserungswürdig. Oder man macht gleich eine Mountainbiketour draus, dann würde es eher passen ;-). Es gab aber auch viele tolle, landschaftlich einzigartige Abschnitte, die ich gern noch einmal fahren möchte und die ich sehr genoßen habe. Ich habe einiges über mich gelernt. Denn auch wenn ich teilweise wirklich fertig war und an meine Grenzen gekommen bin, es ging immer weiter. Ich wollte, dass es weiter geht! Dieser Wille ist stärker geworden mit der Zeit und hat mich weiterfahren lassen, auch wenn mir eigentlich nach absteigen und hinsetzen war. Wie war das? Es ist vieles einfach nur Kopfsache. Dennoch weiß ich nicht, wie ich ohne meine großartige Begleitung durch die Nacht gekommen wäre. Ich weiß, das ist etwas was ich üben möchte. Ich möchte lernen, nachts auf der Straße durch den Wald zu fahren – zumindest annähernd :-). Denn ich möchte mich meinen Ängsten stellen und mich nicht vor ihnen verstecken!

Gemeinsam ist es schöner und wenn ich wandern will, lass ich mein Fahrrad daheim!

Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall!