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Eurobike 2019 Highlights: Bikepacking, Gravelbikes & Faltrad

Die Eurobike gilt als größte, europäische Fahrradleitmesse und lockte mich auch 2019 wieder an den wunderschönen Bodensee nach Friedrichshafen! Mein Fokus lag dieses Jahr ganz klar auf den Themen Bikepacking(-Taschen), Gravelbikes und natürlich auch ein kleines bisschen Faltrad.

HINWEIS: Enthält Werbung/Markennennungen ohne Auftrag. Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive.

Zur Eurobike 2018 war ich in meinem Bericht spezifisch auf einige Produkte eingegangen. Dieses Jahr möchte ich nicht viele Worte über die Eurobike 2019 verlieren, sondern Bilder für sich sprechen lassen. Ich hatte eine ereignisreiche Woche, habe viele, tolle Menschen (wieder-)getroffen und den die schöne Bodenseeregion endlich mal etwas genauer erkundet.

Los gehts mit…

Bikepacking: Taschen, Taschen, Taschen

Mein Highlight waren ganz klar die Bikepacking-Taschenserien von Roswheel. Travel, Road oder Off-Road – für die verschiedenen Rad(-reise)bedürfnisse gab es jeweils eine eigene Taschenkollektion, die sich in Form, Farbe, Material und in den Details voneinander unterschieden. Durchdachte Schnittführung und praktische Elemente, wie die integrierte Kabelführung der Rahmentasche oder die separat erhältliche Satteltaschenstütze runden die Taschenserien ab. Außerdem fielen mir die erweiterte Taschenlinie von Topeak und die u.a. sonnegelb gehaltenen Bikepackingtaschen mit BOA-Verschlusssystem von evoc auf. Mehr zu diesen Taschen könnt ihr auch im lifecyclemag nachlesen. Aber seht selbst:

Gravelbikes: Heiße Off-Road-Feger aus aller Welt

Off-road taugliche Breitreifenräder gab es auf der Eurobike 2019 in jeder Halle zu sehen. Die erweiterte “Beyond Road”-Linie von Marin wurde mit unterschiedlichen Modellen in erdigen Natürtönen (Nicasio) oder gar zweifarbig (Headlands) vorgestellt. Auch einige Modelle für 650B Reifen sind im Sortiment. Salsa und Simplon setzten auf metallisch schimmerende Schönheiten. Neben einigen Stahlrahmenvertretern, Rädern aus Aluminium, Titan und Carbon tauchte dabei auch Magnesium als Rahmenmaterial auf. So gesehen habe ich diese bei Vaast, einer Partnerfirma von Niner Bikes, die auf der Eurobike 2019 erstmals eine neue Fahrradlinie aus Magnesium vorstellten. Die Rohre sind innen mit Keramik beschichtet.

Falträder auf der Eurobike 2019

Brompton hat auf der Eurobike 2019 eine neue Sonderedition vorgestellt: Brompton Explore! Neben einer individuellen Farbgebung (orange-grün) und dem Brooks Cambium in olivgrün, unterscheidet sich das spezielle Brompton Faltrad auch mit den Schwalbe Racer Tan-Wall Reifen von den Standart-Bromptons. Zusammen mit dem Rad kommt eine eigens konzipierte Taschenlinie und ein Multitool. Mir gefällt es schon ziemlich gut, auch wenn ich etwas schade finde, dass das “Take the long road”-Thema nicht in den Details noch konsquenter durchgezogener wurde. Das Explore stellt eine Art Adventure-Edition da. Doch wäre diese Idee konsquenter verfolgt worden, hätten die Reifen zum Beispiel profilierter und die Griffe ergonomischer sein können. Dennoch ist es ein gelungenes Brompton, dass den Wunsch nach einem Zweit-Brompton wieder deutlich größer werden lässt ;-). Im kommenden Jahr wird es auch für alle anderen Brompton eine neue Taschenkollektion geben, außerdem eine neue Sonderfarbe und das Brompton Electric in Metallic Blau.

Cargobikes auf der Eurobike 2019

Neben dem Thema E-Bike/ Pedelec und Gravelbike sind auch Lastenräder ein Hauptschwerpunkt der Eurobike 2019. Mein Kompakt-Lastenrad Favorit Muli Cycles hat dieses Jahr zum Beispiel einen Eurobike Award für das neue Cargo mit Shimano Steps Antrieb erhalten. Ansonsten gab es eine bunte Mischung zu entdecken, die ihr euch in den folgenden Slides anschauen könnt.

Fahrräder, Kleidung und Accessoires

Wie immer habe ich natürlich einen Augenmerk auf Kleidung und Accessoires gelegt, die das Radfahren noch schöner machen oder praktisch ergänzen. In diesem Jahr waren leider noch weniger Bekleidungsmarken auf der Eurobike 2019 vertreten, als schon im Vorjahr. Das liegt wohl daran, dass die Messe für die Modebranche deutlich zu spät im Jahr stattfindet. Spannend fand ich die Regenbekleidung von Basil, die im urbanen Alltag nicht nur praktisch ist, sondern auch gut aussieht. Auch Poc Sports und Pearl Izumi haben alltagstaugliche Fahrradbekleidung im Programm, die sich sehen lassen kann. Pear Izumi plant in den kommenden Jahren noch nachhaltiger zu produzieren und benutzt schon jetzt recycelte Materialien.

Und am Ende noch ein paar weitere Impressionen… 😉

Titelbild: Eurobike Show, Urban Media Days 2019; Anja Köhler

8bar Pathfinder Gravel x Road Berlin 2019

8bar Pathfinder Gravel x Road 2019

Das etwas andere Fahrrad-Event vom 9. bis 11. August 2019 im Raum Berlin/Brandenburg.

Keine geplante Route. Folge einfach deinem Instinkt.

Der “8bar PATHFINDER Gravel x Road Berlin” führt euch über die Straßen und Schotterpisten Berlin/Brandenburgs. Die Teilnehmenden erwartet ein ganz besonderes Fahrradwochenende. Du entscheidest, ob 1, 2 oder 3 Tage – road oder offroad! Das tolle daran: Es ist ein Team-Event, d.h. keiner fährt allein!

Pathfinder Day

Die Veranstaltung findet von Freitag bis Sonntag statt. Am Samstag, dem 8bar Pathfinder Day sind die Teammitglieder auf sich allein gestellt! Sie bekommen nur ein Navigationsgerät ohne Karten und eine ideale Linie zum nächsten Kontrollpunkt. Der Weg zum nächsten Kontrollpunkt liegt bei ihnen!

Es wird eine kurze und eine längere Variante geben. Die kurze Version ist auch für Anfänger geeignet. Am 1. Tag kannst du zwischen 60/100 km Gravel oder 80/ 140 km Straße wählen. Die lange Variante wird am 2. Tag 140 km Gravel bzw. 160 km Straße betragen (die kurze geht bis zum Checkpoint auf halber Strecke). Der Route am 3.Tag wird etwa 120 km lang sein, oder du kürzt mit dem Zug ab.

Alle Details zum 8bar Pathfinder Gravel x Road Berlin 2019 gibt es im 8bar bikes Blogbeitrag:

8bar Pathfinder Gravel x Road

Das Rundum-Sorglos-Event

Es ist für alles gesorgt: Es wird einen Gepäcktransport zum Campingplatz geben, Verpflegung wie Frühstück und Abendessen, sowie Snacks an den Check Points.

Hier gehts zur Anmeldung!

Ich würde mich freuen, euch dort zu sehen, zumal ich auch in die Organisation des Events involviert bin ;-).

 

 

Hanse Gravel 2019 – Geselliges Graveln durch den norddeutschen Sandkasten, Teil 1

Es war mittlerweile Nacht und dennoch nicht völlig dunkel, als ich meinen Blick über die Felder und in den weiten Sternenhimmel schweifen ließ. Da war immer noch ein Hauch von Licht in der Dunkelheit. Irgendwie beruhigte mich das, als ich dort auf der Bank tief in meinen Schlafsack hineingekuschelt lag. Leichtes Schnarchen ertönte aus einigen Zelten und Biwaksäcken, der um mich herum liegenden Schlafenden. Auch das wirkte auf irgendeine Weise beruhigend. Ich war nicht allein in der ersten Nacht draußen und sollte es auch in den folgenden nicht sein.

Und das war es wohl, womit ich am wenigsten gerechnet habe bei der ersten öffenlichen Bikepacking-Langstreckentour, die ich mitfahren wollte. Denn ich war davon ausgegangen, dass ich den Großteil der knapp 615 km langen Route des ersten Hanse Gravel 2019 allein zurücklegen würde. Entlang des alten Hanseatenweges führt dieser abwechslungsreiche Weg auf den Spuren der Kogge und der Hanse mehr oder weniger entlang der Ostseeküste vom deutschen Hamburg bis ins polnische Stettin.

Das Interesse an dieser Tour war sehr groß. Knapp 180 Leute hatten sich für die Bikepacking-Selbstversorgungsfahrt Ende April 2019 registriert. Bei vergleichbaren deutschen Events waren es meist um die 50 bis 60 Teilnehmende. Vielleicht, weil die Tour durch die geringeren Höhenmeter zunächst einsteigerfreundlicher wirkt? Doch wer auf eine gemütliche Kaffeefahrt mit ein wenig Kiesel gehofft hat, wurde schnell eines besseren belehrt. Der Hanse Gravel mag vielleicht keine richtige Bergtour beinhalten, doch auch im hohen deutschen Norden lassen sich ein paar Höhenmeter sammeln. Und diese Hügel gehörten dann zu den geringeren Herausforderungen.

Viel mehr erwartete die Teilnehmenden eine kunterbunte Mischung aller Untergründe, die man sich so vorstellen kann. Von gravelligen Feldwegen mit kleinen Kieseln und faustgroßen Steinen, über alte Lochbetonplatten, matschige Waldwege, sandkastenartige Abschnitte, über Kopfsteinpflaster unterschiedlichster Qualitäten, sowie asphaltierten Straßen und Fahrradwegen war alles dabei. Nicht zu vergessen der Wind, der mal von vorn oder von der Seite eher Bremswirkung erzeugte und glücklicherweise aber auch des Öfteren von hinten ordentlich Antrieb bot. Manchmal gab es auch Anstiege mit Sand und Kieseln und Wind. Es war also für jeden was dabei^^. Doch egal wie der Untergrund am Ende war, die Landschaft war einfach atemberaubend schön und die gesamte Route ein wahrer Augenschmaus!

Tag 1 auf der Hanse Gravel Route: Und ab geht die Fahrt!

Gestartet wurde am 25.04.2019 im Hamburger Elbpark Entenwerder in traumhafter Lage direkt an der Elbe. Dort durfte ich bereits am Vorabend einige bekannte Leute wiedersehen und neue Gesichter kennenlernen. Ein paar hatten auch im Park genächtigt. Am Donnerstagmorgen sammelten sich schließlich nach und nach die Teilnehmenden im Café auf Entenwerder zum gemeinsamen Frühstück und entspannten Start gegen 10 Uhr.

Ich war aufgeregt. Sehr. Es war toll, so viele Bekannte wieder zu sehen, sich auszutauschen, in der Sonne zu hocken und noch einen entspannten Kaffee zu schlürfen. Aber schließlich konnte ich es kaum erwarten endlich loszufahren! Und das geschah dann auch sehr schnell und irgendwie überraschend. Waren da schon welche vorher weg? Der große Stau beim Start fiel jedenfalls aus. Auch, wenn eine recht große Gruppe sich nun auf in den Hamburger Verkehr machte, um gen Norden die Stadt zu verlassen, lief alles recht geordnet und unkompliziert.

Zusammen mit Phil, den ich ewig nicht gesehen hatte, und ein paar anderen ging es gegen 10 Uhr wirklich aufs Rad und der erste Hanse Gravel nahm seinen Lauf. Cap #58 rollte an und konnte übrigens während der Tour via Spotwalla verfolgt werden. Das Feld der Mitfahrenden zerzog sich spätestens durch die Ampeln in der Innenstadt, an der ich schließlich auch den Anschluss zu Philipp verlor. Entlang der Alster und raus aus Hamburg war ich allein unterwegs. So allein, wie man eben sein kann, wenn mehr als 150 andere Radfahrende zur gleichen Zeit auf dem gleichen Track unterwegs waren. Ich war hin und her gerissen, ob ich weiterhin Tempo machen sollte oder eher gemütlicher diese wirklich traumhaft schöne Route entlang der Alster genießen sollte. Ich entschied mich für eine Kombination aus beidem.

#dertrackistdertrackistdertrack

Das ständige Absteigen aufgrund von Treppen an Flussuferweg noch in Hamburg sorgte für Entschleunigung und bei zahlreichen Fußgängern an diesem sonnigen Frühlingstag oft für ein Kopfschütteln. Warum nahmen diese Rüpelradler nicht einfach den leichteren Radweg an der Straße weiter oben? Ich sollte mich später noch des Öfteren fragen, warum ich nicht die glatte Parallelstraße nahm und stattdessen lieber mit dem Rad übers Feld hoppelte. Aber: #dertrackistdertrackistdertrack!

Eine kleine Fliege fand den Weg in mein Auge und drückte neben der Kontaktlinse herum. Ich versuchte mich während der Fahrt davon zu befreien, war mir aber nicht sicher, ob ich es geschafft hatte, den Störer in meinem Auge zu erwischen. Doch ich wollte nicht anhalten. Ich wollte fahren, in die Pedale treten, meine Beine spüren, um das Rad dann wieder rollen lassen und erneut kräftig zu pedalieren. Die Fliege musste bis zur ersten Pause warten.

Immer weiter in Begleitung

Ich fand Anschluss an ein paar Leipziger, unter denen auch ein weiteres Veloheld IconX am Start war. Caros rote Rakete war ebenso wie meine Libelle ein Augenschmaus und auch sonst fühlte ich mich in der Gesellschaft der Anderen ganz wohl. Vor allem als wir nach knapp 40 km bereits an einem Gutshof hielten und den ersten Kuchenstopp einlegten. Dort trafen wir auch auf andere Hanse Graveller. Ich freute mich sehr, als kurz darauf Martin eintraf, den ich bereits auf der Gravelspartakiade in “echt” kennenlernen durfte und am Start aus den Augen verloren hatte. Auch Michael blieb zunächst bei uns. Mein Retter in der Not hatte mich kurz zuvor wieder aufgerichtet, als mein Rad mich beim zur Seite kippen, halb begraben hatte. Mein Versuch, ohne richtig abzusteigen über einen Baumstamm zu klettern, war nämlich grandios gescheitert…

Von da an radelten wir als Gruppe weiter. Während einige der Leipziger immer mal wieder “ballernd” verschwanden, rollten wir anderen gleichmäßig durch die Frühlingslandschaft. Der grellgelbe Raps strahlte im Kontrast zum leuchtendblauen Himmel und das frische Grün der Bäume harmonierte perfekt mit dieser natürlichen Farbgewalt. Ich kam nicht umhin, mich öfter einmal seufzend umzuschauen und diese tollen Ausblicke zu genießen. Schön war dieser Streckenabschnitt. Sehr schön. Auch, wenn es immer wieder hoch ging und anstrengender wurde, fuhren sich doch selbst die Kieselwege sehr gut.

Fotostopp mit Aussicht

Ich gab mir Mühe, regelmäßig die Sonnencreme aufzufrischen. Es war recht warm in der Sonne und über 20 °C und die stetige Bewegung ließen mich langsam ins Schwitzen kommen. Am Nachmittag hatte ich leichte Kopfschmerzen und vermutlich wieder zu wenig getrunken und gegessen. Zum Glück bekam ich das in den nächsten Stunden und Tagen besser in den Griff. Doch die Aussichten waren die Anstrengungen wert und das Schieben ab und zu, trainierte auch die Arme gleich noch mit ;-). Der ein oder ander Fotostopp musste natürlich auch sein. Und wenn er nur eine Ausrede zum Durchatmen und Luftholen nach einer kleinen Kletterpartie darstellte – oder, um die anderen beim Schieben zu fotografieren^^.

Die erste Tagesetappe auf der Hanse Gravel Route führte mich von Hamburg über zahlreiche kleine Orte nach Lübeck. Von dort ging es auf schmalen, ruckelnden Pfaden entlang der Trave durch teilweise sehr beschauliche kleine Fischerorte. Die Ausblicke waren genial, aber die Wegqualität mehr als fragwürdig. Die teils kaputten Pflastersteine zerrten ordentlich an den Kräften und Handgelenken. Die Shuttlebuspause kam da ganz recht und der Einstieg verlief ohne langes Warten. Der Bus mit Fahrradanhänger brachte Fußgänger und Radfahrende kostenfrei und unkompliziert durch den Herrentunnel. Von dort ging es für uns mit dem Rad weiter nach Travemünde und mit der Fähre rüber nach Priwall.

Radelmädchen und die drei bis fünf M

Meine Begleitung wechselte ab und an, doch bis zum ersten Abend bildete sich eine Gruppe heraus, mit der ich unerwarteterweise bis zur Ankunft in Stettin zusammenbleiben sollte: Radelmädchen und die drei bis fünf M. Manchmal ging ein M auf dem Weg verloren, wurde aber dann durch ein anderes ersetzt oder gesellte sich später freudig wieder hinzu. Am vorletzten Abend nahmen wir schließlich noch A auf, welchen wir unterwegs immer mal wieder in Begleitung eines bekannten Hamburger Fahrrad-Influencers 😉 getroffen hatten. Wir haben A schließlich aufgund gegenseitiger Sympathie und guter Eingliederung bis Stettin behalten. B war nur am vorletzten Tag bis zum Abend dabei. Umso größer war die Freude, sie heil und gut angekommen am Sonntagabend in Stettin wiederzutreffen!

So wurde aus der Ich-zieh-mein-Ding-durch-Selbstversorgungstour eine Gruppendynamische-Genusstour, auf der ich so viel gelacht habe, wie schon lange nicht mehr beim Radfahren. Egal wie wurzelig und wirklich unangenehm holprig der Weg wurde, egal wie bescheiden und anstrengend der knöcheltiefe Sand am Ende des ersten Tages war, wir sind da zusammen durch. Mein Rücken schmerzte, mein Hintern war irgendwann wund von der Wärme und dem Satteldruck und die Hände hatten Druckstellen. Doch die gemeinsamen Stärkungs-Pausen vorm Discounter, die viel zu gewürzten Pommes auf dem Rewe-Parkplatz zum Abendessen und das Bierchen am Abend mit Schnack und Ausblick ließen mich schnell darüber hinweg sehen.

Innerhalb kürzester Zeit harmonierten wir sehr gut zusammen, akzeptierten und amüsierten uns über die Sonderbarkeiten der anderen. Sicher gab es Momente, in denen ich mal kurz genervt war oder einfach weiter wollte (Nahrungsaufnahme half da meist schnell wieder drüber hinweg!). Doch im Großen und Ganzen machte genau diese bunt gemischte Truppe zusammen mit der wunderschönen Landschaft, den Hanse Gravel 2019 für mich zu dem einmaligen Erlebnis, das es am Ende war. Und sie sorgte dafür, dass ich das Essen während der Reise nicht vergaß.

Nachtlager am Wegesrand

Apropos Essen: Mein Plan für den ersten Tag war, bis nach Grevesmühlen zu fahren, dort einzukaufen und dann ein feines Futter- und Schlafplätzchen zu finden. Knapp 150 km sollten dann auf dem Tacho stehen, was genau dem entsprach, was ich mir so locker vorgenommen hatte.

Nach dem Einkaufen war es mittlerweile kurz nach 20 Uhr und Ziel war es, noch im Hellen einen Lagerplatz für die Nacht zu finden. Also ging es zunächst raus aus der Kleinstadt. Der Plan noch schnell in einen See zu hüpfen, wurde jedoch aus Zeitgründen verworfen. Feuchte Tücher und Katzenwäsche mussten reichen um Sand und Schweiß des Tages abzuspülen. Und davon gab es reichlich dank der trockenen Wege, dem Wind und dem Traktor, der uns den halben Acker vor die Räder und in die Gesichter gepustet hat.

Dafür konnten wir noch in der Dämmerung unsere Räder paralell zu einer langegzogenen Treppe den Berg hinauf schieben. Am Gipfel wartete ein kleiner Aussichtsturm, der sofort als Nachtlager festgelegt wurde. Und wir waren nicht allein mit dieser Idee. Schlussendlich schliefen bestimmt 12 Leute am Fuße und auf der Turmplattform. Da dieser Ort direkt am Track lag, konnten wir auch viele Lichter von anderen Gravellern in der Dämmerung vorbeiziehen sehen. Selbst mitten in der Nacht kamen noch drei müde Radfahrende hinzu (Die erste Begegnung mit A nach dem Start, noch im Schlepptau mit H und C).

Danke an Marcus d. für das Treppenfoto

Feierabend, Tag 1

Und so war der erste Tag geschafft. Schlafsack und Biwaksack lagen auf einer Luftmatratze kuschelig auf einer Bank und windgeschützt hinter dem Aussichtsturm. Ich brauchte noch einen Moment, bis ich wirklich schlafen konnte, zu aufregend war der Tag gewesen. Doch ich schlief schließlich relativ gut, ohne zu frieren. Mit Anfahrt nach Entenwerder waren es 165 km gewesen, die ich mit dem Rad zurückgelegt hatte. Knapp 9 Stunden hatte ich im Sattel verbracht und ca. 800 hm erklommen. Gut, für den ersten Tag 🙂 und mehr als ich zu hoffen gewagt hatte.

Hamburg-> Bad Oldesloe-> Lübeck-> Travemünde-> Grevesmühlen: ca. 150 km, Durchschnitt ca. 18 km/h


tbc.

Hanse Gravel 2019

Der Hanse Gravel ist eine Bikepacking Abenteuerfahrt im Selbstversorgermodus. Auf den Spuren der Hanse folgen die Mitfahrenden dem Hanseatenweg von Hamburg nach Stettin.
 
“Der Weg orientiert sich am Verlauf alter Handelsrouten und soll sowohl an die Bedeutung der Hanse erinnern als auch zur europäischen Völkerverständigung beitragen.”
(Zitat Website hansegravel.com)

Der Hanse Gravel findet 2019 zum ersten Mal statt und ist eine 625 km Gravel-Tour durch den Norden Deutschlands bis ins polnische Stettin.  Die Teilnahme ist kostenlos, aber es wird um eine Spende an den Verein NaturFreunde Deutschlands e.V. gebeten.

Reisevorbereitung: Hanse Gravel Vorfreude & die Kunst des Packens

Am Vormittag des 25.04.2019 werden erstmalig rund 170 Bikepacking-Enthusiasten von Hamburg aus aufbrechen, um auf dem Hanseatenweg auf den Spuren der Hanse bis ins polnische zu Stettin radeln: Der Hanse Gravel 2019. Und ich werde mittendrin dabei sein! Die Aufregung steigt, die Vorfreude auch. Es ist nicht nur die Freude auf den deutschen Norden und die wunderbare Strecke durch Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern, die mich lockt. Viel mehr werde ich zumindest vor dem Start hoffentlich einige bekannte Gesichter antreffen, worauf ich mich sehr freue. Die Mitfahrenden der Gravel-Selbstversorgungsfahrt werden nämlich aus ganz Deutschland und teilweise aus anderen europäischen Ländern nach Hamburg kommen.

Die zur Tour passende Facebook-Gruppe und die vielen Diskussionen und der Austausch darin, lassen mich nur ungeduldiger werden. Gesprochen wird natürlich vor allem darüber, was mitgenommen werden soll oder wie das Fahrrad-Setup aussieht. Und übers Wetter. Und die Routenführung. Das Übliche also.

Was mit muss, muss mit – Packen leicht gemacht

Ganz klar, den Hanse Gravel werde ich mit Libelle fahren. 43mm Bereifung sollte hoffentlich auch für die sandigen und steinigen Untergründe ausreichen. Wenn da nur nicht wieder das Packen wäre… Ich gestehe, dass mich das ganze Zusammensuchen der Dinge, die ich vermutlich auf einer Radtour brauchen werde, doch ziemlich nerven kann. Seit ich nicht mehr mit klassischen Reiseradaufbau und hinteren Gepäckträger reise, hat sich die Liste der Dinge, die mitkommen zum Glück reduziert.

Doch am Ende ist es doch immer viel Kleinkram. Jedes mal wäge ich ab, was ich wirklich brauche. Langsam habe ich es aber doch raus – denke ich. Zumindest habe ich bei der letzten Reise festgestellt, dass ich selbst bei kurzfristiger Planung halbwegs gut packen kann. Bis auf die Werkstattutensilien und zwei Kleidungsstücke, hatte ich bei der Prag-Spreewald-Tour Anfang April 2019 auch tatsächlich fast alles genutzt.

So lange ich mein Rad noch tragen kann, passt das mit dem Gepäck:-D. Bild von Florian Ebert.

Das ist schonmal ein gutes Zeichen. Zum Hanse Gravel übe ich mich dann noch darin, die vorbereitete Packliste auch wirklich abzuarbeiten, damit nicht wieder so etwas Essenzielles wie die Stirnlampe zu Hause liegen bleibt. Je nach Wetterbedingungen (und die sehen momentan sehr gut aus), bleibt dann außerdem einiges an Kleidung im Schrank. Und das ist es. Keine Hexerei und kein Kocher ;-). Also vermutlich nicht. Das muss ich noch mit mir ausdiskutieren. Auf jeden Fall möchte ich unter freiem Himmel schlafen und setze voll und ganz aufs Biwakieren: Schlafsack, Isomatte, Bivvy – und raus in die Natur!

600 und ein paar Zerquetschte

Auch wenn ich nicht akkurat plane, wann ich wo sein möchte, oder wie viele Kilometer ich schaffen werde pro Tag, so habe ich mir doch meine Gedanken gemacht. Die Strecke ist knapp 610 km lang und folgt der alten Handelsroute der Hanse: Der Hanseatenweg ist eigentlich ein Wanderweg. Daher dürfen sich die Hanse Graveller wohl auf abwechslungsreichen Untergrund einstellen. Dementsprechend werde ich mal mehr, mal weniger Kilometer pro Stunde schaffen. Doch soll es mir wirklich darum gehen? Der wundervolle deutsche Norden bietet so einige schöne Landstriche und es ist doch viel zu schade, da einfach nur hindurchzujagen.

Versteht mich nicht falsch, der Hanse Gravel ist kein Rennen! Somit habe ich gar nicht den Antrieb, schnellstmöglich anzukommen. Es ist einfach eine Bikepacking-Selbstversorgungsfahrt, die René Fischer, ein erfahrener Langstreckenradler ins Leben gerufen hat. Er hat das ganz Organisatorische erledigt, den Track geplant und verfeinert, sowie die Kommunikation mit den Mitfahrenden übernommen. Fahren muss jeder Teilnehmende allein und sich dabei auch selbst organisieren. Es wird dennoch spannend, welchen Anspruch die einzelnen an sich und die Tour haben. Einige werden sicher bereits am Samstag in Stettin eintreffen und dann entweder nach Berlin weiter radeln oder mit dem Zug in die Hauptstadt zur VELO Berlin düsen. Dort wird es eine HEROINES & HEROS OF CYCLING LOUNGE geben. 2018 gab es eine Candy B. Graveller Lounge, die einige Blicke auf sich zog. Diese Tour endete allerdings auch genau auf dem Tempelhofer Flugfeld.

Routenplanung und die Sache mit der VELO Berlin

Und was habe ich nun vor? Im Prinzip einfach losfahren und schauen, wie weit ich pro Tag komme. Mein Anspruch wären ca. 150 km/Tag zu schaffen. Dann wäre ich also Sonntagabend etwa in Stettin. Oder ich lasse mir Zeit und fahre langsamer und bis Montag. Nun kommt das ABER: Ich habe bisher noch nie vier Tage am Stück so viel Strecke zurückgelegt und ich möchte zur VELO Berlin. Diese findet vom 27.-28.04.2019 in den Hangars des Flughafen Tempelhof statt. Und da haben wir den Haken: Sonntagabend ist die Messe schon vorbei. Eine Weile hat mich das sehr gestresst, weil ich natürlich wieder nichts auslassen möchte und ich auf dieser Messe ebenfalls einige Menschen treffen wollte. Aber ich habe keine Lust auf Stress. Das Ganze soll nämlich vor allem eins: Spaß machen! So habe ich für mich zwei Szenarien überlegt und werde ganz spontan etscheiden – je nachdem wie ich voran komme und wie es mir geht.

  1. Variante: Die VELO Berlin gibt es auch nächstes Jahr wieder. Im Grunde verpasse ich nichts und es wird noch andere Gelegenheiten geben, egal wie gern ich dabei sein möchte. Ich bin draußen auf dem Rad und das ist genau das, was ich genießen möchte – ohne Verpflichtungen und Termine! Also fahre ich den Hanse Gravel durch.
  2. Variante: Ich schaue, wie weit ich bis Samstagabend komme. Falls ich es bis Stralsund oder Greifswald schaffe, kann ich dort gemütlich in den Regionalzug steigen und bis nach Berlin durchfahren. Entspannt, weil ich dann am Sonntag frisch gewaschen und stressfrei zur VELO gehen kann und somit Radfahren und Messe unkompliziert verknüpfen kann. Dann geht es entweder Sonntagabend oder Montagfrüh wieder zurück und ich fahre die Strecke zu Ende – optional bis Berlin zurück. Oder radle das fehlende Stück einfach ein anderes Mal.

Kommt ihr mit?

Easy, oder? Von daher: Ich kann es kaum erwarten in den Norden zu fahren und wieder auf dem Rad zu sitzen! Mittwochvormittag steige ich in den Zug nach Hamburg, mache mir dort noch einen gemütlichen Tag, damit ich frisch und ausgeruht am Donnerstag die Tour starten kann. Und egal für welche Variante ich mich am Ende entscheide, es wird hoffentlich eine gute Zeit werden! Kommt ihr mit? Dann schaut auf jeden Fall ab dem 24.04. regelmäßig auf meinem Instagram-Kanal vorbei. Dort werde ich sicher in den Stories und auch im Feed ein paar Eindrücke der Reise zum Besten geben

Verfolgen lässt sich die Tour übrigens auch per Dotwatching. Das heißt, einige der Mitfahrenden werden ihr Vorankommen aufzeichnen lassen. Auf der Online-Karte kann man dann einen alle paar Minuten aktualisierte Standort dieser Personen verfolgen. Das steigert die Spannung und lässt die Daheimgebliebenen ein wenig mehr an der Reise teilhaben.