Berliner Fahrradschau 2016

Vorbei ist sie, die Berliner Fahrradschau (BFS) 2016 und schön war es wieder. Ich habe das Gefühl, dass ich mich jedes Jahr mehr darauf freue und es kaum erwarten kann, wieder in die Hallen der Station Berlin zu gehen und in die inspirierende Atmosphäre der weltweit einmaligen Messe  einzutauchen.

Es sind drei Tage in denen es so viel zu entdecken gibt, was es Neues in der Fahrradszene u.a. in den Bereichen Lifestyle, Handmade, Velocouture und E-Mobility gibt. Es ist Zeit interessante Menschen zu treffen, sich auszutauschen und kennenzulernen.

Am Freitag während der Pressekonferenz wurde nicht nur ein Rückblick auf die vergangene Berlin Bicycle Week und ein Ausblick auf die siebte Fahrradschau gegeben, sondern auch der Greentec Award erstmals in der Kategorie Bike verliehen.  Vergeben unter der Schirmherrschaft der Berliner Fahrradschau,  gewannen die Erfinder des berührungslosen Felgendynamo Magnic Light. Damit setzten sie sich unter anderem gegen Nominierte wie Ribcap, die modische und schützende Caps herstellen oder  VANMOOF Electrified S, dem schlausten Rad der Welt durch.

Preisverleihung GreenTecAward mit Marco Voigt, Fares Gabriel Hadid und Dirk Strothmann von magnic light
Preisverleihung GreenTecAward mit Marco Voigt, Gründer des Awards, Fares Gabriel Hadid, Geschäftsführer der Berliner Fahrradschau und Dirk Strothmann von magnic light

Auch die Vizebürgermeisterin von Wien, Maria Vassilakou, war aus einem ganz besonderen Grund anwesend: Vom 21.-23.10.2016 findet erstmals die Wiener Fahrradschau statt. Das Konzept aus Berlin soll übernommen werden und Wien die Möglichkeit haben, sich als Fahrradstadt zu präsentieren.

Um 18 Uhr öffneten die Türen der Station zum Late Night Opening und die Fahradschau 2016 war offiziell eröffnet.

URBAN LIFESTYLE

My Boo

In der Eventarea URBAN LIFESTYLE kam ich nicht umher bei Felix von MyBoo und ihren Bambusfahrrädern vorbei zu schauen. Diese einzigartigen, handgefertigten Räder stelle ich demnächst hier auf radelmädchen.de ausführlich vor. Schließlich durfte ich vor kurzem sogar eins ausleihen. Allgemein waren viele Varianten an Holz- oder Bambusrädern zu sehen. Ein neuer Trend?

Ein Stück weiter fällt ein schlankes, mattschwarzes Transportrad sofort ins Auge: Kafeneion, ein griechischer Feinkostanbieter mit Sitz in Berlin hat in Kooperation mit VeloLab ein Cargobike schaffen lassen, dass nicht nur mit 18 kg sehr leicht ist, sondern auch wendig und komfortabel. Damit werden die biologischen Feinkostartikel von Kafeneion in bis zu 16 km Umkreis geliefert.

Falträder bei Boxbike

Gleich in der Nähe befand sich der Stand mit den Falträdern von  boxbike, wo ich eine unglaublich inspirierende und angenehme Unterhaltung mit dem Inhaber Patrick führen durfte, der voller Begeisterung von seinem Ladenkonzept und den kleinen Rädern spricht. Ich muss zugeben, nachdem ich so viel von Miriam und ihrem Brompton #Fiete gelesen und gehört habe, bin ich langsam auf den Geschmack gekommen. In Berlin ist Boxbike die Adresse für Klappräder Falträder aller Art. Immer wieder neue Marken und Styles lassen sich in Patricks Laden entdecken. So wie die Kleinen vom japanischen Anbieter Tyrell, die in verschiedenen Varianten auf der BFS zu sehen waren.

Auf den Schlips getreten

Auch große Fahrradhersteller, wie Specialized, waren vertreten. Die allerdings leisteten sich ein interessantes Marketingmanöver. Nicht alle nahmen das so gut auf, wie die Besuchern, die ein Foto mit den beiden anwesenden Bunnys zur Promotion der Playboy-E-Bike-Edition aufnahmen. Man könnte meinen die Marke sei in alten Denkmustern hängen geblieben, wo Frauen hübsches Beiwerk für ein Männerprodukt sind und mehr nicht.

Ein Blick in die große Halle der Station. Im Hintergund die beiden Grazien im Bunnykostüm.
Ein Blick in die große Halle der Station. In der Mitte links die beiden Grazien im Bunnykostüm.

VELOCOUTURE

Mode und Accessoires: House of Astbury und goodordering

Wie auch im letzten Jahr verschlug es mich am ersten Abend sehr lang in den VELOCOUTURE-Bereich. Dort gesellte sich eine spannende Marke neben der anderen und präsentierte neue Produkte rund um das Fahrrad, Accessoires und Mode. Besonders in Erinnerung blieb mir z.B. das Londoner Label House of Astbury mit ihren reflektierenden Prints, die Mode für selbstbewusste, punkige Frauen machen. Sie waren auch am Vorabend bei der Womens on the ride-Nacht im gestalten space Mitte anwesend und präsentierte sich dort als ein von Frauen gegründetes Unternehmen mit innovativen Ideen.

Gleich nebenan gab es die vielfältigen und praktischen Taschen fürs Fahrrad von goodordering. In den vielen kleinen Täschchen lassen sich perfekt die wichtigen Dinge des Alltags verstauen und auf dem Rad transportieren.

Alberto Denim

Aufgefallen sind auch die Jeans von Alberto, ein Mönchengladbacher Unternehmen, dass seit 1922 Hosen fertigt und seit Januar 2016 die Fahrradjeans Bicicletta für Frauen und Bike für Männer im Angebot hat. Sie trumpft auf mit reflektierenden Details (leider in Pink in der Damenversion), einem super Schnitt und Umweltfreundlichkeit bei der komplett wasser- und schmutzabweisenden ecorepel®-Beschichtung.

Ripcap

Während ich mir die vielfältige Auswahl der bunten, faltbaren Caps von Ripcap anschaue, lasse ich mir das GreenTec-Award nominierte Prinzip der Kappen erklären. Das atmungsaktive Material ist ein zweischichtiger Schaum, der sich an den Kopf anschmiegt, einerseits weich ist, andererseits eine festere äußere Schicht besitzt, die bei Kälte noch etwas fester wird und schockabsorbierend wirkt. Die Kappe ist leicht, waschbar und wird komplett in Europa hergestellt. Sie ist kein Helm, aber eine stylische Variante der Kopfbedeckung, wenn man sich ganz ohne unwohl fühlen sollte. Sie schützt den Kopf vor Kratzern, Abschürfungen und Kälte. Die Sommerversion verfügt auch über Lüftungsöffnungen. Allerdings würde ich das gern erstmal testen, da die Ripcap dennoch recht warm wirkt.

Recycling-Schönheiten

Ansprechend fand ich auch Luise und Carlito und die anderen Kreationen von Berlin-Re-Cycling. Der in Berlin ansässige Künstler Stuart schafft aus recycelten Fahrrädern Kunstobjekte und Einrichtungsgegenstände, wie kleine und große Lampen.

Natürlich war ich auch wieder sehr begeistert von der HANDMADE-Sektion, auch wenn ich es selbst in zwei Tagen nicht geschafft habe, mich dort in Ruhe umzuschauen. Das who is who der Rahmenbauer war vertreten und besonders Stahlrahmenliebhaber kamen auf ihre Kosten.

E-MOBILITY und TRAVEL & TOUR

Vom Volksentscheid und Fahrradboxen

Ein Blick in die E-MOBILITY und TRAVEL & TOUR Halle musste dann aber noch sein. Nicht nur der Volksentscheid Fahrrad war hier vertreten und informierte über sein Anliegen. So traf ich auch Claudine von veloeasy, die ihre abschließbaren und per App steuerbaren Fahrradboxen dabei hatte und warf einen Blick in diese. Vor kurzem wurde die erste veloeasy-Box in Berlin Lichtenberg aufgebaut. Am 29.03.2016 wird die zweite in Karlshorst folgen. Ein tolles Konzept, dass definitiv einen Test wert ist.

Diebstahlschutz 4.0

Weil es so schön ist, dass mal alle an einem Ort zusammen kommen, musste ich natürlich auch die Fahrradjäger besuchen. Ende 2014 riefen die Rostocker mit ihrem crowdbasiertem Diebstahlschutz insect erfolgreich bei startnext  zum crowdfunding auf. Nach einem kleinen, netten Plausch mit Steffi und einem Beweisfoto (vorsorglich sollte ich das nächste Mal mehr schlafen vorher), dass ich am Stand war, ging es weiter.

EVENT AREA

Zum Abschluss gab es noch einen Ausflug in die EVENT AREA, wo die Springedition des BärlinPedälBättle die Radwettkampfwelt mit Humor und einer ordentlichen Prise Mittelalter präsentierte.
Wer es klassischer mag, konnte u.a. den Radparcours, das Bikepolo oder Kunstradfahren anschauen und bestaunen.

Fazit:

Es war voll, es war bunt, kreativ und unterhaltsam. Mir gefällt, dass das Portfolio der Aussteller jedes Jahr größer wird, jedoch habe ich das Gefühl, die Veranstalter bemühen sich zu sehr jeden Bereich abzudecken – selbst, wenn die Anzahl der Aussteller nicht immer ausreichend ist. Die Kategorie TRAVEL & TOUR  z.B. war quasi nicht existent, da kaum Stände vorhanden waren und man diese leicht übersehen konnte. Die Ticketkassensituation und die fehlende Garderobe waren nicht so optimal. Die hohen Standgebühren sind gerade für kleine Marken eine Hürde und die Musik war besonders am Freitagabend so laut, dass man sich kaum unterhalten konnte. Auch, wenn ein innovatives Messekonzept dahinter steht, letzendlich wollen die Aussteller sich präsentieren und auch verkaufen.

Dennoch: Es ist eine tolle Messe, die ich jedes Jahr wieder genieße und eine einmalige Gelegenheit Kontakte zu knüpfen und Neuheiten zu entdecken. Die Vielfalt und die entspannte Stimmung laden ein, das ganze Wochenende auf der Berliner Fahrradschau zu verbringen. Ein Tag ist längst nicht mehr ausreichend um alles in Ruhe erkunden zu können.

Danke Miri von hamburgfiets und Wiebke von womenroll für das gemeinsame Erkunden und austauschen. Schön euch wieder gesehen zu haben!

Ich freue mich schon auf die nächste Berliner Fahrradschau!

Den Bericht von hamburgfiets gibt es hier.
Der Beitrag von St.Pedali ist definitiv auch sehr lesenswert und noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

 

 

 

 

6 Gedanken zu „Berliner Fahrradschau 2016“

  1. Danke für den kleinen Überblick (ich war leider nicht dort)!

    Gleich mal nach der Alberto Bikehose gegooglet. Gibt’s natürlich nur für magere Hipster als “slim fit”, nicht aber für Leute mit Oberschenkeln.

      1. Ich habe die Creux als Kurzversion letztes Jahr probiert. Mir waren die am Oberschenkel etwas knapp. Jedoch prima sind die sinnvollen Features wie Handytasche und Schrittverstärkung die die Alberto nicht haben.

Noch etwas Senf dazu?