Schlagwort-Archive: Urlaub

Ruhemomente: Mit dem Fahrrad am Bodensee

Dieser Sommer war einfach wundervoll intensiv und ereignisreich, dass ich gar nicht mehr dazu komme, die ganzen Erlebnisse zu verarbeiten (Luxusproblem, schon klar, aber es stimmt!). Daher wollte ich das Ganze etwas entschleunigen und entschied auf meiner Reise an den Bodensee zur Eurobike 2019, mal einen Tag auszusetzen.

TRANSPARENZHINWEIS: Enthält Werbung/ Markennennungen. Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Kondrauer. Ich berichte wie immer aus meiner Perspektive, offen und ehrlich.

Ein Tag mag nicht viel sein. Aber bei bestem Spätsommerwetter und am Fuße des herrlich blauen Bodensees mit Blick auf die Alpen, fiel es mir sehr leicht, einfach mal abzuschalten. Mit im Gepäck: Faltrad Brompton Ljómi, die neue Kamera und eine Erfrischung für Zwischendurch. Denn Sonne und Wasser machen durstig und ich trinke chronisch zu wenig…

Mit dem Fahrrad von Friedrichshafen nach Meersburg

In der Vierländerregion Bodensee (Deutschland, Österreich, Schweiz und Fürstentum Liechtenstein) lässt es sich herrlich Radfahren! Um den 63 km langen See führt eine ca. 260 km lange Radroute, die durch wunderschöne (Urlaubs-)Orte und vorbei an Obstplantagen, Weinbergen und historischen Gebäuden leitet. Ganz so weit wollte ich nicht fahren, sondern viel mehr entspannen, tief durchatmen und mich mit ein bisschen Bewegung wach halten :-D.

Los ging die Tour in Friedrichshafen. Die Fahrrad-Route um den Bodensee ist sehr gut ausgeschildert. Hin und wieder ist die Strecke recht schmal und verläuft an der Hauptstraße entlang. Daher lohnt es sich teilweise auch einmal auf die andere Straßenseite zu schauen, wo der Weg oft als Zweirichtungsradweg gekennzeichnet ist. Vorbei an Obstbäumen und Weinpflanzen fuhr ich durch Fischbach über das beschauliche Immenstadt und Hagnau bis nach Meersburg. In Hagnau verweilte ich kurz am Kieselstrand. Denn die Uferpromenade ist wirklich wunderschön, lädt zum Bummeln und Verweilen auf den zahlreichen Bänken ein. Ich mache erstmal ein Fotoshooting mit Ljómi und genieße die Aussicht rüber zu den Bergen und in die Schweiz.

Mit der Fähre über den Bodensee: Auch mit Fahrrad kein Problem!

Als ich schließlich in Meersburg ankam, bewunderte ich die schon von weitem sichtbare barocke Schloßanlage (das Neue Schloß). Es gibt außerdem noch die mittelalterliche Burg Meersburg und eine hübsche kleine Altstadt. Ich bummele kurz hindurch, gönne mir ein Eis zum Frühstück und suche mir dann den Weg zum Fahrkartenschalter: Denn ich wollte Fähre fahren! Und zwar nach Konstanz, wo ich noch nie war, obwohl ich es mir in den letzten Jahren, wenn ich in der Region war, immer vorgenommen hatte. Faltrad gefaltet, rein in den Laden, Preise checken, herausfinden, dass der Mitarbeiter direkt keinen Fahrradpreis berechnet hat, grinsend mit einem Einzelfahrschein wieder rausmarschieren.

–> Fährpreise Meersburg – Konstanz:

Etwas verwirrt war ich jedoch kurz: Als ich vorher recherchiert hatte, war der Preis deutlich geringer gewesen. Das mag wohl daran liegen, dass das erste Ergebnis für die Fähre Meersburg-Konstanz die Autofähre meint. Die liegt aber etwas außerhalb. Ich zahlte 6,40 € für die Überfahrt mit der Bodenseefähre ohne Fahrrad. Dafür muss, wie in der Bahn (auch im ICE geht das so, ja), das Faltrad gefaltet an Bord genommen werden und auch so kompakt bleiben. Normale Räder kosten je nach Strecke 4,80 € oder 6,40 €. Ich ließ mir auf der ca. 45 min Fahrt mit Zwischenhalt an der Blumeninsel Mainau (die lohnt es sich bestimmt auch zu besuchen) den Wind um die Nase wehen und fühlte mich tatsächlich wie im Urlaub. Schööööön!

Konstanz entspannt

Mit vom Wind zersausten Haaren und tiefenentspannt, verließ ich am frühen Nachmittag die Fähre in Konstanz und streunerte zunächst ein wenig in der Hafengegend herum. Der Stadtgarten direkt am Wasser war sehr einladend und hat nicht nur viele ruhige Ecken, sondern verfügt auch über eine denkmalgeschützte Konzertmuschel.

Konstanz hat einiges zu bieten! Hier fand vor 600 Jahren die einzig gültige Papstwahl nördlich der Alpen statt (Konstanzer Konzil). Die älteste, seit 1607 dauerhaft bespielte Theaterbühne Deutschlands befindet sich hier auch und die historische Altstadt ist definitiv einen Besuch wert. So rollte ich durch die Straßen, schob mein Rad durch die Fußgängerzone, lauschte Straßenmusikern und suchte vor allem etwas Leckeres zu essen!

Ein Glückstreffer führte mich zu Eugens Bio Restaurant und Café. Dort gab es für mich Käsespätzle und hausgemachte Limo, während ich Passanten beobachtete und das Urlausbgefühl weiter auf mich wirken ließ.

Mit dem Katamaran nach Friedrichshafen

Für den Rückweg wählte ich den schnellen Katamaran nach Friedrichshafen. Der brauchte zwar auch knapp 45 min, legte dabei aber eine weitere Strecke zurück und ohne Zwischenhalt. Ein Einzelticket schlug mit 10,90 € zu Buche. Auch hier reichte es, das Fahrad zu falten, damit es kostenfrei mit konnte. Der normale Fahrradticketpreis lag bei 4,90 €.

Streckenvorschlag: Am Bodensee mit Rad und Fähre

Unten findet ihr meinen Streckenvorschlag bei Komoot. Kurz und knackig, denn den Großteil der Strecke legte ich mit der Fähre zurück. Zugfahren könnt ihr auch, aber das dauert deutlich länger. In Konstanz habe ich nicht mehr aufgezeichnet und hier nur beispielhaft dokumentiert, wo ich war. Ich empfehle euch aber, je nach verfügbarer Zeit, die Stadt nach Lust und Laune zu erkunden. Ich habe nur einen Bruchteil gesehen, aber es gibt dort einiges zu entdecken.

Weitere Tourenvorschläge und Tipps zum Radfahren findet ihr übrigens auch im Radl-Blog von Kondrauer.

Ein Wochenende in Warschau – Zwischen Glas & Backstein

Reges Treiben herrschte am Hauptbahnhof in Warschau, der unterirdisch im Zentrum der Stadt liegt. Wenn man den Haupteingang verpasst, steht man plötzlich mitten drin im Trubel eines der vielen Einkaufszentren der Hauptstadt Polens. Finden die Reisenden schließlich den Weg hinaus, erstaunen zum einen die Hochhäuser des modernen Geschäftsviertels mit ihren verglasten 30-stöckigen Stahlbauten, zum anderen thront der berühmte und bei den Warschauern zugleich verhasste Kulturpalast wie eine mehrstöckige Torte aus Stein mit allerlei Zierrat imposant über allem auf. Die erste Begegnung ist ziemlich beeindruckend und ein Sinnbild für diese diverse Stadt, die sich in vielen Facetten zeigt.

Hinweis: Enthält persönliche Empfehlungen für Lokale und Orte. Kann man also als Werbung ansehen, ist aber ohne Auftrag.


Ein Wochenende in Warschau zu verbringen war zugegebenermaßen nicht die erste Idee, die ich hatte, als das nahezu jährlich stattfindende Mutter-Tochter-Wochenende endlich einen greifbaren Termin gefunden hatte. Wien stand ganz oben auf der Liste oder doch Venedig? Vielleicht doch irgendwo in Deutschland bleiben? Aber mir war nach etwas ganz Neuem. Mein Blick scannte die digitale Karte und blieb im Osten Europas immer wieder hängen. Was ist eigentlich mit Polen? Von Berlin aus gab es einige gute Zugverbindungen in die Städte des polnischen Nachbarn. Auch in einigen Reiseblogs fand die Hauptstadt Warschau Anklang und das Prädikat sehenswert. Mutti war angetan und die Preise für Zugtickets, sowie die Hotelkosten überschaubar. Zack! Gebucht.

Anreise

Freitagfrüh rein in den Zug, Montagmorgen wieder zurück: In 6,5 Stunden bringt einen der polnische EC mit Platzreservierung von Berlin Hauptbahnhof nach Warsawa Centralna, dem Warschauer Hauptbahnhof. Wer früh startet, ist bereits um 13 Uhr dort und hat noch den halben Tag vor sich. Perfekt für uns! Mit dem Flieger geht das wohl schneller, aber auch weniger umweltfreundlich und entspannt. Wenn die vielen Felder, sumpfigen Wiesen und großen Flüsse, sowie zahlreiche Vögel und andere Wildtiere am Zugfenster vorbeiziehen, vergeht die Zeit außerdem unterhaltsam und schnell. Gratis Wasser und Kaffee gibt es im polnischen Zug übrigens auch. 35 € pro Person und Strecke konnten sich ebenfalls sehen lassen. Wer sein Fahrrad mitnehmen möchte, kann dafür außerdem einen Stellplatz reservieren.

Unterkunft

Zahlreiche Hotels im Zentrum bieten in verschiedenen Kategorien preiswerte Unterkünfte mit tollen Aussichten – in Mirów zum Beispiel geht es in die Höhe hinaus. Einige Hotels haben Zimmer bis in die 29. Etage: Unten Bürohaus, oben Hotel mit einem großartigen Blick über die Stadt. Von Ferienwohnungen bis Mehrsterne-Hotels ist die Auswahl groß.

Praktisch: Wir konnten überall mit Karte zahlen, sodass allein die Umrechungsaufgabe von Zloty in Euro eine kleine Herausforderung war (und dafür gibt es ja Mobile Apps ;-)). Ansonsten haben wir quasi nie Bargeld gebraucht.

Fortbewegung in Warschau

Während eines Stadturlaubs legt man ja bekanntlich so viele Kilometer zu Fuß zurück, wie wohl in der eigenen Stadt sonst nie. (Es sei denn, man ist mit dem Fahrrad unterwegs…ok, ich habe mein Brommie hin und wieder schon vermisst.). Und wir liefen: Fast 18 km am ersten, 24 km am zweiten und 15 km am dritten Tag war unsere Statistik. Dabei wäre der nächste Bus oder die Tram meist gar nicht weit weg gewesen. Doch dann wäre uns ja vielleicht etwas entgangen!

Warschau ist eine moderne Großstadt, mit vielen großen Plätzen und breiten Straßen. Der motorisierte Individualverkehr läuft leider auf den zahlreichen Verkehrsachsen sehr stark. Dabei verfügt die Stadt über ein sehr gut ausgebautes System der öffentlichen Verkehrsmittel. Nicht nur unzählige Straßenbahnlinien, sondern auch Busse und sogar zwei U-Bahnlinien (Ost-West und Nord-Süd-Verbindung) ermöglichen ein flüssiges Vorankommen in der gesamten Stadt – auch ohne Auto. Günstig ist es für unsere Verhältnisse auch noch. An den Ticketautomaten in der Stadt bzw. in den Bahnen gibt es 20, 75 und 90 Minuten-Tickets schon ab rund einem Euro.

Mit dem Fahrrad durch Warschau

Ich war dieses Mal leider ohne Fahrrad unterwegs, doch konnte ich besonders im Zentrum viele breite, separate Radwege entdecken. Die Fußgängerübergänge sind, wie ich es auch schon in Posen gesehen habe, mit Zebrastreifen gekennzeichnet. Teilweise verlaufen die Wege etwas unstetig und im Zick-Zack, doch ich habe sie auf langen Strecken durchgängig wahrnehmen können. Auch hier gibt es die bei uns üblichen blau-weißen Schilder mit Fahrradsymbol.

Leihräder bekommt man nicht nur bei einigen Hotels auch große Anbieter haben feste Stationen, die jedoch im Winter nicht durchgängig besetzt sind. Auffällig sind die grünen Elektroroller, die sich scheinbar großer Beliebtheit erfreuen und überall im Stadtbild zu finden sind.

Futter!

Die polnische Küche hat so einige Leckereien zu bieten. Mein Favorit sind nach wie vor die unterschiedlich gefüllten Pierogi (mit und ohne Fleisch), kleine Teigtaschen, die sehr sättigen und meist nur in Butter geschwenkt genossen werden. Wie in jeder Großstadt, kann man auch in Warschau leckeres Essen aus der ganzen Welt finden und auch Vegetarier und Veganer kommen auf ihre Kosten. Neben dem Veganen Ramen Shop (Kazimierzowska 43) in Stary Mokotów, gibt es in Mirów auch einen Vegan Street Food Restaurant (Żelazna 58/62) mit dem Namen Mango. Beide sind definitiv zu empfehlen.

Und dann sind da noch die süßen Schlemmereien, wie die dickflüssige, heiße Schokolade mit verschiedenen zusätzlichen Zutaten und unterschiedlichem Schokogehalt oder die Kuchen und Torten mit Baiser und Sahne in den Konditoreien und Cafés.

Meine Warschau Top 7

1. Stare Miasto – die bunte Altstadt an der Weichsel

Kein Warschaubesuch ohne einen Abstecher in die wunderschön sanierte Altstadt mit dem berühmten Altstadtmarkt und den bunten Häusern.  Im Winter befindet sich mitten auf dem Marktplatz eine Schlittschuhlauffläche und man bekommt an jeder Ecke heißen Glühwein. Auch die alte Stadtmauer aus rotem Backstein und die vielen kleinen Türmchen und Kirchen lohnen einen näheren Blick. Besonders am Wochenende ist ordentlich etwas los auf der Straße vor dem Warschauer Königsschloß, das imposant direkt am Hang mit einem großen Garten zur Weichsel hin thront. An der Krakowskie Przdemiéscie liegt außerdem auch der Präsidenten Palast und weitere sehenswerte historische Gebäude. Wir waren bereits am Freitagnachmittag dort, was eine gute Entscheidung war, wenn man die Mengen an Menschen anschaut, die am Sonntagmittag dort umherwandeln.

2. Von Park zu Park – ein Spaziergang durch den
ŁazienkiPark

Warschau hat sehr viele, sehr schöne Grünflächen zu bieten. Der größte ist mit ca. 80ha der ŁazienkiPark, zu dem man laufend vom Zentrum aus per Park-Hopping gelangt ;-). Denn es liegen noch ein paar kleinere Grünflächen auf dem Weg, die ebenfalls sehr schön sind. Parallel zur Weichsel geht es also von Grün zu Grün, bis man schließlich in dem großen Park im Süden ankommt. Dieser hat nicht nur einen Botanischen Garten zu bieten (der im Winter leider nicht geöffnet hat), sondern auch den Belvedere Palast, der früher die Residenz des polnischen Präsidenten darstellte. Berühmt ist der Wasserpalast, der auf einer Insel umgeben von Wasser steht. Statuen und Denkmäler sind ein großes Thema in Warschau und auch der Łazienki-Park hat einige davon zu bieten. Chopin, Kopernikus oder Seejungfer (das Wappensymbol Warschaus) – überall finden sich Steinmale und Figuren.

Neben einer großen Wasserfläche und der Alten und Neuen Orangerie flaniert es sich ganz hervorragend – auch bei kühleren Temperaturen. Mit etwas Glück trifft man den dort lebenden Pfau, der gern seine Federn in die Sonne reckt und sich dabei genüsslich putzt. Leider ist das Radfahren im Park nicht erlaubt. Schade, bei den vielen breiten Wegen.

hui

3. Fahrradliebe in Warschau – der Bike & Coffee Shop Kolarski in Sielce

Weiter nach Süden laufend, gelangt man nach ca. 1,5 km zum kleinen Fahrradladen Kolarski, der nicht nur hochwertige Renn- , Gravel und Urban Bikes führt, sondern auch über eine attraktive Kaffeebar verfügt. Ob man den Kaffee dann frisch gebrüht auf dem bequemen Sofa im Shop zu sich nimmt oder an einem kleinen Tischchen draußen in der Sonne – einladend ist beides allemal. Und dann kann es auch frisch gestärkt weiter gehen, zu Fuß, mit der Bahn oder dem Rad.

4. Stary Mokotow und Srodmiescie Poludniowe – über die Marszalowska zurück ins Zentrum

Nachdem Käffchen im Radladen führte ich uns zugegebenermaßen etwas im Zick-Zack durch Wohngebiete und etwas weniger spannende Gebiete. Bis wir schließlich im Bezirk Stary Mokotow ankamen. Dort gibt es einige kleine, spannende Läden und Cafés, wie einen veganes Schuhgeschäft oder den Vegan Ramen Shop mit sehr leckeren Suppen. Besonders auf der Straße direkt zurück ins Zentrum, der Marszalowska, auf der ich mich aufgrund der sozialistisch-realistischen Architektur zeitweise in die Berliner Karl-Marx-und Frankfurter Allee hin versetzt gefühlt habe: Lange, gleichförmige und imposante Bauten, teilweise sogar mit übergroßen, menschlichen Arbeiter-Figuren in die Wand gehauen. Es gibt dort immer etwas zu entdecken und ein Spaziergang diese lange Straße hoch, lohnt auf jeden Fall. Neben den Restaurants, dem Theater und Kino, kann man sich an jeder Ecke niederlassen, um in einem hippen Café im Kuschelsessel Cappuccino zu schlürfen oder einen dieser großartigen Kuchen zu genießen.

5. Zwischen Moderne und Vergangenheit – Stahl, Glas und Backstein in Muranow und Mirów

Warschau hat eine bewegende Geschichte und durch die Stadt laufend, erinnern nicht wenige Denkmäler, Statuen und Gebäude an die schwere Kriegszeit, die viel in der Stadt zerstört hat. Zentral vor dem Ogród Saski Park liegt das “Grab des unbekannten Soldaten”, welches an die vielen Kriegsopfer erinnern soll. Dort stehen stets zwei wachende, uniformierte Soldaten.

Wo damals das Warschauer Ghetto zwischen der Altstadt und dem Zentrum lag, erstreckt sich heute teilweise das Wohnviertel Muranow. Die Lücken und zerstörten, alten Häuser weichen in Mirów der Moderne des wachsenden Geschäftsviertels mit unzähligen Hochhäusern und Baustellen. Immer wieder zeugen alte, unrenovierte Backsteinbauten, an denen die Fassade schon lange blättert oder gar nicht mehr vorhanden ist, von vielen Jahren des Bestands. Der große Kontrast in der Architektur entsteht durch die mehrstöckigen Plattenbauten und die dem sozialistischen Realismus entsprungenen Wohnblöcke.

Das alles vermischt sich zu einem spannenden Mix einer Großstadt, die vor Sehenswürdigkeiten strotzt. Und über allem ragt der 1955 fertiggestellte Kultur- und Wissenschaftspalast (Palac Kultury i Nauki) empor, der offiziell ein Geschenk der Sowiet Union war, aber unter den Polen in Warschau genau deshalb nicht sonderlich beliebt ist. Ein Machtysmbol der Russen mitten in der Stadt, das man nicht so einfach übersehen kann. Das denkmalgeschützte Gebäude beherbergt nicht nur Theater und Museen, sondern auch die höchste Turmuhr der Welt.

6. Ostseits der Weichsel: Abstecher nach Praga

Ich liebe es abseits der üblichen Touristenpfade unterwegs zu sein. Auch wenn einige Orte natürlich Pflicht sind, lohnt meist ein Abstecher in weniger frequentierte Ecken. Die meisten Sehenswürdigkeiten in Warschau befinden sich auf der Westseite der Weichsel, doch ein Gang auf die andere Seite des breiten Flusses lohnt nicht nur wegen des schönen Panoramablickes auf das gegenüberliegende Flussufer und die Altstadt. Es lässt sich auch wunderbar am wilderen, natürlicheren Ufer spazieren gehen – ein Gegensatz zur glatten Betonpromenade auf der anderen Flusseite. Neben weiterer schöner Parks und dem Warschauer Zoo befinden sich in Stara Praha, dem “alten Prag” außerdem spannende Zeitzeugen der Warschauer Geschichte: So wie das große Gebäude der Verkehrsbetriebe, an dem sich noch Einschusslöcher aus dem 2. Weltkrieg erkennen lassen.

Oder die Ząbkowska Straße mit teilweise sehr alten Gebäuden wie der Wodka Fabrik aus rotem Backstein und dem Haus im Haus, bei dem die alte Außenfassade an einen Neubau angegliedert wurde. Sehr krass macht sich in Stara Praha der Kontrast zwischen alter, unsanierter Baustruktur und frisch verputzer Fassade bemerkbar. Einige Häuser verfallen deutlich und Auffangnetze für abbröckelnde Mauerteile befinden sich an vielen Gebäuden. Direkt daneben steht wiederum ein strahlender Neubau mit Glas und glatter Fassade.

7. Street Art in der ganzen Stadt

Es ist nicht wirklich örtlich eingrenzbar, aber es lohnt sich in Warschau immer, auch einmal einen Blick in die alten Hinterhöfe oder an die Hauswände zu wagen. Es finden sich oft kleine und große Kunstwerke, teilweise mit politischen Botschaften, teilweise ganze Wände bedeckend, manchmal nur ganz klein. Besonders in Stara Praha sollte man genauer hinschauen.

Warschau lohnt sich!

Warschau ist überraschend, bunt und vielfältig. Die polnische Hauptstadt ist auch im Winter einen Besuch wert, doch gerade bei wärmeren Temperaturen eine tolle Stadt, um in den vielen Parks und durch die weiten Straßen und über die großen Plätze zu spazieren. Diese Weite und Diversität hat mich doch an einigen Stellen an Berlin erinnert. Ich habe mich sicher und frei beweglich gefühlt. Würde ich nochmal hin? Auf jeden Fall! Denn es gibt deutlich mehr zu sehen, als wir es in 2,5 Tagen schaffen konnten. Allein die vielen Museen und Denkmäler lassen sich unmöglich in so kurzer Zeit anschauen. Also ab in den Osten und nächstes Mal hoffentlich mit Fahrrad!