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Bikepacking, olé! Meine Packliste für ein Fahrradwochenende

Das Fahrrad macht es so leicht, einfach spontan aufzubrechen und aus dem Alltag zu radeln. Besonders zum Bikepacking braucht es meist nicht viel, wenn da nur das Packen nicht wäre! Aber eine Packliste kann helfen.

Auch für einen gepflegten Wochenendritt brauche ich etwas Zubehör und Kleidung. Damit ich die wichtigsten Dinge dabei habe, erstelle ich oft eine Packliste und hake dann beim Einpacken ab. Im Gegensatz zur Mehrtagestour könnte man meinen, dass die Gepäckmenge sich bei kurzen Fahrten deutlich reduziert. Im Grunde ist jedoch die Basisausrüstung immer die Gleiche. Zwei Fragen und deren Antworten entscheiden, wie viel mehr Kram ich am Ende am Fahrrad dabei haben werde:

  1. Wie schlafe ich? Übernachte ich draußen und benötige dafür Schlafsack und alles andere fürs Nachtlager oder suche ich eine Unterkunft?
  2. Was und wo esse ich? Kehre ich ein oder koche ich selbst?

Sind diese Fragen geklärt, kann es auch schon losgehen. Ich bereite mich zum Beispiel gerade auf meinen Ausflug nach Dresden zur Gravel Spartakiade von Veloheld vor. Diese Zwei-Tages-Tour Mitte September ist mit Übernachtung auf einem Zeltplatz geplant. Außerdem besteht die Überlegung im Anschluss von Dresden nach Berlin zurück zu radeln. Insbesondere dafür kommen Schlafsack, Isomatte und Biwaksack mit. Tarp und Hüttenschlafsack sind optional. Kochen werde ich nicht selbst. Und somit brauche ich nur noch etwas Besteck und den Kaffeebecher.

Ganz klar ist: Wer in Pension, Hütte oder bei Freunden schläft, ist deutlich leichter unterwegs, gibt mitunter aber auch mehr Geld aus.

Je nach Temperaturen benötige ich mehr oder weniger Kleidung. Besonders im Spätsommer kurz vor Herbstbeginn, kann es nachts schon deutlich kühler werden und es fällt mir schwer, da nicht zu viel mitzunehmen. Eine kuschlige Fleecejacke und ein Merinoshirt zum Drunterziehen sind daher Pflicht. Lieber zu viel als zu wenig bleibt die Devise. Um alles etwas beim Einpacken zu vereinfachen, unterteile ich meine Packlisten meist nach Kategorien: Küche, Schlafzimmer, Werkstatt oder ähnliches. Das kann dann wie folgt aussehen:

Meine 2-Tages-Packliste

Download (PDF, 20KB)

Und hier nochmal zum Download als xlsx zum Bearbeiten (private use only).

Meine Top 5 auf jeder Fahrradtour:

  1. Multitool
  2. Trinkflasche
  3. Schlauchtuch
  4. dünne Jacke
  5. Kamera/Smartphone

Unterwegs werde ich dann eh merken, ob noch Dinge fehlen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dem empfehle ich wärmstens das kleine Büchlein “Rad und raus” von Gunnar Fehlau. Spätestens nach dieser Lektüre möchte man den halben Fahrrad- und Outdoorladen leer kaufen und aufbrechen ins Abenteuer!

Auf ins off-road Abenteuer! Und mit welchem Rad?

Mit dem Rad über Stock und Stein zu fahren mochte ich ja nicht immer. Zu anstrengend und zu ruckelig war das Ganze früher. Das ist heute zwar immer noch so, doch mit einem gewaltigen Unterscheid: Ich weiß nämlich jetzt, wie sehr das richtige Fahrrad Einfluss auf Gefallen oder Nicht-Gefallen einer Off-Road Tour hat. Für den Genuß von unruhigem Terrain, steinigen Feldwegen oder wurzeligen Waldpfaden empfiehlt sich ein gutes Crossrad oder gleich ein Mountainbike. Und für das dazwischen bin ich beim Gravel- oder All Road Bike gelandet. Der Punkt ist also abgehakt :-).

Wo kommt der Kram nun rein?

Mein Fahrrad belade ich nun ganz unterschiedlich. Denn wie das beim Bikepacking typisch ist, erfolgt das Set Up ganz individuell. Bei meiner Deutschlandtour war ein Lowrider angebaut und zwei kleine front roller Fahrradtaschen von Ortlieb montiert. Dieses Mal werde ich jedoch etwas anderes probieren: Eine weitere Variante, um Gewicht und Gepäck einzusparen, ist die Montage von Gepäckkäfigen. Auf jeder Seite der Gabel kommt eine Halterung, die sich ganz individuell beladen lässt. Ob Trinkflasche, Schlafsack oder Klamotten, je nachdem was man so braucht, bieten sie flexibel eine Transportmöglichkeit. Ich werde vermutlich Kleidung und einen Teil des Schlafzimmers in zwei Packsäcken daran verteilen. Hinzu kommen für die Veloheld-Ausfahrt eine Ortlieb Satteltasche in M, das Accessoire Pack und eine Stem Bag für die kleinen Dinge und Snacks.

So! Genug gepackt. Rauf aufs Rad und raus aus der Stadt! Ich kann es kaum noch erwarten!

B2Fh: Die Fränkische Schweiz und der Umgang mit eigenen Grenzen

Ein wenig vermisse ich diese Sommermorgen, an denen ich aus dem Zelt gekrochen bin, weil ich es in der Wärme darin nicht mehr ausgehalten habe. Die Vögel sangen dann bereits laut und das Gras war immer noch etwas feucht. Völlig zerknautscht haben meine Freunde und ich uns dann ein leckeres Frühstück gemacht, viel Tee getrunken, danach die Sachen zusammen gepackt und am Ende die Zelte verstaut. Auf ging es in einen neuen Tag auf dem Fahrrad.
Und dieses Mal? Da wühlte ich mich aus den Bettlaken, duschte erst einmal genüsslich (ein Luxus, den ich bei der Sonne und Wärme schon sehr genoß) und frühstückte ausgiebig. Beide Arten zu übernachten, haben ihre Vor- und Nachteile. Aber ich bin mir sicher, das nächste Campingabenteuer wird kommen!

4. Etappe #B2Fh: Von Selbitz nach Nürnberg

In der letzten Nacht durfte mein Veloheld in der Garage schlafen, neben alten Möbelstücken und allerlei Kleinkram – dafür aber sicher verschlossen und weg von der Straße. Weiter ging es am vierten Tag meiner Reise von Berlin an den Bodensee durch Bayern. Nachdem ich am Vortag Thüringen durchquert habe, standen nun weitere Höhenmeter und die schöne Landschaft der Fränkischen Schweiz bevor.

Leider war mein Körper nicht ganz so motiviert wie ich und zeigte bereits am Abend zuvor leichte Krankheitszeichen und Halsschmerzen. So lutschte ich fleißig Halsbonbons und versuchte viel zu trinken, was sowieso stets eine gute Idee war. Mein Tagesziel am Dienstag war Nürnberg, wo ich bei einer Freundin die Nacht verbringen wollte. Danach standen zwei Tage Unterbrechung der Tour an, weil sich Termine nicht anders legen ließen.

Durch Berg und Tal und die Fränkische Schweiz

Die Straße bot mir ein ständiges auf und ab und ich versuchte, mich an der Landschaft zu erfreuen. Viele Burgruinen und -anlagen lagen auf meinem Weg und auch die markanten Felsen verschönerten die Umgebung schon auf kilometerweite Entfernung. Über Kulmbach nach Krögelstein und bis nach Ebermannsdorf führte die Route durch die Fränkische Schweiz. Einige Straßen waren mit einem Schild versehen, welches die prozentuale Steigung angab – nicht selten bis zu 21 %. Ich habe mich dann entschieden an diesem Tag aufs Durchbeißen zu verzichten und auch ab und an mal zu schieben. Man gönnt sich ja sonst nichts. Doch ich hatte auch das Vergnügen genau diese Steigung bergab fahren zu dürfen – yehaaaa, das war ein Spaß!

Durchbeißen oder einfach mal chillen?

Ich merkte den ganzen Tag schon, dass ich viel mehr kämpfen musste, als zuvor. Vielleicht bin ich einfach ein wenig zu empfindlich bei warmen Temperaturen (die norddeutschen Wurzeln, ich sage es euch!) oder habe mir nach dem Gewusel die Tage und Wochen vor meiner Reise einfach zu viel vorgenommen. Irgendwie lief es nicht. Ich schaute viel zu oft auf den Kilometerstand und sehnte mich nach Pausen, wollte aber genauso gut vorankommen. Zu schön waren einige Wegabschnitte und zu groß mein Stolz, als dass ich abbrechen wollte. Schließlich gelang ich gegen 17:30 Uhr und somit fast zwei Stunden nach meinem Plan nach Ebermannstadt und gönnte mir dort erstmal Spätzle und ein alkoholfreies Bier. Das half auch irgendwie – kurzfristig. Es waren immer noch knapp 40 km und ich musste nun direkt gen Süden fahren, wobei ich die bereits tiefstehende Sonne immer im Gesicht hatte.

Als ich in Forchheim, ca. 30 km vor Nürnberg schließlich direkt am Bahnhof vorbei fuhr, war meine Entscheidung schon gefallen. Done for today. Mein erleichtertes Aufseufzen, nachdem ich im Zug saß und dieser losfuhr, unterstrich die Richtigkeit meiner Wahl.

Done for today. So, am Ende hat mich die Sonne heute fertig gemacht. Zumindest bis Erlangen wollte ich radeln, doch als in Forchheim nach ca 105 km aufm Rad das Navi mich direkt am Bahnhof vorbeiführte, war meine Entscheidung schon längst gefallen. Ich bin kaputt. Kopfaua, Sonnenbrand und blöder Hals…irgendwas ist ja immer. Egal, Mein Körper hat nein gesagt und ich möchte wenigstens dieses Mal darauf hören. Und nicht wundern, wenn es morgen und Donnerstag etwas ruhiger ist. Ich mache einen Stop over in Nürnberg/Würzburg und setze meine Reise Donnerstagabend fort. Danke fürs Begleiten und Unterstützen😘! . . . #B2Fh #cycling #travelgermany #radelmaedchen_unterwegs #nomoresuntoday #sunny #rednose #Sonnenbrand

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Tageskilometer: ca. 110 km
Höhenmeter: ca. 1100 hm

5. Etappe #B2Fh: Von Nürnberg (Schwabach) bis Heideck (kurzer Ritt am Abend)

Am Donnerstagabend setzte ich schließlich meine Reise fort. Es hatte am Nachmittag bis zum Abend hin geregnet und während es über Nürnberg noch weiter tropfte, sah es ein paar Kilometer weiter draußen etwas besser aus. Da ich eh am Bahnhof war und nichts dagegen hatte, den Stadtverkehr zu umgehen, nahm ich die S-Bahn und fuhr ein paar Stationen raus aus der Stadt bis etwa Schwabach. Als ich mich dann aufs Fahrrad schwang, tröpfelte es nur noch ein wenig. Viel krasser war die extrem hohe Luftfeuchtigkeit, die mich immer wieder für und gegen die Regenjacke schwanken ließ. Egal. Die Straßen waren am Abend unglaublich leer, die Strecke am Kanal und durch den Wald super schön und in Hipoltstein gab es sogar noch eine hübsche Altstadt und Burgruine zu bestaunen.

Ziel des Tages war ein Schloß mit Reiterhof und Pension in Kreuth bei Heideck, wo ich vorab reserviert hatte. Und nun kommt es: Ich bekam ein ebenerdiges Zimmer, in dem ich auf meine Nachfrage hin auch mein Veloheld mit unterstellen durfte! Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie gut und ruhig ich da geschlafen habe.

Tageskilometer: ca. 30 km
Höhenmeter: ca. 256 hm

6. Etappe B2Fh: Heideck bis Donauwörth. Von außen und von innen nass und wie alles anders kam als erwartet.

Motiviert startete ich in einen weiterhin feuchten Freitagmorgen. Die Temperaturen waren zwar etwas gesunken, aber diese Schwüle und die hohe Luftfeuchtigkeit waren geblieben. Doch ich wollte Radfahren und freute mich auf den Tag. Schließlich plante ich die Donau zu erreichen und auch ein paar Kilometer am Donauradweg zurückzulegen. Doch zuerst gab es noch ein paar bayerische Schmankerl und ich durchquerte unter anderem das mittelalterliche Weißenburg und Teile des schönen Altmühltals auf meinem Weg.

Und dann war es plötzlich vorbei

Gegen 12 Uhr fand ich eine nette Bank an einer kieseligen Zufahrtsstraße in den Wald und gönnte mir eine Müsliriegelpause. Ganz fit war ich immer noch nicht. Aber hinter mir rauschte ein Bächlein, die Vögel zwitscherten laut und ich genoß es einfach unterwegs zu sein. Als ich bereit war, weiterzufahren, wollte ich die folgende Abfahrt und den Schwung nutzen, um den nächsten Hügel besser hoch zu kommen. Blöd nur, dass da auch etwas Matsch am nun gepflasterten Weg lag, der sich tiefer herausstellte, als angenommen. Meine Entscheidung war definitiv die falsche gewesen. Gravelreifen können einiges, aber rutschig und mit Schwung um die Kurve war scheinbar dennoch nicht so die beste Idee. Ich hatte den Weg unterschätzt.

Während ich stürzte, was natürlich unerwartet kam, konnte ich kaum reagieren. Ich erinnere mich nur noch an das Gefühl und das Geräusch des Kunststoffs meines Helmes auf dem Stein, als mein Kopf seitlich aufschlug. Schockmoment. Fluchen. Schock. Ich quälte mich auf, fluchte erneut und sah mich suchend nach meinem Rad um, was etwas über den Boden zur Seite geschlittert war. Erneuter Schock. Ging es meiner Hübschen gut? Der Lenker war eingeschlagen und das Rad lag seitlich auf den Lowrider Taschen. Die guten Ortlieb Gravelpacks! Die waren tatsächlich die Rettung für mein Rad gewesen. Der Lenker war etwas verdreht, ein Schalthebel zerkratzt und leicht verbogen, aber sonst gab es nur noch kleine Abschürfungen am Schaltwerk. Nichts war kaputt gegangen.

Zumindest konnte ich das von mir größtenteils auch behaupten. Mein Kopf drückte etwas und der Helm hatte einen kleinen Riß im Schaumstoff innen. Sicherlich war von Vorteil gewesen, dass ich an dem Tag die längere Leggings und die lange Regenjacke getragen habe. Dadurch waren mir viele Schürfwunden erspart geblieben. Ich sah auf jeden Fall einseitig aus wie Sau und versuchte mich notdürftig zu reinigen, während ich immer mehr Stellen entdeckte, die drückten und weh taten. Die Hüfte, das Handgelenk, die Schulter und das Knie hatten Prellungen bzw. Abschürfungen abbekommen. Es dauerte zwei bis drei Tage bis ich meinen rechten Arm wieder normal heben konnte.

Und nun?

Sollte ich weiterfahren? Konnte ich das überhaupt. Ich fühlte mich etwas zittrig, unsicher und mein Lenker war immer noch schief. Mein Navi verriet mir, dass der nächste Bahnhof nur wenige Kilometer entfernt war. Der nächste Radladen war in Donauwörth, was auch der nächstgrößere Ort war. Er lag etwa 25 km von meiner aktuellen Position entfernt. Auf einmal fühlte ich mich gar nicht mehr so selbstsicher und mochte das Alleinreisen etwas weniger. Sicher, ich hatte Glück gehabt, ich war bei Bewusstsein, scheinbar nichts gebrochen und meinem Fahrrad ging es auch ganz gut. Doch tatsächlich war ich noch nie so gestürzt und das verunsicherte mich sehr. Also ging ich auf Nummer sicher, radelte vorsichtig zum Bahnhof, zog mich dort in der Toilette erst einmal um und stieg in den nächsten Zug.

In Donauwörth lag der Fahrradladen auf dem Weg zur Klinik und ich wurde bei Zweirad Uhl super nett betreut und mein Fahrrad war schnell wieder fit. Es waren Kleinigkeiten, die ich auch allein hätte richten können. Nur irgendwie fühlte ich ich damit besser. Danach folgten zwei Stunden warten und ein Sicherheits-Check-Up in der Notaufnahme und schließlich die Entscheidung die Nacht in der Stadt zu verbringen. Es war bereits nach 17 Uhr nachmittags und nun war klar, dass ich es nicht mehr rechtzeitig schaffen würde, komplett mit dem Rad nach Friedrichshafen zu fahren. Daran war auch gar nicht zu denken gewesen. Mein Nacken zog immer mehr und die Vorstellung mehr als 100 km auf dem Rad zu sitzen, ließ mich nur zusammenzucken.
Tageskilometer: ca. 55 km
Höhenmeter: ca. 500 hm

Tourabschluss im Zug

Immerhin erwischte ich in Donauwörth eine Pension mit verschließbarem Container für Fahrräder, einer Bike Box. Das steigerte meine Laune ungemein. Als ich am nächsten Morgen nach einem guten Frühstück zum Bahnhof radelte, um in den Zug nach Friedrichshafen zu steigen, war ich zwar etwas traurig, aber deutlich entspannter. Ich hatte keinen Zeitdruck mehr und konnte mich nun Zurücklehnen und auf die Messe und die vielen tollen Menschen dort freuen. Außerdem hatte ich noch eine sehr nette Unterhaltung während der Bahnfahrt, die sich natürlich ums Radfahren drehte.
Warum ich immer noch glaube, dass Alleinreisen eine tolle Erfahrung ist und was ich so eingepackt habe auf meiner Tour, könnt ihr hoffentlich ganz bald im Blog lesen.


Der Vorbericht zur Reise: Mit dem Rad quer durch Deutschland: B2Fh

Teil 1 des Tourberichts: #B2Fh: Unterwegs mit der kilometerfressenden Gravelmaschine

Teil 2 des Tourberichts: B2Fh: Der Berg ruft. Oder: Thüüüüüüüüringen!

 

B2Fh: Der Berg ruft. Oder: Thüüüüüüüüringen!

Ich fuhr um die Kurve und unter der folgenden Eisenbahnbrücke hindurch und erstarrte leicht eingeschüchtert, als ich die geteerte Straße vor mir erblicken konnte. Liebevoll eingerahmt von grünbraunen Nadel- und Laubbäumen, verlief die anthrazitfarbene Hauptstraße in engen Serpentinen den Berg hinauf. Mal in steilen Kurven, mal in auslaufenden geraden Abschnitten schnitt sie eine harte Linie in den wild-romantischen Thüringer Wald hinein. Immer weiter nach oben führte sie die nur gelegentlich passierenden Autos aus dem Tal hinaus.

Und mich. Auf meinem Fahrrad. Auf der Reise von Berlin nach Friedrichshafen an den Bodensee zur größten Fahrradleitmesse Europas: Die Eurobike 2018.

Es war Montag, 02.07.2018 und Tag drei meiner Reise in den fernen Süden Deutschlands. Am Samstag zuvor, am 30.06.2018 war ich am Morgen in Berlin-Wannsee aufgebrochen. Nachdem ich die erste Station bei einer Freundin in Leipzig erreicht hatte, ging es am nächsten Tag mit einem kleinen Schwenk nach Naumburg (Saale) in Sachsen-Anhalt, um dort weitere Freunde zu besuchen. So mag ich das: Nach einem langen Tag allein auf dem Rad nicht nur eine warme Dusche zu haben, sondern auch in soziale Interaktion mit Menschen zu treten, die man gern und teilweise lange nicht gesehen hat: Verbinde das Praktische mit dem Schönen!

3. Etappe #B2Fh: Von Naumburg nach Selbitz – die Thüringendurchquerung

Ausgeruht und gut gelaunt schwang ich mich am dritten Reisetag nach einem kurzen Gang zum Bäcker wieder auf mein Veloheld. Die Region um Naumburg an der Saale ist ein wahres Kleinod und so rollte ich die ersten Kilometer an der Saale entlang, um mich dann neben den Weinreben an den Radweg zu setzen und draußen unter blauem Himmel zu frühstücken.

Der Weg war geprägt von kleinen und größeren Anstiegen, vom Verlauf der Saale und der wunderschönen umgebenden Landschaft aus grünen Wäldern und Tälern. Ab und zu ragte auf einer Bergkuppe stolz eine Burgruine gen Himmel empor.

Hallo Thüringen!

Ich passierte Jena. Die größte Stadt meiner Route an diesem Tag bot mir die Gelegenheit meine Wasserreserven aufzufüllen und das erste Eis des Tages zu essen. Der folgende Wegesabschnitt war grün und abwechslungsreich und führte mich über schmale Waldpfade direkt an der Saale entlang über Feldwege und sanfte Hügel. Doch so blieb es leider nicht.

Nach wie vor war der Himmel wolkenlos und die Sonne schien mit aller Kraft, als ich schließlich den ersten fiesen Berg erreichte. Die Reifen klebten auf dem Asphalt der Landstraße und es gab so gut wie keinen Schatten. Nur die brennende Sonne und die goldenen Kornfelder begleiteten mich auf meinem Weg nach oben. Ich brauchte einige Verschnaufpausen, um die kurvig verlaufende Straße mit den langgestreckten Anstiegen zu bewältigen. Es war anstrengend und etwas nervig, da immer wieder Autos an mir vorbei sausten. Vielleicht war das nicht der beste Track, doch ich hatte versucht die bestmögliche Route zu wählen und war von vornherein abgeschreckt gewesen von den bevorstehenden Höhenmetern. Und ich wusste, es würden noch mehr werden. Endlich konnte ich auf einen breiten Feldweg abbiegen, doch das ständige auf und ab blieb.

Ab geht die Sause!

Und dann kam die erste, lange Abfahrt! Die Aussicht auf einen langen, asphaltierten Weg bergab kann jede unangenehme Kletterei versüßen. Ihr kennt vermutlich dieses Gefühl der Aufregung und diesen kleinen Kick, der einen überkommen kann, wenn das Rad immer mehr beschleunigt und das Surren der Reifen auf dem Asphalt immer lauter erklingt. Oh, das tat gut! Ich konnte einen Jauchzer nicht unterdrücken, als der kühle Fahrtwind in mein Gesicht wehte und das leichte Kribbeln im Bauch zunahm. Über mehrere Kilometer verlief die Straße hinunter und zurück ins Tal zur Saale und zum hübschen kleinen Ort Ziegenrück, der direkt an der Saaleschleife lag. Umgeben von prächtigen Wäldern war diese Siedlung ein romantischer kleiner Fleck im Thüringer Wald, der sich perfekt für eine Nachmittagspause eignete.

2/3 der Strecke waren geschafft und ich war es auch, denn langsam machte mir die Sonne doch sehr zu schaffen. Aber erst mal gab es Eis und alkoholfreies Weizen, um die Energiereserven aufzufüllen.

Thüüüüüüüüüüüringen…

Frisch gestärkt brach ich auf, um die letzten 45 km in Angriff zu nehmen. Und diese hatten es in sich. Ich dachte über einen kurzen Zugtrip nach, aber wirklich ernsthaft zog ich das nicht in Betracht. Schon rollte ich aus Ziegenrück heraus und folgte der Hauptstraße. Der Verkehr war überschaubar und der Wald spendete mir angenehmen Schatten, den ich zuvor teilweise vermisst habe.

Ich wollte nicht aufgeben! Nachdem ich mehrmals tief durchgeatmet hatte und noch einen Schluck aus der Wasserflasche genommen habe, fuhr ich schließlich den Berg an. Langsam, aber stetig und mit viiiiielen Verschnaufpausen. Mir war warm, es war anstrengend, aber irgendwie war es um mich herum so schön, dass ich es sogar ein wenig genoß hier auf meinem Fahrrad unterwegs zu sein. Wie ich bereits auf Facebook kund tat, war an diesem Tag meiner Reise ein ganz besonderes Lied eines noch besonderen Kabarettisten mein ständiger Begleiter.

Und so sang ich, mal lauter, mal leiser, mal summend, aber ich sang, während ich Meter für Meter nach oben schlich. Es tat so gut und es war so befreiend das kleine bisschen Restatem für ein langgezogenes “Thüüüüüüüüüüüüüringen” aufzubrauchen! Meine Laune stieg.

Schließlich deutete sich ein Ende dieses langen Weges nach oben an. Ich war immer noch mitten im Wald, doch der Ausblick war nun ein anderer! Zwischen den Bäumen blitzte ab und zu das Wasser der Saale hindurch, die behäbig durch das Tal floß.

Ich war stolz, stolz, dass ich mich nicht unterkriegen ließ! Dass ich es einfach versucht und meinen inneren Schweinehund besiegt habe, der lieber Bahn gefahren wäre.

Durch Höllental nach Selbitz bei Hof

Es gab noch viele weitere Ansteige und großartige Abfahrten und dich merkte immer mehr, wie sehr dieser Tag an mir zerrte. Es mögen vielleicht weniger Kilometer werden, doch die Höhenmeter haben sich fast verdreifacht. Ich passierte irgendwann den Ort Blankenstein, ein Tor zum berühmten Rennsteig und schließlich die ehemalige innerdeutsche Grenze. Thüringen lag hinter mir und nur noch eine Fahrt durchs wunderschöne Höllental trennte mich von meinem Nachtlager, einer Pension in Selbitz. Oh, wie ich mich danach sehnte. Die letzten Meter auf dem Rad waren nicht mehr ganz so genussvoll. Nicht weil ich Schmerzen hatte oder das Fahrrad unangenehm wurde, ich war einfach ko, so ziemlich platt. Trainiert war ich nun einmal nicht und meine Energie war nach diesen vielen Höhenmetern einfach aufgebraucht. Aber: Ich hatte es geschafft!

Thüringen lag hinter mir und voraus folgte nun das nächste Bundesland: Bayern und meine Fahrt durch die Fränkische Schweiz. Flacher würde es auf jeden Fall erst einmal nicht werden…

Tageskilometer: ca. 137 km
Höhenmeter: ca. 1800 hm

Der Vorbericht zur Reise: Mit dem Rad quer durch Deutschland: B2Fh

Teil 1 des Tourberichts: #B2Fh: Unterwegs mit der kilometerfressenden Gravelmaschine